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Full text of "Entwurf einer Theorie& Litteratur der schönen Redekünste"

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I 



Johann Joachim Eschenburg*$ 

Entwurf 

. einer 

Vlieorie nncl XiUteratiir 

der 

schönen Redekünste 



Fünfte, Tdliig umgearbeitete Ausgabe 



von 



Dr. Marita IPinderm 



Berlin, 1836. 

In der Nicolai'schen Bachhandlang* 



i 



Ego in his pfMcepU# \une rim et liaae uCilitatMii Mse arbltror, Bon ut »d 
rep«rlendiiiBy qoid dicamufly arte daeAmiiri sed nt ««, quae natura, qt'^ae studio, quaa 
•z*eitatioBe conse«|uimnr y aut ncta eaae eonfidanu«, ant prara iateUlgamus, cum, 
quo r«ferenda aint, didictriun«. , ^ 

C i e • r o. 



N 



> >. 



,/ 



Vorwort des Heraussebers, 



Wenn unter dem Titel von Eschenburgs 
l^heorie und Litteratur der schönen Hedekün- 
ste gegenwärtig ein ganz andares Buch erscheint, 
als welches er verfafsf hat, so geschieht ^ dend 
wackeren Manne damit einiges Unrecht Denü 
auf seinen Namen mW er nehmen, was seiner 
Gesinnung fremd, ja ganz zuwider ist Durch 
seine Auctorität soll er einfuhren, was eben die 
Auctorilät seiner harmlosen Paragraphen um:- 
stürzen solj. 

Andererseils wäre vielleicht das Unrecht 
noch größer gewesen, hätte man sein Com- 
pendiüm, da es aufs neue terlangt wurde, deai> 
Buchstaben getreu wieder abdrucken lassen, 
jetzt, da das Buch, eben weil es unverändert 
geblieben, unwillkührlich fßu anderes! geWor- 

162089 



IV VOBWOBT. 

den ist, als was es war; denn es war eine 
schlichte Darstellung der in der Zeit gel- 
tenden Kunstregeln. Somit scheint wiederum 
dem Buche nur sein Recht zu geschehen, wenn 
diese seine Bedeutung wieder hergestellt wird, 
wenn «an die Stelle der damaligen Ansichten, 
di^ Eschenburg ja nicht aus sich selbst entwik- 
kelte, seiner Absicht getreu die jetzigen gestellt 
werden, und so ist auch der vorstehende Ti- 
tel zu fassen. Das Buch will gegenwärtig sein, 
was Eschenburgs Theorie bei ihrem ersten Er- 
scheinen vor mehr als einem halben Jahrhup- 
dert gewesen ist. . 

iJäöch muls man es. in .Frage stellen, ob' 
überÜaupt ein Gleiches für unsere Zeit zu leid- 
sten sei. Damals, in einer: Periode, die, von der 
TiefeJ dar specülativen Philosophie weit ent- 
fernt, selbst an der Kantischen Kritik noch kei- 
nen Theil hatte, gab es wirklich eine Anzahl 
allgemein anerkanntet*, einfacher und bestimm- 
ter Kunstregeln, die, ohne an ihrem Gehalte 
merklich zu verlieren, auch für jüngere Schu- 
ler sich leicht ürid.fafslich vortragen liefsen. 
Jetzt sind diese Regeln zum Gespött gewor- 
den. Aber die Kunstphilosophie hat auf ihrem 
weit höheren Standpuncte noch nicht diejenige 
Anerkennung, vielleicht auch nicht diejenige 
Durchbildung erlangt,. dä& man ihre Sätze mit 



VOEWOET, V 

dem Vertrauen auf allgemeine Zustimmung in 
didaktischem, Tone aussprechen könnte. Und 
könnte man es auch, so enthielten sie doch 
jedenfalls tiefere Gedankenbestimmungen, als 
dafs sie ein ganz müheloses Verständnifs zulie- 
fsen. Die Aufgabe also , welche ESchenburg 
nach dem ürtheile seiner Zeit so glücklich lö- 
sete, ist gegenwärtig eine viel schwierigere. 

Ich habe es daher :nicht ohne einiges Be- 
denken gewagt, der ^Aufforderung und Einsidbt 
meines verehrten Freundes, Dr. Parthey, des 
Herrn Veriegers, nachzugeben; und das vom 
Publicum in einer fünften Ausgabe verlangte 
Bach nach meinem besten Wissen zeitgemäls 
umzuschafTen. 

Wenn es leicht und erfreulich ist, aus ei- 
nem eigenen lebendigen Keime fein Werk frisch 
und selbständig emporwachsen zu lassen, so 
fühlte ich mich hingegen vielfach behindert, 
indem ich das fremde Gebilde, das mir oft 
geistlos erschien, mit neuem Geiste beleben und 
verjüngen wollte. Ich war bemüht, nichts ohne 
Noth zu verwerfen, und doch, wenn ich mich 
in das Vorhandene möglichst zu fügen gesucht 
hatte, waren endlich nur wenige Spuren des- 
selben übrig geblieben, und auch diese stören 
mich noch. 

.Die ganze Tendenz des Buclies ist eine 



VI VOEWOaT. 



andere geworden. Statt dals iCschcnburg Re- 
geln und Vorschriften fiir den Künstler : auf- 
stellte, die, auch aufs beste abgefafst» dem schaf- 
fenden Genius gegenüber stets etwas Lächerli- 
ches behalten, glaubte ich das Nützlichere zu 
leisten, wenn ich vielmehr das Wesen, die Ei- 
genthümlichkeiten und gegenseitigen Beziehun- 
gen der KuQstgattUngen in das Bewufstsein zu 
rufen, itvenn ich durch Einsicht in die Kunst 
die hervorbringende oder aufnehmende Thatig- 
kei( zu unterstützen bemüht wäre. 

Unter jenen übermüthigen, an Inhält und 
Form die Bjkgel verspottenden Xenien Göthe s 
und Schiller s sind einige auf die Theorie lde& 
Braunschweiger Professors gerichtete Zeileli: 

' „Zeichen des Pegasus.^^ 

^ber seht ihr in B** den Ghrad ad Pamasmm, so bittet^ 
höflich ihip ab, dab ihr euch eigene Wege gewählt ^^ . 

Der Vorwurf der beiden gröfsen Dichter 
ist nun ) nicht blos dadurch beseitigt,! dafs die 
Xenien selbst mit in das Bucht einregistrirt sind,, 
sondern gründlicher durch die angegelrene Ten-^ 
denz des Buches, nicht Wege vorzuschreiben, 
sondern nur Betrachtung, -Anschauung (B-ica^ia) 
zum Inhalte zu haben. 

Eine Art von Einseitigkeit und Beschränkt- 
heit ist von dem Plane des für so nützlich! er- 
kannten Buchtis unzertrennlich; eben dieses 



VORWORT. VII 

Einregistriren in gewisse Kategorieen» dieses 
Trennen und Auseinanderhalten der Kunstgat* 
tungen, die doch in einem lebendigen Zusam- 
menhange stehen, und auch nach ihrer Gemein- 
samkeit, nach ihrem nothwendigen Uebergehen 
in einander betrachtet sein wollen. Auch jede 
einzelne Kunstgattung för sich verändert ihr 
Wesen auf den verschiedenen Entwickelungs- 
stufen der Weltgeschichte; sie ist eine andere 
in der antiken, romantischen, modernen Welt 
Dieser lebendigen Entwickelung hinlängliche 
Aufmerksamkeit zuzuwenden, verbietet, wie 
gesagt, der Plaq des Buches. ^ So sind auch 
die angeführten Musterwerke der Litteratur aus 
ihrem historischen Zusammenhange herausge- 
rissen, und werden nur insofern angeführt, als 
sie ausgezeichnete Beispiele för einzelne streng 
gesonderte Gattungen abgeben. 

Hiebei zeigt sich tioch eine Inconvenienz, 
die der Plan des Buches mit sich bringt. Eben 
weil ein lebendiges Erzeugnifs der Litteratur 
noch etwas ganz anderes ist, als Hlos ein Mu- 
sterstück einer Kunstgattung, so koifkimt es, dafs 
manche genialste Werke, welche Blüthen eines 
Volkes, eines Zeitalters sind, sich nicht, gleich 
anderen, in diese oder jene Kategorie stellen 
lassen. Sie haben eben nicht ihres Gleichen, 
womit sie zusammengeordnet werden könn- 



' I » • ■ .' -' ■ , ■ 



Ego in his prfteeeptU baae virn et buie ntnitatooi mm arbitror, Bon nt ad 
repariaadttoiy qaid dicamaa, arte daeaoiiifi Md at Mj quaa natura, ^aa atndio, qnaa 
•aE*eitatioaa conse«|aimuryaat facta eMC eonfidanua^ aat prara iatdligamui, enm, 
qno referenda fiat, didietrimna. , 

C i e a r o. 



N 



iii I I 



Vorwort des Heraussrebers. 



V . 



V V enn unter dem Tflel von Eschenburg s 
l^heorie und Litteratur der schönen Kedikün- 
ste geg€nwärtig ein ganz andares Buch erscheint, 
als welches er verfafsf hat, so geschieht deiil 
wackeren Manne damit einiges Unrecht. Denn 
auf seinen Namen soll er nehmen, was seiner 
Gesinnung fremd, ja ganz zuwider ist Dtirch 
seine Auctorität soll er einfuhren, was eben die 
Auctorilät seiner harmlosen Paragraphen um- 
stürzen solj. 

Andererseils wäre vielleicht das Unrecht 
noch größer gewesen, hätte man sein Com- 
pendiüm, da es aufs neue terlangt wurde, dem» 
Buchstaben getreu wieder abdrucken lassen, 
jetzt, da das Buch, eben weil es unverändert 
geblieben^ unwillkührlich .^in anderes geivor- 

162089 



I 

i 



X VORWORT; 

So wäre denn genugsam auf die Mängel 
des Buches hingewiesen, um^ dem oberflächli- 
chen Beurtheiler den Tadel zu erleichtern; der 
gründlichere wird meine redliche Bemühung 
durch nutzbare Winke zu fördern wissen. 

M. Pinder. 

Berlin, im März 1836. 

-- • 



» I 



I n ha 1 t 



Einleitung.. 

SchSnlieity IStmiBt, §. 1. — Einsehe Kfinste. §. 2 — &. — Daniel- 
lang, §. 6. — Nachahmung, §. 7. — Ideal, §. 8. — TSnschnng, 
§. 9. — StiU Manier, §. 10. — Erhabenheit, Zierlichkeit, §. 11. — 
Wahrheit, Leichtigkeit n. 8. w., §. 12. — Claasisch, romantbch, 
§. 13. — Transch, komisch, hamoriatiscb, §. 14. — Genie, $. 15. 

— Einbil^ngskraft n. 8. w., §. 16. — Geschichte der Aesthetik^ 
§. 17. 18. -- Litterator der Aestheiik, §. 19. — Poetik» Rhetorik» 
§. 20. 

Poesie, Prosa, $. 21. 22. ~ Stoff,, Behandlone,^ §. 23. — Poetischer 
Stil, §. 24. — Poetisches Genie, §. 25. — Erworbene Eigenschaf- 
ten, §. 26. — Poetische Begeisterang, §. 27. •— Bedeatang der 
Theorie, §. 28. — Rhythmus, Metrom, Prosodie, $. 29— 31. — 
Zeitmaafs, Tonmaafs, $. 32. — Ffifse, §. 33. — Yersarten, §. 34. 

— Caesar, §. 35. — Diaerese, §. 36. — Werth de» Silbenmaa- 
Ises, §. 37.' 38. — Nachahmende Harmonie, (.39. — Wohlklang, 
|. 40. — Reim, §. 41 —45. — Assonanz, AlUtteratioo, §.• 46. — 
Geschichte des Reims, §. 47. — Gewandtheit der deatschen Spra- 
che, §. 48. — Ursprung der Poesie, §. 49. — Geschichte der Poe- 
sie, §. 50—60. — Litteratur der Poetik, §< 61. 62. — Poetische 
Gattungen und Arten, §. 63—66. 

Epos« 

Theorie des Epos, §. 67—80. ^ Litterator des Epos, §. 81—98. 

— — Das komische Epos, §. 99 — 106. Roman, §. 107 — 

111. — Novelle, §. 112. — Mährchen, §. 113. — Legende, §. 114. 

— Tausend und eine Nacht, §. 115. — Griech. und röm. Roroan- 
" litteratur, §. 116. — Romane des Mittelalters und der neueren 

Zeit, §.117—121. Poetische Erzählung, §. 122-126. 

Lyrische Poesie. 

Lyrische Poesie im Allgemeinen, §. 127 — 129. — Ode, §. 130-:- 
141. (Hymnen §. 133-135. Heroische Ode, §. 136—138. Di- 



X^ INHALT. 

thyranibw §. 130. Phi1oM|ilibdM Od«. §. 140. 141.) — Lied, 
6 142 — 148. — — Romanze ntid Ballade, §. 149—152. — Can- 
Kone, §. 153. — Sonett, §. 154. 155. — Madri|al, §. 156. — 
Trioleit, Rondean, §. 157. Cantate, §. 158. — 

Eleeie $. 170-179.. - Idyll, §. 180-190. - Satire, €. 191- 
Äl -- Lelireedicht, §. 202 — 210. — Poetische Beschreibnnf; , 
6 211-216. — Poetiache Epiatel, §. 217—219. — Heroide, §. 
420-225. - Epigramm, 226-237. - Rathael, f 238. 239. 

— Aeaopische FallSl, §. 240-255. - Allegorie, §. 256-262. 

— Parabel» §. 263—265. — Parodie imd Travestie, 266—268. 

Dramatische Poesie. 

Dramaüscties Gespräch,. §. 269—276. — Das Drama ftbeihaopl, §f 
277 — 292. — Tragödie, §.293 — 303. — Litteratur der Tragödie, 
6 304—312. — Komödie and Schanspiel, §.313—320, Littera- 
tar derselben, §. 321-329. -. Oper, §. 330-335. Litteratur 
derselben, §. 336-.339. ' '! . '. 

Rbetorik. 

Eialeitone. Von &r Rhetorik «beAwpt. §.340 -»4. . 

Allaemeioe. Theorie der proSaUcheii Schreibart, 5. <JW— <»1. 

< 404 — 4.11. — Abhandelnde Schreibart, §. 412 — 424. — 
Historische Darstellung, §. 425 ff. — Charalrterschilderang, 
$ 441 442. — Biographie, §. 443—445. — Mnstejß; der bis^HJ- 
sichen Darstellung, §. 446—451. — Kunst des Redners, §. 
452 — 475. Muster der Beredsamkeit, §. 476—479* 



i 






Einleitung. 



§. 1. 

Die Theorie der scbönen Redekünste, welche uns 
hier beschäftigen wird» bildet einen Theil der Lehre von 
der Kunst überhaupt. Kunst ist das Herrorbringen des 
Schönen durch den Menschen. Das Wesen der Schön« 
heit aber mit einer Definition zu erschöpfen, zumal wenn 
deren Sinn nicht durch ihre Stellung in einem abgeschlos- 
senen Sjrsteme der Philosophie* deutlich wird, ist unmö^ 
lieh, und man mufs erwarten, erst nach einer weitep^eu 
Entwickelung verstanden zu werdeb, . wenn man sich der 
Formel bedient, das Schöne bestehe in der unmitt^l« 
baren E^inheit der Idee und der einzelnen £r8cheiiu;u^ 
wodurch die gegenwärtige, endliche Wirklichkeit durch 
und durch nichts Anderes ist,' als Ausdi;uck der une^d« 
liehen Idee. Das schöne Kunstwerk ist demnach ein 
durch menschliche Thätigkeit hervorgebrachter einzelner 
Gegenstand, in welchem ganz die Idee gegenwärtig ist. 

Wir scbicken liier, nm in die Theorie der schönen Redekünste 
einzaleiten« einige ^Igemeinere Salze aus der Aesthetik vorant. 
Die Aesthetik nämlicfa, oder Wissenschaft vom Schönen, han- 
delt von dem Begriife des Schönen an sich, femer von der Realisi-^ 
rung dieses Begriiles in den Künsten» endlich Ton dem schaffen- 
den Konstgenie seibat. Ohne diese drei SphSren zu amfassen, 
haben wir nnr das Yerhältnifs der schönen Hedekfinsle zn den 
anderen Knostgattongen, nnd somit ihre SteUang in der Kanst 
fiberhanpt zu h^tracfaken, wobei auch einige Bemerkungen über 
das Schöne nnd die verwandten Begriffe, so wie über das We- 
sen des Künstlers nicht ganz zn fibergehen sind. 
Eschcnb. Th. * 1 . 



2 Eini€]tung. 

§. 2. 
Um in die Welt der Erscheinung einzutreten, muCs 
das Kunstwerk die Form des Zeitlichen und des 
Räumlichen, des Nacheinander- und Nebeneinander- 
seins annehmen. Diejenige Kunst, welche in den Mo- 
menten der' Zeit ihre Erscheinung hat, ist die Musik; 
der Sinn, durch welchen' sie wahrgenommen wird, das 
Gehör» Hingegen im Räume und für das Auge wir- 
ken die bildenden Künste: Architektur, Scul- 
ptur und Malerei. Wepn in den bildenden Künsten 
ein vom Menschen gestalteter' äufserer Gegenstand, iu 
der Musik hingegen^ die Thatigkeit des Metiseheh selbst 
das Kobstwerk ist, so vereinigt sich Beidies In den rSum- 
tich-teitlichen Künsten: der Tanzkunst (Orche- 
stik), derGebetddfnkunit (Miiiiik) und der Schau- 
spielkunst; hier macht sich der l^unistler -selbst zum 
Kunstwerke, ist' der selbstthstige' G^^genstand. Düeje- 
nige Kunst endfich,' welche das Erscheinen in der Zeit 
lind iiki'RiiQme nicht Bios* äufserlich vöreiiiigt, sondern 
VergristigY, wo R^um und Zeit mfr als VorsteUoiigen 
TOli' rfitunlicben utiä ztiÜichen Dingen vorhanden äind, 
isf^*«N6'Dichtktinst, welche hebst' der ihr verwandten 
imdunt^rgeordhetenRedekunst unter dem gemeinsamen 
Namen der schü^iien Redekünste'begriffen wird. 

Wir haben iin;Obij;en nur die Haaptgatti«Dgen der Künste, genannt^ 
man kann aber an die Arcbitektar die ihr Tcrwandte schöne Gar- 
tenlnmst anscbliefsen, ^nr Scalptor die Künste des' Stein- nnd 
Stempelschneidtns n. s. w. hinzofögen, von der Malerei die Zeich- 
' nenloinst, so wie die Kunst des Kopfersteehens, fiolzselineidens, 
' 'Steinceiehnens n. s. w. unterscheiden. -^ Indem- ymt ftbrigens die 
-I Künste hier nach der Art ihrer Erseheinnng Sorseiivch eiutheilen, 
wie es gegenwärtiger Theorie oder Betrachtung der als iwt*han- 
den vorausgesetzten Künste- geziemt, 'bemerken wir^ dafs eine 
eigentliche Philosophie der Kunst, wozu 6ege«rwartigcs> nur als 
Vorbereitung dienen kann, nach der Art, in welcher die beiden 
. Momente der Schönheit, nämfich Idee tmd Erscheinung, • Inhalt 
- 'UBd Ausdruck, sich gegenseitig durchdringen v dio Knnf»t< orga- 
nisch zu gliedern i hat Sie' ist sjmribolisdie Kunet,- indem sie 



Einleitungi S 

:. DMh troUconmeoer VerftSrperang ^er Idee itor Mrebt, tUatSh 
' pßhfi^ wmp' M« :4^<*!^ ^^^ durch Daret^ang der individifellen 
Gestalt evreicbt, romantische, wenn sie darch vorwalteiide Gei- 
stigkeit jene VersinnKchang der Idee übersdircitet. Die diesen 
' ' drei Stadien der sich entwickelnden Kanst entsprechenden ein- 
zeliieh KanstgattoDgea sind: 1) die Stfserliobe K^st der Ar* 
'chitebtur, 2) dic^ objeetive. Kunst der &alptar, 3) 4ift «ibiec« 
tive Kaust der JUalereiy Mosik und Poe^i^. 

§.3. 
Befrachten wur nun weker die EigenthümtichkeiCeii 
d«r eimelnen Künste» so ergiebt sich zuüäcbst Folf^ndes: 
Die Musik, welche in der äuCsern Natur kein Yorluld 
zur Nachahmung findet, drückt durch schöne Aufeina»* 
derfo%e. der Toner (Melodie) und schönen Zusammen* 
klang derselben (Harmonie) unmittelbar die Empfindung 
aus. Aehnliche Gesetze, wie in der Zeit die Musik, be- 
folgt im Raum«: die Ar ohitektuv^r. beide beniken auf 
glevcbartiigen taathematisdien IVerh&Itois^en, dalier mäd 
die Architektur eine erstarrte ^ krjrstallisirte Mnsik' ge« 
nannt hat^ ' Die.ScülptUr stellt im todteii Stoffe, «io 
Stein' udd Erz, die schönste körperliche 'Gestalt hlis Aufr» 
druck des Geistes dar; '^eil aber die moiischiiche Gestalt 
die ^eisüi^liste ist; imdiiurinihr der selbelbewu&le Geist 
seinen Aosdraek findet, So ist diese der 'vioriüglidisle and 
fast einzsgb'Gegetostand ider Sculptu#, «die Überhaupt «bge 
Grenzen bat.. WeiteK ist das^ Reich der Malerei, did 
zum Ausdruck: des: Geistes i nicht wirklibh EörperiiclieJ 
bildet, sondern, fraen von der <• Materie, >nuri auf der 
Fläche den Schein des > Körjperlichen hervorbringt, um 
Geistttges darin erscheinen zu lassen, i ' ' . » .» 

. ' - • •• §. 4. ••• •• 

Wenn aber in der Malerei no^h imineT ein äufserer 
Gegenstand gebildet .(ind hingestellt vnrd, dessen Ein-! 
druck zunächst d^fch den äufseren, wfewoblgeistiig^eii 
Sinn'deö Auges geschiebt, so verhält es sich ganzain 
ders mit der D i c h t k u n is t ; ihr Material sind gciMige 
BfMer und Vot^teliüng^n^ in Ar geistigstes €rewäiid,Mäaa 

1* 



4 Einleitung: 

Wi^rt, gekleidet; selbst SioDlicbcs' ror die Ansohauung 
ta bringen, bedient sich die Dichtkunst übersinnlicher 
Mittel, dahingegen die bildenden Künste Geistiges nur 
insoweit auszudrücken yermögcn, als es sich im Körper* 
liehen abspiegelt. Das Werk der Dichtkunst kommt uns, 
wenn auch mittelst d«r Sinne, doch unabhängig vom Sin- 
ne^- Eindrucke, und gleichgültig, ob durch Sprache öder 
Schrift, durch Ohr oder Auge zu. Wie es im Geiste 
des Künstlers erzeugtest, wird es auf dessen Veranlas- 
sung in einem jeden Geiste wiedererzeugt; die Rede oder 
Schrift ist nicht das Gedicht, sondern blos das Mittel, tg 
mitzntheilen. Wer es im Gedächtnisse bat, der besitzt 
es ganz; was bei allen anderen Konstwerkea nicht der 
FaUist 

•§.5. 
Endlich die räumlich -zeitlichen oder körperlichen 
Künste, in welchen der Mensch selbst sich zum Kümt- 
werk^ macht, stehen ih dem Verhältnisse zu den übri* 
gen. Künsten, dafs die Tanzkunst zunächst der Musik 
entsprilcht, die Mimik der bildenden Kunst, die Schau* 
Spielkunst aber der Poesie. Denn in der Tanzkunst 
wird y4fm menschlichen Körper durch schtoeiir/erschlinr 
guag und Aufeinanderfolge von Bewegungen dieAnusika* 
bscbe ßaumonie und Melodie ds^gestellt W^n aber 
hia* liur ein allgemeines Gefühl zum Grunde liegt, so 
kokmint es jn der Mimik zu einem bestimmteren geisti- 
gen Ausdrucke; hier bewegt sich gleichsam die schöne 
iBtatue, und statt dafs die bildende} Kunst Vorhergehen- 
des und Nachfolgendes in Einen Moment zusammendrän^ 
gen mufs, sehen wir hier ip einer Folge von Momenten 
Eine ausdrucksy^Ue Geberde, aus der andereq hervorge- 
hen« Wenn der menschliche Körper durch den Tana^ 
den in der Zeit verschwebenden T^nen eine körperliche 
Erscheinung im Baume hinzufügt, so leiht er durch die 
Mimik der im I^aume bewegungslos erscheinenden sta* 
tuarischen Schönheit die Bewegung in der Zeit. — Zor 



Einleitung. 5 

mimischen Darstellang endiieli kommt in der Schaaspiel- 
kunst noch die Sprache, der unmittelbarste Ausdruck des 
Geistes, hinzu, iVelche sonst unter den Künsten nur der 
Dichtkunst als Element angehört. 

AUe Künste zwar sind darstellend, allein nur 

einige sind es im engeren Sinne. Sie stellen sämmtlich 

dar, indem sie die Idee zur Erscheinung bringen, einen 

im Geiste des Künstlers vorhandenen idealen Gegenstand 

ausdrücken« Dodi werden diejenigen Künste, die kein 

Vorbild in der Natur haben, also Musik, Architektur, 

Tanzkunst, nicht eigentlich darstellende Künste genannt, 

vielmehr wendet m^n diesen Namen auf solche Künste 

an, weldie Abbilder der in der Natur vorhandenen Ge* 

genstände als Ausdruck der Idee gebrauchen; iiesp sind 

Sculptur, Malerei, Mimik und Schauspielkunst; unter den 

GaUungen der Poesie aber werden vielmehr die epische 

und die dramatische Gattung, welche eioen äufseren Stoff 

behandeln, darstellend genannt, als die lyrische Gattung, 

welche Ausdruck der Empfindung ist. 

Als höchsten Grundsatz aller Kunst hat Aristoteles, 
die Nachahmung (fiifitiaig) aufgestellt; in der Folge 
hat man' daraus Nachahmung der Natur, endlich Nach^ 
ahmung der schönen Natur gemacht. Soll dieses Priü- 
cip einen genügenden Sinn haben, so ist es nicht von 
der Nachahmung einzelner Naturgegenstände zu verste- 
hen, welche überhaupt nur bei den eigentlich darstel* 
lenden Künsten möglich wäre, sondern es heif^t, „die 
Kunst soll nach dem Muster der grofsen Natur selbst- 
ständig schaffend und organisirend lebendige Werke bil- 
den, die durch eine inwohnende Kraft bestehen, und, 
wie das Sonnensystem beweglich, vollendet tu sich selbst 
zurückkehren. Jedes schöne Ganze aus der Hand des 

* t 

bildenden Künstlers soll ein Abdruck sein des höchsten . 
Schönen im grofsen Ganzen der Natur. ^' . 



/ 



»^1 



2 Einleitung. 

§2. 
Um in die Welt der Erscbeinung einzutreten, mub 
das Kunstwerk die Form des" Zeitlichen und des 
Räumlichen, des Nacheinander- und Nebeneinander- 
seins annehmen. Diejenige Kunst, welche in den Mo- 
menten der' Zeit ihre Erscbeinung hat, ist die Musik; 
der Sinn, durch welchen' sie' wahrgenommen wird, das 
Gehör. Hingegen im Räume und für das Auge wir- 
ken die bildenden Künste: Architektur, Scul- 
ptur und Malerei. Wepn in den bildenden Künsten 
ein vom Menschen gestalteter' äufserer Gegenstand, in 
der Musik hingegen^ die Thätigkeit des Metfs6heh selbst 
das Kobstwerk ist, so Tereinigt sich- Beidies in den rSum-* 
tich-teitücben Künsten: der Tanzkunst (Orche- 
stik), derGebefädfnkunit (Miiiiik) und der Schau- 
spielkunst; hier macht 'sich der !^ünstler -selbst zum 
Kunstwerke, ist' dter sel^stthätrge' Gegenstand. Dieje- 
nige Kunst endlich,' welche das Erscheinen in der Zeit 
und iih'Riiame 'nicht Bios' äiifserlicK vereinigt, sondern 
Vergd^gT, wö'R&um und Zeit hifr als VorsteUuiigen 
TOli räumlichen utiä zeitlichen Dingeti vorhanden äind, 
i^^'dte'Dichtktinst, welche taebsfdei' ihr verwandten 
Md ün^rgeordrieten R e d e kun s t unter dem gemeinsamen 
Natri^n der sch(yiien Redektinste^begriffen wird. * 

Wjir haben iin;pbij;en nur die Haaptgatti]|Dgen der Känste genannt; 
man kann aber an die Architektar die ihr' Tcrwandte schöne Gar- 
tenknnst anscbliefsen , int Sculptar did Künste des' Stein- nnä 

' Stempelschn^idtns n. s. w. hinzirfdgen, von der Malerei die Zeich- 
' : nenloinst, so wie die Kunst des Kopferstecheiis, fiolzselineidens, 

' . 'Steinzeiehnens n. s. w. unterscheiden.' -^ Indem* ^t ftbrigens die 
Kflnste hier sack der Art ihrer Erscheinnng Sorserlkh eiutheilen, 
wie es gegenwJ^rtiiger Theorie oder Betrachtung der als vorhan- 
den vorausgesetzten Künste- geziemt, 'bemerken wir^ dafs eine 
eigentliche Philosophie der Kunst, woku Gegevrwttrtiges' nur als 
Vorbereitung dienen kann, nach 4er Art, in welcher die beiden 

. Momente der Scbdnheit, nämfieh Idee nnd' Erscbeinung, (Inhalt 
- • -und Ausdruck, sich' gegenseitig dnrchdringdnv die Knnf»t« orga- 
nisch zu gliedern' iiat Sie' ist sjrmbolisdie Kunst ,- isdciD sie 



Einleitung] S 

naehnroHkontnener Verkörperang dei' liet iair>Mrebty üutSh 
9ßh(Bt veQiL sie :4>^'^ 74^^ durch Darst^lang der ladividifeUen 
Gestalt e>reic1it, romantische, wenn sie darch vorwalteode Gei- 
stigkeit jene Versinn^chung der Idee 'fibc|rsciircitet. Die diesen 
drei Stadien der sich entmckelnden Xänst entsprechenden ein- 
zeben KanstgaltiiDgea sind : 1 ) die Stfserliobe Kfmit- der Ar* 
'chitühtur, %) Üt, objeetive. Kuoai der •Sciilptar,.,3) «die «»bjecf 
tive Konstder Jtlalereiy Mosik und Poea^i^... . ,, 

• §. 3« • • '' 

Betrachten wir- nun weiter die Eigenthtimlichkeiteii 

der einizelnen Ktinste» so ergiebt sich zoiläcbst Folgendese 

Die Musik, wekbe in der äuCsern Natur kein Vorbild 

zur NachahinQo^ findet, >drüekt durch schöne AttfeiDa»^ 

derfo%e: der TikleM ^Melodie) und schönen Zusammen«» 

klang derselben (Harmonie) unmittelbar die Empfindung 

aus. Aehnliche Gesetze, wie m der Zeit die Musik, be- 

fol0 im Baum^ die Arohitektuv^t. beide bertAeii auf 

glekbartigen batbematisdien IVerhSlUiisäeD, dalier maii 

die Architektur eine erstarrte ^ ktrystallisirte Musiki ge« 

naDOt hat< ' Die ScülptUr stellt im todteii Stoffe, «io 

Stein uild Erz, die schönste körperliche Gestalt hlis Au«« 

druck des Geistes dar; weil aber, diemouschliche Gestalt 

cUe ^eistn^oliste ist$ imd nurii(i ihr der selbelbewuisle Geist 

seinen Aosdruek findet, io i$t diiise der 'vioriügliobsle and 

fast einziig6' Gegenstand (der Sculptu#,>'die' Überhabet «bge 

Grenzen bat.. Weites ist das Reich der M.aler ei, did 

zum Ausdruck des: Geisfes i nicht wirklich Körperliciied 

bildet, sondern, fraer von der*! Materie, inuri auf der 

Fläche den Schein des • Körjperlichen herrorbrin^^, um 

Geistiges darin erschemen zu 'lassen, i •,..,. 

■ §• 4. •" •'■ 

Wenn aber in der Malerei no^h iminer ein äufserer 
Gegenstand gebildet .(ind hingestellt vdrd, dessen Eini 
druck zunächst durch den äufseren, wfewobl geistilgsft^n 
Sinn dieä Auges geschiebt, so verhält es sich ganzaii 
ders mit der Di cht kun Ist; ihr Material sind ' geistige 
Bilder und VoHstellung^n^ in i^r ^geistigste» Gewand,' das 

1* 



8 Einleitung. 

weist, indetai die Idee sich nodi nicht ganz in de her* 
abgesenkt hat und mit ihr eins geworden ist, sondern 
znm Theil von ihr blos angedeutet wird — da ist Er&a- 
beaheit vorhanden. Die erhabene Kunst ging bei dem 
welthistorischen Kunstvolke, den Griechen, der im engem 
Sinne schönen Kunst voraus. Die ]£rhabenheit hat die 
Schönheit zu ihrer Zukunft. — Wo nun im Gegentheil 
die Idee das Kleinste durchdrungen t^it, ganz in die £r- 
scheinnng, in -die Aeuberlichkeit übergegangen ist, da ist 
Zierlichkeit vorhanden. Zierde ist äufseres Schö- 
nes an einem Gegenstande,, welches von demselben ge- 
sondert gedacht werden kann. Zierlichkeit pflegt in der 
historischen Entwickelung der Kunst der Endpunct zu 
seiQ, wie Erhabenheit der Ausgangspunct. 
, Na|ie Jiegen die Begriffe Ton Warde and von Grazie. Die Er- 
habenheit, als besUlndige Eigenschaft eines verafinfligen Wesens 
gedacht, beifst Wfirde ; die in allen einzelnen Momenten, vorzfig- 
licb den zofillligen Bewegungen, ausgeprigte Scbönbeit, ebenfalls 
znnichst an vernGnftigen Wesen, nennen wir Grazie. — Einige von 
den zahlreichen Schriften, fiber die Begriffe des Schönen und des 
Erhabenen sind: De Crou$ax Tratte iu Beau; Am$i, 1714 
n. 1724. 2 Voll. 12. — E$$ay $ur le Beau par le P. Andre; 
Par. 1763. 2 Voll. 12. — Edm. Burke's Inquiry into ihe 
Origin of our Idea$ of ihe Sublime and Beautiful; Lond. 1770. 
8. fibers. Riga 1773. 8. -> Kant's Beobachtangen fiber das 
Gefißbl des Schönen und Erhabenen; Königsb. 176<L 8. ond Kritik 
der Urtheilskraft, Th. I. Abschn. L Erstes Buch: „Analytik des 
Schönen/' — Herder's Kalligone, Th. L S. 184. -<• t. Kam- 
dohr's Cliaris, oder fib-.r das Schöne und die Schönheit in den 
nachbildenden Kfinsten; Leipz. 1793. 2 Bde. 8. — F.Delbrückt 
das Schöne, eine Untersuchung; Berlin 1800. 8. ^ StSrkling's 
Versuch' ober den Begriff vom Schönen, Beri. 1808. 8. — Dio- 
Njff. Longinui nt^l'y^ipovi, f. de Sublimiiaie^ ex ed. Nathan, 
Mori; Lip$, 1769. 8. Mori Libellut Ahimadvenionum ad Lon- 
ginum; ibid. 1773. 8. ed Weiske ib. 1809. 8. — Französ. fibers. 
von Boileau, mit dessen Refleziom iur le Sublime in s. Wer- 
ken. — Deutsch von Schlosser; Leipz. 1781. 8. — Men- 
delssohn's Abb. fiber das Erhabene und Naive« in s. Philos. 
Schriften, Th. IL ^ Kant's Analytik des Erhobenen, in s. 
Kritik der Urtheilskrafl, $. 23 — 29^, wo die Untersdiiede des 
Mathematisch- oder Theoretisch* und des Dynamisch- oder 



Einleitung« 9 



Pnktitch-Erfaabeneii, welciu» Letttere wieder das fAjiudie, iii- 

tellektoelle and moralische unter aieli begreift, iinwtindlich erOr* 
tert werden. 

§. 12. 

An dem Kunstwerke, welchem wir Schönheit bei* 
legen, pflegt man einzelne Eigenschaften als Elemente 
des Kun$tschönen hervorzuheben. Wahrheit schrei- 
ben wir dem Kunstwerke zu, sofern ihm eine in sich 
übereinstimmende Idee zum Grunde liegt, und die Er- 
scheinung ein dieser Idee angemessener Ausdruck ist. Bei 
den eigentlich darstellenden Künsten heifst insbesondere 
wahr die richtige Anwendung der Naturformen zum 
Ausdrucke der Idee. Diese Wahrheit pflegt man als 
Naturwahrheit von jener, als Kunstwahrheit, zu unter- 
scheiden. Leichtigkeit besitzt das Kunstwerk, sofern 
mau in ihm, wie in den Werken der Natur, keine Mühe 
der Hervorbringung wahrnimmt. Neuheit legen wir dem 
Kunstwerke bei, sofern es, als wirklich eigenes Erzeug- 
nifs des Künstlers, frei von Nachahmung anderer Kunst- 
werke ist. Die dem Künstler ausschliefslich eigenthüm- 
liche Natur, welche wir an dem Kunstwerke wiederer- 
kennen, faeifst Originalität. Classisch nennen wir 
ein Kunstwerk, das an Form und Inhalt musterhaft voll- 
endet ist 

§. 13. 
Eine* musterhafte Yollendtmg kommt vorzugsweise 
den Werken des griechischen, z., Th. auch des römi- 
schen Alterthums zu, daher wir diese Werke im enge- 
ren Sinne classisch nennen. Das griechische Volk 
nämlich nimmt in der Weltgeschichte diejenige Stelle 
ein, auf welcher die Kunst das höchste Princip und mit 
der Religion eins war, wo schön und gut in Einen Be- 
griff, wie in Ein Wort (xaXoxdya&ia) zusammenfielen. 
Hier war unmittelbare Einheit der göttlichen Idee und 
der menschlichen Erscheinung; selbst die umgebende Na- 
tur war mild und ohne Widerstreit aufreibender Gegen- 
sätze. — Dem Classischen tritt in der Kunst das Ro- 



10 Eioleitung« 

n an tische gegenfiber, welches, nicht in der diesseitigen 
Welt Genüge findend, nicht in sich abgeschlossen, viel- 
mehr aus sich hinaus, auf ein Jenseits weist, und daher mit 
seinem überschwänglichen Inhalte die einfache classiscbe 
Form zersprengt. Diefs wird anschaulich, vergleicht man 
z, B.' den antiken Tempel, d^r, auf mäfsig schlanken Säu- 
len ein flaches Dach tragend, in heiterer Einfachheit unter 
dem sQdlichen Himmel steht, und die golhische Kircnei 
die, aiif schmächtigen Säülenschäften hoch sich wölbend, 
mit zahllosen Spitzen über sich hinaus weist, und ihre 
Thürme in Nebelund Wolken emporstreckt, — meist 
unvollendet, und auch hierdurch die unerreichbare Höhe 
des Gedankens ausdrückend. Die romantische Kunst 
ist wesentlich aus dem Christenthume hervorgegangen, 
das, ohne vollkommene Yermittelubg mit der Vernunft, 
im Mittelalter alle Verhältnisse durchdrang. Zu unse- 
rer Zeit haben grofse Künstler das classische und das 
romantische Princip auf einer höheren Stufe vereinigt; 
so Göthe ; daneben aber dauert, vorzüglich in Frankreich 
und Italien, ein Streit der Classiker und Romantiker fort 
von denen die einen die classischen Regeln des heid- 
nischen Alterthums als unserer christlichen Zeit genügend 
betrachten, die anderen auch nicht die letzte Entwicke- 
lung des Volksgeistes zu repräsentiren im Stande sind. 

§. 14. 
Ohne die weiteren Begriffe zu erörtern, die in eine^ 
vollständigen Aesthetik ihre Erklärung finden müssen, er- 
innern wir nur noch an das Tragische und das Ko- 
mische, welche jedoch nur in der l^oesie, und zwar 
der dramatischen, zu ihrer völligen Entwickelung ge- 
langen. - Das Tragische beruht auf dem Untergange 
' der einzelnen Erscheinung in der^ göttlichen Idee; es 
enthält daher zugleich mit dem irdischen Schmerze eine 
höhere Beruhigung. Das Komische ist die in die Wi- 
dersprüche der gemeinen Wirklichkeit sich auflösende 
Idee. Hieran läfst sich das Humoristische knüpfen, 



> • • > > • 



das einen tragikomischen Charakter hat, und auf dem 
Bewnfistseib des Ktinstl<»nB beruht,; selbst d^r Welt der 
nidtti^enErscheioanganzugobOren,. welche er dantelU. ' 
■ ■:•■■■ 8. 15;" •■ ' 

Mabhen' wir' ui^s nun eine Vorstellung von d^ 
Ktinstier oder demjenigen einzelnen Menschen,' der dks ' 
Kunstwerk, wörite Alle Befriedigung finden sollen, aus 
seiner fiäditidualitüt hervorbriügt: so finden wir, daCs 
die FShi^eit zu solchem Wirken^ oficht allen Menschen 
von Natur zukommt, noch aüth von ' ihnen emu^gen 
Werdeh 'kann, ' sondei-n Einzelnen 'udn^ittelbar gegeben 
und angeboren ist. Das Gcn'ie, und' insbesondere das 
Knnst^enie ist der Träger 'der göttlichen Idee, die 
sicfi zur Ersch'iinung hervordt'ängt. Es ist die Blüthe, 
zu welcher der allgemeine menscfaUch^ 'Organismus in 
einem einzelnen Individuum gedeiht. 'Hier erscheint das 
Cöttlicbe der menschlichen Natur ohne die* gewöhnlich^ 
Trfibuug; aus einem klaren Bbwnfstsein seiner selbst 
and dei' Welt, einem deutlichen Erkehnen seiner Eigen- 
tbtimlichkijit'utid ^eiücli* eigenthümlichetl Beziehungen zur 
Welt bil^det das Cenie' neue, briginelie' Ideen hervor; 
es ist allseitig, w'og^gett das Talent nur stark nach 
EineV Rlöhtutig, in Einer Beziehung fst* ' ' 

Von ^ea zaiilreicbea Schriften über das Genie, yuenn^n wir folgende: 
J. Huarte Examen > de Jngenio» para Ißi^ßc^ßiciaM ; Madrid^ 
1566, 8. übers. Tonv[ies8ing, Wittenb. }i7^2 nnd 1785, 8. ^ 
Helvetfus de VE^vrit; Pur, YijSß, ZVqII,\% — Ca$tilhon^ 
Cüfinderatiom tur le^ Qautei Phynquei ^ei Bfßral^t du ßenie; 
Par. 1769. 8..über8.|Leipjs. 1770. 8. r- W. Jfuff $ Eßiuy on 
[Original Qenim; L^nd. 1767. 8. .— A. Cr.tr ard'$ Esta^ on 
Genius; Z'Oi?^. 1774. 8.. übers, von Garte, {«eip«. 1776. -8. — 
. Cw £. W^elaod's Versuch über das Geni^; L^pz. 1779. 8. — 
Kant's Kritik der Urtheilskraft, §. 46 (T,. (wo das Genie für 
das Talent erklärt wird, welches der Kanst. die Regel giebt). 
Vergl. Herder's Kalli§one,.,Th. IL S, ?il7. — . Jean Panl's 
Vorschule .der. Aeslbetiki Progr.ainin 3. — Weifse'g Aestiietik, 
Bd. 11 S. 35^ ff. .Tooifiglich S. 399 f. — fleg^r* Werke, 
Tk X S. 365 ff. .. V . . 



12 Einleitung. 

§. 16. 
Unter den einzelnen EigenBcbaften, welche an deni 
Kunstgenie hervortreten, finden mix zunächst in beson- 
derer Stärke die Einbildungskraft, welche das von 
au&en Aufgenommene im Innern wiedererzeogt/ die Vor- 
stellungen ^m Geiste erneut. Schon diefs geschieht nicht 
ohne Aneignung» Umbildung. Die Phantasie lerner er« 
zeugt selbstthätig neue Yo.rstellungen, welche der. natür- 
liche Bildungstrieb, ^ aus sich herauszusetzen, darzit- 
stellen, zu verwirklichen, strebt. Bei dieser Thätiskeit 
ist auch der ordqepde Verstau 4 vorzüglich wirksam« 
Djie Begeisterung ist. die höchste Belebung deß. gan- 
zen Künstlers, wodurch die blqfs^ Fähigkeit zur Tha^ 
die Möglichkeit des Kunstwerkes zur Vyirklicbkeit. wird. 
Begeisterung, .dieh^ein Kunstwerk wirken soll, schliefist 
Besonnenheit in sich,-. Geschpiack oder richtiges, 
wenn auch Qnbewufstes.,Urtheil über das, was dem Schön- 
heitssinne gemi^fs ist^ gehört ebenfalls dem Künstler zu. 
Alle diese Eigenschaften des Künstlers aber sind, wenn 
auch in geringerem Grade, in demjenigen^ d^r das Kunst- 
werk^ wahrniinmt, yorhaoden; und. der Momei^ider B/^> 
geistening, aua. welcher das Kunstwerk hervorging, wird 
in ^dem Betrachtenden durch dasselbe hervorgerufen. 

Schriften über die EinbildangskrafT, von Leonh. Meister, Bern 
1778.^.; von 'Moratori. mit Zusütxen Ton Riclierx, Leipz. 
1785. 8.; von ttaaft, Halle 1792. H.; Ton Saaer, Penig 1^. 8. 

— Ueber Begeisterong: Bettinelli deW EntU8ia$mo nelle belle 
0rH, Milam 17^9, 8.; fibers. Bern 1778. 8. Dissertationg 
9ur VEttihoüiiasme par Mr. de Beamobre; in den Mem. de 
i'Acaä, ie BeHin, A, 1779. p. 352.; F. L. Graf zn Stolberg 
fiber die Begentemng; im deutschen Hoseam t. J. 1782. Bd. L 
S. 387. a. a.m. -^ Ueber Geachmaclc s. Rißetsioni topra il Buon, 
Gusto, intomo le Seienxe e le Arti, ii Lantinio Pritanio 
(L, A. Muratori); Fenex. 1717. 12.; übers. Angsb. 1772. 8. 

— Hume*$ Ennayt on the Standard of Taste, and on the De- 
lieacy of Taste; in s. Essays and Treatises on several SubJeetSp 
P. 1. 1. P. //. 26. — A. Gerard' s Essay on Taste; Lond. 1759. 
8.; übers. Breslau 1776. 8. — A, Alison's Essays on the 2Va- 
ture and Prineiples of Taste; Lond. 1790. 4 ; fibers. von llejf- 



Einleitung. 13 

At^ntfUh^ LfßfA lin. 2 Bde,^^. --^JHarkiis Hers, YeiM^ 
ub^r den Geschmack jind 4i| Ur9achen seiner Verschiedenheit; 
N. Aufl. Beil 1190. 8. - If erd^r's Kalligone, Th. IL S. 230.* 
— *Ä. jP. K'nigWd artdltftical Inquir^ into the prindple$ of 
TrfWe; Zroilrf. 1805. gr. Ä? « 

' »Wirscbliiefeen diese einleiti^den -SMze nrit eiaigeii' 
Betnet^iingeB über 'die Entstebung und Aittbild«iiig der 
A^Blbedk, woran wir karzettt^rai^isehe NotizeD anfCigen» 
Bei den Griechen* wurde'- die Aestb^k 'nodi nicht in 
be84)ti4eren Lehrgeb&uden dargtestellt; Plato führt io» 
PhSdr^sV >tti grMserSdn Hippie», \m Gafitmabl und ändert 
wärts dasScbüne mit deiniQateo anf Einäi Be^iff zurück, 
nnd betrachtet es- als^^ErsdidfiaDg des Guten* Aristo^ 
teles bat vörifiglich' spedellere' ästhetische Gk'undsätze 
in seiner Poetik alisgesprochen. Unter der Nacbahmimg- 
(fccfii^cri?), welche er >als Prinoip der -Kiinst aufstellte, 
verstand er nicht sowohl Nachahmung des Einzelnen, 
Zaf&iligen, als was wir Darstellung nennen. Dem Plo« 
(inu8 gilt^ das Schöne für die Erscheinung, worin die 
Form der Idee die Materie fiberwiegt ' Einzelne ästhe- 
tische Grundsätze, werden trefflich vorgetragen von Lonr 
giBUS in der Schrift Vom Eiiiabenen, von Hör az vor- 
züglicb in der ulit^poeMeo, von Quintilian u. A. 

S. So]ger*8 Vorlesungen fiber^ Aestheüb^' hislonisclH^ Einlbünng 
S. 11 fr. — Arnold Riige: pi^ pla.tonisphe Ästhetik. Halle 
1832. 8. — Aufser der. Poetik gehört liierher auch. die RUetorik 
des .Aristoteles. Was von frühere^ Leistungen auf diesem Felde 
ons zugekommen, ist jEusammengestellt in. Leonh. Spengel: 
JSvyayiayfi Tf/yc^»', s. Afi^um icriptorei ah initiii u$que ad.tditoi 
Jri$ioteli$ de rheianca libroil. 8(uttg, 1828. 8. 

§-18.. 
In Aes neueren Zeit ftbrte Batteiüt di^* Künste 
auf das Pkincip der Naithahmüng der schönen Natur jivl- 
rück. AI et. Baumgarten, der Erste, der die Aesthe- 
tik miter diesem Namen als eine besondere Bisciplin 
ausbildete, stellte das Princip der: sinnlichen Vollkoni-' 
menheit auf, wonach das Schöne darin besteht, dafir die 



Eifikitangi 

TyiUkocimenhdt''etner Sach^^i' ihrer Etistlieibnng' ifi'ahr- 
g^DOinmen wird.' Unter den Engländern Betracble^en vor- 
züglich Hutche^on Modit^ogarth das Verbdltj^ifs des 
£införmigen und Verschiedeneov woraiof ^ie^W^alncneh- 
mung des Schönen berahe.' r Na«ch Edm« Burke enthält 
das mensdliclwi ' Geibfitb twei Gdindtriebe^ » ^ati/ Trieb 
det SeUffitel-haltukig nnd.den TiSeb der GescUigbcitiMaiif 
jdnem beruht, das Erhabene^ \ auf diesem: ^as Scbtoe. 
Nachdem unter den Deutschen !iWi&okelnia»ik* diA 
Konstlehre nadh. der Seite: der* Idealitäly !Lks«in»^'iiacb 
der Seitfetder* Charakteristik belfeatdelt. und gefdrdectihsft-* 
teb, zog K.a n t die Lehre Tonv Schönea f ia dfe . Kritik der 
Uctfaeilskra&. Er scilzte dtB.SchiSne' in .den iScheiil der 
Zveckmä&igkät«. An Kanu iscbliefät Isich Schilller .sa 
in seinen äslheti^hen SchrüteH id»er,.da8 NaiT'fti wdii^o» 
timent^^ ttb^ Anmuth und Wiärde, ühehr die Ssthetische 
ErziehuBig des Mejaschen u. ä. m* Nicht 'wenig fötderlid» 
sind die gesunden Einsidbten j^wesen, wdche Gdtihe 
in den Propyläen,, in Kunst und AUlerthunl. ulkd ander-^ 
wärts ausgesprochen hat, Nachdem Scbelling imt einet 
speculativen. Auffassung' iTorangegäng^Ei,:ate&e Sol^er 
zuerst ein» tief sinnigefi Systeia der Aesthetik a»L Jn einer 
noch strenger wissenschaftlichen. Art. behandelten idi^eilbe 
Hegel und nach ihm W je ifse*. i .. . \ \ 

' S. J. KolIer*8'Eiitwncf Eur GeBchicB^e mi^ Literatur der^Aekthe- 
tik, yon'BnoiD^arten bis' 'auf die neaeste Zeitf Regcnsburgf 
1799. 8. — Ueber dien Geist de;r n^tierii Aestbetik; iü d^r Neuen 
Leipziger Literaturzeitung ti 3. t604: St l44ft — 'Sol- 
ger*B iüatorischd Einleitang, a; a, Ö?' 

§. 19. 
Unter idep hier folgenden: Titqlo vpn Werken, welche 

die Aestbetik im Allgemeinen, oikr einzelne TJueikldtrT 

selben zum Gegenstande haben ^ .wird .man leiebt, nlidii 

Mai^g^e des vorigen. Par^rapben» diejenige^ »beraud- 

erkennen/, .weU?b^ . Epochen m der » Ai^lhildung- !die»ei:. 

\V'i3se9D^phaft,>^eipbmn^.. •.!.< • .. •. .!^i . .i 



Einleitnngi 15 

Ptindfesde LUeraiure, au Cintm des BMm 'LeUres 
par VAhheBattenx^ Par. 1774. 5 Vidi. 8. lieber- 
setzt und mit ZußStzeO' verinehrt von K« W* Ram- 
ler; 5. Aufl. Leipz. 1802. 4 Bde. 8. i Der erdtere 
Theil dieses Werkes erschien früher' in etwas ande- 
re^ Gestalt unter dem Titel: Les beaux arU reduUs 
h un mime pHneipe^ Par. 1746. 8^. Deutsch toq J. 
Ad. Schlegel; 3. Aufl. Leipz. 1770. i Wh. a 

Aesthetica^ scripmt A* O. Bawmjgürien^ Traji' ad 
Viadr. 1750 — 58. 2 Foff. 8. 

G: F. M^ier's Anfimgsgründe aller Schönen Wissen- 
schaften; Halle; 1748 — 50. 3 Bde. 8. (Aus Baum- 
gartens Dictaten.) .1 

Fr. Huicheson Ah ih^finry inio the origimß öf 4mr 
ideas qf heauty and virtue^ Lond, 1738. 8.- 

W. Hogärth Analysi« qf beauiy^ Land. 1753. -4. 
1810. 8. Deutsch von Ch. Mylius; Lond. u.Han- 
nov. 1754. 4. • . ...... 

Edm. Burke Philo», enqtdry into the origine qf^aur 
ideas qf the sublime and heautiful^ Land. 1757. 8. 
Deutsch von Garve? Riga, 1773. 8. 

Elements qf Criticism fby Henry Herne, ttfterujdrds 
LardKaimes)^ Land. 1770. Edlnh 1806. 2' ToS. 
8.,- übers, von TVfeinhard; tp^. 1773 — 76. 3 Bde. 
8.; nach d. letzten Ausg. vermehrt von Garve{' Lpz. 
1772. 2 Bde. gr. 8. — Neueste Ausg. von Scbati; 
1790— 91. 3 Bde. 8. 

J. F. Riedel's Theorie der schönen Kikiste und Wis- 
senschaften. Erster ( und einziger ) T h e i 1 ; Jena, 
1767. gr. 8. N. Aufl. 1774, gr. 8. (Ein geistloses 
Machwerk dieses Anhängers' von Klotz.) 

Tim W i n c k el m a n B gehört hierher vorzüglich die kleine 
Schrift „von der Fähigkeit der- Empfindung des Schö- 
nen in der Kunst," Werke IL S^ 379.; von L es sing 
'die hamburgische Dramaturgie; Laokoon o. a. in. ^ 

J. G. Salze r's Allgemeine Theorie der schönet KOilste, 



16 Einleitung. 

nach alphabetischer Ordnang; Leipz. 1771. 74. 2 Bde. 
gr. 4. — - Mit literarischen Zusfitzen (toii v. Blan- 
kenbarg) vermehrt; Leipz.^ I786. 87. N. A. ebend« 
1792. 4 Bde. gr. 8. — t. B1 ankenbar g's literari- 
8che Zusätze^ besonders abgedruckt; Leipz. 1796 — 
99. 4 Bde. gr. 8. Nachträge zu Sulzer's Allgem. 
Theorie d. seh. K. — oder: Charakteristik der vor- 
nehmsten Dichter aller Nationen, nebst Abhandlungen 
über Gegenstände der schönen Künste, von einer Ge* 
Seilschaft Gelehrter; Leipz. 1792 — 1806. 8 Bde. gr. 8. 
(Ein schon durch das reichhaltige Material nicht un- 
wichtiges und noch immer braudibarea Werk.) 

C« G. Schutzes Lehrbuch zur Bildung des Verstan- 
des und des Geschmacks; Halle, 1776 — 78. 2 Bde. 
gr. 8. 

Aesthetica, 9eu Doetrina boni guHua ex philoäophia ptil' 
pi deducia in ^cieniias et artea amoeniores^ audore 
Georgio Szerdahaley^ Ofen, 1779. 2 Bde. 8. 

Lectures on Kketorie and Beiles ^Lettres^ by Hugh 
Blair, D. D. Land. 1783. 2 VoU. gr. 4. 1813. 
3 Voü. gr. 8. übers, von K. G. Schreit er; Leipz. 
1785 — 89. 4 Bde. gr. 8. (Klar und wohlgefällig 
Vorgetragen, mit Belegen aus der Nationalliteratur.) 

Jk A. Eberhard's Theorie der schOnen Wissenschaf- 
ten; Haue, 1783. k 3. AufL 1790. 8. 

J. Ch. Künig's Philosophie der schön^ Künste; Nürn- 
berg, 1784. 8. 

G.S. St einbar t's Grundbegriffe zur Philosophie über 
. den GesohmacL Is Heft: allgemeine Theorie sdmmt- 
licher schönen Künste, und die besondere Theorie 
der Tonkunst; ZüUichau, 1785. gr. 8. 

Aesthetik, oder allgemeine Theorie der schönen Künste 
und Wissenschaften, herausgegeben von Gang; Salz- 
burg, 1785. gr. 8. 1 

C. Meiners's Grundrids der Theorie und Gesdiii^te 
der schönen Wissenschaften; Lemgo, 1787. 8. 

Ele- 



Einleitung. 17 

ElewieiM de liüeraiure, paß* Marmontelf Par. 1787. 
' 6 VM. 8. (Sie enthalten bei einer gewissen. Ober- 
flächliciikeit manche. feine Bemerkungen.) 

Prhteipes generaux des JBeBes-LMrea^par M, Siorehf 
JPeiersb. 1789. 8. (Eine Uebersetzung des gegenwär- 
tigen Lehrbuchs nach der ersten Ausgabe.) . 

K. Ph. Moritz Ueber die bildende Nachahmung des 

Schönen; Slraänschw. 1788. 8. 
AI H.r Schottes Theorie der schönen Wissenschaft^; 

' Tübingen, 1789: 90. 2 Bde. 8. 
K. H. Hejdenreich's System der Aesthetik; Ir Bd. 
Leipzig, 1790. 8. (Im Sinne der kritischen Philo- 
sophie.). 

K. T.'Dalberg's Grundsätze der Aesthetik, deren An- 
wendung und künftige Eatwickelong; Erfurt, 1791 • 4. 

Alois. Hirt Ueber das Kanstscböne, in den Hören 
v.J. 1191, St 7. (Ein dui%h. den darin entwickelten 
Begriff des Charakteristischen wichtiger Aufsatz.) 

fmm. Kant's Kritik der Urtheilskraft. 3. Aufl.; Riga, 
1798. gr. 8. Desselben Beobachtungen über das Ge- 
fühl des Schönen und Erhabenen; Königsb. 1764. 8. 

C. W. Snell's Lehrbuch der Kritik des Geschmacks, 
' mit beständiger Rficksidit auf die Kantische Kritik 
der ästhetischen Urtheilskraft; Leipz. 1795. 8. 

C. F. Micha elis's Entwurf der Aesthetik, als Leit- 
faden akadeip. Vorlesungen- über Kant 's Kritik der 
Urtheilskraft; Augsb. 1796. 8. 

X H. G» Heusinger^'s Handbuch der Aesthetik f Go- 
tha, 1797. 98. 2 Bde. 8. 

Laz.Bendavid'8 Beiträge, zur Kritik des Geschmacks; 
Wien, 1797. & — Dessen Versuch einer Geschmacks- 
lehre; Berlin, 1799. 8. 

Handwörterbuch der schönen Künste i von einer Ge- 
sellschaft von Gelehrten (herausgegeben von J. G. 
Grohmann); 2 Bde. Leipz. 1794. 95. 8. 

Escfaenb. Tb. 2 



18 Einteitung. 

vi. ä.Herder's KaUtgone: vom Angeoehnieu und Sehö- 
nen — toq Kuost w^d Kuhätricbterei — tooi Erha- 
bellen und'Ti)« Ideal; Leipz. .1800. 3 Bde. 8. 

Licee^ ou Cours de Lüeraiure ancienne/ei moderne^ 
pur ff. F» Laharpe^ Paris'' et Bronsvic^ 1800» 21 
Voll. 8. 

W; T. Krug 's Versuch einer systematischen Encyklo- 
pädie der schönen Künste; Leipz. 1802. 8. 

J. A. Eberhard's Handbuch der Aesthetik. für gebil- 
dete Leser aus allen Ständen, in Briefen; Halle, 1803 

^ —1805. 4 Bde. 8. . . 

Jean Paulis (F; Richter's) Vorschule der Aesthe- 
tik, bebst einigen Vorlesungen über die Parteien der 
Zeit; Hamburg, 18D4. 3 Bde. 8. IS. Aufl. Stuttgart 
und Tübingen, 1813. 3 Bde. 8. 

Fr. Boutcrwek's Aesthetik, 2 Xbeile; Leipz^ 1806. 
8. N. umgearb. Aufl. 1815. 2 Bde. 8. «-^ Dessen 
Ideen zur Metaphysik des Schönen, ein Nachtrag zu 
seiner Aesth.; e. d. 1806. 8. 

F. Ast's System der Kunstlehre; Leipz. 1805. 8. 

K. H. L. Pölitz's Aesthetik Jür gebildete Leser; Leipz. 
1807. 2 Bde. gr. 8. 

H. Luden 's Grundzüge ästhetischer Vorlesungen; Göt- 
tingen, 1808. gr. 8; Ji ' 

Aesthetische Ansichten; Leipz; 1808; 8. 

F. W. J. Schein ng Ueber lias Verhfiltnifs der bil- 
denden Künste zu der Nailur; Landshut, 1808. 4. 

A. W. Schreiber's Lehrbueh der Aesthetik;' Heidel- 
berg, 1809. 8. 

K, W« F. Solger's Erwin. Vier GesprSche über das 
Schöne und die Kunst, 2 Theile; Berl. 1815. 8. 

Desselben Vorlesungen über Aesthetik« Herausgeg. 
von K. W. L. Heyse, Leipz. 1829. 8. 

jD. Giov. Batt. Talia Saggio di EsteUea^ Vtnex. 
1822. 8. 

C. Seidel CbarinouiOF. Beiträge zur allgemeinifen Theo* 



Einldtting; 19 

rie und Geschichte der echönen Kttaste. Bd..l. 2»; 
Magdeburg, 1825—28. 8. 
6. A. Barger' 8 Lehrbuch der Aeslhetik,. Herausgeg. 

Too K. V. ReiDhard. Bd. 1. 2.; BerU 182&. a 
Desselben Aestbetische Schriften. Herausgegeb. Yon 

K. y. Reinhard; Berlin, 1832. 8. 
Id. Pasquali IstUvzioni di E^teiica. Vau. 1. 2.; 

Padova^ 1827. 8. 
J. G. y. Quandt Briefe aus Italien über das Geheim- 

nifsToUe der Schönheit und die Kunst; Gera, 1830. 8. 
Chr. Hermj Weifse System der Aesthetik als Wis- 
senschaft yon der Idee der Schönheit. Th. 1; 2.; 
Leipz. 1830. 8. 
JP. Lichtenthai E^teiica oäsia dotirina dd hello, e 

ddle helle arti^ JUUano, 1831. 8. 
A. E. Umbreit Zur Aesthetik. Untersuchung und Be- 
richtigung. Heidelberg, 1834. 8. 
£. Bobrik Freie Yoi^lräge über Aesthetik, gehalten 
zu Zürich i^ Jahre 1834; Zürich, 1834. 8. (Mit 
Her hart 's Grundsätzen übereinstimmend.)' 
L. Schorn, Umrifs einer Theorie der bildenden Künste; 

Stuttg. u. Tüb. .1835. 8. 
G. W. F. Hegel's Vorlesungen über die Aesthetik. 
Herausgeg. yon H. G. Hotho« Bd. 1. (der Werke 
Bd. 10.) Berlin, 1835. 8. 

§. 20. 
Wir gehen Über zur Theorie der schönen Rede- 
künste, oder zu dem Inbegriffe yon Betrachtungen und 
Regeln über Werke der Sprache, soweit diese der schö- 
nen KujDst angehören. Da diese Werke entweder dich- 
terisch oder prosaisch sind, d. b. entweder als freie, un- 
bedingte Kunstwerke erseheinen, oder mit einer äufse-^ 
ren Zweckmäfsigkeit die Schönheit nur yerbinden: so 
zerfällt das gegenwärtige Lehrbuch in die Poetik und 
die Rhetorik, oder in die Theorie der Dichtkunst 

2* 



aO Einleitung. 

und <ler 6cb(Hm Prosa. An die Regeln über eine jede 
Unterabtheilang werden wir die Literatur derselben, 
oder die Anfiibmng der bedeutendsten Schrift£teller und 
ibrer Werke anknüpfen. * ' 



P o et i k. 



»T- ^' Fl~ 






23 



Po et i k. 



; !.§• -21. .* .' 

A» . ,■'.'■ 

Dscbaulicbe 'Darstellung hat diö t>ic1itkunst mit den 

übrigen schönen \R!ti,]l£^len, dfe Rede 'dfs Darstellungs« 
IDittel mit der Beredsamkeit gemein. Ihr unterscheiden- 
der Charakter aber lil^gt darin, dafs sie nicht,' ^ie die 
Beredsamkeit, den Verstand belehren, den Willen len- 
ken will^ überhaupt ilicht Zwecke verfolget, sondern eine 
freie, aus innerem Di^apge hervorgehende Entäufserung 
eines im Geiste vorha'iidenen idealen Gegenstai^^es ist 
Als dieses schöpferische Verhibgeü Vi^altet die Poesie, 
in weiterem Verstände,, in allen' Ittinsten^ in engerem 
Sinne aber ist sie die auf unmittelbarste Weise, in dem 
geistreichsten Material,' der nede/^ldarstellende Kunsti 
In ihr sind Inhalt und' Ausdruck, 'i&ed'anke und Wort 
eins und untrennbar, ßäs Gedicht ist demnach der voll- 
endete Abdruck eines*' im Geiste Vorhandenen idealen 
Gegenstandes iii' dem Maferipl der vi^öhlklingendeii ikede. 
Es wirk t. unabhängiger T^i^ Sinneüeindrucke^ als Irgendt 
ein anderes KunstWerk; der Hörer' oder Leser verhält 
sich dabei minder passiv als bei federn isönstigen Kunst- 
genüsse; Mas Gbdicht, ktinn inaü $agän, wird in Ihm nach 
des Dichters^Vorgan^ ^V^h eigene pi[oductive Thätig^Leit 
des Geist4S8 &eIbfit€;l^ze^g|.\^,^vv>^ ,> ^- . x • 

W«imS^ciiil)»ridi)fe^N«si(rro^ /^ditfKukisl, ans* dardi einen freien 
Etk(St unserer |y»odacti^e«Bilibtläungskr»ft iki i)eiitini«ite EmpOn- 
dangen tn vertetzen*^ ^erblBrt^ ittä d^b ' tiOcfadteti Werth eines 
Gediehtes darein setzt, Aafo'eli ^tdet» rilne; voll^ndiBte Abdruck 
einer intereManten Gemilthsaflliige^e!iie»iiillere88Bnten vollende- 



24 Poetik. 

ten GeitteB^^ sei, so- p«bl ^Mr-^miichst anf die snbjective, ly- 
ritche Dichtkanst Anderwärts sagt Schiller sehr schön, der 
Begriff der Poesie sei kein anderei^, als „der Menschheit ihren 
möglichst Tolistindigen Ansdmck zu geben/^ (Schiller*s Werke, 
Stattg. 1820. Th. 18. S. 504. 451. 260.) — Mit Kant's Erklä- 
rnng der Dichtkunst (Kritik der Urtheilskraft S. 203.), als „der 
Kunst, ein freies Spiel cler flinbUdm^skraft als ein GeschSflt des 
Verstandes aoszuföhren/* vergl. Her der *s Kalligone, Th. IL 
S. 55. 

§. 22. 

Poesie wird der Prosa entgegengesetzt. Der Un- 
terachied. beij^e^r^ljegt nicht blos in (| er Form ^ insofern 
Poesje an ^Ire^se lyiessunj^l gebundep^, ..^^^^^ hingegen 
freie und un^^eb^i^^dene Rede, ist ^ ^^^h\ !P .4^^* Versehie- 
denheit^ des. Ausdrucks, des Wo^t^^Jirauichs und der Re- 
de verbiaduos;: sondern xresentlic^ ddrin> dafs -die Piosa 
Stets .^ine^ . äufsern Zwe/ck^ ^dient,. zunächst Belehrung, 
Aufklärung un^ Ü^erzeugqng d^s Verstandes beabsich- 
tigt, dabingQgen die Poesie ihren Zweck in sich trägt, 
um ihi:er ßelbst willen .Ja ist. .Ebendacumy weil die 
Poesie Selbstzweck. i^t, kommt ihr gebiindene Rede* zu. 
d.h. Rede, die sich gelbst bindet,, ihr eig;e]9es i^hythmi- 
sches .Gesetz befokt, während die un^undene R^de 
der ßrosa von aufsen aebundep, .durch i^wecke bedinet 
i&t. und daher ohne inneres rhythmisches Band bleibt. 
-— Es ist durchaus eine niedere Betrachtuneswqise, w^nn 
man jpacb einem, Zwecke der Poesie iraet, und ihr dea 
zwiefachen ZwecL zu gefallen und zu belehren auf-^ 
bürdet. Freilich gefällt qnd. bei ehrt sie. aber absichtioß;: 
sie hat diese Wirkung, nidit .diesen Zweck. 




Lpz. 1788. 8. — G. Hermanni'^ik^gle^äij^i^efaiii^prdiae et' 
.* pp€tietie oraÜomUf I4p»/1HQ9' 4ü--r IXsn cvriebeheB ^ock.^er 
•. Ppesie, za gefrlJen und pg( MlAttv^. pflegt .iiHiQ.mit.den W#rten 
. , des Bora» M.bfdegßii} CifiJyiiW« «^^ Psmh- p« 333.>i .m u 

; ... ' Aiit prqdesse .Y^tAniH 4ut d^ecuore poetae 1 

. Aut nmvü .el^ ji^cunda «t idonea 4>cere viiae. 



Pbetik. 25 

I 
s 

,: Und Afa^daß. y. 3^3.: '/ . . . ) . 

. . Lectorcm , delectando pariter^e iponendo. ' 

tJeber die wbliltMti^en Wirtongen der^ Poesie 8. Herder' 8 
Pre!fltr«hrift: Ul^ber die Wirkuiig ^t Dichtkonait' üif die Sitten 
der VöUoer in «Heu md neaea Zeiten;, id «den Abfaandl. > der 
Ifiiierschen Akadeinie tüber GegenMäi^de d^r ,Bcb6n..Wis8en9idi( 
(fiifiachen 1781. 8.) Bd. l,$. 25 ff.. 

'■ • . ■ ' t . >■ l' • ^ i t 

.''WeDU.Q^q dw .pQ.etischeiiSto{£ und die poe- 
tische B<^t\9 9(4,1 ung unterscheidet — iriewohl bei^r 
in Wahrheit eiu^ und untrennbar sind, weil der, Stoff 
erst, «dadoKcb der Poesie., angehört, dafs..er in den Dieb- 
tergeist aufgenommen, und:^U8.. dessen IndiTidnalität wie- 
dergeboren w^rd, ,-r-.. 80 kann poetischer 3toff. Alles wer- 
den, ,)yas fähig .is^,. GeCm^l -und, Phantasie, des Dichters 
in .uBgemeiner Weif e\ anzuregen, un^ i;ii seiner üßruat 
zu. selh&tständig^ jL^benj.s^u gelangen; der; poetischen 
Beh^pdlung a^,^ ^Q/W.^^ e;;.»liUx diesen Stoff. in.. der ihm 
eigensteu, Gestalt au^eb^ldet hervortrete^ ^;^ lassen ^^ so 
dafs er, wi/e^.für den DicI^teri .so f^r die ganze Mei^ach- 
heit da' sei^ .und^Eip^sjeden. Gefühl und Phantasie in 
bestimmter jA^t ap^ege |in4 befiiedige. . ., • , 

§.• 24. . . 
. .Hieraus, ergibt ${ch<die Eigenthümlichkeit des.poe« 
tidoh^OiStils. DiesevBoU keineswegesäufsere» Schmuck 
und freoidenZlerrath dem poetischen, Q^b^Ue bin^nfö^^n, 
sQfideru 4ea8en eigen^tfQic Au^drqok sein, .Wie; die.Foe$ii$ 
aas der .Erhöhten .StimmuQg: .^ines gästig hQfshgestetttiSn 
ladividalims jhie^TOi^ehtii so^, erhebt sieh' auch ihr Ausdruck 
fiber 4ea.pro8aaacbeo. \ D^s .Wort kpmmt durch Kühnheit 
und Neuheit dem Fluge des. Gedankens gleich; doch ist 
der Ausdruck leicht und. verständlich, so wie der Ge- 
danke als uni ioi Innersten angehörend und veh^andt 
uns anspricht. Phantasie und Gefühl tiben, wie auf den 
Ideengang, so auch auf die Wortfolge einen merklichen 
EinfluC^j die logpsche Construction wird .durch die In^ 



2ß PoetUcl 

Version, oder UmstelluDg der Wörter lur Verstärkung 
des Ausdruckes, umgeändert. Besonders findet diefs bei 
der griechischen und lateinischen Sprache statt. iVber 
eine YoUkommenbeit der griect^schen, welche keine an- 
dere Sprache mit ihr theilt, ist die Anwendung ilnd Aus- 
bildung der besonderen Yoiksdialekte fOr die besonderen 
Gattungen der Dichtkunst. Andere Sprachen haben nur 
einzelne Wortformen und Ausdrücke dem poetischen Stile 
aüsschliefslich aufbewahrt. --* Mfeilende Epitheta, )tilder, 
Vergleichuogen sind oft für den poetlschiei)' Gedanken der 
angemessenste Ausdruck, und nur darum,' nicht aber als 
AusschmOcktingen kommen si« dem poetischen- Stile zu. 

§.-'35.'; •' ' "•" 

Das angebome dichterische Genie (vergl. §. 15.) 
giebt sich zunächst wiö jedes productive Kunstgenie 
durch erregbare und schöpferis^e Phantasie, durch tie- 
fes und lebhaftes Gefühl und durch feinen Geschfiadc. 
zu erkennen. Es besitzt den ^ Drang, A^ufseres )Eiufzu- 
fassen, es geistig zu durchdringen und, v6llk6ii!imen ge- 
staltet, als' das Seinige wiederzugeben. Näfaek^,^als dich- 
terisches Genie, hat es den Trieb und die Leichtigkeit, 
in der Sprache zu produciren; Gedanke und Wort sind 
ihm eins. Diese Eigenschaften, welche in der Ursprung- 
Uchen Organisation begründet sind, und durch begünsti- 
gende Umstände der ersten Entwickelung des Kindes 
gefordert werden, lassen sich durch Uebung «nd Aus^ 
bildung gar sehr erhöhen. Das Genie kt mit einer Vor- 
ahnung seines Zieles geboren , wodurch es' bei seiner 
eigenen Entwickelung so wie bei der* HervorbriBgung^ 
seiner Werke sogleidi die rechte Richtung gewinnt.' 

— — Neqae enim' coxwfluder^ yermm • ' ' 

Dizcm esse satis; neqiie, si qnis sctü>at,'Uti nos, ' - ! > 
Sermoiii propiora, putea hunc esse poetam. <« 

Ingenium cui ait, cui mens divinior, atque.os 
Magna sonaturum, des nomii^ hujus honorem. 

Horat. Sermon. I. 4. 
/ Vergl. Gerard*$ Eitay on Gtniu%\ P. /. Seei; 3. jP. nL'8eci. ^ 



Poetik. in 

2w 7. •— Marmonttl Poitimie BVan^mm. T. L Ck. 2: D^t 
Talern iu Poite. ^ Herder^s KaUigon«, IL 217. — Eber- 
hard'« Handb. d. Aesth. Bd. lY. Br. 209. 210. 

» ». 

§26. 
Aufser diesen Nataranlagen sind dem Dichter noch 
maocbe erworbene Fertigkeiten, Einsiebten und Kennfr 
nisse upentbehrlich« Dsibin gebort, dafs er seiner Spra-. 
che in ihrem ganzen Umfange mächtig, dafs er mit der 
Natur durch steten Umgang vertraut geworden sei, dafs 
er in die verborgensten TieCen des menschlichen Her- 
zens geblickt, dafs er die Verhältnisse der Welt kennep 
gelernt habe. KenntniCs der Geschichte, und Einsicht in 
so manche andere Wissenschaft wird ihm wesentlich zu 
statten kommen* Für ein gröfseres Werk wird er nicht 
scheuen dürfen, besondere Studien zu machen, wie der 
Maler und der Bildhauer es thun. Dafs er mit der 
Theorie seiner Kunst näher vertraut sei, ist keine uner- 
läfslicbe Bedingung« — Noch ist aufser dem angeborene^ 
Genie und den erworbenen Kenntnissen Eines zum wahren 
Dicbtei: erforderlich, nämlich ein edles, hohes Gemütb, 
wodurch er würdig und fähig wird, Repräsentant : der 
Menschheit zu sein^ lind, was Allen angehören soU, in 
seiner Individualität ausgebildet hervortreten zu la^sep. . 

Marmontel Poetique Frangaue, T. L Ch. 3: De» tltudf9du^ 
Potte. — Wieland*8 Briefe an einen jungen' Dipliter; in B^. 
24 und Sopplem. Bd. 6 seiner aSmmfl. Werke. 

• §. 27. • ;-; 

Poetische Begeisterung oder der im Dichien-^ 
den vorhandene Zustand einer vorzüglichen L/ebbaftigkeit 
von Gefühl und Phantasie, wobei er ganz mit seinem 
Gegenstande Eins wird, und nicht ruht, bis er ihn zun^ 
Kunsfgebilde ausgeprägt und aus sich herausgestellt hat^ 
wird nicht sowohl durch absichtliche Anstrengung und 
willkührlichen Schwung der Vorstellungen erreicht,, als 
sie sicli unwillkührlich einstellt, und durch Umstände, 
die nicht in der Macht des Dichters stehen, ja oft un- 
bemerklich sind, hervorgebracht wird. In Beziehung auf 



28 POBWC3 

djid^e ttu&er^ ünwilikübrliclie VeraDlassimg der Begaste- 
räUg hat man * geklagt, dafs äflle^ ächte Poesie Gelegen- 
beitspoesie sei. ' Aber der Dichter kann auch an' einem 
groCsen, würdigen Gegenstande, den er sich erkohren 
hat, so oft er 'ihm sich zuwendk, in ihn sich vertieft, 
das Feuer seiner Begeisterung von Neuem anfachen nnd 
nähren. Wenn die Begeisterung nicht in leere Schwär- 
meirei ausarten solly so mnis sie' mit Besonnenheit ver- 
bünden sein; nur so ist sie ausdauernde Begeisterung, 
die das Werk mit stetö gleicher Kraft zu Ende fühlt. — 
Di^enige Begeisterung, aus tr elcher scherzhafte Erzeug- 
üisse hervorgdien, kann man poetischeLaune nennen. 

' \^i Bettinelli Dell' Enttttiaimo nelle helle Arti, (Milano, 1769. 
' a)j>. 24 M. • 

§. 28.'"" 

' Aus dem Wesen des poetisrd^en Genies und der Be- 
geisterung in welcher dasselbe wirkt, ergiebt sich leidht, 
datfs die Regeln der Poetik nicht hinlänglich sind^ 
eSheh Dichter hervorzubringen. Ja, sie allein befähigen 
nidif' einmal, die Werke des GenieiB zu Mrtirdi^to und 
tii ' benrtheilen. Abör einerseits bilden sie das für die 
Eindrücke der Vtfeü6 empfängliehe Gemüth, und erhe- 
be diese Eindrficke zu klarem' Bewufstseiny woduk-'eh 
^ Ijr^f elfae Beiirtbeilung der Dichtwerke möglich wird ; an- 
dererseits fördern sie, um die Wc^tte mit der praktischen 
Ausübung der Kunst, den Dichter selbst,' der bei uns 
ja ohnehin nicht, wie Jbei den Griechen^ den Yortheil 
ander^ Künstler theilt, aus einer Sphule hervorzugehen 
und von einem Meister gebildet zu werden. Durch die 

ehre, durch die Theorie wird der Weg der eigneii Er- 
lahrung abgekürzt, und dem Talente, das leicht sich sel- 
ber verkennt, sogleich die angemessene Richtung ertbeilt. 
Keinesweges aber soll der Genius^ der neue Urahnen 
bleicht, diu'ch die engen Schranken der Regeln gehemmt, 
oder der Geist im Momente .des Schaffens durch Hin- 
blick auf Gesetze, die nicht seine ei^nei) gciworden^ , nicht 



Poetik. 2B 

aosr dem Wissen in das* Gefühl itbergegangen sind, ab* 
gesttrmpft werden. Das Beste wirkt die Konst unbewalst 
Schon Sokrates bemerkte, daCs eben die Künstler selbst 
am wenigsten über ihre Leistungen theoretisch Recfaenr- 
scbaft zu geben vermöchten. 

Katixra fiearet läuctabile «aormeii' an arte : ' • . 
Quaesitum est. JSgo nee stucliuib söie divitt vena - 
,'^ec rode quid possit video Ingenium« A)terifu aic 
Altera poscit opem res et conjurat amice. 

Horat. Ep,^ ad Phon, *" 

These ruies, of old discover'd, not devis'd, 
Are Nature still, l>ut Nature methodis'd. 

Poptf Enay on Crit 
§. 29. 

Von den Regeln, welche aus dem Wesen der Poesie 
Oberhaupt und jeder Dichtungsart insbesondere hei'gelei^ 
tet sind, hat man diejenigen zu unterscheiden, welche 
blos dieäufsere Form des Gedichts, die Erscheinung in 
der Sprache betreffen. Diese letzteren sind aber um so 
wichtiger, als bei einem Kunstwerke AUes darauf an- 
kommt, dafs die Form dem Inhalte, der Ausdruck dem 
Gedanken vollkommen entspreche. Der Ausdruck der 
Poesie ist die durch Gesetze des schönen Eboimaafses 
gebundene Rede (vgl. §.22.). Zur Kenntaifs diesec 
Gesetze verhilft uns die Lehre von Rhythmus, Me- 
trum, Prosodie. 

§.30. , 

Rhythmus, in. allgemeinerer Bedeutung, ist sowohl 
im Räumlichen als im Zeitlichen das inwohnende Ge- 
setz der schönen Verhältnisse der Theile. Nach der 
Ausdrucksweise der Alten ist z. B. eine Statue rhyth- 
misch, wenp sich ein aus dem Sinne des Ganzen her- 
vorgehendes Gesetz in den Verhältnissen ihrer einzelnen 
Theile darstellt. Jn engerer Bedeutung, nur vom Zeit- 
lichen gebraucht, ist Rhythmus das inwohnende Gesetz 
der schönen Verhältnisse in den Momenten der Bewe- 
gung mögen nun diese Momente durch Tanz, oder durch 



ao 

Mosiky oder durch Sfirachsilbcii ausgeffllll; sein, 
schöne Bewegung ist ein gemessenes Fortschreiten, 
ein Wechsel. Ton Hebungen und Senkungen,, deren 
Terh&Ünils und Aufeinanderfolge der Rhyllimus bestioinit. 

§. 31. 
Um den Rhythmus in sich darzustellra, ist die Spra- 
che selbst gegliedert, besteht aus Silben, die entweder 
lang oder kurz (in den neueren Sprachen, die nicht, 
messen, sondern wHgen, seh i^ er oder leicht betont) 
ausgesprochen werden. Im Allgemeinen verhält sich die 
lange Silbe zur kurzen wie 2 zu 1. Die Lehre von der 
Länge und Kürze der Silben in jedem einzelnen "Worte 
heiCst die Prosodie; sie hat es blos mit dem Materiel- 
len der Sprache zu thun und gehört in die Grammatik. 
Die Art und Weise aber, wie ein bestimmter Rhythmus 
in der prosodisch gemessenen Sprache dargestellt wird, 
wie seine Hebungen und Senkungen durch Silben ausge- 
füllt werden, giebt das Metrum an. Ein Rhythmus 
kann durch mehr als Ein Metrum' ausgedrückt werden ; ein 
Metrum kann mehr als Einen Rhythmus in sich aufneh- 
men. Wenn also der Rhythmus das immanente Gesetz 
der schönen Aufeinanderfolge der gemessenen Theile ist, 
die Prosodie dagegen nur das Maafs des Stoffes, der 
Sprache, enthält, so verbindet das Metrum Rhythmisches 
und Prosodisches, indem es die Darstellung des rhyth- 
mischen Gesetzes in der prosodisch gemessenen Sprache 
bestimmt. 

Bei den Griechen wnrile die Rhythmik sehr frfih B€hA>n, während 
Dichtet imd Blnsiker sie praktisch ansbildeten, theoretisch be- 
handelt Diels geschah bereits in der Pythagorischen Schule, 
Olymp. 60 — 70. Rhythmik und Metrik waren anfangs nicht von 
der Musik getrennt Die musikalischen SchriHsteller der Grie- 
chen (Antiquae muticae auctorei Septem, gr. et lat. ed, Met- 
homiut, Amiterd. 1652. 4.) fähren weit richtiger zur Kennt- 
nifii der antiken Rhythmik, als ihre Grammatiker, für welche 
die Sprache schon ihr frisches Leben ^verloren hatte. — Latei- 
nische Schriften über Metrik stehen in den Sammlungen der la- 
temischen Grammatiker von Hei. Putschins (Hanoviae, 1605.4.) 




Poetik. 31 



nnd »von. Fr. J^ln/^^.iamiii .{JAfB. 18S1 «q. 4>VolL 4.). — Einige 
der wichtigsten neueren Weirke über Metrik sind: G. Hermann 
Handbuch der Metrii(, Leipz. 1799. 8; desselben Elementa 
döctrinae metricae, Lipt. 18l6. 8; desselben Epiiome ioctH' 
nae metrieae, Lipi, 1818. 8. Vgl. K. £. Geppert Ueber das 
Yerfailtnifs der Hermannsdien Theorie der Metrik znr Ueberlie- 
feraog. BerL 1835. 8. Aa Hermann schllelst sich Aug. Seid- 
ier de venibut dochmiactM, LipM. 1811 — 12. 2 Voll» 8. — Anf 
die Taktlehre der neueren Musik gegründet i^t: J. H. Vofs Zeit- 
messung der deutschen Sprache ; Königsberg 1802. zweite Ausg. 
1 834. 8. Ihm folgt K. Besseldt, Beiträge zur Prosodie nnd 
iffetrik der deutschen nnd griechischen Sprache, Halie 1813. 8. — 
Gegen Hermann nnd Yöh gerichtet ist Aug. Apel's Metrik, 
Leipz. 1814. (mit neuem Titel 1834) 2 Bde. 8. — Auf die alten 
Musiker und Philosophen gründet sich die Theorie von Aug» 
Boeckh de metrit PindarL in Vol. I. Part 2. seiner grofsen 
Ausgabe des Pindar. Ihm folgt Ed. Mnnk Die Metrik der Grie- 
chen und Römer; Glogan n. Lpz. 1834. 8; selbständiger ist Hof- 
mann's Metrik, Beriin 1835. 8. Endlich, fiir die denUchte Spra- 
che insbesondere: der deutsche Versbau, oder WorlmessnUg, 
WortbevYcgung und Wortklang im Verse (von Karl Bernhard 
Garve); Berlin 1827. 8. 

§. 32. 
In der griechischen und römischen Poesie herrscht 
das Gesetz des Zeitmaafses, der Quaatitllt, wonach 
eine Silbe entweder kurz oder lang, entweder gleich 
einem, oder gleich zwei Zeittheilen ist; der gewöhnliche 
Sprachaccent bleibt dabei ganz oder doch fast ohne Ein- 
fltifs auf die Versmessnng. In den neueren* Sprachen 
hingegen waltet das Gesetz des Accentes oder Ton- 
maafses vor; eine Silbe 'ist hier stark oder schwach 
betont, und die eigentliche Zeitdauer ihrer Aussprache 
kommt beim Versbau gar nicht oder wenig in Betracht. 
Der Accent aber ist entweder blos durch den Gebrauch 
bestimmt und kann sowohl auf die bedeutendste, als auf 
die unbedeutendste, auf die längste und a*uf die kürzeste 
Silbe treffen, wie im italienischen*); oder er ruht auf 



*) Ueber den tnfllligen Wortion im lulienitchen Tgl. Fi. Yalentini 
Gr&ndliche Lehre der Italieni<chen Auisprache, Skantion und Betonung der 
ilal. Verce. Berl. 1834. 8. S, 32. 



32 ViMXk. 

der bedeotuBgSTblleren Waitselmlbe;' ^ätirenfl die bloCse 
AbleituDgs-.und Beziehüngssilb^, tönlö^^ ans'gespröchen 
wird, wie* diefs im Deutschen der j^all ist. Durch diese 
intensive Schwere oder Leichtigkeit der Silbeix,, entsteht 
etwas der eigentlichea Länge und Kürze derselben Ent- 
sprechendes, und es lassen sieh ebendie Metra ,* welche 
in den alten Sprachen durch Längen und Kürzeti aus- 
gefüllt wurden, bei uns wenigstens auf analogem Wege 
und annäherungsweise durph schwer- und leichtbetonte 
Silben darstellen. -— Dabei liegt die Bemerkung nahe, 
dafsy ganz, entsprechend dem Yerhältnife der cbriBtlich- 
germanischen Welt zur antiken, in unserer Sprache statt 
der äufseren plastischen Form der innere Sinn das Ge- 
setz des Verses bildet. 

§. 33. 
Durch die Vereinigung von zwei oder mehreren Sil- 
ben, welche entweder lang oder kurz (in den neueren 
Sprachen entweder stark oder schwach betont) sind, ent- 
stehen die sogenannten Füfse, auf denen gleichsam der 
Vers einherschreitet. Die lange, schwere Silbe wird durch 
einen Querstrich (— ),.die kurze, leichte Silbe durch ein 
Häkchen (v) bezeichnet* Diese Bezeichnung dtent so- 
wohl, die Prosodie einea bestimmten Wortes, als das 
Schema eines Metrums, das in; Worten dargestellt wer- 
den soll, auszudrücken. Im ersteren Falle sind die Füfse 
Wort füfse, im letzteren Versfüfse zu nennen. 
Zweisilbiger Füfse sind vier: 

$pondeus. 
^w Trochaeus oder Choreus, 

w^ lambus. 

sj w P yrrhichius» 

Dreisilbiger* Fü&e sind acht: 

. Molossus. 

www Tribrach js. 
-w^ Daktylus. 
' ww- Anapäst. 

-u- Kre- 



Poetik. 33 

-w- Creticus oder Amphimacer. ^ 

w > w Amphibrachys« 

W-* Baccbius. 

--W Palimbacchius. 

Viersilbiger Füfse sind secbzebn: 

sj\j\jyj Proceleasmaticus. 

Dispondeas. 

-w-w Ditrocbaeus. 

u-u- Diiambus. 

- w ^ - Cboriambus. 
o-w , Antispastus. 
~-ww Sinkender loniker. 
s!;w-.- Steigender loniker. 
-WV.V Erster Päon. 
w~w^ Zweiter Päon. 
wu-u Dritter Päon. 
wwv- Vierter Päon.. 

w Erster Epitritus* 

.w^- Zweiter Epitritus. 

Dritter Epitritus. 
Vierter Epitritus. 

Von den fünfsilbigen nennen wir nur die folgenden: 
wwv^ww Orthius. 
ww-w^ Mesomacer. 
w.^^ — Dasius. 

— ww^ Sjmplectus. 
v.-w- Docbmius. 
t-j^w- Stropbius. *. 
-vvw«^ Parapäon. 

Will man bezeicfmen, dafs eine Silbe eines Wortes sowobl lang 
ab kurz gebrancbt werden, oder dals eine Stelle im metriscben 
Schema sowobl durch eine lange als durch eine kurze Silbe aos- 
geiullt werden kann, so geschiebt diels durch Uebereinander- 
setzung beider Zeichen ()i oder 3). Zu unterst steht das Eigent- 
liche, Ursprüngliche, zu oberst das blos Stellvertretende. Die- 
jenige metrische Stelle, welche sowohl eine, lange, als zwei kune 
Silben znlälsli wird durch: ^ oder ZZ bezeichnet. 
EschcDb. Tb. 3 



.. — v 



34 Poetik. 

§. 34. 

Yersarten, welche aus einerlei Fü^en Kestefaen, wer- 
den nach denselben benannt, und heifsen daher z. B. 
iambische, trochäische, daktylische u. s. f. Da- 
bei kann aber nach bestimmten Gesetzen ein Fufs die 
Stelle eines anderen vertreten» z. B. der Spondeus die 
Stelle des Daktylus im Hexameter: 

Zu diesem herrischen Verse der Altei^, welcher 
durch hohen Schwung und ebensoviel Gleichmäfsigkeit 
als Mannigfaltigkeit sich zum Epos eignet, tritt der Pen- 
tameter hinzu, um das mildere elegische Distichon 
zu bilden: 

— W W — - \J SJ — W W — W «J — ^ W \u — — 
—.-. Vi/ W — \J SJ ^— — — W W — ^ W ^ — ^ 

Künstlicher und aus mannigfaltigeren Füfsen zusammen- 
gesetzt sind die lyrischen Versmaafse der Alten, in wel- 
chen sich eine Anzahl verschiedener Verse zu Strophen 
vereinigen. In den neueren Sprachen herrschen die iam- 
bischen Versmaafse vor, z. B. die elfisilbigen lamben 
oder Endecasillabi im Italienischen, die zwölfsilbigen 
oder Alexandriner im Französischen u. s. f. 

§. 35. 
Zu den metrischeii Erfordernissen der meisten anti- 
ken Versarten gehört die Cäsur. Die Cäsur ist nichts 
Rhythmisches; in dem Rhythmus des Tanzes und der 
Musik findet sie nicht statt, ja nicht einmal in allen Me- 
tris; dem anapästischen z. B. ist sie fremd. Erst wenn 
der Rhythmus in der Sprache dargestellt wird, kann die 
Cäsur eintreten, und sie ist nichts Anderes als ein durch 
den Widerspruch der Wortreihen mit den Versreihen 
hervorgebrachter, für den Sinn besonders ausgezeichne- 
ter Einschnitt. Indem eine Wortreihe mitten in einem 
metrischen Fufse endigt, entsteht eine Mannigfaltigkeit 
des Eindruckes; der Rhythmus vor und nach der Cäsur 



Po«tik. 35 

irird 'YOfn VUfret aaf enfgegeDgesetzte Weise aufgefafst. 
Im iambischen Trimeter z. B«: 

begiont der erste Theil . iambisch uod endigt trochäisch, 
Mrähreod der zweite trochäisch beginnt und iambisch en- 
digt; Anfang und Ende sind im ersten Theile Senkung, 
im zweiten Hebung; kurz ein Theil des Verses ist des 
anderen Widei*spiel. Der ganze Vers aber umfafst die 
Totalität der Auffassnngsweise des iambisch -trochäischen 
Rhythmus, wobei der lambus, welcher Anfang und Ende 
des ganzen Verses bildet, vorherrschend bleibt Ebenso 
im Hexameter: 






Hier beginnt der erste Theil mit einem sinkenden und 
endigt mit einem ansteigenden Rhythmus; er beginnt und 
schliefst mit der Hebung. Das Umgekehrte findet im 
zweiten Theile statt. — Nicht sowohl durch die Cäsur, 
als durch eine eigentliche Pause wird der Pentameter in 
zwei Hälften getheilt: 






Hier wird das daktylische Versmaafs förmlich unterbro- 
chen, um nach der Pause von neuem zu beginnen. 

U^ber den eigenthümlichen Parallelismas zwischen deni^ ersten nnd 
zweiten Theile des Pentametecs, welcher TorzGglich von den la- 
teinischen Elegikern beobachtet wird, so wie Qber den ähnli« 
eben, doch minder strengen Parallelismos zwischen den durch 
Aw CS^ur getrennten Thellen des Hexameters s. W. Wacket- 
nagel's Geschichte des deutschen Hexameters und Pentameters; 
Berlin 1831. 8. S. IX ff. 

§. 35. 
Eine andere Wirkung, als die Cäsur, bringen die- 
jenigen Einschnitte hervor, welche nicht in die Mitte eines 
Versfufses treffen, sondern mit d^m Ende desselben zu* 
sammenfallen. Sie machen zwar den Vers mannigfaltig, 
indem sie ihn in kleinere Theile sondern, allein der Ein* 
druck des Rhythmus wird durch sie nicht vermannigfacht. 
Solche Einschnitte am Schlufs der Versftlfse heifsen 

3* 



36 Poetik. 

Diaer esen, werden aber aft, wiewohl ungeDauer, auch 
Cäsuren genannt. Besonders giebt man ihnen diesen Na- 
men in den neueren, accentuirten Sprachen. Dergleichen 
Einschnitte finden z. B. in den fünffüfsigen lamben ge- 
wöhnlich nach dem zweiten, oft auch nach dem dritten 
Fafse, im Alexandriner beständig in der Mitte, d. h. nach 
dem dritten Fufse statt 

§. 37. 
Wenn gleich SilbenmaaCs und Yersart oft nur als 
KnCsere Vorzüge des Gedichtes angesehen werden, so tra- 
gen sie doch nicht wenig dazu bei,* den inneren Gehalt 
desselben in angemessener Form erscheinen zu lassen. 
Das Ebenmaafs der Rede, und der daraus entstehende 
rhythmische Wohlklang ist, schon ganz äufse^lich be- 
trachtet, nicht nur dem Gehör angenehd, sondern dient 
auch zur Erweckung gröfserer Aufmerksamkeit, und giebt 
der poetischen Rede einen lebhafteren und bleibenderen 
Eindruck. Auch wird dadurch die Poesie, besonders die 
lyrische, für den Gesang und die Begleitung geschickt, 
und der musikalische Rhythmus durch den poetischen 
TOrbereitet. •, 

A. W. Schlegel's Briefe fiber Poesie, SilbenmaaCi und Sprache, 
in den Hören Ton 1795 und 1796; und in den Charakteri- 
stiken and Kritiken (Königsb. 1801. 2 Bde. 8.), B. L S. 318. 

§. 38. 
Dazu kommt noch das Charakteristische, welches je- 
dem Silbenmaafse und jeder Yersart in Beziehung auf den 
Inhalt und die dabei zum Grunde liegende Hauptempfin- 
dung eigen ist. Von der Wahl schicklicher Yersarten 
hängt ein Theil des Eindruckes, hängt der Ton und das 
Colorit des ganzen Gedichtes ebensosehr ab, als die 
Wirkung eines musikalischen Stückes von der Wahl des 
Taktes und der Tonart. Durch den freien, leichten, hü- 
pfenden, oder den feierlichen, schweren und langsamen 
Gang das Verses, welcher mit dem Inhalte des Gedich- 
tes übereinstimmt 9 wird der Eindruck desselben wesent- 
lich bedingt. 



Poetik. 37 

§. 39. 
Die nachahmende Harmonie, oder die Zusam- 
menstimmuDg des Lautes der Wörter und grt^fseren Re- 
detheile mit dem durch sie bezeichneten Sione^ ist eben^ 
falls nicht ohne Wirkung im Verse, und gehört mit zur 
vollständigen Erscheinung des Inhaltes im Ausdrucke. 
Wörter, welche hörbare Gegenstände bezeichnen, sind 
gemeiniglich in allen Sprachen d^n Schalle nachgeahmt 
(onomatopoetisch gebildet); aber auch die Eindrücke an« 
derer Sinne lassen sich nach der Analogie durch «male- 
rischen Wortausdruck treffender und lebhafter darstel- 
len, wie denn auch in einzelnen Wörtern die tiefere 
Sprachforschung noch erkennt, dafs ein der onomato- 
poetischen Bildung vergleichbarer symbolischer vZa- 
sammenhang zwischen dem Klange und der Bedeutung 
des Wortes stattfindet. Jedoch wird jene Nachahmung 
fehlerhaft, sobald man sie mühsam erkünstelt; sie ist nur 
dann eine Schönheit, wenn sie sich dem begeisterten 
Dichter von selbst darbietet, und mehr in dem herrschen- 
den Tone des Ganzen, als in dem Schall einzelner Sit* 
ben und Worte liegt. 

Vorschriften and Beispiele giebt Vidaj P&eiicor, Ih ilL v. 36S — 
454. — L* Harmonie Imitative de la langue frangaiuf P^emii 
par Mr. Pii$; Par. 1785. 8. 

§.40. 

Ueberhaupt ist der Wohlklang eine der wesent- 
lichsten Eigenschaften des Gedichtes. Er entsteht aber 
durch die Wahl solcher Wörter, die einen . gefälligen 
und dem Inhalt augemessenen Laut haben; durch eine 
solche Zusammenstellung der Wörter, da£| alles Harte 
und. dem, Gehör Anstöfsige entfernt wird; durch Yer- 
meiduDg der öfteren Wiederkehr ähnlicher Wortendun- 
gen; durch Abwechselung einsilbiger und vielsilbiger Wör- 
ter; durch Mannigfaltigkeit der in ihnen tönenden Vokale; 
durch den guten Schlufsfall der poetischen Periode; durch 
das wohlgeordnete Yerhältnifs ibr<er Bestandtbeile, und 



38 Poetik. 

durch genaue Richtigkeit des Silbenmaafses. Uebrigens 
ist dieser Wohlklang mehr die Frucht eines feinen Ge- 
fühls und eines gebildeten Geschmackes, als theoretischer 
Regeln und mtthsamer Bestrebung.' 

§. 4L . 

Der Reim oder Gleichklang der Endsilben :zweier 
öder mehrerer Verse gebürt zwar nicht zu den noth^ 
wendigen Erfordernissen, sondern nur zu den Zierden 
eines Gedichtes, er kann aber nicht wenig zur äüfseren 
YoUendMUg desselben beitragen. Wenn das schöne 
EbenmaafjB des poetischen Gedankens schon durch das 
Metrum ausgedrückt wird, das in einer quantitativen 
Gleichmäfsigkeit der Silbenreihen besteht, so malt sich 
noch deutlicher die Gedankenharmonie in dem Reime ab, 
in dieser nach kurzen Zwischenräumen wiederkehrenden 
qualitativen Gleichheit des Tones. Der Reiz, der in dem 
Reime liegt, beruht auf ähnlichen Gesetzen, wie die Har- 
monie der Töne in der Masik. Hier treffen die Schwin- 
gungen zweier Töne, nach kurzen Zwischenräumen, wäh- 
rend welcher, sie auseinanderfielen, wiederum zusammen, 
wie im Reime nach einer kurzen Reihe von Silben, wel- 
che verschieden lauteten, zwei Silben gleichlautend über- 
eintreffen* 
Vgl. J. S. Schfitze's Versach einer Theorie des Reims, nach In- 
halt und Form; Ma^debarg, 1802. 8. — Grandzfige einer Theo- 
rie des Reims nnd der Gleichkläiige, mit besonderer R&clcsicht 
tof Göthe. Ein Versach yon Caspar Poggel; Hamm 1834. 8. 

. ■ §. 42. 

Der Reim kommt der modernen Poesie zu. Selbst 
dem metrischen Principe derselben ist er verwandt, dem 
der antiken Poesie aber fremdartig. Denn als qualita- 
tive Gleichheit des Tones hat er nichts mit der antiken 
Quantität,* dem extensiven Zeitmaafs der Silben 'gemein, 
und vereinigt sich dagegen mit' dem intensiven iTonmaafs, 
dem Accenf, indem er zu der gleichen Stärke des Tones 
noch den gleichen Klang hinzufügt. Der Reim übt me 
das'Farbens^iJli der iiiodemen Malerei einen noch ge- 



Poetik. ' 39 

heimeren Zauber >.flber das 6eini],th9 als das auf klaren 
VerhältnisseD beruhende Zeitmaafs der Alten, das ihrer 
Plastik entspridit. ..Vorzüglich ist der Reim dem Aus- 
drucke der Liebe, diesem in der modernen Poesie vor- 
waltenden Elemente, günstig. Die Reimpaare, welche sich 
gegenseitig henrorrufen und zu einander g6sel(^, welche 
die sonst verschieden klingenden Zeilen am Schlüsse in 
Gleichklang auflösen, sind ein willkommener Ausdruck 
der harmonischen Empfindung. Der Reim gehört dem- 
nach vorzüglich der subjectiven Poesie des Gefühles an. 
In deo objectiv darstellenden Dichtweisen, dem Epos 
und dem Drama, kann er eher entbehrt werden, als in 
der snbjectiven Lyrik. 

„Ein Ton achemt sich dem andern su beqaemen,** 
„Und hat ein Wort zum Ohre sich gesellt, ** 
„Ein andres kommt dem ersten liebzukosen/* 

Gothe's Faast, zweiter Theil, Werke 41. S. 218. Ebenda wird 
der Reim auf die Poesie der Liebe bezogen: 

„So sage denn, lyie Sprech' ich auch so schon?*' 
„Das ist gar leicht, es muTs vom Herzen gehn;** 
„Und 'wenn die Brust Ton Sehnsucht überfliefst,** 
„Man sieht sich um und fragte wer mitgenie&t** n. a. v. 

§• 43. 
Der Reim heifst männlich, wenn blos die letzte 
betonte Silbe reimt, weiblich, wenn die beiden letz- 
ten Silben reimen, deren erstere ebenfalls betont sein 
mufa. Seltener reimen die drei letzten Silben, auf. de- 
ren erster der Ton ruht; dann heifst der Beim glei- 
tend fsdruociolo). In allen drei Fällen beginnt der 
Reim mit dem betonten Yocal und besteht in der Gleich- 
heit, wenigstens dem Gleichklang, sowohl dieses Vocals 
als aller darauf folgenden Buchstaben. Dagegen mufs 
der Anfang der ersten reimenden Silbe in der Begel ver- 
schieden sein; ^ ist auch dieser gleichlautend, so entsteht 
ein sogenannter reicher Beim, der nur .in einzelnen 
Fällen, besonders wenn der Sinn der auf einander rei- 
menden Worte verschieden ist, gestattet lyerdep kann. 



•i 



I > 



40 " Poetik, 

§. 44. 

Die aaf einander reimenden Zeilen dürfen nicht za 
weit entfernt von einander stehen, damit »das Ohr nidit 
den ersten Ton verloren habe, wenn der zweite, ale des- 
sen Echo, sich ihm zugesellen will. Je volltönender aber 
die Yocale in einer Sprache sind, >desto weiter reicht 
ihr Klang, und das Ohr kann weibliche Reime im Ita- 
lienischen bei gröfserer Entfernung von einander noch 
zusammenfassen, als im Deutschen, wo die Endsilbe ge- 
wöhnlich von dem halbstummen £ gebildet wird. Doch 
fehlt es auch der deutschen Sprache nicht ganz an voll- 
tönenden oder schweren weiblichen Reimen, wo auch 
der Yocal der zweiten Reimsiibe betont ist. Von be- 
sonderer, vorzüglich komischer Wirkung ist es, wenn 
dieser spondelscbe Reim in zwei männliche ReimsiU 
bcn sich zerlegt, so daüs auch die letztere Silbe erst 
vom Yocal an reimt , wie in „Lindwurm^ und „ Wind- 
sturm. '^ 

§. 45. ^ , 

Am wirksamsten ist der Reim, wenn er mit einem 
Einschnitte der Rede oder dem periodischen Schlüsse 
derselben zusammenfällt, und wenn das Reimwort für 
den Sinn bedeutend ist, * wo es dann einen besonderen 
Reiz hat, zwei verschiedene, oft antithetische Yorstel- 
lungen im Reim unter gleichen Klang zusammenzufassen. 
Hier wird die Aufmerksamkeit angeregt, die Erwartung 
gespannt und befriedigt. — Eine seltnere Reimstellung 
ist, dafs das erste Wort einer Zeile oder die Mitte der- 
selben auf das Ende der vorhergehenden Zeile reimt. 

§.46. 
Assonanz nennt man die Uebereinstimmung der 

Endvocale der Yerse, wobei auf die Consonantea keine 
Rücksicht gekommen wird. Man findet sie vorzüglich 
bei spanischen Dichtern; sie eignet sich nur für Spra- 
chen, in welctien volltönende Yocale vorherrschen. Die 
ArabSr haben eine der spanischen Assonanz vergleich- 



Poetik. 41 

bare Reimbildang. — ' AlHteratiön ist die MItere Wie- 
derkehr eines und desselben Consonanten In eidetn oder 
in mehreren zusammengehörigen Versen^ Wobei die Yo- 
cale verschieden lauten. Dejr Charakter der vorhersehen- 
den Consonanten ist dem Inhalte entsprechend. : Biese 
Alliteration ist vorztiglich den alten nordischen 'GesSii- 
gen eigen und vertritt dort die Stelle des Reims;' sie 
kann aber auch an. einzelnen Stellen gereimter Gedichte 
passende Anwendung finden. : Ein Beispiel ist der Scblufs 
eines Schlegerschen Sonettes: „Wo Lidbe lebt and labt 
ist lieb das Leben.** 

Den Griechen und Römern machte das genaue Sil- 
benmaafs ihrer Sprachen den Reim entbehrlich; es finden 
sich zwar einige Spuren davon bei ihren Dichtern, z. B. 
im AeschyluSy allein der Reim mufste für ihr Ohr eine 
durchaus andere Geltung haben, als für das unsere. Den' 
Hebräern wurde der Mangel .eines vollkommen bestimm- 
ten Silbenmaafses und des Reims durch den Parallelis- 
nus ihrer Verse ersetzt. Andere orientalische Sprachen 
Laben, jedoch erst in späterer Zeit, den Reim, der im 
Abendlande zu Anfang des Mittelalters allgemein einge- 
führt wurde, während sich die. prosodische Beistiiiimtheit 
der alten Sprachen verlor. Die lateinische Sprache selbst 
nahm im Kirchengebrauche den Reim an. Die italieni- 
sche bedient sich desselben zwar häufig, kann ihn aber 
auch entbehren; eben so die englische und die deutsche; 
die französische aber, die nicht allein der Prosodie, son- 
dern auch eines bestimmten Accents ermangelt, muüs den 
Vers erst durch den Reim zum Verse stempeln. 

Ueber den Reim bei den Alten, zanSchst bei den lateinischen Ele- 
gikem, s. Lachmann ad Propert ed, 1816. p. 22 — 25 ond 
p. 72. 73. und W. Wackernagel Gesch. des deutschen Hexa- 
meters und Pentameters, Berlin 1831. 8. S. XXV £ — J. M. 
Barbiert deW Origine iella Poetia rimata, con annotax. ii 
Tirahoichi; Modena 1190. 4. — Wenn gleich sich, wie Jos. 
V. Hammel nachgewiesen hat, ein Einllnlls der Araber auf die 



f 
I 



4B^ • P«»etik; 

. BieiiQiifNillieB fitfi tfiaik>fii.PoWe nicht ableq^eii Il6t« 8« Iwt 

, ip«n doch, nicht Ursache z« ^latben, dafo, die fiaropSier 4«n 

Reim von äen Arabern erlernt hätten. S. A, W, v^ Schle- 

geVs Obiervation» sur la litt erat ure provengah. ' — Von dem 

' ParaH^lismds ' de^ MorgenlSnder s. Herder*8 Geist der Uebr. 

'Foesie,. B.I. 8. 22.: Bei den Hebräern drang der Idgische Inhalt 

. nicht ibisüar schdnen Fofm hindurch. Wie ihnen überhanpt dns 

Göttliche jenseitig |blieb,so^ k^i^nte aoch der poetische Gedanke 

^ nicht im eigenllichen Verse zur Erscheinung .gelangen .und sich 

gleichsaÄi yerk'drpem. Von den Iteimarten der Spanier, s. Ve- 

Itt^qUiet Gesch. . der Span.- Diehtlrari8t,-S. 288; von der Buch* 

: '«tabenstelhmg der SkandmaTierv Denia in Bd. VI. Ton Ossian'n 

n. Smed*s Liedern. — Vergi. Moritz*8 Prosodie, $. 94, 108. 

§. , 48. . 
Keine Sprache ist zur Nachbildung aller fremden 
Rhythmen so geschickt als unsere deutsche; daher hat 
sie jgiit dem/ glücklichsten Erfolge die besten Geisteswerke 
4er andern .Völker, ohne sie ihrer ursprünglichen Form 
zu .entkleiden, in sich aufnehmen können. In gröfseren 
epischen Gedichten wetteifert sie an Kraft und Fülle des 
Hexdn^eters mit der griechischen Sprache, ebenso an^ 
freiem Schwung und edlem Ausdruck in den lyrischen 
Silbenmaafsen der Ode; in dramatischen Werken liebt 
sie die reimlosen lamben wie die Italiener und Englän- 
der« sie fügt sich in den trochäischen Rhythmus der Spa- 
Dierji und verschmäht selbst nicht ganz den gereimten 
Alexandriner der Franzosen; — die künstlichen Reim- 
verßchränkungen und den spielenden Wprtwitz der Ara- 
ber und l^erser hat sie mit aer grdfsten Treue wieder- 
gegeben; — auch die eigenthümlichen Versmaafse des 
Sanskrit haben sich in ihrer ganzen Reinheit erreichen 

lassen. 
Bierhei ist aber zn hemerlcen, dafs unsere- Sprache zwar Aehnli« 
" cbes, allein auf ganz Terschiedenem Wege erreicht, als die alten 
^' ' Sprachen. „Wo die Griechen eine lange, die Vorstellong hlos 
bewegende Fleiionssilhe setzen, müssen \fir immer die Vorstel- 
lung selbst, nämlich ein INomen oder Verbnm haben; wo bei ih. 
nen eih kurzsübiges Nomen oder Verbum stekt, darf sich hei 
nns keines finden, sondern wir mfissen an diesen Stellen die 
kersten l¥5rter oder ableitende Silben höreüi. Diefii folgt aas 



Poetik: t 43 

inisf&reni Prfndp, die schwere^ Slc^ea'de» iHi]rtbmw«*liiH-wirk« 
liehen Wörtern^ ^le leicLUn^mit blofsen Eefiehniig$^]luea «Qt«> 
zufullcn, dem. antiken, welches seine Illetra nach äufserer Quan- 
tität der Silben bestimmt, entgegengesetzt.'.^.. Ip unseren Ver- 
sen flicht sich darch die rhythmische Syntax hindurch einerseits 
eine geschickte YeilheiltfBg der aöf d^n AcceM Eftiiills fibteii-:; 
den Längen und KGr<en, ^nderfirseits das Ges«^ !der rehitiTeo ' 
Betonung der Redftheüe zc^ ^eina^der; ^m Griechischen waltet, 
umgekehrt das Gfundprincip unserer Metrik als ein dem- Rhyth- 
mus untergeordnetes in dem schönen Gleichgewicht und Ver- 
, haltntfs dbr Begriffs- und Form'ensllben^, db^d ^b^nfaHs «in grara-<^ 
matisebes Sif Stern der Accentdation^ wekhes, wie jene' reiathid * 
Bftoiying.b^i iuna, dureh Eiaspract 'in «den Yditi-^dc^aelben lier- 
Torbringt/^ Pemgen^fs modificiren sich fiir, uns. einzelne mp 
frische Gesetze, und wir. bleiben dem Charakter des antiken 
Hexameters vielleicht getreuer^ wenn wir den antiken Spondeus^^ 
der die Stelle des Daktylus Tertrilt> durch einieh Trochaeus 
(Hebung und Senkung) wiedergeben, «Is wenn wir ihn durch, 
swei Hebungen. aosdrücken ^vollen, die den, Vers dm^cbaos schwe- 
rer machen, als der. antike es ist, S. K. E, P. Wackernagciy 
Auswahl deutscher Gedichte, Berlin 1832. 8. p. VlI. Diese 
Sammlung giebt die beste Uebersicht der verschiedenen auslän- 
dischen und einheiini^/chien «Formen, welche tob dentscheti Dich- 
tem ansgebOdet worden (s^d. ' - . 

' ' , §.:49;. . ' ' .•...• 

Fragt man nach dem Ursprange der Poesie^ 80 
läfst sich darauf keine bestimmte historische Antwort er- 
theilen. Die Poesie war übeirall .vorhanden, wo der gött- 
liche Funke, der in der menschlichen Seele lie^t, in be- 
sondem lodividoen und in ■ besondern Angesblicken' gez- 
weckt und r angefacht wurde.*! 'Begeisterte Gedanken, An- 
schauungen, Empfindungen suchten in wohllautender Rede 
Toll Rhythmus, wofür der Sinn dem-Mensdied von Na^ 
tnr inwohnt, einen angemessenen Ausdruck. Einzelne 
Völker haben Sagen über die Erfindung des Verses. Bei 
den Indern soll die gebundene Rede, Slokas, von Vali- 
mikis erfunden worden sein, indem er* einen Reiher, 
der .mit seinem Weibchen in einer schönen WUdnifs 
glücklich zusammen nistete, plötzlich . gefühllos ermopden 
82^, und aus Mitleid uiiwillkäiirli€h.:in Worte 




u 

indifdien Pi- 

ist es die erste 

delpUsele PVietfexm Fkeaioa*«, aas deren gottbegei- 

üertem Hkmde der eate Tos, der HesaBeter, hervor- 

^mf^ Fir Jbt Pencr cuMattdoi Jbt ersten Y^^e und 

Hii M M ia de» Ziiiifciifilifct des FintcB Behramgar 

«nd Msser gefiekes Sdavia DilarasL Noch jetzt Xds- 

$em üA £e Uraa&i^e der DkhAhart bei Tdlfig ungebil- 

delea Vdlker% z. &. kci de» SmäsKamamhottwD^ beobach- 

Gcfiy, daua aber 

■igcrsttlseB ihytb- 

thea WortcB, dvA Gesaag, Ifasä und Tanz an- 

ferstfifzl^ mA ansdirQdcB oad Imrca. Derglrichen un- 

bewoCsfe Natnrpoesie ist iiilniH;^ anch bei den be- 

l^ftblcstea Völkern der KoBB^^cne TorbNgegegangen, 

^on weicker letzteren allein es eine Gesckidite geben 

kaiftn, denn nnr bd är findet ein Fortsekritt, rine Aus- 

bildaog statt 

Vtkew dfie ia&dbt Sage tm der Ecfidbag der TcidbMl e. den 
AaCiag ^ iatiiicfccs £p*> Jfirtjpwj «bcn. ie Ft. ▼. Sckle- 
geFe Werlcei^ Bd. GL S. 256. — Yen Pkammmt ei^Ak Pau- 
eaetae« X &. 7. — .lieber die Poceic der SidaecMelMKr s. A. 
r. Cbemfas« Beseiktogai tef einer EmdecfaagHcbe; Wei- 
. mm J82I« 4L 8. €7. 

'§. 5a . 
Die {rfihetten nnd schönsten Klänge der morg^ti- 
ISndiscben IHditknnst, in Ijriscker, lekraider und er^ 
zihlender Weise , finden vrir in einigen biblischen Bfi- 
ebero, die entweder durchaos dicjiterisch sind,- oder ein- 
zelfie poetische Stellen nnd . eingesdialtete GesSnge ent-* 
halteo. Bei den Hebräern war dei* EinflaHs der Poe-r 
sie am so stärker^ als dieselbe durchgäDgtg eine religiöse 
Bezielinng hatte. Sie trug daher viel zor Bildung und 
EDiwickeluog des ganzen Nationalgeistes beL Die in- 
discko Poesie trägt ,. wie die Sanskritsprache selbst,) 
einen Charakter der Ursprtioglichkeity der frühen selb- 
ständigen Aosbildung, wodurch, sie i eine besonder wich- 



Poeük. « 

tige Stelle in der Geschichte der Diohtkmifit . eitaniniHt 
Auch in späteren Zeiten machten sich Ycrschiedene asia- 
tische Völker, vorzüglich die Araber und Perser, 
durch eigenthümliche Vorzüge und Schönheiten ihrer Poe- 
sie merkwürdig. 

S. Dr, Lowth de §aera Pok'ii Hehraeorum praeleeiione$$ Ojmw. 
1753. 4. -— cum noti» ti epimetrii J. D. Miekuelii; OoetH, 
1768* 8] ~ J. G. Herder Tom Geiste der Hebrftiscben Poesie; 
Dessau 1782. 83. 2 Bde. gr. 8. — J. Richard$on*» biiierta- 
tian on the Languagetf Literaiure and Mannen of the Eaiiem 
Nation$; Land, 1778. 8.; übeVs. Lpz. 1779. 8. — Poe$eoi Ana- 
ticae Commentariorum Lihri F/., cum appendicty auctore GuiL 
Jonei, recudi curavit L O, Eichhorn; Lipi. 1777. 8. — W. 
Jona Poemt, coiuUHng chiefly of Tramlatiom front the Ana" 
fic Languagef Land. 1772. 8. — 0r. Lowth 's Vorlesungen 

* ober die' heilige Dicbtkunst der HebrSer, mit Herd er* s and 
Jones Grundsätzen verbonden, im Aaszage von C. B. Schmidt; 
Danzig 1793. 8. — F. Adelang Versuch einer Litteratar der 
Sanskrit- Sprache. St Petersburg 1830. 8. y. Bohlen*s Altes 
Indien, Bd. U. S. 335— 432. — Ueber die Poesie der Araber 
8. RosenmfiUer in den Charakteren der romebrasten Dichter 
aUer Nationen, Bd. 5 u. 6. — J. y. Hammer Gescbichte der 
schönen Redekfinste bei den Persern. Wien 1818. 4. — Vgl 
Rosenkranz Gesch. der Poesie, Bd. I. S. 21—151. 

§. 61. 
Die griechische Poesie hat sich yollkommner ald 
die irgend eines anderen Volkes nach nothwendigen Ge- 
setzen organisch entwickelt ; und zu classischer Vollen- 
dang in ihren mannigfaltigen Zweigen ausgebildet. In 
dem frühen monarchischen Zeitalter, wo überhaupt die 
Besonderheit des Einzelnen zurücktrat, wurde die ge* 
meinsame Poesie des Volkes von dem epischen San« 
ger als ihrem Organe ausgesprochen. Als später in den 
Freistaaten der Einzelne sich geltend zu machen begann, 
bildete sich die subjective, lyrische Dichtkunst aus, ge* 
mäfs den drei besonderen Charakteren des Ionischen, 
Dorischen und Aeolischen Stammes. Nach Epos und Lj- 
nk entstand das Drama, die Elemente jener beiden Gat- 
(imgen in sich einigend, und erreichte seine hohe Vollen- 



46 Poetik. 

jdang in. Atiben ; demjenigen* Staate^ irelcher «E'e^Eigen- 
ihümliGbkMteh der besonderen hellenischen StSpiine, schon 
Betner historischen Entstehung nach, in sich, verband. 
Nachdem auf diese Weise die lebendige Entwickelung 
zu ihrem nolbwendigen Ziele gelangt war, blieb nur ein 
schwächeres Nachleben der Dichtkunst übrig , bei voll- 
endeter Technik mehr aof die Kenntnifs der alten Mei- 
sterwerke und der aus ihnen Entlehnten Kunstregcln ge- 
^stützt, als aus innerer Kraft hervorgegangen. 

S. Tho, War ton Praelectione» de PoM Graecorum; Oxon, 17 09. 
4. — LH Greg, Gyraldi Hütoriae Poetantm tarn Grae- 
cor um quam Laiinorum Dialogi X.; Ba$. 1545. 8. Opp. 
T, II inii, -^ B. Kennet* $ Live$ and Char acter i ofthe an* 
cient Grecian Poet$; Lond, 1697. 8. — Abrifs der Geschichte 
der griecb. Poesie ^von Jacobs) in den Nachtr. za Salze r*8 
Allg. Tb. B. L St 2. S. 255.; und eben das. B. IT. S. 1., 
Lenz 's Abb. Qber die Dichtkonst der Griechen im heroischen 
Zeitalter. — Vor Allem sind Fr. v. Schlegel's Stadien des das- 
iiscben Aitertbnms in Bd. 3. 4. 5. seiner Werke za nennen. — 
Gttl. Chr. Fr. Mohnike^s Gescb. der Litt, der Griecben a. 
Römer. Greifsw. 1813. 8. Ister B. — F. Schoell HUtoire de la 
Htt.grecque, ed.% Parti 1823—25. 8 Voll 8.; deatscb, Berlm 
1828 — 30. 3 Bde. 8. — Rosenkranz Gescbicbte der Poesie, 
Bd. I. S. 156 — 296. — Ulrici Geschichte der Hellenischen 
Poesie. Bd. 1. Epos. Bd. 2. Ljrik. Berlin 1835. 8. 

§. 52. 

Ganz entgegengesetzt dem Entwickelongsgange der 
griechischen Poesie erscheint die Ausbildung der römi- 
schen. Die einheimischen Elemente blieben in den fünf 
ersten Jahrhunderten des Staates fast gänzlich unentwik- 
kelt, bis man bei näherer Bekanntschaft mit den grie- 
chischen Mustern diese nachzubilden begann, und nun 
gerade mit derjenigen Gattung, die dort die letzte ge- 
wesen war, der dramatischen, anfing. Bald aber hatte 
der römische Geist, Alles zu^ überwinden und zu beherr- 
schen bestimmt, die fremde Kunst ^ sich dermaafsen an- 
geeignet, dafs einige ausgezeichnete Männer des Augu- 
steischen Zeitalters ihrenf Dichtungen einen Grad von 
Vollendung geben konnten, durch welchen sie uns nächst 



Poetik. 47 



den griechischen als dassische Hudter' erschein'en. . v Za- 
gleich mit den Sitten und der moralischen Kraft des Vol- 
kes gerieth unter den spätern Kaisem die römische $pra- 
che und Poesie mehr und mehr in Verfall. 

, S. CofuiieraUani $ur l'Origine ei le§ Progrei 4m Mte« httrtu 
ehtx Ui Rouaim etc. par Lemoine. JfVn'..'1749. 12^/ «fibers. 
Brest. 1755. 8. — Petri Criniti de PaiStU Laünü IMi F.; 
Flor, 1505. /o/. — L. CruM%ui*i Live» ani Cftaraeter$ ef the 
Roman Poet»; Lond. 1733. 2 Voi. 8.; übers, mit Anm. Ton C. 
E Schmidt; Halle 1777. 78. 2 Bde. er. 8. •-- Kurzer Abrils 
der Gesch. der röm. Poesie (von Jacobs); in den Nac|Ur. m 
Sülze r*s Allg. Tb. B. I. S. Ü. - J. C. F. Bäh r Geschichte 
,der rSmiscben Litteratar, zweite Aasg. Carbmbe 1832. S. 62'— 
337. — G. Bernbardy Grandirifs der römischen Littcratnrv 
Halle 1830. 8. S. 159 — 254. — Oaiüich. Ro8e«k|cr4Dz Ge- 
schichte der Poesie, Bd. 1. S. 297 jf. 

§. 53. 
Im Mittelalter wurden die gemeinschaftlichen Ur^ 
Sachen des Verfalls aller wissenschaftlichen Bilcking aacb 
Veraolafisungen des tiefsten Verfalls der Dichtkufa^t. Man 
verfertigte zwar noch immer. Verse, yornehmlioh lateini«» 
sehe, aber meistens ohne Geist, Leben und Wohlklang. 
Die Werke ^es Alterthums wurden immer mehv vernäch^ 
Iä8sigt; nur hier und da schimmerf einige Funken poe* 
tischen Geistes, vomehmlich. in -einigen historischen Ge- 
dichten, hervor. Merkwürdig sind indefs aus diesem Zeit- 
r&Dm die Lieder der alten Nordischen Völker, der 
Germanen, Britten, Galen, Iren, Schotten und Dänen; 
Qod die arabischen. Gedichte des Mittelalters, beson- 
ders von erzählender Art, deren Verbreitung in Europa 
den romantischen Geschmack beförderte. 

S. Petuee» $ur la D^cadenee de la Poe»ie Latiney par le P. Bru^ 
moff; in den Mem. de Trevoux, 1722. p. 905. — Polyc. Ley- 
uri UUtoria poetarum et poe\natum medii aevi; Hai, 1721. 8. 
Idem de ficta aevi medii barbarie, imprimi» circa poesin lati- 
nam; Heim»t. 1719. 8. -> OL Wormii Literatura Danica; 
Bafa. 1651. fol ^ Tho. Bartholini Antiqq, Dan, de Cau- 
*i» CQtttemtae a Dante mortii; Ha fr, 1689. 4. — Joeia» Co- 
^ybeare Illmtration of anglo-eaxon poetry; Land, 1826. 8. — 



48 Poetik. 



. ii 



Ev, E9an^*0, dt BariU IH$$, W b. Speehum of the Poetry 
.0/ the ancUnt WeUh Bardi; Land. 1764. 4. — Von den Bar- 
den, a. d. Engl; Leipz. 1770. 8. — F. D. Gr8ter*8 Nordische 
Blumen; Leipz, 1789. 8. — Tho, Wartom Di$i. on the OH- 
gifü of romataic Ficiion in Europe; in s. Hiit. öf Engl. Poe- 
•try, Vol, L; ftber8..imBritt Maaenm für die Deotschen, 
•Bd. L IL -* Yen der arabischen Dichtlconst des Mittelalters s. 
' Vclaiqnei Geich. d. tpan. Dichtk., fibers. von Dieze; S. 33 E 
^ Vgl. §. 49. 

§. 64. 
In der Geschichte der neueren Poesie sind zuerst 
die Provenxaldichter öder Troubadours (Trwor 
lori) . merkwtirdig, welche im zwölften und dreizehnten 
Jahrhundert im südlichen Frankreich die Dichtkunst neu 
erweckten. Eben diefs geschah im nördlichen Frankreich 
Ton den sogenannten Trouveres oder Romanciers. 
Der Inhalt ihrer zum Theil noch erhaltenen Gedichte 
warthdls historisch, yomehmlich Erzählung ritterlicher 
Abenteuer, theils allegorisch, der damaligen Pracht und 
Feierlichkeit des Hoflebens angemessen, theils erotisch^ 
als kunstloser Ai»dcuck zärtlichen und naiven Gefühls. 
Im vierzehnten Jahrhunderte verlor sich die provenza- 
lische Poesie, nacbdepi sie einen wichtigen Einflufs auf 
die Ausbildung der Sprache und vorzüglich der lyrischen 
Dichtformen ausgeübt hatte. 

Ueber provensalische Poesie s. /. Nottradamui le» frie$de$plta 
ceUb'.ii et aneien$ poetei provemaux, Lyon 1575. 12.; auch in 
Cet. NoitradamuM Hi$to%re de Provence, 1614. /o2., italie- 
nisch in Creicimbeni Comment intomo alla Storia deüa vol' 
gar Poena; Rom, 1710. 4. und in s. litoria della volgar Poe- 
iia; T. //. — Hutoire Literaire de$ Troubadoun^ par M, 
VAhbi Millot; Par. 1774. 3 Voll gr. 12. ~ ObiervationM eur 
leg Troubadoure, par M. Legrand; Par. 1781. 12. *> Ve- 
lazqaez Gesch. d. span. Dichtk. S. 45 ff. — Man so über die 
PrOTenzaliscben Dichter, in den Nachlr. zu Sulz er, B. IV. S. 
271. — Eichhorn's Allg. Gesch. der Kuknr des nenern £a- 
ropa, B. I. S. 69. — Sitmondi litt, du midi, L S. 55. — 
F, J. M, Raynouard de» Troubadoure, Parte 1817. 8. — 
A. W. Schlegel Obeervatione eur la langue et la litt^ature 
PrwengaUe, Parte 1818. 8. ^ F. Dies Die Poesie der Trou- 

badoarVi 



Poetik. 49 

badonrs, Zwickau 1826. 8. Desselben Leben und Werlre der 
Trottbadoart, Zwickau 1829. 8. — Ueber nordfranzösische Poe^ 
sie 8. Gtrvait de la Rue Reclterches $ur ies buvragei det 
Bürdet de la Bretagne armoricaif^e dans le moyen-äge. Caen 
1815. 8. — J. B. de Roquefort de Flamericourt de Vetat 
de la poe'tie firang. dant Ies XII. et XIII. siecleti. Paris 1814. 
8. — Benoitton de Chateauneuf essai sur la poette et' let 
poetet frang, aux XIL XIIL et XIV. $ieclet, Paris 1815. 8. 

§. 55. 

Italien aber, wo sich lange noch Spuren der Poe^ 
sie aus dem classischen Alterthunie erhalteil hatten, war 
auch das Land ihrer Wiederherstellung. Zagleich mit 
der Sprache wurde die Dichtkunst schon zu Ausgang des 
zwölften Jahrhunderts von einigen Sicilischen Dichtern, 
vollkommner aber im^ Anfange des vierzehnten Jahrhun- 
derts, besonders zu Florenz, ausgebildet; und durch neu- 
belebtes Studium der Alten sowohl, als durch andre Be- 
güns^guDgen, wozu der Flor der bildenden Künste ge- 
hört, ward ihr Fortgang so wirksam befördert, dafs sie 
schon im sechzehnten Jahrhundert ctassische Yollkom- 
menheit erreichte, von welcher sie aber im siebzehn- 
ten sehr zurückwich, und der sie sich im achtzehnten 
und neunzehnten, nicht ohne glücklichen Erfolg, wieder 

ZQ nähern suchte. 
S. G. M. de* Crescimbeni Istoria della volgar Poesia; Venex. 
1731. 6 Voll. 4. — Fr. Xav. Quadrio della Storia e della 
Ragione d'ogni Poesia; Bologna e Milano 1739 — 46. 5 Voll, 
4. — Discours sur Vhistoire et le genie des jneilleurs poetes Ita- 
lient, par Scip. Maffeif av. des Rem.; in der Bibliotheque 
Italique, T. I. p. 223. T. II. p. 175. - j/P. Meinhard's 
Versuche über den Charakter niid die Werke der besten italie- 
nischen Dichter; Braunschweig 1774. 2 Bde. gr. 8., fortgesetzt 
Ton Jagemann, e. <d. 1774. 8. — Die vorzüglichsten Italleni- 
Bchen Dichter im siebzehnten Jalirhnndert (von Werthes); 
Bern 1780. 8. -^ Bettinelli Diseorso $opra la Poesia ItO' 
liana; in 8. Opere, Fe». 1780. 8 Voll. 8. T. V. -j Bouter- 
wek's Geschichte der Poesie und Beredsamkeit seit dem Ende 
des dreizehnten Jabrh. (Göttingen 1801 ff. 8.) B. I. II. — J. K. v. 
0relli*8 Beiträge 2ar Geschichte der italienischen Poesie, 2 Höfte; 
Zürich 1810. gr. 8. -'< Sismondi litt, du midi, L IL — Ro- 

Eichenb. Th. 4 



50 Poetik. 

senkranz Gescbiditc der Poesie, BcL 2. 8. 215 fip. » Saggio 
MuUa »toria iella Utieratura Italiana nei frimi ventieingue anni 
dd Meeolo XIX^ opera dt A, L, (Levati); Milan» 1831. 8. 

%§« 56. 
Auch die Dichtkunst der Spanier bildete fiich be- 
bereits im zwölften Jahrhundert, zugleich mit der Spra- 
che dieser Nation, alkoälig aus, und wurde mit der- 
selben in gleichem Maafse immer vollkommener. Ihre 
blühendste l^poche war das fünfzehnte und sechzehnte 
Jahrhundert; untd die daipaligen spanischen Dichter sind 
sowohl ihres ganz eigeiithümlichen und selbständigen 
Charakters wegen, als auch durch die Vortheile merk- 
würdig, welche die Poesie andrer Nationen, vornehm- 
lich der Franzosen, durch ihre Benutzung gewonticn hat. 
Gleichen Ursprungs mit der spanischen ist die Dicht- 
kunst der Portugiesen; und eben diese Gleichheit fin- 
det sich in ihrer Ausbildung und Blüthe. 

S. Origine» de la Poeiia CatieUana, por Don L, J. Velaxquex; 
Malaga 1754. 4.; übers, mit vielen Anmerkungen and ZnsStzen 
▼on J. A. Dieze; Göttingen 1769. 8. — N. Bibiioth. d. scb. 
W. B. I. S. 1 ff. — Memariai para la hittoria de la poeiia y 
poeiai Eipaholei, par D. Sarmienio; Madr, 1775. 4. — 
Eicbhorn's Allg. Geschichte der Knltar, B. L S. 120. 131; 
nnd Torzaglich Boaterwek^s Geschichte der Poesie und Be- 
redsamkeit, B. IlL, spanisch mit ZasJttzen von Jose Gomez de 
la Cortina and Nie. Hagaeide de Molinedo; Madr. 1828. 
3 Voll. 8. — Siimondi litt, da midi, Bd. 2, — Rosenkranz 
Gesch. d. Poesie, Bd. 3. S. 3— 120. — Ueher die portagiesi- 
sdie Dichtkunst s. auch das angeführte Werk Yon Velazqaez, 
Abth. t. Abschn. 5. — Vergl. Bertach's Magazin der span. pnd 
portugies. Litteratar; Weimar 1780. 2 Bde. 8. — Bouterwek^s 
Geschichte a. s. £ Bd. IV. — Slsmondi a. a. O. — Rosen- 
kranz Gesch. d. Poesie, Bd. 3. S. 120—135. 

Die Französische Poesie verdankt ihren Ur- 
sprung grofsentheils den Provenzaldichtem; zum Theil 
aber auch, besonders im nördlichen Frankreich, den Nor- 
mannen, welche zu Anfang des zehnten Jahrhunderts» 
wahrscheinlich aus Dänemark, dorthin kamen, und in der 



Poetik. 51 

Folge die EntstebuDg der romantischen Diehtkunst ver- 
anlafsten. Nachdem man in der zweiten Hälfte des 
siebzehnten Jahrhunderts auf die Verfeinerung des Ge- 
schmackes und der Sprache vorzüglichen Fleifs gewandt 
baue, ward die Regierungszeit Ludwigs XIV das goldne 
Zeitalter der schönen Literatur und Kunst. Witz, Cor- 
rectheit und Eleganz waren der Haoptcharakter der Dicht- 
kunst wie der Sprache der Franzosen, und blieben es 
Doch lange nachdem das goldene Zeitalter vorüber war; 
übertriebene Verfeinerung und Abweichung vom Edlen 
und Einfachen zogen den Geschmack in eine merkliche 
Entartung herab, bis in allerneuster Zeit die französische 
Poesie sich eine frische Bahn zu brechen versucht hat. 

S. Recueü de VOrigine dt la langue et poetie Frangoiuiy par 
CL Fauchet; Par, 1581. 4. — Lettre $ur VOrigine de la 
poeMie Frangaite, par Dan. Huet; in den Mem. de Trevoux^ 
Man 1711. p. 471. — Ditcour» «tcr quelquee andern Poetee — 
— par Mr. Galland; in den Mem. de VAcad. dee Imcr. T. IV. 
p. 424. — Histoire de la Poeeie Frangoiee (par Merveein); 
Par. 1706. 8. — Hietoire de la Poeeie Fr. par VAhhe Mae- 
sieu; Par.' 1739. 8. — Ditcour» $ur l'origine et le progre» de 
la poetie Fr. in T. J. der Annalee Poetiquee; Par. 1776. 12. — 
De la Poesie Fr, avant et depuii Marot Juequ'ä Corneille^ dane 
le Lycee de Laharpe, T. VI. p. 73. — C. A. Ste. Beuve 
Tableau de la poe$ie frangaite au XVI. »iicle; Par. 1828. 
2 Voll. 8. — Vergl. H«eren*8 Abh. über den Einflofs der Nor- 
mannen anf die französ. Sprache u. Litteratur; G5lt. 1789. 8. — 
Eicbhorn's Allg. Gesch. d. Kaltar, Bd. I. S. 142. ~ Nachträge 
zo Sulzers Allg. Tb. B. I. S. 141. ~ Boalerwek's Gesch. der 
Poesie u. Berede, seit dem Ende des 13ten Jahrb. 5r a. 6r Bd. 
G5tt. 1806. 7. 8. — Villemain Coure de litt, frangaiee; Pa- 
ris 1828. 8. — Rosenkranz Gesch. d. Poesie, Bd. U. S. 34 ff. 

§. 58- 
In England, welches treffliche Volkslieder und Bal- 
laden aus dem zwölften Jahrhundert und der Folgezeit 
besitzt, war die zweite Hälfte des Tierzehnten Jahrhun- 
derts die Anfangsepoche der kunstreichern Poesie, ob- 
gleich die Sprache, bei acht poetischem Charakter, da- 
mak noch wenig ausgebildet war, und erst* durch die 

4* 



52 Poetik. " 

späteren Dichter mehr VollkommineDheit, Reichtham und 
Stärke erhielt. Nachdem das Drama durch Shake- 
speare eine hohe Vollendung erlangt hatte, verfeinerte 
sich am Ende des siebzehnten und achtzehnten Jahrhun- 
derts der poetische Geschmack der Engländer zviar noch 
mehr, doch blieben ihre älteren Dichter von Seiten der 
eigenthümlichen schöpferischen Kraft und Geistesstärke 
unerreicht. Um so höher ist der Kaug, welchen Eng- 
land in der neuesten Zeit in der romantischen Poesie 
durch einige aufs erordentliche Dichter einnimmt, 
S. Eluay on the ancient Englith Mi/utreh, vor dem ersten Bande 
▼on Dr. Percy*i JUlique$ of ancient EnglM Poetry; Lond. 
1765; 1812. 3 VolL 8. — Tho. Warton'i Hntory ofEnglUh 
Poetry, from tJie clo$e of tJie eleventh to the commencement of 
the eighteenth Century; Lond. 1774 — 81. 3 Voh. 4. — Einea 
kurzen Auszug daraus s. in den'Nachtr. z. Sulzer, B. III. S. 
253. — Specimem of the early Engliih Poett: to which u pre^ 
fixed an Hiitorical Sketch of the Rise and Progre$$ of tlie Eng- 
liih Poetry and LanguagCy hy Geo. Elliet; Lond. 1801. 3 Voli^ 
8. und desselben Specimem of Romance» of the XIV Cen- 
tury; Lond. 18Ö5. 3 VoU. 8. — Theoph. Cibber't- Livet of 
the Poeti of Great Britain and Ireland; Lond. 1753. 5 Vol$^ 
gr, 12. — Dr. Sam. Johmon't Bio'graphical and critical Pre- 
facei to hii Collection of Englith Poeti (60 Voll. gr. 12 ); 
Lond. 1779. 10 Voh. 12. und besonders gedruckt, Lond. 1781. 
4 Voll. gr. 8.; zur Hälfte fibers. von v. Blankenburg, 2 Bde., 
Altenb. 1780. 81. 8. — TA. Camphell Specimem of the Bri- 
tith poeti f with biographical and critical noticet; Lond. 1819. 
7 Voll. 8. — Bouterwek*8 Geschichte der englischen Poesie 
seit dem Ende des ]3ten Jahrb. macht den 7ten und 8ten Bd. 
der obenangefiihrten Geschichte aus; Gott. 1809. 10. 8. ~ Ro- 
senkranz Geschichte der Poesie, Bd. 3. S. 135 — 242. — F. J. 
Jacobscn Briefe üb. die neuesten engl. Dichter; Altona 1820. 8. 

§. 59. 
Erst seit der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts 
nahm die deutsche Dichtkunst einen mit der neuem 
Poesie der bisher genannten Völker gleichen Rang ein, 
nachdem sie vorher mehrere nicht blos für die Sprach- 
geschichte wichtige Perioden durchlaufen hatte. Eine der 
glficklichsteii darunter war die Zeit der Minne sing er , 



Poetik. 53 

unter äea sckwahischen Kaisem, im Zwölften und drei- 
zehnten Jahrhundert, deren Gedichte mit den proven- 
zalischeü in Absicht des Inhalts sowohl als der Behand- 
lungsart manche Aehnlichkeit haben. Durch die darauf 
folgenden Mejstersänger wurde die Poesie in eine 
niedrigere Sphäre herabgezogen; im sechzehnten Jahr-- 
huDdert begann sie, in Wechselwirkung mit der Ver- 
besserung der Sprache, sich zu heben; noch mehr ge- 
wann ^ie im folgenden Jahrhundert durch Opitz und 
andere Schlesische Dichter. Gar bald aber artete sie in 
unnatürlichen Schwulst und geistlose Reimerei aus, bis 
ein zweckmSfsiges Studium der Meisterwerke des Alter- 
tbums und der Ausländer den deutschen Geschmack lau- 
terte, und nunmehr, von einer Reihe ausgezeichneter 
Männer gepflegt, die deutsche Dichtkunst rasch zur Blü- 
tbe gelangte. 

S. D. G. Morhofs Untergeht von der deutsclien Sprache und 
Poesie; Lübeck 1700. 8. — Denis Vorbericht, von der alten 
Taterländlschen Dichtkunst, vor dem vierten Bande von Os- 
8ian'8Qnd.Sined'8 Liedern; Wien 1784. 4. — W.C.Grimm 
lieber Entstehung der altdeutschen Poesie; in den Stadien, Bd. 
4. St. 1. 2. — J. Gör res Die teutschen Volksbücher; Heidelb. 
1807. 8. — C. Rosenkranz Geschichte der deutschen Poesie 
im Mittelalter; Halle 1830. 8. — Ueber die Minnesinger s. 
die Vorrede zu den Proben der alten schwäbischen Poesie, von 
Bodmer, und mehrere Aufsätze desselben in der Sammlung 
geistvoller Schriften, den Kritischen Briefen u. S. f.; auch des- 
sen Sechs Zeitpnnkte in der Geschichte der deutschen Poesie, 
im Schweiz. Museum, IIT. 3. — Verzeichnifs der Minne- 
singer und ihrer Werke, in Adelung*s Magazin der deutschen 
Sprache, II. 3. S. 1 ff. — B. J. Docens Miscellaneen zur Ge- 
schichte der deutschen Litteratur; München 1807 — 9. 2 Bde. gr. 8. 
— Dessen Versuch einer vollständigen Litteratur der älteren 
deutschen Poesie; in dem Museum für altdeutsche Litte- 
ratur und Kunst; Berlin 1809. gc. 8. I. S. 126 ff. — Ueher 
die Meistersinger s. J. C. Wagenseil's Buch ton der Mei- 
stersänger holdseliger Kunst etc. bei keinem Comment de civit. 
Norimbergenn; Altorf, 1697. 4. S. 433. — Doeen über den 
Unterschied und die gegenseitigen Verhältnisse der Minne- und 
Meistersänger, in d. angeC Museum I. S. 73 ff. 454 ff. — J. 



54 Poetik. 

Grimm Ueber den altdentscben Meistergesang; Gfttt. 1811. 8. — 
Von der Opitzischen Periode , die Zürcher Samml. krit. und 
geistr. Sehr. Sl. IX. S. 3 ff. — Manso's AbhandL über Mar- 
tin Opitz and einige seiner Nachfolger, in den Nachtragen zu 
Sulzer's AUg. Th. B. VI. S. 141. — Franz Hörn Die Poesie 
nnd Beredsamkeit der Deutschen von Lnther's Zeit bis znr Ge- 
genwart; BerL'n 1822 ff. 8. nnd Die schöne Litleratnr Deutoch- 
lands während des achtzehnten Jahrb. ; Berlin 1812. 8. — Kurze 
Geschichte der deutschen Dichtkunst (von Prof. Ebeiing); im 
Hannov. Magazin vom J. 1768. St. 6— 8. 23. 24. 26 — 29. 34. 
35. — (Meister's) Beiträge zur Gesch. der deutschen Sprache 
nnd NationaDitteratur; Bern 1777. 2 Thle. 8. — C. H. Schmid's 
Skizzen einer Gesch. d. deutochen Dicbtlmnst, in der Olla Po- 
trida v. d. J. 1780—84. — (Kuttner's) Ciiaraktere deutsche 
Dichter nnd Prosaisten«, Berl. 1781. 2 Theile. 8. -^ (Wetze!) 
Ueber Sprache, Wissenschaft und Geschmack der Deutschen; 
Leipz. 1781. 8. — L. M eiste r's Charakteristik deatscher Dich- 
ter; Zarich 1785. 87. 2 Bde. 8. mit Bildnissen. — £. J. Koch*a 
Compendinm der deutochen Litteralnrgeschichte , zweite Ausg.; 
Berl. 1795. 98. 2 Bde. 8. — Manso!s kurze Uebersicht der Ge- 
schichte der deutschen Poesie (bis zum J. 1721); in den Nach- 
trägen zum Sulzer, B. I. S. 197. — Ma'nso's Uebersicht der 
Geschichte der deutschen Poesie späterer Zeit; in diesen Nach- 
trägen Bd. V'IIl. S. 1 ff. — Nasser*s Vorlesungen über die 
Geschichte der deutochen Poesie; Altona 1798. 1800. 2 Bde. 8. — 
Bouterwek*s Geschichte der deutschen Poesie nnd Beredsam- 
samkeit seit dem Ende des dreizehnten Jahrhunderts; Gölt. 1812. 
gr. 8. — J. G. Büsching und F. H. von der Hagen littera* 
rischer Grundrifs zur Geschichte der deutochen Poesie; Berlin 
1812. 8. — L. Wach 1er Vorlesungen fib. die deutsche Natio- 
nallilteratur; Frankf. a. M. 1818. n. Ausg. 1835. 2 Bde. 8. — 
A. Koberstein Grundrifs zur Gesch. der deutschen National- 
litteratur; Leipz. 1827. 1830. 8. — W. Menzel Die deutoche 
Litteratur; Stuttg. 1827. 2 Bde. 12. — A. W. Bohtz Gescbichto 
der neueren deutochen Poesie; Gott. 1832. 8. — G. G. G er- 
vin us Geschichte der poetischen NationaDitteratur der Deutschen, 
Tbl. I.; Leipz. 1835. 8. — Rosenkranz Gesch. der Poesie, 

Bd. IlL S. 274. C. H. J5rden 's Lexikon der deutochen 

Dichter nnd Prosaisten; Leipz. 1806 — 1811. 6 Bde. 8. 

§. 60." 
Minder bekannt, aber sowohl in ihrer Entstehung, 
als in ihrem immer wachsenden Fortgänge merkwürdig, 
ist die Poesie der Niederländer^ der Dänen, Schwe- 



Poetik. 53 

den, Polen, Russen, Ungarn, Böhmen, Serben, 
Neu-Griechen u. A. 

S. Willemi Verkandeling over de Nederduyticfie Taal en Letter- 
kunde; Antwerp. 1819. 2 Bde. 8. J. F. flelmers Geschichte 
der NiederlSndischen Dichtkunst, in den Werken der Bataavsche 
Maattchappy v. Taal en Dichtkunde , Th. 3. und 4. M. Sie- 
bente ek Geichiedenii d. Nederl, Letterkunde; Hartem 1826. 8. 
trad, par J, H. Lehr ucquy ; Gent 1827. 18. Bowring 
Sketch of the language and litterature of HoUaud; Am$terd, 
1829. 8. J. de 't Gravenwert Essai sur Vhistoire de la litt, 
neerlandaise ; Amsterd. 1830. 8. S. v. Eich stör ff Deutsche 
Blnnienlese aus Niederländischen Dichtern; Namfir 1826. 8. — 
R. Nyerup og C. L. Rahbeck hidrag til den Danske Dig- 
terkonsti Historie; Kopenh. 1800. 2 Bde. 8. N. Ffirst Briefe 
über die Dänisclie Litteratar; Wien 1816. 2 Bde. 8. Ch. 
Molbech Dansk poetisk Anthologie med biographisk'kritisk 
Efterretninger, Bd. 1.; Kopenh. 1830. 12. Olai Wormii de 
prisca Danorum poesi Diss. in s. Litteratura Runica; Hafn. 
1651. fol. p. 163. (v. Gerstenberg's) Briefe aber Merkwür- 
digkeiten der Litteratur; Scblesw. 1766. 8. Gr 8t er 's Nordi- 
sche Blumen; Leipz. 1789. 8. und mehrere Aufsätze und Nach- 
richten in der Ton ihm heransg. Zeitschrill, Bragur; Leipz. 
1791 - 1812 8 Bde. 8. J. Olafsen am Nordens gamle Digte- 
kunst; Kopenh. 1786. 4. — Historiola litteraria Poetarum Sue- 
corumy auct. A, Li den; Ups. 1769. 8. contin, C. ü. Brooc- 
many Part, 1. 2. Ups. 1801. 4. — Q, Stjernhelm Bvea litt, 
historia; /Stöckh, 1819. 2 Bde. 8. — Schwedisches Museum; 
Witjmar 1784. 8. B. II. — Trotxii Bibliotheca poetarum Po- 
lonorum; Lips. 1755. 4. LD.Janotzki Polonia litter ata nostri 
temporis; Fratisl. 1750. 8. FeL Bentkowski Historya Ute- 
ratury Polskiey; Warschau und Wilna 1814. 2 Bde. 8. Zweit« 
Ausg. Wilna 1829. 8. — Geschichte der Russischen Poesie, von 
Was. Trediakowsky; übers, in den Götting. Unterhaltungen 
T. J. 1769. J. Bowring Rosstkaja Anthologia^ specimens of 
the Russian poets, ed. IL London 1821. 8. Aehnliche Antholo- 
gien hat Bowring auch von anderen Sprachen, der böhmischen, 
ungarischen, serbischen, polnischen, veranstaltet C. F. v. d. 
Borg Poetische Erzengnisse der Russen; Dorpat 1820 L 2 Bde. 
8. P. y. Götze Stimmen des Rnss. Volkes in Liedern; Stuttg. 
1828. 8. In russischer Sprache: N. Gretsch Handbacb d. ross. 
Litt. Petersb. 1821 ff. 4 Bde. 8. and N. P. Rouanzoff Gesch. 
d. ross. LiU. petersb. 1822. 8. — P. Wallasxky Conspectus 
reip, litt, in üngaria, td, IL Ofen 1808. 8. JoL Fenierj 



50 Poetik. 

and Fz. Toldy Handbuch d. Ungar. Poesie; Pestb a. Wien 1828. 
2 Bde. 8. — J. Dobrowsky Gesch. der böhmischen Sprache 
nnd Litteratur; Prag 1792. 1818. 8. J. Jungmann Huloria 
litter atury Cetky; Prag 1825. 8. — Serbische Volkslieder, 
Lpz. 1822 f. 3 Bde. 8.; metrisch übersetzt von TaWi (Ther. A. 
L. von Jacob, Terehelichte Robinson) ; Halle 1825 f. 2 Bde. 8. — 
J. Rizot Neroulo» Coun de litt, gr, moderne, ed. II. Genf 1828. 
8. Rind Beiträge zur besseren KenniniTs des neaen GriechenL; 
r^east. a. O. 1831. 8. ^ 

§. 61. 
Der Inbegriff von Regeln der Dichtkunst im All- 
gemeinen , ucd jeder Dichtungsart insbesondre, wird un- 
ter dem Namen Poetik befafst. Das älteste Lchrsy- 
fitem dieser Art ist das von Aristoteles, wovon uns 
aber nur Bruchstücke übrig ^ind, welche vornehmlich das 
Heldengedicht und das Trauerspiel betreffen. Neuere 
Lehrbücher der gesammten Poetik, von sehr ungleichem 
Werthe, haben wir von Scaliger, Vossius, Brei- 
tiuger, Gottsched, Marmontel, Engel, Clodias 
und Anderen. Horazens Epistel an die Pisonen und 
die Lehrgedichte des Vi da nnd Boileau erstrecken sich 
nicht auf den ganzen Umfang der poetischen Theorie, 
welche noch keineswegs hinlänglich aasgebildet ist, 

Ariitotelin PoeticOy ed. Th, Tyrwhittj Oxford 1806. 8. c. 
comment. Go'dofr» Hermanni; Lipi. 1802. 8. ed, Graefen^ 
han; Idpi, 1821. 8. — , übers, nnd erläutert von J. G. Buhle; 
BerL 1798. 8. Vergl. dess. Abb. über die Arislot. Poetik, ia 
der Akad. d. scb. Redek. B. IL St. 1. — J. C. Scaligeri 
Poeticei Libri VII. L. B. 1681. 8. — G, L Vonii de artis 
poeticae natura ac constitutione Liher; Amst. 1647. lEijuid. 
Poeticar, Imtitutionum Lihri HI,; Amtt Ißil. 8. — J. J. 
Breitinger's kritische Dichtkunst; Zttrich 1740. 2 Bde. 8. — 
J. C. Gottsched's Versuch einer krit Dichtkunst ftlr die Deut- 
schen; Leijiz. 1751. gr. 8. — Po^tique Frangoite par M. Mar- 
montel; Par. 1763. 2 Voll. 8. — J. J. Engels Anfangsgrande 
einer Theorie der Dichtungsarten, ans deutschen Mustern ent- 
wickelt ^Berlin 1783. 8. N. A. 1804. 8. - Horatii Epiit^lae , 
ad Piionei et ad Auguitum, withran Englieh Commentary ete, 
hy R. Hurd; Lond, 1766. 3 VoU. 8.; übers, von Eschenburg, 
Leipz. 1772. 2 Bde. 8. Horat de arte poet. ,ed, C. G. Schelle; 
Ups. 1806. 8. ed. Holzapfel, Lemgo 1818. 8.; v, Hocheder, 



Poetik. 67 

Pauau 1824. 8.; Hohler, Wien 1824. 8.; Maehaeeh, Prag 
1827. 8.; deatscli von Pe tri, 2te Aqfl. Falda 1815. 4. — M. 
H, Vidae Poeticorum Lihri III. ex ed, Klotzii; Altenb, 1766. 
8. — VArt Poetique^ Poemi en quatre chantt, v. ki Oeuvr^ 
de iBoiieau Deipreanx. — Aach Leg quatre Poetiquet d'A" 
rUtote, de Horaee, de Vida, et de Boileau, avec de$ Remarques 
par lAbbeßatteux; Par. 1771. 2 Voll 8. 

§. 62. 
Aufserdem giebt es noch zahlreiche Werke in ver- 
schiedenen Sprachen, worin entweder einzelne zur Dicht- 
kunst gehörende Gegenstände abgehandelt, oder Gedichte 
mit genauer Kritik zergliedert sind. Wir bemerken da- 
von nur einige der vornehmsten: 

Bella Ragion Poetica Libri IL di F. Gravina; Roma 1708. 4. — 
Venez, J731. — - Deüa perfetta Poetia Italiana^ ipiegata e di- 
mostrata di L, A. Muratori; Venex. 1748. 2 Voll, 4. ~ 
DelV Arte Poetica, Ragionamenti cinque di Franc. Maria 
Zanotti; Bologna 1768. 8. ^ Reflexions $ur la Poitique et 
Mur les Ouvrage$ de$ Poetei anciens et modemei, par le P. 
Map in; Par, 1684. 4. et dam tet Oeuvres T. //. jp. 85. — 
Reflexions sur la poesie, par Remon de St. Mard; a la Haye 
nU. 12.; et dans ses Oeuvres (Par, 1750. 5 Foff. 12.), T. IV, 
V. — Reflexions sur la poesie par Louis Racine, dans ses 
Oeuvres (Ämst, 1750. 6 Voll 12.), T. V, VL -. Reflexions 
mur la poesie et la peinture, par VAbbe Du Bos; Par, 1755. 
3 Voll. 8.; deatscb, Ropenh. 1760. 3 Bde: 8. — Principes 
pour la Lecture des Poetes, par Mallet; Par, 1745. 2 VoU, 
12. — Ecole de Literature; Par, 1767. 2 Voll, 8. — Jos. Trapp 
Praelectiones Poeticae; Lond, 1760. 2 Vols, 8. — Remarks on 
the Beauties of Poetry, hy Dan. Wehh; Lond, 1762. 8.; 
übers. Leipx. 1771. 8. — Dr, Beattie's Essay on Poetry and 
Music, as they affect the mind, bei ß. Essay on Truth; Edinb, 
1776. 4.; fibers. in s. Pbilos. Vers. B. 1. — Dr, Blair*s Lee- 
tures on Rhetoric and Beiles -Lettres; Lond, 1783. 2 Vols, 4 
Basil, 1788. 3 Vols, gr. 8.; deatscb, Liegnitz 1785 ff. 4 Bde. 
gr. 8. Verschiedene deutsche Abhandlangen dieser Art findet 
inan in den Litteratnrbrlefen, der Bibliothek der schö- 
nen Wissensch., den verschiedenen Litteratarzeiton- 
gen, in Wieland's, Herder's, Scfailler*8, Gßtbe's Schrif- 
ten, in A. y\^. und Fr. Schlegel's Charakteristiken und Kriti- 
Icea u. a. m. Die. nfibere Anzeige dieser and mehrerer s. nnten 
bei jeder Dichtongsart 



68 Poetik. 

§. 63. 

Die Poesie tlieih sich nothwendig in drei Gattun- 
gen. Einerseits wird die dufsere Welt als eine ideale 
angeschaut und wiedergegeben, yornehmlich indem eine 
ideale Vergangenheit, auf welcher das Bewufstsein des 
ganzen Volkes beruht, zum Inhalte genommen wird 
(Epos); andrerseits erschliefst der Dichter sein eigenes 
Innere, spricht die Stimmungen und Gefühle aus, die 
aus seiner Beziehung zum Ideale hervorgehen (Lyrik); 
beide Seiten aber rereinigen sich in der als gegen- 
wfirtig dargestellten Handlung, in welcher das Sufserlich 
Geschehende zugleich als Erschliefsung eines Inneren er- 
scheint, die gegenständliche Welt selbst aus den empfin- 
denden und handelnden Personen besteht (Drama). 
Will man tiefer «of den Unterschied der genannten drei Gatton- 
gen cingehn, ao hat man zo betrachten, anf welche Art in jeder 
Gattung die beiden Momente, deren Vereinigang die Scht^nlieik 
ausmacht, nSmlich die einzelne Erscheinung und die Idee, sich 
XU einander Terhalten. Im Epos wird eine Aufsenwelt, ein« Er- 
0cheinung, die zugleich ganz von der Idee durchdrangen ist, als 
Yorhanden vorausgesetzt, und vom Dichter nur abgebildet; die 
ideale Welt bleibt fiulsertich, vergangen, ein Gegenständ der 
Bewunderung,, der vom Subjecte getrennt ist. In der Lyrik ist 
keine Erscheinung der Idee, keine ideale Wirklichkeit vorhan- 
den, die das Gedicht wiedergSbe, sondern das Lied ist selbst 
nur die flfichtige, zeltlose Erscheinung, die Spur der Idee. Im 
Drama endlich ist die Idee sich gegenwärtig verwirklichend, die 
Wirklichkeit in die Idee aufgehend; das Drama ist weder das 
blofse Abbild einer idealen Welt, wie das Epos, — in welchem 
wir gleichsam die schöne Wirklichkeit erst ans der zweiten Hand 
empfangen, — noch blo&er Ausdruck ideeller Beziehungen, wie 
das lyrische Gedicht, sondern es ist die ideale Welt selbst 

§. 64. 
Es könnte scheinen, als wSrc die Annahme noch 
emer Dichtgattung zul&ssig. Wenn nSmIicb der Geist 
im Epos seine Welt sich vorstelle, in der Ljrik aber 
sein eigenes Innere zum Gegenstande habe, so könne 
er drittens erkennend in die Welt eingehn, sich mit ihr 
▼ermitteln, worin er beide Beziehungen, auf die Welt 



Poetik. 50 

und auf sich yercinige. Diefs geschehe io der didak- 
tischen Poesie. Die genannteD drei Sphären entspre- 
chen augenBcheinlicb den Sphären der Vorstellung, des 
Selbstbewofstseins und des Verstandes. Hier leuchtet es 
aber auch sogleich ein, dafs die Sphäre des Verstandes, 
der es nicht mit Einzelnem, sondern mit Allgemeinem za 
thun hat, nicht mehr eigentlich der Poesie zugehöre. 
Denn nur in der von der Idee erfüllten einzelnen*^ Er- 
scheinung ist Schönheit, ist Kunst möglich. Wenn nun 
äbk didaktische Poesie nicht als eine Gattung in die Reihe 
^ner drei, des Epos, der Lyrik und des Drama, treten 
kann, so verweisen wir sie darum keineswegs ganz aus 
dem Gebiete der Dichtung. Ihr gebührt aber nur insofern 
epne Stelle in der Poesie, als sie von den Gegenstän- 
den derVerstandeserkenntnifs diejenige Seite, durchwei- 
che sie der Anschauung oder der Empfindung angehören, 
behandelt, •*— womit das Lehrgedicht entweder mehr dem 
Epos sich anschliefst (als scientifisches und artistisches), 
oder der Lyrik (als philosophisches Lehrgedicht)« 

§• 65. 
Hier zeigt sich nun zugleich, was es auch mit den 
> anderen i^peciellen Arten der Dichtkunst iür eine Be- 
wandtnifs habe. Bald die Form, bald den Inhalt, bald 
irgend eine äufsere Beziehung berücksichtigend, hat man 
Dichtungen unter Einem Namen zusammengefafst, und 
nicht ohne Einflufs dieses gemeinsamen Namens sie wei- 
ter ausgebildet, ohne dafs jedoch diese Arten eine 
strenge Unterordnung unter jene drei Gattungen gestat- 
teten. Entweder können sie (z. B. die Epistel) bald 
mehr der' einen bald mehr der anderen Gattung (hier 
der epischen und lyrischen) angehören; oder sie kön- 
nen (wie die Cantate) Elemente zweier Gattungen (der 
lyrischen und dramatischen) gleichzeitig in sich verbin'* 
den, oder endlich ganz willkfihrlich in eine der drei 
Gattungen gehören, und nur (wie die Parodie) von 
einer besonderen Beziehung benannt sein. Wenn nun 



60 Poetik^ ' 

eine Philosophie der Dichtkunst jene drei Hauptgattun- 
gen begrifCsmafsig in Arten zu gliedern hätte, die frei- 
lich mit den herkömmlichen nicht völlig tibereinstin^men 
würden, so kommt es hingegen unserer Theorie der vor- 
handenen Dicbtuugsartfn zu, diese Arten nicbt a priori 
zu construiren, sondern wie wir sie vorfinden aufzuneh- 
men und nach der Reihe zu behandeln. Indem wir aber 
bei dieser Aufzählung die äufsere Zweckmäfsigkeit beob- 
achten, fehlt es auch nicht an einem tiefer begründeten 
innern Zusammenhange. 

§. 66. 
Wir beginnen mit dem Epos, derjenigen Gattung, 
in welcher die Aufsenwelt, als vom Ideale erfüllt, rein 
gegenständlich und ohne Beziehung auf das Subject an- 
geschaut wird, und nachdem wir das classische, das 
romantische und das moderne Epos (oder den Ro- 
man) betrachtet, und sodann von den anderen erzäh- 
lenden Gedichten, die sich nicht bis zur Höhe des 
eigentlichen Epos erheben, gehandelt haben, gehen wir 
zur Lyrik über, die,. dem Epos völlig entgegengesetzt, 
.ganz in der Erschliefsung des Innern besteht. Wie sehr 
nun auch die mannigfaltigen lyrischen Gedichte, ihrer 
subjectiven Natur zufolge, sich einer strengen Classi- 
fication entziehen, so lassen sich doch, jenachdem Höhe 
des Gedankens oder Tiefe der Empfindung vorherrscht, 
vorzüglich zwei Arten unterscheiden, nämlich die Ode, 
welche in die religiöse Ode (Hymne), die heroi- 
sche Ode und die sogenannte philosophische Ode 
emgetheilt zu werden pflegt, und zweitens das Lied, das 
weltliche sowohl als^ das geistliche. Hieran knü- 
pfen sich nächst dem durch einen historischen Anlafs an- 
geregten und den Eindruck des Geschehenen auf die Em- 
pfindung aussprechenden Liede, oder der Romanze, 
noch verschiedene speciellere Formen lyrischer Gedichte, 
das Sonett, Madrigal u. a. ro., endlich die Cantate, 
eine durch äulsere Zweckmäfsigkeit für die musikalische 



9K 



Poetik. 61 

Aufführung bedingte lyrische Dichtangsart; — Wenn sieb 
Don bte hieher das epische und das lyrische Element, 
die gegenständliche Aufsenwelt und die Welt der sab- 
jectiven' Empfindung y noch ziemlich streng absonderten, 
80 beruhen die folgenden* Diohtarten gröfstentheils auf 
der geg^iseitigen Beziehung dieser beiden Welten. Die 
Elegie, noch fast ganz der Lyrik angehörend, ist sehn- 
sQcbtiger Hinblick von der Wirklichkeit nach' dem Ideale; 
das Idyll, auf die Seite des Epos sich neigend, stellt 
eine ideale Wirklichkeit, eine Unscfauldswelt nicht ohne 
das Bewufstschi des eignen • Abfalls von jener ursprüng- 
lichen Reinheit dar; die Satire im Gegentheil schilfert 
die verdorbene Welt, die gemeine Wirklichkeit in ihrer 
Safsersten Entfernung vom Ideal. Während nun diese 
drei Arten auf der Beziehung von Wirklichkeit und Ideal 
beruhen » und nothw endig lyrische sowohl als epische 
Elemente in sich vereinigen, so sind die nächstfolgen- 
den in der Beziehung und d^r Verständigung des Sub* 
jectes mit der Aufsenwelt gegründet, ond können belie- 
big in vorvraltend lyrischer oder in vorwaltend bischer 
Gestalt er$dheincn. Das Lehr geflieht näinlich erfaCst 
die poetische Seite an den Gegenstähden der ErkenütniCs 
sowohl in der Welt der Ideen als der Erscheinungen, 
üod ist somit entweder philosophisches oder sci^iitifi- 
sches und artistisches Lehrgedicht, dem sich die be- 
schreibende Poesie in nächster YerwandtschafÜ an- 
schliefst. Die poetlscheEpistel kann nur einen sol- 
chen epischen oder lyrischen Inhalt aufnehmen, der sich 
in der Bezi.ehung des Dichters zu einem bestimmten, je- 
doch idealisirten Subjecte passend entwickelt. Die He- 
roide endlich ist eine Epistel, welche als nicht blos 
an ein ideales Subject gerichtet, sondern auch von ei- 
nem solchen ausgehend gedacht wird. Endlich schlie- 
fsen sich diejenigen Dichtarten an, in welchen Inhalt und 
Ausdruck, Sache und Wort, als getrennt sich gegenüber 
stehen. Hieher gehört selbst das Epigramm, das sich 



/ 



62 Poetiki 

ursprünglich auf einen Subem Gegenstand bezieht , des- 
sen Sinn es mit Worten ausdrttekt; sein Gegentbeil ist 
das Räthsel, welches nur Aeufserliches, nur Merkmale 
von seinem Gegenstande aussagt, und den Sinn errathen 
läüst. Femer gehi^rt hieher die Fabel, die aus einem 
Vorgange in der Sphäre der Thierwelt eine Lehre für 
menschliche Verhältnisse hervorleuchten Isfst; — endlich 
die Allegorie^ welbhe persönliche Gestalten aufstellt, 
in denen ein allgemeinerer Sinn, dessen congruenter Aus- 
druck sie. gelbst nicht sind, y erborgen .liegt. — Nachdem 
zuletzt von der Parodie und Travestie gehandelt wor- 
den, deren Wesen in einer gegetibildlicben Beziehung 
zu einem ursprünglidien Kunstwerke begründet, ist, wird 
zu der dritten Hauptgajttuog der Dichtkunst . üliergegau- 
gen, nämlich dem Drama in seinen drei Gestaltungen 
als Tragödie» Komödie und Schauspiel, woran 
sich noch die Oper, als ein durch die besondern Anfor- 
derungen der musikalischen Aufführung bedingtes Drama 
anschliefst. — Die Reihe der Dichtarten, wie wir sie 
im Folgenden einzeln und ohne weitere Hervorhebung 
ihres innern Zusammenhanges betrachten werden, ist also 
folgende: 

Epos. 

,'^ Classisches und romantisches Epos. 
Komisches Epos. 
Roman, Mähnchen u. a. 
Poetische Erzählung. 

Lyrik. 

Ode (religiöse, heroische und philosophische). 
Lied (weltliches und geistliches). 

Romanze und Ballade. 

Canzone, Sonett und andere südliche Formen- 
Cantate. 



Poetik. 

Elegie. 

Wjll. 
Satire. 

I 

Lehrgedicht und beschreibendes Gedicht. 

Poetische Epistel. 

Heroide. 

Epigramm. 
Räthsel. 
Fabel. 
Allegorie. 

Parodie und Travestie« 



63 



Drama. 



Tragödie. . 
Komödie« 
Schauspiel. 
Oper. 



I« 



«4 






Das Epos. 



§. 67. 

Die erste Stelle unter den Dicfatongsarten nimmt, wie ^ 
in der historischen Entwickelang der Poesie, so auch 
in unserer theoretischen Betrachtung derselben das Epos 
ein, welches Begebenheiten von aufsererdentlicher Grüfse 
und Wichtigkeit, in denen zugleich mit menschlicher That 
göttliche Einwirkung unmittelbar zu erkennen ist, in ra- 
hig erhabenem Tone vorträgt. Insbesondere hat das 
Epos die hohe Bestimmung, das poetische Bfewufstseia 
eines Volkes von seiner ruhmvollen Vorzeit, auf wel- 
cher die welthistorische Bedeutung desselben beruht, 
durch den Mund des Dichters auszusprechen. Da somit 
der Inhalt ein gegebener, vorhandener, ein Gemeinbe- 
sitz Aller ist, so wird er ohne Beziehung auf das Ge- 
mfith des Dichters rein gegenständlich dargestellt, und 
diese vollkommene Objectivitfit ist dem Epos wesentlich. 

Ueber das Epos (Epopöe, Heldengedichf| vergl.: Ariitot 
Poet c, 23. 24. 26. — Diiconi ii Torquato Taao ieü* 
Arte Poetica ed in particolare del Poema Eroieo; Venex. 15S7. 

4. — Tratte du Poeme Epique, par le P. Le Bonn; ffaye 
1744. 2 FoU. 12.; dentscii, Halle 1753. — Reflexiom $ur U 
Poeme Epique par le P, Baugeant, in den Mem. de Tri- 
voux, Aoüt 1730. — Ramler's Batteuz, TU. II. Schlegel's 
^attedz, B. n. Abh.yin. S. 299 ff. — Marmontel Poet. Fr. 

T. IL Ch. XIIL — Home 9 Elementi, Ch. XXIL - I>r- 
Blair Lect. LXIL — Eberhard's Theorie der schön. WIbs. 

5. 200 ff. Meiners's Grundrife, Cap. XIII. XIV. — W. v. Hum- 
boldt*8 Aesibetisefae Versache; Tbl. I. Brannscbw. 1799. 8. -" 
Herder's Adrastea, XL 134. — I^. W. v. Scblegel, in den 

Cha- 



EpOS; it^ 

CharalteriftEcen und Kntiictn, B. IL S^ 26a.-T« Jejn.Panr« 
Vorschule der .Aestbetik, ^te Aasg. Abtli. 2. S. 486 fP. . Bon- 
terwek*8 Aesthetik, Tli. 11, S. 165. Solger's Vorleaiuigeii, 
S. 1275 ff. Weifse's System der Aestb. IL S. ^43«!' *' ' ' 

§• 68. ., 

Der angegebenen hohen Beßtimmuiig des Epos ent- 
sprechen indessen die meisten Gedichte die'ses Kaimena 
Dur unvollkommen, indem oft der Inhalt nicht das in- 
nersteWeßen des Yolksgeistes in sich fafst, die Behand- 
luDg durch die Besonderheit des Dichters bedingt ist^ 
Qod sein Werk sich nicht unbeschränkt Eingängen die 
Nation verschaffen kann. Von dem im Volke ^ntstan- 
denen und organisch fortgebildeten, meist durch einen 
bedeutenden Dichter in ier vollendetsten Gestalt fixir- 
teu, volksthümlicheh Epos ist in dieser Rücksicht 
das Ku|istepos zu unterscheiden, das in der 2eit ho-. 
ber Cultur von einem kunstreich gebildeten Dichter nach. 
Art jenes ursprünglichen Epos gestaltet wird. 

* . • ' ■ 

Bedeutende Thaten und Ereignissse, die» einer wek-r 
bistorischen Begebenheit aogehdlrend, durch ärcbi sugleidk 
göttlichen und menschlichen Geholt in äkb ^FoUeodet und 
abgeschlossen sind, reihen sich im Epos'aneiiiender, obae. 
eine stete Kette von Ursache uod Wirkung .zu bilden. 
Dieses ttufserliche Fortschreiten des Epos ist we- 
sentlich verscl|||den Toa der Handlung iml^Ama/ 'wel- 
che als Aeufserung eines freien WiUens .auf einen »ben^. 
stimmten Endzweck abzielt, dem alle .einzelMo Sfemento^ 
als unselbständige Mittel dienen. Wientt der; innete Zun, 
sammenhang der dramatiscban Handlung .i)iircbfB«[^en- 
der handelnden Personen, an den Tag.>gelegt.wirdy>8P st^-! 
ben im Epos Thaten oder Ereignisse Sufserlieb deben iwi^ ' 
ander. Wenn dort Spannung berrsebt undiUng^wiMieill. 
des Ausganges» so verweilt das Epos. mif.WAUgeraUen 
heim Ausmalen einzebner Pu^c;te d^ im AU^emeinen iie^' 
kannten grofseQ Begeben|kei<tf £a tereipigenoSieh #iswaa^ 

Eschenb. Th. 5 



gS Epos. 

aucb Wohl Terschiedete Ereigiiisse txl einer Hatiptbegeben- 
heity es werden auch Knoten geschürzt und gelöst, allein 
Iiierin lieei nicht das Wesen des Epos wie das des Drama. 

§. 70. 
Die Einheit, welche vom Epos verlangt wird, ist 
demnacll jgäiizlich verschieden von der dramatischen, Sie 
besteht darin, dafs Ein Geist des Ganzen jedes Moment 
IQ seiner Einzelnheit voUständijg beseelt, so dafs eine 
und dieselbe universelle Bedeutung des Ep.bs aich in aU 

. len besonderen Stellen wiederfindet, die Charaktere sich 
in stets ' üeuen Situationen iminer als dieselben' bewäB- 
ren und allseitig entwickeln. Die Begebenheiten gestal- 
tiEfn .'sich und folgen einander, so, wie' sie am geeignet- 
sten sind, durch gleichzeitige Befriedigung und Spannung 
zu ergötzen. ' Nach diesem Gesetze pflegt im Munde des 
Volkes die liistorische Qruhdiagc des Epos sich aihnä- 
lis zu einem in sich harmonischen. Werke der Phanla- 

. sie umzuwandeln. ' Ein Gleiches erstrebt der besonnene 
Dichter des Kunstepos. Ztnf epischen Einheit gehört also 
nicht Entwkkelong aus einein' bestimmten Auegaog^^ucte 
zu meinem be^immten Endpuncte, vielmehr ist das Epos 
sbimsagefi grenzenlose ohne absoluten Anfang und S^blofs» 
immier in'der'Bfitte''dQr Begebenheit, welche nicht in ihrer 
bistoric^bea Y^rllstflndigkeit ersdiöpft yrerdm • soll. 

("'Die Eigenschaft des Epo9, sich fln ^er einzelütsB 
Stellef^zu einem abgenmdeten Ganzen zusammeäzusehlie' 
fftfn; ceilgt Mtk «auch darin, dafi dasselbe nicht ntir Bil- 
del", Beircbr^ibun^en ottd^Gl^iäiichnisse init uiibe- 
sohfttnktel'» Vollsündigkeit ausCBbrett- kann, soadei^il aach 
Efiisodeli oder Nebensceneti > in sich • aufnimmt, ^e als 
kidnerer-Gatize zwar aus dem utimittdbareh Forfsobritte 
dtsv ifogebenheit heraustretien, aber doch vom Geiste des 
grofsek>:GafB:<en ^kirchdrnngen undihm keineswegs ft*^md' 
arti^ 'SiDd."' Sie können der 'I&ngen epischen« ErsUIhlung 
AAiwecUselusg und Mannigfaltig^ ^eHheiten,' und sind 



<. 



Epos. 67 

geeignet, ind^n sie der Haaptbegebenheit ahiAvBf&bnug 
imd Interesse untergeordnet bleiben, gleickideaiNebenfi« 
guren eines bistorischen Gemäldes die Wirkung des Haupt'« 
gegenständes zu erböben. 

§. 72. •:>••• • 

Die Begebenheit, weiche dem Epos zum Grunde 
liegt, mufs von unbedingter Wieb tigLeit undG^öfse, 
Ton welthistorischer Bedeutung sei)]. :3ie darf» «hI AU- 
gemeinen der geschichtlicbeti Wahrheit nicht' ermangeln, 
aber auch nicht blos das Ansehn dnes historisch Y er^ 
gangenen haben, welches, menschUcher Einsicht kiach, so 
oder auch anders hätte geschehoi können, soiadern eie 
mub inythisch sein, d. h. mit dem Elleiaiente ^histtfn-' 
scher Wirklichkeit die tiefste göttliche Bedeutung ver* 
binden* Hieraus ergiebt sich das Erfofdemiis, dafs der 
epische Stoff einer entfernten Zeit angcdiören müssen dei- 
ren Ereignisse sowohl im Allgemeinen tibersdbant. und 
ihrem tieferen Inhalte nach aufgefäfst^ als hx Besoüd^m 
von der Phantasie mit Freiheit wiedererzeugt und aus- 
geschmückt werden können, -f Der Begriff der epischen 
Gröfse erstreckt sich auch auf den weiten Umfang, die 
Mannigfaltigkeit und den erhabenen Stil des Epos.! > 

§. 7a • ■ 

Das Interesse der. epischen Begebeol^eit, vermöge 
dessen der Hörer oder Leser sich selbst dabei .bethei- 
ligt fühlt, ist zunächst em nationale«,: das dsier. mebl* 
oder weniger zu einem allgemein. .menschlichen, ei^ 
vreitert, und durch ein religiöses Interesse ersetzt wen- 
den kann« Den dnzelnen Charakteren und Situationen, 
den eibzelnen Ereignissen und Episoden darf' nidt ein 
gleicher Grad von Interesse ertheilt, sondern es mu£B 
hierin eine Abstufung beobachtet werden. Ein Held muls 
▼or dem andern, eine Begebenheit vor der andern pns 
am Herz^i liegen, wenn nicht das Interesse des Gan- 
zen gestört werden soll. Aufserdem, dafs ein bedeuten- 
derer oder geringerer Gehalt in einem Charakter, einem 

5* 



68 £po& 

EreiffäBBe liegt, lassen sich auch dtvch die Kunst der 
Darsfellnng eitt^lne Pimete merklich hervorheben^ in eis 
helleres Licht. stellen, schärfer und ausführlicher leidi- 
nen, andere dagegen unbestimmter andeuten und in die 
Feme zurückdrängen. 

§. 74. 
. Die Grdfse des Stoffes bringt es mit sich, dafs die 
Hauptpersonen des Epos auf ser ordentliche Men- 
schen sind, welche, entweder einem Verhängnisse die- 
nend und es vollführend, oder aber gegen dasselbe 
ankämpfend, :sich als Heroen bewähren. Wenn^eidi 
das Heroische im Epos nichf auf kriegerische Heldesh 
grobe beschränkt ist, so herrscht doch diese, wenigstens 
in den echt nationalen Epopöen, meistens vor, theils weil 
sie dem frühen Zeitalter der Völker gemäCs ist, in wel« 
chem das Epos zu fuCsen pflegt, theils weil die Tliat, 
die das Epos erzählt, vornehmlich im Kriege gilt, wie 
das Wort, das im Drama vorwaltet, dem Frieden an- 
gehört. 

§. 76. ' 

Die erste Eigenschaft der Charaktere im Epos 
wie im Drama ist innere Wahrheit; sie müssen einen 
Lebenskeim in sich tragen,^ aus dem sie erwachsen sind. 
Sie müssen ihren Inhalt vollständig zur Erscheinung brin- 
gen, und zwar zu dner schönen Erscheinung. Nichts 
ist an ihnen willkfihrlich. Alles durch ein üiperes Gesetz 
bestimmt«. In Gesinnungen, Handlungen und Reden zei- 
gen sich bis zu den kleinsten Zügen herab die Charak- 
tere eigenthttmlich und consequeat gestaltet Selbst die 
körperliche Erscheinung der Helden ist durch den gei« 
stigen Charakter genau vorgezeichnet und von aller Zu- 
fälligkeit frei. So treten lebendige Gestalten vor un- 
sere Seele, und trotz der grofsen Menge der epischen 
Blitspieler verwirren sich diese doch nicht in unserer 
Vorstellung, denn wir glauben sie mit Augen gesehen 
zu haben. Daher auch die bildende Kunst der Grie- 



Epos. 69 

chen einen jeden der homerischen Helden , der gemein- 
samen AufTassnng entsprechend, mit der Bestimmtheit ei- 
nes Portraits darstellen konnte. — Vor allen Charak- 
teren aber ist der Charakter des Haupthelden, ivie durch 
den interessantesten Gehalt, so durch die vollständigste 
Aasführung und hellste Beleuchtung ausgezeichnet. 

§. 76. 

Das Wunderbare, oder die unmittelbare göttli- 
che Einwirkung auf den Lauf der Dinge, gehört dem 
Epos zu, in dessen idealem, der Gegenwart ^trückten 
Inhalte überhaupt Göttliches mit Menschlichem verbun- 
den erscheint. Hier dünkt uns das Wunderbare nicht 
widersinnig, wie im Drama, denn es wird nicht un- 
seren Sinnen, sondern blos unserer Phantasie vorge- 
führt. Ueberhaupt verweilen wir hier nicht im Reiche 
der Wirklichkeit, sondern in einer idealen Welt; und 
wenn wir eine Sache, je unbedeutender und sinnlicher 
sie ist, desto weniger unmittelbar auf Gott zu beziehen 
und einer autserordentlichen Einwirkung Gottes zuzu- 
schreiben gewohnt sind: so wird im Gegentheil durch 
den idealen Stoff und den erhabenen Ton des Epos un- 
sere Seele für das Wunderbare gestimmt, und im Zu- 
sammenhange aufserordentlicher Begebenheiten erscheint 
uns das Wunder wahrscheinlicher als der alltägliche 
Weltgang. 

§. 77. 

Das Wunderbare im Epos ist theik darin begrün- 
det, dafs die Menschen, mit göttlichen Eigenschaften be- 
gabt, als Heroen Uebermenschliches wirken, theils darin, 
dafs übernatürliche Mächte in persönlicher Gestalt auf- 
treten und mit individueller Thätigkeit in den Lauf der 
Begebenheiten eingreifen. Diese unerwartet erscheinen- 
den höheren Wesen pflegen die Maschinen, und ihre 
Gesammtheit die Maschinerie des Epos genannt zu 
werden. Den blos allegorischen Wesen oder ab- 
stracten Begriffen, die mit dem Schein einer Persönlich- 



70 Epos.. 

keit ttufserlich bekleidet «nd, fehlt za solchem Einwir- 
ken das klnere Lieben, welches hingegen den von der 
Religion geheiligten göttlichen Personen eigen ist, mö- 
gen diefs' nun Götter des Heidenthums sein, die, nicht 
ohne tiefe Bedeutung, im Volksglauben lebten, — oder 
solche Wesen höherer Art, wie sie der christlichen Vor- 
Stellung gemäfs sind« Unentbehrlich sind die Mascbinen- 
götter dem Epos nicht; in den Nibelungen zum Beispiel 
fehlen sie; aber der «fische Gesang, der das Höchste, 
was menschliche Vorstellung fassen mag, vor die Seele 
führen will, erfreut sich, noch tiber den Heroen voU- 
kommnere Wesen in menschenähnlicher Weise vorstel- 
len zu dürfen; Auch kann das Epos dasjenige, was im 
Drama als innere Entwickelung in Reden erscheint, nur 
durch äufserliche persönliche Einwirkung ersetzen. Hier 
geben, statt des eigenen Herzens, Gottheiten dem Hel- 
den Entschlüsse ein, erregen Leidenschaften, ertheilen 
ongewöhnliche Kräfte; und des Odysseus Klugheit steht 
als Göttin Pallas beschützend neben ihm. ^ 

§. 78. 
Es ist schon oben bemerkt worden, dafs im Epos 
die Person des Dichters hinter seinem Gegenstande völ- 
lig verschwindet. Nur an einer Stelle, dem Anfang, 
wo der Dichter in den Kreis der epischen Sage eintritt 
und als Einzelner es übernimmt, den allgemeinen Inhalt 
auszusprechen, wird seine Person und deien Beziehung 
zum Gegenstande beraerklicb; fortan aber strömt der Ge- 
sang stetig durch das einmal gewählte Organ aus. In 
diesem Anfange also — umsomehr als die Begebenheit 
selbst keinen absoluten Anfang hat, sondern ein solcher 
aus dem Kreis der Sage frei vom Dichter gewählt wer* 
den mudB — pflegt der Sänger den Gegenstand über- 
haupt, von dem er singen will, anzukündigen, und 
die begeisternde Grottheit oder Muse anzurufen, die 
ihm^ den Gesang in die Seele geben soll; eine lyrische 
Wendung die eigentlich aulserhalb des Epos steht und 



Epos. 71 

keinen intogrir^nden Theil. desselben bildet Daher kön- 
nen auch Ankündigung and Anrufung gänzlich bin- 
Yvegfallen« £benso uimasentlich sind dem Epos die 
Anrede an den Leser und die Widmung an eine 
ausgezeichnete Person , welche in einigen neueren £pe^ 
pöen auf die Ankündigung und Anrufung folgen* -**- SoU 
irgSnd an einer Stelle des Epos eine ähnliche lyrische 
Wendung wiederkehren, so kann diefs nur am Anfang 
eines neuen Gesanges (s; den folg. §.) geschehen, wie 
es z. B. in Klopstocks Messias der Fall ist. 

§79. 
M Hem Stil des Epos ziemt ruhige Würdew Der Dich- 
ter läfst, selbst tbeilnahmlos, das bewegte GemSlde lang- 
sam T^rüberziehen. Die gleichförmige Erzählung unter- 
bricht sieb nur zuweilen, wo die Personen redend ein- 
geführt werden. Das Epos liebt Ausführlichkeit und ist, 
nach Plato's Bemerkung, dem geschwätzigen Alter am 
angemessensten. — Das epische Metrum ist stetig, der 
gleichiDäfsig erhobenen Stimmung entsprechend, aber auch 
so mannigfach gegliedert, dafs jeder Theil ein besonde- 
res Ganze l)Udet, mit dem anderen zwar gleiches Ge- 
setz bat, aber dennoch völlig verschieden ist. Auch hier 
tritt die Eigeothümlichkeit des Dichters zurück: das Me- 
trum ist ein allgemein angenommenes, herkömmliche;. 
Bei den: Griechen und Römern war es der Hexameter, 
auch der heroische Vers genannt; im Sanskrit der SIo- 
kas (s. §. 81.); bei den Italienern, Spaniern und Por- 
tugiesen hat sich, neben den Terzinen, vorzüglidi die 
achfzeilige Stanze als episches Yersmaafis bewährt; die 
englischen Epiker haben vornehmlich in fünffüfsigen reim- 
losen. Jamben gedichtet, die französischen in gereimten 
Alexandrinen; von den Deutschen endlich sind auCser der 
▼ierzeiligen Strophe der Nibelungen sowohl der Hexa- 
meter, als die achtzeilige Stanze und verschiedene an- , 
dere Versmaaise zum Epos angewendet worden« — Da 
das epische Gedicht gemeinlieh von einer beträchtlichen 



72 Epos. 

m 

Llliige Ut, 80 pflegt es in eine AnxaU von Abschnitten 
(Rbapsodieen, Büchern, Gesängen) zu zerfalten, 
iivelche, n^ie es ▼onfigllch bei den homerischen Rhapso- 
dieen der Fall ist, durch das Maafs ihrer Länge und die 
Abgeschlossenheit des Inhaltes sich eignen, eim^ Torge- 
tragen- zu werden. 

§.80. • 

Da einjedes wahre Epos aas der fiigenthümlicbkeit 
eines besonderen Volkes hervorgegaogen ist, and somit 
einen völlig unterscheidenden Charakter besitzt, so muCs 
die allgemeine Theorie des Epos mannigfache Modifica- 
tionen erleiden und eigentlich jedes nationelle Epos sepe 
eigene Theorie haben. Der allgemeinere Gegensatz aber 
zwischen der antiken und christlichen Welt sfnegih sich 
im classischen und romantischen Epos ab. Wenn 
die in den vorhergehenden Paragraphen aufgestellte Theo- 
rie zunächst für das claisische Epos gilt, so mufs für 
das romantische bemerkt werden, dafs es von der pla- 
stischen Bestimmtheit und einfachen Grüfse sich zu ent- 
fernen, dagegen im buntesten Wechsel origineller Er- 
zeugnisse der Einbildungskraft bis zum Phantastischen 
sich zu ergehen pflegt, dafs es dem G^nüth einen grd- 
fseren Antheil gewährt, und was sonst noch aus dem 
gänzlich veränderten Einflufs der Religion unä des ge- 
selligen Lebens hervorgeht. Die Religion ist hier über- 
sinnUch, geheimniCsvoU; das Mystische findet daher im 
Epos eine Stelle; Sagen werden allegorisch auCgefafst, 
phantastische W^sen wie Elfen, Feen, Gnomen von der 
Einbildungskraft erzeugt, qnd selbst die Geister der Hölle 
in das Epos eingeführt. Im Ritterthume vereinigt sich 
mit der Tapferkeit die Schwärmerei der Liebe und des 
Glaubens; Abenteuer werden Stoff des epischen Gesan^ 
geS) der nun nicht mehr den gehaltenen Ernst des an- 
tiken Epos bewahrt. Dem romantischen Geiste entspricht 
die äufsere Form, die Strophe, der Reim mit seinen Ver- 
schränkungen. 



Epos. 73 



Ueber den Betriff der ronuiiitisGhen Poesie fibeiiiaapt nad des ro- 
mantiscllhi Epos insbesondere vergL Boaterwek, Gesch. der 
Poesie iftd Bereds. seit Aem Ende des 13. Jahrh. Bd. I. S. 1.; 
F. W. Grimm in den Stqjien, bd. IV. 1808. S. 117—120.; 
JieaV Pa«l*B Yorschnle der A'esthetik, Programm Y.; Ancilton 
mt \b^ittlong der Extreme, Bd. IL S. 81 n. 389.; W. Men- 
sel Die dentsche Litlerator, Bd. IL S. 54.; K. Rosenkranz 
Gesch. der deutschen Poesie im Uittelaltery S. 8. — -Ueber das 
Ritterwesen: Hurd*$ Letten on Chevalry ondrRomanee^ Land, 
1776. %>; Das Kitterwesen des Mittelalters, ans dem Französ. 
des de la Cnrne de Sainle*Palaye Ton J. L. Klfiber, 
Lpz. 1786—88. 2 Bde. 8.; „Ueber die Bildung des geistlichen 
Ritterthuras*' in K. Rosenkranz Ueber den Titnrel, S. 5— 43. 

§. 81. 
Die Sanskrit-Literatur besitzt zwei gro&e Epo- 
pöe^ mm hohem, wiewohl nicht gbnaaer zu bestimmen- 
dcD Alter, Rämäyana und MabäbbÄrata. Das Versmaafs 
derselben ist der Slokas, das Distichon, welches aus 
zwei sechszehnsilbigen Versen besteht, deren jeder in 
der Mitte einen Einschnitt hat. Die vermuthlich älteste 
der beiden Epopöen, der Rämäjana, für dessen Ver- 
fasser Välroikis gilt, besingt die Tbaten und SchidL- 
sale des Rama (einer Incamation des Wischnu), wel- 
cher den Riesenkönig Ravanas besiegt und ein goldenes 
Zeitalter herbeiführt. Das andre grofse Epos Mabäbbä- 
rata, als dessen Verfasser Vyasas (d. i. Sammler) ge- 
nannt wird, besingt den Streit um die Erbfolge zwischen 
den Geschlechtern der Kurus und Pandus, worin die 
spätere Zeit eine Allegorie des Kampfes zwischen Tu- 
genden und Lastern zu erkennen glaubte. Unter den 
zahlreichen Episoden dieses grofsen Gedichtes ist eine 
der lieblichsten die Episode von Nalas und Damajanti; 
nicht minder gehaltreich ist Ardschunas Reise zu Indras 
Himmel; höchst interessant die Sage von der Sfindfluth; 
aber am berühmtesten die Episode BhagavadgttA, welche, 
als Inbegriff der indischen Glaubenslehre, eines hohen 
Ansehens gcniefst. 

Vgl von Bohlen Altes Indien, Th. IL Königsb. 1830. 8. S. 335^ 



74 Epos. 

Fr. Aileloni; V«rsttdi eiaec LiUenUor der Sanskrltspracbe; St. 
Petenborg 1830. 8. Fr t. Schlegel's Werke, Md. 9. A. L. 
Chexff Theorie du Shka ou nfttre herot'que Seitithrit; Paru 
1827. 8. 

Rämdyäna, Ursprache and englische Uebers., SeraifjiQpe nnd 
Cahmtta 1806— 1813. Vol. 1 n. 3. 4; ncbeeadigt; reeet^iinter]^et, 
imL et annot adjecit A, Ou. Schlegel, I. 1. Bonn 1829. 8. 
Episoden: Le cou^t de Lakehrnrnnaif trad. par Chexf^ Parti 
1818. 8.; Tadjnadattm-Badha, trad. par Chexy, ParU 1814 8.; 
mit dem Urtext, Paris 1826. 4. Deutsche Ueber^tznngen ans 
Rämäyäna und den daza gehörenden Episoden, in ll r. v. Sohle- 
geTs Werken, Bd. 9.; ron A. W. ▼•Schlegel, in der Indi- 
schen Bibliothek 9 Bd. 1. S. 50 ff.;, von Bopp in dem Conjnga« 
tionssjstera der Sanskritsprache, 1816. 8. — 

Von dem Mahähhärata, sind nur Episoden gedruckt: Jialai, in 
der Ursprache mit lat. Uebers. n. Anm. von Bopp, Lond. 1819. 
8.; zweite Ausg. Berlin 1832. 4.; deutseh mit ErlSutemgen von 
Kosegarten, Jena 1820. 8.; Ardschnnas Reise zu Indraa 
Himmel, Ursprache, Uebers. nnd Anm. von Bopp, BerL 1824. 
4.; Diluvium y ed. Bopp, BerL 1829. 4.; deutsch von de ms. 
Berl. 1829. 8.; Bhagavadgitä, englisch mit Anm. von Ob. 
Wilkins, London 1785. 4.; recene.y adnot. crit. et interpret. 
lat. ädj. A. Ou. Schlegel, Bonn 1823. 8.; deuUch nach Wil- 
kins von Fr. Major in Klaproths Asiat. Magazin, Bd. I. S. 406 ff.; 
metrisch, nur theilweise, von Fr. v. Schlegel, Werke Bd. 9. 
S. 272-289. W. v. Humboldt «her Bliagavadgita, Berlin 
1826. 4. — Die auf dem Festlande von Europa einzige vollstän- 
dige Handschriflt des Mahabhärata, nnd zwar mit dem Com- 
mentar des Techaturbhadichi, befindet sich auf der Köoigl. 
Bibliothek zu Berlin. Sie illllt nenn grolse Foliobinde. 

§.82. 
In der orieDtalischen Literatur des Mittelalters 
seichnet sich das persische Epos Scbabnameh oder 
Heldenbuch des Firdassi [st. 1030 n. Chr.] aus, wel- 
ckes in secktigtausend Doppelversen die Geschichte Per- 
siens von den Ultcsten Zeiten bis zum Sturze der Sas- 
saniden nmfafst. Die Geschiebte so vieler Jahrhunderte 
gewinnt poetische Einheit durch die Idee der Blutrache, 
welche das Interesse der spätesten Geschlechter mit dem 
der frühesten verknOpft. Der Mittelpunct des Heroen- 
lebcns in dem ersteren, mythischen Tbeile des Epos ist 



Epos. 75 

der gewaltige Held Rustan. Alexanders Geschichte bildet 
den Uebergang zu der reiiifaistorischen Zeit, wo das 
Gedicht, was ihm' an grofsartiger. Einheit des Stoffes ab- 
geht, divch Feinheit und Kunst der Darstellung zu er- 
setzen soeht. — Die letzten zweitausend Doppelverse 
sind von Firdnssi's Lehrer Essedi. 

Der erste Band einer anficht Bände berechneten Ausgabe des 
Schahnamefa, Ton Lnmsden, ist in Calcntta 1811 foL erschie- 
nen; eine ToUständige Ausgabe , hesorgt von Turner Mac an, 
ebendaselbst 1829, 4 Voll. 8. Verschiedene Stücke sind Ter- 
deotscht in den Fundgruben des Orients, Ton Hammer, Wahl 
n. A. Ein Abschnitt ist in gereimten Versen Übersetzt Ton 
Hammer in den schönen Redekünsten Persienb, S. 59—76. 
Eine Uebersetzung und theilweise einen Auszag enthält: Das 
Hdd^nbuch von Iran aus dem Schahnameh, Ton J. Gör res, 
Berlin 1 820. 2 Bde. 8. — Englisch: The poemt of F, traml. hy 
J. Champion^ T. J. London 1788. 4.; eine Episode: Soohrab 
freely trantl, by J. Atkinton; Calcutta 1814. gr. 8.; das Ganze, 
doch z. Th. nur auszugsweise, translated with notes hy J. At' 
himoHf Land. 1832. gr. 8. 

I §• 83. 
Das vollendetste Muster der epischen Poesie ist Ho-- 
mer. Schon in dem frühen Heroenalter Griechenlands 
wurden aufserordeptliche Thaten Ton epischen Sängern 
verherrlicht; vor allem aber begeisterte die erste gemein- 
same Unternehmung der Hellenen, der trojanische Krieg, 
zu epischen Liedern, welche bis zur höchsten YoUkom- 
meuheit ausgebildet, unter dem gröfsten Sängernamen» 
Homer, sich im Stunde der Rhapsoden als Gemeingut 
der Nation erhielten. Der Gegenständ durchdrang ho- 
geisternd alle Hellenen und war von unbedingter Wich- 
tigkeit für sie, ja für die ihnen bekannte Welt, indem 
hier Europa und Asien sich feindselig zu berühren, der 
Oecident über den Orient den Sieg davonzutragen schien. 
Doch ist es nicht die ganze grofsartige Begebenheit oder 
ihr tragischer Ausgang, was im Epos dargestellt wird, 
sondern das Interesse haftet vornehmlich an den heroi* 
sehen Charakteren, welche , in natürlicher Vollkommen- 



76 Epos. 

beit, Kraft und Aomath vereiiieDd, sich in mannigfal- 
tigen Lagen allseifig enfmckeln and bevvähren. — Die 
reicbe Phantasie, mit welcher der Sänger £e Sage auf- 
fafste, genfigte sich in zwei Richtangen, einmal dnrch 
höchste Steigerung des heroischen Ideals, in^er Ilias, 
einem Gemälde Ton Heldenkämpfen, in denen Ein Held, 
Achilles, vor allen glänzt, — und dann durch, die weite- 
ste Ausbreitung in bunter Mannigfaltigkeit, in der Odys- 
see, welche die Abenteuer der wunderbaren Heimfahrt 
des schlauen und vielgewandten Odjsscus erzählt Jede 
der beiden Epopöen besteht aus 24 Gesängen oder Rha- 
psodieen. Die Darstellung ist so vollendet, dafs jeder 
kleinste Theil in sich abgerundet und dem Ganzen ähn- 
lich ist Die Sprache"" ist kunstlos, äufserst wohlhlingend, 
ihren Formen nach allen griechischen Stämmen gemein; 
der Ausdruck so reich als klar und bildlich bezeichr- 
nend. 

Ueber Homer s. Blfckwell Enquiry into ihe life andwriiingg 
of Homer ^ Lond, 1736. 8.; deutecb von J. H. Vofs, Lpz. 1776. 8. 
Wo od' 8 Eitay on the original geniu$ of Homer ^ Lond. 1775. 4.; 
deatsch von G. F. Michaelis, Frankf. 1778. 8.; J. H. J. Köp- 
pen aber Homer's Leben and Gcsfinge, HannoT. 1778. 1820. 8., 
als Endeitmig za seinen erkISrenden Anmerkungen za Homer, 
^ Hannover 1794—1810.; 3te Aafl. ebend. 1820. 6 Bde. 8. W. 
Ä. Wolf Prolegomena ad Homerum; Halle 1795. 8. Her- 
der'* AnfsStze: Homer , ein Günstling der Zeit und: Homer n. 
Ossian, in d. Hören 1795. St IX. n. X. Werke z. seh. Litt. 
Tb. 10. Fr. Schleyers Geschichte der epischen Dichtk. der 
Qr., in s. Werken, Bd. 3« Wien 1822. 8.; A. W. r. Scblegers 
kriüsche Schriften, Berlin 1828. Bd. I. S. 34. n. S. 74. W. 
Müller Homerische Vorschule; Lpz. 1824. 8. C H. Weifse 
Ueber das Stndinm des Homer; Lpz. 1826. 8. — Zahlreiche 
Ausgaben, z. B. H^meri Opera ex ed, Clarkii et Krtfetti; 
Lpt. 1759— (S4. ed. IL 1824. 5' Voll. 8. Homeri et Homeri- 
darum opera et reliquiae. Ex recent. F. A. Wolfii; Lip$. 
1804—7. 4 VoU. 8. (PrachUnsg. Leipz. 1806. fot., nur Bd. L) 
Homeri carmina ed. Heyne, Lpn. 1802. 8 VoU. 8., nur die 
Uias enthaltend; dazu Index Ton Graefenhan, Lpz. 1822. 8. 
Kleinere Ausg. von Heyne; Lpz. 1804. 2 Voll. 8. — Ueber- 
setzungen, italienisch t liiasvonM. Gesarotli, 5fter; von V ine. 



Epos. . 77 

Monti, vierte AiMg. Maifeind 1825. 2 VoH. 8. Ojlywee Ton 
Ippol. Pindemonte, Verona 1822. 8.; englisch yon Alex. 
Pope, Lond. 1715-26. 11 Voll fol. 1726. 6 YolL 8.; franzö- 
siach von P. Jer. Bitanbe, Par. 1787—88. 12 Voll. 18.; von 
Dngas-Montbel, Par. 1815 — 1818. 4 Voll. 8.; dentseh Ton 
J. H. Vors, 5te Aufl. Tfibing. 1822. 4 Bde. 8. 

§. 84. 
Von Tveit geringerem poetiscben Werth, aber im- 
mer noch achtungswerthe Denkmale der griechischen 
Dichtkunst sind die beiden Gedichte über den Zug der 
Argonauten von dem angeblichen Orpheus und von 
Apollonius Rhodius; das kleine Gedicht Hero und 
Leander, angeblich von Musäus; des Nonniis Diony^ 
siaka oder Bacchuszug; der Raub der Helena .von Ko- 
luthus: die Ergänzungen der Iliade von Quintus Ca- 
laber; und die Einnahme Troja's von Tr jphiodorus. 

Orphei ArgonauHca, ed. Schneider; Lipt, 1803. 8. Orphiea 
ed. Hermann; Lipt. 1805. 8.; (ed. Schacfer) Lip». 1818. 8.; 
üb er 8. Ton Vofs (nebst dem Heaiodos) Heidelberg 1806. 8. — 
Apollonii Rhodii Argonautica, ex ed. Brunhii; Argenf, 
1780. 8. ed. novo c.sehoiiit (cur, Schaefer); Lipt, 1810—13. 
//. Voü, 8. ed, Bechii; Lip$. 1797. 8. Vol, I, c. ichoi. ed. 
A. Wellauer; Lp«. 1828. 2 Voll. 8., übers. Ton. Bödme r; 
Zürich 1779. 8. Vergl Manso*s Charakteristik dieses Dichters 
in den Nachtr. zu Salzer, B. VL S. 179. — Mu$aei Poema 
de Herone et Leandro^ cura Mätth. Roeveri; L. B. 1737. 8. 
ex rec. Jo. Schraderi; Leotard. 1742. 8. ed. Heinrich; 
Hannov, 1793. gr. 8. Mu$aeu», Urschrift, Uebers., Einl. o. 
krit. Anmm. t. Fr. Passour; Leipz. 1810. 8. fibers. von Kfitt- 
ner; Mitan 1773. 8.; von Chr. Gr. ?. Stolberg nnd von AI- 
xinger in deren Gedichten; von ran Alpen, Coln 1808. 8.; 
▼on Dauqnard; Heidelb. 1809. 8. — Nonni Dionifiiaea ed. 
F. Graefe; Lipg. 1819—26. 2 VoÜ. 8. Vgl. Onwaroff Nod- 
nos von Panopolis der Dichter; Peterth« 1817. 4. Dentseh nar 
Fragmente, von Bodmer, Zflrich 1753. 4., nnd von F. Graefe, 
Petersb. 1813. 4. — Coluihi Carmen de Raptu Helenae, ex 
ed. L D. a Lennep; Leovard, 1747. 8. ex rec. Jmm. Bekkeri, 
Berol. 1816. 8.; griech. o. französ. von A. Stan. Julien, Par. 
1823. 8.; deutsch von A. K&ttner, beim Theokrit, Mitau 1772 8.; 
von Alxinger im T. Merkur, Jol. 1785.; von F. F. H. iPas- 
•ow, G&stro%v 1829. 8. — Cointi Calahri ($. Smyrnaei) 



78 Epos. 

Par&Upomenä Bo9ieri, ex ed.-Iok. Corn. de Pauw; L B. 
1734. 8. PeUhomeriea; td, Tyeh$e% ei Heyne; Argenior. 
1807. a VeL h — Tryphiodori de Trojae -evernone Car- 
men^ ex ed, lo, Merrik; 'Oxon. 1741. 8. ed. Tko. Sorth- 
moref Land. 1791. 1804. 8. ed. Schäfer; lApt. 1808. fol, 
(Prachtaiugabe); ed, Wernicke, Lpg. 1819. 8. ^ VergL G. A. 
Chr. Scheffler'a Abh. von den griechischen Heidendichtern 
aolser dem Homer, deren Gedichte auf unsere Zeiten gekom- 
men sind; in Wiedcbarg^s Hamanistischem Magazin ▼. 
J. 1787. St 3. 4. 

§. ' 85. 
Den ersten Rang unter den römischen Epikern be- 
hauptet Virgil. Nach griechischen Vorbildern, nament- 
lich der Ilias und Odjssee, besang er in der Aenels, 
einem groben Epos von zwölf Büchern, mit hoher Kunst 
und edlem Sinne die Sage Ton Aeneäs Flucht und An- 
siedelung in Italien, eine Sage, welche den Ursprung des 
römischen Volkes ab den troischen Heldenslamm knfipße, 
und zugleich den Grund m dem ewigen Hasse zwischen 
Rom und Karthago enthielt. Obgleich aber weder die- 
ser Inhalt, wie es ein echt epischer Stoff, soll, «Is na- 
tionales Gemeingut von }eher die Phantasie des Volkes 
erfüllte, noch auch dem Dichter der schöpferische Geist 
verliehen war, aus verschollenen Namen lebendige Cha- 
raktere zu schaffen, so gewann er doch den durchgrei- 
fendsten Einflufs nicht allein auf sein Volk, sondern auch 
auf die späte Nachwelt, indem er, ohne )o im Mittelal- 
ter ganz vergessen zu sein,' beim Wiedererwachen der 
Künste und Wissenschaften zuerst unter allen classischen 
Dichtem als Leitstern hervortrat, und Dante's Führer- 
wurde. 
P. Virgilii Maronii Carmina^ varietate ledumU et ferfetM 
ßdnotaiume iiltutraia a C. G, Heyne; Nene Ausg. Lip*- 1^' 
6 Voü. 8. (Prachtavsgabe); 1803. 4 Voü. 8.; vierte Atfg ^ 
sorgt wm G. Ph. E. Wagner, Up$. et Lond. 1830—18^- 
4 VM. 8. In Band IL findet man Heyne's DUquit* l f* 
Carmine ejneo VirgiUano; Di$qui$. II. de rerum in Aenii^ 
traetatarum inveniione. Eine Handansgabe nach Heyne besorgt 
' von Wunderlich; Lm«. 1822. 2 VoU. 8. — Die besten Ve- 



Epos: 79 

bersetzungen: Italienfseh ron Aniiib. €aro; P«r*'1760. 
12. Engliseh vo» Drydevj Lmtd, 172i; 3 r«ff. a Fran- 
zösisch von Delille; Par. 18141 4 VolL S. Deutsch Ton 
Vofs; in Virgir« WeAen (Bd. 2. 3.); Braudschw. 1821. 
3 Bde. a 

§, 86.'^ 
Die übrigen römischea Gedichte dieser Gattang vom 

zweiten Range sind: Lucan's Pharsalia., mehr durch 
erhabene Sentenzen und sorgfältige Charakterschilderun- 
gen sich empfehlend y als von wahrhaft epischem 9inne 
durchdrungen; der Argonautenzug von Yalerins Flac- 
cus, eine unvollendete Nachahmung des ApMlonius; die 
Thebais des Statins und sein Anfang einer Achilleis, 
beide nicht ohne einzelne Schönheiten der Ausführung; 
siebzehn Bücher über -den punischen Krie^ von Si- 
lias Italiens, mehr Geschichte als Epos, mehr Werk 
des FleiCses als des Genies; und einige kleinere epische 
Gedichte Claudian's, die, als Werke so später Zeit 
betrachtet, von nicht geringem Verdienste sind. Auch 
das Mittelalter erzeugte ieine Anzähl epischer oder hi- 
storischer Gedichte in lateinischer Sprache, an weiche 
sich einige aus der neueren Zpit anschliefsen.' 
Lueani Phar$aHa, ex rec. C&rtii; Lip$. 1726. S. c 9chott. ei, 
F, Oudendorpy Lugd, Bat, 1728. 4.* wl. C. F. Weber, 
Lipi. 1821. 2 VolL 8. und }8*28. 2 VoU, 8. Fraiix. Uebers. 
▼on Marmontel; Par, 1766. 2 VolL 8. Vergl. L G. Menzel^ 
DiiiertL IL de Lueano; Hai. 1767. 4. Dasch*s Briefe zar 
Bild. d. Geschin. Tb. V. Br. II— 15. Meiners's GraDdrila 
S. 64 ff. E. Kaettner, Quaettionee in Lueani Pharsaliamj 
1824 flL' ' Letoup: d^ poeei epiea et Pharealia Lueani, Aug, 
Trevtr. 18i^7. — Valerii.Flacei Atgonautica, cura P. Bur^ 
manni;^ Leidae 1724. 4. ed. Harte tii; Jlten^, 1781. 8. ed. 
Wagner; Oötting, 1805. II Voll, 8. ,ed. Bureau de la 
Malle (mit franz. Uebers); Pari» 1811. /// Voll. 8., übers. 
T. E. K. F. Wunderlich; Erf. 1805. 8. — Htatii Opera, ex 
ed, Caep. Barthii; Cygn. 1664. 3 Voü, 4. ed. Jo. Veenhit- 
Ben; L. B. 1671. 8. ed. F. Hand, T. 1. Lip$. 1818. 8. C, 
Silii Italici, de hello Pun. tec Libri XVIL ex ed, Dra^ 
kenborchii; Traj, ad Rh. 1717. 4. ed. Ernetti; Lipe. 
1791. 2 Voll. S. ed Ruperti; Goett. 1795. 2 Voü, 8. Vergl. 



80 Epos. 

Dnteh*» Briefe, TkV. Br.I--lX. -^ Clauiiami Opera, eL 
Burmanni; Jm$i. 1700. 4. tura L M. Ot$ner%; lApk. 1759. 
a ei. Künig; Göeti. 1808. 8. T. /. VergU Daseh^s Briefe, 
Tb. IIL IV. .— S. Sclieffler's Abh. ron den lateinitehcn Hei- 
dendicbtern anliier dem Virgil, deren Gedichte auf onsere Zei- 
ten gekommen smd; in Wiedebnrg^s Unmantjt. Magazin ▼. J. 
1788. St % 3. 4. n. t. J. 1789. St 2. 3. -- Manao's Gedan- 
ben fiber die Wirkung des hiatorischen Gedichts, in den Nachtr. 
Z. SnlzeY, B. V. S. 5. — Einige hieher gehörende Gedichte 
ans dem Ittittelalter nnd der neueren Zeit sind: PA. Gu altert 
AUxanirtii^ in X,'B.; Güntheri Ligurinuif in X, B.; Jo' 
iephut licanui ie hello Trojano l, FL; des GuilielmuM 
Briio Philippii, L XIL; femer Petrarchae Africa, L IX,; 
Viiae Chrütiai, l V. 

§. 87. 

In Italien stand mit dem Beginn des vierzehnten Jahr- 
hunderts als der erste grofse Dichter der neueren Zeit 
Dante Alighieri auf, dessen allegorisch- episches Ge- 
dicht, die göttliche Komödie, das gesammte Welt- 
all abspiegelnd, zugleich mit den tiefsten Mysterien des 
Christcnthums die reichste Fülle weltlicher Gestalten um- 
fafst. Indem der Dichter an der Seite Yirgilsy dann ßei- 
ner verklärten Geliebten, Beatrice, in einer Vision die 
Hölle, das Fegefeuer und das Paradies durchwandert , 
überblickt er die Geschichte der Welt und zunächst die 
seiner Zeit und seines Landes, deren bedeutende Per- 
sonen neben Gebilden heidnischer Mythologie und christ- 
lichen Glaubens in jenen drei Reichen ihm begegnen und 
mit ihm verkehren. Was aber hier gegenständlich ge- 
staltet ihm gegenfibertritt, bt das Abbild der innem Ge- 
schichte des geistigen Lebens sowohl des Dichters selbst, 
als des Menschen überhaupt, der von der Hölle der 
Sünde ^urch das Fegefeuer der Bufse zu dem Paradiese 
der Erlösung gelangt. So führt die^ göttliche Komödie, 
worauf auch ihr Name deutet, zu einem fröhlichen Aus- 
gang hin, und stellt Göttliches in menschlichem Gewände 
vor; sie bewährt sich als ein allseitiges, in sich vollen- 
detes Kunstwerk, indem sie je nach dem Geiste, der sie 

auf- 



Epos 81 

aaffabt, dem Einen diesen tieferen Simi enthfiUt, dem 
Andern durch unmittelbare historische Deutung der Ein- 
zelheiten schon genügt. Ihre Form ist dem Inhalte ge- 
mäfs auf das strengste symmetrisch gegliedert; yon der 
Eintheilung des grofsen Ganzen in drei Haupttheile bis 
hecab auf den dreimal wiederkehrenden Reim in den 
Terzinen lädst sich das , durchgängige Vorherrschen der 
Dr^zahl nicht verkennen. 

Die Ausgaben der Divina QommetUa des Dante sind änJserst zabi- 
reich. Unter den neueren heben wir berror: ^e van Lom- 
bard!, Rom 1791. 3 Volt. 4. und Rom 1820-22. 3 VoU. 8.; 
Tolbaadiger Rom 1815-. 17. 4 Voll 4. und Padna 1822. SYoO. 
8.; von Dionisi» Parma 179ft. 3 YoU. 4. und -öfter; ron Pdr- 
tirelli, MaiUnd 1804. 3 Voll. &; von Roaini, Pisa 1804—9. 
4 Voll. foL; von Pog^iali, Livorno 1807. 4 Voll. 8.; von Bia- 
gioli, Paris 1818—19. 3 Voll 8.; von Macchiavelli mit 
Commentar von Costa, Bologna 1819 — 21. 3 VoIL 4. und 
1826—27, 3 Voll. 8.; von Fantoniy Rovela 1820—23. 3VolL 
4.; von Vivüini, Udine 1823—28. 4 Voll 8.; von Rossettl 
DUt dessen Commentar, in 6 Bdn., T. 1. 2. London 1826^27. 
8. Unter den In Deatscbland gedruckten Ausgaben sind die von 
Fernovr, Jena 1807. 3 Voll. 8.^und die im Pamauo Italiano^ 
Ton A. Wagner besorgt, Leipt. 1826. 4. nicbl obne Werth. 
Neben den übrigen alten Commentaren, von Landino n. A., 
ist auch der neuerlicb erscbienene: L*ottimo eommeitfo, IHia 
1827—29. 3 VolL 8. bemerkenswertb. — Die besten deutschen 
Uebersetiungen: von Kannegiefser, Leipz. 1814— 21^ 1825; 

1832. 2 Bde. 8.; von Streckfufs, Halle 1824-26.; 2 Bde. 8. 

1833. 1 Bd. 8.; und (von S. K. H. dem Prinzen Jobann von 
Sachsen) die Hölle, Bd. 1. 2. Dresden 1H29— 3a 4., nebst 
Commentar. — Vgl. über Dante Meinhsrd's Versnche üb. ital. 
CKchter, Th. L S. 23—240. der ersten Ausg.; Bouterwek's 
Gesch. der neuem Poesie u. Bereds. B. I. S. 93.; A. W. Schle- 
gel in Bürge r's Akademie d. seh. Redek. Bd. L St 3. S. 239.; 
Schelling in Bd. IL des krit Jonmals der Philos., berausgeg. 
V. Schelling n. Hegel; J. W. V. Schmidt in den Wiener 
Jahrb. 1823. Bd. 4. S. 15L; Seblosser in den Heidelb. Jahrb. 
1824. Oct S. 993., und: Ueber Dante, Heidelb. 1824. 8.; C. 
Witte im Hermes, 1824. St 2. S. 134.; in den ScUes. Pro- 
vinzialbL 1825., und: Ueber Dante, Bresku 1831. 8.; B. R. Abe* 
ken Beiträge för das Studium der götd. Komödie, BerL u. Stett 
1826. 8.; L. G. Blanc, in Erseh's u. Gruber*s EncjdopSdie, 

Esdicnb. Th. 6 ■ 



^» 



82 CpQS^ 

sangen der ßöuL Kom.^ Halle 18-^. 9*. , £ine Uebersicht- de^ 
Inn^lU der götü. Komödie, darch Tiefe der Auflassung ausge- 
zeichnet, bnCbält die iSchrifl: Aus Danie ÄlighieL^sgöäHcher 
KMti5die <Ton C. F. Goeschel);- Naunbiirg 1834. 81 - 

' -■.!*•- §.89. • : •' » '■■ . 

^' ' Yon geringem Werthe ist d^s Heldetfgedlcht des 
Trisflina/ worin er mit knechtischer Beobachldng clas> 
Bischer Regeln die Befreiung Italiens von denGo* 
(hen besingt. Ganz anders bat Tasso die Form des 
classiscben, Epos mit romantisfihem Geiste durchdrungen, 
und in seinem groÜBen Heldengedicht yon 20 Gc^s^gen, 
dem. befreiten Jerusalem, di« Zeit des begeisterten 
Glaubens, der ^e der ganzen Christenheit angehören- 
den Grofsthaten wirkte, mit der Höchsten Vollkommen- 
heit dargestellt^ welche überhaupt einem nicht in der 
Phantasie des Ydlkes wurzelnden E^unstepos. erjretch- 
bar ist* t . . 

Oper€ ii Giangiorgio Triaino; Verona 1729. 2 Fott. fol. 
L*itaHa Liberata di Triißino, per VÄbh, Antoninif Par. 1729. 
3 VqU. 8. S.Boaterwel?8 Gesch. der neuem Poesie u. Bereds. 
B. Ii S; 7S. *- Opere di Torq. Ta$to; Venex. 17^. 42. 12 
Voll. 4. La Oenualemm^ Liberata; Land, 1724. 2 F&ff. fol. 
Form, 1794. 2 Vollfoln. 4.; 1807. 2 Voll. 4.; riv. da Fernow^ 
Jena 1809. 2 Voll 8. FiorenM 1824. 2 VoiL 8. und öfter. Ue- 
bersetEQngene ins Englische Ton Hoole, Lond. 1809. 1811. 
. 2 Voll 8., von J. H. Wiffen, London 1825. 2 Voll 8.; ins 
Französische Ton Le Bran, Paris 1774., 1813. 2 Voll. 8., 
von Baonr-Lormian, Paris 18119. 3 Voll. 8.; ins Deutsche 
▼on J. D. Gries, 4te Aufi. Jena 1824. 2 Bde. 8., Ton €. Streck- 
infs, 2te Anfl. Lps. 1835. 2 Bde. 8. •- Yer«^. die Charakteristik 
dieses Gedichts von Boaterwek, a. a. O. S. 238. 

§. 89. 
Au&er diesem sogenannten classischen Epos ))ildete 
sich in Italien das eigentlich romantische oder Ritterepos 
aus, welches dieirim Volke verbreiteten Stoffe aus dem 
Sagenkreise Karls des Grofsen mit einer zwar am AI- 
tertbume gebildeten, aber eigcnth(]mlichen Kunst behan- 
delte. Hierher gehört der Morgante des LuigiPulci» 



Eppg. 83 

2B BOcber^ ih vorttrefflitiheii Stanz«», «^ fflittkiivMIiger 
Irönte ftdliges mit Ürfijttl^ih jfriVöl vefWeb^d. Durch 
^emu^Wdll^D Ernst stebt ihm ee^enüt^er dei* Orlando 
innapipi*ato des Bojja^<j[p^ ein upbeendf^t«^ Epqs^, wel- 
ches in Rolaad da» Ideal ritterliphor Tugaaden^ Erstellt, 
fvie sie*^ fhirch Liebe zu ihrer 4iödisteii VoUeBdimg ge- 
steigert erscheinen. Die einseitigen' Aictttnn^en beider 
vereinigte auf einem höh«r^n ^tandpupcte Ariost, wel- 
cher in eetnemp Or lau de fario6^0''deii Gipfel des phan- 
tastischiea ßitterepos erreicht^;«'' Mit« «uneVsch^flicbr retf- 
eher Einbildungslraftv in r^zenid fisrchlSs^iger Erz^htas^ 
vreife 'ef estte bante M^nge i^^rst^hiedenail^er Per^ofiree 
M'^ äi^ )vt«ftiderb«r^ten Afaeivre«ter- > %u Verwickelii / bald 
dtt^ich tQhretide S(fetieti,Cbald*dufcb -Uiistbme Bilder, bald 
dardi phantastische •SchllderaiAgeft eifler Zatdjefrwek-^, im;- 
itier tieu zvt tiäteriiatten.' Eiti glücktkher j^achföl^öt 
Ariest's 'aUs dem ' aohtzehnfenj Jalii^^uiidM^- istJ^ d r t i& 
jg^eplra, dessen Ri^ciadetto in äO G*^äi»gen durch 
Mannigfaltigkeit der Erfindung und Leichtigkeit der Dar- 
slellmtg sich emjpfiehlt. 

Vgl. F. W. Val. Schmidt Ueber die italienisclien Heldengedichte 
,911b dein läagenkrei^ KarU des Grofsen, Berjin 1820. 8.; u. dess. 
ßeitr. zar Gesch. der romant. Poesie, BerL 1818. 8.',,u. %anke 
in den Abbandl. der Akad. za Berlin 1833.; ferner Meinbard's 
Vcrsuclie ß. iL; BouteriKelc Gesck.^ d, n. Poesie n. Bereds- 
B. 1.; Sitmondi Ldtt. du midi. Vol. 1.; Rosenkranz Gesch. 
i Poesie, B. 2. S. 247 ff. Vorzüglich:, G,»«/*© Ferrarig Sfo- 
ria td. analUi ^gU anticJU romanxi di cuvälleria e dei poemi 
r4^m<an^e8ch% d'ttfilia. Fol 1—3. Milano 1828. 8. Daza Ap- 
pendice, als Vol. Ato, Blhlipgrt^fia dei romanzi ec, MiL 1829. 8. 
nnd Sapplimento alla Bibliogr, ec. M//. 1831. 8. (von Gae- 
tuno Melzi), — 11 Morgante Maggiore di Pulci, Pirenxe 
(?iapoli) 1732. 4.; Mailand 1804. 3 Voll. 8. Vgl. Schlosser 
in UeidlBlb. Jahrb. 1824. S. 701. -^ DtrOrhrnio innainorato 
,df)B' Grafen Bojarda, mit derForUetzung T^n Agastiui» Veq. 
15'11. 4.; umgearbeitet von Berni, Mailand 1806. 4 Voll 8.; 
flentscb von Val. Schmidt, Berlin 1819. 3 B. 8. — Der Or- 
lando fUrioto des Lad. Ariosto, herausgeg. von O. Morali, 
'MbS. 1818. 4.; Ton Fernow, Jena 1805. 5 VoD. 8.; Mail. 18^2. 

6* 



84 Epos. 

4 VdlL 8. um -96; .6. Vi>n. iDitotacfa wm Gri«8, ^tn* AofL 
Jfna 1827. 5B. 8.; top StxeclcCati, HalliB 1818. 4 3. 8. Vgl. 
Schall -in Naditr. za Salzer, B. HI. S. 180. ^ II Ricoiardetto 
di N. Carieromäcö (d. i. J^ortiguerrß) Paris (Vened.) 
1738. tTott. 4. n! 8:1 IMTäftlantf 1813. 3 Fo//. 8.; aeoUch fön 
Grit; ätottg. 1831— 38. SB. 8.; eine fnmiMiche MaeUnl- 
dong voa Dimearier, BkikmtMeti Potee eii ibit tg cft«iu»y Fa- 
rn 17«, * FoÄ a : , . I 

Der gro&e Dii^hter« der polrtagicsiBcben.MalioD 
ist CamoSns. Ja seineia tiefen und fein gebildeten 
jGcaste gestalteten sieb 4ie - gIorriei<;ben Erinnerungen sei^ 
Aes Volkes m, einpm poietischeii Ganzen , u^d indem er 
die kfibne UmscbiOnng Africa's und Entdeckuog Ipdiew 
tonter Yasco de Gama, episodisch, verwebt mit. den übri- 
gen GroÜBtbaten der Lusitaner, in, der Lnsiade veriierr- 
liehte, lieh er nmr. dem begeisterten ßeyKufstsein der ganr 
zen Nation den ToUkommensten Ausdi^uck, und schuf 
ein ebenso volksthtindiches als kunstreich Tollendetes 
Epos. \ * 

Luiiadai de Luis dis Camoens eommentadas por Manuel de 
Faria y Sousa, Madrid 1039. iVollfoL; Berlin 1810. 12.; 
novo ed, por Joxe Maria de Sonza-Botelko, Pam 1817. 
fol, (Pracbtaasg.), danach der Text, Paria 1819. 8.; 1820. 2 Voll. 
18. Hambarg 1834. 3 Voll. 8. Engliach von Mickle; Oxf. 
1776. 4. Land, 1809. i VoU. Franzöaisch von la Harpe; 
Par. 1776. 2 Voll 8. and Ton Milli^, Par. 1825. 2 VoU, 8. 
Deatach von Heiae, Hamb. 1806—7. 2 B. 8.; von Kahn n. 
Winkler, Lpz. 1807. 8.; am besten von J. C.. Donner, Stnttg. 
1833. 8. Vgl. Fr. Schlegel, W%Ae, B. X. S, 51. B. IL S. 96.; 
Schatz in Nachtr. z. Snlzer's AUg. Th.*d. ach. K. B. I. S. 341. 
J. Adams on Memoirs of tlie life and writings of Camoens; 
Lond. 1820. 2 Voü. 8. 

§. 91. 
In Spanien, wo der echt- epische Stoff (die Kämpfe 
mit den Maoren) in der Form der Romanzen sich ver- 
einzelte, ist nie ein eigentliches Epos entstanden. Doch 
zeichnet sich vor einer Anzahl unglücklicher Versuche 
die Araucana.desDon Alonzo de Ercilla vojrtheil- 



Epos. 8S 

Jhaft ans/ ein aiehr.hisfoüscbes alsepisches Gedieh^ wet* 
che« ' «fiei/ÜBtorwerfiiD^ .deriGegendAraoco pn Südame-« 
lika, wobei dcitilDidit^ selb^st ab Krieger «ich hmror^ 
kbbaft onii .'aoschaolich: iirVmAlklingeäden iSfansca 



erzähld •• • » '«Mi- '. . ; . ;. : ;. :,;• ,"!..■. .'.j 

Jja 4fßvt}ßHa: — :A. Don,i4l0n$€ ie MfßHlJkvjy Z^ügmi m 

[,^ :Jlf»^riä 1783. /o/,. ef^i-uf t776. ,2VpfL^j^nfiia derÄfWa- 

tkeca,E$paholay T, IV-^-Yl^ Chemnitx 1806^jE$.V deli^ch von 

'"'CM; Vy^interling, Nürnberg: 1831, 2 B.. «.' - VcrgL f elaz- 

qüißk GkeJi. ^^'tpäÜi-Dit^. S. 263.'a./s.'4M. Schlitz, Itf 

.d. fi. Bo*«e ii«.&»r4i|b. 9*.m.:$i^8r JK: r -: ' . <i , 

. ,; Se] reich die U,9i^%^ß\ßp^.e(: Jitti^WjMJrn^iß?: WW^t^ 
altf rs .011 iDeliri3chMwd.i^p$aiseh .'t^^ndejitearppi^pltjj^^ 
epiach^Stöj^j&t). SP }iat doch Fr^n)^c;li:,, li^lV'ßejup/ 

▼Q9; fc^Mlten^^in Wentl^, heirprgpbr^tbt; i : Y q l t^i i^^q!«. 
Henriade hat eine < %ef t -l^Pg» ydf^züglich.; bei .f ranxöSiit. 
acben &u|[isiti:ipbt.«Fii4L (^veio :Vi»Uesdete« fialdepgediffat 
fregoltchr sie i^teifie init'frofttigeD All^dneen durdiw^bte 
histöH^ih^ Schildmitag in' jg^äüaeiiä^eitf Stil' ^i is6W\\n- 
senden Älexandnnerq. r, , . 

Zo d^ sehr iDitteU^äl^efv fr«if|fp8i8chej|iH^kfengeai<^t^n auii.dem 

17tw J»lu;lirgj^ören:jj^*^jPj«'c«i/tf,, o^ France delivre€,par 

-J. ipkapelain: Par, 1657.. 12^;, und Cloviix 0^ te France 

chräwme,9par p,eßmfrptt; f«j;.,,ll566> 12. rr •— .I*/» H«n- 

. riaif, / Poeme 4f^qn^pfl^r^pf^^ df ff^oftaire; ßettf 1124, 8., 

Laiiif. 1733. 8< iin4 Iq seiiieii Werken. — Zar eiuslen Epopöe 

pflegen > die Franzosen auca die 19 PrQ^a ge^cl^nepenen^ Werke: ^ 

.. I^f Avantiiret lie'^^'ey^aquf^^, ß» J'^^ui, von Pyelon, 

und • des- Grafen Florian dfuma J^omvtliu$ und Gonamlve 

.i{^ Cordoße 7a (recbnf>i;^ Mm. rpnpiantischen.Ep^s am Qlhvier 

azotte« elienfalls Ja poetischer Pro/^a. 

• 8. -93. • 

In dem schottischen Hochlande haben sich durch 

mündliche Ueberlieferangen'' alte epische Lieder im gae- 

ligchen I^ialekt erhalten, Svel<ihe in ihrer jetzigen Ge- 

Statt dem neunten öder zehnten J^hrhundc|rtanziigehö- 



80 Epqsi 

rte-^scheiüeh; ab^r 'i^ocbähe^e £l6inent^ ^entbalten^ aüd 
vmi' detSf^O' waiiien Uui)d«n:BardeD Os&iaa^« dtA Sdhb 
Fiogsls (vim idOtk^n. Chn) isorilckf^ieftfliit wrerdeac Sie 
8driiefMn^'8idb'::2utii/i!hei^:illi ztcei! )gitfdM0 «tiUdM GA 
dichte, Fingal und Teinora, zusammen, weichet die 
Thaten tmd Sciücks4le Fii»gald>UDd*aiMerer«ftkr*>dli6'Va- 




tjagcR wV. eijftj»;Jjp^bei^ dwir;^^^^^^ siu^^.w^t ,cnt- 

UirM ' vJQra der:; pl&sttsclmi .Darstellung i. de« teigeotUchen 
Epos, indem sie uii9"yiiG&t,'''^vfe 'Aie^liouierisäieci' »Ge- 
dichte, bestimmte Gestalt di^ in 'klarer Beleuchtung, soo- 
detii 'SchWänlL^bd^ !Nkb^iM^i<' läf - liilgeivissem fl^dun- 

^ött Itfk'dp W'd¥»di^fi^«- (ibgliscbf^fr ^üehfersctriittg - d<ft»^ f)»^ 
8!Mr^h<6i^^D^ ' über' ' deren ' Schlheit ' i^rhot^eh' V^tiirdM^ 
shid je^it' /ölli^^ beseitigt; ' dbdtf^fäll^ ^m'tPOkt^m^ 

• •I* «1 Hfl 1 #^ A k. * n* 1 4J4k ■ 4 17 II <~> I* n 




des gaelischen Originals, von J. Macgregor Mur- 
'^'' (tHdi rDunai Oüeiit'lhhiC'^finn^'mif U% cur 

foitch^finiß'jmfffnß^. iMMyoelfaciM). i 'Dut^. 
zei« ^S .8. Ans ^em Gaelischen im Selben- 

die ^ >^ÄLIvirardt; Xeipie. 1811« 3 13d«. 8. ~ 

^ von S'Iaclair'liat die sthbtüsclie Hocb> 



n 

eh 



lUiMliflehe Ge»«»l«eKtf€<>*eiiM? Prütknir* «äer*£diCiieh Üer Os- 
sianischeii Gedichte angestellt, and das RttSuffftC nttd«rgelcgt in 
dem Repori of the ComnUiUe of the Highland- Society vfScot- 
land appointed to in^uire^ inio^tfie^ Ttat'urt an^ anthentfcity of 
the poetm of Ontan, ^h/ H^JIfi^c'kef^atfey^ t^ikbl'lm^. H. 
Eine gleiche Untcr^abhiriig in V^Uetkikf^, Oiü^iike iiitSraiüh 
froHi^Ht). Seepnde purfikth1ffyii^^ws**UpKl9ISII^':^-\ i Veigi. 
floiner, ^ud O^Wjin« yon t|.f,if/}.ijr, if\ d^n .jQ^are^,y.; J, 17W. 
St. X.; «desselben Ädrastea* St. X, Blätter von deutscher Art 

. und KunsJ; Grätet's Bragur, B, VI. S, 23i;; Treudfenth'eil 
in' Nacfitr.'za Sulzer/B. Itf.'S: tÖlf ^»<irm't«8 itA^f^^ 

' ^p^Mtam^: über Ofesianiimid.'V^rlfamRtSOdUJft. Ui^mBa) Scli:|l>^ 

8<(i Vi^r nqi^iadie Didilinm8t;:9Si^a. W^^^>ft.l>l.;^t79v: 

.'.*. fif n--:. :[ .i'.rrobft: 94/;. ..* . :i 'lln.vx .fi .,-m 

'»^' ©as «assiscKfe Epc^Ä- der'^Ettgläö^t^ i«V'?M!ltWli 
V*t*afrfeä' Paradifea'; • örusjgczächflel^ ^dÜwH '^«l»feÄWWi 
iSedaiMt^^, mi^isterhä^e' SdAild^utlgäd^'tmt^-liaHilbtlMkAfM 
AtlwJru^kv'ei^reiföiirf durch *€? «fröft^ -iiAdi WtehÖ^öfc 
de^^Oe^enMarid'^^ ^ellbst/ nngeaclilef eben^Hi^sbV i^isgeir* 
stand;' der 'Tridtit^i deä^ Körillgs dar Hüll« dbei^'die tib- 
scbuirf^ *er' ^Men Men8€hefti;- iiicbt vöBlgJ für cbis' fi^e^l 
f^^iguet, ühd^iir mähcbeii Mäfi^lD^U^t A^^fobrudg'KOlHiId 
Ist: Das %iie <l cf r g e w <?a » e« e i^rtf r tfäi yis<«Job ? di^ffls^- 
beb Bichter, «in W^W''sehies Alt<;rs' tint^i^fAl^^fm^ 
rem Üiifangi^i Meiert d^il* Sii^g €hnsti öb^r '5dfti Vehsur 
eher in der Wüste. • - • > ' ' *•' * »•* 

'io4in*^Mil4on^t'Pärmiis^-Jv9ty with fütumrH, ,ly>,TMai ySi^w- 
■ ton; Loikd, . 1750. • *i '- VoU. • 4. TAe patadiie nfgantedi MfiHh' no- 
't€$ by Ck, Dün-9te^) ^L&nd:ll^A. Poetieal .Ufotlürt; by 
Hawkiut,' Oxford I8t4. 4 Folf.; by Todd,: 3: ed. Lond. 
16^. 6 Foft. .*-«-. U eil« dsetzuilg en des •Yefl.vPap.^iii «lalie- 
nis che Verse von Pnoi-o Ralti, PaHgi L73t7«..2 VoiLtl^.iin 
Tran&5sische Pros« v^n Lpuis Racine^ \uPari 1755. .3, FoU. 
]&)' hielrisch von Delille,. Paris i8(^ 2.Vk>lUvä) iH d^atsche 
Prose von Bodmer," Zorich 1749. »2 Bde. gn 8«; in. Hexameter 
von Zach4iri&, AUdkta 1760. 62 kl. 4. lind ß. VII. VIII. IX. 
seiner poet. Schriften. In ' reimlVeie Jionben you.G. S>. Bürde; 
13er]. 179a Brest. 1S22. 2 Bde. 8. Vort Priest Rostock l^ia 8. 
^ Vgk Hayle/s Leben Mtlton's; übers. Z%li*b 1800« 8. and 
über Milton, von eim:ni üagen. in dcair^tochtc«.Ji. JS>.ulac^r, B. 






88 £lM>s. 

VE S. IMt. — Bovterwek'« Gewhiditc der engiMdMB Poesie, 
Bd.L.S.40Tff. 

§. 95. 
Glover's Leonidas ist eia historisches Gedicht 
das sich durch gelungene Schilderungen, edle Sprache 
und kräftige Gesionung en^pfiehlt, ohnie jedoch als wahr- 
haftes-IEpos gelten zu können. Unibedeutender ist die 
Atbenais desselben Verfääsers^ — Aufser diesen und 
anderen nach . antikeja Mustern gebildet en Epopöen he- 
sifit England auch ein grobes romantiscb-aUejgori- 
sch^s lleldengcfdiehty die Feenkönigin Ton Spen- 
ser. In zwölf BQchern^ von denen jedoch nur sechs 
erbalten • sind»- sehÜderte der Dicfiter, ein Zeitgenosse der 
KöBpigin EliaahlBthi mit überreicher Phantasie und in .wohl- 
kUogeodi9n..8t4q?^ep: die. Abenteuer des Königs AitW ™^ 
seiner i^wOlf. Ritter» welche, als Repräseiitanten , eben- 
sovjeler Tugenden, der Feenkönigin Glpriana, woimnter 
Elisabeth- ziit verstehen p als dem Ur^^ld^ aller Tugend 
hnldigeQ. -r-r Unter, den genialen Schöpfungen des» Lord 
Byron» welche sich, zum Theil den Schranken einer 
strengen Classifidrung nicht fügen, wird Don Juan ▼od 
den Yerfosser selbst mit Recht ein modernes Helden« 
gedieht . genannt. Es i^t ein Werk voll bitterer Laune 
und tiefen Ernstes. ». . . 

'LtoHÜMtf ttiPaem kg K Qlover; Lvnd, 1737. 8.; fibers* von 
Ebert in der Leipi. Samml. TeroL Sehr. B. L St 1. . Umge- 
arbeitet und ertveitert erscbien das Original Loni'. 1770. 2 Volt. 
8. und die Uebersetzang, Hamb. 1778. 8. 1708. 1804. S. Dr- 
Ptm^erton*8 Ob$ervaHon$ etc. LomL 1738. 12. und £bert*fl 
-Vorrede zu der n. A. s. Uebersetcung. — The Athenaidf an 
%te Poem hy IL Glover, pubUohed afier Am ieath; Lond, 

> 1788. 3 VoU. 12. -^ Von geringerem Werlbe ist The Epi- 
goniad, a Poem by W. Wilkie; Lond. 1759. 12. — Edm. 
8pen$er*9 Fairy Queen, Lond. 1751. 3 VoU. 4. 1758. 2 Voii 
S.; in den Ansgaben e. Worki hy Hughei, Lond. 1715. 6 VoU. 
8.; by Jikin, Lond. 1802. (1806:) 6 Voll. 8.; by Todd, Lond. 
1805. 8 VoU. 8. Vergl. Wmrton's ObumationM on the Fairy 
Queen, Lond. 1762. 1807. 2 VoU. 8.; Duff'e Crüical obter* 




Epos. 89 

vaiiom (LomL 1170: &) iSeet. W- jPi < 197^;;iDii<iiiH ScUaMg. 
Liitten|[tiirbriefe, SarnniL* I. S. 211 »^i Lordk Bjr«B'».I>«i|. Jm^ 
in Bd/15--17.v6eiiier W(irke$ London 18B3::«;: /. 

. .'. / .• , §•. ??*••; , ,, ,., .;,;.; 

.tlat^.,der betrScbtliicben. iiiißslßli ih^ii^ 
dengedidrtft des MUtelalteats ist> das (Mib^e^lui^Aalied 
ab das' ToUendetste bervoraiikeben. Dd*: Ge^eiiattad die- 
ses im Voffke -enfstandenen näd von einem ünbek^im- 
ten Dicbter zo epischer Einheit verbandehen Werkes ist 
das tragische Schicksal eiijies ..Heldengeschlechtes, das 
dorch heroische Kraft und eewaltiee Leidenschaften, sich 
selbst aufreibt* Diesem tragischen Epos st eht.d^ my- 
stische, aiif der Sage Tom heiligen Gji:a| berqhead/ge-' 
eenüber. Wolfram von Eschenbach^ildete 4^89., pro- 

' : ■ ■ ■ : ■ ■ . ' • • • ' r ■ I • • • 4 • ( I « ; 

vencalischen Mustern folgend, im Parcival und in dem 
(von jüngerer Hand veryqj[lständigten und überarbeite- 
ten) Titiirel aus. Wenn im Nibelungenliede keine 
omnittelbarie Einwirkung ^der Obttheit bemerkbar . "V^ird, 
Boodeni nur l&erbische 'Menschen handelnd' das Schickr 
sal erfüllen, so ist hier dagegen Alles göttlidfie YTirk- 
samkeit, also Wundw, 

Der Nibe4iiAgeii Notb, xnerst aiiTolbtSiidig hevMii|eg($torTon 
Bodmer, Zi&rijBh 1757. 4.^'¥6lLBtftiidig,(8i(kiiQit decJSll/ig^,, feinem 
Mcb daran sdbliefsenden etwas jikigereii Gedicht) tob GIi.'H/JI[ü1- 
1er in der Samnliiiig deatscher Gewehte, Th«'I.; Toa'F'>H.,voB 
der Hagen, Berlin 1810^ BresUn 18^6* 182(K S.; ▼»« j$«ane, 
BerL 1815. .12. in t.* Lafsbecg.lAeder9aal5 Bd. 4»; Qler JNibe- 
Innge Noit mit der Klage, von C. Laekmaiint Betl J820. 4.; 
Der Dibelange Lied nach dem Abdrack der liierten n^d.ineicb- 
sten Handscbr. des Frhn. Jos. y. Lalsberg heravsgeg. vo|i O. F. 
H. Schdnbnth, Tübingen 1834. 8.; beste U^berset^ong Ton 
a Simrock, BerHn 1827. % B. 12. Vgl. ▼. d, Hagen die 
Nibelongen nnd ilire Bedentang, Breslau 1819. 8,, und. des s. 
Anmerkangen in der I9ibelongen iXoth, Frankf« a. % XWA' 8*; 
C. Rosenkranz Das Heldenbneh und die INibelungen, Halle 
1829, 8. — Parcival, o. O., 1477. fol; in Bd. I. der Malier- 
scben Sammlong und in den Werken Wolframs. Tpn EJsch^nbacb, 
heransgeg. von C Lachmann, Berlui 1893. 8,; Aoszng nnd 
theilweise Uebenetanng, als Vorlfoler dner ToUstiladigeii Ueber- 



86 Epqsi 

rte'scheiüen/ diiir »podi äheie £lement^ ^eutbalte») uud 
vmä''AerSm^OMdiie± UinidtfniBarcleii Os sU»^/ deA* Sohb 
FiDgslff (tun iSpthjt Cbn) iBertick^eflihit werdenc Sie 
8cUiefMnr;'sfadi>:^iiiLlBlreilr':iai.zir€i! )gntfdeiie tpiäfht d^ 
dichte, Fingal und Teinora, zusamineD, welche: die 
Thatten und Sciücksäle Fittgald*und**a]Jderer<Ahr''Ylli6*Va- 
t^flwd^giffollötfei^ Hfetden veA Eitf ^gfrifrend 

weiin^Äiger Gr^n^^^ 't^^-rschf Tb/ ihneo vör^pbert'aupt 
^»gW:«V> e!WJP;Jy;fi^hei^.Cfc«r;^^'u^^^ siud^>wfi^t ent- 
f€[i»t;y«9Q .d«f:;f4£isftfscb«ii .Darstellung •.<( 66 -.eigeiittichen 
Eposy indem sie ulisr'*Viicht/-*\vfe "^Üie^^tiouierisiSi«!! -»Ge- 
dichte, bestimmte Gestalt^i^' in^'^klarer Beleuchtung, son- 
dern' ^^chWdnll^d^ !Nbb^1Id^i<' 11^' -üilgemssem H^ttdun- 
k A"iblfe«tt." -i^* bie^'ZMfiirtl, ^%felchfe'%erdem'ErÄChdöeil 
ifcÖttütf^dph^öV^äiffi'«- öbglificM Uebersc<«itig ' d(ft*^ f>8^' 
rfM/^c&Wf^^D^' iiber' deren&chfheitf'V^rhot^ett^ 1^ 
8hkF fe^zt> /ölUg<^ beseitigt,' • dbdtf^fäll^ ^m'TfOktgtVi^ 
nfericKe'^/llftfciihrlfehkHtett^^r'fc^^ "^f» "' iiJn'. 

italienisch von Mich. Ce^arotti, Pisa 180U4 Voll. Sr, frauzös. 




;T)ä8 tefli^iVcAe^OrlgidblersdrÄkliKU' i8ft7: T^e'pöemso/Ot' 

' iiniy ttt lßac/ä'rfah\W^^^^^ on the\uthen- 

ticity of tke poim%'X S/lii'ctdy.'Xond: lÖÖf ^ r^//.' g^. 8. 

Neue Aasg. des gaelischen Originals, von J. Macgregor Diu r- 

> Tay, ' «tt^r cfifttti 'thdi'Dmaf Oiwiir'jtiÄtc^ylitn, «£• tta cw 

',. «111(9^ fi^sfitn tnßUh .^oitch^^itntß^ymtfinfiik mogoeUaehd, .Dunr 

., jpidfj: (Edinbur^k) 1S18. a Aus .dem Gaelischen im S^fibeo- 

. nialse des Originals,. vpnAhlwardt; Xeipz. JSll, 3Bd($. S.- 

^''Aofser der ÜntersacKang von SlncIairÜat die sthottischeHocb» 



1 



V 

Itn^iB^he Oe»elUelil^t»''etnW' Pra(kn«c<der*£>Mieh Üor Os- 

sianischeii Gedicht« aiigfstellt , and das Rttsulfirii nfl»dergel«igt in 

dem Report of the Committ^ of the Highland- Society ofScot- 

land^ appointed to in^uire^ intd^tpe, fiatiire anß authenticity of 

the poemi of OiHan, ^bi/ HJ J^i^dken^t^ef ßäihb^m 8. 

Bio« gleiebe -Unkr^obKiriig in Viltetk^iii^, Oiu^itke Htiäraiük 

ßran^Hti.JSeepttäe par/|M^»lr^,|£^f(w/>lftr«<18^.:^8.t 'Vei^l. 

. flomer, i^ad O^likh^ joa^.^,^ f^^t, W d^^.l^ariyjk.y.f J. ITPSr. 

St. X.; desselben Adrasteay SlX., Bläifer von deutscher Ajrt 

und'iCunsJ; Gräte;:'» Bra-uV,' B. Vl.'s, 23i;i*Treudentheil 

in Naefiir.za Sulzer,' B. lU.'S: tÖlf ^»(irm'Ä ^r^-^^«y. 

^^«ättnn« über 068iaii,i1II«^d.'Vkr Hamk lBOa^u;ft. 4(^..Eai Sc&:|ftv 

8«(i V^r nqi^noiie Diditlnmst;.»ä4m& W^oi>|}^]JC.>^i?9^ 

viiJofüiea' Pä radifea'; • äusgezeicbrtet^^düwH' '€t«iwlW«i 
öedafiÄ^, ' mfelsf ferh^fte' ®cAi!ij^uögfcd*lft*'iiaH3|btti«ö^ 
A'Ustlfur»kv''eH^reiföiit^ durch die? eröft^'üAd'JWlÄhÖgkJoil 
jlei •fte^enftfÄöd'^fe fedlbst, ungeaclitef ebeilMli«isbri€li6g6fr* 
stand;' der 'Tridm^li' des^ Königs der HöUrf äbei^-die' titt- 
schuid^ *er' cf^steö Mensche*, mhM vöI%« für €)«b' £jl0i 
S^eigiiet, tibd aiv inäncbefi Mängelo^Kl^r A^täbrudg'^ahoNl 
ist' 'DasSiiedefrg^wf^aneite 'f^^ra^dif^r^Gib^d^fflstA'' 
beb Dichter, -tm W^y^'semes Alterß önfl» i*ö4l'>gferj»gi- 
rem Üinfangö; feiert dA* Sii^g €hrisli öber'^^döu -VehßUr 
eher in der Wüste. • • '- ^ •' * »»« 

iokki»^MiUon' »' l'ärmdiii^'iintj wUh ^ttuttwäl, Jßi/f.ISiijiki ^^w - 
ie n ; Land. . 1750. * '2 -VoU. -4. Tke. ^pafttdiie r^aikedi nöii^ na- 
'te$ hy Ch. Dünite*) Irnni. 179&. 4. Poetual Wtoiikti; by 
Hawkini, Oxford 1814. 4 Voli,; by Todd^i 3; ed. Lond. 
Wiß, & Foff. .^-c-Uehec^etzuügen d«s Yerl.rPaF.iöia «talie- 
niiche Veree von Rßoio Rolti, Fatigi L73i7...2 VidL,n.\\fi 
Irdn^öBische Pros» v^n Lpuii Raoine^ vFari, K55. .3. Voll. 
^%i metrisch von D«liUe, Paria 180^>. 2.Vjd1L.v8:$ in dtotsche 
Prose von Bodmer,' Zoricli 1749. >2 Bde. gn 8.; .in . Hexameter 
von Zach^iriä,' AU6^ia t760. 62. kl. 4. «nd ß. VII, VJII. IX. 
seiner poet. ScfarifteB. In reimfreie lamben von.G. S». Bürde; 
Berl. 1793. Bresl. 1S22. 2 Bde. 8. VoA Priest Rostock 19ia 8. 
— Vgl. Hayle^fV Leben Mtiton'a; ühors.. Zikli*^ 1800. 8. und 
über Milton, von ein«!m Uagen. in den^lNlicbirMj. S>.ttUt0r, B. 



90: Das koml^^ Epos. 

• > 

.».- I .!• .«. ...«•■■4 ■'"'£ '00'*' 1 .« :• i ..'1 ' . 1, . 

Als Parodie der epUdftn Qichtcmg ist hier die ko- 
»iMheiXpio^Öbi^a) erMimem;iSl6.'b«iha»i«lt ffd epi- 
8cfier>Wte6f«eipeii'igei*iB^^g^ *6tgeDfltiiiMh«(ffle^!Hei- 
dor imdt luev) imltäietiteDdej ! IhbiMU Firso^ei;!^' • ufall ^m 
hfat'etms ft>noIl%sfc;*diese iidA Art; dfeü Kerben banijeki zm 
wAemii Bnrik einec^cdehe XJknitnhüngüeätefhApB^iäeA 
kaBOiciB^iÜit geriiigcvikömk^berJBfflect^äTfcicAtrwferdeii. 
'Ubigi Bettlsrttngtbdto d)i(iiialididil^Ht|likttl|4Jai!lf^ tf iü t^i/icV^ 
. . M .9rkfl$«i|it.^4i^f £}; ;»]ht Ai9l&iii;iu !l 10^ SO^tb J3ail ¥biBry .1«, 

Paul s Yonclnile der Aesthetiic, Prp^f. Yll., fiber dfe hämo-, 
rutische Poesie, lind' Pro^. ' YQi.\ ^fiber' den epUcLea, ^dramäti- 

■/y! .: ; . il . , ,'J,i.. .^ Vä. Wiii :*''i^ ;.'.l!1 ♦?.:: -b •? • •"' ..'r 

Die ErzAmang der noKedeMtenden Qd[er «b sich lä- 
cbniilicheii Mß%^iheiX;.i.auß «pjtwf dtf in rT^lig^ iorirtem 
Tode 4ib^B(Ukt seia: tuhdüst dan^ ei^eBtliohfe Ftfrodieidefl 
Epoff; odef Aj^ idiiti m kpmkdSetä G^^^^ 
ge» ^cf(^dn,'.* ^oi^ei "afer die/Pönfl' des. Epöü',' tiiiif so- 
nut ^e; parpqi^jcl^^^Bfzi^uqg.ÄUf ^^cj, f r»ste Epppöj^.be- 

livabrt wiräi,: Ein. «rP)?t?r .epispher.,Geg»tfpi^,; ip W- 
lesker Weise idilgekiAidel; wird hiogegeninnralai Tra- 
vestie irgüüd ^^s bötifittiint^tt E^'g^feiUiäx'lkmtten. 

. .Auch. die koipiscbe Epopöe bedient sich des Wun- 
deifaareQr,. 4ei: r^gm^PlM^Q JKI*§phiftefl4 J^. ejoi i ^lehes 
nur durok die Mäntserbrd^nttiche Gröfs^ tod Wichtigkeit 
der Handl'iiDg tedittgtes E{fiwiriien'fib6nrdis(9fer;^W 
kann nicht verfehlen;' vermöge des' töntra^ei' mit* dem 
unbedeutenden Stoffe, einen, besonders komischen Effect 
ZU enregen. Neben den isQrtbischen oder allegorischen 
Personen sind hier phantastische Gebilde wie FecOiGno- 
meUy Elfen, Sylphen u. dgl, an ihrem Platxe. 




Das Icothidihfii EpöA. 

U^bekTi dies Syttedi der 4S0bittiW«lt «. Läi€umiei$i eMuUk^^ Ot 
EntreHetu tur iet iciencei uer^ttt (par i\4^ Vm^Tß)lAm^. 
1671. If . Vei-gH W«PtoaXY«B|. j&li^ Po{i^'0 Genie und 
Sdirifte^ i^,4er.Scpl^ §.?>^,°^^ y^F«.^Sch.r;{i. tl. S. 197. — 
(y. Kn^bUuch) üebcr. SyipMu^.fi^paei^^^ und 

Ondiiiei]\f WeiiseiiCeU «.Jt'elpi. .1793.,9-. . ,.. 

. • i • • •; - •. §/ .IP^*..:. ; i. • ,...r, " 
Daa eiozige komi6fihe:'Ef>ofly.!9feIcIie8 sich, ftiia: dem 

AlterHrain^ cthälteii 'hafj iet dJie Bartrats'lmidyäin-achiey 
oder det tCrieg der FröBche pnd der^Matise, ideia^Ho- 
mer odfer den Homeriden'zuffescbri/eben.. Weit be- 
deate^de^.:8cbleipt. d^&.yerllwi^rGc^ Afargitet ge- 
wesen zo 6einj( d^sscoi .Heldtiiuii' eiuij^enhaluiieii ^Ver- 
sen also beschrieben wird:! -'i • 

;]»cht 40111 GtSM)ßiaMsa die Qltlera», .4ii«bbiait«iimJ|auger/' 

Die Batrachomyomaehie, jurden Aaseaben.yon Homer's Wer«- 
Ken; ^ucn mit deiji nomenscjien Hymnen, beraasgeg. yon C D. 
Ilgeü, Halle 1791 S.; yön A. Mämiäe; Lpz.' l€05r8.V ei^ 
leln yott Mth. llait'taitö, (Land. ]l72t; 6.; Vob* Gebier «lit 
IHöUq von Ern.esli, Lpx<il7^. ^'iyoit.ff^ifbekiijl^eii^o 1789. 
&; Ton Tbdr. Gaza, FIoa h, tpz. 180^ ;*,;. ypn jV,]?» GmU 
Paria 1815. 8. Griechisch mit einer deuUcheu Debersetzang 
in Hexametern yon Will amow'^ Petersburg i 771;' ^r! 8:; diisj^ 
yon J. ' H e Im , Mannh. 1826.' "81' Ueberseizdngen ''yoii • V(k r i«^ 
Grafen tu Stolberg, im Deajtschen Milfenm,: KUr« , 1784^; 
Yoa Weinzierl» Mfincben 180&.-.8*;. vonH. Str«». *S4i}z^cdel 
1815* 8.^ ." .^ '..*'. , 

■ . • §.-103v.- \ •.-.... ...... .. _ 

Ein wahrhaft kaniischcis:%<^! der liali^enerist der 
geraubteWassereim'er vbnfÄlesffandrii'Tassoni, 
welches einen Ober diesen Ratib entstandenen Krieg zwi- 
schen den nfodenesern.undBoIognesemJieschreibt. . Bei 
allem Beicbl&um. an Witz g^eA natCLrlich manche ko- 
nrisdie Zfige dieses O^didite» für dedf eiligen Leser ver- 
loren,^ der von der historischen BeziehoXig vieler klei- 
Den Anspielungen nicht imt errichtet i^t, tind die'lParo- 
dieen mancher Stellen des Ariost und Tasso aus der .Acht 
läfst« Unter den neuesten koniisch-. epischen i)i(;}^tem 
zeichnet sich der Abbäte 'Cas:ti«'dcMf€h seine riederiKden 







ratori, Modena l^4i!%) tir ilo^e Tixt, Äod^tfi 1744. 8.; 
Mailand 1806. 8. Uebers. 'in Versen von Friedr. Schmitt, 
:tv [:H«Md):iiT81.^ji''V^Ygl.:Bii^h'S!firicAipdt.j/kfa^ Br. 21. 

. tiitß,(fa$ti: Parigi IS02. 3 Ta//. 8. D^utscL, Brepien 1817. 
3 Bde. 8. — Ver^T. die neueste Ausg. von Sulzer s AJlg. 
''^' Th.-Bd.*'lt^ ä.''«4;,-\w^Wän Torf-^fen>tt*chr^^^ der 

-•iV8ciu»iiiiJ[^;PottflU>idb Mienb!Naobv«Nsmngifilidei; r 

>» > «Ber^clefa Fr»n«6s'0li>hät •«UisGh^p^nl't Votf Boi- 
1 6:^71 ;'öii\(KläskiscfteÄ'AtiiöhÖf erhalten; det tottügliche 
'jlj^/'eriÄ jÄer Erfinflung i^d "^üsfufiiriing aiese^ (Gedichtes 
il#, upl^^i:,, •. lXp3(rÄil\g .?bef . tvjür^ .da^.iMädchen 
.t0B Oi4e'Rtois . Toiir'VoltQLFe: das i)cate' frafizösische 
Heldeffgedie&t'küfbisch^ G*a(tuDg' sein; vrentL' mefa€ die 
^äfserfet^ !^bgeIIosig1^eit in den ^^tnälden und Beschrei- 
bungen ^pdi^ia.^rciveWer Spott übe äfas gro- 
^ &Qiytrdi^nst. d«r .paetiscl^n. Erzählupg herabwürdigten, 
.-v^orMn dieüs.Gedidit die Henriade weit übertrifft*. 

"L^ Lütrintn tix thänt», v,hh Oeuwretde Boileuu Deipr^auXy 

2 B. Paru 1809. 1815. 3 Voll. 8. 1825. 4 Voll. S, ; 'a99c u» 

commentaire par dt Saint •Surin^ Pari$ 1821 K 4 Voll. 8. 

J 'j d. iöfter.« MVergl ^-»iclL^rfiWefe, Tli. VI. JBr. IL . Warton'» 

,: A uV«rptf«t ükiTjRoi^o, :4^ y?|>ßw. S., 2J17.,. nelii9r^>,iG|rQndrirs 

'; ,., einer Theor. der scJl Wis«. S. 93 ff. — Lu PucflU d' Orleans, 

, * Po^me en vvigtetun chant; Pari» 1797. 2 Voll. ^4.; Paris an 

* ^ rm.' (1800.)*2Tbff. 'ä; in der Angabe der Voltaire'schen 

<'" WerVe Ton-^eatitiiarebai^, B. XI. Sw Bootetwelr*s Grescli. 

< I der Poesie öd »peredsiimkcit, B.. VI* S. 358 ir.ir- Aach M- 

:,jge«de kleioi^reGfl^Mf^J^m^'i^ ^^ hierber rechnen: Ffrf^F4priV 

. ,j.^ofif|e de JJfr. Gresset^ v, $e$ Oeuvrei^ T. I. — tCaquet-Bom- 

. ,bec,.la poule a n^a^Tanie'^ Poeme hadin de Junquieres; Par. 

' ^liW^ 61''-- La Üundiäde.'ou la Ouhrre der Sots, par Palit^ 

iiv-^ifi^ ^^tiiMräi' (Pdt.^yVfBh 2 nUiS. -^'Von mehreren s. 

(Beorie; fiL«A»g< B. .IV. SMi62v , 




Das.komiasbt Epos. <ftt 



.,f, » .!< 



In- orteloieller, hamortetlscher Willst «'^cfafri^ 'Unter 




dependeotea siad.. VoU f^Q€» wd ^Wt^ren .Scher- 
zes, uod reich an gMcklkUvr: DiirstellciDg iet^dbr liok- 
kenraüb von Pbpe, d^sisten Ddnci'iörrfe-iW^^ 
sehe als scberzhaffe Epopöe. ist. Voü'äer leiztiereh Art 
ist auch Qarth;« Annenap,othqk^,,.ei^e, ^^cWiche 
Naehahoiung dea Chorpultefi/ ^on. Bfiileau. .: :: { ...r :, 

Sam, Butler'i Hudibrai, with large ahnotaHomby Zach, Orey, 

Lond, 1744. 1800. 1806. 2 Voh. 8.; by Naih, Lond, 1793. 

3 VoU» 4. Deutsch, im Versmaalse des Originals, yon Dt. 

W. Soltan; K5nigsl)?rg.l79& 8. V^ Dnsch's Briefe, Th. 

VT. Br. 14. Bouterwefe, Bd. TIT S. 431 ff. Pope' 9 Rape 

of the Loqk^ an keroi-comical.paßmf Lqnd, ^7p9^ ^** ^^ ^^° 

Werken^ 2. B? mth notei of Warburton, War ton etc, by 

W. Liile Bowle$, Lond. 1806. JO Voll. 8. Der Lockenraab, 

frei i|nd metrisch fibersetzt von' 6. Merkel; Leipz. 1797. 8. 

Vergf. Wattod's tcrs. Ober ihn, d. üebfets.' S.'m Düsch's 

Briefe, Tb. VL Br. 13. *- Pöpi^B 2)«»tfiörfi»ittW. WMen> wd^. 

die vqn J.Jac.Dttsch, Altana m8T^ 611 5 BAe. 8.^ «beidobü 

sii^ ,— Sam, Oarth^i Di^pettMaryjt a pmsn\,^\Lof^, l,7jPf.»^ 

Vergl. Warton a. angef. O. ,S. 194. .Dnscb's Briefe, VI. 12, 

Bouter^eV* Bd. VII. S. lOo ff. — Von mehreren s. Sulzcr^s 

Th. N. Angg. B. IV. S. 286. ' • • 

Die komischen Heldengedichte von Zachaf i^ i^2it\i- 
ten anch das deutsche Publikum mit dieiser Bichiarf be- 
kannt, und einige darnnter' behaltet tihch' immer' ifi'^ep 
Werth. 6z' s Sieg des tiebesgotfes' gefällt mehr dufcK 
feine Wendung und wdhlklthgetrdei Verse, als ' durch Er- 
findung und glückliche Behandlung des Inhaltes.^ Die 
Wilhelmine des Herrn von Thümmeil, iViewolhl in 
prosaischer FfrQi, ist za-dep gdlungeosten \Verken die- 
ser Art zu reebnen. 

ZachariS*8 komische EpopSen: der Renommist, die Yertfandlim- 
gen, das Schnnpflodk, der Pbaeiton', itittfner in der HSIT^, die 
Lagosiad^f ond Hercjtda, stehen im «rsten Bande ib. "p ö ^ ti sie h e n 



86 Epqsi 

rte'scheiiien/ diiir «^odi ättete £IemenM ^eukbalte»^ aud 
v«o> derSajgO' ai«f!de]l:Uiii)dtfn:Bar€l6ii Osaia»^« deil« Sohb 
FiDgslff (am laOflhjL Chr.) iBerdck^eflihEt JVTerdenc Sie 
8cUie{Mnr:?idi*:;ziuii!!lQlreil':ia! zivci' ;gntfdeiie e|[>Ud»e 6«^ 
dichte, Fingal und Teinora, zusamineD, welche- die 
Thatten tind Sciü^ks^Ie Fmgald'und'aiJderer fiBT<^li6 Va- 
trt'ltttrd^giBfallööfei' Hfelden YeAeirTicheri/ titf ergtäfend 
weamp^mi<^^ Ur^nqiQn oe^rsch^ ui innep vor;f^ub|eruaupt 
^»gW.:«fe ejif|j»;Jy;fi^hei^,Cii«r:^)^^^ s^nA^yf^^t^ent- 

felpaC • ¥.9q ^d«f L pinsftfscbtii .Darstellung i. lies leijgeiittichen 
Epos, indem sie ulisr"1fiiG&t,''-\vfe "^äie^^tioteerisiäieti '»Ge- 
dichte, bestimmte Gestaltdi^ in'Jdarer Beleuchtung, son- 
dern^ ^^chWdn1l*«bd^MNbb^1Id^i<i]^ • uilg^mssem H^itdun- 
kA"iblfe«tt:»-i^ bi^^'S^irtl, -VefeWie'*er'd<imEr«chdtt^il 
^h'fltk'6ym^'ä^h^'B' öfaglisch^t- Uebersc<«itig • d^' Oa^ 
rfMiVcU)!i4^^D^' iiber dere^ 

siiid- fe^zt' VölUg<^b^s«itigt; • dbc«^räli^ 'Sm^mff^^mW 
nmncKeWSSfcfehrlfehkHteA^^ii^ "•» "' iiitoL 

italienisch vou Mich. Cesarotti, Pisa 180 U 4 Voll Sr, fraiizös. 
T. Letonrnenr, Paris 1810. 2 yüll.'8.';"deutscli' yon benis^ 



II:« I 




";T)iä ttaejfiVcAe'Or^girialewdffign^ffiU^ hjpT: TAipo^//«« c/Os^ 



ticity of the pomPii'X &Jfii}id}ir:''Lond: ttM: ^ Volt: ^. H. 

Neue Aasg. des gaelischen Originals, vob J. Macgreeor Mur- 
^ruj^^voiet'itsd 'tlUlirDma' Oiwiir «itiÄtc [/Jim, ftfif Un cur 
^yomß^ü^MQn tnßüh X(ntch^ßnPß.jwmHißik fMcgotUaehd, iDutt- 
. flidin (Edinbur^k) 1818, 8, Aus ,deoi Gaelischen im S^Iben- 
. nuSse dcs,Originat^vpnÄLlwarÄt;ieipJs. 1811, 3 Bde. 8.— 
*" Anfser der fJntersactiaiig Von Sinclair hat die sthottiscHe Hoch- 



Roman. 97 

K. Rosenkranx Aestbetisdie und poetische Iffittlieilongeii; 
Jllagdeb. 1827. 8. S. 1—40. Th. Hundt Kritiscb^ Wälder; 
Lelpz. 1833. 8. S. 131 ff. 

§• 108. 

Der Roman, wenigstens in seiner höheren Bedeutiing, 
zeigt uns, wie ein Individuum an mannigfaltigen äuCseren 
Begebenheiten und durch Berührung mit verschiedenen 
schon charakteristisch bestimmten Personen sich aus sei- 
ner vorerst unbestimmten Anlage zur Klarheit lind Ge- 
wifsheit seiner selbst entwickelt und durchbildet. Es 
tritt in eine Wechselbeziehung mit der ganzen äufseren 
Welt, geht durch eine Mannigfaltigkeit von Lagen hin- 
durch, und findet in den mit seinem Streben fiberein- 
treffenden oder contrastirenden Ereignissen sein Schick- 
sal. Ein wesentlicher Punct aber in der romantischen 
Schilderung der Charakterbildung und Yermittelung des 
Einzelnen mit der Welt ist, dafs bei der Einseitigkeit 
eines jeden der beiden Geschlechter eines in seiner Be- 
ziehung zum anderen seine Vervollständigung suche, daCs 
die Liebe die innersten Tiefen des Menschen erschliefse 
und zur Erscheinung bringe. 

§. 109. 

Mit der eigentlichen Handlung, wie sie im Drama 
ist, hat der Fortschritt des Romanes ZTifar diefs gemein, 
dafs die Schicksale des Helden mit seiner Persönlich- 
keit in nothwendigem Zusammenhange stehen, dafs die 
Fäden der Begebenheiten durch wesentliche Charakter- i 
zöge, nicht durch äufsere materielle Einwirkungen sich ^ 
verknüpfen und lösen: allein wenn es im Drama darauf 
ankommt, dafs That(^ aus dem bestimmten, schon fer- 
tigen Charakter mit Nothwendigkeit hervorgehen, so han. 
delt es sich im Roman um die Bildung und Entwicke- 
long des vorerst nur als Anlage vorhandenen Charak- 
ters. 

§. 110. 

Der ganze Reichthum des Lebens, in dessen Mitte 
der Held steht, concentrirt sich in diesem, wirkt auf ihn 

EwOienb. Th. . 7 



9(» Roman. 

ein «ind wird voo ihm modificirt. Der Roman ist so- 
mit , während das Interesse an dem Helden haftet, zu- 
gleich allgemeines Bild des Lebens. Diese Universali- 
tät des Romans zeigt sich auch in seiner Form, welche 
der Allseitigkeit des Lebens entsprechend, und des me- 
trischen Gesetzes sich enläufsernd, Elemente von allen 
poetischen Gattungen in sich aufnimmt, indem er bald 
durch einfache Erzählung mehr episch, bald durch dia- 
logische Form mehr dramatisch, bald, wo Gefühle sich 
aussprechen, wie vorzüglich in Briefen, mehr lyrisch 

erscheint. 
Um venchiedene Arten von Romanen festznstellen , nimmt man 
entwed^f mif das Yorherrachen einer der genandlen Formen 
Rficksiclit; oder, wie ein nach allen Richtongen anagehildetes 
Zeitalter dem Roman die ▼erochiedenartigsten Seiten, den man* 
nigfaltigsten Stoff darbietet, lassen sich philosophischt, sen* 
tiraentale', humoristische, satirische, Reiseromane, 
idyllische oder Schäferromane n. s. w. unterscheiden. — 
Nicht unpassend ist der Roman, jenaehdem er in den höheren, 
mittleren oder tieferen Sphären des Lebens verweilt, jenacfadeni 
er Charaktere und Begebenheiten entweder erhaben, oder schlicht, 
oder keck und derb zu seichnen pflegt, von Jean Paul mit der 
italienischen, deutschen und niederländischen Schule der Malerei 
▼eiglichen worden. 

§. 111. 

Von der ihm verwandten erdichteten Erzählung 
in prosaischer Form unterscheidet sich der Roman vor- 
züglich dadurch, dafs in ihm nicht die einzelnen Ereig- 
nisse das Wesentliche sind, sondern der Charakter, der 
an der Aufsenwelt, in Wechselwirkung mit derselben, 
sich entwickelt; dahii^gegen die Erzählung, von gegebe- 
benen Verhältnissen ausgehend , dvrch Schilderung von 
Situationen und Ereignissen interessirt, die dann mehr 
anf einen Charakter einwirken und ihn umgestalten kön- 
])en, als durch ihn bedingt werden. 

§. 112. 
Die Novelle (ursprünglich bei 'den Italienern wr 
eine unterhaltend vorgetragene, neue oder neu erzählte 



w w 



Erzählung. Novelle. • Mährchen. Legende. 9Ö 

Anekdote) stellt den Yerhiuf eines in sich abgeschlossenen 
LebensverbSltnisses von allgiemein menschlichem Interesse 
dar, zu dessen Entwickelung sie als zu einem nothwen- 
digen Schlüsse hinstrebt. Die Handlung begreift hier ge-* 
wohnlich einen kürzeren, aber entscheidenden Zeitab- 
schnitt, welcher Vorhergehendes, und Nachfolgendes in 
sich zusammenfafst. Ein Roman kann aus einer Reihe 
TOD Novellen bestehen. 

§• 113- 
Das Mährchen, ein anmuthiges ' Spiel der Phan- 
tasie, 'das dem Traume gleich von dem Gesetze der 
Wahrscheinlichkeit entbunden ist, bildet sich für seinen 
besonderjen Stoff einen eigenthümlichen Kreis mythischer 
Gestaltungen» die eine unmittelbare Deutung auf nattir- 
liche und sittliche Mächte zulassen. Der Orient ist vor- 
zfiglich reich an MShrchen, die zum Theil als Yolks- 
poesie sich erzeugt und als Sage fortgepflanzt haben. 
Vgl Herder's Adrostea, III. 132. 

§. 114. 
Die Legende erzählt mil: der Einfalt eines from- 
men, gläubigen Gemfithes eine wunderbare Begebenheit 
besonders aus der früheren Zeit der christlichen Kirche. 
Die Form kann sowohl metrisch als prosaisch sein. 
Vgl Herder'8 Zerstr^te Blätter, Y. 247. und Adrastea St 3. S. 
189. — L. Th. Kosegarten's Vorrede za seiner Sammlong 
von Legenden; Berlin 1804. (n. A. 1810.) 2 Bde. 8. 

§. 115. 

Unter den verschiedenen Arten romantischer Erzäh- 
langen sind im Orient die Mährchen TorzOglich ein- 
heimisch. Die allbekannte arabische Mährchensammlung 
Tausend und eiiie Nacht, welche, aus sehr frühen 
Zeiten stammend, vorzüglich indische, persische und ara- 
bische Elemente in sich vereinigt, ist in mannigfaltigen 
Formen auf uns gekommen , die sie in' den verschiede- 
nen Ländern des Orients angenommen hat. 

Arabisch heransgeg. in Calcntta 1814 — 1818. 2 Voll. U. 4.; nach 
einer Haftdtcbrift avs Tonis, mit Bemitinng einer sweiten, ana 

7» 



llBjO Roraan, 

Ägypten, von Habiqht, Breaba 192^,-- 27. S Voll., 12. - 
fraDzösisch von A. Galland, Paiis 1704. 12 Voll. 12.; voUslSn- 
diger Ton Caassin de Perceval, Paris 1806. 9 VoH 12.; 
Yon Gauttier, unter SBtvrirknng yon Langl^s, Paris 1822. 
7 VoU. 8.; von Destains, Par. 1822—2». 6 VoU. 8. — deotsch 
von Habicht, von der Hagen nnd K. Schall, Bresl. 1825. 
(verm. Ansg. 1827.) 15 Bde. 12. --r.Eüie Anzahl in Aegypten 
neu aa%efandener Mährchen hat Jos. v. Hammer ins FranzS- 
sische nnd danach A. E. Zinserling ins Deutsche übersetzt, 
Stuttgart 1823—24. 3 Bde. 8. 'Nachdem das MannscHpt der 
V. Ha mm er sehen Uebersetsong dnrch ein seltsames Gescbick 
znisehen Paris nnd London verloren gegangen war, erschien 
eine neue franz.' Uebeis. von G. S. Trebntien» P^ris 1828. 
3 Voll 8. — 

AuCser den Mährchen besitzt Arabien einen VolUsroman von den 
Abenteuern und Sprüchen des. Dichters Antar: Antar a Bt- 
doueen Romance trand, from the Arabic hy Terrick Hamilr 
ton; London 1819. 4 VoU. 8. 

Ans China sind neuerlich eine Anzahl eigentlicher Romane be- 
kannt geworden und haben eine ziemlich allgemeine Aofmerk- 
samlceit erregt: Hao-t$ian: Chineie CourUkip in ver$e, to 
which i$ added an appendix etc. hy P. Perring Thom$j Lond. 
and Macao 1824. 8. — Ju-Kiao-li, ou le$ deux Coutineij 
Roman Chinoii, trad. pat Abel- Remu tat; Paris 1826. 4 VoU. 
8. — Conteg Chinoii. , trad. par Davis, Thoms, d'Entre^ 
coUet etc. et publ par Ahel-Remusat; Paris 1827. 3 Voll. 
8. — HaU'Kiou-Choaan, ou Vunion bien assortier Roman Chi» 
nois; Paris 1828. 2 Voll. 8. o. a. m. 

§. 116. 
In seiner jetzigen Weise war der Roman bei den 
Alten nicht gewöhnlich, die ihre erdichteten ErzähloDgen 
dem Charakter derselben gemäfs in metrische Form ZQ 
kleiden pflegten. Aus dem späteren Alterthum haben vrir 
indeCs einige hieher zu rechnende Arbeiten griechischer 
Schriftsteller, die nach dem Inhalte ihrer Erzählungen 
Erotiker heiCsen. Von dieser Art sind: Achilles Ta- 
tkiSy Heliodor, Longus, Xenop.hon aus Ephesus, 
Chariton, Eustathius und die beiden Verfasser er- 
dichteter Briefe Aiciphron und Aristaenetus. Aach 
lassen sich einige StQcke des Lucian und aus der rO- 



« • 

» • • • • 



Roman. 101 

misdieii LiUeratuur ^er i^tirisdie Roman des A pul ejus 
hierher rechnen. 

Ueber die Entslehong der, Romane 8. Dan. Huet, de Origine 
Fabularum ßon^ßn^um; Hag. Cpm. 1682. 8. FraBzdsiBch 
Par. 16d3. 12. Tho. Warton' $ Disiert. on tke Origin of 
Romaniic FicHon in Enrope^ vor Bd. 1. seiner History of 
Englith Poetry; übers.* im Brittischen Mnseom für die Deut- 
schen, B. 3. 4. Dunlop Hiitory of ficHon^ 2. ed.; Edinburgh 
1816. 3 Fo^/. <8:= YaL Sehmidt in Wiener Jahrb. Bdl 26. 29. 
31. 33. -^ M^-nso Aber jie gnecbisehen. Romane, in Bd. 2. sei- 
ner Vermischten Scliriflen; Leips. 1801. 8. Villemain Eaai 
litter aire sur le$ Romaiu grecM, yor Bj. 1. der Collection des 
Romans grecs trdä. en frang.; Paris, Meirlih, 1822. 15 Voll 18.* 
Chardön de la Robh^fte, Melanger de critique et de Philo- 
logie, T. 2; •€. L. Strafe A|>handL nnd Reden^ S. 257 ff. — : 
Ser^ptares. Erotiei Graecij, edi C. W. Mitscherlioh; BiponH 
1792 — 98. 3 Von. 8. (enthalten den Achilles Tatins, Qe- 
liodor, Longns nnd Xenopbon Ephesins). — Achillis 
Tatii dt amoribus Clitophontis et Leucippes lAbri TJIL ed, 
R. G. L. Boden; Lips. 1776. .8. ed. F. Jacobs^ Lps. 1821. 8.; 
iibers. (von Ast nnd 6fifl3enapfel.) Leips. 1802. 8. — He- 
liodori Aethiopicorum Lib. X. ex ed. Bourdeloti; Par. 1619. 
8. Lips. 1772. 8. ed. D, Coray; Paris 1804. 11 Voll 8.; dar- 
nach Leipz. 1805. 2 Bde. 8.; übers, yon K.'W. GSttling, 
Frankt 1822. 8. — Longi Pastor alium de Daphnide et Chloe 
lAbrilV. ed. Boden; Ups. 1777. 8. ed Villoison; Paris 
1778. 8. ed. Schäfer; Lips. 1803. 12.; TervoIlstSndigt durch 
P. L. Courier; Rom 1810. 8. ed. 2a, cuf. G. Lud. de Sin- 
ner; Paris 1829. 8.; griech. u. deutsch t. Fz. Passow; Leipz. 
1811. 12. — Xenophontis Ephesii Amores, ex ed. Anl 
Coechii; Lond. 1726. 4. u. 8. ed A. E. de Locella; Vin* 
dob. 1796. 4. ed. Peerlhamp, Hartem 1818. 4. Deutsch von 
J. G. Krabin g er; München 1820. 8. — Chariton de Chaerea 
et Calirrhoe, ed. L P. dOrville; Amst. 1760. 3 Voll 4. Lips. 
1783. 8., Vened. 1812, 4. Deutsch von Heyne; Lpz. 1753. 8 — 
Eust athii de hmeniae et Ismenes amoribus Libri XL ed. 
Gaulmini; ,Par. 1617. 8. ed. Teucher; Lipsiae 1792. 8. 
Deutsch in Hellas von Ern. Christine Reisice; Mietau 1778. 
8. Th. 1. — Alciphronis Epistolae, ed. Bergler; Lips. 1715« 
8. ed. Wagner; Lips. 1199. 11 Voll. 8. Deutsch von He- 
rel; Altenb. 1767. 8. — Aristaeneti Epistolarum Libri IL 
c. fi. var. ed. F. L. Abresch; Zwollae 1749. 8. Lectionum Ari- 
staenetear» Libri iL ibid. eod. Variorum ad Ar. conjecturae; 






102 Roman. 

Amt. 1752. 8. Deatsch von Herel;iAIteiib. 1770. 12. ^ 

• • • 

Lud an i Imaginei; Verae Hiitwriae LL, IL: in Opp» -7 
£r. Apulefi Metamorphoseo» de Atino Aureo^ Libti XL c. 
unim, Oud^ndorpii. T. L ed, Dav: Ruhnken, T. 2. Z. ed. J. 
Bottcha, Leiden 1786-^1823. 4.; fibcfrs. von A. y.' Rode, 
Beri. 17S0. 8. 

§. 117. 
Schon im frühsten Mittelalter. gab es vi^Ie« .meistens 
metrisch erzählte Ritterromane ziemlidi bei alkn nur 
einigermafBen gebildeten Vldkern. Hier richten wir aber 
unsere Aufmerksamkeit zanächst auf die neueren Werke 
dieser Art, die nicht allein in historischer Hinsicht, son- 
dem auch wegen ihrer künstlerischen YoUeadung ge- 
kannt zu sein verdienen. Dergleichen sind unter den 
spanischen die von Cervantes, Quevedo undHur- 
tado de Mendoza. 

Ueber die alteren metrischen Rilterromane 8. Dr. Percy'f Essay 
an the ancient metricat Romances \n Reliques ofancient EnglisK 
Poetry Bd. 3.; be68«r Eichhornes Allg. Gesch. der Kultur n. 
Litt, des neueren Europa, B. I. S. 70— 260. Dunlop History 
ofßetion, 2. ed. Edinb. 1816. 3 Voh, 8. Ein TitelveneicbniTs 
vieler filteren Romane in mehreren Sprachen, in DaFr^snoy*s 
BUdiotheque des Romans, T. IL und von deutschen Gedichten 
dieser Art, in der Einleitnn;; zu v. d. H^gen^s n. Bfisching's 
deutschen Gedichten des UUtelalters; Berl. 1808. 4. S. III £P. - 
Miguel de Cervantes Saavedra Vida.y ^Heckoi del inge- 
nioso Hidalgo Don Quixote de Ja Manchä; Madrid 1780. 
1784. 4 Voll. 4.$ ühers. von Bcrtuch; Weimar 1776^77. 
N. A. 1780. 6 Bde. 8. von Tieck; Berlin 1799 ff. dritte. Aufl. 
1830—32. 4 Bde. 8. von Soltau; Königsberg 1800 ff. 6 Bde. 8. 
Novelas Exemplares, en Haia 1739. 2 Voll. 8.; übers, von 
Soltaa; Königsh. 1801. 3 Bde. 8. La Galatea; Madr. 1736. 4. 
Los Trahajos de Persiles y Sigismunda; Madr. 1617. 4. — 
.Don Francesco de Quevedo y Villegas Historia de la 
vida del gran Buscon; Ruan 1629. 8. n. a. m.^ in f. Obrast 
Madr. 1736. 6 Voll. 4. •— Don Diego Hurtado de Men- 
doza, Vida de LazarUlo de Tormes; Tarrazona 1586. 12. 
Gotha 1810. 8. — Ucber den Cervantes u. s. Werke, vergl. 
Bouterwek's Gesch. d. n. Poesie u. Bereds. B. III. S. 335.; 
. über Quevedo, e. d. S. 461.; u. fibe^Hurtado defliendosa, 
e. d. S. 186. Von mehreren anderen; e. d. S. 451 ff. 



Romati;^ 103 

' ■■ ••••■■§■.••'118; ■■■ ••■ • • 

II.. ••^ ' ... 

Ah der Stelle des lÜoii^iBiDs bildete sich in Italien 
die Novelle Qder l^lejnere.ßjifosai^cj^^. JErzäJiIung in Ißich- 
tew, ^]ieg9i\teu und wit^ü^a Stil^ APs. Den gröCsten 
Rohm erlangte' in dieäer Gattung' Boccftteio im vier- 
zebnteä' Jahribunderte durch seiti^ Sainuilun)^ von hun- 
dert Npv.ellen, später, il Decamerohe genannt. .^ Ihm 
folgten. Sa cchetti^. Bandello, .Giovanni^ Cinthio, 
Sapsovi9o,.Strapiaroila,.der. Abbate Gaati, .Cesari 
0. A. nach. Erst in der neueren Zeit wurde auch der 
eigentliche Romeup, veniucht, in .welchem s^ch Ugo Fo- 
scolo, Manzpni.und ^osini:{iervorthate^. 

heni .htoria deUa volgßr Poetia^T* L.Jj,V^ A. M. Borro-, 
meo Sotizia de* Novellieri ital. Bauano 1794. ed, 2. 1804. 8.: 
B. (jramhä Bibliografia delle Novelle itaL, Venexia 1833. 8. 
Das tu §. 89. angef. Werk Ton Ferrario. Echterineyer, 
Henschel a. SiarxxxkBibiiotliek der Novellen u.«.w. Th.4fr./ 
aveh UDter i. Tit^l; ISoyeIl.feD9ehatz der Ital. Berl. 1832. 8. Die 
ältesten. scl^SizbarsteNovellensaiumlmig: IMroldi hei parlar geti' 
Hie, contenente Ce'nto Novelle Anticke, — zuerst gedruckt Bol, 
1525. 4. ed:daD. M. Af «»»;»; FirenzeillS, 79. 2 Voll 4. Eine 
andere Sainimlans: Novelle di alcuni autori Fiorentini: Lond, 
(Livomo) 1795. 8. Beiae' Sammlungen m: Raccolta di Novelle 
dalV origine della linguä sin alllOO. ; Milano 1804. 3 Vol. 8. — 
II Decamerohe di Giov, Böccadciot Fir. 1527. '8. (Genau 
abgedrückt zu London' durcd Rolli, ebne Angabe der Jabr- 
»hi;tl. 4.) Ven. jn9: S:^ L6nd6n (Livomo) 1789-90. 4 Vol. 
8. Danacb Milanö 1803. '4 Voll 8. Opere aolgari di Qiov. 
Boccaccio correrie hi i testi a penna (ed. Moutier); Firenze 
1827 — 33. 14 Voll 8. S. 'tstairia del Decamerone di Boccaccio; 
da D. M: Manni; F»r. 1742. 4. Vcrgl. Bonterwck's Gesch. 
d. n. I^oesie u. Bereds. B.^ S. 206 ff. Fr. ScTilegers Werke, 
B.X.S.1— 36. — Novelle di Fränco SacchetH; Fir. 1724. 
2 Voll 8. Lond. (Livorno) 1795. 3 VollS. Milano 1804. 3 Voll 
8< — Le Novelle di Matieo Bandelloy Lucca 15'54. 3 7\ifii» 
4. — II Pecorone di Sef Giovanni; Milano 1758. 8. — Lo7id. 
(Liv.) 1793. 2 Voll S: MilaAolSOi. 8. — Gli Hecatommithi di 
Oiraldi Cinthio; Venez, 1574. 4. — Cenie Novelle di Fr. 
^antovinöy hcelte da* piu nobUi Scrittori; Veti/cx. 1563.' 8. — 
^ tredeci piacevoU NotH di Straparola; Venez. 1573. 8. — 



104 Roman. 

NovOle QaUaiH ii G%amh€ti9tm Casti; ldp$. 1802. 2 VolL 
a — NoveUe ii Ant. Cetati; ikrenase 1829. 2 Voü, 8. Aach 
die Quattro NoveUe narrate da un maeetro ii tcuola (Balho); 
Torino 1829. 8. ▼erdienen bier emvllmt za f^erden. — Vgo 
Fo9eolo ülHme Uttere dt Jae^po Ortü, MilanQ 1802. a imd 
• Öfter; dem fitoffe nich mit Gdthe's Weither nahe lenfindl. 
Vgl PeeehM'Vüa ii üg^f'oie^; Lugmut 1804^8.-^ Ale »sam- 
iro Manxoßi Iprome9ti spo$i, itaria mHantee iel ucolo XFIL 
MHäno 1827. 3 VolL 8. Daran scUielst fcich als Fortsetzimg 
O. Roiini ^Eä'inonadä ü Monxd, öfter gednickt Yon dem- 
. selbeo; Imiea Siroaatis itoria iü eee. XVI. Piem 1833. 4VoU. S. 

§. • 119, 

' Ohne bi^i dein zahlreichen ftiteren Romanen der 
Franzoseü zu rerweilen, nennen wir nur als einige 
der bedeutendsten Boinaußchriftsteller, welche seit der 
Fixirung der' französischen Sprache geblüht haben, Pre- 
▼ 6t d'Exilles, Marivaux, le Sage, Crebillon, 
Rousseau, Voltaire, Marni,ontel, d'Arnaud, den 
Grafen von Tressan, Flori&n, Bernardin de St. 
Pierre, Chateaubriand, Salvandy, Victor Hugo 
und die Schriftstellerinnen; Grafignj, Riccoboni, la 
ü^ayette, Genlis, v. Stael, Krüdener, Göttin. 

Aassfige der älteren französischen Romane liefert die Bibliotkepie 

UniveruUe de$ Romant; Parti, JuüL 1775 — Juin 1789. 224 

Thle. 12., fortgesetzt als Nouvelle Biblioth^ptt iei Ronuau, 

112 Tble. 12. Ueber die kleineren romantischen ErzShlangen 

ans alterer Zeit s. nnten §. 125. — Prevoit d'ExiUei Mi^ 

^ nunrei i'un komme ie faalite; Amet 1735. 7 VoU. 12. Hi§^ 

, toire ie CUveland; ütr. 1734. ^ VoU. 12. Le Doptn ie JKtf- 

lerine^ 4^^* 1743. 6 VolL 12. Memoirei i'un hanniie kommen 

Amu. 1746. 8. Hiit, iu chev. ie Qrieux ei ie üfsiioit VEaeants 

Par. 17^7. 2 VolL 8. Oe«9res chotiiee; P^r. 1811 ff. 39 VoU. 

8. — De' Marivaux Marianne; Haffe 173a 12 Pariiei^ 

fibers. .Tjon^ Fraa Unger; BerL Le Payian parvenu^ Hmfe 

,1757, 8 PP. 12. Phanamon^ ok lee nouveUee foliee ramanee" 

guei; Par. 1131. 2 PP. 12. — Le Sage Hiitoire de Gilblae 

de SanHUanei Par. 1747. 4 Voü. 12. Hiitoire i'EüepaniUe 

GonxdUx; Par. 1741. 2 VoU. 12. Le Diablo Boiieux; Amei. 

1759. 2 VoU. 12. — Crebillon U FiU, U Sopha; Par. 1749. 

2 VoU. 12. Ah quel Conie; Brux. 1755. a n. a. m. — J. X 

Bouaeau Inlie, ou la NouveUe Betoiee; Amü. 1763. 3 VoU. 



Roman. IM 

12. ^ De Voltairt Canäiie «« VOpl%mi$m$; liM«^ ^760; 
12. Zad»g et Microm^oMt petit§ Conte$ vu a.. In idm^n Oett» 
vre$9 Tom, 44. 45.; Gotha 1787. 8. — De Marmoktel Conr 
te$ Moraux; Par. 1763. 3 Voll 12. Nouveaux Conüi läo* 
raux; a Liege 1792. 2 Voll. 12. Beluaire; Par. 1766. 8. 
Lee Incatf Par. 1777. 2 Voll, 8. Oeuvrei comjd, il^ar.liSl S. 
17 Voll. 8. — Oeuvrei de d*Ärnaud; Par. 1779. 10 Fb//. 8. 
— Oeuvrei du Comte de Tret$ap; Par. 1788 ff. 12 VolL 8. — 
Galathee, Roman Paitoral par Mr. de Florian;^ Par. 1786. 
12. EtUlle, Moman. Paitoral, par le mime; Par. 1788. 12. 
n. a. m. Oeuvra; Leip». 1800 ff. 13 Voll. 8. — Bernardin 
de St. Pierre Paiä et Virginie; Par. 1789. 18. La cüaac* 
miere indienne; Par. 1791. 18. . Oeuvrei; Par. 1820. 18 Voll. 
18. Chateaubriand Ätata > . Hene, NatcheZg Lei Martyn, 
Lei aventurei du demier Aheneerage, in dessen Oeuvrei; Par. 
1826—31. 28 Voll. 8. N. A. Salvandy Don Monxo; Parti 
1824. 4 Voll. 8. Victor Hugo Ban dJilanäe;Par. I82a 
4 VoU. ;2. Bug Jargal; Par. 1826. 18. lüotre Dame de Pa- 
rte; Parii 1831. 2 Voll. 8. Oeuvrei; Parts 1832 ff. 8. — 
Lettrei ,Penttoienneiy par Mad. de O'rafigny; ^inil. 1775. 
12. Oeuvrei; Par. 1721. 8. — Oeuvrei de Mad. de Rieeo- 
hont; Neufchatel 1781. 10 Voll. l\ ^ La Princeae de C7^- 
vei, par Mad. de la Fayette; Par. 1791. 2 Voll. 12. — 
Adele et Theodore j par Mad. de Genlii; Lei Chevalieri du 
eigne; Lei merei rivalei nnd andere Röinane derselben, in ih- 
ren Oeuvrei compl. Par. 1791. 17 Voll. 8. — Delphine, par 
Mad. de Stael-Holitein; Par. 1804. 3 VoU. 8|. Corinne, 
au rjtaliey par la mime; Parti 1807. 4 Voll. 1% Oeuvrei; 
Par. 1819 ff. 8. — Valerie, ou Lettrei de Guitave de Linar a 
Emeite de G. (par la Baronne de Krüdener); Leipx. 1804. 
2 Voll, 12. — Malvine; Amelie Mamfield; Etitabeth; Ma- 
thäde, par Mme. Cottin, in d. Oeuvrei; Par. 1800. 5 Voll. 8. 

§. 120. 

Bei den Engländern ist der Roman zu einer be- 
sonders hohen Ausbildung gediehen. Von den zahlrei« 
chen Yer&ssern englischer Romane^ nennen wir indefis 
nur einige der berühmtesten: Richardson^ Fielding 
Sterne, SmoIIet, Goldsmith, Horace Walpole, 
Uackenzie^CumberlandyGodwin, Lewis, Moore, 
Holcroft, W. Scott, Bulwer und die Amerikaner 
Cooper und Washington Irving; endlich die Frauen: 






9b Roman. 

ein und wird von ihm modificirt. Der Roman ist so- 
mit, während das Interesse an dem Helden haftet, zu- 
gleich allgemeines Bild des Lebens. Diese Universali- 
tät des Romans zeigt sich auch in seiner Form, welche 
der Allseitigkeit des Lebens entsprechend, und des me- 
trischen Gesetzes sich entäufsernd, Elemente von allen 
poetischen Gattungen in sich aufnimmt, indem er bald 
durch einfache Erzählung mehr episch, bald durch dia- 
lo^sche Form mehr dramatisch, bald, wo Gefühle sich 
aussprechen, wie vorzüglich in Briefen, mehr lyrisch 
* erscheint. 

Um verschiedene Arten von Romanen festzustellen , nimmt man 
entwed^f auf das Vorhernchen einer der genandten Formen 
Rücksicht; oder, wie ein nach allen Richtungen an^ebildetea 
Zeitalter dem Roman die verschiedenartigsten Seiten, den man- 
nigfaltigsten Stoff darbietet, lassen sich philosophische, sen- 
timentale*, humoristische, satirische, Reiseromane, 
idyllische oder SchSferromane n. s. w. unterscheiden. — 
Nicht unpassend ist' der Roman, jenaehdem er in den höheren, 
mittleren oder tieferen Sphären des Lebens verweiH, jenaehdem 
er Charaktere und Begebenheiten entweder erhaben, oder sehlicht, 
oder keck und derb zu teichnen pflegt, von Jean Paul mit der 
italienischen, deutschen und niederländischen Schule der Malerei 
vecglichen worden. 

§ 111. 
Von der ihm verwandten erdichteten Erzählung 

in prosaischer Form unterscheidet sich der Roman vor- 
züglich dadurch, dafs in ihm nicht die einzelnen Ereig*- 
nisse das Wesentliche sind, sondern der Charakter, der 
an der Aufsenwelt, in Wechselwirkung mit derselben, 
sich entwickelt; dahingegen die Erzählung, von gegebe- 
benen Verhältnissen ausgehend , din'ch Schilderung von 
Situationen und Ereignissen interessirt, die dann mehr 
auf einen Charakter einwirken und ihn umgestalten kön- 
^en, als durch ihn bedingt werden. 

§. 112. 
Die Novelle (ursprünglich bei 'den Italienern nur 
eine unterhaltend vorgetragene, neue oder neu erzählte 






RomaB.: Wi 

^Bupnef (noffi Mri. ii*A^Vctf)J Land. I778..d Ff/i.« 12. Ce- 
eiliay or the.Mimöiit€$ o/ äsK^Heittn;. Land. ITSSLA.Vah. 12. 
Cami'2/«; ay Ake MüA^r Land. 1791. ^Volt. 8; -^ {PA« IF»- 
äoWf by Mn, Rohinfom^ Lond, 1794. 8. Angelinas Land» 

1794. a.Fpft» 8. iL tu m. r-t Mrs. Rad€liffe*$ Romanße of 
ths FartttiiLottd. 1792. 3 Faf«. 8. Mytterif of üdoipho; ib. 
1794.4 ro7i. 8.-11. a.:m;^ üTr«. Charl/SmtiJi's EmmiKna; 
Lond, li88. 5 Folt. 12. Celettimrib. 1791. 4 Fob. 1^ . An- 
derd^-lMliebte Schriftsteller dnd Schriftstellerumeii' Bngbndi auf 
diesem Felde siiidr Capf. Mirryat, Th«od: Hook, .Capt 
Hamilton, Galt^ Mifs' £d^ewortIi,; Mii« PorUr. -^ Ve^L 
B4illantfne*i NawellUti. lAkmry. Edinb. 1821 ff. 8:Fo&. & 
mit Charakteristiken der Schriftsteller yon W.- Scati^ letztere 
deutscht Uelier Leben nnd.iW«rkeder b^irühmiestiBn engl, ro- 
mantischen Dichter, übers, y. L. Rfills tab; BeiL 182& 3Bdbb; 12. 

■••••§. 121. •• '>'.''. -^ 

In Deutschland bildeten sicK iseitdem Mitfelal- 
ter Yelksjfoman^ außy \Tie Till ]5^^®^sE^Agöl»..diö 
Gescbiclite. ypn Faust Ui. a, m. Unter df^ zaMrei- 
cben Werken, welche, seit die deutsche Litteratiir in der 
letzteren Hälfte des vorigen' Jahrhunfdettes einen neuen 
Aufschwung nahm, auf diesem, Felde erschienen, sind 
einige der leinflufsreichsten und. zum Theil gehaltvollsten 
die von Wieland, Göthe, Schiller, Klinger, Hip- 
pel, Jacobi, Heinse, Tbü^minel, Jean Paul- (Fr. 
Richter);; ferner die satirischen und komischen Kömane 
von ^Nicolai, Schummel, Müller, die Familieoge- 
mäld^ von Lafontaine, die Novellen von Tieck und 
Steffens, ij^e £r2ähIuAg^ von Kleist and-Hoffmann, 
die Mährch^n von Musäus. 

Von Dil Eolenspiegel, Strasb. 1519. 4. a. öfter, aiich beartleitet: 
Leben u. sonderbare Thaten Till Eulenspiegels; Präg o. Wien 

1795. 8. — HUtoria von D. J. Fäusten, dem weiibeschrejten 
Zanberer, Frankf. ä. M. loSS. 8.; bearbeitet von Widmann, 
Hamburg 1599. 4.; von Pfitzer, NÜrnb. 1674. 8. - Wieland's 
Araspes und Pantbea; Abenteuer des Don Silvio; Geschichte 
des Agathon; Diogenes von Sinope; Goldner Spiegel; Geschichte 
des Danischmende; die Abderiten; Peregrinns Proteus; Agatho- 
dämon; Aristipp und seine Zeitgenossen; sämmtL in s. Wer- 
ken, Lpz. 1794—1802. 36 Bde. u. 6 Supplementbb. 4. 8. a/l2.; 



-»' I 



108 Boman. 

.'>henNiig<Bg; ton Graber» Lps^. lBi9— 27. 63Bde; 9. ^ r 65- 

\ . tbe*« liddeü des. joageii Wertfi^T^^^IOlheliki M «isten^ li^ahre 

- ' u. Wänderjahre; die Wahiverwirakdtsc^aften;* in*-». Werken, Aasg. 

letzter Hand, Bd. 16 ^23. — t. S^elrflleir's Geistersf^er; (Th. L) 

\' Leipx. 1792; S...^ V. Kling er 's Bamolde», Peiersb. n. Leipz. 

' 1790^-61; fanats Leben, Tbaten nnd Ballenfahrt, ^endas. 1791. 

. a^ G^ebitibte 'Rat)baels de AqiuUa.wPtterab. 1793. 8. Werke, 

- ' Kftuigsk 1809. 12 Bde. 6; w. (Hippers) Lebensläofe in auf- 

• : steigender' JLffliie; Berli'1778^^4 Bdis. 8. «— < Kreda4 nbd Qaeer- 

. sfige des Ritters A bis Z. ;: BeA. 1793. 2 Bde. 8., Werke, Berl. 

: •1827— «8. 12 Bd6. 8. — F. fl. Jacobi's WoUemar; N. A. 

.''. £5nig8berg 1796. 2 Bde. S.i«^ W.B^tnse's Ardin^ellb; .Len^o 

' 1794^2 Bde. 8. Hildegardivön Hohenüial; Berl. 1795. 2 Bde. 

&'-*-tM. Ai< v»iiThttm«iel'StR^en in die imttäglicben Provin- 

! mU Vi^oiFrftnkrdich^ Xeipz.:IZ91 E 7* Bde. 8. ^. J«sn PanPs 

onsicbtbare Loge; Berlin 179^ 2 Bde. 8. Hespems; e. d. 1795. 

.3 Bde. 8. Leben des QaiDtas Fixlein; Baireotb 1796. 8. Bla- 

men-, Fmcnt- und IJforpenstacke; Berlin 1796. '3' Bde. 8. Das 

''KampaneithaI;'Erf. 1797. 8. Der Jobelsenibr; Lelpz. 1797. 8. 

*titan; Berlin 1800 ff. Flegeljabre, 1804; Fiddpfedig^fs Sdimelzle 

^SuBi8etB,4chFlMtz9 1808>;'Kat8^n))ergersBadeffdse,d809<; der Ko- 
met, 18m n..a. m^ Jean Paars. Werke, Berlin 1826-^28. 
60 Bdchen.. 8. — Fr, riicoIai*s Leben und Meinungen des Mag. 

* Sebäldus Kothanker; Berl. 1^7^.' N. A. 1799. 3 Bde. 8. Ge- 
sdiicfate eines dicken' Mannte j 1794. 2 Bde. 8. Leben und Mei- 
nungen« des Sempronius Onndibert; 1798. 8; Y^trante Briefe 
▼pri A4cilbeid.B. an ihre ^Freundin Julie. S. 1799.. 8. — J. G. 
S9bamniers Spitzba^t; Leipz. 1779. 8. Der kleine Voltaire; 
e, d. 1785. 8. — J. G. M fi 11 er' s Siegfried von Lindenberg; 
Lpz. 1790. 4"Bde. 8. 'Komische Romane aus den Papieren des 
•braunen Mannes; Gdtt. 1784 ff. 8- Bde. 8. u. a. m. — A. La- 
fontaine*8*Gewalt.der Liebe; Beri. 179L 4 Bde. 8. Rudolf 
▼on Werdenberg; e. d. 1793. 8. IQara du Plessis; e. d. 1794. 8. 
Leben und Thaten des Freib. Qninet. Hejmeran y. Fläming; e. 
d. 1795. 3 Bde. 8. Familiengeschichten; e. d. 1797 ff. 8 Bde. 
8. und viele a. ml — Ludw. TiecVs Noyellen: Die GemSlde, 
die Reisenden, Ini' Taschenbnche fiir gesell Vergnügen, 1822, 
1823, u. a. m. Eine Reihe von bänden: Novellen, Dresden, 
Breslau u. Berlin, seit 1823. Am bedeutendsten: Der Aufruhr 
in den Cevennen, wovon nur die erste Hälfte, Berlin 1826. 8., 
erschien. Novellenkranz, ein Almanach, Berlin 1831 ff. 12. Des- 
selben Erzählungen, MShrchen vl, A. in seinem Phantasus, Berl. 
1812 -7 16. 3 Bde. 8. Schriften, Berlin 1828-29. 15 Bde. 8. - 
H. Steffens Die Familien Walsetb a. Leith, ein Cjkks von 






Poetische Erzäfilang. 109 



Novellen, StOü 1827. 3.B4e. 8. 2te Aiifl.:B«rL 1830. 6 Bdcb. 
12. Die Tier Norweger, «n Cjklns von NoYeUen, 1— CsteWo- 
velle, Breslaa 1828. 8. Malkolm, eine norwegische Novelle, 
Bresl. 1831. 2 Bde. 8. -^ Heinr. y! Kleist ErzShlnogen, Ber- 
lin UBIO— 11. 2 Bde. 8.' In den ges. Sclirtften, heransgeg. von 
L. Tieck, Th. 31 BerL 1826. 8. — Ernst Thead. Wilh. Hoff* 
mann Phantasiestftcke in Callots Manier; Siertpions- Brüder etc. 
Anagewfihlte Schriften, BerL 1^27 ff. 10 Bde. 8. S.^ttg. 1831 ff. 
12. — lünsäns Yolksmährchen der Deutschen; Gotha 1782 — 
86. 5 Bde. 8. Nene Ansgg. Gotha 1804 d. 1826. — Vgl. Gher 
die Siteren deutschen Romane :-J. Görres die teatsehen Yolks- 
bficher, Heidelb. 1807. 8. — (H..A. O. Reichard) Bibliotbek 
der Romane; Riga 1782—1793. 22 Bde. a Johann Joach. 
Schwabe, Catal. bibl $el Lpx. 1785. 2 VoU^ 8: zählt ans dem 
17ten Jahrh. allein 144 deutsche Romane auf, und die ihm be- 
kannte Romanlitteratur von 1523 bis 1783 betrag 1687 Bände. — 
Koch*ff Compendium, ^d. A S. 216 ff. Aufisählnng der deut- 
schen Romane seit 1750 in Ersch's Handbach' der dentsdien 
Litt n. 3. Sp. 151 ff. 
Unter den Romanen, welche darch Uebersetzongen ans minder be- 
kannten Sprachen . neuerlich in Deutschland Eingang gefunden 
haben, nennen wir die Russischen: M, Sagotkin Jurij Milo- 
$law$hiy oder die Russen im J. 1612.; ein historischer Roman, 
aoa dem Russ. fibers« von £. Gering; Königsberg 1830. 2 Bde. 
8. Thadd. Bulgarin Iwan Wuishigin, moraliscjb- satirischer 
Roman, a. d. Russ. von A. Oldelcop; Petersburg n.. Leipz« 
1830. 2 Bde. 8. N, Gret$ch Ausflucht einea Russen nach 
Deutschland, Roman in Briefen; aus dem Russ. von C. Eurot; 
Leipz. 1831. 8. 



. Poettecjbe Mr^hlung. 

§. 122. 
Bevor wir das Gebiet des Epos verlasseil, haben 
wir noch derjenigen erzählenden Gedichte za .gedenken, 
welche bei einem minder wichtigen und universellen, meist 
auch minder idealen Inhalte sich mehr oder weniger von 
der Höhe des eigentlichen Epos entfernen. Die v'erschie- 
denen Gedichte, welche in diese Classe gehören, stehen 
natürlich auf den verschiedensten Stufen, von jenen an, 
denen nur wenig, vielleicht nur Eine Bedingung zum 



HO Poetische 'Eraiäblang. 

wiriclichen Ep08 fehlt — wie z. B. mehk al» daä mjthiscbe 
Alterthum des Stoffes und die hiedarcb bedingte Möglich- 
keit wahrhaft epischer Darstellung, dem trefflichen €re- 
dichte „Napoleon in Aegypten'^ abgeht — bis zu den 
conversationsmäfsig erzählten Anekdoten, den Conies und 
FabUoux der Franzosen, ja bis herab zu deu einfachen 
Kindergeschichtchen in Langbeins Manier. Solche Er- 
zählungen können sowohl ernst, ja tragisch^ sds auch 
scherzhaft und komisch. sein, oder auch JBrnst und 
Scherz vereinen ; ihr Stoff kann historisch begründet oder 
auch ganz erdichtet sein. 
TgL Boaterwek*8 AestHetilr, 2te Ausg. Bd. 2. S. 152 ff. 

§. 123. 

Aufser den Eigenschaften der Ij)etttUchkeit,, Ordnung, 
des Interesse, der Vollständigkeit . ond, geschickten Ver- 
bindung der Begebenheiten, welche )eder Art von Er- 
zählung, auch der prosaischen, eigen sein müssen, fo- 
dert die poetische noch einen vorzüglichen Grad der 
Lebhaftigkeit und anschaulichen V^rgcgenwärtigung aller 
zu der Handlung mitwirkenden Umstände. Sie gewinnt 
durch malerische Beschreibungen und lebhafte Cha- 
rakterschilderung. Sie kanti lehrreich sein und 
eine moralische Tendenz haben, ohtie dafs darunter 
die poetische Abrundung des erzählten Vorganges lei- 
den darf. 

§. 124. 

Zur poetischen Erzählung kann so manches Gedicht 
sowohl au& der alten als aus der neuen Litteratur ge- 
rechnet werden, dem man die Gröfse und Würde eines 
Epos nicht zugestehen will, z. B. aus der griechischÄi 
Litteratur die dem Musäus zugeschriebene Erzählung von 
Hero und Leander (s. §. 84.), die historischen Gedichte 
des Silius Italicus, des Claudian (s. §. 86.). Vorzüglich 
aber sind hier die Metamorphosen des Ovid zu 
nennen, eine Reihe von fast drittehalb hundert mythi- 
sch^ Erzählungen, von dem Ursprünge der Welt aus 
dem Chaos bis auf Cäsars Tod und Vergötterung, mit 



Paeiasch« Erzählung. 111 

aünrathiger Leiiihtigbeit Vorgetragen und g^ficbUktaaeiii- 
ander ger^t. 

BeispielsaramL I. 73. . 

P. Ovidii Naionis Metamorphoseon Libri XV,; ed. G. E» Oie* 
rig. Lip$, 1804 — 7. 2 Voll 8.; ed. Jahn, ebendas. 1832. 2 Voll 
8. Yerwandlangcn nach PubLOvidios Naso; denUch von 
J. H. Vofs; BerL 1798. 2 Bde. 8. — S. von dieser Dichtungs- 
art SchLegel's Battenz, Tb. U. S; 283. — J. G. Sebneider 
fiber den Ursprung und Gebrancb der Verwandlungen^ in der 
Berlin. Monatscbrift, Blära 1784 — J. G. L. Melmami 
Commentatio de caustis et auctoribui narrationum de mutatii 
foffnis; Lips, 1786. 8. — Hegers Werke, Bd. X. S. 505. — 
Naebtr. zu Sulzer, B. III. S. 382. -^ G. E. Maller bistor.- 
krit. Einleitung zur Kenntnifs der lat. Sebriftst Bd. IV. -^ Von 
anderen poetiscben Erzablungen aus der röiiiiscben Litteratuf, 
z. B. CirU, dem Virgil oder Cornelius Gallus zugeschrie- 
ben, s. Baebr^s Gesch. der röm. Litt. 2te Ausg. S. 163 ff. 

§. 125. 

Zahlreicher sind die neueren Dichter, die poeti- 
sche Erzählungen geliefert haben. Die rorzügUchisten in 
der ernsten Gattung sind: Mallet, Goldsmith, Jen-* 
ningham, Lord Byron; d'Arnaud, St Lambert^ 
Merjr und.Barthe'lemy; Gjßllert, v. Hagedorn, v» 
Kleisty Wieland, Ernst Schulze;! auch sind man- 
che erzählende Gedichte Schill er's hieher zu rechnen. 

Beispielsamml. I. 78 — 114. 

Dav. Mallet^ Works; Lond. 1759. 3 Voll 8. — Goldsrnith's 
Plays and Poems; Dublin 1171. 8. — Poetical Works of Jer- 
ningham; Lond. 1775. 8. Von Lord Byron gdiören hie- 
her die kleineren poetiscben Erzählungen? The Giaour; the bride 
of Abydos; the Corsair; Lara; the Siege of Corinth; Pari- 
sina; the Prisoner of Chülon; Mazeppa; the Island; auch 
konnte man Childe HaroWs Pügrimage hieher rechnen; in 
Byron^s Works, London 1833. 17 Voll 8. Vgl. Wilh. Mül- 
1er 's Vermischte Schriften, Leipz. 1830. 8. Till HL — Ehire, 
Poeme par d'Arnaud; Paris 1754. 8. — Recueil de Po^sits 
de St. Lambert; Par. 1769. 12. — Mery et BartheUmy 

' Napoleon en Egypte, fraozSs. mit deutsch. Uebers. von Gustav 
Schwab; Stuttg. u. Tüb. 1829. 8. -• Geliert's und v. Hage- 
dorn's Erzählungen, bei ihren Fabeln. S. unten. — ▼. Kleis t's 
sSmmtliche Werke; Beriin 1761. 8. S. 85 ff. N. A. Berl. 1803. 
gr. 8. Tbl. n. S. 1 ff. — W^eland's poetische Schriften; Zä- 



112 Poetische Erzählung. 

ndi 17®. 8 Bda. In gr. a B. I. 8. 201 ff. Des«. Hvsarloii« 
oder die Philosophie der Granen; Leipz. 1778. 8. — Ple 
Schwestern von Lesbos, von Amal. y. Imhof; FrankC 1801. 8. 
-T Von Ernst Schnize, dessen bezauberte Rose man hieher 
rechnen kann, s. §. 98. 

§/ 126. 
Einen noch gröfseren Reichtham besitzt die neuere 
Poesie an scherzhaften und komisehen Erzählungen, 
dergleichen im Mittelalter die französischen Canies und^ 
FabUauXf die deutschen Schwanke waren« Die vorzüg- 
lichsten Erzählungen dieser Art sind von Chance r, Dry- 
den, Swift^ Prior» Pope; la Fontaine, Grecourt, 
Plron^YoItairey Dorat; v.Hagedorn, Rost, Wie- 
land, V. Nicolay und Langbein, von denen jedoch 
manche durch ihre Schlüpfrigkeit berüchtigt sind. 

Beispielsamml. L 115—234. 

The Camerbury Tale$ of C kaueer (by Mr. Tyrwhitt); Land. 
1775_79., aach 1822. 5 Voü. 8. Vergl. fiber Chancer die 
rbchtr. s. Snlier, B. IL S. 113. — Dryden*§ FaUtB ancUnt 
und modern; Land. 1774. 8. — Swifr$ Works; Lond, 1760 
«»79. 27 VoÜ, 8. — Prior* t Poem$ on ieveral occtuum»^ 
Lond. 1754. 2 Voll. 8. — Pope'$ WorU; hy Warhurton, 
Lond. 1751. 9 Voll 8. Vol. IL — Aas der älteren Iranzös. Littera- 
lor gehören hieher die meisten der FabUaux et Coniet de$ Poete» 
Fraufpit du XU-XV Sieelei publpar Barhaxan; Par. 1756. 
3 VoU. 12., par M^on, Pur. 1808. 4 Voll. 8. 1823. 2 VoU. 8. 
Failiaux et Contei (puU. par le Grand d'Juiey); Par. 1781. 
5 Voll. 12., ed. HI. (par Rinouard) Par: 1829. 5 r«4l. 8. 
Uebers. Halle .1795— 97. 5 Bde. 8. — Contet et NouveUes en 
ver$ par La Fontaine; Par. 1763. 2 Voll. 8. Vergl. Jacobson 
Abb. in den riachtr. z. Snlzer, B. V. S. 201. — Oeuvre» div, 
de Qreeourt; Par. 1761. 4 Voll. 12. — Oeuvret de Piron^ 
Par. 1775. 8 Voll. 12. — Contei de Vade (par Voltaire); 
Gen. 1765. 8. — Oeuwe% de Dorat; Par. 1779. 17 Voll. 8. — 
▼. Hagedorn's poei Schriften, Th. L 5. 6. 7. 98. — Rost's 
SchSfererzahlongen; 1744: 8. D ess. Vermischte Gedichte; Dres- 
den 1768. 8. — Wieland's komische Erzlhlongen; Zürich 1766. 
8. Neaeste Gedichte; Weimar 1777 ff. 8. y. IXicoIay's Ver- 
mischte Gedichte; BerL 1778 ff 9 Thle. 8. N. A. BerL 1792— 
1810. 8 Bde. 4. — A. F. E. Langbein's Schwftnke; Dresden 
1794. 95. 2 Bde. 8. 

Lyri- 



its 






Iiyrische Poesie. 

r 

I j 

§. 127. 

Dem durchdas ol^ectiven Epos steht . die Lyrik als 
subjective Dichtung gegenüber. Sie erzeugt ihren: Inhalt 
in 4er Gegenwart , Während ihn das Epos ans der Yer« 
gangenheit empfängt; wo sie Gegebenem aufnimmt , giebt 
sie nur dessen gegenwärtigen Eindruck auf die bewegtis 
Seele des Dichters wieder. 

Ihren INamen erhielt sie bei den Griechen von der 
Begleitung des Gesanges mit der Lyra; und in der That 
ist die Musik, als unmittelbarster Ausdruck der Empfin^' 
duög durch Töne, eng verbunden und verschwistert mit 
der lyrischen Poesie, deren wesentlicher Charakter es 
ist, lebhafte Anschauungen und Gefühle, welche die ganze 
Seele des Dichters einnehmen, seine Phantasie erregen 
und nach dem Gange derselben seine Gedankenfolge be^ 
stimmen, in der wohlklingendsten Sprache auszudrücken. 

Vgl Dr. Young'i Eway on lyric poetry ; übers, in der Berl 
Sammlang verm. I^chr. B. II. St 1. — Koch's Sjifttem der \y* 
.rischen Dichtkanst ia Beispielen; Beri. 1792. 8. Herder'« Ljrrt« 
oder fiber die Naiar n. Wirkang der lyrischen Dichtkanst, in 
Bd. n. seiner Terpsichore; Lübeck 1795. S. 397 ff. Da- 
der De la poeiie lyrique, de $on earactire, de» changemeni 
gtn lui soni arrtv4» jmqu'ä ce qu*elle est partenue h ta per* 
fection (vor seiner Uebers. des Horat). Jean Paul's Vor« 
acbql«) der Aestb. 2te Aosg. Abth. 2. S. 589. Progr. XIII. „Ue« 
ber die Ljra*' n. a. m. 

§. 128. 
Wenn zunächst die Sprache der Lyrik durch die 
Töne und Rhythmen selbst , wie die Musik^ das Gefühl 

EKhenb. Tb. 8 



itA Lyrische Poesie. 



aassprichty wenn siü dfffefa^bnmemscheii Yersbaa, darch 
Strophe und Reim, der Melodie gleichsam entgegenkommt, 
so mufs ferner das Gefühl , um in der Sprache laut zu 
werden, erst Yorstellnngen , Bilder und Gedanken er- 
zeugen, in denen es ^ich, als in seiner geistigen Form, 
ausprägt. Diese Vorstellungen, Bilder und-Gedanken ha- 
ben ahOf ivie bunt und mannigfaltig, ja scheinbar un- 
zusammenhängend sie auiil sein mögen, in dem Gef&hle 
des Dichters ihren tiefen, verborgenen Zusammenhang. 

§. 12». 

< Bei der Mannigfaltigkeit idealer Beziehungen, aus 
d^p^n. lyrische Gedichte hervorgehen^ bei den feinen Üe^ 
bergängen von Gefühlen, welche sich darin aussprecoeD, 
i3t eipe strenge Grenzscheidung lji:ischer Gattungen und 
Unterarten an sich unmöglich. Doch können wir, änge- 
W^SjBejDi .entgegengesetzten Richtungen festhaltend, .dem 
Gebrauche unserer Sprache . gemäfs die.Qde und. das 
Lied unterscheiden, welche sich jedoch bei den Alten 
nicht in gleicher Art durch bestimmte Benennungen soor 
derten. Der Ode kommt hoher Schwung der Gedan- 
ken zu; sie pflegt durch den Hinblick auf einen wich- 
tigen Gegenstand in der Seele des Dichters erzeugt zu 
sein. Das Lied geht aus einer besonderen Empfindung 
heryor, in der sich das ganze Wesen des Dichters er- 
schöpft« Viele lyrische Gedichte aber, und zum Theil 
eben die eigenthümlichsten, können weder zur Ode noch 
ziun Liede gerechnet wenden. 

§. 130. 
Innerhalb der ersteren Gattung, oder der Ode, hat 
man wiederum drei verschiedene Arten unterschieden, 
nämlich 1) Hymnen oder religiöse Oden, d. i. Lob- 
gesänge auf die Gottheit, 2) heroische Oden, worin 
Eigenschaften und Thaten aufserordentlicher Menschen 
besungen werden, 3) philosophische Oden, hervor- 
gehend aus der begeisterten Anschauung solcher Wahr- 
heiten, welche auf die Phantasie lebhaft einwirken, Eni- 



Lyrische Poesie. 115 

-« und; somit. aoeK'Ijrifidien Bebaod- 

-"Ojg auch die Grenzen dieser Ar- 

-" wir doch diese Einthe^Iung« 

"^enwärtigen Theorie dfdr, 

en vielmehr ihrem^Unf 

jergättgen zu.lietraditen^ 

\^ li^geisternag. herrscht Vor« 

<C^ .dichter; er ist von der l«bhaf-^ 

ichdrongen. Es vei*s(ebt :sich; daüs 
/ahr sein, eine entsprechende wür- 
^habe^ müsset ufd inaofero kann der 
orauf. die Ode gedichtet wird, so wenig 
^ jrieli. ihren- Inhalt ausmacht, durchaus niclit. 

"J^ ^ sein. ^Dieser Gegenstand w$ckt die: lebhafte 

«ungiy erregt die Phantasie; neue Qberrpschende» 
ebenso treffende und natürliche .G^daokeai'illld' 
jer strömen hervor, und in: diesem l.yrisck/en 
/chwunge berührt der Gesang gleichsam mit Adler« 
fittig nur die einzelnen' höchsten Gipfel, die aus einenr 
gemeinsamen Boden aufsteigen, und übeiäfliegt die ivem 
bindenden Thäler und Strecken. . Lyrische Sprünge, 
lyrische Unordnung giebt es aber nur für den Ver«« 
stand, der nach verknüpfenden Uebergängen fragt, nach 
logischem Zusammenhange der einzelnen Gedanken und 
Bilder, die doch in den Tiefen der Empfindung ihrei^ 
innigsten Zusammenhang, ihren gemeinsamen Ausgangs^ 
punct haben. Dieser dunkele harmonische Bezug des 
scheinbar Fremdartigen macht einen Theil des eigenthüm- 
liehen Reizes aus, >velchen die Lyrik besitzt. 

§. 132. 
Die Einheit in der Dde ist Einheit der Empfm'- 
dnng; mit ihr verträgt sich eine gewisse Mannigfal- 
tigkeit, indem die Empfindung, welcher der Dichter 
nachhangt, sich nach einer natürlicheb Stufenfolge stei« 
gert und verwandte Empfindungen weckt, denen entspre« 

8* 



116 Lyrische Poesie. 

cbe&d &e ^n«gt(( Pb^ütasie von JMld '«üBttde fliegt'. — 
Der hohe Gf ad der B^eisterung v^lnrsaGht* in der Ode 
eineii gewissen LakefnismuSy eineinhaltsehwere K<irze 
ufld Gedrungenheit sowohl: des Gedaniens als des 4^8* 
dru^k^} li^übnelBilder und Metaphern, nicht aber Gleich- 
nisse) "die der Ausführlichkeit des Epos angehören, sind- 
hier an ihrer Stelle. Die Ode ist kein populäres Ge- 
dicht; 'itrenn sie auch, nicht nothwendig. schwer und.don- 
kell ist, «<> sfitzt doch das Yerständnife derselbe eüie^ 
gewissen fidrad von Bildung Toraiis. 

./ ' ■ ' §• 133# ' 

' Hymnen odertreligitise Oden, deren Inhalt das 
höh der Gotdieit, die Verherrlidiung göttlicher Eigen- 
schaften und Werke ist, bilden' die 'erhabenste Gattung^ 
def Oden, nndgdien' ans dem höchsten Grade ^f Be*' 
geisterung hervor.' Andacht und Anbetung herrschen in 
üinen; tnd ')e> lauterer die Religion 'ist, deren Gefühle sie 
anrücken, desto mehr sind sie im Stande , die Seele 
zu ^heben. Auch die :denkwürdigen und einflufsrerchen 
Vorfälle in der Geschichte der Religion bieten dem Ij- 
risehen Dichter Stoff für die Hymne dar; wiewohl er 
weniger bei ihrer Erzählung, als bei ihren Wirkungen 
auf seine Empfindung verweilen wird. 

§. 134. 
' Das Alterthnm giebt i^ns in dieser ersten Gattung 
der Ode vortreffliche Muster. Vorzüglich ' sind dies ei- 
nige begeisterte Gesäuge Biblischer Dichter und die uns 
erhaltenen Hymnen der Griechen. Unter den letzteren 
haben die Hymnen der Homeriden, welche die Herr- 
' lichkeit irgend einer Gottheit erzählend besingen, einen 
vorherrschend epischen Charakter; die dem Oxpheus 
zugeschriebenen Hymnen enthalten mystische Anrufungen 
an die Götter^ am meisten herrscht der rein lyrische 
Charakter in den Hymnen, des Kallimachns; als pUU 
losophische Hymnen kann man die des Klean^hes und 
P r o k 1 Q 6 bezeichnen. Auch lassen sich verschiedene 



Xyrische Pdesit. .117 

Chöre griechisdier Trauerspiele , und aus der lyri- 
schen Poesie der Römer ei^ge Oden des Horaz hie- 
her rechnen. 

S.. za dieser und den folgenden IjriscIijenGattangen die Bei spie 1- 
, saxnml^ B. IV. . 

lliutcgr Hebräischer Hymnen sind z.^ B. das IJed Mosis^ 2. B. 

"M.'Xy.; dier Gesang Deböra's und j^arakSf. B., d. Kicl^ter Y.; 

Jes. XIV. ; und ein Theil der Psalmeii. Vergl. Lo%aßh de $acra 

poe'ii Hehraeor. Prael XXV^XXVJIL — , JDr. Blair^Lect. 

. XLL -* Herder Toin Geist der hebraiscBen J^oesie; Dessaa 

1782. 83. 2 Bde. gr. 8. — Freudentheirs Abb. üb^r die 

Siegeslieder der Hebräer, in den Kacbtr. z.,Sulzer, B- IV. S. 

253. - Fr. V. Sihlegei;'tVerte„ Bd. t 5. X^3--174. - 

' Görres %liengescbichte, Tb. IL 8:457—628. -^ d.e ^ette 

zur CbarakteristiK des Hebräisinus,' m Bd. HI. der Siadieii von 

Danb n. Creuzer; femer desselben Xinleilqng ^ feinem 

Commentar der Psalmen; und Einlei^ui^g in das Alte 'Ti^sl^ent, 

2te Aqfl. S, 354 ff. : Hymni Homerici ex kä, C. i). 11- 

gen; HäL 1796. 8. Homer i Hymni et Batrachomi ei. Aug, 
Matthiae; Lipt, 1805.. 8.. Homer i Hymni et Epigr. ed. Go^ 
dofr. Hermanuui; Ldps. 18Q^., §* Pl^ iineisjten , übjers. von 
Chr. Gr. zu S 1 1 b e r g , in . d. Gedd. au^ ^,. Griech. ; ,Ha.mlv 
1782. 8.; sämmtlicbe Bbers. v. Conr. Sebwenk, Frankf. a. SL 
1825. 8. Hymnui in Cererem\ ex ed. Ruhnhenii; L. B: 1782. 
1808. 8. rec. C. O. Mitscherlieh; Lipi. 1787. 8.; ^r. a. denUdk 
von J. fi. Vofs, Heidelb. 1826. 8.. YergL O. Ei Gfodd'eck i^ 
Hymnor. Homericor. religum; JGoett. 178^. 8. Sneedorff de 
Hymni» veterum Graecorum; Hafh. 1786. 8. ^. Matthiae 
Animadvers». in Hymnoz Homericö»; Lip». 1800. 8. — Orphei 
Carminüy ex ed. Ge»nerif cur. Hamberger, Ltp». 17^/8.; 
rec. et Hl Gf. Herrn ann^ Lips. 1805; 8. Orpheus Hymnen, 
griecb. «.deutsch von Dieisch; Edaiig. 1823. 8. -r^ Culli* 
maühi Opera ex ed. Span%e,mii ei Erneiti;. L. B. 1761. 
2 Voll 8.; übers, von Ahl^rardt, Beri. 1794. 8., von Conr. 
Sebwenk, Bonn 182 L 8. — Cleahthi» Hymnu»; in Brun- 
kii Gnom. Poet, gr. p. 141.; ed. F. W. Sturz, Lip». 1785. 4. 
Kleantbes der Stoiker, von G. C. F. M»b.nlke} Greifsw. 
1814. & l.'Bd. Griecb. n. deutsch von Cladiasr Gott 1786. 
8.; deutsch von Herd er ^ Zerstreute Blfitter^ ziveite Storni. S. 
209. Cleunthi» Jlymnu» uuetoti »ue.vindicatu» adejwq. doctri- 
nam enatraUt^ a Ck. Pet^rseiiiOy Hiamö. 1829^ 4. — Ptocli 
Bifmni IV. in BtUMhii Analectt. T. IL p. 441.; zwei neo auf- 
gefondene Hymnea .von ihm) hertasgeg. v. Tychsen in der 



118 Lyrische Poesie. 

Gm. BibL d. alten Litt No. 1. ined. p. 46. a. No. 11. iiiea. 

. p. 10.; slmmtliche y. nebst 4en Bymnea des CaDimaeliQS imd 
ProkloB, in Boitionade* ^4^oetarum gr. Sylloge Voi, VIIL-^ 
Yergl. Diisertation «tir le» Hymne$ det Aneien$, par Souchay; 
in den liiemoires de IJcad.' des 'Intcir, T» XVIJL JCXIV. — 
Ch5re dieser Art ^ind z. B. im Oedipns des Sophokles, 
in der Iphigenia in Aolis des Euripides. Vergl. A* L, 
Heeren de Chori graeei iragici natura et indoU; Goett. 1784. 

. 8. — Horatii ppp, ed. Ch. D.Jani. Lip$. 1778 — 82. Il'Vt^. 
8« (blofs die Oden enth.) — C, Ch. W, Mit scherlich. Ups, 
1800. II Voll 8. (nur Oden ond Epoden.) — C. JP. Doering. 
Ups. 1803. 1815. 1828: 2 VolL 8.; von Nitsch nnd Haber- 
feldt Leipz. ]792-^1802. 4 Bde. 8. Horatins Werke« fibers. 
T. J. H. Vors. Heidelb. 1806. 2 Bde. 8. Die Oden, fibers. v. 
K. W. Ramler. BerL 1800. 2 Bde. 8. v. F. A. Eschen. ZO- 
ricli 1800., 2 TL 8.' -^ Hörazische Oden dieser Gattno^ sind: 
Ir. /. drf. 10. 2L 30. 31. ^. //. 19. m. ll. 22. 25. 26. IV. 
1. 3. 6.9 nnd vorz&glich das Carmen seculare. -^ Das dem Ca- 
inll beigelegte Jpervigilium Veneris ist mel^r Lied als Hjmlie. 

§. 135. 
Zu den vornehmsteri neueren Hymnendichfern ge« 
boren: unter den Italicnern Bern. Tasso, Menzini, 
Leinene und Chiabrera; unter den Franzosen Ron- 
sard, |. B. Rousseau und le Franc de Pompignan; 
bei den Engländern Cowley, Prior, Akenside, 
Thomson und Gray; und die deutschen Dichter Gra- 
mer, Klopstock, .Wieland, Lava^cr, Herder, v. 
Hardenberg (Novalis). 

8almi di Bern. Tasso; Nap. 1560. 12. — Opere di B. Men- 
xinif T. L — Fröne. Lemene, Dio; Sonmtti ed Inni; 
Gen. 1709. 8. — Opere di Chiabrera; VeneK.n57. 5 foU. 
12. T. I: — Oesvri» de P. Ronsard; T. J. — Oeuvres de 
J. B. Bousseau, T. /. Ödes sacries. — Pohies saerees de 
Mr. Le Franc de Pompignan; Par, 1768. 4. — Coufleft 
Works; Lond. 1780. 3 VolL 8. — Die von Prior, Akenside 
and Gray, In ihren oben angef. Werken. — J. A. Cramers 
poet. Uebenetzmg der Psalmen; Leips. 1766. 4 Bde. 8. S. 
anch s. gesammelten Gedichte; Leipz. 1782. 83. 3 Bde. 8.— 
Klopstock's Oden; Hamb. 1771. kl. 4. S. 3. 15. 25. 32. 39. 
43. 56. 59. 63. 66-.69. Anch im Nord. Aofs., nnd viele sei- 
ner Geistlichen Lieder« Kopeoh. n. Lps. 1758 ff. 3 Bde. S. 



Wiehndüs %imiai.ai|f 6oU> mdizwei Od^a vonf dicr-Gebnrt 
imd .Aiifersle]miig.djes.,£rl68er9;.tn.iB.. poft.t Sicbr. TU. II. S. 
28e.Th. iU.^ S. 7€., r-* Latater'B Odeft uod Plenen; Leipz. 
178L 12 B^j giy 8.'v-Pf Y^rqclüiedieiie. 8ob9i^.]Ji«l^C9..,bAlischer 
Gedidlte. ' Von , He^d e r >iai bv Gai 8 1 dfe r £>rt. Jf-Af^si «. , ( S. 
auch: Mendelsohn's U^ibers. der Psalmen^ Berlin 1783. 8. 
Gesänge David' 8 nnd seiner Zeitgenossen, von Nachtigal; 
Leipz. 1796. 9.)' — iNovälis Hymnen an die Näihtfin seinen 
Schriften, Berl.' 1826-2 Bde. 8. -- S^mmlUU^rDVr iMÜige 
' Gesani^ der.DeuU4^yn> Ziirich 1782. 2 Bde. &!- , N 

■.••■' «i • '§: 136. . .•,;..' •.■' . . : 

I^e zweite. Axi der Ode ist die 80genaniit8''heroi'- 
scbe,' worin die Eigenschaften, Verdienste und Unteiv 
nebintingen aufserördentlicher Mensehißn besiuigen wer- 
den. ' I^er Gegenstand der heroischen Od.e ist nidit blofs 
kriegerischer ' Heldenmbin;^' sondern jede ' udgewöhülicbe 
Gröfee, Oeistesstärk'e* und' Selbstverleugnung ^geliört hie^ 
unter- deo Begriff des Heroischen , uQd'kasia Sto£f die- 
ser Od^figaitung werden«^ 'Sie- steht mit der* Hymne Ih 
naber Verwandtschaft« - *!:;! i 

Von'der Art sind die Oden Pindar's zum Lobe 

der Sieger in den vier grofsen' griechischen. Kkmpfspie- 

len, den plyoipischen, pythischen, neme'ischen. und istb- 

mischea: Gesänge voll edelen. und hohen Gefühls;, und 

eine Anzahl von Oden des Hör az. 

Pinääri Üärminay cur: C G: Heynt; (foeii:'Vt^%, 3 Voll 8. 
ei. Chr. Dan, Sech. Lip*. 1792— 95. (nnvoUendet) 2 FoK. 8. 
ed. Aug. ÄocciÄ. X»;?«. 1811—22. Tom. /. P..l.*2. Tom. IL 
P: 1. 2. ito. Handansgabe von bissen, Gotha 1830. 8. Pin- 
dars Werke; Urschrift, Uebersetznng in den Pindarischen Yers- 
maafsen u. Erläuterungen von F. Thiersch, Lpz. 1820. 2 Bde. 
8. VergL Caractere de Pindare par VAhbi Fraguier^ in den 
Mem. de Vacad. de$ Jrucr. T. 11. p. 34. WegVi Diss. on IHn^ 
dar, tffith hü Tramlation; Land. 1794. 4. Scbneider's Ver- 
such Über Pindars Leben n. Schriften; Straisb. 1774: 8. B5ckh 
über die Yersmaafse des t'indaros; Berl. 1809. gr. 8. 'Charak- 
teristik Pindar*s von Jacobs, in deh F^achtr. zu Saker, B. L 
S. 49. — Von den übrigen ly^rischen Dichtern detGrie- 
clien 8. Ulrici Gesdüchte dei^ hellenische^ Lyrik. -^ Ybn den 



120 Lyrische Poesie. 

Oim des H^rai geMm Uebfer: I>. /. lM. 2l a 6k 12. 14. 
15. 24. 86.' 37. //. 1. 7. 9. 12. 13. 15. .17. 80. IH, a-*6. 8. 
14.^ 30. ir. % 4« 5. 8. 9. 14. 15. >— Eine Nttclivvieiiiiiig der To^ 
nelmisteii mmeven Odendfditer in latein; Sprache^ - s« m ▼. Blan- 
' kenhut^a neaelr Atug. tot Snlser's AUg. Th. B. III. S. 452 i 

§•138. 
Pie neuere poetiscbe Litteratur bt reich an Oden 
dieser Gattung, . die an Feuer, Schwung und Schönheit 
des Ausdrucks den Mustern des Alterthums nahe kom- 
men. Die besten hohem Oden der Italiener sind Ton 
Petrarca, Te^U Guidi, Redi, Chiabrera und Fru- 
f oni; der Franzosen: von Malherbe, I. B«. Rodjb- 
aeau'unddeni jüngeren Racine; der EnglSndw: von 
Wall«r, Drjden, Pope, .Wteet und Gray; der 
Deatschen (wiewohl. tbeilweise veraltet): von Gramer, 
Schlegel, Uz, v« Cronegk,iWeifse, der Kiirschiit, 
Gleim, Ramler, Klopstock"; Denis, Ma&talier, 
Kretschmann, denbdden GrafenzuStolberg^ VoCfl^ 
Schiller, Stägemann. 

Op^ a Peirarcat s. oben^ ^^1* Heinhard'e Yenoclie fib. 
a. it«l. D, Th. L S. 325, -* Po€»U M Cente Fulnio Tetti; 
Venfs. 1674. 12. ~ Poeiie ttAUtt. Quidi; Nap. 1780. a- 
Opere ü Franc. Redt; Venex. 1762. 7 Voll 4. — Opere ä 
Chiabrera; VeneX. 1757. 5 VoU. 12. T. /,: CatM>rii Eroh 
che XCnt ^ Opere Poetkhe dt Carla Frugoni; Panüi 
1779. 9 VoU. 8. T. IV. — Oetanree de Malhrrhof Par. 1757. 
3 Voll. 12. — Oeuvrci de Bouaeau ei L. Bacine^ a. oben«-' 
Pr^den'$f Pope'e, Oray'e iVorkif «. oben. ^ Qilb. Weth 
Poeme, in Dr. Johmon'e nnd BelVe CQlleciion». — J. A. 
Cramerfs eSmmtl. Gedichte; heifz- 1782 ff/ 3 Bände, 8. - 
J. ^ Scbleger« Gedichte; ThL L Hannor. 1787. 8. ^ Us'eif, 
V. Cronegk*s Gedichte a. oben. — Weifaena lyriacbe G^ 
dichte; Leipz. 1774i 3 Tble. kl. 8. — Gedichte der Frau Kar- 
scbin; Ber). 1764. 8. — Gleim'a KriegaUeder; Berl 1758. 12. 
1778. 8. -*. Ramler*a poetiache Werke; Berl. 1800. 2 Bde. i 
0.8. — Klopatock'a Oden; Hamb. 1771. 4., vermehrt B. L H 
H. Vn. «einer Werke; Leipz. 1798—1804. 7 Bde. gr. 4 il8. - 
Oasian*« und Sined's (d. l Deni«'«) Uederi Wien 1784. 
5 Bde. 4. ^ üaatalier'a Gedichte; Wien 1777. a K. F. 
Kretschipapii's sanuntL Weike; Leips. 17tt4 ff, 4 Bde. & - 



Gedidite' d6t Gnfok ni St^tlrei^ Leip«. 1779. 81 -^^'oh's 
Gedidit«» s. oben. ^ Ft/y. Sc]iil'Hr'flr€«diGhle; N. Aufl. 
Ldi»il804. §i Q. kl deflA W«riieir, TfilKngi IglS^ 6.-ii^5fter. — 
Stlg^inaw'B 'Hntoffteche EriBiieKingeii ä«8. deb Jahraii 1813 
und 18U;>£e»liii' 1828«; 8.< S< «lioii Odendev.DeliUehen; 
SammL I. Lpi. 1778. 8. *^ Oden und Elegieen der Dent* 
schea; Zürich 1783. 8, * . . ' 

Ehe.w zu der dritt ein. Gattung /^er Q^e überge- 
hen^ i^rvf^hpeA jyy die, zwj^che^ dep tJ^yame« uud 4?a 
beroischeo . Odep luig^f^^p Jn. dej^>A!Dtt9 ifte^^i^d^ Dip 
thjrainhejQ, Gesänga.yoji^.,dfW.!^'Ubpst^n §chiyiinge| di^ 
UTspröflglicji bei dea I^e^tCÄ ^es B^^c^Mfl,J^f..Q^ieQ^Ij^ 
land ;ai)g^|ip9;it uvurdon, iind ^911, diei^ni. Qott de|) K^- 
meDjQbreOr Ihren Jabalti , 9\f)icbten geyi^öhiiUch die fm- 
rigeo, £p)p.%duBgen ,ai|&, in T^elche der Dichter dnr^b 
den^oj^eq .Q^^s de^ \J?;ei|pe3, wd .,4urc^;die Bej^ua- 
deruDg der bakchiscben Grofs^baten vefset^rt n^rd* JE^üJbu^- 
heit der Bilder, Neuheit ^er Sprache und die sogenannte 
lyrische Unordnung. errreichenliie]; ihrei> .höchsten Grad. 
Aach der Versbau ist ungebunden« Es smd keine ei- 
geaUichen Dithyramben aus dem Alterthum auf unsere 
Zeiten gekommen; und .die. von einigen neueren i)ich-t 
lern versuchte Nachbildung dieser Dichtart mqfs, bei ganz 
Teränderten Beziehungen und Zeitverhältnis&en, notbwen- 

ik einen änderen Charakter annehmen. 

° •• "• .»•.'. . .• . ».:.!. j' 

Eine Schrift d^s Demosihenes '^tgl Ji^vqafißqitowp ist rerlo- 
rep gegan§;eo. — Vergl. Vottii Inßtituit Poet. "L.Itt. c. Xl^. 
Litteratnrbriefe, Tfa.'XXI. S. 39. Herder*« Fragmente, 
Th. IL S. 29a Saicer's AUg. Theorie, Art: Dithyratnbe. -^ 
Griechische PitbyrviDbendJshter waKfon: Ljuvi«. PeriJkle« 
tD8, Melanippideß, Philpzttnw .WbA Pindfir, desa^n ei- 
genUiche Qit^franilien iws- nicht mehr fibrig sind, obgleich die 
13te oljisp..Ode in diese Clawe sa~ gebOren «cfaeint Von ihm 
Bagt Horas, Od. lY. 2. v. IP; . 

•» per audacps nqva Dithyraiobos 

Verba devolwt numerbqii^e fiertor 

Lege aobitifl. 

Auch dif hudtn Banisi««hBii Odmi» 0. 19. St. 2»«» haben 



' xfan^i VtmM. l7Qh 12L .^..Biero •» 2V«c<iiia» Al'.JTranc. 
- : M4dif Fit. 168§. 4L -^ O«fM0itf «MÖr«#iilicAe £ Bur^ffulii; 
" FMes^ 1743.^12. ««^ DiU^jfqpünbcftum WiMbmavi Berl/17e6. 
, ;a ß. '^uch IdtMMi pMiMche Werk», Thl L.Xeipri. 17?9i. 8. 

-..• . > :. u j g^: '140. •'• .;»*..:!'• i* 

Die dritte Art von Oden, Weicht ttiaü diä bK'ilo- 
sophischp za ^nennen pfl^t, hat Wahrheiten aus der 
praktischen mehf als aus der''bpeculatitie!n 'Weltweisheit 
iniii InlaTty aber nur solche, dereti liberzeagende Klar- 
heit titfd' Kraft Ak^^^ri des I^yttscheh Dichters mit leb- 
baften, feurigen Gefühlen zti'erWsirmen vennag. Ail'6'trok- 
lene Verntinfteiei, aU^ Lebtlon/ alle' stbi^I^efrec^te Zer- 
gfa'eder^n^ ^^er 'WahHi^iteli Und 'sokhen' Oden' fi'enid. 
^ägeüd änd I^fiidUt sidd m dem lActter ' in lebhrfle Em- 
pfindung Äbieirge^angen; somit^ urerdeh G^ikikeii zd Bi!- 
derd^ Zei^li)^derÜngei^ zu Geti^äldiin, Bew^ä toi%\stx^ 
«gdargeirteTltenBeispieleti.^^ ' •' '^^^ 

Vop 4en Öden des Hqraz'geliören. meiere zu'dcr 
pbilosophischen GaUung,' , und 'sind ATusterdie^^^^^ za 
nennen. So * findet man auch ileren viele * unter den Oden 
der meisten neueren, zum Thcil schon angeführten Dich- 
ter, z. iß. unter den EcgIänd'ernV von Sh'enstÖne, Aken- 
fiide und Mifs Carter; unter den Frasitösen, von 
Rousseau, L, ftacine, Presset und Thomas; and 
unter den Deutschen von v. 'Hall er, v^ Hase dorn, 
V. Creuz, y* Gemmingen, Uz, Ramler, Tofs und 
V. Schiller* . " .; xi 

Hi^rätU LSb, L Od. 1. 11. 22. 34. L. IL Oi. % O. 10. 14. 15. 
• Ift 18. £r. ///. m. 1. ^. 3 16. 24. ü. IV. Od. 7. ^ W. 
Bk^nitomfB W&rkif Ltmdi IWi-^TO. B'.VifU. S. ^ Aken- 
Mid€*4' FoiWu; tond. 1703. 8; — * 'Miii« 'CarUr^lf Poemton 
9€9€ral 9eea$ion$; Lond. 1762. 8; — Otuwti del.B. Baut- 
iemu, T.I.-^de L. H^eine, T. IV. — Ä Orettet, T. L — 
d€ Thomaif Jma. 1766. 8. ^ v. HAll^r-*« und v. Hage- 
dorn's Gedidite. -^ v. Oreas Oden und andere Gedichte; 
TM 17M. gr. a 4uA ha Anhinge «sd^ CkMem; e. d. 1760. 



Lym6he ^eesie. 

gr. 8. — ▼. 6«mmlngeii Briefe, »eW^Bidertn -^«eft ii<:|i6flil. 
Aosariieitttiigeit; Brionschw. 1799. gr. H. -r- Ui's., Ramlcr'f^ 
Vofs's ond ▼. Sc biller 's lyrische - Gedichte. 

§. 142. . , 

Das Lied, die zweite Hauptgattung der lyrischen 
Poesie, hat mit der vorigen, ä^r. . Qde^ ,dep. Gl^iuptcha- 
rakter des vollen Ausdruckes d.er Euipfindviog. . und .die 
daraas hergeleiteten Erfordernisse genein; nur sind die 
darin ausgedrückten Gefühle gewöhnlich von .;sanfjter€|: 
Art, und die Gegenstände minder ^^rh^b^n iind vpQ.Yr/^ni; 
ger ausgebreitetem Einflufs« I)ie Sprache ist, (diesen.. Ge- 
genständen und den dadurch gemachten Eindrücken go- 
mäfs, meist heiter und leicht» aber sehr mannigfdltig|er Ab- 
stofuogen fähig. Erhebende Reiigionsempfindung, Freude 
tiber.^ie Natur, Liebe und Freundschaft, froher. Qenufs 
des Innigen Lebens sprechen nich g^ jiai:IJcde;^u8. 
Versart und Silbenmaa£s bequemen sich noch leichter v^i/f 
Gesänge ü»d zur {fegleitupg der Älusi^,^ ,a)s w. b^^^r/^ 
lyrischen Gedichten. ..... 

S. Marmontel Poet. Fr, T. IL f. .444...— I il.t>»it's.^iry 
on Song'WriÜngf Warrington and London I7t4. 8. — Sal- 
zer's Ällg. Th. Art.: Lied. -^ Jacobi über das Li^9, im 
6teii Bande der Zeitschrift: Iris. ' h .<* 

§.143. 
Nach ^er Yerschiedenheit des Inhaltes lassen sich 
mehrere Arten von Liedern unterscheiden: im Allg^ 
meinen weltliche und geistliche. Letzt<^e Enthal- 
ten sanfte religiöse Empfindungen; die sich nicht bis tum 
Schwünge der Hymne erheben, noch in den betrach- 
tenden oder lehrenden Ton verfallen, sondern vornehm- 
iich in den wohlthätigen Einflüssen der Religion auf die 
lieitere, ruhige, andachtvolle Stimmung der Seele begrün- 
det sind; die weltlichen Lieder kann man wieder man- 
nigfach benennent z. B. patriotische oder Natio- 
nallieder, welche Vaterlandsliebe und edlen Bfirgersinn 
ausdrücken, auc^ das Andenken .I9^kw0i;diger. Yorfölle 
aus der vaterländischen Gesdudrte vcrbevrliobei»; Jei- 



r 



iSI L^ixiadie Poefiiä. 

4ieii8ckMtlich^[jleder,: ^Orin lebhafte EropfiddangcD, 
Iteftödders 'der Lieb^, attsströmen; gesellige Lieder, zar 
Belebung und Unterhaltiing gemeinsamer IVöhlicIikeit, 
u. %. w., 

• '• •''-• ' ' -' -" §.'• 144. 
' De^Sttt de^Xie'ae^ ist leicht/ naiärlkh und ein- 
far^h; Der Wohllaut des Ausdruckes ist uni s6 wesent- 
lichei'y' ab von allen .lyrischen Gedichten rorzüglich das 
Xiied' zum Gesang und zur musikalischen Begleitung be- 
stimmt ist. Iq dem Sylbenmäa&e und dem Bau der Stro- 
pheü, Ja 'der; einzelnen Vfcrse, die zugleich Glieder der 
Kede bilden mflssen, inacht diese Bestitümuilg des Lie- 
ääs "vaSi Gesang^ sidh geltend. 

"Da ; dei^ ' 'unntittdb^re rhythmische Aufdruck des au- 
gtiÜbfickKchdi GefCihles 'dem Naturmenschen sehitnahe 
Üegt, so sc^heint das Lied zur frühesten, ursprünglichsten 
Weisender Poesie zu gehören. Mit Tanz' und Mosil 
verbundener lyrischer Gesang findet sich überall, auch 
l)ei' oen rbhesten uii4 ivildesten Völkern, bei denen man 
^auifi. eine Spur bfirgerlicher Gesittung wahrnimmt. Der 
Inhalt solcher Volkslieder i^t oft historisch, oft auch Auf- 
munterung zum Muth und zur Freude. Auch mochte 
das Leben der il^rtenvöl^er bald Gesänge der Freude 
.AbjBf d^e wolthätigen EinflQsse der Natur, erzeugen. lAan 
findcit bei den. ältesten morgenländiscben Völkern häiv 
£ge Spuren . der Lie^erpoesie, , 

S. Dr. Brßwn't^ Diit, on Poetrji and Munc; Lond. 1763. 4.; 
fibers. L^ips. 1769. 8. — Memoire hütoriq»e^ iur la Chamon 
en genial ei en par Heutier $ur la Chanton FrangaUe, f^r 
Mt, Mtntnitr de Querlon, rot der Anthologie Fran^ite; 
Pur. 11», ^ V0IIS. ^ Hutorieal Eumg.on tbe Origin ani 
Prpgretß of Saiienai tSong, Tor dem ersten Bande der Stltet 
. qolleciion of English Songt,* Lonf, U83. 3 VoU, a 
Unter dfBi^ Erzeagnissen der' orlentaUscheo Lyrik sind die alten Chi- 
nesischen Lieder inffrkwfirdig , belebe Kong-fa-tsea im 
^ ^' «etbsteiB ^hib; lr»l' ChrfMos lürtef di«i Namen Seki-King m* 
i itfWBflfaiieiilKirvid jtnikiui va$ aesdHkkddicb die tctfflicht 



j 



Lyriscbe Poeiie« 

deutsche Bflfttbeilimg ydn Rfi«l:eTt nSiier gtimnlit 
Man kann sie- theils in dSe" Gattung des üedes, tiieil» In -dÜe der 
Ode steUen; Confutüi Chi- Ki»g • VaHn» eä* Mokl^ . Siutig. 
et Tubinff, 1830J 8. Scld'Kikg\, dkm Deottdien . jingedgnel 
von F. Rückert; Altona 1833. 8.^ -^ Um aas dem Siefcenge* 
Stirn der persiffchen <groiseu {Hohler nnr fiinen henMnihe- 
ben, möchte ffafis als> JUederdiabler « als» heiterer« SA&ger des 
Weins nnd d!er>Li€i)e, Tor AQen hiei^.sa nennen. 8dn;> dessen 
biTan ton Jos. v. Hammer fibersetst zn Stattg. n. TfiB»l812. 
8. erschienen isi — «Als arabischer Lynh^isi Moteüebbi 
herrorndieb^n; fibers. von Jos; v. flamm^r, Wien. 1823:- 8. 

§. 146. 
Griechenland hatte Tiele Liederdichter, von d^ren 
meisten uns nur noch die Namen und einzelne' Bruch« 
Stücke übrig sind. Die Form, und Bestimmung der, grie- 
chischen Lieder war müinigfaltigs bemerkenswearth; un- 
ter ihnen sind die sogenannten SkölieUi'' od^r Lieder 
mjthkclien, historischen, möral}|g'chen oder sonstigen In- 
haltes, die als Tischlieder gesungeq vvurden. Muster von 
lyrischer Leichtigkeit und Anmuth sind die Lieder An a- 
kreon's; von Tiefe und. Innigkeit der Erapfindiing zeu- 
gen die Fragmente der Sappho. Die besten röiQ^- 
schen Liederdichter sind Horaz und Catull, 

' ' . 4 « 

S. Jhux Memoirei mr lei chantom de Vaneienne Grece. par Mr, 
de la Nauzey dam le$ Mem, de VAcad, dei Jntcr, T./X 
p. 315.; übers. Von Ebert als Anhang zq v. Haged6rn*f 
Oden nnd Liedern. Th, ITL s. poet Werlre. Bu'reHe ^n, 
Flut, de Mwticaj in dens. Mem. T. XV. p. 311. r- Yei^I. die 
heim vorig» .§• suget faistorisqBen Abb. Viele bieher gehörende 
Etläntentngen ündet man auch in Dr. Burney*i General Hi- 
Btory of Mmic; Lond, 1776. 4. Vol Lp. 253 ss. nnd in J. N. 
Forkel's AUg. Gesch. der Masik; Leipz. 1788. 4. B. I. S. 194 ff. 
— Etwas von den Skolien derGrieidieo^ von H. H. Clndlns^ 
s. in der Bibliolh. der Alten Litteratnr nnd Knnst ( Gott 1786. 
8.) St. L S. 54 .ff, — SxoXut^ A. e. Carmina Convivalia Grae^ 
carum,y metri» 9ui$ rettituta et Animadversi. iüustratay prae- 
int$$a Duquisitione de ho4^ genere earminit. ed. C, D. Ilgen; 
Jnt. 1798. 8. — Anacreontii Carmina^ ed. E. A, Moebiui; 
Hol. 18t0. 8. Gotha 1826. 8.; ed. F. Mehlhorn^ Glogav. 1825. 
8. Deutsch v. K.W. Ramler, Berl. 180L 8.; von F. G» Ret- 
tig, Hildesh. 1825. &; tos R. J. L. Sattfon von Himmel- 



tu Lymcke Poesie. 

«Aitra^ Jügt l^afik' &; T. Bcatkliaosefl, Lemgo 1837. 12.; 
' Tim KaBBesieCaier, Preiialaii 1828. 16.; von A. A. Nieberg, 
. .€l6ttio^ 1832. 8. YefgL (Sebneiiler's) Annerkingen über 
.. den Anakreeo; Lpz. 1770. & Herder's Fragmente, L 8. 138 ff. 

MaMo'e AMk in den Nachlr. mm Salcer^.B. VL S. 343. - 

Die • Fragmente* der Sappho meist beim Anakreon; einzela 
. ▼• fl« F.tt. Volger« Lei(NB. 1810. 8.^ Toii Cbr. Fr. Neue, 

BerL 1827. .4. Deatub tob Ramler beim.AmAreont ▼. G. C. 

B(rann), Wetilar 1809. 8.; am Aeakreon ▼. .$ams. y. Himmel- 

. fttleriL ^ Hiraiii Üb. /. Od. 4. 5. 8. 9. Id. 16-20. 23. 25- 

. 27. t9.>32. 33. 36.38. IL 4. 6. 6. 8. 12. 13. 1& UL 7-10. 12. 

13. 15. 17. 19. 21. 23. 27. 26. /F. 3. 8. 10-13. ^ Catulli 

Carißiina, ex ed. F. W. DHring; Lip$. 1788. 92. 2 VM & 
.' 1834. 8.; ei.^JuL SilUff, Gott. 1823. 8.; ex rec. C, Lack- 

mannt, ßeroL 1829. 8. Deotacb, im AoszCge, t. R am 1er, 
- ' Lcfpz. 1793. 8.; von Scbwenck^ Franlct 1829. 8. — Das Ge- 

didit TOB derVermiblimgdea Peleoa wid der Tbetie, mit einer 
' deafacben UebersetiBiig tob C. R F. Eieenecbmidtf Alten« 
- ^jorg 1787« gr. 12. und darüber ein lateiotsclier Brief yoa K. G. 

Lenz; Gotba 1808. gr. 4. Vergl. Jacobs Abb. in den Nacfatr. 

^Sdlzer^ B. I. S. 158. 

''-/[' §. 147. 

Die' vorzfiglichstcn neueren Liederdichter sind bei 
den ItalieneiD': Testr, Chiabrera, ZappI, Filicaja, 
Rolli, M'eta^taftio' udd Frugoni; bei den Spaniern: 
Garcilassp de la Vega, Estevän Manael deVil- 
legaiSy, liula de L.eon und Vicente de Espinel; 
bei den Franzosen: Cbaulieu, la Fare, Liainez, Be- 
ranger, Desaugiers, Lamartine u. a. m.; bei den 
Englandlern; Waller, Prior, Landsdown, Shen- 
stone, Mrs. Barbaüld, Aikin, Lord Byron, Tbo- 
mas Moore u« a. m.; bei den Deutschen: v. Hage- 
dorn, Uz, Gleim, L,e88JDg, ZacbariS, v. Cronegk« 
ViTeifse, Jacobi, Götz, Miller, Hölty, Claudius, 
BQrger, Vofs, Matthisaon, Herder, v. Göthe, v. 
Schiller, v. Salis, Baggesen, L. Tieck, A. W. v. 
iSchlegel, Rttckert, G. Schwab, Uhiand, Höl- 
derlin u. a« m. 
Ueber die Gescbiebte der Liederpoeaie e. die bei §. 145. ange£ 
heidea UtlodseiwB Abh a adhmgeBi nad ftr DeatecUand Mei- 



sler's B«itrSge:zar.cUrlil«äi«ii;S|ir9ch^.l1i.»]i fi^ 67 IT Her- 
de r'a Toitedelzimi zweiCtti'TMle «. Yelfayiedlkr;iiiid;KoGli*« 
Ctaipendiiim der deiitsclbeiiJtattttriftt^eaobi^d^ Bk Ut & 1 — 
1^; ^ Oper« db' a'e«!^'; rSfiteno 1618. & -- Jf GiUc^rera, 

lux. \1Z1: %. '^ 4i:R&il%; ijihd» 1727. & ^ i«. M^immta- 
•ioiT.JV. ^ üFruganirT. V. VLiX. ^^ ObrmdeGan^ 
cil4h§o de la^ng^f NkiM I76&. 8. -^ La^.ErüHtäB de 
DomEe^ei^üii Mmiikeidd ViUegmkiNäjeralWli 4.: 06ra« 
d^ LiKiede Leon; Valenew IHLB.'U Arte Poeriea Eiptmola^ 
jf tarioi Münde j^Wciktmde E9]^inei; Madr.Ußl,,U. -- 
YergL .y eU Z4fuet^ <Gitech; l d^ npn; IKebik S. 414 'ft iu B o a* 
terwek'e GescL d. Poesie n. Bereds. B. IH Sk 96>ir. KCan' 
eionero Generiü; Toledo X^l, ftiL -^ Oeuvree de ChauUeu; 
Für. 1750. %yolUJ% -^ Je Jja: F«rR| Par. 1755u , Ä VoU. 
12. — de Laine^ßi ^ taHatfe 1753. H. Die Chai^o^ Top 
Pierre Jeaji de Bpranger sjnd seit 1815 öfter erscIiieneW 
DeMavg'iere ^hansiffu et pO^i diversek, Parü 11S271 ' 4 V^Ü: 
8. ^Aiphone^ )i9'Lamm¥tiHt M'idktitwm p0iH^^i PiirU 
1820. 8« S. SQci^: ütcoii^'/ d^ . CiUiHfsn« i:hoi$iek^ aUi^Jfß^ 
1736-7-1746. 8 ¥dUl% Anthologie Fran^aUe$ ParU 1767. 
3 Voll. igr. 8. Mehrere, s.. in /dem ange£ Memoire biitorique eur 
la Ckanson, par Quer Ion; und' im Euai eür la ^ifüetque, T. 
IV. Par. 17601 4. ^' Wählen Poem; Ldttd; 1745. 8.*- DW 
bMen Slficl»! der fibiigeii'B. inr'^tib'tii's.JBifdy 'Ott ;S0i^-li^r»: 
fti^«.frfV& a (:oHee$ion. of E^li^h Spnge; JLond. 1774^ 8.; ßnA 
in.Ramiatf'9 TeatoMe-CoüecHon; Xrond. 176p.'8. iind. vorzfigf;. 
)icli:^l Select Collection, of Engliih Songs ; Lon^. 1783. i Voll. 
8. — Von Xord Byron gehören hieher yorzS^ich die^^e^eib' 
Melodieg u. die Miscellaneoui p'6eike; yon Thamäs Moore 'die 
Jrith Iffelodieg und die^aitioilaiig, welche. er teler dem-NMuea 
ThoQia.8 Little. heraiifgali. -:-. v. PHgedilri^*«^' Uii^«t 
Gleim*«, Lessing's, ZachariS's, y. Ccone^k's Lieder ia 
deren gesammelten Werken. .— Weifsc^ns Ijrische Gedichte, 
3Th.; Leipz. 1777. kL 8. — ' Jacöbi's Gedichte; Hafberst 1771. 
3 Thle. 8. -^ Göt^e*ns Gedichte; Mannh.' 1785. 3 Bde. 8. ^ 
J. n. Miller's Gedichte; Ulm 1783. S: ^ UöUy's Gedichte; 
Hamb. ]l$04.. 8. — (Cl»aflfü8>'.imief omnia sua eecum pof' 
taiUy oder simmtliche Werke des Wandsbecker Boten; Hamb^ 
1775— 18Ö3. 7 Thle. in 6 Bünden. 8. — Burger*s Gedichte; 
G5tt 1798. 4 Bde. 8. — Vofs's Gedichte, B. 4—6. — Mat- 
thisson's Gedichte; Zürich 1803. 8. — Lieder yon Herder 
In 9. Volksliedern y Zerstr. BlSttem, a. a. m. — t. G5the'« 
Lieder in Bd. 1—5 mid 47 der Werke, Ausg. letzter Hand. — 



OB ^ LyriBche'^Poan&L 



, :t. Schillct'f ' Giiaidilbt Lnpi. {lg|«/>2. Bd«. IS. «^ >.« SaIis 
Gediekte^ 41» Aisg:; ZftiidllLMOl 6. ^ .J«&f Bagj^^en'i 
Gedichtet HiMlnli«.186a.^ Bde< & ^ JL Tieck's «Gt^dite; 

. . Dmlkn 1821—33. 3 Bde. & — Aw W. y. S«|ileg€l^8 Poe. 
Üflclie .W«flke; Beidelb/iaiL fIBde. «> ^ ;Fr. Rftckert*s 
Gedichte; Stattgart 1885; g. -r Giut. 8eliwab*s. Gedkhte; 

' Ha^elb.1828. 2. Bde. .8. w L«d. UMand*s Gedichte; Siattg. 

. .18a&.8. ^ HdLdertin'i Gedichtet StiiUg. 182«.. «u *-* - 
SamtailäBgeB: E e m l e g ' ¥ lyriäehfe . BlmAenWae, L«lpi.'1774. 
m2Bde..a ViBJk«]iede^Leips..l77B.-,7a 2Bda 8. Lieder 
^# Oenlecheii ( gesammelt toii & HAFfiefeli)^ Zflrieh 1788. 
. SBde.*8; Ha«tbiMon'e<LgFriachcfAalluilogie$.Zarieh.lSe3-7. 
20 Bde. 18. • 

' Ber geistlichen Li'e derpdesie ist in iSer neue- 
sten Zeif/ vornehmlicli unter uns Deutschen y leine beson« 
der^ {A^nunerksainkeit gewidmet würdeiij, indem. man einer- 
teitsi Skei^e Kirebenlmlftry fpiewobl nicht inoier mit glück- 
lichem Erfolge, dem jetzigen 'Geschmack lingiemesseDer 
za machen/ andererseits dieselben adf ihre ursprüngKche 
Qestalt zurückzuführen gesucht hat ^uch fehlt es nicht 
an trefflichen neueren Lie^ei^i die^ser^ Art« . Das geist- 
liehe Lied ist bestimmt anr Erweckong der And^pbt, so- 
wohl bei der häuslichen, als ^ (5ff entlichen 6ot;te8Tereb- 
rang; es will durch religiöse Yorstellungen und Empfin- 
dunsen dasGemÜth erheben und erwärmen« Da es dem 
ganzen, Volke, auch den minder gel^ildeten Class^ an- 
gehört, so mufis der Inhalt desselben einfach und leicht, 
der Ausdruck schlicht, edel und gefühlvoll sein, und es 
darf weniger Verstand und Phantasie, als Herz und Em- 
pfindung beschäftigen. Die Engländer haben an Watts, 
die Deutschea an Luther, Paul Gerhardt, Geliert, 
Gramer, Klopstock, Schlegel, Lavater, Nean- 
der, Funk, Niemeyer, NoTalis (Fr. v. Harden- 
berg), Frau von der Recke, Knapp u. A« nu^treff- 
liche Muster dieser Art 
S« Gellert*8 Vorrede za s. geistL Oden imd Liedern. — 
Cramer's Vorrede m s. Gedichten, TL L — Herder's C2- 
dlia, in den Zerstr. Buttern, SammL V. S. 300. ^ (Wilhelmi) 

Von 



Romanze. 129 

Ton dem geistlichen Liedei Heidelb. 18M. 8. — Heerwftg<^1^^8 
LitteratnirgescL der Kircbentieder, Bd. I. IXenstadt a. d. Aisch 
1792. Bd. II. Schweinf. 1797. 8. — Gottl. Mohnike Hjmno- 
• logische Forscliungen; Stralsund 1831 — 32. 2 Bde. 8. — Lang- 
b eck er Das deutsch -evangelische Kirchenlied; Berl. 1830. 8. — 
H. Ho ff mann GeBchichte des 'deutschen Rirehenliedes bis wd 
Luthers Zeit; Breslau 1832. 8.— Ueber Dr. Martin LntheriS 
Verdienst um den Kirchengesang, von A. J. Rambach; Ham- 
burg 1813. 8. — Yergl. Koch's Compendium, Bd. II. S. 1 ff. 

— The Works of Br. 1$. Watts; Lond, 1810. 6 Fhll 4. --- 
Von Luther haben sich 38 Lieder erhalten. Die Lieder Lu^ 
thers sammt einer Answkhl anderer Siterer KirdengesSnge, het" 
ausg. von Kosegarten; 6rei&?r. 1818. 8. — Panl Gerhardt'» 
geistliche Lieder; Berl. 1827. 8. — Geliert's und Gramer 's 
geistliche Lieder s. in ihren Gedichten. — Klopstock's geist- 
liche Lieder; Kopenh. 1758. 59. % Bde. 8. und B. YH. s. Werke. 

— J. A. Schlegel's Gedichte, Th. I.; Haniiev. 1786. R --^ 
LaTater*8 fünfzig geistl. Lieder; Zürich 1771. 8. ChristHciier 
Lieder, zwei Hunderte; Zürich 1776. 80. 8.. Katechismuslieder; 
Zürich 1780. 8. — Neander*s geisd. Lieder; Riga 1766. 73. 
2 Thle. 8. — G. B. Funkes geistl. Lieder; in Zollikofer's 
TL a. Liedersammlungen. — A. H.NiemeycT*s religiöse Ge- 
dichte; Halle und Berlin' 1814. 8.-*- Novalis Schriften, Berlin 
1816. 2 Bde. 8. — Gedichte der Frau Elisa von der Recke, 
2te Aufl.; Haue 1816. 8. Ders. Geistl Lieder; Leipz. 1834. 8. 
Christliche Gedichte von A. Knapp; Basel 1829. 2 Bde. 8. — 
AnTser diesen Dichtem haben sich noch von Wessenberg, 
Witsehel, Krnmmacher, Hax v. Schenkendorf, Strsck, 
Freadentheil, Hesekiel a. A. im geistl. Liede ausgezeich« 
net. Zahlreiche Sammlungen, z. B. Geistl. Liederschatz; Berlin 
1832. gr. 8. Am bedeutendsten: A. J. Rambaeh Antholc^ie 
christlicher G^nge ans allen Jahrhunderten der Kirche; Altona 
und Leipz. 1817 — 33. 5 Bde. 8. nnd: Evangelisches Gesang- 
nnd Gebetbuch för kirchliche nnd häusliche Andacht (von Ban- 
sen); Hamburg 1833. gr. 8. 



RomtansEe. 

§. 149. 
In der Romanze (oder Ballade *)) berfihren sich 



*) Der 4«iitieiie Spracligebraach untersdieidet nicht genau tirischen 
E»chenb, Th. 9 



lao 



Romanze. 



Epo« and Lyrik^ denn Uer hemdit die lyrische Empfin- 
dang des Didifers zugleich mit dem epischen Interesse 
der Begebenheit. Aach wenn die Darstellung ganz ob- 
jectiv ist, hat die Romanze die Ton lebhaftem Gefühl er- 
SMOgte rasche Bewegong, so wie die metrische Form mit 
dem Liede gemein. Die ihr zom Grande liegende Be- 
gebenheit ist einfacher als die epische, am in Einer Em- 
pfindung rasch vorgetragen zu werden. Die Romanze 
ist dem Alterthome fremd and gehört ganz der neueren 
Welt an; m ist die eigoitlich romantische Dichtart. 
Selbst das romantische Epos {s. §. 80.) besteht meist aus 
einer Reihe von Romanzen, und in der Spanischen Lit- 
terator nimmt die Romanze geradezu die Stelle eio, 
welche in der Italienischen das romantische Epos be- 
hauptet 

§. 150. 
Die Romanze oder Ballade war ursprfinglicb be- 
stimmt, das Andenken von Begebenheiten aus solchen 
Zeiten zu erhalten, in welchen schriftliche Aufzeichnung 
wenigstens beim Volke nicht gewöhnlich war. Ihr Stoß 
pflegt daher in der Geschichte dunkler Jahrhunderte, 
vorzüglich des romantischen Mittelalters zu liegen, wo 
das Geschehene von der Sage vergröfsert, verschmolzen 



Bemause und Ballade« Dock pflegt naii enlbleade Volkslieder, <n der 
bei den nOrdlich-germanischen YMkern gebrinchlicben Fona, Balla<leB* 
in einer sndlichen Fonu, Bomanaen in nennen. Bei der Ballade aQSSchlief'' 
lieh an einen ernsten tragischen Inhalt, Tvic den der meisten engliscben 
and schottischen Balladen, an denken, hat man keinen genagenden Grand. 
Ballade beaeichnete nrsprfinglich ein blos snr Musik, oft auch aom Singen 
beim Tana bestimmtes, nicht immer enShlendes Lied. Der NameBomante 
weist anf die romanische, durch Mischung des Lateinischen mit den 
Volksdialekten im Sfiden und Westen £uropa*s eptstandene Sprache (Romance), 
in welcher romantische Begebenheiten besungen «n werden pflegten. Vergl* 
Dr. Percy's historische Versuche dber die Romanae in seinen unten an- 
anfahrenden Beliqnes of anc. Engl. Poetry. Snlier's Allg. Tb. 
Art.: Bonanae; und A. W. von Schlegel in den Charakteristiken ond 
Kritiken; (Königsberg 1801. 2 Bde. 8.) Bd. IL S. 19 ff. Eichhorn'* 
Allgemeine Geschichte der Kultur, Bd. L S. 03. *- Willibald Alexis 
(Hlring) Ueber BalUden.Poeaie; im Heimes. 1834. Sl. 1. S. 1 — ü^* 



Romanze. 131 

und poetisch abgerundet i^ard. Auch der kindliche 
Volksglaube jener Jahrhunderte ist eine wesentliche 
Quelle der Ballade, vorzüglich der nordischen. Dieser 
Glaube an Dämonen der lebendigen Natur, an Elfen, 
Kobolde u. s. w., is| bei aller Einfalt nicht ohne tiefe 
sinnige Bedeutung, und behält bei einer liebevollen An- 
sicht der Matur selbst für die aufgeklärten Jahrhunderte 
seinen Werth. Daher auch der ];ieuere Dichter von die- 
sem Volksglauben Gebranch machen darf. , Er wähle ei- 
nen Stoff, der im Volke lebt oder leben kann (wobei 
er nicht durchaus, wie der epische Dichter, auf eine 
wirklich historische Grundlage angewiesen ist), und er 
gebe diesem Stoffe eine Gestalt, die sein Gedicht fähig 
macht, im Munde des Volkes fortzubestehen. 

§. 151. 
Die Ballade oder Bomanze nähert ^ich bald mehr 
dem Epos, indem sie eine gsinze Begebenheit erzählt, 
bald mehr der Lyrik, indem sie nur von einer als be- 
kannt vorausgesetzten Begebenheit singt. Aber auch dem 
Drama ist sie verwandt, welches ebenfalls das lyrische und 
epische Element, nur in einer höhern Spkäre, vereinigt. 
Die dramatisirten Balladen sind meist die ergreifendsten. 
Doch pflegen alle drei Formen, die der schlichten Er- 
zählung, die der bildlichen Darstellung einzelner ergrei- 
fenden Situationen, und die dramatische Form, gewöhn- 
lich vermischt zu erscheinen. *— Kürze und Einfachheit 
sind wesentliche Eigenschaften der Ballade; auch ver- 
langt sie ein zum Gesänge geeignetes! leichtes Versmaafs, 
über welches sich jedoch keine bestimmte Begel geben 
läfst Bei den Spaniern herrscht das trochäische, bei 
den Engländern das iambischä Vermaafs in kurzen Stro- 
phen vor. Ein Refrain oder Abgesang am Schlufs der 
Strophe ist bei den englischen Balladen nicht selten, 
bei den dänischen durchaus gebräuchlich. 

§. 152. 
Die eigentliche Heimath der Romanze istSpanien^ 

9* 



132 Romanze. 

wo die zahlreichen vereinzelten Kämpfe mit den Maa- 
ren unerschöpflichen Stoff zu diesen lyrisch -epischen 
Dichtungen gaben. Als Hauptheld glänzt in ihnen der 
Cid. Auch Frankreich besitzt Dichtungen ähnlicher 
Art.. Bei den Schotten und Engländern ist vor- 
züglich die ernste tragische Ballade zu Hanse; e0!snso 
bei den Scandinavischen Völkern. Deutschland 
ist ebenfalls reich an ausgezeichneten Mustern dieser 
Dichtungsarty von Bürger, Göthe, Schiller u. A. 

Anzeige der yornehmsten Sammlungen span. Bomanzen, 8. in 
Velazqnez Gesch. der span. Dichtkunst von Dieze, S. 444 ft 
nnd in den litterar. ZnsStzen za dem Salz ersehen Artikel: Ro- 
manze. — VergL Eichfaorn's Allg. GescMcfate der KaHar, 
Bd. I. S.'133L Bdvterwek's Gesch. der neuem Poesie und 
Beredsamkeit, Bd. IB. S. 27., 52.» 116 ff. — Ueber tausend Ro- 
manzen und Lieder, stehen in der Sammlung: Romancero gene- 
rat; Medina del Campo 1602. 4./ 2te Ausg. T. L Madrid leoi, 
T. //. Valaäolid 1605. 2 Fo//. 4: Madrid 1614. 2 Voü. 4. - 
Bomanceros^ heransgeg. t. P. A. Duraji; Madrid 1828. 29. 
32. 8. -*- Romance» e Mitoriag del Cid, Litboa 1615. 12. (enth. 
102 Romanzen); Romancero e historia del Cid; Madrid 1818. 
12. (enlh. 78 Romanzen.) Der Cid, übers, von Duttenhofer; 
Stnttg.1833.8. — Herder*8Gid.~Depping Samml. der besten 
alten spanischen historischen Ritter- und Maurischen Romanzen; 
Altenb. n. Leipz. 18il7. 12. Altspanische Romanzen, fibers. Ton 
Fr. Diez; Berlin 1821. 8. Spanische Romanzen, üb^rs. von 
Beauregard Pandin; Berlin 1823. 8. — Französische Ro- 
manzen findet man, auTser in den Singspielen und Vaudeyilleo 
dieser Nation, unter den Liedern in Monnet^s ange£ Antko- 
l(^^ Frangoise^ gesammelt in dem Recueil de Romance$ Meto- 
riquesy tendree ei burlesquet; Parit 1767. 73. 2 Voü. 8. nnd in 
dem Nouveau Recueil de Romancee; Parie 1774. 2 Voll. 12. 
Zu den besten gehören die von Moncrif, Feutry, Fahre 
d'Eglantine, Marmontel und Berquin. Des Letztem Ro- 
mance$; Pari» 1776. 8. 1788. 12. — Von der neuesten roman- 
tischen Richtung: Victor Hugo' $ Ode» et Ballade» uoA Orien- 
tote». — DieyoUstSndigsten Sammlnugep Englischer und Schot- 
tischer Romanzen und Balladen sind: Dr, Percff*» Relique» 
of andent Engli»h poetry, IIL ed. Lond. 1775. 3 Voll. S.; 
Ein» Specimen» of ^arly engUth metrical romance», London 
m>h od. 1811. 3 Voll. S.; E9an»'s OU Bailad», hütorical 



N 



Romanze. 133 

. anä narratiwy Lond. 1810. 4 Voll. 8.; d!o Sammlangen Ton 
Jos. Ritson; TOD H. Weber. Sdect 8coii$h Ballads ; Lond» 
1781. 8ß. 2 Voll. 8. Nenereron^Rowe, Gay, Tikell, Sben- 
stone, Mallet, Goldsmith, Percy, Cartwrigbt, Scott 
n. a. m. — Die dänischen Balladeii sind bei tms vorzüg- 
lich in der Uebersetseang bekannt: W. A. Grimm Altdänische 
Heldenlieder-Balladen, Heidelberg 1811. 8.; darunter die Balla- 
den: Herr Olaf, die Elfenhöh o. a. m. — Ana der schwedi- 
schen Litteratur hat sich Torzuglich die ans einer Reihe Ton 
Balladen bestehende Frithjofssage bei uns eingebürgert. Die 
Frithjofssage von Esaias Tegn^r, aus dem Schwedischen Ton 
Gottl. Mohnike, zweite Aufl., Stralsund 1831. 8. ^Dais Ori« 
^nal erschien , zuerst vollständig zu Stockholm 1825. 8.; vierte 
Ausg. 1828. Von altem deutschen historischen Liedern' 8.-^ 
die Zus. zum Sulz. Art: Romanze; Herde r*s Vorrede zu 
Bd. n. s. Volkslieder; Koch's Compendium, Bd. IL S. 51. 
und Gräter's Abb. fiber die deutschen Volkslieder und ihre 
Musik in Bragnr, Bd. IIL S. 207. — Bfirger's, v. Stol- 
berg's, Vofs's, Hölty's, Göthe's, Schiller's, Fr. 
Schlegel's, A. W. Schlegel's, Tieck't, Schwab*s, Uh-^ 
land*8 u. A. Romanzen und Balladen. — Sammlungen: Ro- 
manzen der Deutschen; Leipzig 1774. 78. 2 Bde. 8. Balladen 
und Lieder altengl. und altschott. Dichter, mit deutscher lieber- 
Setzung heransg. von Urs Inas; Berlin 1777. 8. Volkslieder 
(von Herder), Leipz. 1778. 79. 2 Bde. 8.; (Bodmerei) Alt- 
engl. und altschwäb. Balladen; Zürich 1780. 81. 2 Bde. 8. Ro- 
manzen und Balladen der Deutschen, gesammelt von E. F. 
Waitz, Altenb. 1799. 1800. 2 Bde. 8.; v. Arnim und Bren- 
tano, des Knaben Wunderhom; alte deutsche Lieder, Heidel- 
berg 1806 — 8. 3 Bde. gr. 8.; Busch ing's und v. d* Hagen'« 
Sammlung von Volksliedern, Berl. 1807. 12. Sammlung histo- 
rischer Volkslieder und Gedichte der Deutschen, von O. L. B. 
Y^olff; Stuttgart und Tübingen 1830. 8. Die Volkslieder der 
Deutschen von der Mitte des 15ten bis in die erste Hälfte des 
19ten Jahrhunderts, herausg. von F. K. v. Erlach, Bd. I. H.; 
Mannheim 1834. 8. Fr. Rafsmann's Auswahl neuer Roman- 
zen und Balladen; Helmstädt 1818. 8. Die Romanzen und Bal- 
laden der neuem deutschen Dichter (gesammelt v. Fr. Rafs- 
mann); Quedlinb. and Leipzig 1834. 8. 



132 Romanze. 

wo die zablreichcn vereinzelten Kämpfe mit den Man- 
ren nnerschöpHichen Stoff zu diesen- lyrisch -epischen 
Dichtungen gaben. Als Hauptheld glänzt in ihnen der 
Cid. Auch Frankreich besitzt Dichtungen ähnlicher 
Art.. Bei den Schotten und Engländern ist vor- 
züglich die ernste tragische Ballade zu Hanse; eflbnso 
bei den Scandinavischen Völkern. Deutschland 
ist ebenfalls reich an ausgezeichneten Mustern dieser 
Dichtungsarty von Bürger, Göthe, Schiller u. A 

Anzeige der Tomehmsten Sammlungen span. Bomanzeo, 8. in 
Velazqnez Gesch. der span. Dichticnnst von Dieze, S. 444 ff. 
nnd in den litterar. Znsltzen za dem Saizersdien Artikel: Ro- 
manze. — VergL Eichfaorn's Allg. Geschichte der Knhnr, 
Bd. I. S. 133L Bdvterwek's Gesch. der neuem Poesie nnd 
Beredsamkeit, Bd. IH S. 27., 52., 116 ff. — Ueher tausend Ro- 
manzen nnd Lieder stehen in der Sammlang: Homancero gern- 
rat; Medina del Campo 1602. 4./ 2te Ansg. T. /. Madrid 1604. 
T. //. Valaäolid 1605. 2 Voll 4: Madrid 1614. 2 VoU. 4. - 
BomanceroSy. heraosgeg. T. D. A. Darflui; Madrid 182S. 29. 
32. S. -^ Romancet e hiwtoriai del Cid, Liiboa 16lb. 12. (enih 
102 Romanzen); Romancero e Jdstoria del Cid; Madrid 181S. 
12. (enlh. 78 Romanzen.) Der Cid, fibers. Ton Dnttenhofer; 
Stnttg. 1833. a — Herder*s Cid. — Depping Samml. der besten 
alten spanischen historischen Ritter- nnd Maurisdien Romanzen; 
Altenb. n. Leipz. 1817. 12. Altspaniscbe Romanzen, fibers. von 
Fr. Diez; Berlin 1821. 8. Spanische Romanzen, ub^rs. von 
Boanregard Pandin; Berlin 1823. 8. — Französische Ro- 
pnanzen findet man, aoTser in den Singspielen nnd VaadeviUeo 
dieser Nation, anter den Liedern in Monnet^s ange£ Antho- 
logie Frangoiie^ gesammelt in dem Recueil de Romancen Mo- 
rique$j tendree ei burleiquei; Parii 1767. 73. 2 FoU. 8. nnd in 
dem Nouveau Recueil de Romancee; Parie 1774. 2 Voll* 12. 
Zn den besten gehören die von Moncrif, Fentry, Fahre 
d'Eglantine, Marmontel und Berqain. Des Letztem Bo- 
mancet; Parie 1776. 8. 1788. 12. — Von der neuesten roman- 
tisehen Richtang: Victor Hugo'e Odee et Ballades und Orienr 
täU: — DievoUstSndigstenSammlaugeo Englischerand Schot- 
tischer Romanzen und Balladen sind: Dr. Percff*» Reliquei 
of ancient Englieh poetry, IIL ed. Lond. 1775. 3 Voll. S.; 
Ellit Specimeni of ^arhf engUeh metrical romancee, London 
1«05 od. 1811. 3 Voll. 8./ £«a»s's OU BaUade, hutorical 



N 



Romanze. 133 

and narrative, Lond. 1810. 4 VqH 8.; die Sammlangeii voo 
Jos. Ritson; TOD H. Weber. Select Scotish Ballads ; Lond* 
1781. 8ß. 2 Voll. 8. Neuere von.Rowe, Gay, Tikell, Shen- 
6tone, Mallet, Goldsmith, Percj, Cartwriglit, Scott 
n. a. m. — Die dänischen Balladed sind bei uns Torzfig- 
lieh in der Üebersetaning bekannt: W. A. Grimm Altdänische 
Heldenlieder-Balladen, Heidelbei^ 1811. 8.; darunter die Balla- 
den: Herr Olaf, die Elfenhöh o. a. m. — Aas der schwedi- 
schen Litteratar hat sich Torzfiglich die aas einer Reihe von 
Balladen bestehende Frithjofssage bei ans eingebürgert. Die 
Frithjo&sage von Esaias Tegn^r, aas dem Schwedischen von 
Gottl. Mohnike, zweite Aafl., Stralsund 1831. 8. ^Das Ori* 
ginal erschien , zuerst vollständig zo Stockholm 1825. 8.; vierte 
Ansg. 1828. Von altern deutschen historischen Liedern s.-» 
die Zus. zum Sulz. Art:. Romanze; Herde r*8 Vorrede zu 
Bd. U. s. Volkslieder; Koch's Compendiam, Bd. H. S. 51. 
und Gräter*s Abh. über die deutschen Volkslieder und ihre 
Musik in Bragnr, Bd. IH. S. 207. — Bnrger's, v. Stol- 
berg*8, Vofs's, Hölty's, Göthe's, Schiller's, Fr. 
Schlegel's, A. W. Schlegers, Tieck's, Schwab's, Uh- 
land*s n. A. Romanzen und Balladen. — Sammlungen: Ro- 
manzen der Deutschen; Leipzig 1774. 78. 2 Bde. 8. Balladen 
imd Lieder altengl. und altschott. Dichter, mit deutscher Ueber- 
fietzong herausg. von Ursinns; Berlin 1777. 8. Volkslieder 
(von Herder), Leipz. 1778. 79. 2 Bde. 8.; (Bodmer's) Alt- 
engl. und altschwäb. Balladen; Zürich 1780. 81. 2 Bde. 8. Ro- 
manzen und Balladen der Deutschen, gesammelt von £. F. 
Waitz, Altenb. 1799. 1800. 2 Bde. 8.; v. Arnim und Bren- 
tano, des 'Knaben Wunderhom; alte deutsche Lieder, Heidel- 
berg 1806—8. 3 Bde. gr. 8.; Busch ing*s und ▼. d* Hagen 'a 
Sammlung von Volksliedern, Berl. 1807. 12. Sammlung histo- 
rischer Volkslieder und Gedichte der Deutschen, von O. L. B. 
Wolff; Stattgart und Tübingen 1830. 8. Die Volkslieder der 
Deutschen von der Mitte des 15ten bis in die erste Hälfte des 
19ten Jahrhunderts, herausg. von F. K. v. Erlach, Bd. I. H.; 
Mannheim 1834. 8. Fr. Rafsmann's Auswahl neuer Roman- 
zen and Balladen; Helmstädt 1818. 8. Die Romanzen und Bal- 
laden der neuem deutschen Dichter (gesammelt v. Fr. Rafs- 
mann); Qaedliab. und Leipzig 1834. 8. 



134 Canzone. 

Canasone» .Sonett ^ WLaüxigal, Triolett» 

Rondeau. 

§. 153. 

Mehrere besondere Arten romantiscber Dichtoogen 
baben eine genauer bestimmte Form, die jedoch nicht 
willkührlich angenommen worden, sondern dem Charak- 
ter ihres Inhaltes entsprechend gleichsam wie ein aus- 
drucksvoller Körper von der inwohnenden Seele gestal- 
tet ist. 

Die Canzone ist ein lyrischer Gesang, der, gleich 
fem vop der Kühnheit der Ode und von der Leichtig- 
keit des Liedes, mit einer gewissen Feierlichkeit und tip- 
pigen Weichheit die Empfindung reichlich in Worte 
sich ergiefsen läfst. Ihre lange, kunstreich aus elf- uod 
siebensilbigcn Zeilen gebildete Stanze besteht aus einem 
erstem Theile, der in 2wei gleiche Hälften (piedi) mit 
correspondirenden Reimen zerfällt, und einem zweiten 
Theile (nirima oder coda) von selbständiger und 
freierer Construction. Nach einer Reihe von etwa fünf 
bis zehn Stanzen, die genau einem und demselben Ge- 
setze folgen, schliefst die Canzone gewöhnlich mit einer 
kleinen, meist als Abschied des Dichters 'hn sein Lied 
gerichteten Stanze, die ripresOf congedo oder oh 
miato heifst. 

Von dieser, dnrcli Petrarca zum Master erhobenen Form der 
Canzone, welche daher aach Canzone Petrarchesca oder 
Toscana genannt wird, unterscheiden sich die im Tone kSh- 
nere, und nach Art der Strophe, Antistrophe und Epode in volta, 
rivolta nnd itanza oder in hallata^ contrahallata und itanxa 
getheilte Canzone Pindarica, in welcher sich Lnigi Ali- 
mannt und Chiabrera auszeichneten; femer die aas kürzeren 
Zeilen bestehende Canzone Anacreontica, worin wir Mo- 
ster in zärtlichem, fearigem und ernstem Tone von Chiabrera 
' besitzen; endlich die seltnere Canzone a hallo. — Aach die 
deutsche Litteratnr hat trefillche Canzonen von A. W. v. Sohle» 
gel u. A. aufEUwelsen. Die Canzonen Petrarca't «nd gificklich 
nachgebildet worden von K. Förster; Leipz. 18d3. 8. 2 AoiL 



_ J 



• > • 



Sonett ISS 



^ 



§. 164. 
Das Sonett spricht yorzugswelse Innige Empfln-i 
dang aus. Seine Form ist künstlich und genau biestimmt 
Die vierzehn gleich lang^ Verse, aus denen es b^stebti 
sondern sich in zwei ungleiche Hanpttbeile, yoa aebt 
und sechs Zeilen, deren ersterer zwei steh entspsecbende 
Strophen von je vier Zeilen (quadernanj}^ lettterer 
zwei Strophen von je .drei Zeilen (ter»iüe) eskibSltt 
In dem ersteren Haiipttbeile oder den ersten acht' Zeilen 
wechseln nur zwei Reime al), von denen einer gewöhn- 
lich der ersten und letzten, der anäere den zwei mitt- 
lern Zeilen eines jeden Quademärio angehört. In dem 
letztem Haupttheile oder den letzten : sechs. l^eilen. kön- 
nen zwei oder drei Reime verschiedentlich verschlutigen 
werden. Der durchgängig weibliche Reim ist dem'Au^- 
druck einer weichen Stimmung angemessen, doch kann 
er auch (wie inRückert's geharnischten Sonetten) der 
kräftigsten und kfihnsten Sprache ziemen. Da die .Form 
des Sonettes nicht zufällig, sondern dem in Satz und Ge- 
gensatz, Bild und Gegenbild sich darstellenden Inhalte 
angemessen ist, so werden in einem vollkommenen So- 
nette nicht nur der erste und der zweite Haupttheil, 
sondern auch innerhalb eines jeden, .'dieser Tbeile die 
beiden Strophen in einer nicht selten antithetischen 
Wechselbeziehung stehen. 

'S. Tratte du Sonnet. par Mr, C olle t et; Parti 1658. 12. — 
Crescimheni Storia d. v. P. T. IL Cap. XIV — XXI. — 
Quadrio Storia e Ragion d'ogni Poesia^ T. III. p. 12 88. — 
Muratori della perf, Poet. T. I. p^l9. ~ Boileau Art 
Poet. IL S3 »$, Remond de St. Mard Reflexion^ tur le 
Sonnet etc. Oeuvrei T. V. p. 86 m. 

Schon m dreizehnten Jahrhundert war diese Dicht-^ 
art bei Proven^alen und Italienern im Gebrauch,, aber 
ihre höchste Vollendung erhielt sie erst durch Petrarca 
(1301 — 1374.), dessen Sonette an inniger Empfindung 
und anmnthigem Ausdrucke unerreichte Muster bleiben. 



136 Sonett, Madrigal. 

Unter den Italienern, Spaniern nnd Portagiesen fand er 
zahlreiche Nachahmer (Petrarchisten)» Auch bei den 
Franzosen, Engländern und Dedtsdien gewann das So- 
nett Eingang, nnd bei den letztern t ist es von vielen 
neaem Dichtern, Torzüglich seift Bürger 's Vorgänge, 
von A; W« r. Schlegel, Tieck, Novalis, Uhland, 
Rfickert, v. Göthe, dem Grafen v. Piaten n. A. 
mit Glfick bearbeitet worden. 

' Eine der hetteii Sammlangea italieniBdier Sonelte ist die von 
Gabbi: Scdta di Sonetti e Canxoni ife' |>»« ecceüenH Bitna' 
tori tfogni Secolo; Venez. 1727. 4 VolL 12. — Voa Pc- 
.trarca giebt es weit über 300 Ausgaben. S. Manand ßi' 
hlioteca Petrarckesca ; Maü, 1806. 4. Ente Ausgabe, Venedig 
1470. 4.; kritische Ansg. von Marsand, Padoa 1819. 2 VolL 
4«; Ibihuid 1826. 2 VolL 16.; coX c&mmento di Biagioii 
.. (mi Alfieri iudj sul Petr), Park 1821. 8.; Mailand 1823. 2 
VolL 8./ deatscb von EL Förster. — Lebensbeschreibang vo» 
Beccadelli, 1560, Tor den Aosg. Mod. I7II., Päd. 1722 o. 
1732.; de la ßfiitit in den M^m. de Vacad. des in$cr. T. IG. 
17., deotfich, Prag a. Leipz. 1794. & — (de Sade) MemoireM 
pour la vie de Petr.^ Ameterd. 1764. 3 VoU, 4.; deotsch, Len^o 
1774—78. 3 Bde. 8. — Baldelli del Peir. e delle <ice opere; 
Florenx 1797. 8. Manso^s CharaUeristik des Petrarca in 
den NacbtrSgen zu Salzer, Bd. IV. S. 148. Es giebt gegen 
30 Commentatoren seiner Gedichte. — Proben von Petrarca, 
Bern. Tasso, Annib. Caro, Giov. della Casa, Pncci; 
Scarron, Fontenelle, Regnier, Desmarais; Shakspeare, 
Milton; Opitz, Flemming nnd Scbiebeler s. in derBei- 
spielsammlnng IL 70 — 89. Sanuninng: Fr. Rafsmann So- 
nette der Deatscben; Brannscbvr. 1817. 3 Thle. 8w Dessel- 
ben r^ener Kranz deotscher Sonette; Nfimb* 1820. 8, 

§. 156. 
Das Madrigal, ein kleines lyrisches Gredicht, vr%U 
ches wie die Canzone und das Sonett proven^alischen 
Ursprungs ist, pflegt einen einfachen lyrischen Gedanken, 
fein und sinnreich gewendet, in wenigen Zeilen, etwa 
sechs bis zwölf an der Zahl, anmuthig auszusprechen. 
Ton den bestimmteren Regeln, welche eine Zeitlang in 
der Form des Madrigals beobachtet wurden, ist man ab- 
gewichen. Die italienische nnd französische Lttteratnr 



Romanze. 133 

and narrativBy Lond. 1810. 4 VqII 8.; die Sammlangen von 
Jos. RItson; von H. Weber. Select ScotUh Ballad» ; Lond» 
1781. 83. 2 Voll 8. Neuere von.Rowe, Gay, Tikell, Shen- 
stone, Mallet, Goldsmith, Percj, Cartwriglit, Scott 
n. a. m. — Die dänischen Balladed sind bei uns Torzüg- 
lieh in der Üeberset^ong bekannt: W. A. Grimm Altdänische 
Heldenlieder-Balhiden, Heidelbei^ 1811. 8.; daronter die Bjdla- 
den: Herr Olaf, die Elfenhöh o- a. m. -* Ans der schwedi- 
schen Litteratar hat sich Yorzfiglich die aas einer Reihe von 
Balladen bestehende Frithjofssage bei ans eingebürgert. Die 
Frithjofssage von Esaias Tegn^r, aas dem Schwedischen von 
Gottl. Mohnike, SEweite Aafl., Stralsnnd 1831. 8. >,Das Ori^ 
ginal erschien , zuerst vollständig zo Stockholm 1825. 8.; vierte 
Ansg. 1828. Von altem deutschen historischen Liedern s.-« 
die Zas. zam Salz. Art: Romanze; Herder*8 Vorrede zu 
Bd. II. s. Volkslieder; Koch 's Compendiam, Bd. IL S. 51. 
und Grat er *s Abb. über die deatschen Volkslieder und ihre 
Mosik in Bragnr, Bd. HL S. 207. — Bfirger's, v. Stol- 
berg*8, Vofs's, Hölty's, Göthe's, Schillert, Fr. 
Schlegel's, A. W. Schlegel's, Tieck's, Schwab's, Uh-^ 
land*8 a. A. Romanzen und Balladen. — Sammlangen: Ro- 
manzen der Deatschen; Leipzig 1774. 78. 2 Bde. 8. Balladen 
nnd Lieder altengl. und altschott. Dichter, mit deutscher lieber- 
Setzung herausg. von Ursinus; Berlin 1777. 8. Volkslieder 
(yon Herder), Leipz. 1778. 79. 2 Bde. 8.; (Bodmerei) AH- 
engl und altschwäb. Balladen; Zürich 1780. 81. 2 Bde. 8. Ro- 
manzen und Balladen der Deatschen, gesammelt von £. F. 
Waitz, Altenb. 1799. 1800. 2 Bde. 8.; v. Arnim und Bren- 
tano, des 'Knaben Wunderhom; alte deutsche Lieder, Heidel- 
bei^ 1806—8. 3 Bde. gr. 8.; Busch ing's und v. d* Hagen 'a 
Sammlung von Volksliedern, BerL 1807. 12. Sammlung histo- 
rischer Volkslieder und Gedichte der Deutschen, von O. L. B. 
Wolff; Stuttgart nnd Tübingen 1830. 8. Die Volkslieder der 
Deutschen von der Mitte des 15ten bis in die erste Hälfte des 
19ten Jahrhunderts, lierausg. von F. K. v. Erlach, Bd. I. H.; 
Mannheim 1834. 8. Fr. Rafsmann's Auswahl neuer Roman- 
zen und Balladen; HelmstSdt 1818. 8. Die Romanzen und Bal- 
laden der neuem deutschen Dichter (gesammelt v. Fr. Rafs- 
mann); Qnedliab. und Leipzig 1834. 8. 



13g . Cantate. 

. T. IL Jrt. XJX XXL vmA &jAitv'9 Ällg. Theorie, Nene 

AoBgabe-, in diesen Artikeln. — Proben an« mehrem firanzds. 
und deatochen Dichtem glebt die Beispiels. Bd. 11. S. 90 — 
106. — Eine Auswahl deutscher Triolette hat Rafsmann 
' herausgegeben unter dem Titel: Sammlung triolettischer Spiele, 
Leip«. 1817. 8. 



Cantate. 

• • * 

§.' 158- 
Die Cantate gehöit zur Ijrischeo Gattung der 
Pi^esie und ist ffir die mueikalische Aufführung bestimmt. 
Wenn in andern lyrischen Bichtarten die Poesie selb- 
sfSndig ist, und von der Musik zwar begleitet werden, 
aber auch ihrer entbehren kann, 8o herrscht dagegen in 
der Cantate die Musik entschieden vor, und der Dick- 
ter mufs den Yortheil dea Tonsetzers beständig im Auge 
behalten. Von anderen lyrischen Dichtungen, und zu- 
nächst vom Liede, das 'aus Einer Empfindung bervör- 
^rOmt, unterscheidet sich die Cantate schon durch die 
mehrfachen, sowohl ihrer Stärke als ihrer Art nach ver- 
schiedenen Empfindungen, die in ihr abwechseln und 
eine dem Componisten willkommene Mannigfaltigkeit von 
Rhythmen und Yersmaafsen veranlassen. Indem aber 
die Cantate, als aus Einer Stimmung hervorgegangen, in 
jedem ihrer Theile ein besonderes Gefühl lyrisch aus- 
drfickt, kann man sie als ein aus mehreren lyrischen Ge- 
dichten organisch zusammengesetztes Ganze betrachten. 

S. (Krause) Von der musikalischen Poesie; BerL 1752. 8. 
Hanptst y. S. 122. — Rousieau Biet demuiique^ ArL Can- 
tate, — Essai 9ur Vum&n de la Poesie et de la Musique; Pa- 
ris 1765. 12. — Poetiqüe de la Musigue, par leComte de 
la Cephdes Par. 1785. 2 Voll. 8. — De la Musique, conti- 
derie en eüe mime, et dans ses rapports avee la parole, les lan- 
guetf la poisie et le thiatre, par Chabanon; Par. 1785. 
8.— Sulzer's AHg. Th. unter diesem Artikel. Eherhard's 
Th. d. seh. Wiss. S. 261 ff. D ess. Handbuch der Aesthetik, Bd. IIL 
Br. 132—139. Engel Ueber musikalische HUlerei; BerL 1780. 



Gantate. ISO 



8. Gast Kicotiai Usber nutojfcaliaijie Dujillaniity is Detaeii 
Arabesken für ]IIiiai]dir^imde;.Leipis. 1835. 8. 

§. J59- . , . . 

Nur sohhe. G^dan^^n., YpüsteUungisn .und Bilder^ 

welche eines musiKalischea Au$druckes fäbig^ aind ui)d 
ihn begünstigen, finden iß der Cantate eine Stelle. Er- 
zählung^ Beschreibung, Betrachtung u. dgl. kOnuep: nur 
in dem Maafse, al$ sie eia hestimwtes Klares Gefühl er^ 
wecken oder ausdrücken, von der Musik benutzt wer- 
den. Allenthalben uiufs das. Gefühl vorherrschen, df^n. 
das Gefühl, dem Worte ungenügend sind, das in der 
Sprache nur yerkleide^ «trscbeint, hat die. Musik zu sei-*, 
nem unmittelbaren Organe; allem Andern kann die'Mu'^ 
6ik nur durch den Ausdruck eines analogen Gefühles ent- 
sprecheo. Der Dichter wird daher^ wo ein Gefühl, sich 
geltend macht, länger verweilen, Anderes nur- kurz^. an- 
deuten, Bilder und Gleichnisi^e wii'd er nkht ausmalen; 
Seine Sprache wird so. kljar als gefühlvoll sein, und durch 
den vollkommensten Wohllaut mit der Musik verschmel- 
zen. Sinn und metrische Form müssen genau überein- 
stimmen; zugleich mit der Strophe mufs der- Gedanke 
abschliefsen , )a , am Ende jeder Zeile ein grammatischer 
oder logischer Buhepunct eintreten. 

§. 160. 
Die Cantate kann der Ode sehr Shnlich und von 
der eigentlichen Ode hauptsächlich durch eine gröfsere 
Rücksicht auf die musikalischen Anforderungen, durch 
den Wechsel von verschiedenen Empfindungen und ent- 
sprechenden Versmaafsen unterschieden sein. Diese ver- 
schiedenen Empfindungen, wenngleich sie gesondert und 
selbständig sich aussprechen, sind einander nicht fremd*« 
artig, sondern gehen vielmehr aus einander hervor, sich 
gegenseitig fordernd und hervorrufend. Jemehr aber in 
den einzelnen Theilen einer solchen Ode oder Cantate 
bestimmt geschiedene individuelle Empfindungen charak- 
teristisch ausgedrückt sind, destomelu: nimmt sie schon 



140 Gantate. 

* 

ein dramatisches Element ia sich atif, welches noch 
deatlicber hervortritt, indem der Tonkünstler jene geson- 
derten Theile der Cantate für Verschiedene Stimmen za 
setzen pflegt. Cantaten flir Eine Person zu componiren 
ist weder jetzt gebräuchlich tuodi von gnter Wirkung. 

5. 161. ^ 
Gewöhnlich aber macht sida das ^ dramatische 
Element in der Cantate noch entsdiiedener geltend, mid 
die besondem Bichtangen 'des Gi^ühles i^rerden von ein- 
zelnen Personen repräsent irt. In passender Aufeinander- 
folge und geschickter Gmppirung treten diese unter- 
scheidend charakterisirten Personen auf, um ihre eigen- 
thtimlichen Gefühle auszutauschen , die auf eine zum 
Grunde liegende, zum Thdl als gegenwärtig gedachte 
Handlung Bezug haben. Biese Handlung wird k&ehr 
vorausgesetzt, als dargestellt. Da nun die Fabel weder 
durch Erzählung noch durch eigentlich dramatisches G^- 
sprach dargelegt werden kann, sondern nur die von ihr 
angeregten' Empfindungen laut werden, so mufs nicht 
allein die Handlung höchst einfach und leicht zu überse- 
hen, sondern auch der Stoff derselben so allgemein be- 
kannt sein, dafs er sich fast von selbst, jenen Empfin- 
dungen entsprechend, der Seele des Hörers vergegen- 
wärtigt. Die dramatische Cantate ist vorzüglich bei den 
Italienern gewöhnlich , von denen, überhaupt diese Gat- 
tung ausgegangen ist. Die Haupttheile eifier solchen 
Cantate sind Becitativ, Arie und Chor. 

§. 162. 
Ein grofser Theil der Cantate besteht aus dem R e- 
oitativ, dessen Vortrag zwischen dem eigentlichen Ge- 
sänge und der gewöhnlichen oratorischen Declamation 
die Mitte hält, und dessen Inhalt erzählend, beschreibend 
oder leidenschaftlich sein kann. Es ist entweder Selbst- 
gespräch oder Unterredung mehrerer Personen. Der 
Ton ist darin ruhiger als in den übrigen Theilen dieser 
Dichtart; denn das Becitativ will die Gefühle nur vor- 



Gantate. 141 

bereiten Qod anreigeD, yrAche Astm in der Arie nüsslr^- 
men. Die Sprache nrafe aueh bier mit -Sorbit in AI>^ 
sieht auf Wohllaut und Rhythmus bearbeitet sein, !ofane 
jedoch den natürlichen Charakter des Gesprächs' zu' ver- 
lier^n. Das Sylbeninaäfs pflegt uh Recitativ nicht gleich- 
förmig und die Länge der Verse ungleich zu sein. Der 
Reim kann hinwegfalleUi oder nur an einzelnen hervor- 
tretenden i^Uen» besonders am Schlufs, zunächst vor 
der Arie, gebraucht werden« 

S. Orimareit Traitd du Ricitatif^ dam la Ucture, dant Vae- 
tion publique, dant la dedanißtion, et dank le chant; Botterd. 
1740. 8.; fifaers. in der Berl. Samtil. verm. Sehr. Bd. IV. 
S. 223. *- Sclieibe's Abh. fiber das ReciUtiv; in der 
Biblioth* d* ach. W. Bd* XL XÜ., und das Sendschreiben Tor 
seinen zwei tra^cben Cantaten; Flensburg 1765u kl. Fol — 
Krause t. d. musikalischen Poesie ^ Hanptst VIL — Slar- 
pnrg's Unterricht vom Recitativ» ip den krit. Briefen über die 
Tonkunst; Berl. 1762. 2 Bde. 4. Bd. II. Tli. 3. S. 253 -- 416. 
^ Rousseau und Sulz er in diesem Artikel ihrer Wörterbficher« 

§. 163. 
Diejenigen Stellen dies RecitatiTSy worin die Leiden- 
schaft merklich steigt, oder bei denen ibrer Wichtigkeit 
Wiegen länger varweilt wird, und die man daher auch 
dem Zuhörer fühlbarer zn machen wünscht^ werdei^ toh 
dem Dichter durch höheren lyrischen Ton hertorgeho* 
ben, so wie in der Musik sorgföltiger ausgeführt und ge- 
wöhnlich mit mehreren Instrumenten begleitet Dies ist 
das sogenannte . obligate RecitatiT, welches, iait 
'Würde und Gefühl behandelt , Tomehmlich in patheti- 
sdien Stellen von bedeutender Wirkung ist. • 

§. 164. 
Einzelne Zeilen in der Mitte oder am Schlüsse des 
Redtativs, bei denen das Gefühl lebhafter wird, machen 
das Arioso aus, dessen musikalischer Vortrag gewöhn- 
lich einfach und gefällig ist. Irgend eine Empfindtmg 
ein Wunsch, ein kleines Gemälde, können Inhalt des 
Arioso sein. Noch näher an die Arie gränzt die Ca- 
vate oder Cavatine; sie ist läoger und mehr ausge-\ 



142 Gamatg. 



als das Arioso» aber zneiaer völlig 
fen BebaDdlimg noch qicht geeignet. 

Ceber die Entstelrang der einzelnen Beitandtheile Aer Cantate b. 

. Zelter^ im Bdefw^^lisel swi^cl^e^ Gdtbe und .Zeiter, Th. HL 
S. 416.J wo e§ von der Cavatine heiDst: „sie ist nicbU anderes 
als eine Arie ohne zweiten TheO, die nicht da capo kann ge- 
sangen werden.** 

• §• 165. 
Wenn die "EmpfinduDg Bis zu einer vorzüglichen 
Höhe steigt, und sich auf Einen Punkt vereint, so ent- 
steht die Arie, ein kurzeä lyrisches Stück, aus zwei 
Hälften zusammengesetzt, ^«reu.S^^hhi&Zjeileo auf einan- 
der zu reimen, pflegen, und deren erstere ia der Musik 
am aosführlichsten bearbeitet, und gewöhnlich nach der 
zweiten, wenn Inhalt und Zusammenhang 'es vertragen, 
wiederholt wird. Indefis wird diese bestimmtere Form 
der Arie picht immer beobachtet Bei aller Stärke der 
in einer. Arie herrschenden Empfindung mufs diese doch 
von der Art sein, dafs sie ein längeres Verweilen za- 
läfist, dahingegen rasche und schnell vorübergehende Ge- 
müthsbewogungen sich .mehr für. das obligate Kecitatir, 
oder höchstens für das Arioso schicken. Aber Empfin- 
dung sei allemal der Stoff der Arie, selbst da, wo sie 
schildert und beschreibt; nicht kalte Betrachtung oder 
Erörterung allgemein«- Wahrheiten und Lehren, die kei- 
nes musikalischen Ausdruckes fähig sind. Abstufung und 
selbst Abänderung der Leidenschaft ist in dem zweiten 
Theile der Arie oft von glücklicher Wirkung, um so 
mehr, wenn schneller Uebergang zu der ersten Empfin- 
dung, und folglich Wiederholung des ersten Theiles nicht 
unwahrscheinlich wird. 

S. Von der mnsikalischen Poesie, Hanptst YIII S. 129. — 
Snlzer. and Ronssean, Art.: Arie. — Algarotti*8 Ver- 
snch über die Oper, S. 243. der Uebers. von Raspe; Cauel 
1769. 8. 

§. 166. 

Wenn mehrere Personen an dem Vortrage der Arie 



Gantate. 143 

Theil nebmen, so eriiSlt sie tindere..Bmeiii$DD^a; auch 
ist dann ihre musikalische Bea^beitang einigeraiaä&en^eiv 
schieden, und das Bedürfnifs jedes einzelnen Falles giebt 
dem Dichter sowohl als dem Tonkünstler besond^^e Re- 
geln an die Hand. Ist die Arie ein Gespräch zi^ischen 
zwei Personen, so heifst sie ein Ducti, welches nur in sehr 
lebhaften und rührenden Situationen stattfindet. J^abh der 
Anzahl mehrerer Personen, die aä dem Gesangei TfaeiL nefar 
raen, giebt es Terzett e, Quartette^Quintette u«.s.t 
^Wenn alle singende Personen oder Tiele dersißlben aiok 
zum gemeinschaftlichen Gesänge y ereinigen, so entsteht 
der Chor, der zuweilen an früheren Stellen, After aber 
am Schlüsse der Cautate oder ihrer einzelnen Abthei- 
longen eintritt. Der Chor pflegt nämlich das Ge- 
sammtgefühl aller Anwesenden auszudrücken, und die in 
den Torhergebenden Recitativen und Arien erweckten 
und ausgedrückten Gefühle auf eine entsprechende Weise 
zusammenzufassen und abzuschliefsen. 
Ue^er das Yerhältnifs des Chors zam.Recitativ and zur Arie, zn- 
nScIist in der Festcantate, spricht sich Fr. Rochlitz folgender«- 
maafsen ans : „Das Recitativ erinnert an die Begebenheit, dere& 
Andenken dnrch das Fest feierlich erneuert werden sbll; dlfe 
Arie drückt Gefiäile ans, die durch diese Begebenheit erweckt 
werden sollen; der Chor temmelt diese Gefiihle, fiisset mt in 
^ einen kornigen Spruch, macht sie dadurch kräftiger und, dauei^ 
bafter, und sagt fie so aus,, als wenn sie von der Gemeine 
selbst ausgesprochen wurden; denn diese, wie sie sein ^ollte, 
wird durch den Chor rept8sentirt.'> S. Allg. (Leipziger) IHu- 
sikaL Zeit rom ^. r^oy. 1803. ^.124 

g. 167. . 

Eine ausgefbhrtere Cantate geistlichen Inhalt^ heifst 
ein Oratorium; auch diesem ist eine dramatische Form 
Yorzöglich günstige wenngleich nicht unbedingt nothwen- 
dig. Der Stoff wird gewöhnlich aus der Bibel, jedoch 
auch aus der spätem Religionsgcschichte entnommen. 
Biblische Gedanken und Ausdrücke sind hier von be- 
sonders kräftiger Wirkung, zumal in den Chören, welche 
die christliche Gemeine repräsentiren. Der Chor ist 



144 Gantate. 

fiberbaopt ein ronOglicIi wesentlicher Theil im Orato- 
item, dahingegen die Arie bei kunstreicher musikalischer 
Behandlung allzuleicht in das Opernmäisige va-fäUt. — 
Bas Oratorium macht einen äufserst wohlthnenden reli- 
giösen Eindruck, da der Hörer, ohne leidenschaftlich auf- 
gereizt und von den Eindrücken verschiedener Sinne be- 
stürmt zu werden, nur in den Tiefen des Gemüths an- 
geregt und in eine solche Stimmung versetzt wird, dab 
er die ergreifenden Scenen und Ereignisse, die als Stoff 
dem Oratorium unterliegen , selbst thätig sich vergegen- 
wärtigt 

S. Herder*« Adrastea, St 6. S. 324. — 6. W. Finir, hi der Eii> 
cyJdopSdie von Erscb n. . Grober, Sect. m. Th. 4 S. 405 ff 
Salier's Allg. Th. Art: Orartoriaia. -* Et hat diesen Na- 
men, clen es erst am die Blitte des 17ten Jahrhimclerts erhielt, 
von der Congregation der Täter des heiL Oratorii, wo die 
Aoff&hrang geistlicher Dramen früher schon sehr üblich war. 
S. Dr. Burney'M General Hittory of Munc, VoL IV. p. 97. 

§. 168« ^ 

Die Cantate ist eine Dichtungsart , welche, ihrer 
jetzigep Form nadh, neuer, und zwar italienischer Erfin- 
dung ist. Indefs war die ganze ursprüngliche Poesie der 
Griechen und Homer, vorzüglich aber die lyrische und 
dramatische, für den Gesang bestimmt; und beider Vor- 
trag wurde von einer Musik begleitet, deren XJnterstQz- 
zung sehr viel zum Eindruck ihrer Gedichte beitrug. 
Auch die dialogirten Scenen ihrer Schauspiele, die 
sogenannten Episoden, wurden singend vorgetragen, und 
dieser Vortrag verhielt sich vermuthlich zu dem Gesänge 
des Chors in den Zwischenacten ungefähr so, wie unsere 
Jiecitative zu den Arien und Chören* 

S. Dr. Brovn^e Diu, on the rite, union, and power f ihe prO" 
greuunut eeparatumMf and carrupHone of Poetry and Mueie; 
Land. 1763. 4.; übers. Leipz. 1769. 8. — Du Bo» Disi. »ur 
Ui repreuntatione thiatraUt de$ Anden»; v. sei Reflexion»^ 
T. IIL Sect. I~-XL: fibers. in Lcssing's theatral Biblio- 
thek, St IIL und in Marpnrg's hist^krit Beitr. snr Aofiiahme 
de» Musik, Bd. 0. S. 44S* 

§. 169. 



ff 

Gantate. 14^ 

§. 169. 
Unter den neueren Sprachen ist keine, die für mu- 
sikalische Poesie so vöftheilhaft und so ganz geeignet 
wäre, wie die italienische. Sie bat daher auch vor- 
zfigliche Muster dieser Dichtungsart, besonders Ton Apo- 
stolo Zeno, BoUi, Zappi und Metastasio. Die 
französische Sprache hat dies musikalische Verdienst 
bei weitem nicht» und der Werth ihrer Cantaten, wor- 
unter dfe von dem altern Rousseau und Bachelier 
die bekanntesten sind, ist auch in poetischer Hinsicht 
weit geringer. Bei den Engländern haben die bes- 
sern zur Musik bestimmten Stücke gemeiniglich eine 
▼Ollig lyrische Form, und sind zum Theil förmliche 
Oden, wie die von Congreve, Drjden und Pope. 
Wir Deutschen häbed einige gute Cantaten von Ram- 
ler, Wieland, von Gerstenberg, Schiebeier, 
Niemeyer, Meifsner, Bürger, Tiedge u. A. 
Von den Vortheilen der italienischen Sprache fiir die Masik darch 
ihren Baa und Mechantsmos, 8. Arteaga Rivoluxioni del Tea» 
tro Muncale Italiano; (Fenez. 1785. 3 VoU. 8.; T. L p, 59 
at. Uebers. von Forkel (Leipz. 1789. 2 Bde. 8.) B. L S. 76. 

— Ueber die Geachichte der Cantate, die eigentlich aus dem 
Madrigal entstand, s. Creicimbeni^ Utoria della volgar 
Poeiia^ VoL L p, 296. 312. ond Dr. Burney*i Gen. Hi$t. of 
Muiic, VoL IV. p. 133. — Opere di Apostolo Zeno;^ Ve- 
nez. 1744. 45. 10 Voll. 8. — Poetici Componimenti di P, 
RoUi; Vene». 1761. 3 Voll 8. — Birne di Zappi; Venet. 
1757. 2 Voll. 8. — Opere deW Abbate Pietro Meta$ta$ioy 
Torino 1757—88. 14 Voll. 8. Seine Cantaten ond Oratorien, 
in B. Vn. vnd XI. ^ Oeuvre» de J. B. BouiseaUy T. IL — 
Recueil de Cantatety par J. Bachelier, a la Haye, 1728. 12. 

— Congrevf*$ Hymn to Harmony, Dryden's Alexander*» 
Feast nnd Pope*$ Ode on S. Cecüia*» Day, b. in ihren Wer- 
l-en. — Ramler's Cantaten ond Oratorien 8. in s. lyrischen 
Gedichten, S. 277: und in s. poet Werken; Berl 1800—1. 2. 
Bde. 4 nnd 8. — Wieland's Wahl des flerknles, Seraphina n. a. 
8. im 26. Bd. s. sSmmtl. Werke. — ▼. Gerstenberg's Ariadne 
anffaxos, comp, von Reichardt, Leipz. 1780. foL — Schie- 
beler^s musikalische Gedichte, Hamb. 1769. 8. und in 8. Ans- 
erl Gedichten; Hamb. 1773. 8. — Niemeycr's Gedichte, 

Eschenb. Th. 10 



146 Elegie. 

Leipz. 1778. kl. 4. ^ Dessen religiöse Gedichte; Halle mid 
Berlin 1814 8. — Meifsner's Lob der Musik, comp, von 
Schuster. (Rochlitz nennt diese die beste deutsche Cantate.) 
— Bürg er 's Gesang auf die Jubelfeier der Univers. GAttingen 
*1787. in s. Gedichten. — Tiedge's Ostennoi^en, comp, von 
Nenkomm. 



Die Elegie. 

§• 170, 
Die Elegie ist der lyrische Ausdruck einer web- 
müthigen Empfindung, vne sie aus der Anschauung eines 
entzückenden Ideals, dem die Wirklichkeit nicht ent- 
sprechend ist, aus der Yergegenwärtigung eines beseelt- 
genden Gutes, das wir entbehren, hervorgeht. In der 
aus Wonne und Schmerz gemischten Empfindung herrscht 
das entzückende Wohlgefallen an dem idealea Gegen- 
stände vor, und überwiegt das Bewufstsein des Mangels 
in der Wirklichkeit. Ja das abwesende Gut wird, selbst 
wenn es ein irdisches ist, indem wir die Idee desselben 
sehnsüchtig erfassen, zum Ideal erhoben, und nur in die- 
ser Weise kann es ein würdiger Inhalt der Elegie 
werden. 

S. Abbt in den Litteraturbriefen, Th. XIQ. S. 69 ff. Herder's 
Fragmente, TL lll. S. 220 ff. -. Diteoun iur VEiegie par 
VAbbe Sowcüay, in den Mem, deVAcad, dei Immct, T. F7/.— 
SchiMer in dem Aufsätze fiber naive und sentimentaVsche 
Dichtung; Weiice 1820. 12., Bd. XVm. S. 219 ff. - Heyden- 
reich System der Aesthetik, Th. I S. 348 ff. 

§. 171. 
Die Stimmung des elegischen Dichters ist der 
des idyllischen verwandt, ipdem beiden mehr oder 
weniger bewaCst die Vorstellung von Ideal und Wirk- 
'lichkeit vorschwebt, welche das Idyll in ursprünglichem 
Einklänge schildert, während die Elegie aus der Verge- 
genwSrtigung des Ideals, das von der Wirklichkfit nidit 
erreicht wird, hervorgeht. Die der elegischen Stiuunon 






Elegie 14? 

entgegen^esetete ist die efttiriscbef vrelde dki f^neitte 
'\^irklichkeit iD ihrem Widerstreit mit dem' Ideale b^ 

trachtet. \ ' 

§• 172. 

Von anderen lyrischen Gattungen, in welchen eine 
lebhaft überstrjOmende Empfindung sich rasch ergiefst, 
unterscheidet sich die Elegie durch ihr aus Wonne und 
Schmerz gemischtes, also gemäfsigtes Gefühl, das der 
ruhigen Betrachtung und Schilderung sowohl der Umge- 
bungen als des eigenen, bewegten, Herzens Raum 
ISfsf. 

„Bilder, so wie Leidehschaften, 
„Mögen gern am Liede haften/* 

. . (Göthe's Motto sn seinen Elegien.) 

Demgemäfs ist die Aosdmcksweise gelassen und ruhig. 
Gewagte Vergldchungen, gewaltige Gedanken, wel- 
che im kühnen Fluge der Ode rasch sich- folgen und 
sich verdrängen, würden den sanftem Charakter der Ele- 
gie zerstören, welche, mehr der Schwermuth als der Ent- 
zückung angehörend, wehmüthigen Gefühlen ruhig nach- 
zuhängen und ihnen reichlich Worte zu leihen liebt. 

« 

§. 173. 
Dieser sanfte Charakter des Inhalts und der Aus- 
dmckäwetse Terlangt auch eine gleichartige metrische 
Form. Die künsllichen OdenversnSaafse, die kürzeren 
Zeilen des Liedes sind hier weniger passend. Auch der 
rasch vorsehreitende heroische Hexameter wurde bei dßn 
Griechen dtkch Hinzufügung des verweilenden, sich 
gleichsam 'zweimal selbst aufhaltenden Pentameters ge- 
mildert; und das also entstandene Distichon lud dazu 
ein, auch den Gedanken abzuschlief^en und eine Ruhe 
eintreten zu lassen, wie wir diefs vorzüglich bei den 
römischen Elegikem beobachtet findenl Die deutsche 
Sprache bedient sich zur Elegie sowohl dl>en dieses 
Yersmaafses, als äuch^ wie die übrigen neueren Sprachen, 

10* 



148 El^e. 

mancherlei aaderer M^tra; woniot^r ToriBOglkli der tu- 
hige füiiftaktiglB Trochäua passend erscheiDt. 

Venit oioratii Elegei'a nexa capilli» 

Ei puto pe» Uli longior alter erat: 
Forma decenif vettit tenuUtima^ vultue amantis, 
. lu pedibuM vitiüm ^auM iecwrie erat. 

Ovid,' Amor. L Ui. el. 1. 

Der Name Elegie ^.urde ursprünglich bei den 
Griechen, ohne weitere Rücksicht auf die Form, für le- 
des wehmütbige Lied, z. B. das Lied der Nachtigal, ge- 
braucht. Ais aber das, früher schon zu politischen, be- 
sonders Kriegsliedem und Gnomen angewandte Disti- 
chon von der klagenden und erotischen Elegie als die 
ihr eigenste Form gebraucht und ausgebildet ward, und 
daher den Namen des elegischen Versa^aafs.es er- 
hielt, so wui'de nun auch ohne Rücksicht auf den trau- 
rigen oder fröhlichen Inhalt ein jedes grö&ere Gedicht 
in diesem Versmaalse Elegie gepannt. 

Veriiku» impariter junctie querimoniß primum, . 
PoH ttiam ittdu$a est toti iententia compoi. 

Horat. ad Pis. t. 75. 

Eine ähnliche Unbestimmtheit herrscht auch jetzt 
.noch im Gebrauche des Namens Elegie. Einerseits er- 
theiU man diesen Namen Liedern der Trauer, wenn sie 
auch andern lyrischen Gattungen angehören, andererseits 
Gedichten im antiken elegischen Versmaafse. Herrscht 
hier aber» wie im elegischen Gedichte der Alten, der 
erptische Inhalt meistens vor, so fehlt es auch, dem 
. oben angegebenen Begriffe der Elegie gemäfs, nicht leicht 
an einem aus Lust und Schmerz gemischten Gefühle; 
und die einsehe Muse strebt %xx schildein 

„Wie Mch «Jammer und Glück Tvcchseki in liebender Brust" * 

. (G.öthe, Alexis u. Dorau) 



Elegie. 140» 

V . " §. ^ 176. '■•'■•• ".^ 

'Die indische Litteratur besitzt einige ungemein 
IieblicheEIegieen: Megbadüta, d. L der Wolkenbote, 
Ton Kalidasas, und Gb^takarparam^.d. i. das zer- 
brochene Geföfs. In beiden sprechen getrennte Gatten 
ihre Sehnsucht aus, und machen die Wolken zu Boten 
ihrer Liebe. 

Ve^fiadüta mit einer englischen Uebersetzdiig lieraasgegebeu 
Ton H. H. Wilson; Calcutta 1815. 4. Gbatakafparamlier- 
ansgegeü^ea Ton Dorsch, Bmrl. 1828. U.* 4.> tnletrtsclr fHlienetiBt , 
ift p. y, Bofalen*8 Altem Ltdiea, Bd. U, $. SBItt ^. 

§. 177. 
' Yon den zahlreichen Elegieen der Griechen sind' uns 
leider nur Bruchstücke erhalten, unter denen die des 
Mimnermus, Philetas, Hermesianax, Phano- 
kies, Kallimachns und Alexander Aetolus, als 
nicht nur der elegischen Form, sondern auch dem In- 
halte nach hieher gehörend zu nennen siti^. 
Belspielsammlung Bd. IV. 

]^5ttiger*s .YermutJiting, die Entstehung der Elegie sei darch 
die Doppelflöte Teräniafst, in Wieland's Attischem Uaseom^ Bd. 
I. H(t. 2. S. 335 ft. Dagegen AtfaenSam, Bd. I. St. 2. S. 88. 
Memoiret tur V Elegie Grecque et Latine, pai' VAhhe Fro" 
guier ^ in den Mem. de VAcad, de» Imcr, Tom. VIII, ed, 
d*Am8t.; umständlicher zwei Ditcourt tur let Poete$ Ete'giaquei, 
parVAbbeSouchayf ehendas. T. X. -^ Conr. Schneider 
Ueber das elegische Gedicht der Hellenen'; in den Studien Ton 
Daub u. Creuzer, Bd. IV. S. 1 — 74. — Fr. Schlegel üeber 
die alte Elegie; Werke, Bd. IV. S. 46 ff. — Brachstficle grie- 
chischer Elegäer 's. in Köppen*8 griech. Blumenlese, Bd. ü. 
Mimnermi carmina quae super sunt, ed. Nie. Bach, Lip», 
1826. Ä.— Thiletae Coi Fragmenta, ed. C Ph. Kay$er; 
Goett. 1793. 8. — ' Philetae Coi, Hermetianacti» Cola- 
phonii atque PUanocli» reliquiae ed. Nie. Bach; Halae 
1829. 8. — Hermesianax herausgegeben von St. Weston, 
London 1784. 8.; von Rigler u. Axt, Cöln 1828. 16.; von 
Gfr. Hermann, Leipz. 1828. 4. and amPhiletas von Bach.-*- « 
Phanokles ebendas. — CaUimachi Elegiarum Fragmenta, 
illuitr. a L. C. Valchenaer. ed. Jo. Luzac; L. B. 1799. 8. 
Ueberseisuug einer seiner Elegieen ist Catuü'« Gedicht de 



14« Elegie. 

Leipz. 1778. kl. 4. -- Dessen religiöse Gedkfate; Halle und 
Berlin 1814 8. ^ Seifsner's Lob der Uasik, comp, von 
Schuster. (Rochlitz nennt diese die beste deatscbe Cantate.) 
— Bürger 's Gesang aaf die Jabetfeier der Ünivers. Göttingen 
*1787. in s. Gedichten. — Tiedge*8 Ostennoi^en, comp. Tcn 
Neakomm« 



Die Elegie. 

§. 170. 
Die Elegie ist der lyrische Ausdruck einer weh- 
müthigen Empfindung, wie sie aus der Anschauung eines 
entzückenden Ideatls, dem die Wirklichkeit nicht ent- 
sprechend isty aus der Vergegenwärfigung eines beseeli- 
genden Gutes, das wir entbehren, hervorgeht. In der 
aus Wonne und Schmerz gemischten Empfindung herrscht 
das entzückende Wohlgefallen an dem idealen Gegen- 
stände vor, und überwiegt das Bewufstsein des Mangels 
in der Wirklichkeit. Ja das abwesende Gut wird, selbst 
wenn es ein irdisches ist, indem wir die Idee desselben 
sehnsüchtig erfassen, zum Ideal erhoben, und nur in die- 
ser Weise kann es ein würdiger Inhalt der Elegie 
werden. 

S. Abbt in den Litteratarbriefen, Tk XIII. S. 69 ff. Herder's 
Fragmente, Th. III. S. 220 ff. — Diteourt $ur VElegie par 
VAbU Souchay^ in den M^m, de l'Acad. de$ Inser, T. VIL — 
Schiri er in dem Aufsätze fiber naive nnd sentimentaliscbe 
Dichtung; Werke 1820. 12., Bd. XYIlI. S. 219 ff. — Heyden- 
reich System der Aesthetik, Th: I. S. 348 ff. 

§. 171. 

Die Stimmung des elegischen Dichters ist der 
des idyllischen verwandt, ipdem beiden mehr oder 
weniger bewdjBt die Vorstellung von Ideal und Wirk- 
*lichkeit vorschwebt, welche das Idyll in ursprünglichem 
Einklänge schHdert, während die Elegie aus den Verge- 
genwSrtigung des Ideals, das von der Wirklichkat nicht 
erreicht wird, heirorgeht. Die der elegischen Stimmung 



\ ' 



Elegie 14V 

eotgegen^eseMe ist die Batirische, welcbe did ^etaidM 
Wirklichkeit IQ ihrem Widerstreit mft dem Ideale b^ 
trachtet. ^ ' 

§. 172. 

Von anderen lyrischen Gattungen, in welchen eine 
lebhaft fiberströmende Empfindung sich rasch ergiefs^ 
unterscheidet sich die Elegie durch ihr aus Wonne und 
Schmerz gemischtiesy also gemäfsigtes Gefühl, das der 
ruhigen Betrachtung und Schilderung sowohl der Umge- 
bungen als des eigenen bewegteii Herzens Raum 
lüfst. 

„Bilder, so wie Leidenschaften, 
„Mögen' gern am Liede haften." 

(Göthe's Motto m, seinen Ekgien«) 

DemgemSfs ist die Ansdrucksweise gelassen und ruhig. 
Gewagte Yergldchungen , gewaltige Gedanken, wel- 
che im kühnen Fluge der Ode rasch sich^ folgen und 
sich verdrängen, würden den sanftem Charakter der Ele- 
gie zerstören, welche, mehr der Schwermuth als der Ent- 
zückung angehörend, wehmüthigen Gefühlen ruhig nach- 
zuhängen und ihnen reichlich Worte zu Idhen liebt. 

§. 173. 
Dieser sanfte Charakter des Inhalts und der Aus- 
druckäweise verlangt auch eine gleichartige metrische 
Form. Die künsllichen Odenversiriaafse, die kürzeren 
Zeilenf des Liedes sind hier weniger passend. Auch der 
rasch vorschreitende heroische Hexameter wurde bd den 
Griechen dikch Hinzufügung des verweilenden, sich 
gleichsam 'zweimal selbst aufhaltenden Pentameters ge- 
mildert; und das also entstandene Distichon lud dazu 
ein, auch den Gedanken abzuschliefsen und eine Ruhe 
eintreten tu lassen, wie wir diefs vorzüglich bei den 
römischen Elegikem beobachtet finden: Die deutsche 
Sprache bedient sich zur Elegie sowohl eben dieses 
Versmaafises, als äucbi wie die übrigen neueren Sprachen, 

10* 



140 Elegie. 

Leipz. 1778. kl. 4. « Dessen religi5se Gedichte; Halle und 
Berlin 1814 8. ^ Seifsner's Lob der Uamk, comp, von 
Schuster. (Rochlitz nennt diese die beste deutsche Cantate.) 
— Bürger*s Gesang aaf die Jabelfeier der Ünivers. Göttingen 
*1787. in s. Gedichten. — Tiedge^s Ostennoi^en, comp. Ten 
Neakomm. 



m e Elegie. 

§. 170. 
Die Elegie ist der lyrische Ausdruck einer weh- 
mfithigen Empfindung, wie sie aus der Anschauung eines 
entzückenden Idestls, dem die Wirklichkeit nicht ent- 
sprechend ist, aus der Vergegenwärfigung eines beseeli- 
genden Gutes, das wir entbehren, hervorgeht. In der 
aus Wonne und Schmerz gemischten Empfiaduug herrscht 
das entzückende Wohlgefallen an dem idealen Gegen- 
stande vor, und überwiegt das Bewufstseia des Mangels 
in der Wirklichkeit. Ja das abwesende Gut wird, selbst 
wenn es ein irdisches ist, indem wir die Idee desselben 
sehnsüchtig erfassen, zum Ideal erhoben, und nur in die- 
ser Weise kann es ein würdiger Inhalt der Elegie 
werden. 

S. Ahht in den Litteratarbriefen, Tb. XIII. S. 69 ff. Herder's 
Fra^ente, Tfa. IH. S. 220 ff. — Diteoun $ur l'Elegie par 
VAbhi Souchay^ in den M^m, de VAcad, det Inscr, T. FI/.— 
Scfaifler in dem Aufsätze über naive und sentimentaliscbe 
Dichtung; Weilre 1820. 12., Bd. XYIII. S.219ff. — Heyden- 
reich System der Aesthetik, Th: I. S. 348 ff. 

§. 171. 
Die Stimmung des elegischen Dichters ist der 
des idyllischen verwandt, ipdem beiden mehr oder 
weniger bewdjBt die Vorstellung von Ideal und Wirk- 
'lichkeit vorschwebt, welche das Idyll in ursprünglichem 
Einklänge schildert, während die Elegie aus der Verge- 
genwSrtigung des Ideals, das von der Wirklichk^t nicht 
erreicht wird, hervorgeht. Die der elegischen Stimmung 



Elegie. 14V 

eof gegen^eseMe ist die Batirische, welcbe did ^etaidM 
'Wirklichkeit in ihrem WiderBbreit mft dem Ideale be^ 

trachtet > ' 

§. 172. 

Von anderen lyrischen Gattungen, in welchen eine 
lebhaft überströmende Empfindung sich rasch ergiefs^ 
unterscheidet sich die Elegie durch ihr aus Wonne und 
Schmerz gemischties, also gemäfsigtes Gefühl, das der 
ruhigen Betrachtung und Schilderung sowohl der Umge- 
bungen als des eigenen, bewegleii Herzens Raum 
lälst. 

„Bilder, so wie Leidehschaften, 
„Mögen gern am Liede haften." 

(Göthe's Motto ni semen Elegien.) 

DemgemSfs ist die Aosdrucksweise gelassen und ruhig. 
Gewagte Yergleichungen, gewaltige Gedanken, wel- 
che im kühnen Fluge der Ode rasch sich- folgen und 
sich verdrängen, würden den sanftem Charakter der Ele- 
gie zerstören, welche, mehr der Schwermuth als der Ent- 
zfickung angehörend, wehmütbigen Gefühlen ruhig nach- 
zuhängen und ihnen reichlich Worte zu Idhen liebt. 

■ 

§. 173. 
Dieser sanfte Charakter des Inhalts und der Ans- 
drnck^weise verlangt auch eine gleichartige metrische 
Form. Die künstlichen Odenversniaafse, die kürzeren 
Zeilenf des Liedes sind hier weniger passend. Auch der 
rasch vorschreitende heroische Hexameter wurde bei d(en 
Griechen durch Hinznfügung des verweilenden, sich 
gleichsam 'zweimal selbst aufhaltenden Pentameters ge- 
mildert; und das also entstandene Distichon lud dazu 
ein, auch den Gedanken abzuschlieftfen und eine Ruhe 
eintreten zu lassen, wie wir diefs vorzüglich bei den 
römischen Elegikem beobachtet finden: Die deutsche 
Sprache bedient sich zur Elegie sowohl d>en dieses 
Yersmaafises, als auch, wie die übrigen neueren Sprachen, 

10* 



}46 Elegie. 

Leipz. 1778. kl 4. « Dessen religiöse Gedichte; Halle und 
Berlin 1814 8. — J&eifsner's Lob der Uiisik, comp, von 
Schnster. (Rochlitz nennt diese die beste deutsche Cantate.) 
— Bfirger's Gesang aaf die Jabetfeier der Ünivera. Göttingen 
*1787. in 8. Gedichten. — Tiedge*8 Ostennoi^en, comp. Ten 
Neakomm. 



m e Elegie. 

§. 170. 
Die Elegie ist der lyrische Ausdruck einer weh- 
müthigen Empfindung, wie sie aus der Anschauung eines 
entzückenden Idestls, dem die Wirklichkeit nicht ent- 
' sprechend ist, aus der Vergegenwärfigung eines beseeli- 
genden Gutes, das wir entbehren, hervorgeht. In der 
aus Wonne und Schmerz gemischten Empfindung herrscht 
das entzückende Wohlgefallen an dem idealen Gegen- 
stande vor, und überwiegt das Bewuüstsein des Mangels 
in der Wirklichkeit. Ja das abwesende Gut wird, selbst 
wenii es ein irdisches ist, indem wir die Idee dessielhen 
sehnsüchtig erfassen, zum Ideal erhoben, und nur in die- 
ser Weise kann es ein würdiger Inhalt der Elegie 
werden. 

S. Abbt in den Litteratarbriefen, Tk XIIL S. 69 ff. Herder's 
Fragmente, Tb. III. S. 220 ff. — Diteoun Mur l'Elegie par 
VMhi Souchay^ in den Mem, de VAcad, deg Iiucr. T. F//.— 
Scbirier in dem Aufsätze fiber naive nnd sentimentaliscbe 
Dichtung; Werke 1820. 12., Bd. XYIII. S. 219 ff.- Heyden- 
reich System der Aesthetik, Tb; I. S. 348 ff. 

§. 171. 
Die Stimmung des elegischen Dichters ist der 
des idyllischen verwandt, ipdem beiden mehr oder 
weniger bewdjBt die Vorstellung von Ideal und Wirk- 
'lichkeit vorschwebt, welche das Idyll in ursprünglichem 
Einklänge schUdert, während die Elegie aus den Yerge- 
genwSrtigung des Ideals, das von der Wirklichk^t nidit 
erreicht wird, hervorgeht. Die der elegischen Stiminun 






» ' 



Elegie 147 

eofgegen^es^Me ist die BatiriBche, wdcbe did ^eHieitte 
'Wirklichkeit IQ Hirem Widerstreit mft dem Ideale be- 
trachtet. N ' 

. §• 172. 

Von anderen lyrischen Gattungen, in welchen eine 
lebhaft überströmende Empfindung sich rasch ergiefs^ 
unterscheidet sich die Elegie durch ihr aus Wonne und 
Schmerz gemischties, also gemäfsigtes Gefühl, das der 
« ruhigen Betrachtung und Schilderung sowohl der Umge- 
bungen als des eigenen, bewegtei^ Herzens Raum 
lälst. 

„Bilder, so wie Leidenschaften, 
„Mögen' gern am Liede Laften/' 

. . (Göthe's Motto SU semen Elegien.) 

DemgemSfs ist die Aosdrucksweise gelassen und ruhig. 
Gewagte Yergkichungen, gewaltige Gedanken, wel- 
che im kühnen Fluge der Ode rasch sich- folgen und 
sich verdrangen, würden den sanftem Charakter der Ele- 

I gie zerstören, welche, mehr der Schwermuth als der Ent- 
zückung angehörend, wehmütbigen Geftthlen rubig nach- 

i zuhängen und ihnen reichlich Worte zu leihen liebt. 

I * I 

I §. 173. 

Dieser sanfte Charakter des Inhalts und der Aus- 
druckäweise verlangt auch eine gleichartige metrische 
Form. Die künstlichen Odenversiriaäfse, die kürzeren 
Zeilenf des Liedes sind hier weniger passend. Auch der 
rasch vorschreitende heroische Hexameter wurde bd den 
Griechen durch Hinznfügung des verweilenden, sieb 
gleichsam 'zweimal selbst aufhaltenden Pentameters gie- 
mildert; und das also entstandene Distichon lud dazu 
ein, auch den Gedanken abzuschliefsen und eine Ruhe 
eintreten zu lassen; wie wir diefs vorzüglich bei den 
römischen Elegikem beobachtet finden; Die deutscbe 
^pra<^e bedient sich zur Elegie sowohl dDen dieses 
VersmaaCses, als auch, wie die übrigen neueren Sprachen, 

10* 



/ 



1^ Idyll 

• "■ ■■• ■§.' 1Ö7. • ■ 

''^ ' Dfe .besten idvlUschen G'edichtie der Italiener ee- 
börcD in:ehr zur .dramatischen Qattung, und sind gröts- 
tei)tbeils. förmliche Scbilferspiele. Pie von Tas^o» Gua- 
rini and "Aletastadio sind die berühmtesten. Eigent- 
liche Idyllen hat man von Sannazaro, Aramanni, 
Buon^je'Ui» Mfanfredi und Vicini. 

beispielsamml. BJ. I. S. 344 -«-369. 

L*Jminta, Favola pa»toraU.di,Torqu. Tatto; Vtntx, 1769.8. 
maj, ~- n Pattor Fido di Giamhattitta Guarini ; Parit 
1759, m — nCiclopt — lä Galatea — 'tEndimione — l'An- 
gÜka:nulU Opere ü Metutta tio; ütuniova 1816-^20, 20 VoU. 
|2. — Qppre^ voigari di SannaKaroi Ven. 1752. 2 VpU. 8. - 
Arcadia.; Bustano 1816. 12. —- Opere T9acanedi L. Alamannh 
— Opere del Conte Büonarelli; Borna 1640. 12. Darunter 
ein ScbSferspiel, ' La Filii di SciVd, und einzelne Eklogen. — 
Birne di Manfredt; Veneat. 1746. 8. -> Birne pätiorali ddV 
Mbate Vicini; Ven. 1780. S. 

\ • §. 188. 

In Frankreich gehören Ronsard und Racan 
zu den äUern. nicht gan^ verwerflichen Bearbeitern des 
Idylls; diß besten neuern sind: Segrais, dieDeshoa- 
lier.es; Fontenelle, Gresset, Leonard und Ber- 
ti ttin. Im Ganzen aber ist diese Gattung den französi- 
schen Dichtern weniger, als die meisten andern, geglückt, 
weil d^s Volk überhaupt weniger Sinn für einfaches 
I^ndlebciQ^ als Vorliebe für die künstlichen Verhältnisse 
d^r StSdie: hat ■ ■ ' 

- Beispielsamml. Bd. I. S. 370—403. 
Öeuvret de Bontat d; Par. 1629; 9 Voll. 12. — Le$ Bergeriet 
de Bacan; Par. 1635. 8. — Oeuvret diveree» de Mr. de Se- 
gYaitf AfMt, 1723. 2'Vol, 8. (Es sind darunter sieben Eklo- 
gen aus' dem Yirgil.) — Oeuvres de Madame et Mademoit. 
de Dethouiiere$; ParU 1753. 2 Voll. 12. -- Poeeie» Patto- 
ralee de Mr. de Fontenelle; Amtt. 1716. 12. Denen Oeu- 
' ffret; Parit 1818. 3 Voll. 8. — Oeuvres de Mr. Grettet; 
Amtts I7b^. 2 Voll. 12. (Im ersten Theile sind Virgil's 
Sckifergedichle besser als ron Segrais fibersetzt) Oeuvrei 
de Leonard; Par. 1786. 2 Voll. 12. — Id^üet par Mr.Btr- 
quin; Par. 1774. 12. Lomf. 1789. 8. 



I 



Idyll. 157 

§.189. < 

SpeDSer, Ambrose Philips, Gay, PepciCoI- 
lins und Shenstone sind die vorzfigliclisten Idyllen- 
dichter unter den Engländern, in deren Werken Na- 
tur und Empfindung herrBchcn, wiewohl sie nicht alle 
gleichen Werth haben. 

Beispielsamml. Bd. I. $. 404—430. 

Hj^en$er*M Bhepherd't Calenia^y Engl, ani hat, hy Ball; Lond. , 
1732. 8. — Paitorah, Epütlet, Ode» and other original 
Poems, hy Ambro $e Philips; Lond. 1748. 8.' Vergl. Po- 
pe' b iroBiBcive Kritik im Guardian, No. XL. Üaff*$ Shep- 
herd*tilWeeki und aoder« etm^e ScÜSfergediciite üb a^tPoem»» 
-- Pope'M Pastor ah. Im ersten Bande 8. Werke.— W. Col- 
lins's Poem»;, by Langhorne; Lond, 1764. 8. -<• Shen* 
stone*s Works in Verse and Prose; Lond, 1773. 4 VoU, gr, 8. 
— Aach gehört hieher Allan Ramsay*s Gentle Shepherd, a 
Scoti Patioral Comedff; Lond, 1758. 8. 

§. 190. 
Unter den Deutsche d haben sich in dieser Dich- 
tangsart Gefsner und Vöfs, jeder durch tine eigen- 
thümliche Behandlungsweise ausgezeichnet. Minder ei- 
genthfimlicb, aber gleichwohl nicht ohne Werth sind die 
Idyllen von Kleist, Schmidt^ Blüm, Bronner und 
Karoline Pichler. 

Beispielsamml. Bd. L S. 331—455: . 

Gefsner's sämmtliche Schriften ; Zfirich 1773. 5 Tfak. 6. Ehend. 
1777. 2 Bde. in gr. 4. ^ Gefsner's anserlesene Idyllen, in 
Verse gebracht Ton Ramterf Bcrl. 1787. gr. 8. -^ J. H. Vofs's 
lämmtl. Gedichte (Köoigsb. 1802. 6 Bde. 8.) Bd. I. II. -^ von 
Kleist's Idyllen, siehe in seinen poetischen Werken. — J. F. 
Schmidt*s poetische Gemälde nnd Enipiindungen aas der hei« 
ligen Geschichte ^^Itona 1759. 8. Dessen kleine poetische Schrif- 
Un; ebend. 1766. 8. Gedichte, Th.LLpz. 1786.8. — J. C. Blnm's 
Idyllen; BerLl773.8., und in seinen Gedicht, Th. IL ; Leipz.1776. 
8. — Fischergedichte ondErzäUnngen Ton B rönne r^^Zidch 1787. 
8. Dessen Schriften; Zfirich 1794. 3 Bde. 8. — Idyllen von 
Karoline Pichler; Wien 1803. 8. — S. auch: Idyllen der 
Deutschen; Frankf. u. Leipz. 1774. 75. 2 Thle. 8. — Auch 
sind hi^T die Louise von Vofs und Hermann und Dorothea 
von G^the za erwfihnen, voa wslshen als idyllischen Epopöen 



166 Satire. 

sehen oben $. 98. die Rede gevresen ist — Aach nrnTs hier 
. 'der elegiechen Idyllen r&hmliehst gedacht werden« wejehe sich 
in Joh. Pet Hebels Alleniaoiuschen Gedichten (seit 1803 oft 
gedmckt) befinden; so wie der schweizerischen Idyllen des Ben 
nert Joh. Rilld. Wyfs nnd de& Zfirichers 'Martin Üsterl ' 



D 1 e 19 a 1 1 r e. 

§• 191. 
Die Satire fafst die Wirklichkeit des gemeioen L^ 
bens in ihrer Beziehimg^ zum Ideale auf; sie betrachtet 
aus einem höheren Standpuncte die menschlichen Thor- 
heiten und Laster, sowohl von ihrer lächerlichen als 
verderblichen Seite. Ihr ursprünglich römischer Name, 
satura, d. i. ein buntes Gemisch, bezeichnete nicht un- 
passend die Mannigfaltigkeit des Inhaltes und der Form 
in den frühesten Werken dieser Art Jund läfst sieh mit 
dem Namen, des regellosen italienischen Possenspiek, 
farsa sehr wohl vergleichen. 

S. IfryAen*$ E^ay on ths 94h and ProgrßH of SaHttf Tor 
seiner engl. Uebersetznng des Jnvenal; dent8ch,in der BerL 
Sammlang Verm. ScÜr. B. V. S. 306. Ditcour^ gur la Satire, 
par Boileau De$preaux in Th. lH. s. Werke. — Dttcoun 
8ur la Hatirß; par & F. Brunioy; ein Anhang zn des P. 
Mourgueß Tratte de la Poesie F'ran^.; Par, 1755. 12. — 
Fr. T. Schiller in dem Aa&atze itber naive nnd sentimentali- 
schls Dichtnng, Sämmlliche Werke; Stattg.' 1820. 12. B. XVIIL 
S. 267 fr. Historisch: I». Casaubonut de »atyrica Grae- 
corum PoeH et Ramanorum iatira, c. n. L /. hambachi 
Hai. 1774. 8. — Diieour» §ur la Satire par Mr. Da der; io 
den Mem. de VAcad. de$ Imcr, ed. d'Ain$t. T. IIL p. 246. - 
Bemond de 8t Mardy Beflexiom $ur la Satire, in Bd. IV. 
seiner Werke. ^ Vice». Knox, on Satire and Satiritti, in 
. s. Eaaye Moral and Literary; Lond. 1778. 2 Voll. 8. -- Auch 
J. Brown* $ Esiay on Satire; ein Gedicht duröh Pope's Tod 
Tcranlalst, nnd in dessen Werken hefindticb; Eine* sehr reich- 
haltige Anzeige hieher gehörender Schriften s. in 'C. F. Fl 5* 
gel^s Geschichte der komischen LiUeratnr; Leipz. nndLiegnitz 
1784 ff. 4 Bde. gr. 8. :B. I. S. 273 ff. nnd Bd, U. VI — Ver- 



y 



Satire. ^ IS9 

vonstitmligt in der neuen .A«B§i Tt»n Snhtr^f AUg. Theorie« 
Art.: Satire. Ueber Far^a^ lon farcire abgeleitet, welches 
wie tatura ursprünglich ein Gemisch, insbesondere ein gemengt 
tes Gericht bedeutet, s. Lessing's Collectaneen, 8. ▼. Farn. 

§, 192. ^ 

Die Satire kann sowohl Schwächen und Thorheiten 

mit Witz und Laune verspotten, als Vergebungen und 

Laster mit Ernst und Strenge rügen; man pflegt daher 

die heitere und scherzhafte von der ernsten und 

zürnenden Satire tu unterscheiden. 

S. Drjden's ange£ AbL S. 360 ff. ^ ^Yon mehreren Einthei- 

Inngen der Satire nach den besondem GegenstSnden, s. Fld« 

gei's Geach. d. kom. Litt. B.^I. S. 290. . . 

. §.193. 
Um allgemeinem und dauerndes Interesse za erre- 
gen, mufis die Satire nicht sowohl gegen einzelne thQ* 
richte und lasterhafte Personal gerichtet sein, als viel- 
mehr die in der 'menschlichen Gesellschaft Oberhaupt, 
oder in einem Staate, einem Stande und Zeitälfer herr- 
schenden Thorheiten und Laster angreifen, indem sie 
in Ein charakteristisches Bäd die unter mehrere Men- 
schen vereinzelten Züge zusammenfafst, und Ein Indivi- 
duum als Repräsentanten einer ganzen Classe hinstellt. 

. §. 194. 
Za den Erfordernissen emer guten Satire gehört, 
dafs sie nx^v Einen Hauptgegenstand habe, welchem der 
Ton, der in ihr herrscht, und die Form, in der jsie ab* 
gefafsl ist, entsprechen müssen. Scharfe Charakteristik 
sehe Zeichnung und lebendige Färbung geben dem sati- 
nschen Gemälde einen Grad von Lebhaftigkeit, welcher 
uiit der Natur im Einzelnen verglichen, als Uebertrei« 
buDg erscheinen kann, ohne darum der poetischen Wahr«- 
keit zu ermangeln. Uebrigens sind es nicht die grobem 
QBd bekanntern Züge, welche der Satire ihren. Reiz ver- 
leihen, sondern die feinem und dem gemeinen Auge ver-^ 
borgenen. Dem Satiren-Dichter werden Scharfsinn, Witz, 
Laune, feine Beobachtungsgabe, Kenntnifs des menschli- 



H9 SaÜTt. 

eben Hcrseßs and der. Sitten, und ein edler; Ton Klein- 
lii^keit freier Charakter Tomebmlich eigen sein mfissen. 

§.195. 
Zwar ist nicht zu verkennen, dafs der Mifsbrauch 
4er Satir« sehr nahe liegt, indem Tadel and Verspottoog 
fremder .Mängel gar leicht in p/ersönliche Beleidigung 
Obergehen: allein die Znlässigkeit dieser Dichtart 
fibe^hpupt ^ird man darum nicht in Zweifel ziehen kön- 
nen. Die echte Satire geht aus einem edeln Sinne ber- 
Tojr, nncji.hat die nützliche Wirkung, von den Thorhei- 
ten und, Lastern, die sie schildert, zurückzuschrecken. 
Auf Menschen • aus . den verfeinerten Kreisen pflegt di- 
recte Belehrung weniger zu wirken, als Spott und Iro- 
nie, Welche letztere eines der kräftigsten Mittel der Sa- 
tire ist. 

Hab es et Vom Mifsbraiicfa der Satire und Von der ZolSsaigkeit 
der Sfitire, im Isten Tb. s. Scliriften. — Herder's Adraatea, 
IX. 34. -^ Fldgert Geschichte der kom. Litteratar, Theil L 
S. 296 fc • 

§. 1S6- 
Der Charakter der Satire kann in Poesien verschie- 
dener Art sich acisprSgen, es können Briefe, Erzählun- 
gen, Gespräche u. s. f. ganz in satirischem Geiste ver- 
fafst oder an einzelnen Stellen durch Satire gewürzt 
sein: aber als besondere Dichtungsart ausgebildet hat die 
Satire ihre eigene Form, weiche gewöhnlich die didak- 
tische genannt wird. Doch ist sie von der Form dc8 
Lehrgedichts einigermaaCsen verschieden, wie denn auch die 
Satire nicht direct belehrt, nicht Muster aufstellt, sondern 
abschreckende Beispiele. Ein vorzügliches Element der 
Satire ist das Mimische. Die Personen erscheinen in ih- 
rer ganzen Eigenthümlichkeit; der Dichter spricht mit 
ihnen, oder läfst sie wie im Drama durch Handlungen 
und gegenseitige Beden ihre Charaktere kundgeben. — 
Die Versart war bei den römischen Satirikern der Hexa- 
meter; bei den Neuem ist sie verschieden. Auch pro- 
saischer Vortrag ist nicht ausgeschlossen. 

§. 197. 



Satire. 1^ 

§. 197. 

t)ie griechische Litteratur kennt die'Säfire* als 
besondere Dichtart in der sogenannten didaktischen !F*orni 
zwar nicht, allein sie ist reich an Gedichten sajlirischen 
Inhaltes. Der KomÜdie nicht za gedenken , kann man 
als Satiren in lyrischer Form die lamben des Archi- 
Icfchtrs, Ripponax ;und Simonides von Amorgos 
betrachten, Satiren in prosaischer Form sind viele der 
Lucianischen Schriften, so wie auch zytrej W^rke 
des Julianus, nämlich ^die Kaiser'* und .;,der! JSart- 



Die Fragmente des Archilochas stehen In BrunelsH ÄnaU" 
ctii T. L p, 40. T. IL p. 2d^, in Oaitforä Poet Gr, mu 
nor. T. Lp. 279 — 326. und anderwärte. — Arehiloehi Re- 
liquiae coli, atque ül. tgn, Liebel; ldp$. Iß 12. 8., neue Aof- 
lage Leipzig 1819. 8. — Die Fragmente des Hipponaz sind 
gesammelt Ton Welcker; Gdttingen 1817. 4.^ Das Frag« 
ment einer Satire anf die Weiber, Ton Simon ides« steht im 
Stobaens; es findet sich aach in den Sammlungen von Bruno k, 
Gaisförd n. A., und ist besonders herausgegeben von Koeler; 
GSttingen 1781. 8. 

§. 198. 
Die eigentliche Satire als besondere Dichtart ent- 
stand erst bei den ROmern« Einen . bestimmten Knnst- 
charakter gab ihr zuerst Lucilius, dessen 30 Bücher 
Satiren, ein Spiegel des republicanischen Lebens in allen 
seioen Richtungen, lange ein Lieblingsbuch der Römer 
blieben. Sie sind bis aijif einzelne Fragmente verlpren« 
Höhere Vollendung erhielt die Satire durch Horaz, der 
mit liebenswürdiger Urbanität launige Charakter- und 
Sittenschilderungen voll der feinsten Züge entwirft. Ju- 
venal verweilt bei der lebendigen Darstellung der man- 
nigfachen Laster und Verkehrtheiten des damaligen Roms; 
Persius, nicht ohne mimisches Talent, straft mit stoi- 
schem Ernst seine entarteten Zeitgenossen. 

Beispielsamml Bd. H. S. 109-122. 

Von der Satire der Römer s. Flöge^'s Gesch. d. lom. Litt 
Bd. n. S. 1 — 57. — Manso in den Nacfatr. xa Sülzer lY. 

^«nb. Th. 11 



102 Satire. 

409.; V. 301.; VI. 81. 294. r- Vulpiui de Satirae lat. na- 

h^rm efmq, icriptt; Patav. 1744. a *- G. L. König #e 8m- 

Hra Romanu^tejusque Auctoribui praeciputi; (Hdenb. 1796. 8. 

*'''.. Wermdarf de poettB latinit Satiricit, im 3ten Bande der 

' Poitae lat minorei, — W. Wacbsmnth Noch eiri Wort fib. 

die rftm. Satire, In dem Atlionaedm <heraii6geg. TOn^ Gfifltbcr iiiid 

: WachsBwUi, Bd. L Hf^ 2. S. 209.; Halle 1817. ». ^. l A. 

N a s s e r 'a . aatiriacbe Antbologie, ans römiacben D^cbtern 6ber* 

setzt ( Kiel 1810. 8. — Uraprfinglicb waren die Saturac extern- 

porirte laonige Daratellangen aas dem all(ä«;lichen Leben, ebne 

bestimmten Künstcbarakter.' Vdn Ennins und Pactfrins er- 

' hielten • die Rftmer xnerst geschriebene Satiren in* • gemischten 
Silbenmaafsen. Bald nach ibnlfn tratLncilius aaf. Die 'Frag- 
mente desselben sind Ton Franc Dousa gesammelt; Leydcn 

. 1597. 4. (mit neuem Titel Amsterd. 1661.4.); cura J. A-^V^l- 
piif Patav, 1735. 8.; am Censorinas von Haverfamp, Ley- 
den 1743. 8.;. beim Jnvenal and Pefsius, Zweibr. 1785. 81; in 
Reuvem Collectanea liier. L.B, 1815. 8. —An die frfibei'e Art der 
Satiren schlols sich die Satura Menippeß des H. Tcrentios 
Varro an. welche in einem Gemisch von Prosa und Poesie, 
von gnechischem und rOmischem Ansdracke, allerhand Schilde- 
rungen und Betrachtungen fiber Sitten, .Philosophie, Litteratar 
n. 8. w. enthielt Nur Fragmente " sind vorhanden, die man in 
der Zweibrftcker Aasgabe von Varro de lingua latina^ 1788. 
2 Voll, 8., susanunengestellt findet. — Die Satiren des Boras 
feind besonders herausgegeben und erläutert von Heindorf; 
Breslau 1815. 8. Wieland hat sie sehr glftcUick in deutstbe 

. Verse fibersetst, and mit lehrreichen Emleilung^n and Aame^- 
. langen begleitet; Leipz. 1786. (neue Auflage 1819.) 2 Bde. gr. 
8.; Vofs im 2ten Bande der Horazischen Werke; Heidelb. 
1806. 8.; einige auch Herder m der Adrastea, besonders 
DL 50. die vierte des ersten Buchs, welche die Geschichte der 
alten Satire erzlhlt Die Satiren von Horaz, verdeutscht mit 
berichtigjlem Text nndCommentar vonKirchner^ Bd.I. Stral- 
sund 1828. 4. — Vergl. Dan. Heintii de SaUra Horatiana 
IMri IL bei s. Ausgabe des Horaz, L. B. 1812. 8. — S. anch 
Dusch Briefe z. B. d. 6. Tb. VI. Br. 1—3. Von Juvenal 
lieferte N. L. Achaintre, Paris 1810. 2 Voll, a eine sehr 
brauebbare Ausgabe; die beste neuere ist nXchst ihr die von 
Rnperti; zweke Aosg. Leipz» 1819.— 20. 2 Bde. 8. Von U^ 
terem befindet sich auch der Commentar zum Juvenal, nnd 
. ein anderer zum Persius von G. C. König, bej der flan^' 
ausgäbe dieser Dichter; GdUingen 1803. ^r. 8. Perains mit 



Satire. 16S 

e. metr. Uebers. und Anm. von FfilleborD; Zillicbair 1794.8. 
'Qacl Ton J. A. Nasser; iSel 1807. 8. — von Franz Passow; 
Leipz. 1809. later Thetl, T«zt und Uebers. — Javenal fib. 
mit Anm. v. K. F. Babrdt, Berl. 1787. 8.; zweite Aofl. r^fim- 
bei^ 1821. 8. Derselbe übers, von O. Graf von Hangwitz, 
Leipzif; 1818. 8.; von Donner; Tnb. 1821. 8.>— Persios von 
Donner; Stnttg. 1822. 8. — * Eine Yergleichong dar Satiren des 
floraz, Jnvenal nnd Persins s. inDryden's angef. AbhandL 
S. 326. und im L^ie far Laharpe, P. /. L. /. Ch. IV. 

§, 199. 
Die Italiener Laben mehrere sehr schätzbare. Sa- 
tiriker. Bei ihnen läCst sich die burleske !National-Sa- 
tire von der classischen, nach römischem Mnster gebil- 
deten Satire unterscheiden. In der erstem Gattung 
zeichneten sich Berni und Pietro Aretino aus; in 
der letztern Ariost, L. Alamanni, Salvator Rosa, 
Menzini, Dotti, der ältere'Graf Gozzi undParini. 

Beispiels amml. Bd. IL S. 123—146. 

Giui. Binnchini Dit§. della Satira UaUana; in Maua 1714. 

4. — Samrolangen von Sansovino: Seite lAbri di Satire; 
Vene», 1573.12., von Andii|i: Satire di cinque poeti illuttri; 
Vene». 1565. 12. — Opere di Fr. Berni, Vene». 1538. 8. — 
Ragianamenti di Pietro Aretino, f. L 1583. 8.; Coimopoli 
1660. 8. — Delle Satire e Rime del div. L. Arioito; Hamb. 
1731. 8. — Opere Toicane di L. Alamanni;^ Vene». 1538. 8. 
T. /. — Satire di B. Menxini, Amit. (Neap.) 1718. 8.; 
Neap. 1763. 4.; Lßnd. (Uvömo) 1788. 1820. 12. — di Sai- 
vator Roia; Anut. 1769. 4. — del Caval. Dotti; Gen. 
1757. 12. — // Trionfo delV ümillay Poemetto, e dodeci Ser^ 
moni del Conte Ga»p, Goxxi; Ven. 1764. 8. -^ Parini II 
Giomo; nelle Opere, VI. Voll. gr. 8. — üeber diese nnd an« 
dere Satirendicbter der Italiener s. Flöge l's Gesch. Bd. II. 

5. 57 — 270. — Bouterwek*s Gesch. d. Poesie nnd Berede. 
Bd. I. n. IL an mehrern Orten. 

§. 200. 

Regnier und Boileau Despreaux sind die clas- 

sischen Satirendichter der Franzosen ; unter den EnglSn- 

dem haben sich Donne, der Graf v. Rochester, 

Pope, Swift, Jpung, Churchill und Dr. Johnson 

in dieser Gattung das meiste Verdienst erworben« 

11* 



164 Satii^. > 

BeiipieUanmL Bd. H. S. U7-*192. 

Saifre» H üuirei Oeuvrei ie Jiathurin Regnier, LiMion 
. 1733. 4.; Parti 1750. 2 VM. 12. — Oeuvreg de BoiUau 
..Deipreaux^ avec U commentaire de Mr. de Maiseaux^ k la 
^ye 1729. 4 Voll l2,;Ht Dretde 1767. 4 VolL 8. ed. de Mr. 
8i. Marc; Parte 1747. 6 VoU. 12. Ueber ihn s. Laharpe's 
l^Ue; P. IL L, I. Ch. X. — Sammlnngen firanzöfUcher Sati- 
reu: Le Pamaeee deg poete9 »aHriqtu»^ 1623. 8.; Lee uuifiqeee 
du XVIU. Miede; Parti 1800. 7 Bde. 8. — Donne'e Poem; 
Land, 1669. 8. Umgearbeitet stehen drei seiner Satiren in 
Pope 's Werken, nebst eignen Satiren dieses letztem Dichters. 
Vergl Dr, Warton'9 Eaay on Pope; Vol. IL Sect. X— 
XHL — SufifVi Worki; Lond. 1776—79. 25 VolL 8. 
lieber Swift's Verdienste nnd Fehler, vergl. Herder's Adra* 
stea, IL 298. — Dr. Young'» Love of Farne, tke ündvenal 
Pmieion, in $even characieriitical Satire», im ersten Bande s. 
Werke: nnd mit Ebert's Uebersetzong nnd Commentar; 
BrannscW. 1771. gr. 8. — Churchill*» Poem»; Lond. 1778. 
3 Voll. 8. — Dr. John»on*» Work» h}ß Hawhin»; London 
1787. 12 Voü. gr. 8. — Von mehreren Satirikern der Franio* 
sen 8. Flögeil Bd. II. S. 407 — 638. nnd TonEnglischeri S. 
314- 407. 

§. fiOl. 
Die besten deutschen Satiren in poetischer Form 
sind von Rachel, v. Caniz, v. Haller, v. Hage- 
dorn, Michaelis, Sturz, dem jungem Grafen zu 
Stolberg und Falk; in prosaischer Form von Lis- 
kov, Rabener, Lichtenberg, Musaeus und Jean 
Paul (Fr. Richter). 
BeispielsammL B. II. S. 193 — 240. 

Eine nmstSndliche Geschichte der dentschen Satire s. im dritten 
Bande von FlSgel's Gesch. der kom. Litteratnr; nnd in Koch's 
Compendinm, Bd. I. S. 145. — Rachel's satirische Gedichte; 
Frankf. 1677. 8. N. A. Berl. 1743. 8. - y. Caniz Gedichte; 
Berlin 1765. gr. 8. — Von Haller's Lehrgedichten gehSren 
hieher: Gedanken fiber Verniinft, Aberglauben nndUn- 
glauben; die Falschheit menschlicher Tugenden; die 
yerdorbenen Sitten. — Von Hagedorn: Der Weise; 
die Gifickseligkeit; das Schreiben an einen Freund; 
die Freundschaft; der Schwätzer. S. Tb. I. s. Werke. 
— J. B. Michaelis Fabeln, Lieder nnd Satiren; Leipzig und 
Aarich 1706. 8. und in s. pMt Werken, Gieben 1780. 81. 2 



Lehrgedicht 1€S 

Bde. a -^ ä P. Sturz's Schriften; Leipzig 1786. 2 Bde. 8. 

— lamben von F. L. Gr. zu ^tolberg; Leipzig 1784. gr. 8. 

— J. D. Falk 's heil GrSber zu Rom,' und die Gebete, nebst 
einem Anhange kleinerer satirischer ^Gedichte : die- Eitelkeit, die 
Schmausereien, die Jeremiade, die Mode; Leipzig 1799. 2 Bde. 
12. — Dess. Taschenbuch för Freunde des Scherzes und der 
Satire; Leipzig 1797. n. folg. Jahre. 12. — (C. F. Liskov*s) 
Sammlung satirischer und ernsthafter Schriften; Frankfurt und 
Leipzig 1739. 8. und von K. Miichfer; Berlin 1806. 3 Bde. 
8. — Rabener's simmtliche Schriften; Leipz. 1778. 6 fide. 
8. In Versen ist darunter nur der Beweis von der Unent- 
behrlichkeit deutscher Reime. -^ G. C. Lichtenberg*s 
Vermischte Schriften; Göttingen 1800 ff. 6 Bde. 8. Dess. Er- 
klimng der Hogarthischen Kupferstiche; Gdtt. 1794 if. 6 Bde. 
8. — J. K. A. Mutfaeus Physiognondsche Reisen;. Altenbnrg 
1778 -7d. 4 Hft. a — J. P. Rieht er's gröaländisclie {»rq- 
cesse oder satirische Skizzen; Berl. 1783. 2 Bde. 8. und meh- 
rere Schriften desselben. 



Harn Ijehrgedlcht. 

§. 202. 
Das Lehrgedicht. >velcheui zuweilen seiae Stelle 
unter den Dichlungsarten streitig gemacht worden ist, 
bat in seiner höheren Bedeutung nicht eigentlich den 
Zweck, den Verstand zu unterrichten, was allerdings in 
Prosa besser geschehen kann, als in Poesie. Wie vieknehr 
ein jedes Kunstwerk, abgesehen von äufserer Nützlich- 
keit, seinen Zweck in sich trägt, so wird auch das Lehr- 
gedicht, wenn es den poetischen Gehalt, der in den Ge- 
genständen der menschlichen Erkenntnib, in den Wis- 
senschaften und Künsten liegt, gefällig ausspricht, selbst 
denjenigen, der nicht Belehrung sucht, durch eigene 
Schönheit und Vollendung anziehen, zugleich aber die 
Wirkung haben, den Leser zu beUhren, da es ihm 
Wahrheiten von einer solchen Seite zeigt, dafs er sie 
lieb gewinnt. 

Vergl. {lamler's Battenx, Tb. 111. S. 89 ff. — Marmontel 



\ 



166 Lehrgedicht 

P^i, Fr. T. iL Ch. 22. ^ Warton* i DUb. om DÜBctk 
Poetry^ ror •. engl Ueben. Virgii*8. — Dr, Blmir'B Lecti. 
. on Bhei.joni B, L. LecL XL, — EngeTs Anfangsgr. Th. 
L fianptst Y. — Eberhard's TJi. d. seh. Wiss. S. 153 ff. - 
Diiscb's Britefe rar Bildung des Gesduuacks. (Leipi. and 
Br«fiUa 1764-73. 6 Bde. 8. N. Aufl. e. d. 1773 (f. 3 Bde. 
8.) Bd. 1. und ü. der Skem Ausg., besonders Bd. II. Br. 1—6. 
— Herder's Adrastea, IIL 6a — Götbe Ueber das Lebrge- 
dicht; Nachgelassene Werke, Bd. IX. S. 151. — A. W. Schle- 
gel in den Charakteriskiken' und Kritiken, Bd 11. S. 233 ff. 

§. 203. 

Die Gegenstände der menschlichen Erkenntnifs sind 
groDsentfaeilt von der Art, dafs sie eine der Phantasie 
und dem GefQhle zugängliche Seite, claeD poetischen 
Gehalt haben, welcher im prosaischen Vortrage nicht er- 
schöpft wird ; sie gestatten, ja verlangen gewissennaafsen, 
am in ihrem ganzen Wesen dargestellt zu werden, ne- 
ben der streng wissenschaftlichen Behandlung, das Lehr- 
gedicht. Die Astronomie z. B. beruht auf Beobachtun- 
gen, Berechnungen und Schlüssen, die prosaisch mitge- 
theilt sein wollen; aber die Einsicht in das Weltgebäude 
ist etwas so Hochpoetisches, dafs es die gleichartige Auf- 
fassung und Darstellung des Dichters verlangt. Der 
Landbau kann, auf prosaische Mittheilung praktischer Er- 
fahrungen gesttitzt, seine ganze Nützlichkeit erreichen; 
allein er hat für das offene, gebildete Gemüth noch et- 
was mehr als den Nutzen, und diese edlere Bedeutung, 
dieser höhere Sinn des Landbaues wird uns durch eia 
Lehrgedicht, wie VirgiPs Georgica, erschlossen. Immer 
ist hier das Gedicht belehrend, indem es denjenigen 
Stoff in einer Wissenschaft, Kunst oder nützlichen Be- 
schäftigung des Menschen behandelt, welcher sich der 
prosaischen Betrachtung des Verstandes entzieht. 

§, 204. 
Unter den Wissenschaften,. Künsten und nützlichen 
Beschäftigungen sind die einen reicher an poetischem 
Stoffe als die andern, und eignen sich daher Vorzugs- 



Lehrig^edichb 107 

weise für das Lehrgedicht; allein es liegt auch ein be- 
sonderer Rea ddrin, dafsdie v^erbot-^ei^ poetische^ Seite 
an eineoi scheinbar gani prosaisdieii Gegenstiaade* faer^ 
Yorgefaoben werde. Yor Allem ist hiebei dais ngewMin* 
liehe Mis^brständnifs zu vermeiden, als mfisse der ganze 
Gegenstand erschöpft, und also auch die prosaische Seile 
behandelt werden.'. Die UnvoUständfgkeit, welche man« 
chen Lehrgedichten, z. B« der Ars po^ea des Horaz, 
vorgeworfen wird , kann ihnen vielmehr zotn . grütiteni 
Lobe ^reichen. 

Man &at die Lefirgediehte veFseMeclendich eingelheQt, z. B. 1) Sa 
theoretische, welche die Wiasensduiften behaiidefai; imd 2) 
in praktische, v^elche^ in die tnoralischen, and technischei| 
zerfallen; oder passender 1) in philosophische, die theore« 
tisch und praktisch, vorz&gjlirh moralisch sind, und 2) in s^cien- 
ii fische oder artistische. Jene suchen aOgemeine Wahrhei- 
'Idl zu fer^lnnlichen, diese haben eine besoaikre Wissenschaft 
odej^ Kunst, oder einen TheU derselben zum Cfegeastande. ' 

; . §205. ' ; 

])etrachten wir die didaktische Poesie im Vergleich 
mit der streng wissenschaftlichen Lehre, so finden wir 
in ersterer auch; Einheit, Zusammenhang und Ordnung; 
allein, diese Eigenschaften beruhen nicht auf logische^ 
Eintheiluug, Folgerungen nnd Schlüssen, sondern das 
vollei^dete Lehrgedicht ist durch Einheil der poetischen 
Anschauung ein organisches Ganze. Der Gebranch von 
Bildern, Beschreibungen, Episoden, überhaupt Alannig« 
faltigkeit der Oarstellung, wird dem dtjdaktischen Dichter 
als Mittel, sich über die Prosa zu erheben, gewöhnlich 
anempfohlen; doch giebt diefs leicht Anlafs zu der ver- 
kehrten YorstcUuug, ah ob dieselbe Sache im Lehrge« 
dicht ausgesprochen würde, wie im prosaischen Unter- 
richt, und nur der Dichter den Schmuck hinzuthäte. Auf 
diese Weise entstehen solche Lehrgedichte, die, soweit 
sie Gedichte sind, nicht lehren, und soweit sid lehren, 
keine (kdichte sind. 



tos Lehi^edidit 

1 1 > • < . »« ^uo« • 

DäB Lehvgedidit kaan «kb durcli Inhalt und Form 
der' episehasi der lyrischen und selbst der dramatischen 
'Pniesie nähern, doeh behält es «immer das Unterschei- 
deade, einen trissenschaftlichen oder t«chniselten Gegen- 
stand yoa seiner poetischen Seite- zu umfassen. DieDar- 
atdJung rfirdf da sie den poetischen Gehalt dnes an- 
drerseits auch den Verstand beschäftigenden Gegenstan-^ 
des-«U8sprichty ein Gleichgewicht Zwischen Gefiihl und 
Gedanken, eine gewisse Ruhe und Würde beobachfen. 
pemgemSfs pflegt die Yersart, welche minder als beider 
lyrischen Poesie zum Gesänge beistimmt ist, nicht in 
Strophen, sondern in Hexametern öder in längern iam- 
bischen Zeilen zu bestehen* 

§. 107.. 
In Grieehealand *) mu&ften, bevor schriftliche 
Aufzeichnung gewöhnlich und somit ein prosaischcir Stil 
möglich war, Lehren jeder Art, um in einer bestimmten 
Gestalt fortgepflanzt zu werden, die poetische Form an- 
nehmen: allein sie waren auch durch die Begeisterung, 
ttiit der eine neue Einsicht zum erstenmal« ärfafst und 
ausgesprochen wird, ihrem Wesen nach wahrhaft poe- 
tisch. So die sittlichen Lebens- und Haushaltungsregeln 
des Hcsiod, welche das älteste Lehrgedicht der Grie- 
chen sind; die moralichen Denksprüche oder Gnomen 
des Pjthagoras, Solon, Theognis, Phokylides 
und anderer Gnomiker; die Gedichte über die Nator 
der Dinge von Parmenides, Empedokles u. A. 
Wenn es hier wirkliche Belehrung galt, und die Poesie 
nur als nothwendige Form diente, so war es den spä- 
tem pidaktikem im tiegentheil darum zu thun, mit dem 
scheinbaren Zwecke der Belehrung nur die liLtinste der 



*) Auch die indische LiUeratnr be«iut ein trefTlicbes Lehrgedichti 
die Versanunlung der Jahres seifen , Ritasanhire, in sechs GesSngen; 
überseut von Kose garten. YergL Jones Works VI. p. 432. 



Lehrgedicht 169 

Poesie gUffMn zu laäsdo. Ar a t ns , der bertlhiiitestc alex- 
ahdribische Lehrdicfater, bedang die St ernerscheiDungen 
und Wetterzeichen; Nikander die Gifte iin Thier- und 

Pflanzenreic]ie; Oppian den Fisehfang und die Jagd. 

BeispieUammL U. 243. III. 1. 

Heiiodi Opera et 4>e< C^^yf* xa2 ^fu'i^O etL F. A» G. Spohn^ 
Lipt. 1619. S.; aqch in den Ausg.. der Hesiodi^chen Werke, z. 

• B. von QJi. Fr. Loeaner, Leips.*1779v. und Königsberg. 1787. 
8.; von Th. Gaisford, Leipzig 1823. 8.; von C. Goettling, 
Gotha n. Erfurt 1831. 8.; deutsch von J. H. Vofs; Heidelberg 
1 806. 8. y ergl. M a n s o in Nachtr. zn S « 1 z e r's Theorie, Bd. 
HL S. 4&. tf. Fh Thi^^rsch fib. die Ged. des He^iodos; Mfinchen 

'* 1813. 4. tOL. Acta Phü, Mamac. T. IIL fa$c. 3, p. 389. Ueber 
die Spruche der alten griechischen Weisen s. Meiners's 
Gesch. der Wissensch. in Griecheol. und Rom; (Lemgo 1781. 
^ Bde. 8.) Bd. I. S. 45. Sententiota vetuitiuimorum Gnomi» 
cor um pok'tarum opera^ c. praef. Heynii; Lip$. 1776. 2 VoU. 
8. ; der Iste Band enlhSlt PytJiagorearum aureum cärmeUf eura 
C» G. Glaniorf;. der andere SolonU Fragmm. poe't cur. F, 
A, Fort läge. ^H&unri JIoUiaiQ, s. Gnomici Poe'tae Graeci, et 
ed, Brunchii; ^ir^en^. 1784. 8«, verbess. von Schäfer, Leip 
zig 1817. 8./ Opueculd gr. iententioia et nnoraliaf ed. J, C. 
OrelUue; Lipk. 1819. 2 ToÜ. 8. Pythagorae aurea Car^ 
mtiur» ex ed, L Ad,Sthier; Lipe. 175^-8., mit franz. lieber». 
Q. Commentar von Fahre d*Qtv.ei; Par. 1813, 8.« übers, von 
Gleim, Halberstadt 1786. 8.; mit Theognis von £. C. M.; Tub. 
1812. 8. — Soionii carm, ed. N. Bach; Bonn 1825. S. — 
Theognidii Sententiae^ c. Seberi; Lipt. 1620. 8. T/ieognü 
du Elegi, ed, Imm, Behher; Lipi. 1815. 8., edl iL Berolini 
1827. 8.; ed. F. Th. Welcher, Francof. a. M. 1828. 8.; 
deutseh ^on G; Thudichnm; Büdingen 1828. 8. — Phocy- 
lidii Jiov^tTutoift ex ed. J. Ad. Schierii; Lipt. 1751. 8. — 
Die Fragmente des Parmenidet von G. G. Fölleborn^ Zfil- 
lichan 1795. 8.; von A. Peyron beim Empedokles^ von Chr. 
A. Brandis, Comment Eleat P. /. — Die Fragmente des 
Empedokletvon F. W. Sturz, Lpz. 1805. 8.; von A. Pej- 
ron, Leipz. 1810. 8.; verdeutscht und erlSotert von Lom- 
matzsch; Berl. 1830. 8. Das dem Empedokles zugeschriebene 
neuere Gedicht von der Sphäre, herausg. von B. Hederich; 
Dresd. I7ll. 4. — Die 0aiv6fitva des Aratut (welche von 
Cicero, Germanicus und Avienus ins Lateinische übersetzt wur- 
den) sind herausgegeb. von i. Th. Buhle, Lei|f£ 1793 — 1801., 
2 Voll. 8.^ von J. H. Vofs mit deutscher Uebers., Heidelberg 



\ 



170 Lehtgedi^hL 

1824.; a{ VAU Pk. BaUm^oA» Beii iaa6.8.;.v«a(taiBvBek- 
ker; Berl 1828. 8. — Nieandri Alexipharmaca, ed. J, Glo. 
Schneider, HaUte 1792. 8./ Theriacüj ed. J. Glo, Schnei- 
der; Lip§. 1816. 8. — Oppiuni *AXt€vjuia und Kvptiyifixa, 
ed, J. Gio. SchiKtider; lÄpg. 1813. 8. — Unter andern grie- 
chifchen Aotoren, yoo denen wir wisMosduiftlicbe W^rke in 
poetiteher Form ganz oder tbeilweise Waitoen,. sind die Geo- 
graphen Dicaearchns, Skymnas, Dionysin« V%riegetef 
nnd die Aente Andromachna nnd Marcellaa za nennen. 

§. 208. ; 

In der rOn^^chen Poesie nimmt das Lehrgedicht 
eine der yornehmsten Stellen ein. . Lucretias fafste 
das System der epikureischen Philosophie mit warmer 
Begeisterung in sein grofses Lehrgedicht, voti der Natur 
der Dinge; Virgiliüs besang unübertrefflich die Mühen 
und Freuden des Landbaues; Horatius sprach in dem 
Briefe an die Pisonen tiefe Einsicht in^ das Wesen der 
Dichtkunst aus;'0vidin8 dichtete mit Gewandtheit und 
Laune von der Kunst zb lieben, und wofste selbst den 
Kalender poetisch zu bebandeln. Auch die Gedichte 
des Gratius Faliscus und des jf!f4!tme8ianus von 
der Jagd, des Manilius toa der Astronomie, des Co- 
iumella vom Gartenbau sind zu nennen. Noch in der 
späten Zeit der römischen Litteratitr zeichnen sich die 
hisforischen und mythologischen Gedichte des Claudia- 
uus, und die idyllische Mo^ella des.Ausonius ans* — 
Die gnomischen Poesien des. Pub Uns Syrus uud 
des Dionysius Cato können auch hiebet gerechnet 
werden. 

BelBpielsaraml. IL 252. 111. 18. 

Jjucretii Cari de natura rerumlibri TL, ed, princ, Bretctä, 
am 1473. fol. ed, Tho, Creech, Oxon. 1693. 8. und öfter; 
cum not. vor. ed. Sig. Havercamp, Leiden H2b. 2 Voli^'f 
erste kritische Ausg. Ton Gilb. Wakefield, mit den Aniu. 
von 11. Bentley, Lond. 1796-97. 3 Voll. 4.; Glasgow 1813 
4 Voll. 8.; ed. H. C. A. Eichitaedt T. I., Lpt. I80I. 8.; 
ed. A, Forbiger, Lpi. 1828. 8. DenUch von J. H. F. M«»' 
necke, Leipz. 1795. 2 Bde. 8.; von C. L. v. Knebel; Lejp^ 
1821. 2 Bde. 8. VergU Naditr. za Salzcr*s Th^rie, B. VII 



Lehrgedicht 171 

St 2. S. 31«. ^ VirgiVt (Bkargiea in 4 Bicbern» Ut mid 
englisch mit Anm. von Jo. Martjo, Lond. 1741. 4.; 1746. 2 
Voll. 8.; 1813. 8.'; lat. und deutsch mit trefflichem Commentar 
von J. H. VoTs, Altona 1797 — 1800. 4 Bde. 8.; französ. von 
J. Delille; Paris 1770. 8. o. 5fter. — floraiit Epitiola ai 
Piiones, ed. C, G. Sehelltf IAp$. 1806. 8.; ans dem Engl 
des Bird fibers. von J, J. Eschenbarg; Letpz. 1772. 2 Bde. 
8. — « ^}v%diui de arte amandi und Bemedia amoriif laent 
gedruckt o. O. u. J. (Cöln bei Cr. de Homharcb) 4., Augsburg 
bei G. Zainer 1471. foL n. lifter in den Ausg. seiner Werlce; 
deutsch: die Kunst zu lieben, von J. C.y. Strombeck, 66tt 

1795. 8.; Die Mittel gegen die Liebe von dems.; Brannschweig 

1796. 8. Ovidii Fa$H, ed. T. E. Gierig, Lj)f. . 1812 - 14. 2 
VoU.^.; F.C.Matthiae, Frank£ 1813. 8.;. Krebs, 1826.8. -- 
Die Cjnegetica des Gratiui Faliicui und Nemetianui^ 
erste Ausg. Vened. 1534. 8.; in den Scriptt. venat. ed. J. Vit' 
tiutf Lugd, Bat. 1655. 12.; Havercamp ibid. 1728. 4.; in 
den Ppei. lat. min. von P. Burmann T. L ; von Wernsdorf 
T. 1 — Manila Astronomicon libri F., ex rec. R. Bent' 
leii^ fjond. 1739. 4., ed. El. Stoeber, Argent. 1767. 8.'; mit 
franzOs. Uebers. n. Anmerk..von A. 6. Piagre; Paris 1786. 2 
Voll 8. — Columella de cultu hortwum, in Wermdor/'e 
Fottae lat. min. T. VI. — Claudiani opera ed. P. Bur- 
mannui See, Aimterd. 1760. 4.; ed. J. M. Ge$ner; lAp». 
1759. 8. 8. §. 86. — duionii Moiellaf ed. JJ. Trof$; Hamm 
1821.8. — EKe aus den Olimen des Publiui Syrui erhaltenen 
Sittensprüche sind snerst herausgegeben von D. Erasmus, Ba- 
sel 1502. 4.; in J. Gruter's Florilegium, Frankf. 1610. 8.; von 
S. Havercamp, Leiden 1708. 8., beim Phaedrns von Beut« 
ley; iu Poe't. lat. earm. iententioia ed. J. C. Orelli; Lipt. 
1822. 8. Supplem. 1824. 8. — Dionyiii Catonii diiticiia 
de moribue, ed. O. Arnxeniui; Traf. 1735. 8., 1778. 8. — 
Von neuem Lehrgedichten in lateinischer Sprache sind zu be- 
merken: Melch. Card, de Polignae Anti-Lucretiue^ s. de 
Deo et natura /. /X./ Par. 1747. 2 Voll. 8. Lipe. 1748. 8. — 
/f. Hawkin't Browne de animae immortalitate ; London 
1754. 4. — Vida de arte poet. l. HI. » de bomhyce l. IL, de 
ludo eeacchorumi in ejut Opp.; Lond. 1732. 2 Voll. 8. — Ra- 
pini hortorum L IV.; Par. 1666. 8. — Vanierii praedium 
ruiticum; Par. 1746. 12. — Du Freenoy de arte graphica; 
Par, 1757. 12. — Many de pictura; Par. 1736. 8. 

§. 209. 
Die italienische Poesie neigt sich wenig zur Didak- 



172 Lelnrgedkht 

liky doch haben rieh AlaManni, Rucellai, Menzini 
und Riccoboni aaf diesem Felde bervorgethan. Bei 
den Franzosen herrschte ein didaktischer Ton schon 
irOhzeitig in den Gesängen ^^r Troubadours; aus neue- 
fer Zeit sind die religiösen und philosophischen Lehrge- 
dichte von Louis Racine, Voltaire, Dulard, die 
Poetik von Boileaa und verschiedene technische Lehr- 
gedichte von Watelety Dorat, Delille und d'Esme- 
nard hervorzuheben. 

Beispielsamml. II. 273. imcl HI 74. 

La CoUivaxione di L, Alamanni e U Api di Rucellai, P«- 
ihva 1714. 4.; Müano 1804. 8. — L'Arie poetica di Ben. 
Menxini, Flor. 1688. 8.; in den Opere; Flor. 1731. 4 Voü, 
4. — L*Arte rappraentativa di L, Riccobonit io s. Hiüoire 
du Tkiatre italien; Pur. 1727. 2 Voll 8. T. IL — La Ri- 
iigion, pokfM en tix chaatg, par Louii Racine; la Chraeet 
en quatre CAanfs« par le minte: dam $e8 Oeuvre§ T. ///. — 
Voltaire Di$cour$ $ur VHomme; la Religion Naturelle; Le 
Dieattre de Liebonne: Oeuv. T. XIL id. de Beaumarchaii. — 
La Qrandeur de Dieu dam le$ merveillee de la Nature, par 
Mr. Dulard; Par. 1758. 12. — LArt de peindre,. Pohm de 
Watelet; Amtt. 1761. 12. — La Dielamation theatrale, en 
quatre chante: la Tragödie ^ la Comidie, V Opera et la Dame, 
par Doraf; Par. 1766. 67. gr. 8. — Lee Jardim, ou VArt 
d'embellir lee pay$age$, par lAhhi Delille; Par. 1782. 8. 
LHomme de Champe, ou lee G46rgique» Frangoiu»; Par. 
1801. 8. Le Malheur et la Pitie; Londree 1803. 8. L Ima- 
gination, pohne; Par. 1806. 8. — La Navigation par D'E^ 
minard; Par. 1806. 8. 

§. 210. 

Die englische Litteratur ist besonders reich an Lehr- 
gedichten. Meben Pope, dessen Versuche über die 
Kritik und über den Menschen berühmt sind, zeichnen 
sich aus: Waller, Prior, Young, Akenside, Ogil- 
vie, Hayley, Pye, Rogers, Cowper, Campbell, 
Buckingham, Roscommon, Hill, Armstrong, 
Darwin; mit besonderer Liebe besingen einheimische 
Naturproducte und Gewerbe Philips» Miason, So- 



Xefairgedidit 173 

merTiHe, Dyeir und Grainger. — Die Poesie der 
Holländer ist Vorwaltend didaktisch. Unter ihren 
zahlreichen Dichtem in dieser Gattung zeichnen sich 
aus: Cats, Tollens, Feith, Kinker und Bilder- 
dyk, — Unter den Lehrgedichten der Deutschen sind 
wenig vorzfigliche; Opitz, Zernitz, v. -Hallery ▼• 
Hagedorn, Sukro, Geliert, Gieseke, v. Creuz^ 
V. Cronegk, Wieland, Gleim, Lessing, Witho^ 
Uz, Kästner, Lichtwer, Dusch, Neubeck, 
Manso, Tiedge, der jüngere Spalding, Christian 
Schreiber, ▼. Gerwing dichteten in dieser Gattung« 

BeispleUamml. IL 291. n. IIL 116. 

Pope's Euay on CriHcum: Worin VoL l.; EtMaif on Man; 
and Maral Ei§ay$: Works VoL IL — 'Walter on Divine 
Love; On the Fear of Ood; On Divine Poety: Works; Lond, 
1729. 8. — Prior* s Alma, or the Progress of the Sovl: <So- 
lomon: Works Vol, L — Dr. Young*s Cömplaint or Night» 
Thoughtsi englisch und deutsch yon Ebert; Braunschw. 1760 
—71. 4 Bde. gr. 8. Mehrere Gedichte dieser Art s. in seinen 
Werken; Lond. 1778. 5. Vols. 8. Dea\tsc|i, Braanschw. 1777. 
2 Bde. gr. 8. — Dr, Akenside's Pleaiures of Imagination; 
Lond. 1754. 8., omgearbeitet in s. Poems; Lond, 1772. 4. 1779. 
8.; fibers. von Ang. t. Rode; BerL 1804. 8. — Ogilvie*8 
Day of Judgmejtt; Lond, 1762. 4. Proridence; Lond. 1762. 
4. — Hayley*s Triumphs of Temper; Epistle to an eminent 
Painter; Essay on Epic Poetry ; Essay on History: Poems, 
Lond. 1785. 6 Foll. 8. Essay on Sculpture; Lond. I8fH). 4. — 
Pye*s Progress of Reßnement: in Ms Poems; Lond. 1787. 2 
VoH. gr. 8. -^ Sam. Ro^er^s Pleasures of Memory; Lond, 
1792. 4. — W. Cowper's Poems; Lond, 1798. 2 Voll. 8. — 
CamphelVs Pleasures of Hope; Lond. 1814. 4. — Duke of 
Buckingham*s Essay on Poetry: Works, Lond. 1753. 2 
Vols. 8. — Earl of Roscommon's Essay on translating 
Verses, v. The Minor Poets (Dubl. 1751. 2 VoU. S.) Vol. I. 
p. 1. Poetieal Works; Glasg. 1749. 8. — HilVs Art ofAc 
ting: Worksy Lond. 1753. 4 Voü. 8. — Armstrong*s Art 
of preserving Health ; Lond. 1 773. 8. ; über s. yon Nöldecke; 
Bremen 1779. Id. 4. — The Botanic Garden (by Erasmus 
Darwin), a Poem in two Parts, with phUos, Notes; Lond. 
1795.4. — TAe Cyder, a Poem by J. Philips; Lond. 1704. 8. 
— Th9 English Garden, by Mason; Lond. 1783. 8. — The 



174 Lehr^iche 



Ckiue hjf SömefffilU^ •» hk )P4emtf L9ni* 1772. a — TIe 
Fletet^ a.Poem hy Dy^r; LQni, 1759. 4. -^ The Sugar-Cam, 
mPoem hy Qrainger; Land, 1764. 4. '- ^ J acob .Cati, de 
Ouderdom, BuytenleveUf Hofgedachten vu 8. w. in den Wer- 
len: Amst 1790 — 1800. 19 Bde. 12. — Die Ueberwinlerong 
auf Noya Zemla ron Tollens, in denen Gedichten; Haag 
1808. 3 Bde. 8. — Feith, het Qrafi Amt 1792. 8.; de Ok- 
ierdem^ Anut. 1802. 8./ Brieven aan Sophie over de Katitir 
aaiuehe Wijibegeerte, Am$t, 1806. 8./ beantwortet von Kinker, 
Brieven van Sophie aan Feith; Amtt. 1807. 8. Aach sind 
Kinker^s phÜo^phiache Poesien ^^der Geist des Loyola im 
19ten Jahrhundert*' and das ^,Mleben'* geschätzt. — Bilder- 
dyk het Ziehte der Oeleerden, Awut. u. Haag 1807. 8.; Jtet 
Buytenleven (nach Delille), Am$t. 1803. 8.; De Memch (nach 
Pope); Anut. 1809. 8.— Opitzens Zlatna und Yielgnt, lo s. 
Poet. Werken; Amst. 1644. 3 theile 12. — Zernitzens Ve^ 
•ach in moralischen and ScliSfergedichten; Hamb. 1748. 8. — 
Y. U all er 's Versuch schweizerischer Gedichte; Bern 1777. 8. 

— y. Hagedorn's moralische Gedichte, ins. Werken, Th. I. 
^f Chr. Jos. Snkro's poet a. pros. Schriften; Coburg 1770. 
8. — GellertS Lehrgedichte, in s. sSmmtL Schriften. — 
Gieseke'ns poet Werke; Braonsehweig 1767. gr. 8. — von 
Creaz*s Oden und andre Gedichte; Frankf. 1769. 2, Bde. gr. 
8. — y. Cronegk*s simmtL Schriften; Anspach 1765. 2 Bde. 
gr. a— Wieiand*s poet Schriften; Zfirich 1770. 3 Bde. gr. 
8. Masarion; in s. Gedichten Bd. I — Gleim*» Halladat oder 
das rothe Buch, Th. I. 11.; Hamb. 1775. 4. Th. IIL; Halberst. 
1781. 8. — Lessing Qber die Regeln der Poesie und Tod- 
kunst in der kL Ausg. s. Schriften, Th. I. S. 273. — Wit- 
hofs akademische Gedichte, Leipz. 1782. 83. 2 Bde. gr. 8. — 
Uz*en8 poet Schriften; Leipz. 1767. 68. 2 Bde. 8. Wien 1804. 
2 Bde. 4. und 8- — Kästner's Lehi^dichte, z. B. von den 
Kometen, in s. yerm. Schriften, Th. L -* Lichtwer^s 
Recht der Vernunft;; Berlin 1758. gr. 8. — Dusch*a Wissen- 
schaften; Versuche fiber die Vernunft; Poet Sehr. Th. L — 
Dr. Valer. W. Neubeck, die Gesundbrunnen, ein Gedicht in 
yier GesSngen; Breslau 1795. 4. Leipz. 1798. gr. 4. 1809. 8. 
(J. K. F. Man so) Kunst zu lieben, 3 Bücher; Leipz. 1794. 8. 

— Tledge*s Urania: über Gott, Unsterblichkeit und Frei- 
heit, ein lyrisch -didaktisches Gedicht in sechs Gesängen; Halle 
1800. 8. N. A. 1815. 8. — G. L. Spalding*s Versuch di- 
daküsdber Gedichte; BerL 1804. 8. — Christian Schreiber's 
Religion, ein oratorischea Gedicht; Gotha 1812. 8. — y. Ger- 



Boetische Beschreibung I7S 

vfin^'« Heil^pieUcn m» Tanraa^ ein JeddlrtiBcb • deferipÜTef 
Gedicht. 



•t •' '• . « »• 



Poettsche Befiidbreiliimir. 

§• 211. 
Die beschreibende Poesie, welche ihrem We- 
sen, nach vorzüglich die unbeseelte Natur xum Gegenstände 
hat, kann, «sofern die poetische Schilderung oft. nicht 
blos als untergeordneter Bestandth eil eines gföCseren 
Gedichtes, sondern als selbständiges Ganze erscheint, für 
eine besondere Dichtart gelten, welche sich zu den gro- 
ben Gattungen der darstellenden Poesie ungefähr so 
wie die Landschaftsmalerei zur Historienmalerei verhält. 
Während io^ Epos und in dem historischen Gemälde 
die Natur blos beiläufig als Local der Handlung darge- 
stellt wird, ist sie in der beschreibenden Poesie und 
dem Landschaftsgemälde der eigentliche Gegenstand, und 
kann menschliche Figuren und Handlung höchstens als 
QQwesentlichen Schmuck aufnehmen, 
lieber die beschreibende Poesie s. Home' 6 Grunds, der Kritik, 
Cap. XXI. — Dr. Blair^M Lect. XL, — EngeTs Anfangsgr. 
HanpteU VI ^ Eberhard's Tb. der scb. VViss. S. 165 ff. — 
Vgl. Lessing 's Laokoofi in iQcJireren Abschnitten; Herder* 8 
Krit Wslder« L 195 ff.; Salzer's Allg. Th., Art Beschrei. 
bnng, Gemälde; Schiller Ueber Mattbisson^s Gedichte, in 
den Werken; StnUg. 1820. 12. Bd. XYIII. S. 501 ff. Götbe*8 
Werke, Ausg. letzter Hand, Bd. XXH. S. 67. 68. 

§. 212. 
Unbeseelte Gegenstände werden der beschrei- 
benden Poesie vorzfiglich anheim fallen müssen, weil 
eben diese Gegenstände uns nicht wohl auf anderd 
Weise Vom Dichter veranschaulicht werden können, als 
durch Beschreibung, dahingegen Menschen uns nur in 
Handlung, die das Epos erzählt und das Drama dar- 
stellt, lebendig vor die Augen treten. (Charakterge- 
mälde wie die beiden Monologe, der AUegro und der 



\ 



176 Poetische! Beicbreibtmg^. 

Peoserofio von M i 1 1 o n, werden nk Unre^t «ur beschrei- 
benden Poesie gerechnet) Von den unbeseelten Ge- 
genständen vrird aber mehr die Natur zu poetischer 
Beschreibung auffordern, als menschliche Werke» unter 
denen gerade die Kunstwerke nicht wohl durch Worte 
veranschaulicht werden können. Poetische Schilderun- 
gen menschlicher Erzeugnisse müssen einer wenigstens 
ebenso untergeordneten Kunst angehören, wie iin Ge- 
biete der Malerei die StilUeben, welche Geschirre, Haus- 
rath u. 8. w. vorstellen. Die pöetrsche Beschreibung 
wird also vorzfiglich Naturschilderung, Land- 

schäfts-Dichtung seini ' 

»•• • • 

§. 213. 
Nun könnte ein Zweifel entstehen, ob die land- 
schaftliche Natur, in derän Formen die GesetzmSfsigkeit 
zurückzutreten und im Einzelnen Zufälligkeit zu wal- 
ten scheint, ein würdiger Gegenstand der scbönien Kunst 
werden könne, in deren ächten Werken Gesetz , und 
Freiheit beide gleich unbeschränkt herrschen.. Die Land- 
schaft erhält aber ihre kunstmäfsige Bestimmtheit, ihr in- 
neres Gesetz, indem sie, vom menschlichen Geiste aufge- 
faCst und wiedergegeben , ein Abdruck desselben wird, 
und also gewisse Empfindungen . nach Art der Musik 
herromift, ja bestimmte Ideen anzudeuten vermag. Und 
wenn diefs schon dem Maler zu erreichen möglich ist, 
so gilt dasselbe noch mehr von dem beschreibenden 
Dichter, der nicht allein durch glückliche Wahl barmo- 
nirender Bilder und kunstreiche Eurjthmie in der An- 
ordnung derselben einen musikalischen Effect erreichen, 
sondern' auch die Empfindungen und Ideen, welche seine 
Beschreibung erweckt, näher bestimmen kann, ohne sie 
darum beschränken zu dürfen. i 

Vgl Schiller am «. O. 

§. 214. ; ^ 

. Um wahr und anschaulich zu beschreiben* muCs der 
Dichter einerseits den allgemeinen Charakter der Natur- 

gestal- 



Poetische Beschreibung. 177 

gestalten und Erscbeinungen erfä&t haben» andrerseits 
aber sich nicht im Allgemeinen halten, sondern Einzel- 
nes schildern, das charakteristisch genug ist, um in der 
Phantasie des Lesers ein Bild des Ganzen zu erwecken. 
Wenn der Dichter nun nicht im Stande, ist, wie der 
Maler das Ganze zugleich vor die Anschauung zu brin» 
gen, so hat er dagegen ^en Vortheil, die successiven 
Erscheinungen der bewegten Natur schildern zu kön- 
Den. Da er nicht für das Auge allein schUdert, und 
Dicht das Yorübergehende,^wie in den Werken der bil- 
denden Kunst geschieht, zu unveränderter Dauer fixirt, 
80 müssen sich für ihn die Gesetze der Schönheit an- 
ders als für den bildenden Künstler modificiren. 

§. 215. 

Man kann zwar gepriesene Muster von poetischen 
Beschreibungen anführen, die nicht die landschaftliche' 
Natur mit ihren Veränderungen im Wechsel der Tages- 
und Jahreszeiten zu ihrem Gegenstande haben, sondern 
loenschliche Erzeugnisse, besonders Kunstwerke, ausführ- 
lich abschildern, wie dies von Homer in der Beschrei- 
boBg des Acbillelschen Schildes geschieht; allein hier ist 
es nicht das fertige Kunstwerk, was uns vorgestellt wird, 
sondern die Handlung des Meisters, der es vor unsem 
Angen fertigt; die Poesie ist also hier nicht eigentlich 
beschreibend* 

Noch mufs bemerkt werden, dafs die beschreibende 
Poesie bald mehr der didaktischen, bald mehr der lyri- 
schen Gattung nahe kommt, wonach auch ihre Yers- 
maafse verschieden sind. 

§. 216. 

Bei den Griechischen und Römischen Dichtem fin- 
den wir zwar beschreibende Stellen in verschiedenen, 
vornehmlich epischen Gedichten, allein sie behandelten 
die poetische Beschreibung nicht eigentlich als eine be- 
sondere Gattung. Dies haben verschiedne neuere Dichter 
mit glücklichem Erfolge gethaUi worunter Parini von 

EKhcnb. Tb. 12 



178 Poetische Epistel. 

den Italienern; Bernis und St. Lambert unter den 
Franzosen; Denham, Pope, Djer und Thomson 
unter den Engländern; und bei den Deutschen Opitz, 
T. Haller, t. Kleist, Zachariä, der jüngere Graf zu 
Stolberg, und in einer besondern lyriscben Weise 

Matthisson sich auszeichnen. 

Bcispielsamml B. IIL 

Parini U Giomo, neik Opere; Milano^ VI Voll. gr. 8. - 
Le$ quatre Partiet du Jour, par Mr. le Card, Bernit; 
Ronen 1760. 12. Le$ quatre Saitons, par le mime; Par. 
1763. 8.— Lei Haiion»^ Poeme par Mr. St. Lambert; Par. 

i 1769. 8. — Denham'i Cooper'i HUI; Lond. 1684. 8. - 
Pope'M Windior-Foreit: Workt, Vol. L — Dyer*t Chron- 
gar-Hül; Ruin$ of Rome: Poemt; Lond. 1752. 8. Thom- 
ton'i Seatons; with an Euay on the Plan and the Charac- 
ter of the poem, by J. Aikin; Lond. 1778. 8. Lpx. 1781. 8. 
fibers. von Harnes, Hörn, Soltaa, y. Rosenzweig. — Opits's 
Vesaviaa, in s. Gedichten; Amst. 1646. 3 Th. 12. — von 
^Haller*8 Gedicht, dl« Alpen, in s« sSmmtlichen Gedichteo- " 
y. £leist*8 Frahling, in s. Werken (Berl. 1803. 2 Bde. 8. 
Neue Anfl. 1825. 2 Bde. 16.) kritisch bearbeitet; BerL 1804. 
gr. 8. — Zachariä*s Tageszeiten, im zweiten Bande s. poet. 
Schriften; Braunschw. 1772. 8. — F. L. y. Stolberg*» 
Hellebeck, in seinen und s. Bmders Gedichten; Leipz. 1779. 8, 
Fr. y. Matthias on's Schriften; ZBrich 1826. 8 Bde. 12. 



Poetische Epistel« 

§. 217. 
Die poetische Epistel eignet sich zur Behand- 
lung solcher Stoffe, die sich in der besondern Beziehung 
des Dichters zu einer bestimmten Person am besten ent- 
wickeln lassen. Dieser Pei*son, an welche der Brief 
sich wendet, mufs aber ein poetisches Interesse ertbeilt 
werden y sie mufs als Stellvertreter einer Classe vo^^ 
Menschen oder der Menschheit überhaupt erscheinen; 
und schon hierin liegt ein wesentlicher Unterschied des 
poetischen Briefes von dem prosaischen. — Die poeti- 



Poetische« Splstd 179 

sehe Epistel ^sosb d[:tea80irjolil ;ly rischei* iÄflfidl-iick'iniul 
Gesinnungen,' Stioimuitgen. und Gbfülil^h des Diehtera 
sein, aU ieinen : ^genstähdlicjbefi Inhalt. 'in der . W/eiat 
des lehrenden, beschreibenden^ satirischen Gedichtes be^ 
handdn und somit der epii'seben Gattnug sich nähern« 
Viele Episteln neuerer IHcbter sind Ljrrischer.Ergiids eig- 
ner scherzhaften Laune, da hingegen OvhI's Briefe aus 
dem Pontus mit der Elegie in nächster Verwandtschaft 
stehen, und wiederum die Hörazischen Episteln fast ganz 
in das Reich der Satire und des Lehrgedichtes gehören. 
S. einige iiieber gehörende ßemerkungen; in Ra ml er 's Battenx 
Tb. ni. S. 185 ff. — Marmontel Poet. Fr. T. IL p. 528 
f«. — Hnrd^s Einleit. zn s. Commeutar ober Horazcns Epi- 
stel an die Plsonen; L. I. — Laharpe Lycee, P, IL L. 1. 
Ch. X. — Ebert's Vorrede za s. Episteln und verjuischten 
Gedichten; Leipz. 1798. 8. S. LIIL 

§. 218. ' 
Da ein Brief nichts anders ist, als die scbriftliche 
Unterredung mit einem Abwesenden, welche die Stelle 
der mündlichen Unterhaltung vertreten sqII^ so wird auch 
der poetischen Epistel der leichte natürliche Ton des 
geselligen Umganges am angemessensten sein; wiewohl 
sie, besonders wo das lyrische Element vorwaltet, auch 
einen höheren Schwung nehmen kann. Selbst das Vers- 
maafs des« poetischen Briefes hat den Charakter der Frei- 
keit und Leichtigkeit. Den Römern diente hierzu ent- 
weder der Hexameter in einer der Prosa sich nähernden 
Form, oder auch das freier behandelte elegische Me- 
trum; in den neueren Sprachen gebraucht man. häufig 
Verse von ungleicher Länge; bei den Engländern sind 
gereimte zehnsilbige lamben, bei den französischen Dich- 
tern die Alexandriner für diese Dichtart üblich. 

§. 219. ' 

Die besten Beispiele poetischer Episteln geben uns 
unter den römischen Dichtem Horaz, Ovid und Au- 
sonius; unter den Italienek'n Algarotti tmd Frujgoni; 
onter'dea Franzosen 'Btfileau, Kousseau, Chau- I 

12* 



ISe Pdeti^öhe :£pisti^l 

liieu^ H'aailtoii, L; R^cioey' Oresfleti B^tnifl, 
Voltaire, v.'Bar, Dorat; Sedaiae, Pezaj.n«' a. m.; 
oQter den Eagländern Pi)pe» Gay und Lord Lyttel- 
ton; und unter den Deutseben »Uz, Gleim, Schmidt, 
Jacobi, Micbaelis; Ebertv GöcLingk, Gatter, 
v; Nicolay,: M anso, Tiedg«, v.Goethe. 
Horatii E^olarum Likri //« erklärt Von Th. Scbmid; 
HalbersUdt'lS^S a. 1830. 2 ßd«. 8. übers, yon Wieland; 
Leipz. 1782, 1817. 8. und von Vols im 2ten Bande der Hora- 
zischen Werice. Briefe n. auserw. Epoden übers. Tön E. Gfin- 
ther; Leipz. 1824. 8. Vergl. Jüans o*s Abh. über das Wesen 
der Horazischen Epistel, in den Nachtr. z. Snlzer, Bd. VI S. 
395.; und C Morgtmtern ie Satirae atque EpUioUe Ho- 
. ratianae Diicrimine; Lipt, 1801. 4. -^ A, Weichert Pro- 
lutie I. de Q. Horatii 'Flacci Epittolit^ ßrimmae l626. 4.; 
dazn Obbarins in Jahn's Jahrb. 1827. I. 1. p. 88. — Ovi- 
dii Epiitolar, ex-Ponto lAbri IV. — Auionii EpiitoUu 
XXV. in den Werken dieser Dichter. — So auch die poeti- 
schen Briefs, von Algarotti n^d Frngoni, in der Sammlong 
ihrer Wjerke. — Zwölf Epitrtt vonBoilean, nnd einige von 
^ J. B. Rousseau, in ihren schon angeßihrlen Werken. — 
Oeuhret de phaulieu; Par. 1750. 2 VoU, 12. — du Comte 
d'Hamilton; Par, 1762. 6 Voll. 12. -^ Epitreu de L. Ra- 
eine; Oeuv. T. IV. — de Qtetget; Oeuv. T. I. — dk Card. 
de Bernief, Oeuv, div.; a la Haye 1765. 8. — de Voltaire 
r. Met Oeuvret.- — Epitret diver$e$ eur dee tujett differene (par 
Mr. de Bar); Amst.ilbbL 3 Voll. 8. — Oeuvre» de Dprat; 
• Par. 1764-80. 20 Volt. S.-- Recueil de Poetiet de Sedaine; 
Par. 1760. \% — Oeuvret du Marquit de Pexay; Par. 1784. 
12. — P0pe*t EpUtlet to veveral Pertont: Workt, Vol. III. 
Oay*t poetkal Epittletf in seinen Werken; Lond. 1806.^ 
Vols, 12. — Lord Lyttelton't Poemt; Lond. 1774. 8. — 
Üz'ens poetische Wetke, Th. IL S. 255. — Briefe von Gleim 
nnd Ja CO bi;. Halberstadt 1768. 8. S: änch Jacobi's Werke; 
Halberstadt 1770— 74. 3 Bde. 8. — Poetische Briefe von K. E. 
K. Schmidt; Dessau 1782. 8. — Ebert^s Epistek nndVerm. 
Gedichte; Hamburg 1789. 96. 2 Bde. 8. — J. B. Michaelis 
sechs poetische Bnefe; Halberst 1772. 8. und in s. Werken; 
Giefsen 1780. ^1. 2 Bde. 8. — Göcking^k's Gedichte; Xeipi. 
1780—82. 3 Bde. 8. -^ Gotter's Gedichte, Bd. L; Godta 
1786. 8. ^ L. H. T. NicoUj's Gcdidite, Th. L S. 65 ff. N. 
, Aus. Th. IL 8. 1. — Ulan« 0*9 poetiM^he Epistel über die Yer- 



18t 

ttnmaaiis «der WilMntrMUn;. .Uipff,; 17a&;.4.]r- TSedfe'ft 
Episteln; Gott 1796. 8. Dessen Fraaeospiegel; Hall^ ;:^^^, 
8. — Goethe's zwei Episteln ip^Bd. I. S. 333 ffl der Werke, 
..^DSg. letzter Hand. '. . ^ 



t - 



:5 ,.i.' 



. IMe Heroide. t 

Die Heroide isf'eine lyrisdie Epistel; "fir wcltbet*' 
der Dichter niclxt in sfetü^m eigen'ön Naüien spricht, söü^' 
dem eine inythische, historische oder fingirfb Person ei-' 
ner andern, zu' der sie in' nächster Beziehuüg steht, ihre 
lebhaften Empfindungen in einer bedeutenden Lageinit^^ 
theiteh läfst. Die Heröideü Otids, der diese Gattung ^VL-:' 
erst ausbildete,' sind Briefe von Heroini^n (äeroid^s) atr 
ihre entfernteriGeBebten^^ düher'der Name der Heroidfe 
entstanden, und in etwaig weiterer Bedeutung für Ge- 
dichte ähnlicher Art beibehalten worden ist. ' 

Ueber die Natar nnd GescÜichte der 'Heroide s. Dasch'iB BHfefö 
z. B. d. <?. tt. Aufl. Th: ril. Bt: Iß}-^ La Hkrpe'» E8$ay^ 
tut VHeroHey \sk .%,Müangt$. Uteraireti^p, 67. j handelt ziemlich 
seicht isist nur vonOyid'fl^ Heroiden und deren Schreibart .7-< 
S. auch Herder's Fragmente, Th. HI. S. 240. ]^. Bi1>]ioth< d.. 
seh. W. B. Y. S! i23. -Sulzer's Allg. Th. d. seh. K. Art.: 
Äerdide; n. Manso in den Nachtr. IH. S; 333. — Bonter-^ 
wek's Aesthetifc, Th/aS. 114: ' ^ 



i . . . ■; . •'■'•■• ■ * " • • » • j 



§. 221. 

Die Heroide bat manches mit der Elegie gemetail 
sie spricht oft wie diese .öine gefmischte Empfindung, be- 
sond^s das Gefühl sehnsüchtiger, unbefriedigter* Liebe 
aus, allein sie. trägt :öftei^ den Charaklier der Leiden* ^ 
schaftlichkeit^ und nähert sich, dann dem dramatisdbeai 
Monolog. Wenn dieser vermöge-. seiner Stelle im dra-i, 
«öatisehMi Kunstwerke den Vorzug hat; däf& Charaktere) 
^i Situationen den Zuschauer durch unmittelbare Gi*-.- 
geuwart interessiren, so hldbt der Heroide deriYarÜieil, • 



> 



182 Hiroide. 

durch ibre RichtaQg' aa eihe^besUiDrate Pereon belebt zu 

werden:- • ""'*• *"•" *'"" - ■'' • ' ■' •• ■"' 

I « . -. « I • . • 

Es hat eine besondere Schwierigkeit, in der subjec- 
tivsten Form, der des Briefes, fremde Gefühle auszu- 
drücken; dagegen gewinn^ der Inhalt an Gewicht und 
Interesse, indem er bedeüt'endeb Personen in den Mund 
gelegt ist; und die gegeddeitig^ Beziehung der beiden 
aMsg/szeichneten Indi^i^^enr :we}ftbep eine ,brief|iche Mit- 
the^ung untergelegt TTWA> ift.i ?u*c yeicbe Quelle poeti- 
scher Gedai^keq.pnd .Jp^mpfindi^ngen. Ein vorzügliches 
Ipj^^rewc{,inu|^ dqr. I^agi^.p&d den Umständen .^igen sein,, 
unter welchen. .der Dichter die Heroide. als .geschrieben 
voraussetzt.» .Unjte^ An4ef'f^;ist^der ^J^a^tesie. ein weites 
!^^Id .eröffn^el, wepn,3^jef(;,,Yer^,t(V^ener an ihre zurück- 
gf^l^^l^epen .Ange^<)rigfia..^jrdi^btet. werden. 

Aus der Yerwandtsclu^ft der Heroide mit der eisent« 
liehen poetischen Epistel, mit^der Elegie und dcQi Mo- 
nalo.g, lassen sieb die J^egehi ibr^rSchreibart bestim- 
uien.i 'Als' Brief fodert sie eine natürliche 'Ungek'ünstelte 
Sprache; bei etntm elegischcir Chiarakter ist der innige 
uiid! rütnende Ausdruck der Empfindung, iiüd ^le leb- 
hafte lleschreitung der Umstände,: die auf die Lage der 
schreibenden Personen eipwirken, der herrschende Ton 
dieser Dichtungsart; als Monolog verträgt sie leiden- 
schaftliche lyrische Sprache, in voller Stärke des Af- 
fectes;' * 

«i'Au&^r, !Einer. Elegie desrProperz sind die «mzi- 
gen^MukterJ'wdbbe uhi da^ Alterthum in diesierDich- 
taD^sart'iöbfig gdhassrea hat, die. .ein und. zwanzig Heroi* 
den; von O'vid^ der > seiner eignen Aussage zufolge diese 
Gattbhg erfend. J)'ii frofse^ Fnibhtbarkeit dieses Hömi- 
sehen Didbtm.!!an poeBscfacB.'^Wendnngen und Bildern 
isi'ailcb'im'Beinett Hci-oiden! überall sichtbar, : oft* mehr, 



Heroide. ISa 

als det eigentlicbe Charakter dieser Dichtart zu gestat- 
ten scheint Man veribifst die Einfachheit des heroi- 
schen Zeitalters. 
Propertii L, IV. Eleg, IlL: Epittola Arethusae ad Li/cotam. 
£s ist irrig, dafs OWd aas Propertios die Idee zu dieser Dicht- 
art geschupft habe; eben so wenig läfst sich ein griechisches 
Vorbild nachweisen; dagegen rahmt Ovid selbst von sichi Ar$ 
Amat IlL 345; 

Vel tibi composita cantetur Epittola voce: 
Ig not um hoc aliis ille novavit oput.. 
Ovidii Heroides, ex emend, J. F, Heutingeri; Brun$v. 1786. 
,8. ed. D, J. van Lennep, Amttelod. 1809. ed, IL 1812* 
12.,- edr F. Loert, Confl. Pan I. 1829. 8.;>rf. W. Terp- 
stra, Lugd. Bat, 1829. 8.; and in den Aasgaben yon Ovids 
Werken. Mit einer franz. U ehe rs. nnd weitläaftigem Commen- 
tar sind sieben dieser Herolden heraosg. yon Bachet de Me- 
ziriac; Boarges 1626. Haag 1716. 2 Bde. 8. Von mehrern 
Uebersetznngen s. y, Blankenbnrg's ZasStze zam Artikel He- 
rolde im Sblzer. — Vergl. Dnsch's Briefe, 2te Aufl. Th. IIL 
Br. 17. Manso's Abh. über die r<^misch^ ^Elegiker» in deo 
Nachtr. za Salzer, Bd. IE. S. 333. 

§. 225. 
Verschiedene Dichter neuerer Zeit hal;»en diese Gat- 
tODg mit glücklichem Erfolge bearbeitet. Dahin gehören 
uater den Italienern Bruni und Lorenzo Crasso; 
uiKter den Franzosen Colardeau, Dorat, Blin de 
Sain-More, de la Harpe, Barthe u. a. m.; unter 
den Engländern Pope, Lord Herrey und Jerning- 
bam. Wir Deutschen haben nur Y>en\^ gute Gedichte 
dieser Art, unter welchen Wielands Briefe der Ver- 
storbenen eine vorzügliche Stelle einnehmen. 

EpiitoU Eroiche d'Antonio Bruni; Milano 1627. 8. — Epi- 
utole Eroiche d^ Lorenzo Cratso; Venez. 1667. 12. — Col- 
lection d*Herotdei et piecet fugitivet en vert, de Mr». Dorat, 
Fezay, Blin de Sain-More, Cotardeau, de la Harpe, 
et autre»; Liege 1769. 6 Voll 12. — PopeM Epittle front 
EUoiia to Abelard; Workt, Vol. IL Frei nachgeahmt von 
Borger in s. Gedichten. Vergl. Warton'i Eisay on Pope'» 
Geniu$ and JVritingt, Vol IL Sect. VI. Herder's Adrastea, 
in. 144., wo jedoch dieses Gedicht sowohl als die ganze Gat- 
tung za strenge getadelt wird. — Lord Hervey*» four Epiit- 



184 Epigramm. 

U$ in thi nummr of OM; ; DmdMley't Cnllmiion o/Pocmi, 
Vol. IV. p. 82. — ^ Jern%ngham!$ Ep. from Yarico to IncUf 
Lonä. 1766. 4. Abelard to Eloua; Lond. 1792. 4. — Wie- 
land's Briefe der Verstorbenen an hinterlassene Freunde, s. 
Poet Sehr. Bd. ü. S. 137. and in Bd. IL S. 201. der Sopple- 
roente cn 9. sXmmtl. ScLriften. — Dnscb's moralische Briefe 
rar Bildung des Herzens; 2 Tide. Leipz. 1759. 8. Briefe von 
Verstorbenen an Lebendige, in den hinterlassenen Schriften 
von Margaretha Klopstock; Hamb. 1759. 8. — Schiebe-» 
ler's Brief des Clemens an s. Sohn Theodor, mit der Beant- 
wortong, in. 8. auserlesenen Schriften, S. 12 ff.; Hamb. 1772. 8. 
Dessen Glumdallclitsch an Grildrich, eine komische Heroide; 
ebendas. S. 27 ff. — Fr. Rafsmann Herolden der Deut- 
schen; Halberst. 1824. 8. 



Das iSplgrainiii« 

§. 226. 
Die kurzen Gedidite» welche man unter dem Na- 
men von Epigrammen oder Sinngedichten be- 
greift, haben das Gemeinsame, ein gegenwärtiges oder 
lebhaft vergegenwärtigtes Object von poetischem Inter- 
esse in ein volles, meist scharfes und überraschendes 
Licht zu setzen. Dielüs gilt» sowohl, wenn das Epigramm, 
der ursprünglichen Bedeutung des Wortes gemäf&, als 
Aufschrift ein Denkmal erläutert, als wenn es den Sinn 
eines einzelnen Gegenstandes schlicht und geistreich aus- 
spricht, oder die Aufmerksamkeit auf denselben erst 
spannt, dann befriedigt. 
S. Fr an 9. Vava$ior%i de Epigrammati^ Liber; in s. Opp» 
(Änut. 1709. fol.) p. 85 is. — Obtervatiant ntr VEpigramme^ 
par Mr. Bruxen de la Martiniere; in s. BeeueU deuEpi^ 
grammatiitet Frangon. Amtt 1720. 8. nnd in der Ecole de 
Idterature T. IL p. 248. — Lessing's Zerstreate Anme^ 
kongen fiher das Epigramm, in s. Verm. Sehr. B. I. S. 103.; 
B. XVIL S. 73 ff. seiner sämmtlichen Schriften; Berlin 1827. 
8. — Herder's Anmerkangen ftber das Epigramm, besonders 
das griechische, in s. Zerstr. Blättern, SammL L S« 99 ff. 
Samml. IL S. 103 ff.^ 

§. 227. 
Der Gegenstand kann an sich so bedeutend, rührend 



Epigcamm. 169 

oder aomoäiig eein^ daft er, Imb dcfti 'ToUkoimneiistea 
EindrodL zu machen, nur .braachtbiogeateltt, scUieht 
und passend ^usgesprocben.zli.. werden, wie di^ts^ .be^Qfh, 
ders bei Tielen der früheren griechischen Epigramme- dw, 
FaH ist. keiner künstlichen Wetibdung bedai'f z«' B. der 
welthistorische Inhalt des bekannten Bpigrammes von 
Simonides auf die bei Thermopylae gefallenen Spar* 
taner: ^ ^ . 

Wanderer, bringe von uns LalEedämons Bürgern die Botichaft: 
Folgsam ihrem Gesetz liegen im: Grabe wir bier. , 

An merk. Herder a. a. O; erldärt in diesem Sinne das Epigramm, 
sofern es noch ohne alle conyentionelle Knnst ist, als „die Ex- 
position eines Bildes oder einer Empfindang über einen Gegen- 
stand, der dem Anschauenden interessant war, nnd dorch diese 
Darstellang in Worten aneh einem andern gleidigestimmten 
oder gleicbgesinnten Wesen interessant werden sollte/* 

§. 22& 
Gewöhnlich ist eine Vorbereitung nötbig; um den 
Hauptgedanken in dem schärften überraschendsten Lichte 
erscheinen zu lassen. Dann hat das Epigramm mit der 
eigentlichen Aufschrift an einem Denkmale das Gemein- 
same, dafs, wie das Denkmal unsere Augen* auf sich 
zieht und uns begierig macht, seine Bedeutung zuwis« 
sen, bis wir durch die Inschrift den begehrten Aufschlufs 
erhalten, — so auch das Epigramm uns erst in Erwar- 
tung setzt, dann durch den unvorhergesehenen Auf- 
schlufs befriedigt. 
Lessing am angef. O. gründet hierauf seine ErUSrong des Epi^ 
gramms, als „eines Gedichtes, in welchem nach Art der eigent- 
lichen Anfschrift unsere Aufmerksamkeit und Neugierde auf ir- 
gend einen einzelnen Gegenstand erregt, und mehr oder weni- 
ger hingehalten werden, um sie mit Eins lu befriedigen." 

§. 229. > 

Der Zielpunkt, auf welchen die ganze Daratellnng 
hinwirkt, der Sinn, der gewöhnlich in kurze Schlufsworte 
zusammengedrängt sozusagen die Spitze des Ganzen aus- 
macht, wird Ton den lateinischen Kunstrichtem aeu^. 
"^en, von den französischen pointe genannt: eine Be- 



tSO Epigiumi 

Henoüngv < die • bei i^rttiigeii Epigrammen ToUkommen 
paCst; weniger, wo die^Emrartimg dardi einoi überkaapt 
sinnreichen oder ergreifenden Schlufs befriedigt wird; 
am wenigsten, woder. Gegenstand Bedeutung genug hat, 
um' auch ohne künstfiehe Spitze sich der Seele tief ein- 
zudrfickeni; Will man diese eindringliche Kraft, diesen 
Rm unter Pointe rerstehen, so wird eine solche aller- 
dings keinem Epigramme irgend einer Art fehlen dürfen. 

Billd ist das Epigramm ein Pfeil, 
Trifft not der Spitro; ■ . 
Ist bald ein ScUwjßrt, 
Trifft mit der Schärfe; 

Ist manchmal auch — die GriedMiU liebteo's so -^ 
' "Eßfx Ueii» Gemäld', ein $trahl, gesandt . , , 
i»ma Brennen nicht, nur zum Erleuchten. 

Klojpstock. 

§. 230. 
Das Epigramm ist ein so/ zartes Kunstwerk, dafs es 
nicht den kleinsten Makel verträgt«. G^ds^ke und Aus- 
druck mUssen bestimmt, kkr, passend, auf das Yortheil- 
bafteste . gewendet sein. Wenige meisterhafte Züge müs- 
sen uns den Gegenstand in dem richtigen Lichte voll- 
ständig und lebhaft vor die Augen stellen. ]8Ltirze und 
Nachdruck sind insbesondere dem unerwarteten Auf- 
schlüsse unentbehrlich. 

§. 231. 

Die Form des Epigramms ist mannigfaltig. Mach 
Beschaffenheit des Inhaltes kennen sich einfache Dar- 
stellung, Betrachtung oder Schilderung, Erzählung oder 
Dialog vorzugsweise dafür eignen; der Dichter kann 
seine Worte an eine bestimmte Person richten, oder er 
kann einem Gegenstande gleichsam Sprache verleiben* 
Die.Versart ist an sich willkührlich; sie kann aber, 
zweckmäfsig gewählt, zur vortheilhaften Wirkung bei- 
tragen. Bei den Griechen und Römern war das elegi^ 
sehe und iambische Sjlbenmaais für das Sinngedicht ein- 
geführt; das erstere wird oft auch von neuem deutschen 



Epigraimm. 18fZ 

Dfcbtem gewählt, iisd ^de» letiterh, init mi^eieher Vers- 
ISDge, pflegt man sich in jnelirenr neaeren Sprachcfn zu 
bedienen, in welchen dann auch der Reim zur Abrun- 
duDg des Ganzen sehr behül^flich ist« , 

§.232, 
Die griechischen Epigramme, ursprünglich einfa- 
che Aufscfarifteti an Weihseschenken, Grabmälem und 
Kunstwerken, nahmen bald in die abgerundete elegische 
Form mannigfaltig sinnyollen Inhalt auf, und wurden zu 
geistreichen Zierden djer Denkmäler; später^ nicht mehr 
za Inschriften bestimmt, bewegten sie sich frei als hei^, 
tere Spiele des Geistes, und näherten sich durch grö-^ 
fsere Ausdehnung nichjt selten der gnomischen unä ero- 
tischen Elegie; in der a^^xandrin^chen Periode pflegten 
sie allerhand geistreiche Einfälle, oft auch .ktinstliche 
Beschreibungen in die geschmackvollste Fdnn zu fassen; 
durch vorherrschend skoptische Richtung endlich kamen 
sie in den christlichen Jahrhunderten dem modernen 
witzigen Epigramm immer näher. Am byzantinischen 
Hofe blüheten seit Justinianö Zeiten eine Anzahl von 
Epigrammendichtern, die mit Glück den frühern Mustern 
nacheiferten. — Anthologieen öder Blümenlesen, in 
welchen eine Auswahl von Epigrammen und anderen klei- 
nen Gedichten zusammengestellt wurde, entstanden zu 
Terschiedenen Zeiten durch Meleager, Philippus, 
Agathia«, Konstantinus Kephalas,und Maxi-* 
mos Planudes. Die reichen Sammlungen der beiden 
letztgenannten sind uns erhalten. 

BeispieUamml. IL 3—11: 

S. von der Entatehimg und den SanMjnl^^ der griefhiscJj^n Afi.- 
tholAgieen, Favatsor de Epigr, Cap, XVIL ßchneideri 
Analecta Criticu^ Faac. I» p. 1 ff. . Lessing und Herder 
a. a. O. — DeU* epigrarhmä greco saggio (von dein Grafen 
de Vargas); Sienä 1796. 8. Aasgaben der griechischen An- 
thologie des Max. Planudea,. vonJanos Laskaris, Fioreoi 
1494. 4.; von Henr. Siephanns mit dessen Co|nmentar, Pa- 
ris 1566. gr. 4.; und mit dem Commentar von Brodaeas, 
Franke 1600. fol.; endlicli von de Bosch mit vollständigerem 



188 Epigramm. 

ComnMDtv «ndwlt dep Ueberwiiatig in latcSrnsdicn Venen 
Ton Hogo Grotias; Ulr^i;)^. 1705-. 18-22. ^ Voll 4. - Ei- 
nen Theil der Sammlang, des Konst. Kephalas gab Reiske 
znLeipz. 1754. 8. heraas; einen andern Theil Klotz unter dem 
Titel: StratonU aliofum^. poetarum' graec, epigrammata\ Al- 
tenbnrg 1774. 8. Die ganze Sammlung mit Aosschlafs einiger 
«nbededtendem Stfieke enthalten die ÄnaUcta Vett, Poetar, 
Oraeeor. ex rec. Brunchii; ArgaOor, 1772. 76. 3 VoJL 8.— 
Eine trefini9he Ausgabe: Anthologia Chraeca, s. Poetar. Orae' 
cor. Lutiu, ex rec. Brunchii. InäiceM et Commentariot aiie- 
eit Frieir. Jacobe; Lipt. 1794. 95. 5 Voll. 8. and Dess. 
AnhnaioeriioneB • ifi Epigraimmatä AmhoL Or.; ibid. 1798— 
1814. ^ Voü. gr. 8. — Yeijbe^sert und verrollständigt ist der 
Test in der Anthologia Grmeca ad fidem Codicie Palaiim eura 
Fr. Jacobe; LApt. 1813 — 17. 3 VolL gr. 8. Eine passende 
Answabl mit Commentar liefs Jacobs nnter' dem Titel Dele- 
ctUM epigrammatum gr. zu Gotha 1826. 8. druckeri. — ' Tbeils 
onndttelbar von Steinen entnommen, theHs Ton Schfiftstellern 
erhalten sind die ^pigri^mme^ welche Weleker in der SjfUoge 
ipigrampiatum gr*^ Bonn 18^8. 8. (Nachtrag, ebend. 1829. 8.) 
zusammengestellt hatj — Die zahlreichen Epigramme des Me- 
te ag er sind besonders herausgegeben von Manso; Jena 1789. 
8. und von Graefe; Leipz. 1811. 8. — Ungefähr siebenhun- 
dert Gedichte der Anthologie' sind mnsterhaflt in das' Deutsche 
fib^rtrag^n von Fr. Jacobs unter dem Titel: Tempe von F. 
J.y Leipz. 1803. 2 Bde. 8.; vermehrt und verbessert als erster 
Band von „Leben und Kunst der Alten"; Gotha 1824. 8. 

§. 233. 
In Rom wurden seit Ennias viele epigrammafiscfae 
Gedichte, oft politischen Inhaltes, doch ohne bestimmten! 
Kunstcharakter, von Staatsmännern und Dichtern verfafet. 
Manche der yq^leodetsten kleinen Poesieen CatuHs kön- 
nen zur Gattung der Sinngedichte gerechnet werden. 
Aber einen eigenthfimlichen Kunstcharakter erhielt das 
römische Epigramm erst in der Kaiserzeit durch Mar- 
tial, dessen zahlreiche Spiele des Witzes durch die 
mannigfaltigsten . Ereignisse , Zustände und Persönlichkei- 
ten angeregt, immer die Erwartung glücklidi spannen, 
und am Schlüsse tiberrasühend befriedigen. Atisonius 
erreicht zuweilen dieses Muster; Claudian kommt 



Epigramm. 189 

hin and meder der Einfachheit des ^iechischen Epi- 
^aiDms na&e.. . . ... 

Be'upielsamml. IL 12-17. : - 

Ueber Cainl'l s. Lessing a. a. «O. S. 171. — Ansg. mit Com- 
^entaf vo^ Is. VossiaSf Lond. I<ß84.,4.; von Döring, Leipz« 
1788. 92.. 2 Voll 8.;, von SiUig, GöttiDg. 1823. 8.;. von Lach- 
. mann, B^rl. 1829. 8. Deutsch von Schwenck; Frankf. 1829. 
8. — Ueber Martial s. Lessing am ange£ Ort. S. 193. — 
Ausg. e. n. var,; L. B, 1670. 8. maj, und von Maittaire; 
Lond, 1716. 12. BipanH 1784. gr. 8. Viennae 1804. 2 VoU. 
8. -*• Martislis in e. Aasznge, lateinisch und d^tsch, Ton 
verschiedenen Uebera., herausgegeben von Ramler; Leipzig 
1787 --93. 5 Bde. 8., deren letzter auch einige kleinere Ge- 
dichte CatolTs enthSlt. Eine Nachlese znm iJlartial lieferte 
Ramler; Berl. 1794 8. llartial verteqtscht von Will mann; 
C5ln 1825. 8.:<T~ Au$onii Opera, ex ed. Tollii; Jmti, 
1671. S, maJ. — Biponti 1785. 8. — Claudianui c, not. 
var. ed. /?. Burmannu$ See; Amtterd. 1760. 4. -r Samml. 
lateinischer Sinngedichte« Petri Burmanni See. Anthologia 
veter. Latin. . epigrammatum et poematunt; Am$t. 1759 — 73. 
2 Voll. 4. — S. aoch VavaMsor de t^pigr. Cap. XVH. — 
Von nenern lateinischen Dichtern in dieser Gattung wird in 
V. Blankenbnrg's Zusätzen zn dem Art Siangedicht in 
Solzer's AUg. Th. Bd. IV. S. 400. eine zahhrejche Jtlenge ge- 
nami^ 

§. 2Ü. 

Von den Italienern ist diese Dichtungsart weni- 
ger bearbeitet worden, weil sich ihre kleineren Gedichte 
an Form und Inhalt mehr als Sonette und Madrigale ge- 
stalteten. Man hat indefs gelungene Epigramme von 
Luigi Alamanni, Giovanni della Casa, Lore* 
dano, Casoni, Guarini, Zappi, Bertola, a. A. 

Beispielsamml. ü. 18—23. 

Opere Toecane di L. Alamanni; Venez. 1542. 2 VoU. 8. — 
Birne e Pro$e di Giov. della Cata; Nap. 1694. 4. Opere; 
Fir. 1707. 2 Voll. 4. — Opere di Loredano; Vol. IV. p. 
503. — Birne di Caioni; Ven. 1694. 12. — Opere di Qua- 
rini; Venes. 11 40. 4 Voll. gr. 12. — Birne di O. F. Zappi; 
Ven. 1757. 2 Voll. gr. 12. — Epigrammi di Bertola cot wo 
^ggio Mopra la Favola; BatMM 1789. gr. 8. 



'■•' z" :• • 



1^ Epigramm. 

Weit gröfser ist die Ergiebigkeit der Französi- 
schen Dichter in dieser Gattung; fast Alle > ohne Aas- 
nähme haben sich im Epigramm ^ vorzüglich tob der 
witzigen und beifsenden Art, Tersncht. Zu den geist- 
reichsten gehören: M^rot, Saint-Gelais, Gombaud» 
Afaynard, J. B. Rousseau, Senece,, Panard, Pi- 
ron n. a. m. 

BeispieUamml. II. 24-^33. 

OeutrtB ie Clement Maral; a la Haye 1731. Ö Voll 12. — 
Oeuvret Poetiquet d» Meilin dt S. Oelai$; Lyon 1574. 8. 
— Oeuvrei de Jean Ogier de Oombaud; Park 1646. 
4. — Oeuvret poet. de Fr. Maynard; Por. 1646. 4. — 
Oeuvret de J. R Routteau; Par, 1753. 4 Voll. 12. — Poe- 
Biet de A. B. de Seneet; Par. 1717. 12. 1776. 8. — Oeuvret 
div. de Panard; Par. 1763. 4 Voll 12. — Oeuvret de Pi- 
ron; s. oben. >- ' S ammlongeJi: Nouveau Reeueü den £pf- 
grammatittet Frangoitf ancient et modemetf par M. Bruxen 
de'la Martiniire; Amtt. 1720. 2 Voll. 12. — Nouvelie An- 
thologie Frangoitef ou CAoix det Epigrammet etc.; Par. 1769. 
2 Voll 8. — B. 0. m. 

§. 236. 

In den leichten poetischen Spielen des Witzes sind 

die Engländer im Allgemeinen minder glücklich, als 

in den höhern und ernsten Dichtungsarten. Indefs giebt 

es unter Waller's, Butler's, Dryden's, Priores, 

Swift's, Pope's u. a. Werken manche sehr gelungene 

Sinngedichte. 

BeispielsammL IL 34—39. 

8. die bei andern Gelegenbciten angeföhrten poetiscben Werke 
dieser Dicbter. -^ Samnilangen: Collection of Epigramt^ 
fvith a Dietertation on thit ^peciet of Poetry; Lond. 1727. 2 
Voll. 12. — The Fettoon, or a Collection of Epigramt , wtth 
an Eitay on thit Speciet of Composition; Lond. 1765. 8. — 
Ton dem frnchtbarsten, aber geschmacklosen altem englischen 
Epigrammatisten, John Hey^ood, s. Warton* t Hitt. of 
Engl. Poetry, Vol. IIL p. 87. 

§. 237. 
In den Werken mancher SUerien Deutschen Dich- 



Epi^mm. 191 

ter findet man schätzbare Stücke dteeer Art^-: vornehm- 
lieh Sittensprüche in Versen, voll Scharfsinn und Nach- 
druck; auch giebt es gute Sinngedichte voh Opitz, 
Olearius, Andr. und Christ. Gryphius u. A, Be- 
rühmt sind als Epigrammatisten t. Logau und W er- 
nicke. Unter den Neuem sind von Hagedorn, 
Ewald, Kästner, Lessing, v. Kleist, Göckingk, 
Eretschmann, Vofs, Hensler, Kuh, v, Göthe, 
Hang, V. Brinkmann hervorzuheben. 

Beispielsamml. IL 40 — 61. 

SalomoQ T. Golaa (y. Logau) deutscher Sittngedidlite drei 
Tausend; Breslau (1654.) 8. Auswahl daraus von R am 1er und 
Lessing; Leipz. 1759., neue Aufl. 1791. 8. — Wernicke'ns 
Poetische Versuche in Ueberschriften; Zürich 1763. 8. mit Aen- 
derungen und andrer altern Dichter Sinngedichten von 
Ramler; Leips. 1780. 8. ^- t. Hagedorn's Sinngedichte 
in Tb. I. s. Werke. — Ewald's Lieder und Sinngedichte; 
Berlin 1757. 8. — Kistner's vermischte Schriften; Altenb. 
1755 — 72. 2 Thle. 8. N. Aufl. Altenb. 1783. 2 Thle. gr. 8. — 
Dessen Vorlesungen in der deutseben Gesellächaft zu Göttin- 
gen; Altenb. 1768 — 73. 2 Thle. 8. — Dessen meistens noch 
ungedruckte Sinngedichte; GieÜsen 1781 — 82. 8. 2te Ausgab« 
Ton Justi; Frankf. und Leipz. 1800. 8. — Lessing's Klei- 
nigkeiten; Strasb. 1750. 8. — Vermischte Schriften, Tb. I.; 
BerL 1771. 8. — t. Kl eist's Sinngedichte, in s. Werken. — 
G5ckingk*s Sinngedichte; Leipz. 1778. 8. — (Kretsch- 
mann's) Epigrammen; Leipz. 1779. 8. und in s. Werken 
(Leipz. 1784 --89. 5 Bde. 8.) B. II. S. 241. ~ Vofs 138 Epi- 
gramme in 8. Gedichten, Tb. VL S. 253.-- P. W. Hensler's 
Gedichte; Alton^ 1782. 8. — Ephr. Moses Kuh's Gedichte; 
Zärich 1792. 2 Bde. 12. — v. Göthe 's Epigramme in den 
Werken, Ausg. letzter Hand Bd. I — IV. und XLVIL — Gö- 
t h e ' s und S c h i 1 1 e r ' s Xenien, oder satirische , gröfstentbeils 
gegen litterarische Widersacher gerichtete Epigramme, in Schü- 
ler s Musenalmanach für 1797.; neuerlich wieder gedruckt unter 
dem Titel: Die Xenien aus Schiller's Musenalmanach für das Jahr 
1797, Geschiebte, Abdruck und Erläuterung derselben; Danzig 
1833. 12. — J. C. F. Hang 's Sinngedichte; Frankf. u. Leipz. 
1791. 8. Dessen Epigrammatische Spiele; Zürich 1807. 12. 
auch in mehrem Blumenlesen und Zeitschriften. — €. G. von 
Brinkmann's drei Böcfaer Sinngedichte, in den Gedichtet Tgn 



192 Räthsel. < 

Seim«r;:Leips^ 19H0, 2 Bde. 8. Dm dm BScher Arabes- 
ken im. erotea Bande seiner Gedidite; BerL 1804. 8. sind we- 

niger witzig, als ernst und sinnvoll. Sammlongen: 

SaromluDg der. besten SinDgedicbte der dentscben Poeten, Th. 
I.$ Riga 17ä6. 8. ^- Epigrammatiscbe Blnmenlese (von Rahl); 
Offenbaeh 1776—78. 3 Th. 8. ^ Sinngedichte der Deatsdien 
(von Brnmbey); Leipz. 1780. 8. — Die vollständigste Samm- 
' lang: (von^FüefsIi) Sinpgedichte der Dentscben; Zürich 1788. 
8. oder sechster Th. d. Allg. Blnmenlese d. Dentscbeo. 
— Blnmenlese deutscher Sinngedichte; Berl. 1789 — 91. 2 Bde. 
8. — F. C. Weifser's Sinngedichte; Zfirich 1805-6. 2 Bde. 
8. — Epigrammatische Anthologie , heransgegeben von C. P. 
Schütz; Hilie 1806. 2 Bde. 8. 



Das Rftthsel« 

§. 238. 
Das Räthsel giebt too einem Gegenstande, den 
es selbst geflissentlich verschweigt, nur äufsere Merk- 
male, Eigenschaften und Beziehungen an, welche in ih- 
rer Einzelnheit und Losgerissenheit einander widerspre- 
chen, und eben hiedurch zur Lösung anreizen; denn nur 
im Worte der Lösung sind alle diese Widersprüche 
mit einem Male aufgehoben. Wenn von einem Kunst- 
werke (iberhaupt verlangt wird, es solle Universalität 
besitzen, ein Abbild des Universum sein, so gentigt das 
Räthsel dieser Anforderung auf eine ganz besondere 
Weise, und rechtfertigt so die Stellung, welche es im 
Gebiete der Dichtkunst einnimmt. Denn wie die Welt 
der Erscheiöung voll aufreibender Widersprüche ist, und 
in dieser Aeufserlichkeit zw^r ein schönes Ganze aus- 
macht, aber ihre zusammenfassende Einheit, ihren Ur- 
quell zu suchen auffodert: so sind auch die Räthsel in 
ihrer vollkommnern poetischen Gestalt, als kleine Ab- 
bilder des Universum oder grofsen Welträthsels, eine 
Zusammenstellung frappanter, an sich schon reizender 
Züge, die aber nach Lösung verlangen , und ehe die^<^ 
gefunden ist, nur gefällig anregen, ohne zu befriedigen. 

• §, 23" 






RäthseL 193 

§. 239.^ 
Wenn nun das Räthsel auf seine eigene Vernich- 
tung nämlich die Auflösung, hinzielt, so behält es doch 
auch nach der Lösung seinen bleibenden Werth, und ist 
nicht blos ein augenblickliches Spiel des Witzes; viel- 
mehr liegt eine dauernde Wahrheit darin, dafs es auf 
poetische Weise die seltsamen Widersprüche eines 
gleichwohl in sich einigen Gegenstandes zur Sprache 
bringt. Diesem tiefern Sinne gemäfs ,hat das Räthsel, 
von andern bedeutsamen, tiefsinnigen Sprüchen noch 
nicht streng gesondert, schon in den frühesten Jahrhun- 
derten in hohem Ansehn gestanden. Wir finden es bei 
den ältesten orientalischen Völkern, dann bei den Grie- 
chcD, femer während des Mittelalters bei östlichen und 
T?estlichen Nationen, endlich in den ausgebildeten Litte- 
raturen der neuem Zeit. Unter den deutschen Räth- 
seb zeichnen sich die von Schiller, der Parabel (s. 
§. 265.) sieb nähernd, durch sinnige Wahl der Gegen- 
stände und Anmuth der Darstellung aus. 

— So legt der Dichter ein Rathsel, 

Künstlich mit Worten verschrankt, oft der Veriammlung in's Ohr. 
ieden freuet die seltne, der zierlichen Bilder Ycrknapfung, 

Aber noch fehlet ihs Wort, das die Bedeutung verwahrt. 

Ist CS endlich entdeckt, dann heitert sich jedes Gemuth auf. 

Und erblickt im Gedicht doppelt erfreulichen Sinn. 

(Göthc, Alexis u. Dom.) 

Riithsel in der Bibel, z. B. Richter C. 14. V. 12 ff. Vergl Spr. 
Salomonis C 1. V. 6. Sfilomon's Weisheit bewährt sich an 
den Rsthseln der Königin yom Reiche Arabien, Istea Buch der 
Könige C. 10. V. 1. — Griechische Rfithsel, unter Ihnen anch 
das der Sphinx, welches anf ägyptischen Urspmng hmweist, bei 
Athenaeus, X. 83 u. 84. Diese yQl(poi oder aivtynaxa werden 
In etwas weiterem Sinne als bei uns genommen, und deroge- 
mSls von Ariitotelei^ Poet, c. 22. definirt, von Qointilian auch 
nur als AlUgariae genui obtcuriu» betrachtet (VIII. 6. 22.). 
£in alüateinisches Räthsel theilt Gellius in 4^m Capitel de 
aenigmate mit, Bach XII. Cap. 6. — Zahlreich sind die Räth- 
sel der Dichter des Wartbargkrieges, in: der Singerkriec af 
Wartbarc, heraasgeg. yon L. Ettmfiller; Umenan 1830. 8. — 
Ueber Schiller's Parabehi ond Räthsel s. A. G Xiange's Anf- 
Eschenb. Th. 13 



194 Aesopische Fabel. 

Mts in dessea Vennischten Sdirilien; Leipx. 1832. 8. S. 240 ff., 
wo jedoch ko nngOiistig fiber iu Rätl^el geartheilt und ilun 
seine Stelle im Gebiete der Dichtkanst streitig gemacht wird. 



Aesopische Fabel. 

§. 240. 
In der äsopischen Fabel, oder dem Apolog, 
wie die Griechen sie benannten, wird durch die Erzäh- 
lung eines besondern, als wirklich dargestellten Falles 
eine praktische Lehre oder ein allgemeiner Erfabrungs- 
satz so anschaulich gemacht, dafs man von der Gültig- 
keit Tollkommep überzeugt wird. I)M8 läfst sich vor- 
zugsweise erreichen, wenn menschliche Zustände und 
Handlungen in der, unserer Freiheit analogen Sphäre 
der Thierwelt dargestellt werden, wo wir aus den he- 
kapnten Charakteren der Thiere und ihren *Instincten 
mit Nothwendigkeit hervorgehen sehen, was unter Men- 
schen zwar auch ihren Charakteren gemäfs zu geschehen 
pflegt,' aber vermöge der Willensfreiheit nicht als unbe- 
dingt nothwendig erscheint. 

Yergl Ariitotelit Rhetariea^ L. IL c. 20. — Ramler'ä Bai- 
tenx, Bd. L S. 243. — SchlegeFs Battenx, Th. I. S. 344. - 
PoeiiqM de Marmontel, T. IL Ck. XVIL -- Die Voneden 
U Fontaine's, Ja Motte's, Richer*8, L. M. von K. (f. 
Knonaa's) o. A. so ihren Fabeln. » C, F. Oelleri Diu. ie 
Poe»i Apohgormn^ eorumque icriptoribui ; Lip$iae 1744. 4. 
fibers. Leipz. 1773. 8. — BreitingerV Krit. Dichtk. Tb. L 
S. 194 ff — Yorzfiglich aber Lessing's fönf AbhandloDgeD 
bei seinen vier Bficbem Ssopischer Fabeln, Berl. 1759. 8. 1777. 
8. — Engel's Anfangsgr. Haaptst. IIL — Herder*8 Zer- 
streute BIStter, Sammlong III. (Gotha 1787. 8.) S. 126.: aber 
Bild, Dichtong und Fabel ^ Dessen Adrastea, I. 3. S. 87. 
— Ueber das Wesen der Tfaierfabel, fiber die Charaktere der 
einzelnen Thiere, Ober die nrsprfingh'che Bildaog des Thie^ 
epos, von dem die orientalischen, griechischen» dentschen, ebst- | 
niichen n. a. Fabeln nnr ab. losgerissene Stöcke, zoweileii mit 
hervorgehobener didaktischer Tendenz, erscheinen, siehe Jtc. 
Grimm*s vortreffliche Abhandlongen in Reinhart FncbsTon 
Jacob Grimm; Berl. 1834. 8. 8. I— GGXCVl Unsere Tbe«- 



Aesopische Fabel. ^ 199 

rie ier l^pbehen Fabel, ab jetst gebiSoeUicher Diditart, mnk 
nothwendig von jenen Bemerknngen fiber das uralte Thierepo^ 
betrSchtlicb abweichen. 

§. 241. 
Die Fabel fiberzeugt also von der Wahrheit nnd 
Gültigkeit eines Satzes, indem sie aus dem, Verlauf der 
als wirklich erzählten Geschichte efne innere Noth wen- 
digkeit hervorleuchten läfst, und gleichsam die Natur- 
gesetze in einem besondern Vorfalle wirksam, zeigt: 
während das blofse Beispiel einen einzelnen Fall uu- 
sern Augen vorffihrt, durch welchen etwas als möglich 
uachg^wiesen wird ; die P a*r a b e I (s. §. 263 IT.) einen erdich- 
teten Fall aufstellt, von welchem es wahrscheinlich 
ist, dafs er auf einen wirklichen Fall Anwendung leide. 
S. die weitere Ansföhrang bieyon inHerder's angef. Abbandlang,' 
S. 163 ff. 

§. 242. 

Handlung, insofern man darunter eine Folge von 
Veränderungen i die zusammen ein Ganzes 'ausmachen/ 
versteht, ist der äsopischen Fabel wesentlich. Jede der 
Veränderungen mufs etwas dazu beitragen, die einzelnen 
Begriffe, aus welcher die der Fabel zum Grunde liegende 
Wahrheit besteht, anschaulich erkennen zu lassen. In 
diesem auf Einen gemeinsamen ZwccJl gerichteten Zu-' 
sammenwirken der einzelnen Umstände liegt die der Fa- 
bel nothwendige Einheit der Handlung. 
S. Lessing's Abb. I. S. 145 ff. — Uerder's angef. Abb. S. 
156 ff. — VergL Engel'« Abb. über Handlung, Gespräch und 
ErzShlang, S. 191. 

§. 243. 
Die Lehre der äsopischen Fabel mufs eine unbe- 
streitbare Wahrheit enthalten, welche sogleich einleuch- 
tet, ohne doch unerheblich und alltäglich zu sein. Mo- 
ralische Wahrheiten sind zwar für die Fabel die 
schickfichste^, sofern sie allgemeines Interesse haben; 
es pafet aber auch dazu ein blofser Erfahmngssatz 9der 
eine Klugheitsregel für irgend eine bestimmte Lage des 
mensc^chen Lebens. Dieser allgemeine Satz kann' vor 

13* 



/ 



IM Aesopisohe Fabd. 

odc^T naclKder ErzaUang stehen, vfiewohl das ijefztere 
meist geeigneter ist, die Aufmerksamkeit zu spannen. 
Zaweilen wird die Lehre einer der handelnden Perso- 
nen in den Mnnd- gelegt, oft auch, wo sie durch die 
Erz&hlung schon, deutlich^ genug ist, nicht ausdrücklich 
ausgesprochen. 
S. Lessing, S. 131. Herder, S, 143 ff. 

§. 244. 
Die äsopische Fabel führt die Thiere redend und 
handelnd ein, nicht um den Eindruck des Wunderbaren 
zu erregen, wie irrig behauptet worden ist, sondern vor- 
nehmlich weil die in einer festen Ordnung gegründeten 
Charaktere und Instincte der Thiere den Handlongen 
und Ereignissen aus der thierischen Sphäre das Ansehn 
einer Natumothwendigkeit geben; daher der Mensch, 
welcher sich mit seinen Eigenthümlichkeiten und Män- 
geln in dem Spiegel der Thierwelt unbeleidigt wiederer- 
kennt, auch die erzählten Fälle und ausgesprochenen 
Wahrheilen mit lebendiger Ueberzeugung auf fich und 
seinen Nächsten anzuwenden geneigt ist. Unter andern 
Yortheilen, welche die Fabel aus der Einführung der 
Thiere zieht, ist hervorzuheben, dafs durch die allgemein 
bekannte Natur der verschiedenen Thiere alle weitere 
Charakterisirung erspart, und die Darstellung vereinfacht 
vrird, dafs femer unsere Theilnahme an dem Thun und 
Leiden dieser geringern Geschöpfe nicht so lebendig 
ist, um unsere Aufmerksamkeit von der zum Grunde 
liegenden Lehre abziehen zu können, und dafs endlich 
in der Vergleichung thierischer mit menschlichen Vorfäl- 
len ein besonderes Vergnügen liegt 

§. 245. 
Wenn diese Vortheile vollständig erreicht werden 
sollen, so müssen die Thiere in der Fabel ihren Natur- 
und Knnsttrieben , ihrer ganzen Lebensweise gemäfs, 
folglich als Thiere, handeln, und nur menscbenähnlicb. 
Ihr eigenthümlicher Wirkungskreis und Charakter maus 



Aesopische Fabel. Wl 

beibebaken, und nur ihr Instinct bis zur Aefaqlicbkeit 
der Yenittiift gesteigert werden. Wo ludesseu, wie. es 
bei vielen orientalischen Fabeln der Fall ist, die Thierö 
volikoiumen als Menschen handicln, da bleibt immer noc& 
der Yortbeil^ dafs eine Geschichte durch den Gd)rauch 
der Thiernamen tils ein stehendes Ex^mpel einer täglich 
wiederkehrenden y aligemeinere Wahrheit enthaltenden 
Begebenheit bezeichnet . wird. — • Aufser den Thieren 
kann der Fabeldichter nicht allein Mensdien, sondern 
auch völlig erdichtete allegorische Wesen, und selbst 
leblose Gegenstände an der Handlung seiner Fabel kv^ 
theil nehmen lassen, sobald er sich getränt dieser Hand* 
long durch ihre Hülfe die gehörige Anschaulichkeit zu 
geben. 

S. Herder's Abb. S. Id2>-135. ^ v. Dicz Ueber das K6* 
nigl. Bach, S. 49. 

§. i246. 
In der Form der äsopischen Fabeln herrscht die 
wesentliche Verschiedenheit, dafs entweder au^ der er- 
dichteten Erzählung blos eine allgemeine Wahrheit her- 
vorgeht, oder die Bestätigung dieser Wahrheit an einem 
zweiten wirklichen Falle nachgewiesen wird. Die Fa- 
beln der erstem Art kann man einfache, die der letz- 
tern zusammengesetzte nennen., 

Ueber die Eintheilang der Fabeln in yernünftige, sittliche 
und vermischte s. Lessing's Abb. III.: „Von der Eintbei- 
long der Fabel." — EngeTs Anfangsgr. S. 35. — Vgl. Her- 
der'« Adraatea, lU. 105 £P.: ftber eine Eintheilnng In die 
theoretische 9 sittliche (praktiscbe) und Scliiqk^ills.' 
Fabel 

§. 247. 
Sofern die Fabel überzeugen und belehren soll, for« 
dert man von ihrem Vortrage hauptsächlich Kürze, 
Klarheit und Einfachheit, nicht aber Schmuck 
und Verzierung der Nebenumstände, welche die Ein- 
bildungskraft auf Kosten der ruhigen Belehrung des Ver- 
standes unterhalten würden. Jenen Erfordernissen läfst 
sich im prosaischen Vortrage leichter, als im poetischen 



198 Aesopische Fabel. 

genügen; auch war die Fabel in ihrenl Ursprange pro- 
saisch. So weit es aber mögtich ist, zierliche Kürze in 
Versen zu erreichen, wird aach die metrische Behand- 
longBart der Fabel gestattet sein; ja die anmuthige, dem 
Gedächtnisse sich dnprägende Form der Poesie kana 
selbst die Wirksamkeit der Lehre uoterstfitzen. 
Sb Lessing's Abh. IV. „Von dem Vortrage der Fabeh.'^ 

§. 248. 
Die Erfindung der äsopischen Fabel, durch das Be- 
dfirfnifs, abstracte Wahrheiten an besondem Fällen an- 
sclianlidi zu machen, veranlafst, mufste dem Menschen 
in jenen, Zeiten nahe liegen, wo er noch mit den Thie- 
ren in engerer Gesdischaft Iefa|]te, und in ihrem Thun, 
wie in den Naturereignissen, Vernunft und menschliche 
Ueberlegung %u sehen gewohnt war. Auch finden nir 
die uralte Meinung im Orient wie bei den Griechen, 
daCs es wirklich eine Zeit gegeben habe, wo die Thiere 
redeten. 

S. Herder's angeC Abh. S. 109 ff. 124 ff. — Adfastea, HL 
87. -^ Gerhard Ober den Uraprang der laopiscfaen Fabel; im 
Dentschen Mnaeam, Dec. 1784. S. 553 ff. — Jaeoba^aAb- 
handL fiber die aaopiache Fabel der Alten; in der fierlia. 
BIonatBcbr. April 1785. S. 300 ff. — Meinera'a Geacb. der 
Wiaaenach. Bd. I. S. 70 ff. 

§. 249. 
Die Fabel ist seit frühen Zeiten im Orient einhei- 
misch, und ein uralter Zusammenhang der griechiscben 
und deutschen Fabeln mit den orientalischen läist sich 

I V 

nicht leugnen. Die SUeste indische Fabelsammlung, 
Pantscha-tantra, als deren Urheber der Braioinc 
A/Vischnu-Sarma genannt wird, liegt dem Hitöpa- 
desas und einer Reihe von andern Umarbeitungen ^^^ 
Grunde, welche sich als Fabeln desBidpai, Kaiila und 
Dimna betitelt, durch das westliche Asien und Europa, im 
Persischen, Arabischen, Türkischen und in, vielen andern 
Sprachen verbreitet haben. Neben ihnen sind die kur- 
zem Fabeln zu nennen, welche unter dem Namen Lok- 



Aesopische Fabel 199 

man des Weisea in arabischer und persischer Sprai;he 

vorhanden sind* 

S. F. Adelung Yersach einer Litteratnr der Sanskrit- Sprache; 
St. Petersburg 1830. 8. imd die abweichende Ansicht in von 
Diez Ueber Inhalt u. s. w. des Königlichen Bnchs; Berl. 1811. 
8. — Pantcha-Tandra traä, par J. B. Dübois; Pari$ 
1826. 8. Vgl. Wiiion 4n TramacHonu of the Roy, Asiat. 
Soc, VoL L Part IL p. 155. — Hitöpade$a$ ed. Carey; 
Serampoore 1804.^. Lond. 1810. 4./ mit lat. Uebers. und ^ 
Commentar von A. W. v. Schlegel und Chr. Lassen, Bonn 
1829-31. 2 Voll. 4.; englisch von Ch. Wiilcins, London 
1787. 8.; von Will. Jones, Works Vol. XIIL Einige Fa- 
beln deutsch in v. Bohlen's altem Indien, II. S. 391. — . Die 
Fabeln des Bidpai, persisch unter dem Titel Anwari SokeUi 
herausgegeben von Stewart; Calcutta 1805. %fot. — Arabi8c4i 
Kaiila et Dimna herausg. von Silvestre de Sacy; Paris 
1816. 4. — Aus dem HebrSischen in's Lateinische übertragen 
durch Johann von Capua, Directorium kumanae vüaey o. 
O. u. J. fol. ; deutsch von dem Herzog Eberhard L von Wör- 
temberg, Uhn 1483. foL; von L. Weber, Nfirnberg 1802. 8.; 
von Yolgraf, Eisenach 1803. 8.; aus dem Arabischen von C. A. 
Holmboe; Christiania 1832. 8. — Aus dem TurVischen in*s 
Französische übertragen von Galland, Paris 1724. 2 Voll. 8.; 
(danach deutsch, Frankf. n. Leipz. 1745. 8.) continue par Cor- 
donne; Paris 1778. 3 Voll. 12.; aoch im Cahinet des Fies, 
Vol. 11. 18. Eine nach dem Arabischen gebildete griechische 
Uebersetzung ans dem elften Jahrb. von Simeon Seth, her- 
ausg. von S. G. Starke; Berl. 1697. 8. Die Fabeb von 

Lok man sind arabisch herausgegeb, von Erpenius mit einer 
latein. Ucbers.; Leyden 1615. 8., 1636 u/ 1676. 4.; von Caus-^ 
sin, Par. 1818. 8.; von J.J. Marcel, Cairo 1799.4.; Par. 1803. 
8.; von Freytag^ Bonn 1823. 8.; von Schier, Dresd. und 
Leipz. 1831. 4.; deutsch in Sädi*s Persian. Ros^nthal vonOlea- 
rius, S. 189 ff. und von Schaller; 1823. 

§. 250. 
Berühmt als Fabeldichter der Griechen ist A es op, 
eia phrygischer Sklave zu Sainos, der seine bei Gelegen- 
heit wirklicher Vorfälle gedichteten Apologe vermuth- 
Uch in der schlichten Sprache des Umgangs vorzutragen 
pflegte. Sie erhielten sich in der Ueberlieferung und 
>nirden metrisch bearbeitet und nachgeahmt. Es cntr 



200 ' Aesopische Fabel. 

standen Fabellesen, von wel'dhen die des Babrios, in 
Choliamben verfafst, gich in einem Theile der erhalte- 
nen Sammlnngen wieder erkennen Ififet. In prosaischer 
Form sind die Apologe, die uns Aphthonius mittheilt; 
ebenso diejenigen, welche sich in der zahlreichen Samm- 
lung äsopischer Fabeln von Maximus Planudes be- 
finden. 
Die Sammlong des Planades ist in zwei Classen voo Handschrif- 
ten erhalten; aas der einen zuerst herausgeg. von Bonus A& 
carsius, MaO. gegen 1480. 4. (danach von Bracius, Vened. 
1498. 4.^ bei Aldus 1505. fo].)( aus der zweiten yon Hob. Ste- 
phanns; Paris 1546. 4. Eine hievon abweichende Sammlung 
machte Nerele^t bekannt, Frankfurt 1610. 8. 1660. 8. Ans 
diesen drei Quellen flössen die Ausg. von Hudson, Oz£ 1760. 
8.; Hauptmann, Leipzig 1741 n. 1756. 8.; Heusinger, Lpz. 
1771. 1776, vermehrt inSchäfer's Ausg.; Leipz. bei Sommer, 
1810 n.' 1819. 8. Eine frühere als des Planudes Sammlung 
roschte de Fnria bekannt, Florenz 1809. 2 Yoll. 8.; verbetf. 
von Schäfer, Leipz. bei Weigel, 1810. 8.; von C. 1^. CIl 
Schneider; Lpz. 1810, 8. — Ad. Korais suchte in s. Aosg.« 
Paris 1810. 8., die metrische Form des Babrius herzustellen. 
Ebenso J. G. Schneider, in seiner Ausgabe einer eben&lls 
abweichenden Sammlung. F. X. Berg er hat die Fabeln des 
Babrius, wie er sie herateilen zu können glaubt, in QlSnchen 
1816. 8. zugleich mit einer deutschen Uebers. heransgegeb. Di^ 
Fabeln des Aphthonibs stehen in melireren Ausg. der Pro- 
gymnasmata desselben, bei Commelin 1597. 8. und öfter, aacb 
in neuern Ausg. des Aesop. — Uebersetzungen Saopischer Fa- 
beln sind zahlreich, z. B. deutsch, lat., franz., ital. nnd engl; 
Wien 1819. 2 Bde. 8. ~ Yergl. Jacobs in d. Nachträgen zu 
Sulzer, Bd. V. S. 269. Grauert de Ae$opo; Bonn 1825. & 
(T^rwhitt) Dis$, de Babrio, Lond. 1776. 8.; ed, Barla: 
Erlang. 1785. 8. 

§. 25L 
In das classischc Zeitalter der Römischen Litte- 
ratur setzt man die Fabeln desPhädrus in iambiscbeo 
Versen. Sie sind gröfstentheils von äsopischer Erfin- 
dung, mit mehrerm Wortaufwand und nicht immer glück- 
licher Abänderung der Umstände erzählt. Aufserdem 
bat man die im elegischen Silbenmaafse noch geschmück- 
ter vorgetragenen Fabeln des Avianus, und spätere 



Ae&opiscfae Fabel 2/A 

r 

von onbdLanQten Y erfassen! in gleichem VersmaaÜBe. Un- 
ter den neaern lateinischen Fabeldichtern sind N« Pe- 
rottus, Christ und Desbillons za nennen. 

Phaedri AugußH liberti fabulL L, V, ed, pr, cur, P. Pithoeog 
Autun 1596. kl. 12.; cum not, var. c. P, Burmarif Hagae 
1718. 8./ neaer Commentar, Leiden 1727. 4./ exrec, R, Beut- 
leii beim Terenz; cur* J, O. S, Sehwabe, BraonschiT. 1806. 
2 Bde, gr, S,; ed, Bothe; Leipz. 1803. gr. 8. Yergl Les- 
8iog*8 yerm. Sehr. Tb. 11, S. 230.; und die Charakteristik der 
lat. Fabulisten yoq Jacobs In dei| Nachtr. zo Snlzer's 
Theorie, B. VL S. 29.^ Fl, Aviani Fabulae. M^d. pr, o. 
O. 1494. 4.; ed, H, Cännegieter^ AmsL 1731. 8,,* ed, 
J. A, Nodell; Amt, 1787. 8.,- Mim, 1790. 1%^ Hülte- 
mann de cod, fa^, Aviani; Götting, 1807. gr. 8./ vei^. 
Wermdorfii Poetae Latini Minorei, V. 2. jp. 665. — Von 
«inem Ungenannten stehen in Neyelet's Sammlnng 60 Fa- 
beln, nnd Yon einem Andern beim Nilant 67 in Prose und 
80 in Versen unter dem Namen Romulns. Ueber diese vgl. 
Lessing's Beiträge zur G^sch. n. Litt. I. 43. V. 47. -^ Von 
Perottus, der in dem Verdachte steht, die dem Phaedras zn- 
geschriebenen Fabeln yerfölscht zu haben, rühren unstreitig die 
neuerlich zu Neapel entdeckten 32 Fabeln her: Noviter detectae 
Phaedri falib, ed. Casiitti, Neiap, 1808. und öfter; Tgl. (Adry) 
Examen de$ nojiv. fahles de Ph.; Paris 1812. 8. — /. F, 
Christa Fabularum veterum Aesopiarum lAbri 11, ^ Lipsiae 
1748. kl. 4. u. 1749. 8. » F. L Desbillons e Soc, Jesu Fa- 
'bular, Aesopiar, Ldbri X,; Paris 1759. 8. maj, — edit, auct, 
Par, 1769. 8., Mannkem. 1809. 3 Voll. gr. 8. 

§. 252. 

Die bekanntesten altern Fabeln der Italiener sind 
von Baldi, Targa (d. i. Pavesi) und Yerdizotti- 
Die von dem zweiten Dichter sind am gefälligsten er- 
zählt. Unter ihren neuem Fabeldichtern' ist der Abbate 
Robert! (auch Grazioso genannt) der fruchtbarste; 
doch hat seine zu gedehnte und oft schwülstige Einklei- 
dung weniger Werth, als seine Erfindungen« Mehr An- 
muth haben die Fabeln von Pignotti, PasseronI 
und Bertöla. 

Bcispielsamml. B. 1. S. 1 — 16. 

I cento Apologhi di Bernardino Baldi, portati in versi da 



Aesopisdie Fabel. 

Gf.-M. de Cte^cimiwnif eolkm^takk Ü Sirinmii; Amm 
1702. 12. — Cenio e em^aniu FavoU da Pittro Turgu 
(Ce$are Pavtii); Vene*. 1587. 12. — Cenio Favote moraU 
dt Verdixotti; Venex. 1570. 4. — FavoU $e^anta Eiopiane, 
con UH dUcono (deW Ahhate Marchete Roberti); BologM 
1773. '12. Von eben dem Verfasser: Centwia di FavoU^ ü 
Batilio GraxioMo, Törineie; Torino 1778. 12. Centuria 
di'Favole deOo Ueno; Tor. 1780. 12. ^ FavoU e NovelU di 
Lor. Pignotti; Lueea 1785. 8. FavoU di Qian Carlo 
Pauueroni; Müa/no 1770>-88. 7 Voll. 12. — . Saggio soj^a 
la Favola delV Abbate Bertola, aggiunta una RaccoUa di 
FavoU e di Epigrammi; Pavia 1788. gr. 12. Baisano 1789. 
8. -> fiieher gebort aacb, dem Inbalte, nicbt der Form nach, 
4a8 Gedieht: Gli Animali Parlanti, Poema Epico di Oiam- 
battistä Caiti; in Parigi, Vremona e Genova 1802. 3 Voll. 
^ gr. 8. 8. §. 103. 

§. 253. 
La Fontaine behauptet unter den Französi- 
ff eben Fabeldichtern den ersten Rang durch die ihm 
ganz eigenthümliche Gabe der naiven Erzählung. Seine 
Fabeln unterscheiden sich wesentlich von den äsopiachen 
Fabeln der Alten, und nähern sich mehr der poetischen 
Erzählung. ^ Weniger Natur und Anmuth haben die Fa- 
beln von de la Motte, Richer und le Noble. Die 
von Dorat, Aubert, Imbert, pidot, besonders die 
von Florian und dem Duc de Nivernois sind un- 
ter den spätem Versuchen dieser Art hervorzuheben. 

Beispielsamml. Bd. I. S. 19 — 32. 

FabUi de Jean de la Fontaine^ par Mr, Co$te; Par. 1757. 
2 Voll. 1% o. öfter. Prachtausgabe Ton Montenauit mit 277 
Kupfem; Paris 1760. 4 Voll fol. Ueber seinen Charakter s. 
die Abb. von Jacobs in den Nachtr. z. Salzer, Y. 139. " 
Hi$tj de Iß vie et de» oeuvre$ d» J. de la Fontaine par Wal- 
ckenaer; Pari» 1821. 2 Voll. IS. -- Fablei dAnt. Houdart 
de la Motte; Par. 1719. 4. nnd in s. Oeuvre»^ T. /X " 
ConUe et Fable», par le Noble; Par. 1707. 2 Tome» 12. - 
Fable» ou Allegorie» PkÜoiophique»^ par Dorat; Par. 1774. 
8. FMe» par Richer; Pari» 1748. 12. » Fable» nouvellet 
par Aubert; Par. 1764. 12. — Recueil de FabU» nouveües 
par Imbert; Par. 1773. 12.— Fable» Souvelle» par Didot; 
Par. 1785. 12. — Fable» du Comte de' Florian; Par. 1793. 



Aesopische Fabd. 



12./ imd mit einer Debers. Yon Gttel; Berl. ITto. *8. — 
Fahhß du Due de NiverHoii; Pär. 1796. 2 Voü. gr. 8. — 
Von den alifranzdsfscfaen FähHaux €i Coni€9 s. .§. 126. 

§. 254. 
Die besten Fabeln der Engländer sind 'die von 
Gay, in einer Lnrzcn angemessenen Versart, lehrreich 
and unterhaltend, doch oft mehr Erzählungen oder Al- 
legorien, als eigentliche Fabein, und häufig von politi- 
scher Beziehung, daher sie jetzt an Interesse verlieren. 
Weniger 'Werth haben /die Fabeln von Denis, einem 
selten glilcLlichen Nachahmer der Lafontainischen Ma- 
nier. Moore' S.Fabeln für das schöne Geschlecht sind 
mehr von Seiten der Moral als der Einkleidung empfeh- 
loogswerth. 
Beispielsämml. B. I. S. 33 — 39. 

J. Gay's Fahle$s Lond, 1746. 2 VoU, 8., 1793. 8. — Sehet 
Fahiei hy Ck. Dentt; Lond. 1754. 8.^— Edw, Moore^i Fa- 
Hei for the Female Sex; Lond, 1757. 8. — Neuere sind: Fa- 
hle$ ancient and modern^ after the manner of Lafontaine, 
hff W. Wallheck; Lond, 1787. 8. — Sam, Hicharduon^t 
Ae$op$ Fablei with irutructive Morals; Lond. Hb! , 8. (sind in 
Prose, und haben nnr die beigefögten Lehren eigenthfimlibli); 
fibers. (yon Lessing) Leipz. 17&9. 8. 

§. 255. 
Unter den altem Deutschen Fabeln verdienen 
die von Boner und von Burkard Waldis, auch 
viele in den Renner, den Reineke Fuchs etc. ein- 
gewebte Fabeln unsere Aufmerksamkeit. Die meisten 
neuern Fabeldichter unsers Vaterlandes, v. Hagedorn, 
Geliert, Lichtwer, Gleim, Schlegel, Michae- 
lis, Zachariä, v. Nicolai u. A., entfernen sich von 
der ursprünglichen Kürze und Einfalt, auf welche Les- 
sing in seinen prosaischen Fabeln zurückführte. Ihm 
folgte Pfeffel, ohne jedoch das Metrum aufzugeben. 
Minder lobenswerth ist die dialogische Form, deren sich 
Willamov bediente. Auch sind, die neuen Fabeln des 

Schweizer Fröhlich zu erwähnen. 
Beispieisamml. B. 1. S. 40>-72. 
Ueber die deutsche Fabelliiteratnr s. Köch's Compendium, B. I; 



SM Aesopische Fabel. 

8. 919i — Fabeh aas il«ii Zmltn iler MhiaMiiiger (von Bo- 
ntr); <Z8ricli 17S7. kl. 8.- Mit V«rbntea and WorterVlrangea 
Yon 'E«ciieiib«rg; Berl. 1810. 8. — Am Handschriften be- 
ricbtigt nnd mit einem Wörterbuch versehen von 6. F. Be- 
necke; BerBn 18il6. gr. & (Der erste ^mck, Bamberg 1461. 
kl. fol.) S. darfiber Lessing's Beitr. l^ nnd V. znr Gesch. o. 
Litteratnr; nnd Grater's Bragnr, B. Y. St 2. S. 169. - 
Esopns, gants new gemacht vnnd in Reimen gefasst, durch Ba r- 
cardnm Waldis; Fran&fl 1557. 8. AnswaU darans; Braon- 
scbw. 1777. 8. ^]>er Renner (von Hugo von Trymberg); 
Frankt 1549. fol. Einige Fabeln daraus s. in Bragnr, Bd. H. 
. S. 189 ff. Hngo's von Trimberg auserlesene Fabeln, Erzahlon- 
gen und Schwanke; Tfibingen 1827. 8. — Reineke Fachs 
(angebUch von Heinrich von Alkmar); zuerst Niedersacb- 
siseh, Labeck 1498. kl. 4.; auch Wolfenb. 1711. 4.; Eutin 
(von Bredow) 1798. 8.; von Scheller, Brannschw. 1825. 
8.; von Hoffmai^n von FaUersIeboi, Breslau .1834. 8.; in den 
verschiedenen Bearbeitungen heransg. von Jac Grimm, Berl. 
1834, 8.; Hochdeutsch, Rostock 1650. 8.; die älteste hochdeot 
Bearbeit im Kolocsaer Codex S. 361.; in hochdeutsche Prose 
fibertragen (von G. Schwab), Tfibingen 1817. kl. 4.; Umgear- 
beitet von V. Gfithe; Neue Schriften, B. U, Berlin 1794. 8.; 
der Werke Ausg. leUter Hand, Bd. 40.; von D. W, Soltau; 
Beri 1803. 8. Der angebL zum Grunde liegende franz. Roman dit 
Renartf pM. par Meon; Par. 1825. 4 Voll 8. — Lateinisdi: 
Reinhardus Vulpe$, earmen epicum $eculi$ JX et XIL con- 
tcriptum ed. F, J. Mone; Stuttg, et Tüb, 1832. 8. — ' von 
Hagedorn's Fabeln in seinen poetischen Werken; Hamburg 
1771. 8. (Th. 2.). N. Aufl. in 5 Banden^ Hamburg 1800. gr. & 
— Geliert's Fabeln und Erzählungen: in seinen sBmmtl. Sehr.; 
Leipz. 1775. (1784.) 10 Th. 8: — ^ Lichtwer's Fabeb; Beri. 
1775. gr. 8.; umgeändert (von Ramler) Greiisw. 1761. gr. 8. 
-^ Gleim's Fabeln; 1787. 12. — Sohle gePs Fabeln nnd £r- 
zUhlungen; Leipz. 1769. 8. — Hichaelis Fabeln, Lieder und 
Satyren; Leipz. n. Aurich 1766. 8. » Zacharia*s Fabeln nnd 
Erzalllungen in Burkard Waldis Blanier; Frankf nnd Leipi^ 
1771. 8. Braunschweig 1777. 8. — v. Nicolay's Fabeln und 
Erzählungen, Th. I. s. vermischten Gedichte und Pros. Schrif'^ 
ten; Berl. 1792 — 1810. 8 Bde. 4. — Lessing's äsopische Fa- 
belir; Berl. 1759. 8. 1777. 8. Bd. XVIIl der Schriften; Berl. 
1827. 8i (K. G. PfeffeFs) Fabeln, der helvetischen Gesell- 
schaft gewidmet; Basel 1783.; 8. zahlreicher in s. Poetischen 
Versuchen; Tubmgen 1802-1810. 10 Bde. 8. — WillamoVs 



Allegorie. 

dialogiM^e Fabeln; Beri. 1765. 8. 1791. 8. -* Abr. E. Fröb- 
lieb, hundert neue Fabeln; Z&rieb 1825^ 8. -<- £be gateAoa^ 
wabl neaeier deatacber Fabefaiy* mit Anascblielaimg der 6 ei- 
le rtachen, iat Ramler'a Fabelleae; Leipi. 1783—90. 3 Bde. 
8. and Deaa. Fabefai niid £rzäbbingen, aaa verMbiedenen Dieb- 
tent geaanunelt; BeiL 1797. 8. — Dem Idndlicben Alter ange- 
mesaen, aber auch för Erwacbaene von groläem Reiz kt daa 
„Fabelbach für Kinder^, welcbea der Superintendent Hey in 
Ichtershaoaen bei Gotha, ohne seinen Namen, mit Zeichnnngen 
Ton Otto Spekter, za Hambnrg 1833. 8. beraoagegeben'bat; 
zweite Ansg. ebenda 1835. 8. * . 



Die Alleg^orte. 

§. 256. 

Indem vnr von der allegorischen .Schilderiing tind 
Erzäblang als einer besonderen Dichts^ sprechen, wird 
hier das Wort Allegorie, welches Zunächst (seinem 
Ursprünge von älXo und äyoQBV(o gemäfs) nur die An- 
deutung eines Dinges durch ein anderes bedeutet, in ei- 
nem weit engeren Sinne genommen. Wenn in der voll- 
kommenen künstlerischen Darstellung eine Idee sich 
selbst verkörpert und versinnlicht, so dafs einerseits 
nichts an der Idee unausgedrückt, andererseits nichts an 
dem Ausdracke unerfüllt von der Idee übrig"^ bleibt, vid- 
mehr das Kunstwerk der ausdrucksvolle Körper einef 
in ihm erscheinenden Seele ist: so stellt die Allegorie, 
um Allgemeines zu versinnlichen, nur Siqnliches an- 
statt des Allgemeinen hin, mit welchem jenes gemein- 
same Eigenschaften hat, und 'also an dasselbe eridneH. 
Ausdruck und Bedeutung bleibien aber getrennt. Und wer- 
den nur vom Verstände auf einander bezogen. Die Al- 
legorie ist somit nicht eigentlich darstellend, sondern 
nur andeutend. 

S. Salzer*s AUg. Theorie, Art: Allegorie; Bild. Vergl. Allg. 

D. Bibliotb. B. XKK S. 21. — SchlegePa Batteaz, Th. I. 

^. 305. Tb. II. S. 339. — Du Bot R^flexiom ete, T. /. Sed. 



208 Allegorie. 

35. ^ Sughۤ'8 Euaf an attegcfical peeiry^ VoL L 9f hu 
. Eüi- rf 8pen$€r. — CumpbtlVß Fküowphy of Bhetorie. 
¥•1. Ih j». 148. -^ Home's Grands, der Kritik, Cap. XX. 6. 
Winkelmann*« Vereocli einer Allegorie bes. för ^e Kirnst; 
Dresd. 1766. 4.-. Eberfcard's Handbnch der Aestbtük, B.H. 
fir. 74 --80. Lyssia g, Herder, Morits an Tersehiedenen 
Stellen. Begel, Weriie X. S. 512. ff. 

§. 267. 
Besonders läfst die Allegorie für allgemeine Vor- 
stellungen und abstracto Begriffe, wie Gerechtigkeit, 
Ruhm und dergL, persönliche Gestalten auftreten. 
Diese sind aber nicht, wie die griechischen Götter, be- 
stimmte wirkliche Individuen, welche Vater und Matter 
und eine Art von Lebensgeschichte haben, sondern sie 
werden gleichsam als eine fertig vorgefundene, nicht 
ganz unpassende Maske nur zur Einkleidung des Begrif- 
fes angenommen. Die uptiersicheidenden Merkmale dieses 
Begriffes müssen, wenn er in seiner Verkleidung leicht 
erkannt werden soll, als Attribute äufserlich hinzukom- 
men* Die All^orie will nicht,* wie ^las Räthsel, ab- 
sichtlich ihren Sinn verbergen, sondern vielmehr mög- 
lichst klar und leichtverständUcb sein, ^ine Steile in der 
Kunst erhält sie erst dadurch, dafs die Bilder, in wel- 
che die Begriffe sich kleiden, an sich sdiön sind, zum 
Gefühle reden, die Einbildungskraft angenehm beschäfti- 
gen. Eine solche Allegorie ist z. B. die Hoffnung, bei 
den Alten eine jungfräuliche Gestalt, welche eine Knospe 
in der Hand emporhält, mit der andern das Gewand 
leise lüftend. Etwas weniger allgemein verständlich ist 
die christliche Hoffnung mit dem Anker, der auf das 
bessere J^and zu deuten scheint, wol^in ans den Stürmen 
des Lebens der , Christ den Anker seiner Hoffnung 

wirft. - 

§.' 258. 

Für die bildende Kunst ist die Allegorie nicht zu 
entbehren. Wehiger gehört sie in das Gebiet der Poe- 
sie, doch kann sie a^cb «hier zuweilen eine angemessene 



Allegorie. 



207 



Stelle finden. Bei Homer ist z. B. der Schlaf ilicllt 
za einer vollständigen Perstolichkeit, wie die (vötter, 
gelangt, and kann eine aliegorische Person genannt wer- 
den. Ais solche wird er bei Ovid weiter aiisgescbmtickt. 
Eine andere der homerischen Allegorieen sind die reui- 
gen Bitten (AitcUX der Verderbensgöttin Ate langsam 
naohwandelnd und wieder gutmachend, was jene gescha- 
det hat. Yirgily nicht mehr im Stande, individuelle Göt- 
ter zu bilden, ist reich an allegorischen Personen; sein 
Bild der Fama ist bekannt und öfter nachgeahmt wor^ 
den. Wenfi aber solche allegorische Figuren unter an- 
deren leibhaftigen. Menschen als Hauptpersonen eines. 
Heldengedichtes auftreten, wie die Zwietracht in Vol-« 
taire's Henriade, so zeigt sich sogleich die imiere Un- 
wahrheit ihres Wesens. Selbst in einem so idealen 
Epos, wie IKDItons verlornes Paradies, können die Alle- 
gorieen der Sünde und des Todes nur misfallen. 

Der Schla-C bei Homer, Ilias XIV. ▼. ^231.; bei Ovid, MeUnior|ib. 
XL ▼. 592. Die LiUe bei Homer, Ilias K. ▼. 498 ff. Die Fama 
bei Yirgil, Aeneis IV. ▼. 173. 

§. 259« 
Hier aber reden wir insbesondere von denjenigen 
Gedichten, welche nicht blos beiläufig d^ Allegorie sich 
bedienen, sondern durchgängig in beschreibender oder er- 
zäbleader Weise ein Bild oder eine Handlang uns vor«- 
fQbren, worunter ein von dem unmittelbaren Verstand?- 
nifs unterschiedener tieferer Sinn erkannt werden soll. 
Wir handeln also Von der allegorischen Schilde- 
rung und Erzählung. In derselben wird uns ein 
gröfseres Bild, ein Vorgang, eine Handlung vorgeführt, 
zwischen welchen und einem andern Inhalte, den der 
Dichter eigentlich vergegenwärtigen will, im Ganzen so- 
wohl als in allen einzelnen Bestandtheilen eine bezie- 
bungsvoUe Aehnlichkeit obwaltet. 

§. 260. 
^.Die Personen, welche in dem allegorischen Bilde 



I 

I 

208 Megorie. 

evadeliieDy tfn der allegorischen Handlung Theil neh- 
men ^ sind entweder sämmtlidi rein allegorische Wesen, 
also Personifioationen allgemeiper Vorsteliangen und Be- 
griffig oder es- treten aufser ihnen, auch wohl aosschlielB- 
Ikh, wirkliche historische oder ftir* historisch geltende 
Personen auf, deren Handlung das Bild einer andern 
wird, auf wdche es dem Dichter eigentlich ankommt. 
Hier geht die Allegorie auch bis zu einer doppelten 
YeriLleidung fort, indem z. B. eine Tugend ab eine al- 
legorische Person auftritt, welche dann wiederum Bc- 
prSsentant einer wirklichen Person ist. So sehen wir 
in Spenser'js Feenkönigin den vollkommenen Ruhm ala 
Gloriana piersonificirt, unter welcher wiederum die Kö- 
nigin Elisabeth verstanden werden soll« 

§. 261. 

In der Poesie des classischen Alterthums ist die 
Allegorie nicht vorherrschend. Eine der schönsten durch- 
geführten Allegorieen ist die Ode des Horaz (L^ 14.), 
in welcher der römische Staat mit einem Schiffe ver- 
glichen wird« Im Mittelalter, wo Wissenschaft und Poe- 
sie, nicht eben zum Yortheile beider, in einanderflosseo, 
auch wohl ausdrücktich die Poesie als versinnlichte Wis- 
senschaft angesehen wurde, nahm die allegorische Dicht- 
kunst eine .wichtige Stelle ein. Sie war dem Geiste je- 
ner Jahrhunderte angemessen, welche, die tiefsten christ- 
lichen Wahrheiten unmittelbar erfassend, im SioDlicben 
die Gegenwart des Uebersinnlichen auf mystische Weise 
anzuerkennen gewohnt waren. Am herrlichsten erscheint 
die Allegorie, aber auch schon ihr^i eigenen beschrän- 
kenden Grenzen überschreitend, in'bante's göttlicher 
Komödie (vgl. §. 87.). Unter den zahlreichen bedeut- 
samen Gestalten dieses allegorischen- Epos bemerken 
wir nur, wie die Theologie personificirt in Beatrice er- 
scheint, Beatrice aber andererseits das Interesse hat, die 

wiükUcbe Geliebte des Dichters zu sem, welche eben 

(Krin 



darifl iQur ihre Yerkl^niiig: orbäb, jdsis sie mit der Theo- 
logie in EIds zasQiDRieBdie&t. Ein 'grofses allegorisches 
Heldengediclit aus dem 16(en Jährhundert, von sehr be- 
diogtein Werihe, ist der Theu^rdank tqu Melcjiior 
Pfiuzing', worin die personificirlen Begriffe zugleich 
wirkliche Personen repräsentiren, lind so der Kaiser 
Maxinuiian L und sein Vater Friedrich Terherrlicht wer- 
den. Weit höber steht Spenser's Feenkönigin, eine 
Verherrlichohg der Königin Elisabeth (ygl. §• 95.). Im 
Sinne unserer Zeit werden nor solche AUegorieen, welche 
als kleinere Gedichte nicht wie das Epos den höchsten 
Sphären der Kunst anzugehören den Ansprach machen, 
das Interesse fesseln können. 

§. 262. , 

Folgende allegorische Gedichte zeichnen sich unter 

inebrem Versuchen dieser Art vortheilhaft aus: n 

Clawiiani Carmen de Nuptü$ Hönorii et Mariae. — / Sei 
Trionfi di Petrarca: d'Amore, deUa CästUhf deÜa Marte, 
della Famay del Tempo, e della Divinita, (Vergl. Meinhard's 
Vers, über die ital. Dichter, Th/l. S. 340.) -- La Strada . 
della Gloria, di Metastatio^ in T. VII. seiner Werke. — 
Deux Livree d* Allegorien de L B. Rouaeau; Oeuvre» (Par. 
1753. 12.; Tom. IL P. 128. — Le Temple des Gräcee par 
Montesquieu t in dessen Oeuvres, — Le Temple du Oout, 
Poeme par Voltaire. Desselben Macare et Theleme, Conte 
allegorique; Par. 1764. 8. VergL „die EiDbildang and das 
Glück" Yon Hagedorn:— Pope*s Temple of Fame; Worhs^ 
VoLI. — Bpn Lovth's Choiee ofHerculeSi a Poem; in Dods- 
ley's ColUction, VoL IIL p. 1. — Tho. ParnelVs Aüegory 
on Man; Poems, Lond. 1760. 8. — J. E. SchlegeTs Krieg 
der Schönheit and des Verstandes, in seinen Werken, B. IV. 
S. 92. — Einige kleinere allegorische Stficke yon J. N. Götz, 
in der Samml. s. Gedicht^; Mannh. 1785. 3 Bde. 8. — Hiüher 
gehören anch Herder*« Paraqiy thien^ in seinen Zerstr. BlSt- 
tern, Samml. I. S. 165 ff. Bilder o. TrSame; ebend. Samml. 
m. S. 1 ff. Blätter der Vorzeit; ebend. S. 191 ff. Dessen 
Aev.n and Aeonis in der Adrastea, St. I. S. 149. — F. A 
Krammacher*8 Apologen and Paramythien; Doisb. 1814 and 
15. 2 Bde. 8. Mehrere fibndet man in Blankenbarg*s Zo- 
^Ittxen za dem angef. Salser*8chen Artikel nachgewiesen. 

Blscharii. Th. 14 



210 ParabeK 

Mancbe IMnere Gewehte Ton FrUdi^. Scblegel, Toa^A. W. 
. Schlegel (i.^ der Tempel), Toa Schiller (s. B. dasGlfiek 
lud die Weisheit), Tieck und No Teils sind Allegorieen. 

§• 263. 
Als eine der Allegorie nahe verwandte Diehtform 
nennen wir noch die schon oben (§. 241.) beiläufig er- 
wähnte Parabel. Sie. ist eine ausgeführte Gleichnib- 
rede, in welcher ein einzelner; an sich geringfügiger 
Vorgang aus dem alltäglichen Leben zur Veranscbauli- 
chung eines allgemeineren Sinnes gebraucht, und gleich- 
sam als das verständlichste Sinnbild dieser böhereo 
Wahrheit hingestellt wird. Die Parabel gebort vorzüg- 
lich dem Orient an. Wir finden sie bei den Hebräern, 
welche, wie sie überhaupt als theokratisches Volk den 
'gemeinen Verlauf irdischer Dinge unmittelbar anf die 
jenseitige Gottheit zu beziehen gewohnt waren, am em- 
pfiinglichsten für eine solche Darstellungs weise sein mofs- 
ten, durch welche der Lehrer oder Dichter sie auf sei- 
nen erhabenen Standpunct erhob, und sie die Natur als 
Spiegel des Geistes, die irdischen Vorgänge als Abbilder 
göttlicher Wahrheit betrachten liefs. 

§. 264. 
Wenn die Allegorie uns nur die einzelne Erschei- 
nung zeigt, in welcber wir den allgemeinen Begriff, des- 
sen Stelle sie vertritt, erkennen sollen, so stellt die Para- 
bel den einzelnen Fall neben die allgemeine Wahrheit 
hin, welche durch denselben veranschaulicht wird. Von 
der Fabel, welche einzelne Maximen, Klugheitsregeln u. 
dergl. aus Vorfällen der Thierwelt mit überzeugender 
Nothwendigkeit herleitet, unterscheidet sich die Paräihel 
wesentlich, indem es ihr um höhere allgemeine Wahrheiten 
zu thun ist, die sich in menschlichen Vorgängen abspie- 
geln; sie erweckt diese Wahrheiten in der Seele nur 
durch Hinweisung auf dereu Abbild in der Natur und 
dem Menschenleben; aber sie will nicht kleinlich dem 
Verstände eine Ueberzeugung abnöthigen. Ueberfaaupt 



t • 



Baiiibd. m 



wirkt die Parabel auf, das Geaifith, sie erweitert den 
Geist und zieht ihn von 'selbstischen Zwecken ab, wäh- 
rend die Fabel die Aufn)>erksamkeit anf einen einzelnen 
kleinein Punct zu conceatriren und eine durchaus irdi- 
sche Jieo^denz z^u haben., pflegt. Dem. meist religiöaen 
lobalte der Parabel /sqtspricht der .erhabne feierliche 
Ton .derselben, Ihr Stil verschmäht nicht einigen 
Scbmnck. Doch ist die prosaische Forii|i nicht , minder, 
gebräuchlich als, die metrische. 

§. 265. 
Bekannt sind di^ biblischen Parabeln/ z. B. Na- 
thans Bqfspredigt an David (2 Samuel. Gap. 12.). -— 
Die Parabeln Christi vom verlornen Sohne, vom Sä- 
mann, von . dpn Arbeitern im Weinberge, von dem unge- 
treuen Haushalter u. a.m.. sämmtlich auf die erhabensten 
Lehren ^r Religion bezogen, sind auch poetisch höcl^st 
vollendet; selbst in der Sprache weht hier ein poetischer 
Geist, den auch die Uebersetzungen nioht ganz haben 
verscheuchen, kennen. Eine Parabel von ebenfalls weir^ 
tein, freilich unbefriedigendem Inhalte ist die aus Bpc- 
caecio enUebnte Erzählung ▼on den drei Ringen in Les- 
sifig's Nathan. Die schönsten deutschen Parabeln, ganz 
im orientalischen Geiste gedichtet, sind die von Her- 
der und Krummacber. Schiller gab in sehr unbe- 
stimmter Bedeutung die UeberBcbrift: „Parabeln und 
Räthsel'* einer Anzahl kleiner Gedichte, die sämmtlich 
von ziemlich gleicher Art, und also nicht theils Parabeln, 
theils Räthsel sind, sondern vielmehr zwischen beiden 
Dichtarten mitten inne stehen. Einige kleine Gedichte 
Göthe's, z. B. „die Katzenpastete'% kann man scherz- 
luifte Parabeln nennen. 
Vei|^. Lange ,yfiber Schiller*8 Parabeh and RBthsd''^ in dessen 
Schrifteni S. 240 ff. 



M* 



21f Parodie iirid . Ti*avestie. 

Die ^Parodie und die li?ravestie. 

• . §.• 26&j^v ; • 

Von beiden irird zu* einem Torhandenen, binlSng- 
Kch bekannten nnd bedeutenden Dicktwerke ein Cregen- 
bild erschaffen ^ das zif^ar ein ^selbständiges Ganze aus- 
macht, aber einen besondem * Reiz erst darch 'die still- 
schweigende Vergleichung mit jenem urspränglichen 
Werke erhält. Entweder wird die Form und Manier 
dieses ursprünglichen Werkes beibehalten, und ihr ein 
völlig verschiedener Sioo nnd Inhalt untergelegt, was 
znwefileii durch geringe Abänderung 'und Umdeutaug der 
Ausdrücke geschehen kann: öder das Object des or- 
sprfinglichen Dichtwerkes wird in eine Form entgegen- 
gesetzter Art gekleidet. In jenem Falle entsteht die 
Parodie, in diesem die Travestie. Die Travestie 
ertheilt stets einem ursprünglich ernst behandelten lAkalte 
ein komisches Gewand; auch die Parodie vermag durch 
den Contrast zu einem ernsten Werke, auf welches sie 
aich bezieht, den höchsten komischen Effect zu errei- 
chen ; doch ist es nicht unstatthaft, einem beliebten Dicht- 
werke ernsten oder auch komischen Inhaltes eine Paro- 
die von gleichartigem Inhalte an die Seite zu stellen. 

§. 267. 

Dem Zweifel an der Zulässigkeit von Parodieen und 
Trayestieen, und der Meinung, ak geschehe durch sie 
classischen Werken ein Unrecht, mufs durch die Bemer- 
kung begegnet werden, dafs das £^*nste Urbild und das 
komische Gegenbild zwei völlig verschiedenartige Kunst- 
werke sind, deren jedes sein eigenes Recht büt W&- 
der die edle Form wird durch die Parodie geschändet, 
indem sie als Ausdruck eines neuen Inhaltes ein neues 
vollendetes Kunstwerk ausmacht: noch wird ein edler 
Inhalt herabgezogen, wenn er in der Travestie mit einem 
kömischen Gewände angethan, sich zu einem völlig neuen 
poetischen Werke gestaltet. In den Bereich der Satire^ 



Parodie': üM Tralvesti^ 213 

ISirokiii' Parodie «ihd ' Tr^Tisistie iiätifig gezogen werden, 
gehören sie eigentlich nicKt;alle£a wie die Satire, abge- 
sehen von ihrer eieeothümUchen sogenanntjei^ didaktischen 
Foroi,, In .versphiedenen.Dicbtiiiigsarten eDBcbeinen ]^ann, 
so vrikA sie doch als Paf-odieidie tiaaUgelbafte Manier 
dnes Dichters komiseh nacbbiiden/öniA als Travestie die 
schwachen Seiten am Inhalte eines "Werkes' läefferlich 
machen können. 

Ueber die Parodieeu der Alten findet man eine Abhandlang 
des Henr. Stephanas bei seinem 'Aydv Homeri et He' 
9%odi; Par, 1575. 8. Desgleichen handeln von den Parodieen 
bei den Griechen G. H. Moser, in den Heidelb. Slndien, VI, 
2. S. 267 ff.; und Bnhle zu Aristoteles Poetik, C. I. §. 4. 
Yergl. Goethe Ueber die Parodie bei den Alten; nachgelass. 
Werke, Bd. VI. S. 1 ff. — DUcourt $ur VOrigine et U Ca- 
ractere de la Parodie, par Mr. VAlibe Sallier^ in den M4m. 
de VAcad. des Inser. T. X ed. d'Amst p. 633. — Salzer's 
Allgem. Th. Art.: Parodie. — Flögers Geschichte i^r kom. 
Litt Th. L S. 84 ff. 349 ff. — Maafs Ueber das Parodireii nnd 
Trayestiren; in den Nachtr. z. Snlzer, B. ü. S. 41. Rosen- 

^ kränz Vorrede zur 4lenAufl. vonDlaafs's Grandrifs der Rhe- 
torik, S. V ff. 

§. 268. 
Der Erfinder der epischen Parodie soll der 
griechische Dichter Hipponax (Oijm. 6(K) gewesen 
sein, Hegemon von Thäsos der Urheber der drama- 
tischen, und Archilochos der lyrischen. Wenn wir 
gleich keine ganzen Parodieen der Griechen mehr be- 
sitzen, so finden sich doch viele einzelne parodirte Stel- 
len in der Batrachomjomachie, und in den Lustspielen 
des Aristophanes. Von Matroi) hat uns AthenSus die 
Beschreibung eines^ Schmauses aufbehalten, worin Homer 
parodirt wird. Neuere Parodieen und Travestieen sind: 

L'Iiiade Oiocota di Loredano; Opere, T. IV. — L*Eneide 
Tratestita da Giov. Bat. Lalli; Roma 1615. 12. — L*lliade 
travestie par Marivaux; Oeuvres, Par. 1758. 7 VoU. 12. — 
Le VirgHe travesti par Scarron; Oeuvres, Amst. 1755. 9 
VoU. 12. — La Henriade travestie; a la Haye 1746. 12. — 
Parodies du nauveau Theatre Italien; Par, 1731. 35. 4 Voll. 



\ 



214 Parodie und Travestie. 



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iffr. — Da» englitfelHS: Sclmupiel .dte tHeiao^s yon ' Bqekinf- 
bam, The ^heax$al, ißp^inv^m Parpdi^,.— Einige j^ladUiche 

Parodieea von Kästner; in s. Verm. Sehr. Th. L S. 268. 

.,,. ... '"^ •■'• ■..»•<i' •• , 

Aoag. 2.— Vir gl 1*8 Aeneis, traVestirt yon Blüm aber; Wien 

'*" 1783 fr. 4 Bde. 8. Aach in* den diiei ersten' Blinden seiner 

<:Ummtlifiben Werke; Lcipng- 1803. S: -^ Ver^L äofb^fg a 

.. . Bmiec Almäpaifli, dier Par^ieeai^r 181$ qnd 181.7, L^f^ 12.; 

,;..-'^eHeA«flfc.l8a5... .. . ^..; ^^ •, , 

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Dramatische Poesie. 



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Da« poetüs^ehe Cf^isiptäbh. 



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- : ' §: 269. ^ 

ndem wir zu der dritten Hauptgattung der P,oe$ie, n^ib- 
lieh dem Drama, übergehen, widmen . Wir . eine einlei- 
tende Betrachtung dem poetischen Gespräche, weU 
ches nicht allein die nothwendifi;e Form aller dramati- 
sehen Poesie lausmactit, und selbst in den anderen Gattun-' 
gen, z, B. der erzählenden, eine Stelle findet, sondern 
auch als besondere Dichtart auftreten und ein selbstän- 
diges*' Ganze» bildenr ' kadn/ 'Sofiern das Gespräch oder 
die gegenseitige Mttth^ilung von Gedanken ^ GesinnuK- 
gen otid ' £mpfiüdungen ^vri^chen^'wel^' ödl^r mebreren 
PersoÄe» ' als Kaä^tW^k niehl ein^tn äuts^ren Zwecke 
dient, Sondern um meiner eigenen Sctiönhefit- willen vor- 
hand^h ist,' öDterdchfeidet eö'^ich ate^poi^'t^sches Gc- 
spräcil ' Tornehmlicb von- ' deiSi ph. i-l ö s'ö p b1 s che n Ge- 
8pr8fehe;"HYiri^ll<äs tiur' aU eine tweckmäf^^ Form für 
die ^er^K^tferobg; ^üt^üsui^biltig u^ Etöl<t^ruDg allge- 
meiner Wahrheiten gewählt wird. 

Vom Gespräch fiberhanpt 'S. Car,''Sigoniu» de Dialogo; Ten, 
1692. fol — jReni; de *8t. Mard DiMun $ur la Nature, du 
Dn^hgue, in s* Oeuv: T. L p% 1 I«. — Oit the;Manner of wti' 

A ^q Dialogue», al^ Vorrede za Hurd'^ Morql andPolitical 
Dialoguek; Lond. 1116. gr. 8. — Lehrreiche^ Benierkungen ober 
die Behandlang des Cresprächs In des Grafen Shaftsbnry Ad- 
•we to an Änthtt, — ^' E'ngeP's Abk aber Handlang, Gespräch 
«ad EndOilaiiR; in der IHaBibliatk der scfa. Wiss. B. XVI. 



2iiB Poetisches Gespräch. 

S. 177 ff. n. in s." ScKnftei,^ AT W. S.TM/— Am betten be- 
handelt diesen Gegenstand A. W. v. Schlegel in dem Auf- 
sätze „Etwas über William Shakspeare bei Gelegenheit Wil- 
helm Meisters'^ in Schiller's Hören von 1796. St 4., nnd in 
seinen kritischen SchriRen, Berlin 1828. 8. Tb. I. S. 365 ff. 
anter dem Titel: ^^Uefier den dramatischen Dialog.^' 

»•.*^ Ö '«. .. .1.. jj». « 

Wo das Gespräch im Epos vorkommt, begleitet 
es blos den Fortschritt der Ereignisse, und hat , vrie es 
' fiberhaaj>t nur aus der Yereai^nbeit ^^j-khtet wird, 
etwas von der Ruhe des erzählenden Dichters angenom- 
men. Auch wo etwa in^.der Ljfrik Wechselreden eine 
Stelle finden y sind sie der .wirklichen Gegenyv^art entr 
rfickt Geht aber eine Handlung oder eine Von Man- 
schen mit Absicht herbeigeführte Vei^udcrung äufserer 
Zusiände durch die Wechselwirkung voq Rede und Ge- 
genrede mehrerer Yor unsefn Augen ' auftretenden l^er- 
sonen vor, so ist das Gespräch dramatischer £>taiog. 



« ' 



i • • » 



:§.:.a71.:. . 

Dic^ aiiftriätenden PeTfionenMUQfierfM>h4iden si^ durch 
bestimmte Char$ikt0i'e> der^prV^Ukpaimeiii^e Dar^telr 
lang eÜen dmn^h.denBi^Ugi^^Kf'mcht yKtrd^j.i^qri^a^di 
Reden drQckciO -fsie umnittelbar jjbir JnQ^As aos,;itvFiiigeB 
ihre w<esen}Ii(;ihen.Ileaiehwgej[^ iA^T,E^cb(^r^jßg,:\i^/Yfv^'' 
ken auf e»n;^odeir ^ ei|i.. Wenn ü|>,ei:baiipf die; mfist^Appid 
bedeutendsten Tbat^a/so feschiBben^iida^fs. Wi^a das 
Mittel der Thätigkeit ,^ipd,. so kwn,.)(9deQft4Jl9vPur;|l!xr<^ 
Worte der ipnie^e 2ii»sami|]Q|)l|^i|g d^ I|s«iMUwgeil kund 
werden. : ;• •. .! :. . '' . .-, . 

Das Wesentlichste im Diidog ist^ dafs <tte Wech- 
selreden von einandej^ abhängig seien, eine Reihe von 
Wirkungen und Gegenwirküngeti bilden, Hiemit ist 
schon gesagt, dafs die Reden au^enbligkli^h in dßii Ge-. 
müthern der Sprechenden entstehen müssen. x.Anf diese 
Weise führt das drämatisidbe Gespräch w eiaemi Ziele 






J 



{^oetisdies €F6$p^t:}r. $17 

Uo, Wirtes das Resuhaf'aiisi'deai'Cdfttfiifctli iK^ üäfutd- 
t^dden Terschiedendrtigitn CbaraUerie 'ist.' •'•"•• ■"!•"' 

'■■■■■ '" ' .' %:'m:. ' • ■"•■• : '" 

Dem'Gespräch oder. Dialog wird züiyScbst dsis 
Selbstgespräch oder der Monolog entgegengesietzt., ' ijd 
welchem niir Eine iPerson zu sich selbst redet. |)er- 
gleichen Selbstgespräche stehen in dramatischen Werkeä 
da, Wo die redende Person 'isich in einem so leiden- 
schaftlichen Gemttthszustaode befindet, dafs der lautS 

• • • ■ /•* 

Ausdruck ihrer Empfindungen und Gedanken natürlich 
ist, weiiigstens im, poetischen Werke natürlich erschein^, 
die sind nicht dIqjb episodisch, sondern wirken mit zum 
Fortgange der Handlung, zur Entwickelung. der Leiden- 
schaff des' *Keden den. Auch' der Monolog ist ^ei^entücl^ 
^alogisch, ' ein Zwiegespräch mit . sich selbst. In der Lei- 
denschaft nämlich, welche den Mondlog erzeugt, ist JSet 
Mensch aüfser sich gesetzt, somit zu zwei Persoii ein 
geworden; die eine ist der Mensch, seinem festbtehendelf 
Charakter, , seinem ruhigen Zustande nach, die ändere.' is^ 
der erhitzte' leidenschaftliche Mensch. /Demnach werden 
im Monolog wie im* bialog die einzelnen Gedanken 
nicht nur augenblicklich erweckt, sondern, rufen auch 
als Wirkung und Gegenwirkung oft in heftigem Streite 

einander gegenseitig hervor. * ' 

S. EngeTs angef. Abhandloiig, S. '228: — Vergl. Richatdsoil 
über die wichtiggten Cbara1ctei«Sliak6pBare'6, Ueb^rs.' (Lfz. 
1776. 6f). S. 63.; S€bleg'el*8krit. Schriften, Tb. I. S. 369/ 

§.274. 
Dif •L^ii'ge uiid Dauer des Gespr&dis ond der 
einzelnen Reden in debiselben richtet sich ^natürlich 
nach dem Bedürfnisse der Handlang, nach der Ergiebtg- 
l^eit des Stoffes, nach der starkem oder schwädiem An- 
regung der Pbantasie, und nach den Graden der hei-* 
denschalt. Klarheit und Bestimmtheit bileiben dabei im- 
mer die voroehmst^Qi Pflichten des Dichters, der« alles 
Matte und Weitschweifige, alte die zu&Uigen Mängel^ 



r 



91$ Poetisches Ge^pr^ch. 

WOfMl i9fi q9t<irIicl^,j(3^f$i|]Ach,.in der Wirklichkeit, so- 
wohl seinem Inbalte dsseipfr. dialog^chen i^orm nach, 
80 oft leidet, sorgfältig veroaeiden wird. Natürliche Uo- 
Tollkondmenl^eiten des Gesprächs dürfen nur da statt fin- 
den., wo sie einer bestimmten Person charakteristisch 
8|nA z.,B. dem Schwätzer;, dagegen kann der poetische 
Dialoft nie durch tx\ grofse .Vorzüge sich, über ^en all- 
tttdichen erheben, so lange er nur unvorbereitet er- 
scheint, ; . ,r . 

Der Stil des Dialogs nuiCs im Allgemeinen zwar 
iJer Sprache des gewöhnlichen Lebens ähnlich, also leicht 
und einfach sein, wie die.fs schon die.augen1i)Iickliche 
Entstellung der Gedanken mit sich bripgt. Die Vorstel- 
lungen werden einander ^o folgen, wie sie am natürlich- 
8ten sich hervorrufen, die Wortfügung wird gerade und 
einfach, 'frei von periodischer Verschräpkung.sein;. selbst 
kleine Machlässigkeiten und Mangel an äufserer Verbio- 
düng könpen den Schein augenblicklicher Eingebung ver- 
mehrcp. r Allein, es wäre irrig, wenn man di^ruu) allen 
poetis^hei^ Stil und Rhythmus vom dramatischen Dialog 
ausschliefsen wollte. Vielmehr müfste es äine unvoll- 
ständige, nicht durchgeführte, in sich unharmonißche Er- 
dichtung sein, welche blos die Situationen poetisch er- 
ftLade, und eben das, was die Situationen herbeiführt, 
worin sieerscbeioisn, \m% dep Dialog vom ppc^tiscbea 
Stil« aiDBSchldsse. : Schon zu den: rohesten :in(proiRisirtea 
Dramen wurde im AlterthUm unwillkübrlich der Vers 
angewendet; wie diefs LivJua'CVU. 2.) voll ^iden A tei- 
len en^ oder oskiscben LustspieleB bezeugt« ; Der dialo- 
gpadie Vers ist der lambe, der, schon in der. alltägli- 
chen Rede einheimisch^ sie nur beflügelt, ohne «ie i^ie 
die epischen und lyrischen VersmaaCse in eine fremde 
Sphäre zu erhd>en. Für ans sind im dramatischen Ge- 
brauche die fünffüCsigen lamhen ungefilhr da&, was ffir 
die Alten die Triineter waren. 



L. 



^ / 



Ak besondere Diebtart ist »das poetische. 'Gespi^cb 
Dar sekeo bearbeitet* worden; doch ist einö solche Be? 
arbeitimg Jein vcartbeilhafte's Mittd uav .Behandlupg volai 
Stoffen, die keiner ^toiktändigdramattschlen Maführiing 
fähige täMlidodi- mehr au :einer -unniittelbar TeFgegenwär- 
tigenden als zu einer erzählenden: Dar8t;^Uung geeignet 
sind. Als Personen treten da'* dto^'^orhsdotd^en Dialogen 
dieser Aft : theila erdiditetb Wiesen und <&ottbeiietit au^ 
theils faistorifidie Personen; .:i^ie Torzü^ieh: im :J^cbalteBf 
reiöli sich begegneiidi interefiEsänte Beziehungen ihrer Chat 
raktere entwickeln« - Abge^hen voa einzelnen' Scenen 
der sohönstea aken und neuen «Dramen sind fatei^'die be^ 
sten.lMhister die^ zwar* prosaisch, :;aber:nidit ohne\Dii^Ih: 
targeistiverfäCsteti Gespräche .¥on.Laci an, liofrd.>Ljrtf 
telton, Fenelo^n, (Fonteneile, Remomd de St 
Ward, Wie 1 arid." " r ..•.':: J 

46. 4 Vßü. 4.; -nach derselben; Bivont. 1789—93^ X Voll. S, 
übers, von Wieland: Leipz. 1788 ff. 6 Bde. 8. lieber seine 
QDd andre Dialogen des Altertbnms vergl. Rem. de St. Mard 
Diic. 8ur la Nature du Dialögue. — Lyttelton^t DiHtegue» 
of ike'l>iääi Lond. 1760. 8. -^ Dialogu^t den Siwts antiem 
et modernei, par M. dS Fen^lon; Fat. 1718. 12.;' — Dialo- 
gw» de$ Ifforti, par M. de Fontenelle; Arntt. 1745. 2 Voll. 
12. ~ Diaiogues des lUeuXy par Remond de St. Mard; v. 
tet Oeuvres (Amst. 1749: 5 VoU. 12). T. L — Wleland's 
Gesprficbe in Elysimn, und nene G5tCei^espr8cbe ^ im 258ten 
Bande seiner sänuntlicben Werke. 



Das Drama« 

§. 277. 

Das Wesen des Drama' s, dieser dritten Hanpt<- 
gatfnng der Poesie , besteht in der als gegenwärtig dar- 
S^tellten Handlung. Zunächst wird es demnach sowohl 
^on dem Epos, wo der Diditer erzählt, als vom lyri- 



\ 



82fe DaS' DFama. 

sehen Gedicbte, wonn er füm dgenes Gefllhl aosspricbt, 
dadurch untSerschi^deo, daft Bier der Künstler «effist völ- 
lig hinten sein Werk TOrficktritt and Personen aufstellt^ 
deren TUfttigkeit, Torzil^lich durch Dialog sich fobernd, 
den Verlauf eider abgeschlossenen Handlung herbeiführt« 
Hier ist die Poesie so »aobtig, die Wirklichkeit selbst 
m ihrem Ausdrucke zu machen. An die SteAe der blo- 
U&i VorsteUnag in Gedanken • ttict die Yorstelhing ad 
der Bühne. Da nun sonfit die Vorgänge mtahn Ge- 
mfithe, ja unseren Sinnen ganz nahe gerückt sind, und 
nicht, wie im Epo^ der Scldeier ' ^der Vergangenheit dar- 
über ruht, so scheiden sich- hier strenger, als in den an- 
deren Dichlarten, die Richtung^ des Ernstes und des 
Scherzes. < Das Drama hti entweder. Tragödie oder 
Komödie *}.• Nur in der modernen Poesie, sofeni sie 
ihrer Natur gemäCs eine Dnrohd Angung tragibcher und 
komischer Elemente zuläfst, darf man/das Schauspiel, 
^im engeren Sinne des Wortes, als eine dritte, mittlere 
Gattubg des Drama's geltet lasseh. Aus dem Zusam- 
menwirken der dramatischen Poesie mit der Musik und 
anderen. Künsten entsteht die Oper. . 

Ais Tbeoiie der dnmatiscbea.Dichtkniist Teriangi ¥oifft^&che Be- 
achtung die Poetik des AristoteUs, dieses Weck« Wehet 
Lessiog &r ebenso imfehlbir hielt, als die Elemeate.des Ea- 
klides, wSbrend A. W. y. Schlegel dariii aar einseitig Terstän- 
dige Betrachtasg findet, Seiger sie nicht ais'absolate Philoso- 
phie der Kanst,. sondern als eine Theorie d^r damals ^ii^^*^ 



*) Zur tiefem Einiieht in das Wesen dei Drama*«, nnd der Tragö- 
die nnd KomSdte incbeaondere, leilet folgende Betrachtung. Wenn der 
Gegenitand dea cnShlenden £po« eine feststehende Vergangenheit i<t< '" 
vrelcher gern der Blick rahig ▼«mreilt , ■ als anf einer Tom Ideale erfaUte" 
Welt der Erscheinnng; wenn hingegen das lyrische Gedicht nnr för ' 
teitlose flüchtige Spar der nnTerkdrperten Idee gelten kann : so findet u" 
Drama eine gegenseitige Binvrirkung, ein Conflict des Idealen nnd n\ 
Wirklichkeit gegenwärtig statt. Somit kommt es Tor unsem Angen *n '*" 
acn Aefoltetet «alweder gebt die eirfaelne fnr sick «chSne Erschemaaf 
nntcr in der obsiegenden göttlichen Idee; der Held rrird aom Opi^''« 
oder die Idee Terffnchligt sich ia die Emaelnheit der Erseheinnng» ^ ^. 
sieht das Dmma de« Erattet od«r d^a Scher^ii, die TragS.di« od«' ^^ 
Komödie. 



Das« Drama» SK 

▼orhaud^nen Didbtw^ke anliekt Unstreitig /«nüiill die aristo« 
telische .Poetik, bei dem Anscbeäne. fiolserliGh TerstSndiger Be- 
tracLtiuig, die tiefste specolatiye Wahrheit. Vergl. aoTser dieser 
Sltesten Poetik and den neuem Lehrbüchern der Dichtkunst 
folgende: Deüa Pouia rappre&entaHoa; Diitorio di Ang, In- 
gtgntriy iPetr. 1598. 4.; Feiifs. 1734. 8. -> PrmÜque du Tkia- 
ire, par Fr^ Htdel^n d*Aubignaef,Par. 17^5. 2 VolL 8.; 
fibers. Hamb. 1737. 8. — Dialogue et Dticoun $ur la PoeM 
dramatique, dan$ les Oeuvre» de Theatre de *Mr, Diderot, 
Par, 1758. 2 Foff/12./ übers, von Lessing, Berl. 1760. 2 
Bde. 12.^ ebend. 1781. 2 Bde. 8. — Du Theatre (par Merciet) 
Par. 1774. 8. ^ Dryden's Eetay au drumatie Poefry; Lvmd. 
1668. 8. und in s. Dramatic Worhi. — Burd'e Diaertatiam 
on the Provinces of the Drama; in s. Commentar über Hors- 
z.en's Episteln, Bd. IL und in der Uebers. Bd II. — J. Har» 
ri$*» Dramatic Speeulattons, In 8. Phüolog. Inquiries, VoLIt. 
Ch. VI-^XIL — Lessing*« Hamborgisdie Dramatnrgie} 
Bamb. 1767—68. 2 Bde. 8. -- üeber dramatische Koost und 
Litteratnr; Vorlesnngen Ton A. W. Schlegel; Heidelb.. 1809-- 
IL 3 Bde 8.— Bonterwek*« Aesthetik, 11. S. 182.— Wei< 
fse's Aesthetik, IL S. 305 ff. ^ Solger's Yoriesungen über 
Aesthetik, S. 308 ff. — Eine Charakteristik der Tragödie n. der 
Komödie gjebt Hegel in der PhSnomenologie, S. 683^696 dev 
LAnsg. — Yerschiedene Anfiriitse Sehiller*8: Die.Schanböhne 
als eine moralische Anstalt betraditet; über die tragische Kunst 
n. a.— L. Tieck's dramaturgische Blatter; Bresl. 1826. 2 Bde. 8. 
— r^cht uninteressant ist es, mit unseren Theorieen des Draina's 
die ansiiihrlichen Dramatnrgieen der Inder zn rergleichen, woraus 
Wilson, Theater of the Hindu'e, VoL L^p. 1—79., Mitthei- 
longen macht Nach ihrer bündigen Definition ist das Drama 
„ein Gedicht, das gesehen werden soll**, nnserm Worte „Schau- 
spiel**' entsprechend, womit es genugsam von Epos und Lyrik 
unterschieden wird, welche blos die geistige Yorstelluog anre- 
gen, wShrend das Drama körperlich za erscheinen yerbngt. 

'§. 278. 

Das Erste nnd Wesentlichste also am Drama, 
wie diefs auch schon sein griecliisclier Name andeutet, 
ist die Handlang, Da^fs diese wirklich vor unseren 
Augen vorgeht, ist in dem deutschen Namen Schau- 
spiel ausgedrückt Handlung ist eine menschlj(;he, durch 
den Willen bestimmte ThätigkeiU in der Poesie ein 



Bn Drama 

Ganzes vtfn VdrgSiigeä, wekshe dareh die ineiaander- 
greifende Tbätigkeit wirkender Personen erzeugt wer- 
den. Eine vollkommene Darstellung solcher Handloog 
kann nor fite dramatische sein (vgL §. 69.)« Sie besteht 
nicht blos ia Ader 'Darstellong des fiuCserlich Geschehen« 
den, was ja eigentlich nur das Resultat der geistigen 
Handlung ist| sondern in der offenen, unterhtlliten Dar- 
stellung des Ineinandergreifeps und Zusami^enwirkens 
der Gemülber. Diese innere Handlung legt ßich in der 
empfindungsvoUen Rede dar. Von der dramatischen 
Handlung ist auch das Leiden nicht ausgeschlossen. 
Das Tragen eines Schicksals ist eine positive geistige 
Hpodlung» so wie auf^h andererseits das leidenschaft- 
liche Wirken ein Leiden in sich schliefst. Die grie- 
ehische Poetik begreift diefs dramatische Händehi and 
Leiden in Einem Worte (Ttga^eig). 

§. 279. 
Der Stoff der dramatischen Handlung, die ganze 
Reibe von Vorgängen, welche durch die Handlung er- 
zeugt werden, helfet gemeinlich die Fab«l des Drama's. 
Diese Fabel kann sowohl mit allen ihren Bestandthei- 
len, den auftretenden Personen, ihrer Handlung, (leo ört- 
lichen und zeitlichen Nebenumständen, völlig erdich- 
tet, als ihren Grundzügen nach, ja wohl auch im Ein- 
zelnen ans der Geschichte, Sage und Mythologie ent- 
lehnt werden. Was den sagenhaften und mythischen 
Stoff betrifft, so bat hier die Poesie des Volkes schon 
dem Dichter vorgearbeitet^ Der historische, Stoff läfst 
der Kunst noch mehr zu thun übrig. Denn nicht allein 
findet der Dichter mehr die Facta in der Geschichte ver- 
zeichnet» als die inneren Triebfedern, die aber in der dra- 
matischen Handlung dargeMellt werden «ollen, sondern 
es tritt ihm auch in jenen Factis nirgends ein vollkom- 
men gesetzmäfsiges, organisches Ganze entgegen* "^i^'' 
mehr ist ' hier noch vieles für menschliche Einsicht Zu- 
fidlige, der Idee Fremdartige, das im Kunstwerke keinen 



Das iSratna. 2SS 

Platz findet. Insofern nennt Aristoteles die Poesie pU- 
losopbiscber und bedeutungsvoller als die Geschichte. 
Der Diditer fafst nun eine individuelle Gestaltung aus 
der Oesehichte» rein ihrer Idee nach, ohbe die Trübung 
irdischer Zufälligkeiten auf| und läfst gleichsam diese 
Seele des Kunstwerkes sich ihren angemessenen Körper 
organisch bilden. Hiebei kann tvieder einzelnes Ge-^ 
scbichtiiche fast unverändert eine .Stelle finden, sofern 
nSmlich das historisch Gegebene mit dem ästhetisch Ge- 
forderten ivirklich fibereintrifft. - Je mehr der Dichter 
die Geschichte geistig zu durchdringen im Stande is^ 
desto mehr wird er sie auch bis zu einzelnen ZtigeH 
herab als Ausdruck der Idee erkennen und in seinem 
Werke zu nutzen wissen. So hat Vit et in seinen hi- 
storisch-dramatischen Scenen auf eine völlig neue Weise 
bistorische Treue mit dramatischer Vollendong vereinigt; 
Bei Manzoni ist ebenfalls, so ideal seine DraineYi ge- 
halten sind, die streng historische Wahrheit nicht zu ver* 
kennen. 
Jean Paul sagt Aber den Werth d«r Gescbielitarabel '(Vorschide 
der Aeath. II. S. 600.): „Ein bekannt biatoriacber Gharaktery 
a. B. Sokratea, Cäaar, tritt, wenn ihn der Dichter rnft, wie lein 
Ffirst ein, nnd aetzl aein Gognito voraaa; ein JName iat hier 
eine Menge Sitnationen. Hier cracbafT^ schon ein Mensch Be« 
geiatemng oder Erwartung/* 

§. 280. 
Eine wesentliche Eigenschaft des dramatischen Ge- 
dichtes ist die Einheit. Das Drama soll nämlich ein 
organisches Ganze von mannigfaltigen Theilen sein, vrel- 
<^he, für sich unselbständig, gegenseitig aber sich unent- 
behrlich und innigst mit einander verwachsen, in ihrer 
Oesammtheit einen harmonischen Totaleindruck auf das 
Gemülh hervorbringen. Wie überhaupt aber das We- 
sen des Drama's in ""der Handlung besteht, so ist jene 
geforderte Einheit näher als Einheit der Handlung 
lu begreifen, vermöge welchcir die verschiedenen gemein- 
sam und gegenseitig wirkenden Mächte als eine Kette 



fK34 Das Drama, 

iroQ Ur6{^cben und Wirkongen zulef^ auf Em Ziel hin- 
arbeiten. Hier ist nun verschiedeDea MiüsFerst^dDissen 
^Efi , begegpen« Schon Aristoteles weist die irrige Mei- 
nung ab, als sei die Einheit Aes Handlung 4ai[in gegrün- 
det» da& sie sich auf Eine Person beziehe (Poet. C..8.); 
auch mit der Einfachheit soll man $ie nicht Tcrvrechselo, 
vielmehr fordert er von der voUkommensfen Tragödie 
nicht eine einfache, sondern ^ine verwickelte* Falbel (Poet. 
c* 13.). -^ Rticksiehtlich der .Wirkung auf den Znscbaner 
laust sich die Einheit der Handlung als Einheit des In- 
teresse auffassen. -*- In der Einheit 'ist zugleich dieGanz- 
beit und Vollständigkeit der Handlung, begriffen. 
Es darf in dem stetigen Verlauf von Anfang Mittel und 
Ende kein Glied der Kette fehlen, wenn sie nicht soU 
zerreifeen ,und in mehrere zerfallen; kein mitwirkender 
Umstand darf verborgen bleiben, wenn dessen Wirkung 
nicht als unverstandene, kunstwidrige. Zufälligkeit erschei- 
nen soll. 

§. 281. 
Aufser der Einheit der Handlung sind auch die Ein- 
heit der Zeit und die Einheit des Ortes, vorzug- 
lich von französischen Kunstrichtern, als Gesetze der 
dramatischen Poesie aufgestellt wordeo. Allerdings w»* 
ren den Griechen und Römern, bei der Einrichtung ih- 
rer Bühne, und bei der beständigen Gegenwart des Chors 
auf derselben, jene beiden Theater -Einheiten natörlicb, 
ohne dafs jedoch ihre Dichter durch ängstliche und voll- 
kommen strenge Beobachtung derselben eine Absichtlich- 
keit verrathen hätten. Auch hei ihnen kann nur von 
einer scheinbaren Stätigkeit der Zeit die Rede sein. 
Üeberhaupt, da ja die Ereignisse auf der Bühne sieb 
drängen und in wenigen Stunden eine Begebenheit her- 
beiführen, wie niemals in der Wirklichkeit, so versteht 
es sich von selbst, dtfs die Zeit im Drama eine ideale 
Zeit sei. Desgleichen ist ja der Ort ein eingebildeter, 
lind der Zuschauer, der sich in Gedanken nach Rom 
, ' ver- 



Das Drama* 225 

versetzen liefs, wird ebensowohl dem Interesse der Hand« 
lung nach Karthago folgen. Daher legt auch Aristoteles 
durchaus keinen Nachdruck auf die Einheit der Zeit, 
and die Einheit des Orts erwähnt er gar nicht. Was 
nun die neuere Poesie betrifft, deren Charakter über- 
haupt eioe buntere Mannigfaltigkeit zuläfst, so ist ihr 
selbst durch die Einrichtung der Schaubühne , welche 
sich sogleich in die verschiedensten Localitäten umwan- 
delt« ^nd durch die Zwischenacte, welche das Zeitmaafs 
der dramatischen Handlung völlig unterbrechen und 
auflösen, viel freier mit Ort und Zeit zu schalten ver- 
stattet. 

P. Corneille Di$cour$ de$ troi$ Unite», m Bd. m. seines Thea- 
ters; fibers. in Lessing's Beitrügen znr Gesell, n. Anfn. des 

. Theaters, S. 545. — Erine$ Viiconti Dialogo »ulle unita 
dtammqtiche di tempo e di luogo; Milano 1819. 8. — Home'M 
Elementi, CL XXI IL — Lessing's Dramaturgie, Bd. I. S. 
361. — A. W. SchlegePs Vorles. fib. dram. Kanst. II. 1. S. 
102. „Hat nicbt unsere Seele ein ganz verschiedenes Zeitniaals 
f&r den Zustand der Unterbai tung und der Langenweile ?^* — ' 
Gdthe, Werke, Ausg. letzter Hand, Bd. XXXVllL 8. 273. 

§. 282. 
Das Gesetz der Theater- Einheiten steht in engem 
Zusainmenhange mit der irrigen Lehre von der Täu- 
schung. Nach dieser Lehre soll die dramatische Dar- 
stellung so sehr der Natur nahe kommen, dafs die Lei- 
stungen der Kunst vom Zuschauer mit der Wirklichkeit 
verM^echsdt werden könnten. Doch ist es nicht schwer 
einzusehn, dafs höchstens für den rohen, materiellen 
Genufs eines ungebildeten Liebhabers die vollkommene 
Naturgleichheit des Kunstwerkes anlockend sein könnte 
(wie denn nach des Zeuxis gemalten Trauben die Spa- 
zen flogen); -^ dafs aber ein edler gebildeter Geist im 
Kunstwerke nicht die ihm fremde und dunkle, ungeistige 
Natur wieder finden wolle, die ihn auch sonst umgiebt, 
sondern seine eigene verklärte Natur. Die wahre Illu- 
sion also ist diese, dab vnr in eine neue, in sich yolien* 



226 Das Drama. 

dete und abgeschlossene Koiistwelt verstitt werileD, wo 
Alles in sieb baroioiiisch ist, und wo wir, gleichsam be- 
zaubert, uns aas den wirklichen Umgebungen heraos Ter* 
setzt, und aus deren Fesseln zu einer erhöhten Existenz 
befreit ffihlen. 

S. Götbe Ueber Wahrheit and Wahnefaeiiilichkeit der Kmit- 
werke; in Bd. XXXVUL der Werke, A^sg. letxt H. S. 145- 
-' 154. - Vgl §. 9. 

§. 283, 

Es leuchtet ein, daüs ein Drama nicht das Werl 
einer erhitzten Phantasie sein könne, sondern dafs es ei- 
nen wohlüberdachten Plan, eine verständige Anordnung 
der Theile verlange. Die klarste Uebersicht, die bestän- 
dige Rücksicht auf das Ganze leitet den Dichter bei der 
poetischen Ausbildung eines jeden Momentes, der eben- 
sowohl die Frucht des Vorhergegangenen, als der Keim 
des Künftigen ist. Wie nun bei der Schöpfung eines 
organischen Ganzen der gestaltende Geist zugleich allent- 
halben in dem Werke allgegenwärtig sein mufs, um jeden 
einzelnen Theil, dem Ganzen gemäft, ausbilden zu kön- 
nen: so mufs auch der -dramatische Dichter seinem Plane 
Torahnend in Gedanken erst eine ideale Äusführuiig ge- 
geben haben, um nun, vollkommen einheimisch in dem- 
selben, jede Scene, jeden Gedanken, jedes Wort in der 
angemessenen Weise zu fixiren. Nur. so ist es möglich, 
dafs eine jede Stelle des Drama's, während sie das volle 
Interesse des gegenwärtigen Augenblickes ausfüllt, gleich- 
wohl nur als ein untergeordnetes Mittel. zu einem Ziele 
hinwirkt 

§. 284, 

Wesentliche Elemente des Drama's sind die Ver* 
wicjeelnng und die Auflösung. Die erstere ent- 
springt aus dem Ineinandergreifen der entgegengesetzten 
Interessen; die letztere besteht in der Aufhebung al- 
ler Hindernisse 9 oder in der völligen Entscheidiiog 
eines zuvor zweifelhaften Schicksals. Der Grad der Y)^- 



- Das Drama. 227 

widKcftihig ist nicht' Iq- allen DraniGn gleich' r in einigen 
ist sie vielfach and wird die vorzüglichste Triebfeder des 
ganzen Stückes, namentlkh in demjenigen unter den Lust- 
spielen, welche Intriguenstüeke genannt werden; in an^ 
deren hingegen, besonders iof Tfauerspiel, ist sie mei^ 
Btens einfacher^ uud beschäftig! nicht auf Kosten^ der 
Rührung den Verstand. Zuweilen soll jder Zusammen- 
hang mancher verwickelten Umstände ^ melir den handeln- 
den Personen »Is dem Zusctiauer räthselhaft sein*, md 
der Dichter kaön uns um das wissen, oder es uns ddch 
ahnen lassen, was einier oder der anderen Person des 
Stückes noch ein GeÜeimnifs ist. Hierauf beruht z. B. 
bei Sophokles eine bedeutende tragische Wirkung. ' 

Vergl. Dide^rot^B Abbandlang von der drämatis^i^ben Dibbtitanfitj 
S. 329 ff. i 

§. 285. 
Ueber die dramatischen Charaktere, wekbe 
derl>ichter entweder erfindet, oder als überlieferte künst«» 
leriscli zu verstehen und wiederzubelel)en' weifs, mtifs 
hier Einiges dem oben Bemerkten (§. 75.) hinzugefügt 
werden, vorzüglich um ihren Unterschied von den Cha- 
rakteren im Epos und im Roman näher zu 'beleuchten. 
Die epischen Charaktere stehen fest; sre sind ausgebil- 
det und vollendet, und bewähren sich nu^ immer ab- die- 
selben in einer Reihe von Prüfungen.' Im Roman wird 
der Charakter des Helden ans der Anlage herausgebil- 
det, die Situationen modificircn und gestalten ihn (s. 
§. 108. 109.). Die dramatischen Charaktere sind rötlig 
bestimmt nnd klar, aber sie zeigen nicht blos wie' die 
epischen ihre Yortrefflichkeit an einzelnen • Fällen , son- 
dern es geht in ihnen selbst etwas vor, wodurch sie dem 
Schicksale anheimfallen. Der Charakter wird nämlich 
duroh die Leidenschaft aufser sich gesetzt^ und leidet also, 
wenngleich er schon fertig gebildet war, dennoch eine 
Umänderung, wie sie dem Epos fremd ist. Es zeigt sich 
der früher schlummenide , in anderen Menschen nie er- 

15* 



228 Bas Dramn. 

wachende Zwiespalt der einzelnen Elemoite des CWak- 
ters» deren eines in der Leidenschaft ein Uebergevricht 
bekommen hat. Der dramatische Charakter mafs seine 
Unvollkommenbeity oder die allgemeine Unvollkommett- 
heit und Endlichkeit der menschlichen Natur zeigen, da- 
mit das Schicksal einen Punct an ihm finde» anzuknfipten; 
wogegen das epische YerhSngnifs auch dem yoUkolmD^ 
nen Charakter begegnen kann. — StQcke, in welchen 
blbs der Charakter geschildert wird, oder wo an- 
drerseits ohne Rücksicht auf den Charakter das Schick- 
sal willkfihrlicb über den Menschen verfügt, stehen an- 
erkannter Maafsen nicht auf der Höhe dramatischer Voll- 
endung: — Auch für das Lustspiel gilt, was wir so eben 
in näherer Beziehung auf. das Trauerspiel gesagt haben. 
Der Charakter enthüllt in dem Contraste mit anderen 
Charakteren, in den verschiedenen Situationen, über- 
haupt in der dramatischen Handlung, die Geheimnisse 
seiner menschlich unvollkommenen Natur, und bedingt 
biedurch das Schicksal, so geringfügig dieCs hier auch 
sein möge« 

§. 286. ^ 
Za den Anforderungen, die man an den dramatischen 
Dichter zu machen hat, gehört auch die Beobachtung des 
Ueblichen, oder des Costum. ZunSchst macht sich 
das Costum bei der Behandlung historischer Stoffe ent- 
schieden geltend. Es müssen der bestimmten Oertlich- 
keit und Zeit der Fabel nicht nur die äufserlichen Ne- 
bendinge, wie die Tracht u. dergl., angemessen sein, son- 
dern die ganzen Sitten, Gesinnungen, )a selbst die Cha- 
raktere der Personen durch die Bes<mderheit des Vol- 
kes und des Zeitalters, wohin sie gehören, modificirt er- 
sdieioen. Aber das Costum darf ebensowenig, als die 
Handlung selbst, durch gemeine Naturwahrheit tSuscben 
wollen; vielmehr moCs es der dichterischen Verklänmg 
des Gegenstandes entsprechend, von Zufälligkeit frei, und 
also ausdrucksvoller, künstlerisch wahrer, als das factisch 



Das Drama. 229 

überlieferte sein. ' Völlig fremdartiges darf der Dichter 
mildern and ans befreunden, faalbbarbarisclien Zeiten und 
Völkern darf er einen Grad von zarterer. Menschlichkeit 
ertheilen, der sie erst befähigt, Stoff eines dramatischen 
Kunstwerkes zu werden. — Was die rein erdichteten 
Stoffe anlangt, so ist auch diesen ein in sich übereinstim- 
mendes Costum, das ihnen zdtliche und örtliche Bestimmt- 
heit giebty unentbehrlich. 

§. 287. 
Der äuCseren Form nach theilen wir die dramafische 
Handlung in.Acte und Scenen oder in Aufzüge und 
Auftritte. Die Scenen wechseln nothwendig, jenack- 
dem der Fortschritt der Handlang das Auftretet^ dieser 
oder )ener Personen nöthig macht, jenachdem das mo^ 
mentane Interesse von diesen zu jenen . MitspieleDd^i 
fibergeht. Es lassen sich also über die Zahl und Länge 
der Auftritte keine allgemeinen Regeln feststellen. Was 
die Acte betrifft, die ursprünglich bei den Alten nicht als 
wirkliche, durch gänzlichen Stillstand der Handlung und 
Verhüllung der Bühne gesonderte Abtheilungen des Dra«^ 
ma's existirten, so mufsten sie zugleich mit der neuera 
Komödie der Griechen entstehen» wo der Chor binweg- 
blieb, der zuvor auf der Bühne stets verweilend die Un- 
terbrechungen der eigentlichen Handlung ansgeCQllt hatte. 
Horaz giebt die strenge Regel, ein jedes Drama solle nicht 
mehr und nicht weniger ab fünf Acte haben. Seine 
Erfinde ist er leider schuldig geblieben. Doch läf^ 
sich zu seinen Gunsten behaupten, dafs 'er blos von dev 
Tragödie rede. In den indischen Dramen steigt dife Zahl 
der Acte bis auf zehen. Bei uns pflegen der Aufzüge 
im Trauerspiele meistens fünf, in der ernsten Oper ge- 
wöhnlich drei zu sein; in dem Lustspiele, dem Sdiau* 
spiele und der^ komischen Oper sind ihrer willkührlich 
einer bis fünf. Nur gegen die Eintheilung in zwei Acte 
liefse sich einwenden, dab vermöge derselben die Hand- 
lang eben in der Bütte durchschnitten werde. 



aSQ Das Drama. 

Sorot de art€ poet. v, 1^.« 

Neve minor f neu iit guintQ produetior actu , 
Fäbula^ quae po$ci vult et spectata reponi, 
Ueber die' zahlreichen Acte der indischen Dramen nnd fit)er die 
Besonderheiten ihrer Scenen - Eintheilong s. H. H. WileroA'« 
TAetfier of ibe Hmdu'i, Calcutta 1827. 8. Vai, /.• p: 23 ff. 

- ' §• 2o8« • • 
• Dep'jNatien der Zwi«cbenacte ist, ddfs sie ideale 
Zeiträame bilden, in welchen das Unwichtige Vorgeht, 
das dargestellt langweilen ^(irde, gleichwohl aber zum 
Ganzea.nOthigiist.- SoUttiii die Personell za Anfang des 
neaen Actes gerade •{&> derselben Lage wieder auftreten, 
im welcher wir sie ani Schlüsse des vorigen -verliefsen, 
80 ktente die»UnterbrechciQgnur störend sein. Wenn 
mm schon ans diesem Grande die Acte sich von ein« 
anAer scipdern, so ist auch einem jeden von ihnen seine 
ergentbfimlicbe ^Bestimmung im • Drama zQge#ieseh. Im 
ersten AuEzage mdüs s^uvörderist »die Aufmerksamkeif des 
Zuschauers «sogleich, ehe ihm nqch ein Interesse- an der 
Handlung 'zagemntfaet werden kann, entschieden gefesselt 
werden.: Nichts -ist in der sogenannten Exposition, die, 
nach bestfaniniten Yorschriften' der französischen -Kunst- 
ricbter, den< Zuschauer init dem Inhalte* des ^Stlickc8, mit 
den Personen, die daran Theil nehnieny nnd mit den 
Mitteln, i^odurch die Handlung ausgeführt werden soll, 
bekataat macht, sorgfältiger zu vermeiden^ als handluogs- 
lose'BcscfafeU)ang und Erzählung; vielmehr ' mufs der 
Z^eck' iA6i Exposition innerhalb der Handlung selbst er« 
Feicht<werdiB6. ' 'Die Yerwickelung, welche^ schon im er- 
s^cir- Anfrage beginnt, wird in )edein der fd'gendeii Acte 
verstärkt, iiiäid^ 'bis za einem gewissen bedeutendeniPüncte 
hiQgofü)irt, itoi'sie eine nkie^ scheinbar nnauflöBlidiere 
Gestsdlung auninmot; bis dief hö&er nnd «höher gesteligerte 
Erwa'rtdiig am^SchlUsae des letzten Actes durch difsEnt- 
ntfidLclang vsöIligiibefHedigt wirdr -"^ 

l'u. » •. . w : ; . -. . §;. 2804 • ."••■" ■ • . " 

Bücksiehtlidi • der einzelnen i'Sceiien'iüder 'Aof^ 




Das Drama. 231 

tritte, die nicht als abgesonderte StCkke jedes Actef^ 
sondern als ineinandergreifende und zusanimenwirkende 
Theilö der Handlung anzusehen sind, werden abweichende 
Ansichten aufgestellt. Nach der engen französischen Theo- 
rie darf die Bühne am Schlüsse eines Auftrittes, der nicht 
zugleich den Aufzug schlie&t, niemals ganz leer werd^; 
die Scenen sollen' Sufs^rlich so eng mit einander verbim- 
den sein, dafs eine jede sieb als die unmittelbare Veran- 
lassimg der nSehstfolgenden zu erkennen gebe. Hinge- 
gen nach einer freieren und geistigeren Ansicht stehen 
die einzelnen Scenen nur in noch ionigerer Yerbindongf 
sie folgen einander genau so, wie der geforderte Eindruck 
auf das Gemüth, die Anschaulichkeit der in verschiede- 
nen Localitäten ungefiihr gleichzeitig fortschreitenden 
Handlung es erfordert. Demnach können wir an wah- 
rem Zusammenhange der Handluqg dadurch gewinnen, dals 
die Bühne, mitten im Acte, zwischen den Scenen, nicht 
allein leer wird, sondern auch durch Wechsel der De- 
coration uns an den Ort versetzt, wo jetzt eben das In- 
teresse der Handlung verweilt. 

§. 290. 
Die Form, in welcher die dramatische Hiuadlong fast 
ansschliefslich erscheint, ist der Dialog, von w^hem 
oben (§. 269 bis §. 276.) ausführlich gehandelt wor- 
den. Es leuchtet ein, dafs die Art der Rede durch die 
besondere Gattung des Drama's^ und innerhalb derselben 
wiederum durch Charakter, Stand, Alter, Situation u. s» w. 
der redenden Personen näher bestimmt wird. VomMo^ 
nolpg ist oben gleichfalls schon das Möthige erinnert» 
Er ist, wie Diderot mehr geistreich als richtig bemerkt, 
für die Handlung ein Augenblick der Ridie, und- für die 
redende Person ein Augenblick der Unruhe. 
S. Diderot*8 Abb. ▼. A..draiDat. Poesie, S. 40d. 

§. 291. 
In der neiiem Zeit haben sich mehr und mehr die 
fiegnffo dramatisch und theatralisch von einander 



ms Das Drama. 

gesondert. Wie man an bedeatnngsloser^i Poesieen, die 
allen scenischen Nebenkfinsten zu glänzen Gelegenheit 
geben, so oft sie geschickt ausgestattet auf der Bfihae 
erschienen, sind» Wohlgefallen gefunden hat: so siod an- 
dererseits von den gröfsten Dichtem dramatische Werke 
erschaffen vrorden, die bei dem tiefBten poetischen Ge- 
halte ausdrücklich 'nicht für die Bühne bestimmt ^a- 
ren. Da in diesen Werken die dramatische Handlang 
nicht sinnlich erscheinen, sondern Hur ab wirklich er- 
scheinend im Geiste vorgestellt sein will, so modifici- 
ren sich für dieselben s die sonstigen dramatischen Ge- 
setze, welche blos was wirklich zu schauen und zu h6- 
ren möglieh und wohlgefällig ist, billigerweise zolassea 
Mail wird aber behaupten können, dafs das als Drama 
vollkommenste Gedicht zugleich theatralisch sein 
werde, wenngleich es, wie schon Aristoteles sagt .(Poet 
c, 6. tt. c 14.)> auch ohne Aufführung eine Wirkung er- 
reichen wird. 

§. 292. 
An die dramatische Poesie schliefst sich inni^l, 
gleichsam als ihre irdische, leibliche Hälfte, die Schaa- 
spielkunst an, welche ursprünglich die gröfsten Kunst* 
1er in ihrer eignen Person mit der Poesie zu vereinigen 
nicht verschmähten. Auch bei uns darf der Bühnendich- 
ter der Schauspielkunst nicht völlig fremd sein, wie ihm 
denn der wirkliche Klang der Rede, und die Panto- 
mime, welche Gebehrden, Stellung und Bewegung za 
dem Worte hinzufügt, auf das Deutlichste vorschweben 
müssen. Ausdrückliche Andeutungen aber hierüber dem 
Schauspieler zu geben, wird er um so eher unterlassen 
können, je klarer seine Intentionen aus der Dichtung 
selbst hervorleuchten. — Auf die Regeln der Schauspiel- 
kunst selbst einzugehn, liegt nicht in der Bestimmung 
der gegenwärtigen Theorie, Natürliche Anlage der 
Körperbilduog, der Stimme und der geistigen Fähigkei- 
ten, Ausbildung derselben durch Uebung und Umgang, 



Staa Trauerspiel Stas 

richtige Dedams^tion, leichtes und tnatmigfahigea Gebebty 
denspiel, vorzüglich aber eine lebhafte Empfänglichkeit 
der Seele für die Eindrücke der Phantasie und Empfia- 
dang, verbanden mit der ^Gabe, diese Eindrücke gleidi 
lebhaft wiederzugeben, ein leichtes und treues Gedächl- 
nife, und beständige Geistesgegenwart, diefs sind die 
UDentbebrIichsten Eigenschaften eines tüchtigen Schau- 
spielers. : ' 

S. aber die Begela der Schanspielkanst, aober den oben, 
§. 209 a. 210., «ngeHihrten Lehrgedichten Yon Riccoboni, 
Dorat und Hill: Le CameOen^ par Rem4ind 4t Sie AI' 
bine; Par. 1747. 8.; fibers. von Bertocfh, Altenb. 1772. 8.; 
im Aaszage in Leasing*« theatral. Bibliothek, L 209. — 06- 
$ervatian$ aicr VJrt du Comedien, par d'Hannetaire, Par. 
1774. 8. -- Iffland's Theorie der Schaaspielk.; Berl 1815. 2 
Bde. 12. — Engel'a Ideen zu einer Mimik; Berlin 1785-86. 
2 Bde. 8. — Viele Stellen inLeading's Dran^ajtsrgie, in Wil- 
helm Meisters Lehrjahren von Gdthe; ferner Gdthe's 
Regeln för Schanspieler, in 91 Paragraphen abge&lst, in Bd. IV. 
der nachgelassenen Werke, S. 296—326.; mehrere Abschnitte 
in Seide 1*8 Charinomos, n. a. m. 



Das Trauerfiipiel« 

§. 293. 

Das Trauerspiel oder die Tragödie ist die 
dramatische Darstellung einer I^edeutenden Handlung, 
w^che eine ernste Anschauung des menschlichen Lebens 
gewährt. Sie hat den Untergang der einzelnen schönen 
Erscheinung in einer hohem Weltordnung zum Inhalte. 
In der Tragödie nämlich, als der Weltgeschichte im Klei- 
nen, erscheint das von Gott geordnete allgemeine mensch- 
liche Geschick als das Wesentliche, welches dadurch 
eben ewig besteht, dafs die schöne Wirklichkeit' als ein- 
zelne wieder verschwindet. Fragt man nach äufs^ren 
Merkn>alen, so ist es weniger der unglückliche Ausgang 
der Handlang, als deren ftohe Wichtigkeit, die Würde 



2M Baa Tranarspi^L 



Personen, ^eGfdftederLei^feiiBcbaften, dieBedea- 
tong der Katattrophe, wodorck sieb die Tragödie tob 
der Komödie ontersefaeidet. 

Die Arittoteliidie DefiiiftioQ der Trag5die (Poet, c 6.) lautet 
wSrÜieii folgendermaafiMii:! «^Dle Tragödie ist die Dantellmig 
öner bedenteadeii, ia sidi abgegchlÖBseneii Handlung, Ton einem 
gewiaaen Unfaoge« in einer Sprache,, der gewiaae Reize Tertiefaen 
sind, und zwar beaondere för jede der Kanatformen in den einzelnen 
Theilen, — von handelnden Personen anageföhrt, und nicbt dardi 
Erzlhlang, tielmehr dareh Mitleid 'und' Furcht die Reinigung sol- 
c]ier€einftdi8^Airectionen Ybllbringend/^ Was Aristoteles unter 
den bnonderen Reizen ▼erstehe, erUirt er so^lch selbst. Es 
hat-nlinlich'nach der Einriehtang der griecbischen Tragödie in 
einem einselo)en Bestandlheile dertelben, z. B. dem-Chor, £e 
besondere Konstibmi, .nSmlich die lyrische, den besonderen Ren 
der mit der metrischen Rede verbundenen Melodie. — Vergl 
Göthe's Nachlese zn Aristoteles Poetik; nachgelass. Werket 
Bd. VL S. IIB.; woireiMefa an zwei entscheidenden Poncteii der 
Sinn des Aristetele« angenscfaeinlich verfehlt wird. S.Daa. 
Hein$ii de iragoediae i^otuiiiuHone Liber; L. B, 1611. 8. - 
Ramler's Battens, Bd. R. 8. 262. — Martnontel, Poet Fr. 
T. //.' Ch, XU, -- HomB*g Ekment$ 6/ CriHckm. Ch. XXll 

— Abb. vom Tranerspiele, in der Biblioth. der ach. Wiss. 
Bd. I. S. 17. — Di$8ertation$ $ur la Tragödie ancietme ei mo- 
derne; Par. 1767. 12.— Dr, Blair' $ Lecture$, XLV.XLVL 

— Herder'a Adrastea, St IX. X. — A. W. SchlegePs 
Vorlesungen über dramatische Kunst nnd Litteratnr. Recensioa 
dieser Vorlesungen , von S o 1 g e r , im 2ten Bande seiner 
Nachgelassenen Schriften; femer Solger's Voriesungen, S.309. 
Weifse'ü, A^tb. Bd. U. S. 318. Schiller Ueber die tragi- 
sche Kunst; über das Patbetische ;' Werke , Stuttgart 1820. 12. 

Bd. x:vii. 

§t 294. 
Das Trauerspiel hat eioe gewisse Verwandtschaft 
mit der Epopöe. Beide haben grofse and wichtige Er- 
eignisse zum Gegenstande. Aber abgesehen von dem 
UnierBchiede der erzählenden und der dramatischen Form, 
amfa&t ;da^ epische Gedidht in seinem ilinger^i Verlaufe 
einen ausgehreiteteren Stoff, es zieigt den Helden in man- 
»igfaltigcn Verhältnissen, die ihm ziu: Erweisung seines 



I 

Das Traiuerspicd. 988 

Hbroismus AidaCs gebet). Der Stoff lies {Trauerspiels < iU 
hiogegeir auf eine «in ' sich abgerundete HandloBg be- 
schränkt. . Hier ist itiebr innere, im. Epos mehr Safeere 
Thätigkeitk' «Hier herrscht das -5l;hioksal) das an dea 
meDschlichen Fehlern anknüpft; im Epos das-Vi^rhäng^ 
Difs, das auch den Vollkommenen treffen kann. 

S. Ari$tot. PoH e. 5. 24. — YergL O. Hermanni Comment. 
de iragica et epica Poe'iif hei s. Ausg. der Aristqt. Poetik; 
Leipz; 11302. 8. ^^' Home 's Gronds. am aögeC 0^. — Her- 
d^f's* Adrastea^ St. £S und X. — Jean PaarsVorschale der 
Aeslh. Bd. IL i 63. 

'. ' • " ' •'. • §.• 295. • ■ 

Unter den sechs Best^ndtheilen, welche Ari- 
stoteles 2um Wtesen des Trauerspiels rechnet". Fabel^ 
Charaktere, Gedanken, Ausdruck, Musik und* Decoration^ 
fällt die Musik bei uns gänzlich hinweg, und die Deco- 
rationist Ton gmnger Wichtigkeit, wie denn auch schon 
Aristoteles vor UeberschSti^ung derselben warnt; das 
Mdste abbr beruht unstreitig auf der Fabel oder Hand- 
long, welche die Seele des Trauerspiels, und überhaupt 
jedes dramatischen Gedichtes ist ; daher von deren Wähl 
^d Allsführung vornehmlich die Wirkung des Stückes 
abhängt, und ihr selbst die Charaktere der -handelnden 
Personen ^untergeordnet siüd. 

Arit^ot} Poet. e. 6. „Die Seele der TragQdte ist die Fabel, sie 
ist das! Erste, d^as^ Zweite evit aini die Cboraktere/*- Und -eben- 
daseibat: „Dorcli die AJksotaUupg« für das Auge werden die Gep 
mütberzwar angezogen, allein es ist das Unkünstlerischste find 
der Poesie Fremdeste. — . Dabei gilt die Knnst des Handwerkers 
mehr als die des Dichters.'' Desgl. Poet, c 14. , 

§. 296. ' ' 

An sich steht zwar deih tragischen Dichter, wie dem 
Schauspieldichter- überhaupt, die. Wahl der Fabel aus 
^m Gebiete d^a« Währen oder des Erdiditeten völlig 
i^ei. Esrist jedodi.für ihn mehr noch als ffir den Ko^ 
»liker idtei Wahl des » Stoffes aus der wirklichen Gc»- 
8duchtQ..ia mancher Hüiisicht vor Iheilhaft, sowohl we^ea 



/ 



aSQ Das Dtaraa. 

Neve minor j, neu $%t guintQ produetior actu 
Fabula^ quae po»ci vult et spectata reponi, 
Ueber die' zahlreichen Acte der indischen Dramen nnd flW die 
Besonderheiteti ihrer Scenen " Eintheilang s. H. H. WikonU 
TAetffer of ihe Hindu* iy CaUnüta 1827. 8. Fol. /.• p; 23 ff. 

DepjNuUän der Zwi«cbenacte ist, d^fs sie ideale 
Zeiträume bilden, in welchen das Unwichtige vorgeht, 
das dargestellt langweilen ^firde, gleichwohl aber zum 
Ganzea^nOthig^ist.- SoUtäii die Personell -zu Anfang des 
neuen Actes gerade -ia* derselben Lage wieder auftreten, 
in welcher wir sie am Schlüsse des vorigen verliefsen, 
80 kdnnte die>Unt^brechoagnur störend sein. Wenn 
mm schon aus diesem Grunde die Acte sich von ein- 
ander sondern, -so ist auch einem jeden von ihnen seine 
eigentbfimlicbe Bestimmung im • Drama zugewiesen. Im 
ersten Aufzuge mufi zuvörderst «die Aufmerksamkeit des 
Zuschauers sogleich, ehe ihm nqch ein Interesse* an der 
Handlung 'zugemutfaet werden kann, entschieden gefesselt 
werden; . Nichts'ist'in der sogenannten Exposition, die, 
nach bestimiUften Vorschriften der französischen Kunst- 
richter, den* Zuschauer mit dem Inhalte des Stockes, mit 
den Personen, die daran Tbeil neb'meny nnd mit den 
Mitteln ^.i^odurch die Handlung ausgeführt werden soll, 
bekatant macht, sorgfältiger zu vermeiden, als bandlungs* 
lose'Bcscfaj'eU)ung und Erzählung; vielmehr 'mufs der 
Zweck' xläf Exposition innerhalb der Handlung selbst er- 
reicht < werdet. ' »Die Yerwickelung, welche« schon im er- 
s^cir Aufzuge beginnt, 'wird in jedem der folgenden Acte 
verstärkt, iiiäid> 'bis zu einem gewissen bedeutenden' Puncte 
hiQgofü)irt, ^oisie eine nkie> scheinbar nnauflitelidiere 
Gesitahung annimmt^ bis dief höier nnd «höher gesteigerte 
Erwartiibg am* Schlüsse des letzten Actes durch d^eEnt- 
ntfidLcIuDg viöUigi «befriedigt wirdr 

Bücksiehtlidi • der • einzelnen > \&ce n e n ^^ üder Auf- 



Das Drama. 231 

tritte/ die nicht als abgesonderte StiSeke jedes Acleft^ 
sondern ab ineinandergreifende und zusammenwirkende 
Theite der Handlung anzusehen sind, werden abweichende 
Ansichten aufgestellt. Nach der engen französischen Theo- 
rie darf die Bfifane am Schlüsse eines Auftrittes, der nicht 
zugleich den Aufzug schlie&t, niemals ganz leer werdai; 
die Scenen sollen' Sufs^rlich so eng mit einander verbmi' 
den sein, dafs eine jede sieb als die unmittelbare Yeran- 
lasscoig der nSchstfoIgenden zu erkennen gebe. Hinge- 
gen nach einer freieren und geistigeren Ansicht stehen 
die einzelnen Scenen nur in noch innigerer YerbinduBg-; 
sie folgen einander genau so, wie der geforderte Eindrück 
auf das G^müth, die Anschaulichkeit der in verschiede- 
nen Localitäten ungeföhr gleichzeitig fortschreitenden 
Handlung es erfordert. Demnach können wir an wah- 
rem Zusammenhange der Handluqg dadurch gewinnen, dafs 
die Bühne, mitten im Acte, zwischen den Scenen, nicht 
allein leer wird, sondern auch durch Wechsel der De^ 
coration uns an den Ort versetzt, wo jetzt eben das In- 
teresse der Handlung verweilt. 

§. 290. 
Die Form, in welcher die dramatische Handlung fast 
anssehliefslich erscheint, ist der Dialog, von w^hem 
oben (§. 269 bis §. 276.) ausführlich gehandelt wor- 
den. Es leuchtet ein, dafs die Art der Rede durch di^ 
besondere Gattung des Drama's, und innerhalb derselben 
wiederum durch Charakter, Stand, Alter, Situation u. s. w. 
der redenden Personen näher bestimmt wird. Vom Mo^ 
nolog ist oben gleichfalls schon das Möthige erinnert 
Er ist, wie Diderot mehr geistreich als richtig bsemerkt, 
für die Hanijlunf ein Augenblick der Ridie, und ftir die 
redende Person ein Augenblick der Unruhe. 

S. Diderot*« Abb. ▼. ^..draiiuit. Poesie, S. 40d. 

§. 291. 
In der neiiem Zeit haben sich mehr und mehr die 
fiei^ffc dramatisch und theatralisch von einander 



Jhis Traaetspiell 

wirkt nicht desf^KCgen alldin tKtlicb^ Hfr^flfMe'^areh sht- 
licbe Mitiri engfttzt, sondern aach* deswegen, wdl das 
Vergnügen selbst, das die Kunst gewährt, ein Mittd ixa 
Skllichkeit wird» Auf gleiche Weise sah anch Aristote- 
les die Tragödie an,' wenn er sagte, da& durch sie Mit- 
Icttd md Furcht: und solche GemOlhs-AfCictipBen gerei- 
nigt und; veredelt werden. Es. wird ihnen gleichsam 
durah' die starke aber, bannonische ELrsdiütteriiDg die 
rechte StininraBg wieder gegeben, die sie itfi gemeinen 
Leben verlieren. 

Si" Arditot. Poet. c. 6. and e. 14.-* Lessing's Hiunb. Dn- 
. mutargie« Tb. II. S. 199. W7. *-• Schiller, die Scbaabfiboe 
als eine moralisch« Anstalt betrachtet; Werke, Stattgart 1819. 
12. Bd. XL S. 29. V^rgl. Bd. XVH. S.312. -^ Moor*t Euatf 
on theEnd offragedy; Glatgow 1764. 8. — Schlegel, Vori. 
L S. 113.: „Wenn der tragiache Zweck einmal als eine Lebre 
vorgesteQe werden soll, so sei es* diese: dafs, nm die An- 
sprüche des Gemüthes:a.al^ die innere GöUlichJceit m 
behaupten, das irdische Dasein für nichts za achteo 
sei." Vgl. C. F. Stäudlin Cescbichte der Vorstellangen tob 
der Sittlichkeit des Schaaspiels; Götting. 1823. 8; 

§. 3oa 

Es drfingt sich. die Frage auf,' wie es komme, dafs 
im Traudrspiele durch das zunächst .seh m erzliche Ge- 
fühl gleichwühl ib der Seele: des Zuschauers eine Be- 
friedigung, ein Vergnügen erregt werde. Zuvör- 
derst ist es unleugbar, dafs der Affect überhaupt, und 
vorzüglich der erschütterndste,' zugleich etwas Wohl- 
thueodes enthält, indem er ein' erhöhtes Leben ia ^^ 
erregt, unser beschränktes Dasein erweiterte» Doch dies 
ist nichtf genng. Man hat nfther auf das -Wesen der 
Tragödie «inzugehen, in welcher uns die freiooden Ge- 
fahren Und- Leiden /ergötzen sollen. )lfan wird aber ^^ 
der geneigt sein, mit Lucrez einen Genufs in^ der selbst- 
süditigen Vergleicbttttg der eigenen SicfaerUeit mit der 
fremden.. Gefahr za finden,, noch:, sich mit der BetracS" 
tnng des Mitleids als einer gemischten Empfindung be- , 



Das Tr^ueföpie}; 

* 

^figeo, in ^ekb^' das WeblwoHeii nni dteUube yxah 
herrschen. 'Zu der Wonne des iklitleids. hätte man ja au^ 
User dem Theater, in der Wirklichkeit leider' Anlafe ge» 
nug. Weit richtiger betraefatet man als Gnind der Ben 
friedigangy wekhe uns die Tragödie 'gevrährt,.„da8^:.Ge!r 
fühl der Würde der menscblichen Statur , dnxcb gro{$6 
Vorbilder geweckt, odeiCL die Spur einer hohem Ordnung 
der Dinge y dem scheinbar nnreg^mäfsigen Gange der 
Begebenheiten eingedrtickt und geheimnifsvoll darin of- 
fenbart; oder Beides zusammen^*' Philosophisch tiefer 
ist diefs also ausgesprochen worden: „Der Untergang der 
Idee als Existenz ist ihre Offenbarung als Ide^. — Da& 
Opfer ; welches gebracht wird, ist selbst die Gegenwart 
des Ewigen." 

Aristoteles sagt (Poet. c. 14.): »Die Tragödie soll vermittelst 
Furcht und Mitleid Vergnügen (^Sovti») erwecken.". (Vergl, 
Rhetor. I. IT. 12. xal iv volq nh&tm xai ^Qtivoiq fyytyrercU rlq 
^öovfi,) Vergl. du Bo8 Beßexiom eic. T. L Seci., h 2. -^ 
Fonte'nelle Reflexioni sur la Poetiqm^ Sect» 36* — ^ Da«, 
Hume*8 E$8ay on Tragedy, — Rgme^t (Lord Kaimes) 
PrincipleS' of Morality^ Essay L — Mendelssohn's Pbilos. 
Sehn Th. I. S. 133. Th. n. S. ll — Hurd's Coramentar üb. 
Horazens Episteln,' Bd. L'dcr Uehers. S. 105 ff. utid die 
Anmerkung, ebend. S. 387 ff. — CamphelVs Philosaphy of 
Rhetoric, . Vol. /•. CA. XI y wo die versehiedeneQ Bjpothesen 
neben einander gestellt und geprüft werden. — Dr. Blair*M 
Lecture XLV,; Vol. ^ IL ed, in ito, p. 494.««. — Schlegei*s 
Vorles. I. S. 109 ff. - Sotger's Vcirlcs. S. 311. — Schu- 
le t Ceber den Grund des Vergnügens äh tragischen Gegenstän- 
den; in Bd. XVII der Werke. Stnttg. 1820. 12. 

§. 301: 

Derjenige Zeitpanct, welcher in den Schicksalen der 
Hauptpersonen eine entscheidende Veränderung hervor- 
briiogt, hoifst die Katastrophe des Trauerspiels; und 
die Veränderung selbst, die Peripetie. Diese letztere 
ist der Uebergang aus glücklichen Lagen m unglUckli-. 
che, oder umgekehrt. Sie darf nie äufserlicb, )etwa dwch 
ein Wunder,, welches, dem Epos erlaubt ist, bevt^irkt wer- 



240 Das Trauerspiel. 

4eB. Oft ist es ErkenDong, wodurch die Katastrophe 
eintritt; und auch von dieser giebt es mehrerlei Arten, 
die einen Tersclnedenen Grad yon tragischem Interesse 
besitxen. * Am vollkommensten ist die Erkennang durch 
die Entwickelong der Handlung selbst, wie im Oedipos 
des Sophokles, wo die Erkennung mit der Peripetie xa- 
sannnenfaUt. 

8. ÄriitoU PoH. e. 11. und Iß. 

' §. 302. 

Sprache und Ausdruck des Trauerspieles sind 
der Würde der handelnden Personen, aber auch ihren 
liewegt^n Gemüthszuständen gemäfs. Kie darf die Würde 
des Ausdruckes in hohle Declamation ausarten, ^ie diefs 
▼ermOge einer misverstandenen Decejiz in den classi- 
sehen TragOdieen der Franzosen gemeinlich der Fall ist 
Das wahre Pathos verlangt den Ausdruck des vollen 
Leideos der menschlichen N^tur, wodurch erst die Gröfse 
des moralischen Widerstandes einen einleuchtenden Wertl 
erhält. Wo das natürliche Leiden gar nicht erscheint, 
ist die geistige Fassung vom StumpCsinne nicht zu unter« 
scheiden. — Was die äufsere Form der tragischen Spra- 
che betrifft, so ist wenigstens für das heroische Traaer- 
spiel die metrische Einkleidung durchaus die schicklich- 
ste, wenn sich auch für das sogenannte bürgerliche eher 
die prosaische Sprache eignen dürfte. Als Versfnb 
empfiehlt sich vorzüglich, wie schon oben §• 275. be- 
merkt, der lambus. 

Vergl. Schiller Uebcr das PaUieÜsche, Bd. ^VII. S. 264. der 
Werke; Stntlg. 1820. 12. 

§. 303. 
Indem wir nun zur Litteratur der Tragödie überg^ 
hen, bemerken wir, dafs in der dramatischen, als i^J 
höchsten Kunstform, Vs sich^am deutlichsten zeige, ^>^ 
wenig die Eintheilung in streng geschiedene Arten oder 
Classen, die für die Litteraturen alier Völker gleichioS' 

6i{ 



Das Trauerspiel. 241 

fsig gelten soUeii, voUkommen gentif^en könne, und dafs 
hier vielmehr eine £nt Wickelung durch Zeitalter^ and 
Völker hindurch nicht zu verkennen sei. So ist denn 
die gegenseitige Stellung der Tragödie und der Komödie 
im classi^chen Alterthum eine ganz andere, als in der 
modernen Welt, wo auch üoch verschiedene Arten des 
in der Mitte stehenden Schauspiels, mit bald überwie- 
genden ernsten, bald komischen Elementen, hinzukom- 
men. Im Orient aber befindet sich das Drama in einem 
Zustände von Neutralität und Unentschiedenheit, weshalb 
es sich ebenfalls der strengen Classification in Tragödie 
und Komödie nicht fügen kann. Wenn wir nun gleich- 
wohl der übersichtlichen Eintheilung getreu in der fol- 
genden Aufzählung die modernen Schauspiele zum Theile 
dem tragischen, zum gröfseren Theile aber dem komi- 
schen Drama, je nach der nähern Verwandtschaft, zu- 
zählen werden, so wollen wir auch die Litteratur der 
chinesischen und indischen Dramen vollständig für das 
Lustspiel, versparen, und sogleich zu' den Ursprüngen 
der Tragödie bei den- Griechen übergehen, bei wel- 
chen allein sie völlig naturgemäfs sich ohne fremdartige 
Einflüsse entwickelt hat. 

§. 304. 
Das griechische Drama entwickelte sich aus den 
dithyrambischen Chören, welche die Feste des Dionysos 
verherrlichten. In ihnen war schon das mimische und 
orchestische Element vorhanden. Aus ihrem lyrischen 
Gesänge aber, welcher selbst Mythen zum Inhalt hatte, 
sonderte sich die reine Erzählung aus. Diese wurde 
einem Einzelnen in den Mund gelegt, aus dessen- Ver- 
hältnifs zum Chor sich schon eine, Art Dialog entspinnen 
mufste, zumal als der Vortragende die Personen, deren 
Handlung er vergegenwärtigen sollte, selbst darzustellen 
begann, und nun mit Costümen und Masken in einer 
Reihenfolge von Scenen wechselte. Sobald sich aber 
zu ihm noch ein zweiter Schauspieler^geselltey'^war auch 

Eschenb. Th. 16 



8A2 Das Trauerspid. 

der wahre Dialog und mit |bm die eigentlich dramatisdie 
Handlang gejgeben. Dem Thcspis wird die AnfsteUung 
des ersten Schanspielers zogescbrieben, welchem alsbald 
Phrynichus individuelle Costüme und Cbaraktermat- 
ken für die einxelnenScenen ertheilte, Aeacbylus aber 
den zweiten MitapielM- hinzafQgte und so das eigentliche 
Drama crsdiuf. Der Dialog, al« ursprünglich zwischen 
die Chöre eingesdiobener Zwischengesang , behielt den 
Namen Episode (inuaoSwif). Der Chor aber Dahm 
nun die Bestimmnng an, das auf das SchidLsaLünd die 
handelnden Personen theilnehmend hinschauende, mhig 
▼ermittelnde Volk würdig zu repräsentiren^ wobei er, 
allmShlig sein Wesen yerändernd, von der Tbeilnabme 
an der Handlang mehr und mehr sich absonderte. 

& Vo»»4i imHtuii, poet, p, 48. — Beeherchn Mur tOrigine el 
U Frogrh ii .la IVagidie^ par Vatry; in den M^m. de VActi 
de* Ifucr. T. XXIIL XXX. — Diuertation gur la Tr4tgeiie 
aneienne et moderne; Par, 1767. 12. — Hard's Commentar, 
Bd. L der Ueberaetzang S. 190. 399. — Home*B Element* of 
CrUieUmt Vol IL p. 406. — Marmontel, Poit, Fr.^T. II 
p. 204. — Dr. Blair' § Lecture XLV. p. 482 m. Vol. II 

* mT tJi 4. — llanflo in den Nachtr. in Snlier, Bd. Ü, S. 22a 
— Schlegers Vorles. 3. ond 4. — Vergl. Guil. Schneider 
de originib. tragoed. Qraeeae; Vratisl. 1817. 8. C. G. fianpt 
Yonchnle rom Stadium der griechischen Tragiker; BerL 1826. 
8. IL F. W. Hinrichs das Wesen der antiken Tragödie; 
Halle 1827. 8. O^ A. Sekoell de' angine Graeei drßmatu 
Pari L; Tubing. 1828. 8. O. F. Grnppe Entwickelong der 
Tragödie Ton ihren Anfängen bis auf ^eschylns ; in dessen Ari- 
adne, BerL 1834. 8. S. 119 ff. — Ueber den Chor: Heeren 
IKff. de chori tragiei Oraeewrum, natura et indole; Oöttingen 

' 1785.4., ond Ilgen: Ckorue Cfraecerum quaii$ fueritf et guare 

Uiue- eiui hodie reuocari nequeai; in seinen Opuec. var, plM^t 

. Erf, 1797. 8. im ersten Bande; anch Sfivern: Ueber Schil- 

ler's Wallenstein in Hinsicht auf Griecii. Tragödie; Berl. 1800. 

8. S. 36 ff. und S. 212 ff. YergL Horat. an poet, v. 193fi. 

§. 305. 
Die drei grofsen Tragiker Griechenlands sind Ae- 
üchjlujs, Sophokles und Euripides. In dengroi^ 



Bas Trauerspiel. 2tö 

artig ernsten Tragödien desAescbjlus hen seht das 
strenge, gewaltige Schicksal, welches sich vorzüglich als 
die Schuld des Menschen zeigt! die mit ihin geboren und 
von der Bethätigung seines eigenen Daseins unzertrenn- 
lich, gleichwohl unerbittlich gerächt wird. In den har- 
monisch vollendeten Werken des Sophokles sehen 
\?ir die Charaktere sich entwickeln, und aas eigener Frei- 
heit, das Schicksal fliehend, in dessen Netze eilen. Es 
liegt eine erschütternde Ironie darin, dafs der Zuschauer, 
auf den hohen Standpunct des Schicksals selbst gestdlt; 
deutlich und klar einsieht, wie der Held verbleüdet in 
Seht menschlicher Weise sich durch eigene Thätigkeit 
nur tiefer und tiefer verstrickt. Euripides, als Met* 
6ter in Darstellung des Affectes der tragischste unter 
den Tragikern genannt, durch einzelne Gedanken glän- 
zend, überschreitet schon das acht antike Ideal und ent- 
hält fruchtbare Keime zur modernen Kunsfgestaltung. 
Wie denn auch bei ihm schon der Ton des neuem 
Schauspiels durch muntere, oft alltägliche Figuren, und 
z* B. in der Alceste durob ein fröhliches Ende sich an- 
kündigt. Nach der Ansicht, däCs überhaupt in der tra- 
gischen Darstellung entweder das Schicksal oder der 
Charakter, oder die Leidenschaft vorherrsche,, wird man 
diesen drei Richtungen Aeschjlus, Sophokles und Euripi- 
des entsprechend finden. 

Poeiae sceniei graeei^-td. Guil, Dindorf; Zdps, eifjond, 1830. 
gr. 8. — Aetchy^li Trttgaediae VIL ed, Stanley; Lond, 1663. 
fol,; ed. L C, de Pauw; Hag. Com, 1745. 2 Voll, 4.maj, — 
Glasg. 1746. 2 Voll 8. — ed. C. ©. Schütx; Hai 1809-11. 
3 Kw. 8. 3te Auag. — ed. F. H. Bothe; Lipt. 1805. 8. — 
ctf. Sam. Butler; Cambr, 1809. 8 Voll. 8. Danach von Wel- 
liaef. _ Aeschjlos fibers. von H. Vofs, Eeidelb. 7»S26. 8.; 
Ton J. G. Droysen, Berl. 1832. 2 Bde. 8. Yergl. Wilder 
Die Aescbylische Trilogie Prometbecis n. s. w.; Darmst. 1824. 
8. und Nachtrag, Frankf 1826. 8. Klausen TJieologumena 

Atithyli; Beroh 1829. 8. Sophoclis Tragoediae VII, 

«X ed. Tho. Johnson; London 1746. BVoll 8 maj\ — ed. 
Brunehii; Argentor. 1786. 4 VoU. 8. — ed. Erfurdt; lApi. 

16» 



244 Bas Trauerspiel. 

180i-^. 7 VoU. gr. 8. und wiederliolte Aoigaben, besorgt von 
Hermann. — ed, Botke; Lip$l 1806. // Voll. 8. Von den 
Ausg. einzelner Sificke zb bemerken : Aiax. c. C A. Lobeci, Ei. 
IL Ups. lS3b. 8.— Sophokles übers, von Cbr. GratmSto]- 
berg, Lpz. 1785. 2 Bde. 8.; von Solger, BerL 1808. 2teÄQfl. 
1824. 2Bde. 8.;yonGriepenkerl, Tb. 1. Berl 1835. 8-£tfn 
piii$ Trago€diae XX. ex ed. Job, Barne$ii, Canfak. 1694. 
foL ^ MuMgravii, Oxon. 1778. 4 Voll. 4. — Ans beiden 
Ausgaben von Morus nnd Beck; Leipz. 1778—88. 3 Voll. 4. 
^ ed. R. Porton; Idps. 1807. 2 VoU. gr. ß. — ei. Äug. 
Mattkiae; Ups. 1813 ss. 10 Bde. 8. ed. Bothe; Upt. 1825.' 
2 Voü. 8. Earipides fibers. von F. IL 3otbe; Berl. 1800-3. 
6 Bde. 8. — Yergl fiber diese drei tragischen Dichter Jacobs 
in den Nacbtrilgen zn Snlzer; fiber Aeschjlns, Bd. II. S. 
391.; fiber Sophokles, Bd. lY. S. 84.; nnd über Enripidei, 
Bd. Y. S. 335.; A. W. Schlegel's 4te nnd 5te Vorlegoni;; 
O. F. Gruppe*8 Ariadne; die tragische Kunst der Griechen 
in ihrer Entwiekelong nod in ihrem Zosammcnhange mit der 
. Yolkspoesie; Berl. 1834. 8. — Ferner insbesondere fiber Aesclij- 
Ins Droysen bei seiner Uebersetzong desselben; fiber Sopiio- 
kies Fr. Schlegel*s Werke, Y. S. 131. nnd Solger's Naci^ 
gebissene Schriften, IL S. 458.; fiber Enripides L. Tiecl in 
der Yorrede zn Lenz Schriften. 

« 

§. 306. 

Eioe der griechischen Litterafur eigeDtbümliche N^ 
benart des Dräma's, welche sich ad die Tragödie an- 
schlofB, und tragische Dichter zu Verrassem hatte, ^ar 
das Satyrs piel. In demselben pflegte eine aus dem be* 
roischen Mythus entlehnte, mafsig ernste Handliipg von der 
Lustigkeit eines Satyrchors begleitet zu werden. An eine 
Folge von drei Tragödien, deren jede In sich abge- 
schlossen war, und gleichwohl Anfang, Mittel oder Ende 
eines grobem Ganzen, der tragischen Trilogie, ao^ 
machte, reihte als viertes Stück das Satyrdrama sich ao« 
Und in diesem Schlüsse der nunmehr entstaDdenen Te- 
tralogie war die Befriedigung und Ajafheiterung, zu wel- 
cher das lang besttirmte Gemüth des Zuschauers schon 
im Ende der Trauerspiele selbst hingeleitet worden, d^ 
ausdrücklich noch ausgesprochen und dargestellt« ^' 



Das Trauerspiel. ' 245 

iinder des kunstmäfsigen Satyrspiels war Pratinas; 

als gröfster Meister darin galt Aeschjlus; aber nur 

von Euripides ist uns ein Satyrspiel übrig geblieben, 

iiätniich der Cyklop. 

S. Weicker's Aeschylische Trilogie, unci fiber das Satjrdrama be- 
sonders dessen' IN acbtrag zur Aescbylischen Trilogie (Frank£ 
1826. 8.) S. 185-339. Gentbe Der Kjldops d^s Euripides, 
nebst eitieiraatbetiscbeo Abbandlnng über das Satjnsplei; Hafle 
1828. 8. — *- Caiaubanu» ife satyriea Chraeearum poni^ed, 
Rambach; Halae 1774, 8. ~ JEtchitaedf de dramate Graeco' 
rum comico'iatyrico ; Lij^s. 1793. 8. * Ferner Abbandlangen von 
Hermann, von Pinzger n. A. 

§. 307. 
Die römische Tragödie, ganz von der Macbahinüng 
der griechischen abhängig, blieb weit hinter ihrem Muster 
zurück. Die früheren Tragiker, in deren Fragmenten wir 
eine gewisse Kraft upd Gediegenheit ' nicht, vermissen, 
dichteten bevor noch die römische Sprache und Littera- 
tur ihre höchste Ausbildung gewonnen hatten. Schon dem 
Verfalle des Kunstgeschmackes aber gehören die zehn 
unter dem Namen desSeneca erhaltenen Tragödien an. 
Sie sind ebenso arm an wahrhaft dramatischem Interesse, 
als reich an glänzenden Stellen. 

S. Torkilli Baden Comm, de cauitis neglectae aRomanh 7Va- 
goediae; Qoett, 178^. 8. A, Q. Lange Vindiciae tragoediae 
Romanae^ 2te Aasgabe in dessen Vermischten Sdiriften; 'Leipz. 
1832.8. Charakteristik des Seneca von Jaeobs; in den Nach- 
trSgea za Salzer's Allgem. Tb. Bd. IV. S. 332. — Seble- 
gel' 8 Vorles. 8. in Bd. II. 1. S. 14 ff. — Die Fragmente ans 
den Trauerspielen des Livios Andronicas, Eanius, Paca- 
▼ ins und Attius, s. «in Delrii SyntagmaU tragoediae lati- 
nae; Par. 1619. 4. und in S er iveri\CoUectanei8 veteruni tra- 
gicorum^ c. n. G, J. Vt^s^iifL. B. 1620. 8. He Pacuvii 
Dulorette Naeke, inLecü.Bönn, hibem. 1822. n. Stieglitx; 
IAp$. 1826; 8. — •— Seneca e Tragaed. X. c. ».' rar. ex, ed, J, 
C. Sehroederif Delphis 1728. 4. maj,^Bipont 1785. 8. ed, 
Boihe; IAp9, 1818. 3 Voll 8. ed T. Baden; Lips. 1^21. 2 

Füll. 8. Vergl. Lessing's iheatrai. Bibliothek, St iI..S. 

3-334. Werke XXHI. 127. — Brumoy\ Theatre des Grecs, 
T» IV. 4d, «NC. fii %vft, p. 74. ^^ Craftids's Lebensbeschrel- 



246 Di'is Trauerspiel. 

baii; der rOoL Dickter, Bd. K d.. Ueben. 6. 220. 279 ff.^~ 
(Rote*s) tragische Bühne der R5mcr; Anspach 1777*81. 8 
Bde. 8.; ift eine Ut^beraeUang des^Seneca. 

Voo den ueuera Sprachen war die italienische 
dip. erste» in w€;lcb^ man Trauerspiele schrieb; ihre Form 
lund Beh^dlungsart blieb fast durchgän^g* dem Vorbilde 
der grieGhischen und rOmkcben Bühne getnea, bis in der 
neuesten Zeit auch hier der romantische Geschmack sich 
geltend machte. Die bedeutendsten tragischen Dichter 
Italiens au« dem 16ten Jahrhundert sind Trissino, 
Rnccelai» G|raldi Cinthio, Dolce, Manfredi; 
während des l^ten Jahrhunderts blieb die Tragödie der 
Italiener völlig unbedeutend; erst im ISten Jahrhundert 
nahm sie einigen Aufschwung durch Maffei, welchem 
Bettinelli, Willi, Fiorio folgten; bedeutender tritt 
der ernste und strenge AI fieri. hervor, ihm schlietsen 
sich Monti und Nicolidi an. Nachdem im 19ten 
Jahrhundert schon Giov. Pindemonte sich in seinen 
historischen Dramen etwas unabhängiger von den herge* 
brachten classiscben Regeln beiregt hatte, trat Manzoni 
selbständig als Romantiker auf. 

S. über die Lilteratar des italieniacben Tranenpiela F^nt^nini 
Bibiiot, T. I. jp. 462 $$. — Signorellt Krit Gesch. des Thea- 
ters, Th. L Cap. 3. 4. 4*h. IL Buch IIL C^. 1. 4. der Ueben. 
-* La 8ofoni$ba di Tritiino; VtnvL 1553. 12. Opm, 
Verona 1729. 2 VoU, fol. S. Lessing* s, theatraL BibL IL 
215. — La Roifmmda 4i RueeeUi; Paiova 1728. 8. OretU 
e Ifigimaj lUma 1726. 8. Von jener s. Lessing 's theatr. 
Bibl. IL 225. --. I^ Trageüe di -Oiralii Cinihio; Yen. 
1583. a — Lei TragedU di L^pdtküieo Dolct, Ven. 1566. VL 
' - ■ (Von ihm eine poetische UebefMttang . vtad Nachabmang der 
Traoersptele des Seneea^ VenediK^lseO. 12.) -* La ^8emi^ 
- ramidi diMuxio Manfredi; Bergamo 1593. 4. — la 
\ Kerope delConie Scip. Maffei, ed, 45; Verona 1745. 4. - 
' Le TrMgediiM Bettinelli; Bauanä 177L S. — Opere dra- 
moHeh^dtl^ ^AhbaU Willi; VenBX. 1778. 2 VolL 8. Num 
Teatro; ¥em. 1790i m. 3 VoU. ^ -^ Traiiemmenü. T^aitali ü 



Das Trauerspiel. ' 247 



Ometmno Fiorioy^.Ven. 1791. 3 VolL 8. -^ TrageiU ü AI- 
fieri da Ani; Ed, 2. Pmr. 1789. 5 VoU. 8. Pmr. 1803. 6 
. Fo//. 8.; übers, von liehfaes nnd Tficharner, Bd. I. Berlin 
1804. 8. Vergl. deren Zeitocbrift Itailien; Berl. 1803 ff. 8. — 
Die vonfiglichstcn TrMierspiele Ton Vincenzo Menti sind 
Aristodem, GaleoUo Manfredi, imd Cajns Gracebu. TragedU 
di Vinc, Monti per la prima volta rnmiie in un $oi vtdume^ 
lAvomo 1816. 12.; Ifapoli 1819. 12. — Von GiamJ>attista 
Nicölini sind Polixena und Mabocco gescbStst '— Vamponi' 
menü teoiraU di Giovanni Pindtmontt; MUmno 1804. 4 
VoH, 8. — Ak die yorzfiglichste seiner Tragödien gilt Ginevra 
di'Seaxia. — DtB AUssandro Mansoni Tragödien // Conie 
di Carmagnola, Milano 1820. 8. und AdOehi, Milano 1822. 8. 
sind von GStbe (Wecl^e, Band 38.) r&bmHchst benrtbeih wor- 
den. — Vergl. Hi$t. mem, an Itai. tragedy (by J. C. Walhtr) 
1799. 4. — *S. ancb fiber das itaL Trauerspiel, Bonterwek's 
Gescb. d. n. Poesie, Bd. II. S. 187. 408. 500. a a. m. O. 

§. 309. 
Das tragische Theater der Franzosen besitzt das 
Verdienst der höchsten Regelmäfsigkeit und Eleganz. 
Aber es hat, so wie das italienische, durch den selbst 
auferlegten Zwang der sogenannten classischen Regebi 
Tiel vcn der poetischen Tiefe verloren, die sich dagegen 
der neuesten romantischen Schule nicht absprechen lädst 
Unter der Menge französischer Traaerspieldichter sind 
die vornehmsten: Pierre, und Thomas Corneille^ 
Kacine, Toltaire, Crebillon, Marmontel, le 
Nierre, la Harpe, Chateaubrun, Saurin, De 
Belloy, Mercier, Chenier, Casimir Delavigne, 

Victor Hugo. 

' ... ' 

Hittoire du theatre tragique fran/Qoii^ in den KU Gotha heransgelc. 
iSahier» de Lectures, a. 1785. n. Xm- — Vergl. Sulzer's Allg! 
Tii, n. A. S. 592 ff. ^ Ueber die lltem * tragischen Dicliler d^r 
Franiosen ond fiber P. Corneille 8. Laharpe's JLj^,<B. 1. 
P. //. Ch. 2.; über die spätem, am umstXndliehsken ober Vol- 
taire, ebend. P. ///. CA. 3 ff . — OeuvreB dramatiques de P. 
Corneille^ avec un commentain de Voltaire; Qen. 1764. 
12 Voll. 6. majl ^ de Tko. Corneille; Par. 1758. 9 VoU. 
gr. 8. — de Jean Racine^ avec de$ notei de Bofsjermain; 
Par. 1769. 6 VotL 8. wiaj. -^ ife Voltaire; dane^ fes Oewres, 



248 Das Trauerspiel. 

r. J-X. — i€ CfihiWom Fw. 1774. a VvXL. 12. — U Mar- 
monieli P»r. 1783. & und ia t. Oeievres; Pmr. 1787. 17 Voü, 
gr. 8. -— ife /e Mierre; Par. 1780. 2 VolL 8. — if« /a Harpe; 
Pur. 1779. 8. — & Ckateatibrun; Par. 1754 m. 8. — Oeu- 
ffre$ i€ Tkedire de Saurin; Pari» 1772. & — Oeuvres St 
Belloy; Par. 1779. 6 Voll. 8. — ife Mercier; Amst. et Par, 
1778-85. 4 Voil. gr. 8. — Von de Ckenier find die Traaer- 
ipide: CharU$ /X., AmW F/Jf., Axemire^ Jean Calae^ Cajut 
Grachuiy Fendm, TimoUon; Thiatre^ Parte ISlSi 3 VoU. 8. 
-— YoB Casimir Delavigne Les Viprn SieilienneSf U Pa- 
ria^ Marmo FaUero, Lesenfans ^Ei»uari; too Victor Hug» 
Hemamif Marion Delorme, Luerece Borgia. — Noch sind alf 
enuie Dramen die liittorischen Scenen von Lonii Vit et hier 
xo erwftliaens Les ßarrieades^ Par. 1826. '8./ Us. tltats ii 
BiaU, Par. 1827. 8.; ia Mort de Henri Ul, Par. 1829. 8. - 
Yeigl. Boaterwek*s GeMh, 4L n. Poesie^ Bd. VL S. 172 fL 
— Scblegel's Vorlei. 10. 

§. 310. 
Die dramatiscbe Litteratur der Spanier entwickelte 
sich auf nationellc Weise zu der herrlichsten Blüthe. 
Aber die Tragödie im Sinne des Alterthums blieb ihoea 
fast gänzlich fremd. Wenn des Cervantes „Zerstö- 
rung von Numanz" hoch -tragisch ist, so lassen die mei- 
sten Stücke der beiden gröfsten Dramatiker Spaniens, 
Lope de Yega Carpio und Pedro Calderon de 
Ia Barca^.zwar durch die Erhabenheit ihres Grundto- 
nes, durch die Tiefe, womit in diesen wunderbaren 
Schöpfungen Religion, Liebe und Ehre aufgefafst sind, 
sich von der tragischen Würde nicht ausscbliefsen, aber 
andererseits macht auf viele derselben die Komödie durch 
humoristische Elemente einen vollgültigen Anspruch, und 
es zeigt sich, dafs man diese romantischen Dramen so 
wenig der antiken Tragödie als Komödie gleichstellen 
kann.— Portugal' hat ein berühmtes Trauerspiel: Ines 
de Castro von F er r ei ra. 

S. Velazqb'ez Gesch. der span. Dicbllanst, S. 360 ff — Boo- 
terwek's Gesefa; d. ti. Pbesie, Bd. III. & 124. 29tf. 370. 396. 
678. — Sehlcgcrs Vorl. 14. -« Die Ausgaben des Lope and 
Oalderon s. nnten bei der Komödie, §. 326. — Unter mehre- 
ren Tragikern des 18ten Jahrhunderts, die von französisdieiB 



Das Trauerspiel 240 

Eiaflnsse abhlngig waren, ist einer der giemMtzterea Jguitino 
de Mouiiano. Von ihm sind die beiden Trauerspiele Vir- 
ginia (1750) und Atanlpho (1753). S. Velatqnez,^ S. 
264. 373.; und einen Anszog yon Virginia in Lessing 's 
Tbeatral. Bibl St I. — Poema$ de Ferreira; IM. 1598.4. 

§. 311. 

Die englische Litteratur besitzt den bewandert- 
sten Dramatiker der neuern Welt an William Sha%8- 
peare. Dieser grofse Genius, von welchem man mit 
Wahrheit sagt, dafs in ihm der Weltgeist selbst sich ab- 
spiegelt, prägte die ihm verliehene klare Weltanschauung 
auf das vollendetste in seinen Tragödien aus, welche 
theils wichtige Weltbegebenheiten, namentlich aus der 
römischen und englischen Geschichte, zum Inhalte haben, 
theils in allgemeinerem Sinne das Wesen des Menschen- 
lebens zur Anschauung bringen. Neben ihm erscheint 
Ben Johnson künstlich und reflectirend, Beaumont, 
Fletcher und Massinger phantastisch. Drjden be- 
sticht durch Eleganz. Etwas kräftiger sind Otwaj und 
Lee. Rowe folgte dem Muster Shakspeare's; Ad- 
dison huldigte rhetorisirend den französischen Kunstre- 
geln. Lillo gefiel der Zeit durch sein bürgerliches 
Trauerspiel. Ohne merklichen Einflufs auf die tragi- 
sche Bühne blieben die meist nach antiken 'Mustern ge- 
bildeten Dichter Thomson, Young, Mallet, ferner 
Moore, Brooke, Murphy, Cumberland, Sheri- 
dan. Die ganze Tiefe der romantischen Poesie erschlofs 
sich in Lord Byron. 

Vergl W.'Guthrie*i Egsaif on Englith tragedy; Land. 1747. 
8. — Coltnan*M Critical reflexiont on the old EngHsh dra- 
matifk writert in s. Prou on uveral oecations (Lond, 1787. 
3 Vol8. 8.; Vol IL jp. 105 8t, — Bouterwek's Gesch. Bd. 
VII. u. VIII. — Schlegers Vorlesungen 12. n. 13. — Ael- 
tere Dramen heransgeg. \n Dodsley*» Coüection of old play$, 
P^l by Im Reed, Lond. 1780. 12. Voh. 8. (Hd Engiiih 
playg (eine VervollsUindigang von DodsUy'g CoUection); Lond. 
1814 — 16. 6 Voh. 3. The old Englith drama; Lond. 1824 
sf . 8. — — Will, Shahipeare*» Worksy ed. by Sam. John^ 
«Ott, Lond. 1765. 8 Volt, 8.; by G, 8ieeven$, Lond, 1766. 4 



1 



SfiO Da8 TvauerspiöL 



FM. 8./ mit den Noten dUeser bcädeB'heraiugeg. yob UReed, 
Lond. 18ia 21 Volt. &; Haodaiug. Lps. 1824. gr. 8. Deokidi 
▼on A. W. Sdilegel n. L. Tieck, BerL 1825. 1% Bde. 8.; m 
Voll, Leips. V. Stnttg. 1818—29. 9 Bde. 8. Skahpeartni 
kU HmUf ky Saihmn Brake f Loni. 1817. 2 Voh, 4. Eschco- 
borg fib. Shaksp^; Zfirich 1787.8.; Shaksp. erliolert TonFraui 
Horsy Leips. 1822—31. 6 Thle. 8.; Solger, in den nachge!» 
. seilen Schriften, Bd. IL; Sbakspeare's Vorachale yod L Tieck, 
Lcipz. 1823 n. 1829. 2 Tble. 8. ; Goelbe „Shakspeare nnd kein 
Ende'*, in Bd. XLT. S. 38 ff. der Werke. ' Ecbtenoejer, Hcs^ 
scbel imd Simroek Quellen des Shakspearey Beri.1830. 3Bddi. 

12. Worin of Ben Jp^nioit, publ. by W. Giffwi, 

Lond. 1816. 9 VoIb. 8. — Work$ of Franeie Btanmni 1 
and J. Fleteher, pubL by H. Weber, Lond, 1812. 14 Vok \ 
8. — Ph, Mastinger't Playt^ publ by W. Gifford, Lod I 
1813. 4 Volt, 8. — The compiete worke of J. Dryien, vöi | 
notes by Walter Scott; Lond, 1808. 18 ¥oit. 8. ^ Otwey't , 
Worke, by Tk. Thornton; Lond. 1813. 3 Vol$. 8. — ^atl 
Lee's Dramatkk Wo^ktf Lond. 1734. 3 Voh. 8. - Niei 
^Rowe'8 Workt, Lond. 1747. 3 Voh. 12. — Addiion^t Cato, 
a Tragedy, in seinen Werken; Birmingh 1761. 4 Volt. 4. - 
Geo. Lille* $ Workt, Lond, 1810. 2 Voli. 12',; deoUch, Lpi 
1777 — 78. 2 Bde. 8. — Thomeon'e Worke; Lond, 1802.3 
VoU. 8. — Dr, Young*$ Workt; Lond. 1813. 3 Voh.S," 
Dav, Maltet' t Workt; Lond. 1763. 3 Volt, 12. ^ TU Ga- 
metter, a Tragedy by Edw. Moore; Lond. 1760. 8. ^ Cd- 
lection of Henry \Brooke*'t Poetical piecet; Lond, 1779.4 
Volt. 8. — Murphy *t Workt; Lond. 17S6. 7 Volt. 8, - 
Cumberland*t potihumout dramatick workt; Lond. 1813.2 
Volt.i^ •— Sheridan*'t dramaück workt, ed. by Th.Moort; 
Lond. 1821. 2 Volt. 8. — Lord Byron't Life and Worh, 
by Th, Moore; Lond, IS32 tt. 17 Volt. S. 

§. 312. 
Die Ausbildung des TraaerspieU bei den Deut- 
8 eben ist jünger als bei den zuvor genannten Nationen. 
Nach einer Reihe ungenügender Versuche, unter deiieo 
sich jedoch J. £. ScblegeFs, von Cronegk's odo 
Weisse' 8 Werke auszeichnen, machte das Trauerspiel 
durch JLiessing ein'en bewundernswürdigen Fortschritt. 
Neben den rühmlichen Bemühungen eines KlopstocK, 
v^^Gcr^tieuberg, L^ise.witz, Klinger« Babo, der 



Das Trauerspiel aSl 

Grafen za Stolberg u. A., gelang es erst den grofsen 
Genien, Götbe und Schiller, dem deutschen Trauer- 
spiele den ersten Rang unter den gleichzeitigen Litteratu- 
ren zu erwerben. ' Von anderen Dramatikern der neuem 
Zeit tbateu sich im Trauerspiele mehr oder weniger rühm- 
lich hervor: V, CoUin, Klingemaon, Körner, Oeh. 
lenschläg'er, Grabbe; ferner, vorztiglich durch Be- 
handlung nationaler Stoffe, H. von Kleist, Uhländ^ 
ßaupachy Immermann, endlich deT überspannt ro- 
mantische Zacharias Werner, und die Repräsentan- 
ten der Scbicksalstragödie Müllner und Grillparzer. ' 

J. K Schl«ger8 Werke; Kopenh. u. Leipz.1761. 5 Bde. gr. 8. 
Bd. I. — T. CroDcgk's Schriften; Leipz. n. Anspach 1760. 
2 Bde. gr. 8. Bd. L — Weisse'« Trauerspiele; Leipz. 1776. 
]1780. 5 Bde. 8. — Lessing's Trauerspiele; Berl. 1771. 8. — 
Klopstock's Tod Adams; 1760. Salomo; 1764. David; 1772. 
Hermaim« SpUacht, ein Bardle^; 1769. Hermana und die Für- 
sten, eia Bardiet; 1784. Hermanns Tod., ein Bardiet; 1787. 
sSmmtUcli in den Banden 8, 9 a. IG. seiner Werke; Leipzig 
1823. n. — ▼. Gerstetiberg's Graf Ugolino; Bremen 1768. 
Id. 4. Minona, ein Scbanspiel; Hamb. 1787. 8. — Leise- 
witz'tf Julius von Tarent; Leipz. 1776. 8. *- Klinger's Thea- 
ter; Riga 1786 £P. 4 Bde. 8. Neues Theater; Petersburg und 
Leipz. 1790. 2 Bde.' 8. Auswahl aus s. dramatischen Werken; 
Leipz. 1794. 2 Bde. 8. Werke, KSnigsb. 1815 — 16. 12 Bde. 
8. — Babo^s Agnes Bemanenn; M&nchen 1783. 8. Otto von 
Wittelsbach ; Mfincb. 1785. & Dagobert; e. d. 1787. 8. Schau- 
spiele, Band I.; Berlin 1793. 8. — Schauspiele der Grafeu zu 
Stolberg; Leipz. 1786. gr. 8. — v. Göthe^s Clavigo, Tasso, 
Egmont, Iphigenia. — ▼. Schillert Yerschwdrung des Fiesko 
zu Genua; Mannb. 1783. 8. Kabale und Liebe; e. d. 1784. 8. 
Wallenstein, ein dramat Gedicht in 3 Theilen; Tilb. 1800. 8. 
Don Carlos; Leipz.. 1801. a Maria Stuart; Tflbingen 1802. a 
Jungfrau von Orleans; e. d. 1802. 8. Wilhelm Teil; e. d. 1804. 
8. Die Braut Ton^ Messina; e. d. 1805. S. seine sSmmtlichen 
Werke; Tfibing. 1813 ff. gr. 8. u. öfter. — — v. Collin (R^- 
^gulga; Coriolan; Polyzena u. a.) dramatische Dichtungen; Lpz. 
1M3. 2 Bdev 8.-^ A. Klinge<nann's Theater; tübing. 1808 
«. 18)1. 2 Bdn. gt. 8. Eiozdn «lud von ihm. noch der Hamlet 
Qud Faust zu Leipzig 1815. S, gedruckt. — Theodor Kor- 
nea; (Zriniy flosamunde, Hedwig) Werke, herausgegeben von 



252 Bas LmtSj^ieL ' 

, , StrecUib, 2te Ana; JBfH» 199!^. (r. 8..--. OeUlenicMlgec 
(Correggio, Axel aad '\Vaib^i*g| a.' a.) Weric«; BresUa 1829.— 
Grabbe'a Doo Joas. FauBt, Theodor von Golhland, Boben- 
itaalTen n. a. — Heinrich von Kleist (Prinz von HombQrg) 

' Schrift«, heraasgegebeh Von La^wlg Tieclr; Berl. 1826. 3 Bde. 
8. — Ubland*« ^Ehist -von Sebvvaben and Ltfdwijj; der Baier. 
— Von Ranp.ac^, ToisUgUob eine Reibe biatoq^ber Schao- 
apiele nnd Trag5d^i) ans der Geschichte der ÜobensUnffea. — 
Von Imroermann Kaiser Friedrich der Zweite o. a. — Zacha- 
' riaa Wem er 's Kreaz an der Ostsi^e, der 24ste Febmar n. a. 
^ Mfillner (die Scbnld, Tngnrd) dramatische Werke; Braoa- 
schweig 1828. 7 Bdei 12. ^ ^ Die tragische Litterator der an- 
deren germanischen Völker, bat keinen eigentlich EnropSischco 
Ruhm nnd . Einflufs . durch eig«nthflm!iche VoUendong erlangt 
Doch seiebneten sieb die Niederländer Hooft n. Vondel, der 
.pine Ewalcl als Tragiker ai^si 



Dus liüstsplel. 

§. 313. 
Das Lustspiel oder die Komödie ist die drama- 
tiscbe Darstellung einer Handlung, in welcher das mensch- 
liche Leben von seiner heitern und scherzhaften Seite 
erscheint. Die. UnvoIHioninienheiten und Misverhälloisse 
der Menschen lösen hier in Schein und Spiel sich auf; 
sie erregl&n nicht unscm Unwillen. Die Verlegenheiten 
und Bedrängnisse der komischen Personen entstehen aus 
leichtem Irrlhum, der unerwartet und schadlos verschwin- 
det; sie erwecken also keine ernstliche Besorgnifs. Kurz, 
der Eindruck der Komödie ist ungetrübte Lust, während 
das Ziel des Trauerspiels die mit dem gröCsten Opfer 
erkaufte freudige Erhebung ist. Wie die Tragödie, so 
ist auch das Lustspiel eine Welt im Kleinen. Wir se- 
hen aber hier, wie die irdische Welt auch in ihrer 
Nichtigkeit ergötzlich und schön, dort hingegen,, wie sie 
auch in ihrer höchsten Würde und Gröfse «vergänglich 
ist *). Hiemit ist schon angedeutet » daCs weniger die 

*) Phtlofophifdi tiefer «nd km fo viel fchrrerer aatgedriicfct heifst 



Das Lostspiel 293 

groCsen und wichtigen Charaktere, Sitaatiooksn und: Lei- 
denschaften in der Komödie eine Stelle finden, als die- 
jenigeo, welche dfr Wirklichkeit und UnvoUkoii^menl^eit 
des gemeinen l^bens näher stehen. 
Aristoteles (fpet c. 5.) sagt vom Lustspiele, es sei eine Dar- 
stellung dfe Geringen, aber nicht geradeza Schlechten; es hebe 
das Läciflniche hervor, das ein innerer Widfurspruch und Irr^ 
thum seff der doch weder Schmerz errege, noch Verderben 
bringe. -A Vergl. zn diesem Abschhilte: Vo$$ii IhkHttypöei^ 
L, IL i?.<^2 M. ^ Kamler*8 Batteoz, IL 248. -^ Marmon- 
tel, Poet.-: Fr. T. IL Ch. XV. — Du Tkeatre, ou Nouvel E$r 
»ai $ur VArt Dramatique (par Mercier; Am$t, 1773. 8J 
Ch, IF— Vit — De VArt de la ComediCy par Mr. deCail- 
lava; ^^.Sll%, 4 Voll. 8. De la Nature et de» Firn de la 
Comedie^f^ar VAhbe Batteux, in den Mem. de VAcad. de» 
Intcr. — fi Q r d ' 8 Commentar über H o r a z Episteln, Band 
II. Abh. IL .Abscbn. 2. 3. — Wahyyn*8 Versuch über das 
Lustspiel; fibejs. in der N. Bibl. d. seh. W. Bd. iXVilL — 
Bouterwipk's Aesthetilc, Th. II. S. 209. 

§. 314. 
Nun zeigt sich aber sogleich innerhalb des Lust«- 
Spiels eine wesenllifJie Verschiedenheit. Entweder ist 
dasselbe an Inhalt luid Form ein ganz freischwebender, 
phantastischer Scherz, ein Gaukelspiel . der trunkenen 
Phantasie, wie die aristophanische Komödie: oder es ist 
ein Abbild des wirklichen Lebens, von seiner belustigen- 
den Seite aufgefafst, wobei denn die Form eine riegelmä- 
bige, natürliche bleibt, und n^^ehr oder weniger auch die 
ernstcA ^^lemente der Wirklichkeit sich geltend machen. 
Letzteres ist der Fall schon in der neuern Komödie der 
Griechen, am meisten aber im modernen Lustspiele. Wie 
die nationale Tragödie der neuern Völker fröhliche, ja 

«ef« aUo» Im Drama überhaupt, fowohl iin Lustspiele, als im Trauerspiele, 
«oll die Idee «ich gegenwärtig oiTenbaren. Sie offenbart sich im Lustspiele 
«»durch, dafj die v^eltliche Erscheinung sich in ein leeres, wesenlose« 
«Pjel^erflttchtigt, alle Ansprüche an Wiphtigkeil aufgiebt. Sie * offenbart 
"Ch im Trauerspiele dadurch, dafs die weltliche Erscheinung als wichtige 
»nd würdige (also der Held) untergehen muf». In beiden Ffiilca rer- 
«cbwiadet die Wichtigkeil der welüiehen Ertcheinang, und maaife*Url so 
'^^ Gegentheil, die Idee. 



^ 



2S4 Das. Lftstspid. 

schenhafte Elemente anfhinunt, sa drftngt sidi auch der 
Ernst des Lebens in ihre Ixistspieie ein. Das Lustspiel 
hs^ daher ein überaos weites Gebiet. Es geht von der 
Darstellung des nichtigen Weltwesens, das einer bunten 
Seifenblase gleich in sehillemdeu Farben spielt, um ricli 
wieder in nichts aufzulösen, durch die Schilderung der 
Charaktere und des Familienlebens, bis zur Yergegen- 
wSrtigung geschichtlich wichti^r Ereignisse Über, womit 
es sich als historisches Schauspiel an« die Tragödie an- 
schliefst. 

§. 315. 

In dieses weite Gebiet des Schauspiels, das zwi- 
schen den Extremen des Töllig Komiseben und des Tra- 
gischen mitten inne liegt, bald )enem, bald diesem mehr 
sich nähernd, gehören die meisten Dramen der älteren 
spanischen und englischen Litteratur, in denen ein bo- 
moristischer Geist weht; die Charakter- und IntrigoeD- 
stücke, die dramatischen Familiengemälde, die rührenden 
Lebensbilder, die als weinerliche Lustspiele bespöttelt 
worden sind, didaktische Dramen, wie Lessing's Nathan, 
die historischen Scenen Vltet's, die heroischen Komödien 
Calderon'sy^die grofsen historischen Schauspiele Sbals- 
peare's, die trotz der komischen Bestandtheile schon ganz 
der erhabenen Tragödie sich anschliefsen. 

§. 316. 

Auf alle diese verschiedenen Arten und Abarten 
Lust- und Schauspiels finden die oben über das Drama 
im Allgemeinen ausgesprochenen Bemerkungen und Re- 
geln, jedoch mit besonderen Modificafionen, ihre Anircn- 
dung. Der Stoff kann im Lustspiele eher als im Trauer- 
spiele völlig erdichtet sein. Er wird am besten als ein- 
heimischer Stoff dem Volke und der Zeit des; Dichter« 
angehören, wenn es gilt den Menschen ihr eigenes BM 
vorzuhalten. Doch kann auch durch den fremden, selW 
phantastischen Stoff, das allgemein Menschliche nur ^ 
um so gröfserm Reize hindurchleuchten. 




Das LoßtspieL 255 

§. 317. 
Die Einheit der Qandlusg i«t im Lu^piele von 
etwas anderer Art, als in der Tragödie.. Wenn die tra* 
gische Hßndlubg durch ein Ideal zusammengehalten ist» 
60 darf das Lustspiel eher, als Spiegel des .verworrenen 
Lebens, uns durch bunte Mannigfaltigkeit ergötzen» und 
selbst episodische Scenen ztdassen. — Mit der Wirk-, 
liebkeit verglichen, die das Lustspiel doch abschildert, 
werden Begebenheiten und Charaktere, wenn man sie 
aus dem G&nzen herausgerissen betrachtet, tibertrie- 
ben sein dJIrfen: allein die in dem Leben zerstreuten, 
hier jedoch auf einen Brennpunct vereinigten Züge ha- 
ben ihr künstlerisches Maafs an der Harmonie des gan* 
zen Kunstwerks. Die anftrelenden Personen stehen als 
Repräsentanten ganzier Gattungen von Menschen da. 

§. 3ia 

Wie man von dte Tragödie gesagt hat, daüs ihre 
Darstdlung vorzüglich drei Richtungen annehme, indem 
€8 ihr entweder mehr auf Schilderung des Charakters, 
oder auf die Verwickelung durch Leidenschaft, oder auf 
Situation und Handlung ankomme: so pflegt man auch 
unter den verschiedenen Arten des Lust- und Sdiauspiels 
vorzüglich drei zu unterschieiden, nämlich das Charak^ 
tergemälde, in welchem dfe Darlegung und Entwioke- 
lang des Hauptcharakters das Wesentliche ist, ferner das 
Intriguensttick, in welchem die Interessen derMen^ 
8chen sich dur^hkreuzien und verwickeln, endlieh das 
rührende Scbaus'piel, in dem es vornehmlich auf 
Situationen ankommt 

§. 319. 

4iber keine dieser Richtungen schliefsl die andere^ 
völCg aus. Sollen' Charaktere gemalt werden, «6 ge- 
sdiehe es dnrch Handlung, ind^ sie in geeigneten* und 
zweckmässig verknüpften Situationen sick T^llstÜndig zu 
zeigen Gelegenheit erhalten. Soli uns das Intrign:en« 
stück/ dcHTch seine Verwickelungen fessetn • und durch 



256 Das Lustspiel i 

deren Lösung befriedigen, so seien es wieder die Cha- 
raktere, die in ihrer Zusammenstellang sich nothwendig 
durchkreuzen, und somit die seltene Verwirrung zu ei- 
ner wahrscheinlichen 4ind natürlichen madien, fa zuletit 
die Lösung des Knotens selbst bedingen; — wobei frei- 
lich auch der Zufall, dieser komische Stellvertreter des 
epischen Verhängnisses und tragischen Schicksals, i^ie in 
der gemeinen Wirklichkeit sein Recht behauptet. Sol- 
len wir endlich durch Situationen geröhrt oder sonst 
gefesselt werden, so seien auch diese Situationen wie- 
derum wesentliche« Entwickelungspuncte der Intrigae, 
und die schicklichsten Anlasse zur Darstellung der Cha- 
raktere. 

§. 320. V 
Noch liefsen sich hier so manche Bemerkungen, und 
Regeln anknöpfen. Das Komische im Lustspiele, das 
weniger in einzelnen Einfällen, als in den Charakteren 
und Situationen liege, sei am wirksamsten, wo Cbarakter 
und Situation sich widerstreiten. Es lasse sich der Unter- 
schied des Hoch- und Niedrig-Komischen bemer- 
ken, von denen das letztere .der Posse und: Farce zu- 
komme, un(i die nahe Grenze der Gemeinheit zu meiden 
habe. Ueberhaupt sei das Lustspiel der SilitKchk^it nicht 
zuwider, doch lehre es mehr^Lebeusklugheit^ als Moral» 
Wenn es durch prosaischen Vortrag dem gemeinen L^ 
ben sich nähere, so könue es durch metrische Behand- 
lung vor der Gefahr, in Prosa des Gedankens zn '^^^' 
fallen, bewahrt werden. Der Titel solle nicht Inhalt 
und Ausgang verrathen, u. s. w. Doch sind die meisten 
dieser und ähnlicher Bemerkungen zu sehr auf i^^ ^^^ 
liegend, als dafs sie einer weitern Ausführung und sclns 
der Erwähnung bedürften. Hingegen über das lief^^ 
Wesen der Komödie viele specielle Gesetze aufzustel- 
len, ist darum mifslich» weil eben hier die Poesie, a^ 
meisten von Stoffartigem befreit, in völligster ÜBffibvn' 

denheit schaltet; wie denn auch die Komtfdie bei d^ 

Gric- 



Das Lustspiel. 2S|7 

Griechen das Erzei^gnife, «legr bOdts^en Eessellp^igkeit 
vrar, z^ welcher sich cjei^ demokratische. Geist getriehen 
hatte. 

§. .321. 

Bevor wir zu der Litteratur der Komödie hei den 
Griechen, yyo sie entstand^ übergehen, gedenken wir nQch 
des Schauspiels det* orientalischen Völker, bei welchen 
es sich nicht mit Bestimtiilheit in Tragödie und Komö- 
die gf^ndert hat. Yon deb zahlreichen , Dramen der 
C hl ne^aen sind neuerlich einige bei jop^. bekannt ge- 
wordjen. . In eiaem derselben, ^diisi L^den des Kaisers 
Han'' betitelt, yon dem ^joiserst frqchtb^en Dichter Yueu, 
wird der K^aiser umr dije vollendetste Schöne im Reiche, 
die i^m ßein ^ipis^er yer^chaffßa sollte, TCp diesem be- 
trogen, findet ^ie.dani^ zufällig .im Ga^en .^es jMinjsters^ 
aqd entbrennt, vor Lieb^ zu ihr ^.worauf der^Betrüser 
entflieht«. In einem anderen Dranaa/ einem eigentlichen 
Farailiengemälde, wird dn Greis, der keine männlichen 
Sieben ^esiJf(i,yon^ dem, Gefühle gequältj, .dejTWst^ als 
Abgeschiedener die frommen Ceremonieen zu enthfßhren, 
die einem , Stammvater ^^bübren, bis pach. gesteigerter 
Angst das Stück einen tiberraschend erfreulichen Apsr 
gang ni^mt. Aufser solchen, vojzügliph ab^r langen hi- 
storischen Stöcken» besitzt: die dramatische Litteratur der 
Chinesen auch eigentliche Posten. 

Das angefiibrte Stfick .Ton Tuen ist in das'£iigl]sclie überaeti^ 
unter dem Titel: l^an &qopg Tteiff, or ike iorrowt of Hon, 
/a Cfktnene Trßgedyy traiuf. By J. Fr. Davit y iLond. 1829. 4. 
-^' Ueber das erwähnte FaniiliengemSld'e2iaoti''Jleit^-I7fA, or an 
'%€ir in%u old agty ä tfhineu "Drama; , Land. ISll. S. vergL 
G5the ISacbgelass. Werke, Bd. IX.-^; t44. Micbt minder in- 
teressani ist: Hott Idn-ki, öu Ih^tQtre du (^ercle deiCraitf 
Drame ßn Proße et en Veirt, trad. du C^%nii$' par\ Ütßnitl. 
Julien; Und. I8ä2^ 8. -^ Uel|er andere bramen, auch Pos- 
sen äer Genesen s. J.' Klaproth's 'Asiat' lpagiu(in, Bd/I 

»'•'••" • ■ ■§^' '322«'' • 

' Dii^' indieclte Dhima finäen'^ wii^ far dem «c^ten 



258 Das Lustspfel 

JflbrliiiDclert vor Christus in hoiier Volle^dting. Zu die- 
ser Zeit lebte Kalidasäs. Seiü liebliches ScKauspiM 
SakoDtala hat, in den europäischen Sprachen üacbge- 
bildet, ein allfremeines Entzücken crrefit, welches Gölhc 
biso ausspricht:' - .* ».. 

^illt Du di(^ Biüthe des frfihen, die'i^rucht« des spat^eli Jabts, 
f WilU Da \^as.reiit und csiU&lEt, ^ik Du.w«i tBmgtwA nShd, 
yVilk Du. den HimmeL die Erde opit Einem Namen , Ik^^t^cD) ^ 
^enn^ ich Sftkbntaia Dir, und tö'ist Alles gesagt« 

tJnter zahlreicheii anderen Dramen ist Mrlcdvliha- 
kati, dem Sodk*a'k'a zugeschrieben, ebenhills rc^n sehr 
hohem' Alten Inferes^anti^ Charakt^k^i^,' 'stärke leiten- 
Schäften, bedeutende Verinckelüng iind eibe h'ölt'e^ be- 
friediglinde Katastrophe zäch^eä' dässefte ^äs. -- Die 
Rede pflegt in den indischen Dr4mei(i prosaisch kn sein, 
alleiii bd höherem Schwünge der 'G^daüken irimmt sie 
Terachied^ne entsprechende Versarten an.' ^Eiöe riicbl 
unerhebliche' Eigeuthümlic^keii )st dS'e Anwendung des 
Sanskrit für den Heldett ut^d dl^ naüptpersoneti, 3es 
mlncler erhabenen Prakritab^y, in"'V^rtchVedeticn Ab- 
stufungen b& zu den geiÄeinsten Volksdialiskteb herab, 
für' die Fraden und di^ i^an^herlei Arten untergeordne 
fer' Cfiarakterc; * ' •"' '' ''•^' ■''^- '"" 

' Ueber d^ 'AAwendimg veTä&häeri^t'SitfBt\itotmen'n: Sitict Spe^ 
dmeiip «/ kh^'TkeaM-^ äf fki 'Üindui^ trmMlafti frtm tke ^ 
ginal Sajucrit, by B.^. WiU^n; V^l L Cukutfß l&'i;^' 
f. 67. ; Uebechaiipt eiit))ält diesM Werk, wdcbes aacb in einer 

• .deutacüeo'Üebejsetzan^ yon 'W<^lff giedruckt ist, fiowoW Ä« 
besten t'bcbncbteii über das Weseq der inJiscben Bpbx^f ^ 
IJebersetzuiigen und Auazfige 3er bedieutendem injisqiien vtt 

^ mep. TT- — Säkontala,:imOrigiiial (Sanslfi-il WPrakni) »»* 
"V 'Jfraniös. ücbers. birausM. ,vqn Cbezy, Paris 183Ö. 4j;f«i|5***'^ 

'! iroq Jonej, .Calcalta iTSSf.* 8. ; *deatscb vop Öeorg For^l«^ 




ii'»; 



IS» 

der Deld nnd die T^ympU&mk^marvoii , a drama, Cakt^ 
4.; dessen Ajfparat. erü. ib. 1834. 4. — Ein «ff^^* '^ 



J 



Das Xuslspiel. \ 259 

''Käldiniall'^gescIlHeftenes, boi^eriiclies Sebatispfel, MalaTÜtagni- 
iiiltra; ist ^el jQnger. -^^ ^'HD^ichdhhaksth im Original I;er- 
äiisgegeberi Caicutta 1829. ä.; fAitn. im Isten Bande des Thett- 
ifer def ^Bliidas. ~ — Ein berfihmtea Drama, „die heimlicbe 
Hdrath^' Ton Bhavabirat!, im Steo Jafarhondert nach Chr.: 
BhävAk&Hi ffätäti and Mdähava^ a drama in, ten acti^ CaU 
cuita 1830. d.;^ÄH. 1: ed, La »ten, Bonn 1832. 8. Andere 

* Drainett v6n BBaVitbliiltH Mahavira Cherita; ntid Üttarä Rama 
dhefitity in iaclB, Feliftefres tti CälcatU 1831. 8. gedmelrt. — 

*Ani de^ im^ Jäiirh. ist „ das Stegel des Hinisters'' von Yi- 

sa'lclia Dättä: the Mudra Hakittaia, or tkä iignet (\f fhe Mi- 

sttcfeTy- a Dramk in 7 acH/ Calcttttu 1831. 8r — Aat dem 

' Hte&'Jaln'Il. 9,dä8 Baidyand"* von Sri Hersba t>%rti Retna- 

^ vi»H, d 'drama in 4 ach; Cahtäta 1832. 8.*— Ein von aliego* 

' tncli\Bn' Personen gespieltes pbilosopbiscb-satirisclies' Dfaik^a ist 
„der Dlondesduigang d^r Ebkei^][tnifs" Vbn Krisltna Misra: 
FraloSka ^handrodaya^ ConioeHia^ Sanscr, et lau ed. Blroek" 
haüirLip$. 1^5.8. ^ • 

■■• '■"^•." ■■ ; •• §.'323. ' ■ ' . 

., Die griecbische Komödie bildete iicb za Atben,^ 
in der Aofl^isung der altbeUeDiscben SittUcbbeit fufsend, 
ah mü'et' G^genratz der Tragödie äuls." Sie stellte mit 
dem i&QgüIIösesfeti Scherze die Wirklichkeit des Daseins 
ironisch dar. Bei einem ernsten politischen Zwecke ging 
sie in; ilirer A^usgelass^enh^ijt^ sp weit, mitlejbendei oft an- 
weB^Q^de P.^sonen ^am Spotte. Preis* zu geben. Diese 
sogdnai!ibte'*alte Komödie 'wui'de durch ein Verbot be- 
schränkt, und ging durch die mittlere, welche sich der 
EiQführung wirklicher Personen unter ihren wahren Na- 
men enthalten und den früheren Glanz des Chors auf- 
geben müfste, in die'ltcuere Komödie über, welche in, 
Charakterzeichni^g und harmloser Abbildung des bür- 
gerlichen L^befts von stiner lächerlichen Seite bestand. 
Ans der alten Komödie sind uns zehn Stücke des Ari- 
stop h an es übrig; ein elftes, der Plutos, gehört d<$r 
ikitttlem Komödie an. Aus der neuern, die uns durch 
römische Nachahmungetr nähcir bekannt ist, liaben vrfr 
nur Fragn^ente, vorzüglich von Menander und Phir- 

emon« 

17* 



260 Das f^ustspiel. 

s 

Yen der Gescbicbt&der gdech.* B&bne o. der Bfilin« Sbobanpt i. 
SignorelU i^^^rta critieg de* teahi mäichi e modermi; El 
IlL Sap, 1813. 10 FolL Bf . Deatsch (luch der ersten Ans- 
gäbe), Bern 1783. 2 Bde. 8. -7 Von der griechiflehen Kom5die 
insbesondre; Di$courM $ur la Com^iU gretque.^ in den Theü- 
tr€,de$ Grecs par le P. Brum^y; (Pa^. 1749. 6 'F«//. 12) 
X V* p. 240. — . R$cherche§ mar Vorigine. ti leg progriä de U 
Comidie Grecgue, par VAhbe Vatr^ßf in, den Mem, de VAeaL 
de$ imcr. T. X'XF. ^ Flöge.rs GeKbichte d. kom. L'iUera- 
tne, Bd. lY. S. 28 £ — Sfeblegers drama^ifgiscbe Yorlesim- 
gen, Tb. L YorL 3 — 7« -*- Yer^icbnifs verloren gegangener Ko- 
nter der Griecben, in Fabricii BibHoth. Gr^ L. 11 e. XXIl 

. — J, Meineke Quaeetionum icenicarun^ $peeim. l^^ß.; Be- 

. roWU ISißßq. 4. P. F. Kenng^iersor: Die alte InunUdie 

. B&bne in Athen; Bre8lsii.l817. 8. ^ Arittophani^ €omo€- 

/ diaeXX. ex ed. Lud. Kütteri; jimU. 1710 foL e.P. Bur- 

flUM.o X(. B. 1760. 2 Voll. 4. ex ed. Bru^ekii; Ärgert. 

1783. 4 VoU. 4. nnd 8.; von Invernizsi« Lcipz. 1794. 2 Yoll 

8. Dazn als 3ter bis I3ter Band eine ZnsammensteUnng der 

Commentare der frfibem Heransgeber nebst dm Scbolien nnd 

' «iner lat; Uebers. des Textes, besorgt von Cbr. Dan. Beck ond 

• WiUi. Dindorf; Leipi. 180»— 26. 8. Aosg: von Imm. Bel- 

:.. : ker; Lond. 1829. 5 Yoll. 8. Aristopbanes metrisch fidbera. vw 

J. H. Yofs, Brannscbw; 1821. 3 B4^. 8.;. von Droysen, BerL 

Bd. I. 1835. 8. Die Wolken (Obers, von Fr. A. Wolf); BerL 

1811. 4. Yergl. S&vern Ueber Aristopb. Wolken; Berl. 1826. 

4. Rötscher Aristopbaoes' und sein Zeitalter, Beri. 1827.8. 

* *- JÜenandri et Pkilemanii Bdiquioe^ c. ii Hug^ ere- 
tuet Jo. Cleriei, Amt. 1709. 8.7 ed. J.. Mein^ke,iBenl. 

. 1823. 8. , ^ 

§. 324. 

Das rümische Lustspiel war, seit es;:eipc;n be- 
stimmten KuDstcbarakter gewonnen, dnrchans Nacbab- 
mung der griechischen neuern Komödie,, ^icht nur in An- 
sehung feiner äufisera Einrichtung und Bebandli^igsaTt, 
sondern selbst in der Wahl 4es Inhalts, der.3c.|ene uod 
der Personen. Cäcilius, Afranius,! Plautus und 
Terejorz. waren die berühmtesten komischen Dichter der 
Bf oier. . Nur< von den beiden letztern haben wir noch 
vollständige Lustspiele, die in sehr verschiedner Manier 



Das . Lustspiel: 261 

geschrieben y aber beiderseits durch eigeüthümliche Vor-^ 
Züge schätzbar sind. 

Eine cliissische Stelle fiber den Ureprang de^ römischen St'Jiau- 
bühne u. in Liifii HUt ^om. L. VIL c. 2. a — Vgl Cro- 
sin8*0 LebensbeschreibongFn rdausdier Picbter (übers. Halle 
1777. 78. 2 Bde. gr. 8. ), Bd. IL S. 220. und Memoire mr Um 
Jtux Sceniguei d€$ Ron^inn^ par Mr. Duclos in den M^m. 
de VAcad, i/e% Ineer, T. XXVL Flögers Gescb. der komi- 
sehen tUteratur, Bd. IV. S. 71 — 115. Scblegel's Vorl. 8. — 
Die Ueberreste des CScilias, Afranias u. A.. s. in Rob. 
Stepkani Fragmentie Poetar^ LaUnor.; Par. 1564. 8. Cae^- 
cilii äeperditarum fabuJt. 'fragm, .ed. L. Spengei; Monachii 
1829. 4. — M. A. Plauti Comoediae XX. c. n. Taub- 
ma»it», Wittenb- 1621. 4.; ex ed. Gronovii c. praef. Er- 
neetij hip%. 1760. 2 VoU^ 8. maj.; (ed. R. F. P. Brunck) 
B^Hmt. 1788. 2 Voll 8.; Bothe^ Berol 1810. 4 Voll 8. — 
Deqtsch von Danz; Leipz. 1805 £P. 3 Tble. 8.; von Köpke; 
Berl. 1808—20. 2 Bde. 8. Vgl. Lessing's Scbriaen, Tb. 22. 
23. — P. Terpntii Comoediae seXj cura Wetter hovii^ Bog. 
1726. 4./ c. Zeunii, Lip$. 1774. 8. maj.^ e. Reh. Bentley^ 
Amet. 1727. 4. aucb Lipe, 1791. 8.; {ed. Brunck) Bae. et 
Argent. 1797. 4., Prachtausgabe; ed. Bot he; Berl. 1806. gr. 8.; 
ed. Perlet, IAp$. 1820. 8.^' Ruhnkenii dictata in Terent. ed. 
Sckopeu, ßonn 18^. 8. Deutsch (von F. H. y. £insie- 
del) Leipz. 1806. 2 Bde. 8. 

§. 325. 

Unter den neuern komischen Schaubühnen hat, me 
es scheint, die italienische den ältesten Ursprung, der 
schon in die späterh Zeiten der alten römischen Schau- 
spiele fällt, welche sich freilich wShrend des Mittelalters 
ganz von dem antiken Geschmacke entfernt hatten. Die 
erste Verbesserung erhielt das Lustspiel in Italien durch 
den Cardinal Bibiena, und eine gröfsere Vollkommen- 
heit durch verschiedene Dichter des sechszehnten Jahr- 
hunderts, als: Ariost^ Aretino, Grazzini, Cecchi, 
della Porta u. a. m.' Von neaem komischen Dich- 
tem der Italiener sind Fagiuoli, Goldoni, Gozzi, 
Capacelli, Willi, deGamerra, Nota undGiraud 
<Iie berahnitesten. 



•»f 



2ßti Das Lu3t$piel« 

S. HutQirt du ThetUre Italien, par Loui$ Riccoboni; Par, 
1727. 31. 2 Voll. 8. — Fontanini deW Eloquenxa UaÜaM, 

7. L p. 360. — Tirabotehi Storia deüa Lett. Ital 7. VIl. 
p. 3. I». 140. BoDterwek's Geseb. der v. P. n. B. IL 170. 
Schlegel's Vorl. 8.'-* La Drmnainrgia di LUn0 Allacci, 
accrticiuia e conHnüafa dalV Apettölo Zeno^i V$ne%. I7to. 4. 
VergL die N. A. Ton SaUer't Allg. Th. Bd. 1. S. 526.; und 
FlSgers Getek der kom. Litt Bd. IV. 8. 1»»— 157. --* U 
CaUndra de! Card. Bibiena; Venex. 1523. 12. (S. Les- 
ting'f tkeatral. Bibl. II. 241.) — Ario9t*« KomSdien 8. in s. 
Werken. — Commedie di Pittto Äretino; Venez. 1588.8. 
Commedie di A. F. Oraxxini, dtttö il Lutea; re7r.']582. 
2 Voll 12. - di Ceehi; Venex. 1585. 8. --' di Qiow, dilla 
Porta,' Nap. 1730. 4 Voll. 12. -^ di G. B: Fagiuoli, 
Ven. 1753. 7 VoH. 12. — ii C. Qol4oni; Türino 1756. 22 
Fo». «. *- Jl Teatro di Carlo Ooxxi; Ven. 1773. 6 VoU. 

8. — di Franc. Albergati CapaeelH;^ Venex. Uli ^1^^ 
5 Von, 8. — &//• Alibate Willi; Venex. 1778. 2 F<rf/. 8. - 
2^099 Teofftf — Ven. 1790. 2 Fofl. 8. -- iVvovo TtfUlro ib' 
Oio. de Oamerra; Piea 1789. 7 To//. 8. >- Commedie £ 
Alberto Nota; T^rino 1818. 4 VoH. 8. -^ Commedie dd 
Conte Oiov. Giraud; Müano 192&. 5 Voll. 8; - 

,§• 326. 
Iq Spanien, wo alle Elcmciffe der Romantik, Re- 
ligion, Heldenthum, Ehre und Liebe im Charakter des 
Volkes sich vereinigten, um die schönste Bltithe der ro* 
mantischen Poesie beiroi^obriiigen, pr«kgte eich ai^cb im 
Drama dieser Charakter auf das Vollkommenste aus. 
Wie in dem Leben selbst war in d^u Scbsmspicl. das 
Heilige mit dem WelÜichcUr der Ernst mit den) ^ch/srze 
▼erwoben, Lo.pe de Vega» dieser . fruchtbarste . aller 
Dramatiker, ist überreich ai^ eiwig neiyer JCrßpduDgr 
wenn er auch an kCinstleriadi vollendeter Ansbildnog 
des Einzelnen von seinem grofsen Kacbfolger Calde- 
ron de la.Barca übertroffen wird. In Calderon bat 
das romantische . Drama seine höchste Beife erlangt* 
I^iebe und Ehre erscheinen bei ihm in fttbeifiscber Yer- 
kläning; Rdigion aber ist die Sphäre, in welcher die 
Innigkeit seines tiefen Gemüthes am herrsKcbat^^ . ^^^ 



D9$ Lustspiel. 26»1 

» 

% 
entfaltet. Anck wo^^fr in aeinep Intrigu^qstücken, bei 
den Spaniern ^,Mantel' und Degeix-Slijeke** gel^ahnt, die 
WjrUiqhkeit des ihn umgebeodea Jüebisps schildeirt, Tf;r- 
läiJst ihn nicht der yrnnderiBaine Zauber scbüpferisdier 
Poesie.* ' ' * 

S. Riccohoni Reflexions iur les differens TKeätres de VEurope^ 
(Par, 1738. SJ p. 56. Yelaz^ae^ Gesctiichte ßer spanischen 

. picManst, Abth. III Abschn. 5. S. ^96. FlogePs Gesch. der 
lom.| Liil-Bd. XV. S. 157 -iSi. — Pellicer We el oHgen 
y P^<^g^' ^^ lo, Comedia eii Efpaua; Madrid 1804. 2 Voh, 8. 
-^ ComediaM de Lope de Vega Carpio^' en Madrid IQOi -- 
1617. 25 Fo//. 4,; Obras, Madrid 1116 a, 21 Voll. 4. Stern, 
Zepter, Blame, deutsch von G. O.von der Malsbars: Dres- 
den t824. 3- — Comedia» de Don Pedro Calderon de la 
Barca; eu Madrid 1685 — 91. 9 roll. 4. Deatsch von J. D. 
Gries, Berlin 1817 £P. 6 Bde. $.; von G. O. von der Mala- 

borg, Leipz. 1819. 5 BUnde 8. S. auch V. G. de la 

Buerta theatro hespanol; Madr. 1785. 17 Vol*. IL 8. -— Ex- 
traits de plusieurs Piecet da Tkiatre Espagnol par du Per- 
ron de Casieraii Par. 1738. 3 Voll. 12. — Theatre Espagnol 
par le Sage; Par^ 1700. 12. -- Theatre Espagnol par Lin- 

. guit; Par. 1768.. 4 Voll. 12.; überis. Braunschw. 1770. 3 Bde. 
gr. '8. nnd^ Beitrag däza» Riga 1772. 8. — Üeber die dramati- 
sche Poesie der Spanier im )6ten Jahrb. s. Bonterwek's 
Gesch. deir b. Poesie und Beredts. Bd.' III. S. 276.: Über Lope 
de Vega, ebendas. S. 365.;. und fiber Calderon und die spS- 
tere Periode des. späh. Tl^eaters,' ebendas. S. 501. — Schle- 
g er s' Vorl. 14. ' 

.••'•, ..§1». .327. 

UqVer ^eu Franipsen ist das Lustspiel mjt ei«er 
gewias^eq, Regißlmäfeigkeit und Eleganz sehr glücklich be- 
arbeitet wordeä. Von der eabireichen Menge ihrer ko- 
mischefif Dichter sind die merki'vQrdrgstenr Meliere, Ba> 
ron, MontfleurV, le Grand, Fagan, Marivaux» 
SaiBtf4)i;(, Regnard, Destouches,Ia Chaussee,. 
Valtjaire; F^ntenell^v le Suge., Boissy, Du- 
fresDj, Dancoort, Mad. Grafignj, I)idert)-t, Sc- 
Jainc, Piron, le Br^t, Colle^ Saarin,- Moissy, 
Beaunlarcbais, Doraty Mercier, Fahre d'JEglan- 



264 Das Lustspiel. 

tine» Collin d'Harleville, Pieard, Andrienx, 

Daval, Casimir Delavigne, Scribe. 

Eibe lurze Cfaanileririfai^ des fraoxSe. TWaters s. m Harmon- 

UVu P0ä. Ft. T. //. p. 394. Udber die Gesckichte dend- 

bea 8. Hitiaire dm Tkeatre Fram^; Pmr. 1745. 16 VM, 11 

— Beekereke$ $mr le» Tkimtrea de France^ par Mr. de Bemu- 
champ»; Par. 1735. 3 Vott. 8. — Oeoffrof Court de lit- 
terature drtanaüqme. Ed. IL Par. 1825. 6 VoU. S. — La 
trau TlUatree de Parte — par Mr. Deeeeemrie; Par. 1777. 
8. — Notii der Sdumspiele : Dictionnaire dte Tkiairee dee Pe- 
rief Par. 1756. 6 VoU. gr. 12. — DicHmmmirt Dramatique; 
Par, 1776. 3 Voü, gr. 8. — Petit ot Repertoire du Tkeairt 
Frangait; Par. 1817 if. 25 Vole. 8. Repertoire gemeral da 
thiaire fr. 1813. 51 VoU. 12. Theatre du preimier et eecomi 
ordre; Par. 1818 if. 67 Vols. 18. Flögel's Gesdu der koa. 
Litt. B. IV. S. 222. 278. Boaterwek's Gescb. der n. Poe- 
^'e nnd Beredtoaijjkeit, Bd. Y. S. 268 ff. VI. 179 ff Schle- 

gel'a YorL 9 a. 11. — Oeuvree de Tkeatre de Moliere; 
Par. 1734. 6 Voll 4. Jmti. 1765. 6 VolL 12. — de Baron; 
Par. 1759. 3 VoO. 12. - de Montfleury; Par. 1730. 3 VoU. 
12. — de Mr. le Orand; Par. 1742. 4 VoU. 12. — de Fa- 
gan; Par. 1760. 4 Voll. 12. — de Marivaux^ Par. 1781. 
12 Voll. 8. — Äf Saint foix, Par. 1762. 4 VoÜ. 12. - & 
Dettouchet; Par. 175^. W Voü. 12.— Oeuv. de Begnari; 
Par. 1731. 5 VoU. 12. — de la Chauteee; Par. 1762. 5 FelL 
12. — de Voltaire, v. eet Oeuvree; Par. 1782 m. 72 VeU. 
8. T. I'IX. — de Fontenelle, v. eet Oeuvree; Par. 1752- 
58. 10 Voll.l% - de Mr. le Sage; Par. 1736. 2 VolL 12. 

— de Boiii^; Par. 1758. 9 Voll. 12. — de Dufreeny; Pitr, 
1747. 4 Voll. 12. — de Daneourt; Par. 1760. 12 Vott. 12. 

— de Me. Orafigny; Par. 1751. 8. — ifc Diderot; Par. 
1758. 12. — ife Sedaine; Par. 1775. 8. — d^ Pirhn; Par. 

1777. 9 Fo/f. 8. — A; /e Brtff ; Pur. 1765. 12. — dle^ C«//e; 
« la Ha^ et Pari» 1777. 3 VoU. 12. - d^ Saurin; Par. 

1778. 12. — de Moieey; Par. 1779. 2 VoU. 12. -^ de ffeüM- 
marckaie; Par. 1780. 5 FoK. ^r. 8. — d^ Dorat, v. tee 
Oeuvr.; Par. 1779. 9 VoU. S. ^ de Mercier; Jmtt. 1778- 
85. 4 VolL gr. 8. — d^ Fahre dEglantine; Par. 18^ 
2 VoU. 321 .-. d^ Collin d'Harleville; Par. 18281 4 Fob. 
8. ^ de Picard; Par. 1812. 6 Fob. & — d'Andrieux; 
Par. 1823. 6 Fo2e. la — de Duvai; Par. 1822. 9 Foli. 8- 

— TA«We de Caeimir Delavigne; Par. 1825. 2 VoU. S. 
(darin Lee'Concddieni, VieoU de vieilUarde). — TAiofr« d'fv* 
gikne Sert&e, X 1 — 8.; Par. 1828—30. S. 



Das Lttit^pifei. 26& 

■■.i .' »% ^ ' , • • \ ' /, : ' ' . ; .*■ . . 
AuclT im XiüiBtspiete l)esitzt £ n g I a q 4 den vbllkom- 

menstea Meister ' an i^ h a k s ue a r e, tjrilt . es Vcrwicl^e- 
luDgen anzulesen, so weifs Niemaqd die Fäden siniirei- 
eher zu Terschlingen als ei^; gilt es Charaktere zu ma- 
len, so zeiet er sich als der Vertraute des menschlichen 
Herzens. Sein Ausdruck ist ,von Witz überströmend« 
Indem er das wirkliche Leben schildert, überrascht er 
darch Wahrheit, und bezaubert, zugleich durch erfinde** 
rische I^hantasie. Andere Komiker Ebglanda sind: Ben- 
Jonson, Massinger, Beaumont und Fletcher, 
Dryden) Otway, Wicherley, Congreve, Van- 
brugh, Steele, Cibber^ Farqbar, Garrick, Foote, 
Colman, Cumberland, Murphy, Sheridan, Mrs. 
Cowley, Mrs. Juchbald, Holcroft, Macklin, Ro- 
berts, Richarjdson und Reynolds. 

lieber die Geschichte des eDgüsc^b)» Theaters §. Langbai' 
n€*i Account pf the Engluh äramatih PoeU; "Oxford 1691. 
B. — The Companiok to tlU Bflyhou$e; Lond. 1764. 2 Voll, 
ß, R 4^. nnter dem Titel: Jt). E. Baker* ß $%ograp1ua Dra- 
maiica,^ Lond, 1782. 2 To//. a — The Origin ^ the Engliih 
Dramif.by Tho\ Etaiffkim; O^f, 1773, 3 Yott. ?. VergL 
lllagefs Gesch. der Icom. Litteratur, Bd. HT/ S. 1911-222. 
und die litterar. ZosäUe «aiSuUer's ÄUg! Th "fi. I. S..565. 
BouterWek'i Gesch. B. VÜ: $. 27l ff. VBI. 38ä ff. Schle- 
gePs Vorl. 12 o. 13. — Dl^ Aasgahen der Werke der genann- 
ten Dramatiker sind snm Theil oben §. 3)1. schon aaFg^hrt 
Vorden. — The Play of Wicherley; Lond. 17l3. B. ;- of 
^ongyeve; Lond. 1753. 3 Voll S, r- of Vanb'ruch; Lond, 
1734. 2 VoU. 8. — of Steile; LÜnd 172^ k '-^ ofC'ib.ber, 
lond. 1758. 4 Voh. S. — 6f Farqhäir; Lond. 1733. 2 Foli. 
8. -^ of Garrichß Lond'. 1797. 3 VoU, 8.< — of Poote; 
Lonim%, 4 VoU. 8, - j>/ Colmßn; Lond. Uli: i VoU. 
B. — Eine Nachweisang der einzehien Lustspiele yon den oben 
znletzt genannten YerEMsem s. m J, D. Reufs Gelehrtem. £ng- 
Wd; Berl. 1791 und 1804^ Bde. 8. ' ^ 

8. -329. ■ 

l>ie iowisohe Bühne. derIXe4itspheii ift vreit ]tin< 
Ser als die der bisher genannten Völker. Unter den Ü- 



teren Schauspieldicbtam jst. J. J^. Schlegel nicht oime 
Verdienst. .Geliert's bürgerliche Lust^pieJe , werden 
TOP Krüger, 'Ro^mlinuSy' und am ' meisten yon Les- 
sing übertrQffen^/ $chrö(Ier iTufste ausländische, vor- 
zfiglich Shakspeariß'sche/ Schadspiele' geschickt der deut- 
schen. Bühne anzueignen; .TvaE^ehcJ l)eync' (pder An- 
ton Wall) franzüsische Ppasen einführte.. ,j&otne be- 
währte sich, auch im Lust- .und Schauspiel bIs Meister. 
Iffland's' Familien^cmälde. und Kotzebue'a nicht 
ohne Talent aber leichtfertig gearbeitete Dramen konn- 
ten nichY .auf die Dauer geniigen. Die neiicsre Zeit, in 
welcher der Craf v. Platen] kunstreich voltendete Ko- 
mQdien in aristophanischem ^til, freilich' nicht*' für die 
Biihne, schrieb, Andere, unter dißneh Kay m'ii^d' in Wien 
einq der ehrenvollsten 'Stellen ^innifnmti dtirpb phautasti' 
sehe Scherze zu ergötzen 'wissen, läfst sic^ n.9r aTlza- 
genügsam Ueberse tzungen und Umarbeitungen französi- 
scher Lustspiele gefafleri. • *. 

Zar Gescbiph^e dl^r Slteiren V^eiache im deplsdhen praii\a 8. Cjott- 
• cbed*8* ii5tliieen Yoiiratli zur Geschichte der deqlsdien dn- 
matischcil Dicbt^unst; . Leipip, 1757. .65. 2 Theil^ 9. -^ J. F. 
L 9 w e n s Schrißen . Bd. IV. ' -^ * Chroo'olosie Sihs deoi^cken 
Theaters.; Leipz. 1775. 8. — . Taschenbuch der deütiphen Scbao- 
bfihne; Gotha 17t5~1800; 1!j. '- V^rgl. Ffögel^t Oeich'. der 
lom:Xm. Bd. IV. S. 278^:M2. Bbuterwck'k 'Gesib. U 
Et. Sl'462 fii Spblegel^ai Vid. lä'.\— J. fi.' Schlegel'« 
Wertej/kopenh.' und Leipz. 1766'* 5 Bde. gr.'Ö. '— "Gel- 
le rt's Lustspiele;' LeIpz. 1755. gr' ''8." iind in s. sämmtlicheo 
Schrillen. •— KrOg^r shmterlassf^ne Scliriften; Leipz. 1763. 8. 
-^ Komödien ( yon. R^o m ^ n u 9 ) ; , Dresden und ' Wanichaa ^765. 
8. -U Lcssing's Lustspiele; Berl. 1767. 2 Bde. 8.* Tbealrali- 
ober Naclilafs; Berlin 1784, % Bande 8, und in s. Schriaen. 
Schr5der*is Beilrag^Wr deutseben ScbaubSbne* Bßrt 1766 ff. 
4 *Bde. ä — Hcyue's Bagatellen; Leipz. 17a3 flF. 2 Bde. 8. ^ 
V. Götbe*8 dramatisc)ie (jeaicbte, in dessen Werken; Stattg.O' 
Tüb. 182rff. 55 Bde. 8: u. Ijr- Ä. W. Iffland^ dramaü- 
8che Werke; Leipz. 1798— 1007.17 Bde. 8. — yU Kotie- 
bae'f Neue Schauspiele; Leipz. 1799—1819. 23 Bde. 8. Dn- 
matiscbe Werke; Leipz. 1827 — 29. 44 TUe. 8. — Dessen 
Almaiiacb dramatischer Spiele; BerL 1802 'fP. 19 MirgBiige. - 



4f> 



I * 



(i • ik^» < t > < ; • •! 



Die Opcx.,^ a$7 

Aug. Graf von PUteD-HaUeciii,ün4iei <U<^. xwh^ngni&volle 
Gabel; det romantische Oedipna, 



.'/ 



Die Oper« 



' • . •# I 



§, 3?0, 

Die Oper ist eio dramatisches Gedicbt mit vm-vTs^l- 
tepd IjrificheB El^inent^p» wejc^es erst durch d^n. musi- 
kalischen Ausdruck seioe.YoUe Wirkung auf der Bühpe 
errcicl^en irilK Da aufser der Mimik auch noch die Or^ 
chesük iu. den eingefügten Balleteq» und die Architektur 
und Malerei in der Ausschmückung der Bühne zur Dar* 
Stellung der Oper mitwirken, so kann man sie (Mn Kunst« 
\7erk .nennen, zu dessen Vollendung fast alle^schOnen 
Künste sich vereinigen. 

^In der Oper ist die Poesie nur Nebensache, Miltel das XJebrige 
anzuknöpfen; sie wird unter ihren Umgebungen fast ertrSnkt. 
Die beste Vorschrift flir einen 0pern.text ist daher, eine poeti- 
sche Skizze lu liefern, deren Umruse nachher' itkrth die fibti- 
gen Künste ausgefüllt und gefärbt werden. Die Anarchie der 
Künste, 4>. Vwik, Tanz md Decoration sich gegenseitig . zu 
fiherbieten siiehiant ist das eigentliche Wesen der Oper/' Seh le- 
ge Ts Yorles. L 102. Vergl. Reflexion» $ur V Opera y dam le$ 
Oeuv. de Remond de St. Mard, T. V. p. 141. — (Krause) 
Von der musikal. Poesie; Berlin 1752. 8. Häuptel. K. XL 
•— Ramler's Vertlieidigung der Opera ^ in.Mairpi09g*s mnoi- 
kal. Beiträgen, Bd. II. S. 84. — Algaratti SaggiQ Mpra 
l* Opera in Musica, in 8.^i}per^ T. IL; Livgrno 1764. 8 VpÜ. 
S. übers, tou Raspe; Cassel 1769. 8. Marmontet Poetique 
' Frang. VoL IL Ch. XIV, Versuch über das deutsche Sing- 
spiel, na Ten Ischen Merkur Tom J. 1775. Viertel}. 9. 4. -^ 
StQhobauer's Abh. fiber die Singspiele; In dcQ>;Ahhand|iiiigfnt 
der Baierschen Akademie fiber Gerüst der seh. W., ()ttQi|<hen 
1781. 8.) Bd. I. — Rousseau's n. Sulzer's Wörterb&cher, 
Art.: Oper.' Gust Nicolai pber musikalische Dichtkunst, in 
dessen Arabesken fftr Musikfreunde; Lejpz. 1835. 8. — Bon- 
tevwek's Aesthelik, Tb. ü. 6.^ 204. Voltaire bescbreihi dUi 
Op^r als m ScbsntpieJ: ... 



26B Di£ Oper; 

Ok' fei heofkx ven^ Ja Dame, la Mitii^tatf 
L*ari . dt tromper le$ yeux par U» eouleufgj ' - 
Jjart plu$ hemreuk de eiduire Um coeun^ 
De Cent pUtUirn foni 'iifi plamr unique» 

§. 331. 
Wenn nun in der Oper Poesie und Musik sich za 
gemeinsamer Wirkung auf das innigste verbinden, Wort 
und Ton ein unzertrennliches Ganze ausmachen sollen; 
80 Wird hier die Poesie diejenigen Eigenschaften, welche 
sie ntit der Musik gemein hat, yorztiglich geltend machen 
mfissen. In der Sofseren Erscheinung sind* diefs aber 
Rhythmus, nachahmende Harmonie und tSberliaupt Wohl- 
klang der Sprache. Diese werden durch besondere Aus- 
bildung den musikalischen Tönen, in welc&en sie ihre 
Vollendung finden, entgegen kommen müssen. Aus dem 
» innem Wesen der Poesie aber ist es Tomehmlich das 
Get&hl, wodurch die Dichtkunst das Gebiet der Musft, 
als des unmittelbarsten Ausdruckes der Empfindung, zu- 
nächst bertihrt. Die musikalische Poesie wird demnach 
vornehmlich Poesie des Gefühls, also lyrisch sein 
müssen* 

Weitere Bemerkangen Aber das VerfaXltnilg der Ptfiteie rar fflniik 
8. obeh bei Gelegenheit der Cantate, §. ISS'ffl < 

§.332. 
Damit aber das lyrische Element in der dramaü- 
sehen Poesie vorwalten ktone, mufs der Dichter darauf 

I 

bedacht sein, die Mitspielenden in solche Situationen zu 
versetzeif, welche zu dem. vollen Ausdrucke der Empfin- 
dung Gelegenheit geben. Diese Situationen, als die 
Glanzpupcte der musikalischen Poesie, wird er durch eio- 
fache, deutliche und rasche Fortsdiritte der Handlung zu 
verbinden wbsen. Er wird durch leichte Zeichnung und 
bestimmte Contrastirung der Charaktere^ so wje durch 
Wechsel und Abstufung der Leidenschaften dem Ton- 
kflnstler ,zur IMtannigfalti^eit des musikalischen Ausdrok- 
kcs Veranlassung gewähren. Aus diesen bescmdem Rück- 



Die Oper. 2fi9 

sichten ergiebt sich üer Unterscbied der (^j^iTipqeaie Tom 
sonstigen D^ama« yVeder T^lfacb l^ttnstUche^yerfvickeb- 
luDg, die im :Intriguen8tückec^en Yerst^d hf»chlkhiff^ 
Doch. angeführte Entivickelung eines Schicksals, aus dien} 
Charakter, wie in derTragödiex sind hier an ihrer Stelle, 
spacljern eiqfachf) Skizzirfing finer zu lyrischen Si^uatip- 
nen veranlassenen . Handlung, mit einer bar^oni^(:hen 
EipWt dj^ T^tajbiniiruck^^^^ ...'..,: 

. Hieraus .ergiebt sich .schoOy 4^(s die Oper, dieses 
ErzeugpiC^ der modernen Welt, in dem romantiscben Ge- 
mete zu Hfi^s^ .sei, und am, wenigsten die sogenannten 
dassbcbep r Hegeln .der frai^OsisdieuMTrag^d^ zulaif^ 
ktone. Bifssea Kunstwerjk., das dorcb die gröCsle X^A'" 
ständigkeit .artisüscfaer Mittel ^alle. Sinne bezaif^ern vriJI^ 
gehört überhaupt in. eiuA lUheriscbe Zauberwelt. Vor- 
Züglich ist die Oper auch zu dem Ausdrucke des lijJr 
lischen geejgic^t« ^Indeipi .wicT.niuf,^.der altkerköpaqälicI^.eB 
Eintheilung der Oper gedenken, als der groCsen öder 
ern8;thaften Oper fOpera seria), upd der koii^i- 
«cp^jtt oder. s^qherzbaft.eniOper ( Opera iuffaj,, de- 
1^ erstere^ dem Epos and Trauerspiele verwandt, sich 
"* Götteroper utod Helden op er Iheile,' letztere dem 
komischen ICpos undLustspi^e sich nähere: müssen wir 
sogleich bemerken, dafs eine strenjge iSonderung in die ' 
wamatiscben Extreme des .Tragischen ^ und I^omiscben 
doch hier, wie im modernen^ Drama Überhaupt^ steh nicht ' 
durchführen lasse. Man wird zwischen eineiki ernsten und 
<^iQem leichten Stile der Musik und Poesie nodi einen 
•'^^^ sfilp annehmen müssen, und so auch, nc^ annShe- 
^Dgswejseund upgeföhr ^iner jeden Oper eines dieser 
Prädicatc zutbeilen können. 

§• 334. 
la der geschichtUchen Ausbildung der Oper hat es 
7^ so gestaltet, dab in der sogenannten, grofsen. Oper 
'"'^^hgängig Gesang herrscht, und das Recitativ.ancb. den 



^0 Die' Oper. 

Bfalog iä tihi^ tnmikvilisthe S^hSrfi ^^t! - lii dem 
Grad^ ' tiber t^ls die niedeird Oprer dem' Liisfspide, als 
deiki AbBilde t!e8 wir kltehen Lebens, &x6Vith Mreb, hat 
toäü ädch dt^tf^esproeH^ti'^ti 'Dialog iWi^i^h'den 
Muktlcst&tlefa gdten laiirseti; tktid'd^üT^tri^'Operette, 
d!jt fÖ\f die komische Op^f g^It/auf allfe Öiiei^ nrit ge- 
sprocbcti^fa Dialog, auch b«i (^rostei'e^ lohalb;" ausge- 
dehnt. Eine besondere Art des'kteih^riä mü^ikaliseben 
Drama's bei den Italicnism ist das Intermezzo, ein 
sehr einTaohisy ' meist VM ^ei ' Personeü ''«b^elÜibrtes 
Singspiel; dessten zwei kurze KuRti^k iti^eil'l)eided2wi- 
fidietlacttäl leifies grOföern Stückes gegeben i^erdeb. t)er 




lib^ratneh ttüd Duoilriätitiell', drt dk)^ %^itlailg In 
Beptschi^nd Üblich' v^i^^l 4n* Welchem^ die" Musik das 
Gespräch' i^^dtetis'bdlst^ in' die Unt^i^brcfchüiigen de^d- 
ben eftitrat. , » . ..,♦:. 

Pie ,t>e.§8er4^a dentsclien 'SiucUe cle'r fetziem Art,' woza Roas- 

- re^ti'VP^gibaltoto'^sIlIbstW^itb/sind: Ariff^n« aii'f !ü'iito8, 

i von fifiTüdes; L«ips; 1377.' 8« "Medea, voi»'Gf»tter; G^ 

f" > Vilh. %4 ' CephftlasBod Pfrokrls, m JlUlodraiaa, to^ Ram- 

Ibt; Bed. ,1778. 8. — lHnqn?i> vpii v.. Ger^tenbers: Haml»- 

1785. 8. -^ Vergl* über die sogeoannteii Melodram en ima 

deren iritlscben Werlh, Eberbard's Nene Vötm; Ächilften; 

- HaUb i78ä 8. Si 1 41: :^. feiblMh. d. sck W. Bl. XOVa. 

' iS. tl.77.;:i|ihd>ßd. XXXVflLiS. 71: tmd.Maafs über dis Uo- 

. .. draqM» i« dßn.Na^hirt jb. Snl^s/Qr, Bd^ III.. & 31^, i , .. 



• »!•■• I • t ' f 



§;• '335. "' ' * 

'ÄttcK:V'rf<ir <5p?i''!fe«'^'Öf^'^^^ ^^7 CWate, der 

Atisdrucl^der nihigem Eibj^BMang in das Rl^citativ^ 
und die Sprache der starkem' Xeidensbbäft in die Arie, 
l^wischen beiden stehen dai( obligate Recitativ, das 
Ario6d itid die CäVatilie mitten inne. ^ehn die 
höchste ' ät^eigehmg dös Gefühk, welche der AHc ^ 
koknitit:,"in'tneUrereii: Personen zugleich sich atisspHchf» 



und, harniboi^ch, ineinandeVgneifeiicl,/^u ciüeiri ipusfkali- 

schen^ öesaniintV«?^^^ Äöt«le6i das 

Due^t!,.iT erzett u. ,ß, iw.,) ißießjmß..Qjper.iOSl uw 'ei- 
nes odeFi ziF^^eii besitzt. /'Ebdliob'isiiid • die-.CköT^V '^^1- 
cbe häufig am Schlüsse der Äbte steheriV iu'r^VAlIsfSndi- 
gen,. ^Virl^unjg ' der 'dj;aiDa1is^^^ "Miisik ' unentbehrlich. 

AH;e;4i^i?« _Bep(ap.(i|*he|l«..4cr .PB^i:.. V^K^, 4«' fP'?**^^^^^- 
sche Dieter;. Qttt dpm Wesen der TonkiuiBt ^yertraat, in 
einer Mgebelttien« Folge zvsaannenziist eilen* 'wisselil' 

S: Äkäroilüs Veiincii/S/ifei(rÄ:'VYeröi;über das Wesen der 
Arie a. s. w., oben §. 162 — 166. » 

§.-^•3341 
BfiA AU^m' Mvät' diir Op^r < ihrer' jet^f gbfi ^orrtttf nach 
iremä;'^ d^ttt^^' d(el'''1iMt''iÜfii6ik HegÜifke«' Vortriifg' Ihrfet 
TrauTer^^ld, *utM<-dte Ubfefbrethiltfg : d^äsälbi^li delt^h 
dife Cb0f«g6^änge;' «itld tiM'zWAri^ ihtlsr gdiizeta'fie^ 

«chäfffeiA^lf Krit^t:b«fktfnlil!g<ändg;^ ttttf eib'*toIkt»li4i^l$B 
Utihi^il darüber ßin^^fcB kOiftl^V'^Heitjr däfrj^tif« fthVikö 
ßäfst^lfatig ven ütieief^t Op^r -v^^A^üili^ "i^l^bied^ 
ge%4^i8«&} lafet dch iMchl in ZWiß[M^6h€tiV Di^ Oj^i^ 
iiaHm m ^tali^tf, zU Etide d^ä -funft^tattätf Jabl^büiid^f tä, 
ären ililfl^^, und blalt d6^ bft jetzt äiefäeid %^d^ fbfe 
poetiisöhe J^W6bl -ale '«iuMi%li8cb«"AnÄlitdotlg'yor%figl!(lh 
tn danken. *• Unt^ den^'fükii italienis<^^A Op^'rtkiidb^ 
tnn sind' A(io8tolo ZetfO^ lind Me'lbsfa^io in der 
^slen OpePfHa^l^onta iti'der' Operette ^dieberdbnite- 

S(Ot). '«l'f; / ,i" • I |t»|f"»*«' IM«'«».) tf{«i r".:.k. .i^ 

'5/ iUeWkf !*»>#* ><fef repfüiniaiion$ tn' H/htii^ue ttneteHHtÜ '^rfhä- 

4er^srf Alf. 168^^(2« -^ ' Varpafg*^ iAu9ibdi;£ehrtfge« Tb. 

«II. ,S. 426.. Ite'MivQ^xionirtdßl Teatro Muncajti l^aUan^^ doHa 

. . 9ua 4^rigine fino al prei^nte;^ opera di Sfefanp Arf^aga; 

Ed. X VfiMX. 1785. 3 VolCi. Ein Werk, vvclcbes n^cht blofs 

, .interessante historisclie^agiricbten, 8opaei:n «an^ yieie lehr- 

, reicbe theoretische BemerJcnogen enthält. . XJebers. .mii An- 

• ..merkpngcn von. J. N. ForVel^.Leipz! .1789. 2 Öde. 8." — S. 
aacb^nlzer'ft N. Ausg. ßi^ IIL S. 588 ff.— F9rkel's^ Allg. 
Xitt., d. Jau^ilcy S. Xj^de -* Poe»ie . dxßmmaticke ^i 4^po$tolo 
'^tno; teMX. 1744.' 10 toU. 8. — Poeiie del Sig. Abaie JITe- 



W2 W^r Op^T. 

12 VoÜ. gr. 8.; BTaii/ooii 181$— 20. 20 VdlL 12. lieber den 

Cbaraktef seiner ^4ni li^ die' dem Bd! I. de^TQHllM AQ8<;abe 

¥of^eselx(e illili4tiff«ii^ 'v>M • C » 1 s « ¥ I g i , der 'sellitt' eq den 

. . «b«^ieii.Qiaem.0pehidi(Bliyni!i|fh9rt;.«sd Artea||ff*»G0icb. d. 

;., 1^1. Opejf, Pap. XI.-7-.,Ufi^eCjllIetMtifnai ypi^ Hiller; Lpt 

. .. 1786k. 8. — Opere gioeo$e dramfnatioJu di Polissenofegejo 

' ■ (Carlo doldoni), Poiiw '4rrd^';. fei^, 1753'. 4 Vo«. 11 

' RäeöUa'di mte fire'^p^e f«ikfraft;" nM.' 1794~'9S. '44 ToU. 

" a ' Eätfe Hmige 'ilU'rW*<ttattaiiiciierfd|MrdlM 

nifUa ü iq. dtriM. A««Ci'iT«»ivSn>Uetf M%Mi^^pfk 9'.%\A 
die iyGrdigiing..der Tornelmi^, {n Arteaga's.CfescIu d. iUli^ 
nisaien'illaslir'Ca'p; XV^^TScllle gel'i Vorl'lt' rS.' 35 tt 

jbor$cbeifl«|.:8Jcb 4«<UircI| Ypi]| .4er:M#li«irfßclM9a,i) dajb sie 
4iqbl/ßh/i4em jEMJl ga»^ wif di(Q;WgefM|o<Aft<iöttWNfter ei»- 
achr JtoU(9,^ dpafl au^b. pn : 4ie^ IM4cp«per d.aft fV^i^oderbare 

4iiifi)^hfP^..k{n wvLfm ZQiteo^hftt.tiDaQ: M^di nifiM nurio 

4f;m iDwiI(aIift<^«i}» ]9Qn4!em:attcb iaideaot^ppetisqlt^n.Tbeile 
i4«r grafAßfi Qpi^^ jdiQ.BQha0dlQoe9«rt ci^ItaUf^er 'f^xl^ 
gie»igej9, 1 I)er 'vpm^iaiiiytiBi ältere .Qp«rqdjQbt($r ^t Fi^- 
?a^ßn .waitiQuiaa.i)lt,.,4eqi' la:.Fonlaiji«:,..U jMotle, 
]!IIariy)(ajiiltaJl.u<\a. gefplgtlstod.. Djfekomsqbieii'OpeiiH 
4tchteF FraQkroicha/habea liflm .ThtillStaobe'j^Qliekrt, 
iKe sich dttroh.g)UlckUche'£i(6iidttng des Stoffes» »t^d noch 
mehr durch Feinheit uod. ADmiitb der Bebandlaog ^^^ 
¥ortheilbaft aosiaeichneo. • Zu; den. Verfasst m Ihper be- 
sten komischen Opern gehören: Fayart, Vadet An- 
si^aume^.^Poinsioet» Sedaine^ MaruioAte<l> Mar- 
8Öliiei\ 'Bdoilly, Dural, Dttbreilll,' JoujX^chiB 
der ernsteh Oper ausgezeichnet), Scribe n. a. m. 

Si ähtöi^e du Thitttre ü VÖpira in, France r Pari tibi. gr. S. 

Minehtrier, i: e, p. 152, HfirpuYg'a Beilr. Bd;l S. 181. 

' IM. II. S. 234. Caßtit Bia'xe di lOpira, en j^rdnce; P«»^ 

' 1820. 2;Toä: 8. Tk^dtre dePUHp^i Quinäuli, av. un» 

Diu. MUr «tfi ouvragekef de forigine, di VQper^^lPßr. 1777- 

6 rai. 12. — Oeuvr. de la Fontaine; P«r. l?58,'4>b//. 12. 

^^ Ä ;j* Motte, C^ar. 1754. 10 Vok l%0 VöU, tl FI/- 



Die Oper. 273 

Neuere Opern {ai die firanzÖBiiciie SOhne, njid Ktm Theil Um» 
arbeitongen Slterer, sind von de la Bro^re« Ch»banon, 
üarmontel, Bäilly do Rolley, Goillard, o. a. m. --- Re- 
eueil general de» Optra, repreienie» par l'Academie Royah de 
MuBique; Par, 1703—45. 16 Voll, 12. — Ueber die kom. Oper 
der Franzosen s. Hütoire* de J' Opera Bouffon, 2 Partiet; Amst, 
et Par, 1768. 12. — Hutoire da Th^atre de VOpera Comique; 
Par, 1769. 2 Voll, 12. — Theatre de l' Opera comique, qu re- 
eueil de$ piecet reitees a ce th4atrej Par, 1812. 8 VoU, 18. — 
Oeuvres de Mr. et Mad, F\a.f>artf Par, 1762« 8 VoU. gr. ^. 
•^ Oeuvres de Vade; Paris 1758. 4 VoU. gr. 8. *- dlÄn*- 
seaume; Par, 1767. 8. — de Pojinsinet; Par. 1767. 2 Voll 
gr. 8. — de Sedaine; Par, 1777. 4 Voll, 12, — de Mar^ 
montel; Annette et Lubin — La Bergere des Alp^s — HiU 
vain; in s. Werken. -^ Andere sind einzeln -gedraclt, anch in 
^ den Partitorcn der Masik. — Samndang ftlteccB komischer. Opern« 
wornnter die von le Sage die besten aln^: Th^re de la 
Foire; Par, 1721. 10 Vols, 12. 

§. 338. 
Bei den England ern ist die ernsthafte National- 
oper niemals in Aufnahme gekommen. Ihre besten piqh- 
ter auf diesem Felde sind Addison und Gay. Der 
Charakter ihrer komischen Oper ist mit ihrer Behand- 
lungsart des Lustspiels ziemlich übereinstimmend; nur 
pflegt der Ton des Dialogs noch öfter nied^igkomisch 
zu sein. Die Anzahl ihrer scherzhaften Sing&piele ist 
nicht grofs; die bekanntesten sind Ton Gay; Fielding, 
Coffey, Lillo, Bickerstaff (Rieh. Steele), Ba- 
tes, Kenrik und Dibdin. 

Von der englischen Oper b, BbaucJie d'un Catalogue historique 
et chronologique des Opera Anglois, et des lautres Pieces An- 
gloises qui ofit du rapport avec les Opera; in der Biblioth^- 
que Britannique, T. XV, p. 75. 244. Vergl. itfarpurg's Bei- 
trage, Bd. lY. S. 17. und ä alz er, N. A. Bd. HL S. 488. — 
Addison^s Rosemonde, und Gaj's AciA find Galathee s. in 
ihren Werken. Aach gehören Uli ton*s Komas, Mall et* s Al- 
fred, Mason's Elfrida, Lockniann*8 Rosallnde, Planche's 
Oberon za den bessern Werken dieser Art — Aas d. kom. Oper: 
Gdy*s Beggar*s Opera in tob Parts, in Kis Works; I^nd, 
1757. 2 Vols. 8. — Fielding's Dramatic Works; Lond. 
1745. 2 Vols. gr. a — Caffey's Devü to pä$ — Merry 
Escbenb. Th. 18 



274 Die Oper. 

• 

CohUrr hmL 17$1. 8, *- hilU*u Aifoi«, mr ihe Oawtr^Bu- 
rMs Worin, (Und. 1775. 2 VoU, VI,) Vol. L - /«. Bitktr- 
9tmff*9 Looe in m ViÜage — Maid of the Mal - Daphe 
tmd Aminior ^ Lionel mndClofi9$ms n. a. m. sind eiueh ge- 
dmckt. 

§.339. 

In Dentscblaud brachte schon das 17te Jabr- 
hundert häufige, meist verunglückte Versuche in der ern- 
sten Oper hervor; in der Folge bat die fast übertriebeDe 
Liebe zu italienischen Singspielen unsem Dichtem die 
nöthige Aufmunteruhg entzogen, um diese poetische Gat- 
tung zu bearbeiten. AIceste und Rosamunde von 
Wielandy einige Singspiele von Jacobi und Gotter, 
geböten zo den deutsdien Opern, die sich von Seiten 
der Poesie vortheilhaft auszeichnen. Die komische Oper 
hat man vreit öfter, ab die ernsthafte, bearbeitet, und ist 
darin bald den französischen, bald den italienischen Ma- 
stern gefolgt. Dichter dieser Gattung sind: Weisse, 
Michaelis, Gotter, Engel, Meifsner, Bürde 
und viele andere, unter denen allein Göthe hervor- 
ragt- 

S. Versach über das teutsche Singspiel, im T. Mercnr, Jol. and 
Nov. 1775. — Ein Vcneichnifs lÜterer deutscher Opern «v 
Gottsched's Vorrath z. drilin. Dichtkanst in Marparg's mo- 
siU. BeitfSgen, Bd. IlL S. 277. Bd. IV. S. 419. Bd. V. S. 310. 
409. Vergl Fdrkel*s Allg. Litt der Mosik, S. 168.; und £e 
Zusätze zo dem Art. Oper in Sulzer's Allg. Th. Bd. DL S. 
601. — Von den Hambargischen ehemaligen Opern steht 
ein Verzeichnifs in Mattheson's mnsikal. Patrioten, St XXII- 
XXIV. — Wieland'a AIceste, Leipz. 1773. 8. Rosamoiukt 
Weimar 1778. 8. ond in s. Werken, Bd. XXVI. — J. G. J«- 
cobi*s TüeatraÜsche Schriften; Leipz. 1792. 8. — F. W. Got- 
ter's Litterarischer NacblaCi, odier, Gedichte, 3ter Band; Gotb 
1802.8. — Reichardt fiber die deatsche komische Oper, HatD* 
bnrg 1775.; nnd ein Verzeichnifs. der seit dem Jahre J770 er- 
schienenen Stücke, dieser Art in dem jährlichen Gotbaisdiea 
., * Theaterkalender. VergL Sulzer's Allg. TL N. A. Bd. lü. S. 
609. — Weisse 's komische Op^m; Leipz. 1771 ff. 3 Bde. H 
8.'— Michaelis Operetten, Leipz. 1772. 8. und in seinen Ein- 
zeben Gedichten; Leipz. 177a &. -- Götter'« Singspi«!«' 



Die Oper* 



275 



Leips. 1779. 8. — Engel' s Apolbeke; Leipz. 1772. 8. — 
Meifsner's Alcbjmist; Leipc. 1778. 8.— Die 8ch5ne Aneue; 
ebend. 1778. 8. — Operetten von S. G. Bürde; Königsberg 
1795. 8. — V. Götbe's Klaodine von Villabella; Erwin und 
Elmire; Lila; Jerj nnd Bätely; Scherz , List und Rac&e; in s. 
Schriften. — S. aach: Komische Opern, Beri. 1774 ff. 3 Bde. 
8. — Lyrisches Theater der Deutseben; Leipz. 1782. 2 Bde. 8. 



18* 



Rhetorik, 



/ 



\ 



/ 



279 



Einleitung. 

Vou der Rhetorik überhaupt. 



§. 340. 

JEvede, überhaupt genommen, bedeutet jeden wörtlichen 
Ausdruck unsrer Gedanken und Empfindungen, in einer 
gewissen Folge und Verbindung. Durch die letztere Be- 
stimmung unterscheidet sie sich von der blofsen Spra- 
che. In jenem allgemeinern i^inne aber sind die Re- 
geln der Rede (gegenstände dreier besondrer Wissen- 
schaften: der Logik, welche richtig, zusammenhängend 
und gründlich denken, urtheilen und schliefsen lehrt; 
der Grammatik, welche die Bedeutung, jden Gebrauch, 
und die Verbindung der Wörter und Redensarten be- 
stimmt; und. der Rhetorik, welche zu einem fortge- 
setzten und zusammenhängenden Vortrage der Gedan- 
ken, und zur gefälligen, schönen und wirksamen Anord- 
nung der Kedetheile, na,ch den besondern Zwecken je- 
der Gattung der prosaischen Schreibart, Anleitung giebt. 

§• 341. V ^ 

Rhetorik oder Redekunst ist also, in diesem Um- 
fange genommen, die ganze Theorie des prosaischen 
Stils oder der Beredsamkeit. Unter Beredsamkeit aber 
versteht man im weitem Sinne die Fertigkeit, seine Ge* 
danken und Empfindungen zweckmäfsig vorzutragen, sie, 
mündlich oder schriftlich, auf eine richtige, deutliche, und 
der Absicht des Redenden oder Schreibenden gemäfse Art 



280 Rhetorik. 

aaszudrücken. ZaweQcn, aber sehr aneigentlich, wird 
auch diese Wissenschaft selbst, als Gegenstand der £r- 
kenntnifs, Beredsamkeit genannt. Bei den Alten war 
dieser Begriff hauptsächlich auf die Fertigkeit des eigent- 
lichen Redners, und die Rhetorik oder Redekunst selbst 
vornehmlich' auf den Unterricht und die Bildung dessd« 
ben, oder auf die Rednerkunst, eingeschränkt; die 
Theorie der prosaischen Schreibart tiberhaupt und ihrer 
übrigen besondern Gattungen war mehr ein Gegenstand 
der Dialektik und Grammatik. Die Lehrer dieser bei- 
den Wissenschaften schränkten sich nicht blos auf die 
Sprache und deren Verbindung ein. 

§. 342. 

Der Zweck der Rhetorik, insofern sie Anweisung 
zur prosaischen Schreibart überhaupt ist, erstreckt sieb 
daher auch weiter, als blos auf Ueberredung und 
Ueberzcugung, worein er von den alten Lehrern der 
Beredsamkeit, und mit ihnen von den meisten neuem 
gesetzt wird. Bei jedem wörtlichen Vortrage hat man 
die Absicht, entweder den Verstand zu belehren, oder 
die Einbildungskraft zu unterhalten , oder das Herz zn 
rühren, oder auf den Willen zu wirken. Unterriebt, 
Unterhaltung, Rührung und Ueberzeugung sind 
die vornehmsten Zwecke des prosaischen Schriftstel- 
lers, die er sich oft einzeln, oft aber auch gemein- 
schaftlich zum Ziele setzt. Bei jeder besonderen Gat- 
tung der Schreibart mufs die Absicht derselben aus ib- 
rer Natur bestimmt wrerden, ob und inwiefern sie den 
Verstand aufklären und unterrichten, oder die Einbil- 
dungskraft i^ngenehm unterhalten, oder Empfindungen er- 
regen, oder den Willen und die Neigungen lenken und 
bessern soll. 

Die Aristotelische EcklSning der Rhetorik (Ehet. L. L e. 2J: 
haoptsäcblich nar Gßr die Kunst des eigentlidien Redners. 



Rhetorik. 981 

§ 3^ 

SiDD und Ausdruck sind die Bestandtbeile einer 
jeden Rede, gleichsam Geist und Körper derselben, und 
stehen, wie diese, mit einander in Beziehung und Ver- 
bindung. Beide, Materie und Form, sind nun zwar ein 
Gegenstand der Rhetorik; indefs erstredit diese 'Wis- 
senschaft sich nicht auf den ganzen Umfang des Unter- 
richts 'über Gedanken und Worte, der in der Logik und 
Grammatik ertheilt wird, sondern setzt yielmebr diesen 
Unterricht Torans, und schrankt sich' Tomehmlich auf 
die Schönheit und jedesmalige Zweckmässigkeit 
des Vortrags ein, das ist auf die Fertigkeit, dasjenige, 
was man philosophisch richtig denkt und grammatisch 
richtig zu bezeichnen weifs, nun auch oratorisch schön, 
und dem Zweck einer jeden Gattung der Beredsamkeit 
gemfifs, anzuordnen und v(Hi&utragen. 

Yergl. J. A, Erne$ti Prol. de arti» bene eogitanäi et bene dt- 
eenäi conjunctione ^ in ej. Opuic. Ora$* p. 134., und Camp- 
bell'i Phüoiophy of RhHoHc^ B. L Ch. IV. »Of the Bdaikm 
which Eloquence bearg to Logic and Grammar" 

§• 344. ^ 

Im weitesten Sinne ist unter den gesammten Gattun- 
gen der Beredsamkeit auch der poetische Vortrag 
mit begriffen. Gemeinlich aber pflegt man nur die pro- 
saische Schreibart zur Beredsamkeit zu rechnen, und 
auch in dieser Rücksicht Dichtkunst und Rede- 
kunst zu unterscheiden. Diese Unterscheidung ist 
nicht willkührlich, nicht blos im Sprachgebrauch oder in 
dem räufsern Unterschiede der Formen, der metrischen 
und der unmetrischen, gegründet', sondern Tomehmlich 
in der wesentlichen Verschiedenheit des Endzweckes, in- 
sofern der prosaische Schriftsteller hauptsächlich Unter- 
richt, Unterhaltung und Ueberzeugung zur Absicht hat, 
der Dichter aber ohne äufsern Zweck ein Kunstwerk 
bildet, das um seiner selbst willen besteht, und seinen 
Zweck in sich trägt. 



282 Rhetorik. 

S. oben §. 22. — Haaf« fiber die Begriffe Ton Prosa and Rhe- 
torik, in den Naditr. s. Saher, ftd. V. S. 229. 

§. 345. 
Es giebt eine gewisse natürliche Woblredea- 
beit, Termdge welcher auch die,' welche niemak rheto- 
rische' Regeln ertemt haben, aber einen bellen Verstand, 
lebhaftes Gefühl, Geschmack uud Sprachfertigkeit .be«z- 
zen, ihre Gedanken auf eine deutliche, geordnete, zweck- 
mfitsige und eiitdringliche Art, schriftlich joder mündlich, 
darzulegen im Stande sind. Diese theils von der Natur 
gewährte, theils durch Erziehung, Umgang und Bclesen- 
beit erworbene und ausgebildete Gabe macht indefs die 
weitere Hülfe der Kunst nicht ganz entbehrlich, sondern 
wird vielmehr von dieser vorausgesetzt, und durch sie 
zur grübern Sicherheit, Fertigkeit lind VoUkommenbeit 
gebracht. Sich den Gegenstand seiner Rede deutlich zu 
denken, sieb meiner ganz bemächtigt zu haben, von deo 
Gründen und Beweisen seines Vortrages in sich selbst 
lebhaft überzeugt, von der zu erregenden, Leidenschaft 
selbst durchdrungen zu sein, diefs wird bei jeder Gattung 
der Rede und der Schreibart nothwendig erfodert. 

§. 346. 
Der mannigfaltige' Nutzen der Redekunst ist 
aus ihrem Wesen und Endzwecke einleuchtend. Fast 
keine von allen Wissenschaften hat auf unsre sämmtli- 
chen SeelenkrSfte eine stärkere Beziehung. Sie wirkt 
nicht nur, als schöne Kunst betrachtet, auf Sinne und 
Phantasie, sondern auch durch die Eindringlichkeit, die 
"'sie den vorgetragenen Wahrheiten verschafft, auf die 
höhere Erkenntnifs, und ertheilt zugleich andern Wissen- 
schaften gröfsern Reiz. Sie setzt uns in den Stand, nicht 
nur Gedanken und Vorstellungen, sondern auch Ge- 
fühle, Neigungen 'und Entschliefsungen , die uns eigen 
sind, aufs stärkste auszudrücken, und sie bei Andern 
aufs wirksamste zu erwecken. Sie lehrt uns sowohl die 
Gegenstände selbst vielseitiger behandeln, als ihren Vor- 




Rhetorik. 283 

trag besser überdenken ond anordnen. Sie ^rtlieilf den 
Beweisen mehr Ueberzeugongskraft, den leidenschaftli« 
eben Vorstellungen mehr Eindrack und Wirksamkeit. 
Wahrheit und edle Gesinnungen werden durch sie be- 
fördert und unterstützt. 
Vgl. Theremin Die Beredsamkeit, eine Tagend; Berl. 1814. 8. 

§. 347. > 

Freilich aber kann auch die Beredsamkeit durch ^ 
Misb rauch in eine müfsigc, unnütze, oder gar ver- 
derbliche Kunst ausarten, wenn sie von diesen ihren ei- 
gentlichen und edeln Zwecken abgeleitet, und nicht zum 
Vortheil der Wahrheit und Tugend, sondern zur Be- 
schönigung, Ausschmückung ond Empfehlung des Irrthums 
und Lasters angewendet, wird; wenn man Sätzen und 
Meinungen, die nicht erweislich genug, noch sittlich gut 
sind, oder verwerflichen und verführerischen Gegenstän- 
den, durch ^en erborgten Schimmer gefälliger, hinreifsen- 
der Einkleidung ein blendendes, für den befangenen Ver- 
stand des Lesers oder Hörers botrügliches Ansehen er- 
theilt. Ein Misbrauch, der jedoch nur dem, der tich 
ihn erlaubt, nicht aber der Redekunst selbst zum Vor- 
wurf gereichen kann. 

§. 348. 

Wenn sich gleich die Anfänge der Sprache und 
Schrift in die frühesten Zeiten des Alterthums verlieren, 
so waren diese doch nicht .zugleich Ursprung der 
Beredsamkeit. Dieser letztere setzte vielmehr schon 
Reichtbum der Sprache, und merkliche Fortschritte in 
der Bildung bürgerlicher Gesellschaften voraus; ungeach- 
tet jene ursprüngliche Beredsamkeit mehr freie Ergiefsung 
der Seele, unwillkührlicher Ausbruch der Empfindungen 
und Leidenschaften, als überdachter und künstlicher Bau 
der Rede war. Zweckmäfsigkeit, die erste und we- 
sentlichste Regel aller Rhetorik, war auch da schon, die 
Triebfeder, welche auf den Vortrag des Redenden wirkte, 
^d ihm die jeder besondem Veranlassung und Absicht . 
gemäise Richtung gab. 



/ 



984 Rbetorib 

I 

§. 349. 

Frfiher, als die prosaische Schreibart, entstand 
die poetische, und jene ward, gleich dieser, zaergtam 
meisten znr AobeichnnDg historischer Begebenhaten an- 
gewendet. Kein Volk des AJterthams aber bildete die 
Beredsamkeit und den guten St|I so Tollkommen aus, 
als das griechische, bei dem sich alle Bedingcmgea 
hieza, Talent, Freiheit, Sprachcoltur, Philosophie und 
eine günstige Staatsverfassung vereinten. Nicht blofi die 
eigentlichen Rhetoren, sonderA auch die Grammatiker 
und Philosophen beschäftigten sich mit der Theorie der 
Redekunst in ihrem ganzen Umf^ge; und die griechi- 
schen Schriftsteller des besten Zeitalters sahen sfimmt- 
lich eben so sorgflftltig auf Ausdruck als Inhaltv Auch 
in dieser Hinsicht waren die Römer glückliche Nadi- 
ahmer der Griechen, und brachten nicht nur den aus- 
übenden, sondern auch den wissenschaftlichen Theil der 
Rhetorik, in der blühendsten Epoche ihres Staates, zo 
hoher Vollkommenheit. 

§. 350. 

In dem Mittelalter erstreckte sich die allgemeine 
Verfinsterung der Litteratur auch über die Beredsamkeit; 
die nun der ehemaligen Beförderungsmittel, des fdneo 
Geschipackes, gesunder Philosophie, gründlicher Sprach- 
kenntnifs ii. s. f., fast gänzlich beraubt war. Manche 
Gattungen prosaischer Schreibart wordeü jetzt völlig ^^f' 
nachlässigt, andre Snfserst schlecht bearbeitet. Die we* 
nigen Spuren theoretischer Einsicht waren meist nur 
MisverstSndnisse oder scholastische Ausspinnungen der 
aristotelischen Regeln. Sobald aber der wissenscbaftli- 
cfae Flcifs neues Leben erhielt, und man mit den Spra- 
chen des Alterthums wieder vertraut wurde, erwadte 
auch der Sinn für die Schönheiten der Schreibart ^aafr 
neue ; man fing an , sich nach den besten Mustern zn 
bilden, die neuem Sprachen zu vervollkommnen^ und bei 
ihrem Gebrauch in Schriften auf Richtigkeit, Genamg- 



Rhetorik. 285 

keit, Nadidrack und Wohlklang aufmerksamer zu wen- 
den. So lOdete sich der prosaische Stil bei den mei- 
sten neuem Völkern sehr vollkommen aus, wenn gleich 
die eigentliche Rednerkunst ihre ehemalige Höhe nicht 
ganz wieder erreichte. 

§. 351. 

Gleii^ der. Poesie und den schönen Künsten, die 
firfiher da warenj als Poetik und Kunsttheorie, ward auch 
Ae Beredsamkeit frfiher ausgeübt, als gelehrt oder auf 
Regeln zurflckgeflihrt; und diese wurden auch hier haupt- 
sächlich Ton den vorhandenen Mustern entlehnt und 
abgezogen. Bei den Griechen veranlafste. selbst die 
Glanzperiode der eigentlichen Rednerkunst die ersten 
Anweisungen der Rhetoren; so wie die Untersuchungen 
der Sprachlehrer, und ihre Regeln über die gute Schreib- 
art überhaupt, ursprünglich Beobachtungen und Zerglie- 
derungen der schriftstellerischen Meisterwerke waren. 
Unter den griechischen Lehrern der Beredsamkeit, de- 
ren schriftlicher Unterricht dieser Art auf ui\s gekom- 
men ist, sind Aristoteles, Dionysius von Hali- 
karnafs, Hermogenes, Demetrius Phalereüs, 
Longinus, Aphthonius und Theon die bedeutend- 
sten. 

C>c. de Or, L. L Sic e$$e elo^uentiatn non ex artificio^ $ed ar- 
tißcium ex eloquentia natum. Voa den früliesteii grie- 
chischen RhetQipen s. Cic. de Or. L. I. c, 20./ in Bruto^ c. 
X'XII. Quintilian. Inttit. Orat. IL 17. ///. 1. — LeonL 
Spengel Sivaywyfi Ttx^täv b, Artium $criptore$ ah initiis u$que 
ad editoi Ariitotelis de rheiorica libros; Stuttg. 1828. 8. — 
Ari$toteli$ Rhetorices Lihri IIL c, n. sei. Victoriiy IVfa- 
ioragii et Fahii Paulini; (ed. Battie) Cantabr, 1728. 
8. maj,; ex reo. Imm. Bekkeri; BeroL 1830. 8. übers, mit 
Amn. von M. W. Voigt; Prag. 1803. 8. Isler Bd. » Diony- 
MtutHalicarn, lltgl aw&iofug ovo/ioctwp^ %, de tiructura ora- 
iümi$f ex rec, Jac. Upton; Lond. 1747. 8. »i. ed, Gf. H, 
Schaefer; Lip$. 1809. gr. 8. ed. Goeller; Jenae 1815. a 
EfUid, TVp^, 8. Ai:$ rhetoriea ad Echecratem, in Opp. ed. 
Hudeon. (Oxon. 1704. fol.) Tom. IL p. 1. and besonders her- 



/ 



286 Rhetorik. 

• 

•ntgeg. TOB H. A. Schott; Leipz. 1804*- gr. 8. -^ Mermoge^ 
ni$ Scripta Rheioriea: T^jp^n Qtp:oQuiri, — ntgl ^ugtotwß — :ic^ 
iiiwv -— nigl fii&oSov inpotijToq — ed, Gasp. Laurentii; 
Cfenev, 1614. 8. -^ Demetrii Phalerei ITegl 'EQfitviCaq, s. 
de eloeuHone liber; Glatg. 1743. 8. «il. J. 6. Schneider; 
Altenb. 1779. 8. — Dionyi. LonginuB ntgl ''ttpovq^ •« de 
§Mimüatey ex ed. Mori; Lipe, 1769. 8. Mori LiBellui Anim' 
adver$$. ad Longinum^ ib. 1773. 8. ed. B. fVei^he; lAptiae 
1809. 8. übers. Ton J. G. Schloiier; Leipz. 1781. 8. ~ 
Aphtkonii €t Th0onii Progpnnatmatä i» Rhetorieam, cura 
J0, Schefferi; üpsaL 1680. 8. ^ Von mehrerea* 8. Fahrt- 
eii Biblioih. Gr. L. IV. e. 32. und die Sammlcmgeii griechi* 
•eher Rhetoren Ton Aldas, Gale, Fischer, Walz. — Jage- 
tnen$ de» Savan» sur lei Auteur$ qui ont traiti de la WUto- 
riquey par Mr. Giber t; Par. 1713 — 19. 3 Voü. gr. 12.— J7e- 
lin de Ballu Hiü. erit de- VHoqaence ehes les Gree$; Par. 
1813. 2 VolM. 8. 

§. 352. 

Nach Beseitigung der HinderDisse, welche der krie- 
gerische Nationalgcist der Römer anfänglich der feine- 
ren Ausbildung der Redekunst in den Weg legte, fing 
man auch in Rom an, sie sowohl mündlich als schrift- 
lich zu lehren. Diefs Letztere geschah vorzüglich von 
Cicero, Quintilian, und dem unbekannten Verfasser 
des Gesprächs über die Ursachen des Verfalls der Be- 
redsamkeit. 

M. T. Cicero nit Opera rheioriea f Gesammtaasgabe von Chr. 
Gl Schatz; lApi. 1804—8. 3 Voll. 8. Einzeln: Ad Heren- 
nium libri IV, (incerti Aactoris) ei IL IL de invetttione evm 
eomm. Fr. Oudendorpii ed. P. Burmann, Lugd. Bat. 
1761. 8.; cur. Lindein anu; Lips. 1828. 8. — De orqiore li- 
bri IIL illusir. Z. Pearccy Cant. 1716. ed. V 1795. 8.,- cur. 
HarUi, Lipt. 1816. 8.; O. Müller y Zültick. 1819. 8. Bru- 
tu» s. de clari» oratoribui Übet c. comm. Weixel, Hai, 1793. 
8.; ed. Eilend t, Regiomoni. 1825. 8. Ferner die kleineren 
Schrlflten: Orator, s. de optimo genere dicendi; — Topica; — 
de partitione oratoria; — de optimo genere oraiorum. — 
Aoch in Ciceronii Opp: rbei. minora. ed, I. Ch, F. Wetxel; 

Ugn, 1807. // Votti 8. M. F. Quintiliani de IntO- 

iutione oratoria Lihri XIL ex ed. I. M. Getneri^ Ooeit. 
1738. 4.; von G. L. Spalding, T. 1--3 Leipz. 1798-1808.; 
T. 4. besorgt von Bottmann, Leipz. 1816.; T. 5. Sopplem. n. 



Rhetorik. 287 

T. 6. Indice^i besorgt von Znmpt, 1829 ff. gr. a HaBdaiis- 
gabe ▼4)]i Zampt . Deutsch Ton Henke, Heimst 1775— -77. 3 
Bde. 8.; das lOte Bach deutsch Ton Renscher, Leipz. 1822. 
8. — Von dem Dial, de cauiBts corruptae eloquentiae (richti- 
ger DialogUB de oratoribu$), einer trefflichen Parallele der re- 
poblicanischen und monarchischen Beredsamkeit^ wird von Ei- 
nigen Quintilian, von Anderen, mit ebensowenig Recht, Ta- 
citns als Verf. genannt. £r ist gewöhnlich den Werken des 
Letztern beigedmckt, und einzeln herausgegeben von J. H. A. 
Schulze, Leipz. 1788. 8.; ▼onM)ronke, Koblenz 1828. 8.; 
von Fr. Osann, GieJGMU 1829. 8.; öbers. mit AnmerL von J. 
J. fi. Nast; Halle 1787. 8. — Mehrere kleinere Schriften latei- 
nischer Rhetoren stehen in der Sammlung: Antiqui Rhetore» 
Latinii ex biblioth, Franc. Pithoe%\ Par. 1599. 4. ed, Ci. 
Capperonnerii; Argent, 1756. 4. — Ein wohlgeordneter Aus- 
zug ans den altem Rhetoren sind die Praeeepta rhetoriea e li- 
brii Aristoteitij Ciceranis, Quintiliani; DemetHi et Longini col- 
lectoj dUpositaj passimque tuppUta a F. A. Wideburg; Brumv. 
1786. 8. 

§. 353. 
Von den neuern Schriftstellern, die seit der Wie- 
derlierslellting der Litteratur rhetorische Anweisungen 
oder Lehrbücher geschrieben haben, sind die vornehm- 
sten, in lateinischer Sprache: Vossius und Ernesti; 
in italienischer, Bettinelli; in französischer, Bäpin, 
Buffier, Fenelon, und der Verfasser der Grund- 
sätze zur Lesung der Redner; in englischer, Law- 
soD$ Campbell, Priestlcj, Blair, Adams; in spani- 
scher CaiixtoHorn.ero; und in dciutscher, Gottsched, 
Basedow, Miller, Maafs, Fülleborn, Schott O.A. 
O, J. VoBsii Commentarii rhetorici, s. InstttuHonum oratoriar, 
libri VI. L, B, 1643. 4. Ejufd. de Rketoricae natura ac con- 
stitutione et antiqui» Rhetoribus, Sophistis ac Oratoribia liber, 
Hag, Com. 1658. 4. — J. A. Ernesti Initia r/ietorica; Ldpf. 

1750. 8. Reflexions sur Vusage de Veloquence; et Observa- 

tions sur Veloquence par le P. Rapin^ dans s'es Oeuvr.^T. HL 
— Traite philosophique et pratique de l'Eloquence, par Claude 
Buffier; Par. 1728. 12. — Dialogues sur VEloquence en gi- 
niral^ et sur celle de chaire en particulier par Fenelon; Amst. 
1718. 12. — Reflexions sur la Rhetorique et sur la Poetique, 
par le mime\ Amst. 1717. 12. — Principes pour la lecture 
•des orateurs; Par. 1753. 3 Voll. 8. Deutsch; Hamb. 1757. 



2B6 . Rhetorik. 

I 

, S, — Law9on'9 L&ciwrta^ eoneenUng Oraionf; DutUn 1759. 
8. Deatsch; Zftricfa 1777. & — Campbell'i Phüoiopky of 
Rketone; Lond: 1776. 2 Voh. 8. Th. I. fibers. Yon Jenisch; 
Berl. 1791. 8. — Dr. Prieitley's Leciuret an Oratorif ani 
. CrUieum\ Ltmi. Vll. 4. Dentsch; Leipz. 1779. 8. - Dr. 
Blair* $ Leciure$ on Rhetarie and Beiles Lettresi s. oben. - 
Adam$ Leeture$ an Rhetorie Cambridge 1810. 2 VoH 8. - 
P, Calixta Rarntro Elemenios de Hhetorica, 5<* impr.; Mair. 
1816.12. — Gottsched*! aosfölirliche RedekaiiBt; Lpz.1750.8. 
— Baiedow*8 Lefarb. prosaischer il poetischer Wohlredeobeit; 
Kopenh. 1758. 8. -* J. P. Miller's Anweisaflg zur Wohlre- 
deijieit, nach den anserlesensten Mustern; Leipz. 1776. 8. - 
J. 6. £. Haafs's Grandrüs der Rhetorik; Halle aad Leipzig 
1798. 4to AnfL 1829. 8. ^ G. G. Ffilleborn's Rhetorik; ein 
Leitladett beim Unterricht in obem Classen; Breslaa 1802, 
1820. & -^ Grundlinien der Rhetorik nach emem neaen odJ 
einfachen Systeme; München 1820. 8. — Entworf ebes S;- 
'Sterns der geistlichen Rhetorik, von Kaiser; Erlangen 1816 8. 
-* Entwurf einer Theorie der Beredsamkeit, Yon H. A. Schott; 
Leipzig 1816. 8. Desselben Theorie der Beredsamkeit, 2te 
Ausg. 3 Thle.; Leipzig 1828 IT. 8.- 

§. 354. 
Ber rhetorische Unterricht , in seinem ganzen Um- 
fange, besteht theil» aus solchen Regeln, welche die gute 
prosaische Schreibart überhaupt betreffen, theils 
aus besondem Vorschriften für jede einzelne Gattung 
derselben« Diese Gattungen sind: Briefe — Gesprä- 
che <— Abhandlungen und Lehrbücher — histo- 
rische Schriften — nnd endlich die eigentlich soge- 
nannten Reden. Nach dieser Folge werden wir diese 
einzelnen Gattungen der Prose ordnen, und sie sowobl 
theoretisch als litterar-historiscb abhandeln. 



I. 



289 



» I 



' I. 

Allgemeine Theorie 

< N 

der 
prosaischen Schreibart. 



§. 355. 

i3chreibart oder Stil nennen #ir in schriftlichen 
Aufsätzen jeder Art die wörtliche Einkleidung der Ge- 
danken und des ganzen Inhaltes, und die Verbindungs- 
art der Nebenvörsteilungen mit dem Hauptgedanken der 
Redesätze y insofern dieselbe durch den eigentbümlichen 
Charakter des Schriftstellers, durch die Beschaffenheit 
des Ton ihm gewählten Stoffes, durch den Gesichts- 
pnnct, aas welchem er diesen betrachtet, und durch die 
Absicht, in welcher er schreibt, verschiedentlich bestimmt 
wird. Wenn man also gleich die Schreibart von dem 
Inhalte zu unterscheiden pflegt, und sie sich auch von 
demselben abgesondert betrachten und beurtheilen läfst: 
so hängt doch ihr wesentlicher Charakter am meisten 
von dem Stoffe ab, und von der Art, wie der Schrift-^ 
steller ihn in jedem y)esondern Fall ansieht und behan- 
delt* ^ X 

Yer^. bei diesem Absdillitt, aoTser deo schon angefahrten rheto- 
rischen Schriften: J. G, Heineceii Fundamenta SHli cul- 
Horts,' ed. 6.Lip$, 1766. 8. — L'Art d*eerire, parVAbbi Con- 
dillac, dam le Court d^E^tudes pour l'instruction du Prinee 
de Parme; a Pmrwu ei BonUUm 1775k & übers. Bern 1777. 8- 
Eschenh. Tb. 19 



Theorie der Schreibart 



- TrmiiS U Im JNiiM», pä^ m Mwfevef Pmr. 17fö. 11 - 
i'J Umher t Eeflexiam s«r VEioeution Ormioire et *er le Shfk 
em gMrai; ia i. MeUnge$, T. //. p. 313. ^ Ramler*i Bit- 
tcDZ» Th. IV. — U. C. Adelung ftber den deutschen Stil; 3(e 
Aafl. Leipi. 1789. 2 Bde. 8. — Moriti*i Yorlesnngen aber 
den Stil, fortgea. von Jenisch; BerL 1793-- 94. 2 Bde. 8., n. 
A. Bramlschw. 1808. 8. — W. Kosmann's Versnch einer Theo- 
lie des dentsohen Stils; BerL 1794 — 95. 3 Bde. 8. — K-Rein- 
hardt's erste Linien e. Entffiris der Theorie nnd Littentor 
des deatscfaeQ Stils; GStling. 179iL 8. ^ Sn«ll Lehrbuch der 
deatsehen Schreibart; 2te Anfl. Frank£ 1801, 8. — Pölitt 
Lehrbuch der deutschen prosaischen und rednerischen Schreib- 
art; Halle 1827. 8. - Bonterwek's AestÜetilc, Th. IL S.258. 

§. 356. 
Da der HauptzYrcck eines prosaischen Aufsatzes enl- 
weder Belehrnng, oder angenehme Unterhaltung, oder 
RQhrung sein kann, und in jedem einzelnen Vortrage 
einer dieser Zwecke vorherrschend zu sein pflegt: so 
nnterscbeidet man^drei Hauptgattungen des Stii^ 
DSmlich: die niedere oder einfache, die Iiatiptsäcb- 
licb znr Erörterung, Belehrung und UeberführuDg b^ 
stimmt ist; die mittlere Gattung, die mit jener Absiebt 
zugleich den Zweck der angenehmen Unterhaltung vt^r* 
bindet; und die höhere Schreibart, die vornebmiicij ;Eur 
lebhaften Erregung der Einbildungskraft und des Affe& 
tes geschickt ist. Andre einzelne Arten des Stils, z. B* 
der naiye, glänzende, rührende, blühende, malerische u. 
8. f., lassen sich auf diese drei Gattungen zurQckffihren* 

Bei den griechischen ^Rhetoren heilsen diese drei GattotigeB oiet 
Cbsiaktore der Sehreihart! ro laxror ^ dpa^iffop — a^^' |"^ ' 
bei den römischen t Ge»u$ iieenü temwe — meüoere — <<^^' 

— S, Cie. Orater. e, 23—28.; Quintilian. de Jn$tU. Of^- 
L, XIL c, 10. — Prineipei pour la Leetnre des Oratenri, ^ 
/. Ch, 2. — E$tive TrMiti de la Diction, L, U, de* */^ 
rwif Htües. — VgL H. A. Schott Theorie d. Peredsanik »*" 
Theilea 2te Abtk Ahaehnitt 1. S. 17 ff., wo an die Mk^ 
Foftt dos geifligett Lsbeos erimierl tvird, lOhniieh den. ZsfM 
dim mhigei» Anscbaneno und Deokens, den Zbatand des \^^ 
gen FfiUoBs« ud den ZostMid dea innigen Bestrebeos- ^^^, 
sen drei Formen'entsprechen der prosoiaohe, den dii^htef^' 






Theorie der Scbireibärl. 2»! 

ttcbe vnd te rednarltehe Stil, lud« £eter dh;i Gttttta- 
gen de« Stils kau« sich wieder ia drei TerichledeiieA Arten 
«eigen, als niederer, mittlerer, Ii5herer Stil. Aehnlieb bei 
Reinbeck, Handbuch der Sprachv^issenachaft, 2ten Bandes lata 
Abtbeilang S. III ff. 

§. 357. 
Der niedern oder ein fachen i^chreibart ist vor- 
zügliche Deutlichkeit, Fafslichkoit, Leichtigkeit, Kürze and 
Bestimmtheit eigen, sowohl in d^n einzelnen Ausdrücken, 
als fu den Wendungen und Redesälzen. Sie wirkt durch 
Schärfe der Gedanken, und vermeidet dagegen allen red- 
nerischen Schmuck^ Alles, wodurch die Einbildungskraft 
lebhaft erregt, oder das Herz leidenschaftlich bewegt 
werden könnte, weil es ihr nur um ruhige Belehrung 
des Verstandes zu thun ist. Bei dem allen, und selbst 
bei einer anscheinenden Nacblässigl^eit, bat sie doch eine 
gewisse einnehmende Schönheit. Ihr voUkommner Ge- 
brauch setzt einen hellen Verstand, Leichtigkeit imd 
Uebnng im Vortrage der Gedanken voraus. Wegai ih* 
res gewöhnlichen Gebrauchs in Lehrbücheni und Itbhei^ 
delnden Schriften wird 'sie auch die dogmatisehe, und 
wegen ihrer Anwendung im gewöhnlichen Gespräche, 
Briefe etc. die vertrauliche oder populäre SchreäK- 
art genannt, ob sie gleich auch sehr oft in andern Auf- 
sätzen, und seU)st stellenweise in förmUchen Redei^ Statt 
findet. 

S. K. Eforgenstern's Abb. fiber edle Simplicitllt der Schreib- 
art; in Eberbard's Philosoph. Archiv, Bd. I. St 1. and eln- 
xehi; Halle 1792. 8. 

§. 358. 
Die mittlere Schreibart unterscheidet sich durch 
Fülle und Reicbfhum des Ausdruckes, wodnrdh sie si^h 
über die einfache und niedre Schreibart werklich erhebt, 
wiewohl sie sich immer noch des starkem und kühnem 
Ganges der hohem Gattung enthält. Man nennt sie aue!^ 
die blühende Schreibart; denn sie verträgt ein gewis- 
ses Maafs des rednerischen Schmuckes , aber mehr ttfn 

19* 



299 Theorie der Schreibart 

gefUliger ab glSozender Art, mehr reizende aU grotse 
und erhabene Bilder, and nar die minder kühnen Figu- 
ren der Gedanken und des Ausdruckes. Durch sie er- 
hslt> der Vortrag einen höhern Grad des Lebhaften, An- 
ziehenden und Eindringlichen; und selbst solche Aof- 
sStze, 'vvorin die erste Gattung des Stils herrschend ist, 
können durch sie stellenweise belebt und gehoben wer- 
den. Sie wird in Schriften verschiedener Art angeweo- 
det| bei denen es nicht sowohl auf strenge £rörteroog 
und Beweisführung, als auf angenehme Beschäftigung der 
Einbildungskraft und des theilnehmenden Gefühles ab- 
gesehen ist. 

§.. 359. 
Die höhere Schreibart ist nur in eigentlich redne- 
rischen Werken an ihrei" Stelle, nnd auch da nur dann, 
wenn die ungemeine Gröfse der Gegenstände nnd die 
ungewöhnlich lebhafte Rührung und Erhebnijig der Seele 
sie veranlafst. Denn di^ vornehmsten Elemente dieser 
Schreibart sind: groüse aufserordentliche Gedanken, starke 
Erschütterung des Gemüths, lebhafte Erregung der Phan- 
tasie, Gedrungenheit und Nachdruck der wörtlichen Be- 
zdchnong, und endlich eine durch Wohllaut verschönte 
Wortstellung. Der Ausdruck selbst kann höchst ein- 
fach, und eben dadorch, auf edle und grofse Vorstellun- 
gen angewandt, von desto stärkerer Wirkung sein. 

§. 360. 
Diesen drei Gattungen der guten Schreibart stehen 
eben so viele fehlerhafte entgegen, in welche derj^ 
nige leicht verfällt, der ohne sichern Tact in einer von 
jenen Gattungen schreiben will. Die niedre Scbreih- 
art wird leicht gemein, matt, trocken, oder kindisch ond 
tändebd. Bei der mittlem Schreibart schweift die Tac^ 
losigkeit nach beiden Seiten aus, und verliert sich i»^ 
.Erhabene, oder verfällt ins Niedrige, ohne YerhälU^ 
tma Gegenstands. Die höhere und erhabene Schreib- 



i 



Theorie der Schreibart. 293 

art wird, anpassend angewandt» , gar Jeicht schvrfilstig, 
hochtrabend and sinnlos; und da, wo YerhSltnife des 
Gedankens und der Leidenschaft fehlen, unnatürlich and 
frostig. 

S. Longin vom Erhabenen, Cap. n-IV. Hör. Ep, ad Piion. t. 
25 $$. 

— — — — Brevii eue laboro, 
Ob$curu$ ßof sectantem levia nervi 
Deficiunt animique^ profeMUi grandia turgtt; 
Serpit humi tutus nimium timidusque proceUae. 
Qtti variare cupit rem prodigialiter unam, 
Delpkinum tÜvie adpingit, ßuctibtts aprum. 
In Vitium ducit vitii fuga, $i caret arte. 

§. 36J. 

Die allgemeinste und unbedingte Voraussetzung ist, 
dafs man von dem Gegenstande, worüber man schreiben 
will, eine richtige, bestimmte und lebhafte Vorstellung 
habe, und diese eigenthümlich und vortheilhaft in Worte 
zu kleiden wisse. Als allgemeine und wesentliche 
Eigenschaften einer jeden gut$n Schreibart 
ncDQt man: Richtigkeit — Deutlichkeit — An- 
gemessenheit — Würde — Lebhaftigkeit und 
Wohlklang. Die erste dieser Eigenschaften, die 
Richtigkeit, ist mehr grammatisch als oratorisch, und 
besteht theils in der genauen Uebereinstimmung zwischen 
Sinn und Ausdruck, theils in der Befolgung der Sprach- 
regeln, welche die Form und Verbindung der Rede- 
theile betreffen. Richtigkeit des Ausdruckes schliefst 
zugleich die Reinheit desselben oder die Freiheit von 
allen fremdartigen Theilen in sich. Beide sind nicht 
Kweck, aber nothwendige Bedingungen des guten Stilis. 

§. 362. 

In den ersten Anfängen der menschlichen Sprache hat 
unstreitig eine unsprüngliche Harmonie zwischen Wort- 
laut und Bedeutung geherrscht. Für uns aber ist das 
Bewafstsein dieses innem nothwendigen Zusammenhan- 



9N Theorie der Schreibart 

fjtB kii auf wenige Spuren verloren gegangen , und die 
•Worte sind uns xn willkührlichen Zeichen des Gedaa- 
kens geworden. Die Sprachen haben sich weit tob ih- 
rem Ursprünge entfernt; Sufsere, geschichtlich nacbxuwei- 
sende Einflösse haben das erste scharfe Gepräge der Ao»- 
drQcke verwischt und sie arogestempelt. Jetzt ist daher 
der Sprachgebranch (yueai penee arbUrUnn eit H 
Mcs ei nanma dieendi) ein strenges, flufseres Gesetz, dem 
der Schriftsteller sich zu fligen gezwungen ist. 

S. Quintilimn. L. L e. 5.-- CampbtlVM PhiloMfkg of Bit 
trncj B. IL CL 1. % 

§. 863. 
/ Bei solchen Wörtern, welche denselben Hauptbe- 
gritf bezeichnen, und daher Sjnonyme, oder sion- 
▼ erwandte Wörter genannt werden, achtet der gate 
Schriftsteller genau auf die Modificationen und Nebeo- 
begriffe, durch welche sie, in Ansehung der edlem oder 
unedlem, der weitem oder engem, der bestimmtem oder 
unbestimmtem Bedeutung, oder iß irgend einer aodem 
Hinsicht von einander verschieden sind. Zur BestiminaDg 
dieses Unterschiedes und zur scharfen Abgräozung der 
Bedeutung jedes Wortes dient zwar vornehmlich der 
Sprachgebrauch; wo aber dieser nicht hinlänglich ent- 
scheidet, ist theils die Sprachähnlichkeit (AnatogieX theils 
die Abstammung der Wörter (Etymologie) zu Bathe zu 
ziehen. Durch genaue Festsetzung jener Unterschiede j 
gewinnt der Ausdrack an Eigenthümlichkeit und Präd-^ 
sion. 

£me Litterstur der STnonjinik s. Tor Eberhard'« Versocb ^ 
einer allgemeinen deotichen Synonymik, 2te Ausg. 

§. 364. 
Es giebt vornehmlich dreierlei Fehler wider die 
Reinheit und Richtigkeit der Sprache. Die erste 
Art besteht in dem Gebrauche solcher Wörter, die edi- 
weder ganz veraltet, oder völlig neu, oder doch uag«' 
wohnlich gebildet sind; dergleichen Fehler h«b^ ^^^'h 



i 



Theorie der Schreibart 295 

barismcn. Oder man fehlt wider die Regehi der 
Wortfügung, und begeht Soloecismem Oder man 
braucht die Wdrter und Redeosarten nicht in dem Sinne, 
den si<e eigentlich ausdrücken, und fehlt wid^r die Ei- 
genthümijclikeit der Sprache, wozu oft der ähnliche 
Laiit der Ausdrücke verleitet. Zu dieser letzten Ciasse 
geh{l»ren die Idiotisuten und Provincialjsraen, da 
Wörter oder Redensarten in einer Bedeutung genommen 
werden, die nicht allgemein, sondern blofs einzelnen Or- 
ten und Provinzen eigen ist. Bedient man sich der Wen-* 
düngen einer fremden Sprache, so entstehen GrScis- 
men, Latinismen, Gallicismen u. it f. — Eine 
völlige Reinheit von allem Fremden findet in keiner 
Sprache Statt. 

J. F. Hejnatz^s Veraach eines dentscliefi Antibarban»; Beri 
1796. 97. 2 Bde. in 4 Abth. 8. — J. U. Campe U Yeraach 
übTjdie Reinigong der deutschen Sprache; Braunschw. 1794. 8. ' 
-Yi)e88. Wdrfcerb. .zur Verdeutscirang der unsrer Sprache auf 
gedrungenen fremden Ansdrficke; Braunscbvr. 1$T3. 2 Bde. 4. 
— J. F. A. Kinderling fiber die Ueinigkeit der deutschen 
Sprache; Ber). 1795. gr. 8. — Gcdicke's Abb. fiber Purismus 
im Deutschen Museum; Nov. 1779. — Pauli die Spracb- 
reinigkeit; Leipz. 1811. 8. Kolbe ilber Wortmengerei: 2te 
Ausg. Leipz. 1812. 8. o. A. m. 

§. 365. 

Unter allen Eigenschaften des Stils ist keibe so we- 
sentlich, als die Dentlichkcit Die besondre Gattung 
and Absicht des Schriftstellers sei welche sie wolle, so 
mnfs er jedenfalls sich so ausdrücken, dafs man ihn leicht 
and sicher verstehe. Grammatische Richtigkeit ist hiezu 
nicht hinreichend, wiewohl unerläfslich. Nicht immer ist 
umständliche Zergliederung der Begriffe, sondern oft nur 
Klarhdt des Gedankens and Schärfe des Ausdruckes er- 
f oderlich. Die der DeutUdikeit entgegenstehenden Feh- 
ler rind Dunkelheit, Zweideutigkeit und Unver- 
ständlichkeit. Die Quelien dieser Fehler ▼erdieneii 



296 Theprie der Schreibart 

um 60 mehr unterspc^t za werden, je" öfter selbst ge- 
übte Schriftsteller darein Terfallen« 

S. AdeloDg, Bd. I. S. 125 ff., wo die Anwesenheit, Yoll- 
stindigkeit, Einheit und Leichtigkeit des Bedesinns, als 
nothwendige Erfordernisse jeder gaten Schreibart, umstS^dlicfa 
erläutert werden. 

§. 366. 

Dunkelheit der Schreibart entsteht ^ans unreifen, 
undeutlichen und verworrenen Gedanken; aus dem Man- 
gelhaften des Ausdrucks; aus einer üblen Stellung der 
Wörter, wodurch die eigentliche Verbindung derselben 
zweifelhaft wird; aus der Unbeständigkeit im Gebrauche 
der Wörter, die man iu der nämlichen Periode in meh- 
rerlei Bedeutung nimmt; aus einer unrichtigen Beziehung 
der relativen Fürwörter; aus einem allzukOnstlichcn Pe- 
riodenbau ; aus dem Gebrauch unbekannter und unerklär- 
ter Kunstwörter; aus zu langen Redesätzen*. Auch die 
Anhäufung zu vieler einzelner Vorstellungen in Einem 
Satze, und ein zu grosses Bestreben nach Kürze und 
Gedrungenheit kann leicht Dunkelheit veranlassen. 

§. 367. 

zweideutig oder vieldeutig wird die Rede, 
wenn sie mehr als Einer Auslegung, und folglich einer 
völligen Ausdeutung fähig ist. Diefs kann bei einzelnen 
Wörtern und Redensarten, oder bei der ganzen Wort- 
fügung der Fall sein. Mehrdeutige Ausdrücke giebt es 
in allen Sprachen, aber der gute Schriftsteller wird sie 
theils vermeiden, theils nur da gebrauchen, wo Stel- 
lung und Zusammenhang den Sipn unzweifelhaft machen« 
Schwerer ist die Mehrdeutigkeit der Wortffigang zu ver- 
meiden, weil die meisten Redensarten, in Verbindung mit 
andern , mehr als Einer Beziehung fähig -sind. Das Zu- 
trauen auf den Zusammenhang ist hier oft trüglich; der 
Leser mufs den Sinn der Rede sogleich fassen können, 
ohne ihn erst zu suchen und jnühsam zu crrathen. 



Theorie der Schreibart. 29? 

§.368. 
Die Unverständlichkeit der Schreibart, dieser 
schlimmste ihrer Fehler, entspi'iogt entweder aus Yer- 
lYorrcnheit der Gedanken, die nur halb vollendet and 
ausgebildet waren, daher der Leser ihrem Sinne höch- 
stens mit Mühe auf 'die Spur kommt; oder aus einem 
unnatfirlichen Schmucke der Bede/ da der Ausdruck figür- 
lich, die zum Grunde liegende Vergleichung aber allzu 
entlegen und unpassend ist; oder aus Gedankenleere des 
SchriftsteHers, der bei seinen Worten selbst nichts be- 
stimmtes dachte; und diefs ist es, was man Nonsense 
oder Unsinn nennt. 

Vergl. über die vier letzten Paragraphen, CatnpbelVg PkiloMo- 
phy of Rhetoric, VoL II. B. IL Ch. F- VIL 

§. ä69. 

Die Angemessenheit der Schreibart besteht in 
der genauesten Uebercinstimmung der gebrauchten Wör- 
ter und Redensarten sowohl mit der allgemeinen Absicht 
der Sprache, als auch mit dem jedesmaligen besondern 
Zwecke dessen, der sich ihrer bedient. Dahin gehört 
die Beobachtung des Ueblichen, oder dessen, was der 
beste Sprachgebrauch rechtfertigt; des Schicklichen für 
Gegenstand und Zweck; des Natürlichen und Einfaichen; 
nnd die gehörige Bestimmtheit aller Ausdrücke, sowohl 
für sich selbst, als im Verhältnisse zu den durch sie be- 
zeichneten Gedanken. Eine damit verwandte und eben 
so nothwendige Eigenschaft der guten Schreibart ist die 
PrSicision und Kürze, oder die Vermeidung alles Ueber- 
flüssigen und Weitschweifigen. 

§. 370. 

Zu den allgemeinen Erfordernissen der guten Schreib- , 
art gehört auch die Würde derselben, oder ihr richti- 
ges Verh&ltnifs zu der Denk- und Empfindungsart gebil- 
deter Leser, wodurch alles Unedle und Anstöfsige ver- 
mieden wird. Die Würde ist ein allgemeines Erforder- 
nifs jeder Schreibart i aber auch von den besondem Ge- 



998 Theorie der Schreibart 

genstSnclen und GatfoDgen des Stils abbSngig. Diese 
YollkoiBmeDlMit der goten Sdireibart bleibt dem richti- 
gen Tad, d, h« dem feinen Gefühle und gebildeten Ge- 
schmacke des Sohriftstelleni überlassen« 

§. 371. 
Die Lebhaftigkeit der Schreibart entsteht zum 
Theil schon aus ihrer Klarheit und Deutlichkeit; sie 
wirkt aber nicht sowohl, gleich dieser, auf den Ver- 
stand, als auf Einbildungskraft und Gemüth. Ihre vor- 
nehmste Quelle ist die Aehnlichkeit zwischen der Be- 
zeichnung und dem Bezeichneten, zwischen Wort und 
Vorstellung, in so weit die Rede eine solche Aehnlich- 
keit zu erreichen fähig ist. Sowohl die Wahl der Aus- 
drücke, als ihre Anordnung und selbst ihr Klang, 
sind Beförderungsmittel dieser Lebhaftigkeit, indem man- 
che Wörter nicht blofs als Zeichen, sondern auch als 
Töne gelten, die mit dem, was sie ausdrücken, durch 
eine natürliche Aehnlichkeit oder symbolisdie Beziehung 
zusammenhangen. v 

§. 372* 
Ihrer Anwendung nach sind die Wörter entweder 
eigentliche oder uneigentliche. Aus der Entste- 
httogsart der menschlichen Sprache, ausser anfänglichen 
Beschränkung derselben auf die Andeutung sinnlicher Ge- 
genstände, läCst es sich erklären, dafs man nicht für jede 
neue Vorstellung immer dne neue Benännun^ erfand, 
sondern sich mit einer abgeänderten Anwendung schon 
vorhandener Worte begnügte, auch die reineä Verstan- 
desbegriffe und tibersinnlichen Vorstellungen, der Aehn- 
lichkeit wegen, damit bezeichn^e. So entstanden die 
vielen uneigentlichen und bildlidien Bedeutungen, die 
besonders den Saohwörtem und Zeitwörtern jeder Spra- 
che beigelegt wurden. Die eigentlichen Wörter haben 
den Vorzug einer gröisem Bestimmtheit $ die uneigeiitli- 
eben den Vertheil gröCserer Ldriiaftigkeit 



Thewie der Scfarabart 
§. 373. 

Nieht jeder iiuie^;eDtlidie Ausdruck kann faidefs als 
figürlich Migeseben werdeo, sondern nur derjenige, 
der irgend ein Qild, oder doch eine Modification dee 
Begriffs enthält. Bezeichnungen dieser Art sind von |e- 
her für geistige Gegenstände desto öfter angewandt wor- 
den, je weniger wir diese mit unmittelbar bezeichnenden 
Namen genügend auszusprechen im Stande sind. Rede- 
figuren sind also Ab^derungen der ursprünglichen Be- 
deutung der Wörter in eine abgeleitete, die zugleich auft 
einer besonderen Wendung der Gedanken und Yorstdi^ 
langen selbst zusammenhängt. Sowx>hI in Hinsicht auf 
ihre Erfindung als auf ihre Wirkung^ gdiören sie ^r- 
nehmlich dem Witz, der Einbildungskraft und dem Af- 
fecte an. Der Stil gewinnt durch sie an Mannigfaltig- 
keit, Lebhaftigkeit, Kraft und Würde. 

Die Redefigsren nad ansfftlirlich beliaiidelt bei Hermogcnes 
^tgl fie^^ov SiMfovfiToq, Tiberias Rbetor nsQl tÜp rtaga 
JmAoo&hii o/ijfiurtiVy ^'Iczander Rhetor mgl vvp vt^q Sta^ 
v9iaq xal Tijq XiU»^ axtifuarwv, Rutiliut Lupug de ßgurtM 
unieuHarum aique vtrborum, ed, Muhnkenf Lugd, Bat, 1786. 
8. ~ Vgl VoMMiui IiuHt. Orai. Im IV. F. — Ramler*« Bat- 
teux, TL lY. S. 92 ff. — Des Ttep(s$, ou de$ differem «ens, 
dttn$ leequelt on peut prendre un minu moi dmne une mime 
langue^ pMr Mr. du Mar täte; Par. 1757. 8. Lipe. 17^7. 8. 
^ Home'B Elemenit of CriHeUm^ Ch. XX, — Pr%e$tley'e 
Lectures on Oraiory, XL XXII-XXIX, -^ CamphelVe 
PhüoBoph^ of RAetorie, B. IIl. Ch. L Sect. 2. — Dr. Blair*» 
Lectaree, XIV-XFIL — Adelang fiber den deatacbeA, Stil, 
Bd. L S. 281--521. — Haafs, Gnuidriia der Rhetorik, §. 45 
ff. — Eberbard'8 Handbach der Aesthelik, Bd. 11. Br. «9-88. 
'•— Jos. Steiner'« Abhandlang fiber die wichtigat^ RedeGgn- 
ren; Mfinater 1802. 8. — Humtf Ttopelogia et eckematologia 
practica $eu ejcemplarie; Prag. 1819. 8. — Schott Theorie 
der Beredtamkeit; (Leipz. 1828. 8.) RI» 2. S. 96 ff. - 

§. 374. 

Von mefarem versuchten Eintheihingen der Re- 
defiguren ist keine völlig befriedigend, weil sowohl ^hr 



Theorie der Schreibart 

Charakter als ihre Wirkuagsart sehr verschieden und 
von gemischter Art ist Daher ist besonders die sonst 
gewöhnliche Eintheilung in Wort fi garen und S a ck- 
figuren sehr mangelhaft und unbestimmt; and in man- 
cher Hiisicht ist ihr diejenige vorzuziehen, welche Ton 
den geistigen KrSften und Zuständen hergenommen ^ird, 
auf welche die Figuren vorzüglich wirken. Da diese 
nun vornehmlich Witz, Einbildungskraft und lei- 
denschaftliche Gemüthsbewegungen sind, so 
bCst sich hierauf eine dreifache Eintheilung der Rede- 
figuren grttnden, wovon wir hier ncir die vornehmsten 
einer jeden Classe anführen. 

Dr. Blair tcbligt (Vorl. XV.) eine zwiefache Abtbeilong der Fi- 
gsren vor; in solche, die aof die I^anlasie, und in andre, wel- 
che auf die Leidenschaften wirken. — Adelung, der in sei- 
nem Lehrbache über den deutschen Stil, Tb. L Cap. IX. 
(Bd. I. S. 274 ff.) die Lehre Ton den Figaren sehr umstlDU 
abhandelt, und in ihrer AafzShlong sehr freigebig ist, macht eine 
fibnliche, aber vierfache, Eintheilung: in Fignren'flSr dieAaA 
merksamkeit; ffSiV die Einbildungskraft; ftlr die Ge- 
müthsbewegungen und Leidentchaften; und för deo 
Witc und Scharfsinn. Zu der ersten Classe rechnet er tos 
den unten angeföhrten die Anapher, die Inversion und die 
Gradation, defen Wirkung aber nicht blofs auf die Erregung 
der Aufmerksamkeit, sondern, vermittelst dieser, auf die G^ 
mflthsbewegungen gerichtet zu sein scheii^t — Maafs, a.a.O. 
^tbeilt die rhetorischen Figuren in objective und sobjectiTe) 
insofern die Gegenstände selbst in dnem veränderten VerfaSlt- 
nisse vorgestellt werden, oder unverändert bleiben, nor in der 
Vorstellung eine VeriSnderung erhalten, und mit einem Neben- 
begriffe verbunden werden. — Eine andere Eintheilong in Figu- 
ren der Infaarenz, der Identität, der Modalität und Ungewohfl- 
lichkeit findet man S. 23^ ff. In G. Reinbeck*s Handbacb der 
Sprachwissenschaft, I. 2; Doisborg und Essen 1814. gr. B. -^ 
Schott a. a. O. S. 111., betrachtet die Redefiguren in der ei- 
gentlichen Beredsamkeit als objective oder sub^ectivct ]^ 
nachdem entweder die darzustellende YorstelluDg selbst, oder 
das GemQth des Redenden und das Ycrhäitnils, in welches er 
bei der Handlung der Rede mit den Zuhörern tritt, es ut, ^^^' 
auf sich die besondere Anschaulichkeit der Bezeichnung beliebt. 
- Die antike Eivtbeilung der Redefiguren ist die in Ged<oI^^' 



Theorie der Schreibart^ 301 

and Wortfigaren, axftficera dtavoiaq^ figurae unlenfiarum^ uicl 
o/f/^axce il^fft^s, ßgurae verborum. Jene sind nach Quintili^. 
IX. o. I. quae in concipienda cogitatione, diese hingegen 
guae in enuntianda positae sunt Eine dritte Art von Flga- 
reDy axfifiaxa twv vno&iaswPy sind nicht eigentÜcb Figaren des 
Stils, soddern Yerkleidongen des wirklichen Zweckes der Rede,' 
eoniroveriiae figuratae^ yennöge welcher, wie Qnintilian (IX. c 
2. §. 65.) sagt: per quandam Butpidonem^ quod dicimuM, accipi 
volumtu, 

§. 375. - 
Da Witz und Scharfsinn mit Yerglcichung und Un- 
terscheidung sinnlicher sowohl als geistiger Gegenstände 
sich beschäftigen, so gehören in ihr Bereich folgende 
Redefiguren: die Yergleichung (comparatio), weldie 
zwei ähnliche Gegenstände zusammen hält, um eine grö^ 
fsere Anschaulichkeit zu erreichen. Hier wird bei der 
urspriSnglichen Yorstellung länger verweilt und auf das 
Gegenbild derselben nur kürzlich hingewiesen. Hinge- 
gen im Gleichnifs (simiie) wird das Gegenbild sorg- 
föltig ausgeführt und die Hauptvorstellung nur kurz er- 
wähnt. Die Parallele endlich hält die gleichmäfsig 
ausgeführten einzelnen Bestandtheile beider ähnlichen 
Vorstellungen neben einander, — Die Antithese stellt 
zwei entgegengiesetzte Yorstellungen zusammen, um sie 
in einem gemeinschaftlichen G^esichtspuncte zu vereinen. 
Yl^erden die beiden Yorstellungen mit demselben Worte, 
aber in verschiedener Bedeutung, ausgedrückt, so nennt 
man diese Figur, die Paronomasie» Sie artet leicht 
in müfsiges Wortspiel aus. 

S. CampbelVi PhiloBophy of Rhetoric, B, IIL CA. 3. — Pries t- 
ley, Vorl. XXVI. — Adelang, Bd. I. S. 483. 488. 494. — 
£herhard*s Handh. der Aesth. Bd. IL Br. 81—88. — »Stei- 

- iier*s ange£ Abh. §. 16 (C — Schott, Theorie der Bered- 
samk. III, .2. S. 114 £E!, wo Paronomasie hlofs Yod der Zasam- 
menstelluDg verschiedener aber bis auf einzekie Buchstaben gleich- 
lautender Worte (^nihU utiliui Male et sole) verstanden wird. 
Yergl. Quuitiltan IX, 3. §. 66. 

§. 376. 
In die zweite Classe der Figuren , deren Wirkung 



aOB Theorie der Schreibart 

xaBldnt aaf die Einbildungskraft gerfcbtet ist, ge- 
boren die sogenannten Tropen, oder solche FigQren, 
dorcb welcbe die eigentbOmlicbe Bedeutung der Wörter 
in. eine uneigentliche und bildlicbe umgeändert, und eine 
Yorsteilung dorcb eine andere, ibr verwandte, folglich 
mittelbar, beseiehnet ' wird. Eine grOCBere Anschaolicb- 
'keit, verbunden mit Mannigfaltigkeit und Neuheit, sind 
die Yomehmsten Wirkungsmittel der Tropen, deren Eot- 
stebong in der Natur und dem Stufengange der measch- 
lichen Erkenntnifs und Yorstellungsart, in der ursprüng- 
lichen Sinnlichkeit der Sprache, und in der leichten Ver- 
knüpfung verwandter Vorstellungen zu suchen ist. Das 
Wichtigste bei )edem Tropen ist daher dessen richtiges 
und auffallendes Verhältnifs zu dem bezeichneten Be- 
griffe, es mag nun innerlich oder Sufserlich, und in Acho- 
lichkeit oder Contrast gegründet sein. Jede Sprache bat 
in Ansehung der Tropen ihren eigenthümlichen Gebrauch, 
daher sie sich nicht immer aus der- einen in die andere 
übertragen lassen. 
S. Cie. de Orat, L. HL c. 38. Qictjift/taii L. VIIl e. 6. 
Des do Ularsais oben angel^brte Schrift. — CampbeWi 
PkUoMOphy of Bhetoric; VoL IL p. 170 u. — Eberhard'« 
Haodb. U. Br. 71. — Steiner's Abb. §. 4 fH ^ 

§. 377. 
Einer der vornehmsten und gewöhnlichsten Tropen 
ist die Metapher, die statt eines minder anschaulichen 
Begriffs einen anschaulichem setzt, der mit )euem Aelin- 
licbkeit hat, und daher als Bild desselben dienen kann. 
Dieser bildliche Begriff wird aber nicht, wie in der Ver- 
gleichung, mit dem Begriffe, der dureli Ibn Tersinnlicht 
wird, zusammengesteHt, sondern unmittelbar an dessen 
Stelle gesetzt. Die Metapher Isfst sich nicht blofs in 
einzelne Wörter, sondern auch in ganze Sätze U%^^ 
wo sie dann um so malerischer wird; auch lassen sicn 
nicht blofs allgemeine und abstracte Begriffe, sondern 
awl^ sinnliche, concrete Vorstellungen durch Hülfe der 



Theorie der Schreibari SfiS 

Metapher anactianlieh^r madbeD« Sie mufg aber^ wie 
alle TropeB, einen hohen Grad von Wahrheit imd An- 
schaulichkeit haben, ^dem Spradigebr^ache gemäfs, von 
bekannten Gegenständen entlehnt, bestimmt, vollständig, 
neu und. schicklich sein. Auch ist die Einheit eine noth- 
wendige Eigenschaft dieser Figur, vermöge welcher nicht 
mehrere Bilder mit einander zu verwirren, noch eigent- 
liche mit den uneigentlichen Ausdrücken zusammenzu- 
setzen sind. — Wird die Metapher durch mehrere Yar- 
Stellungen fortgesetzt, so heifst sie Allegorie; und bei 
dieser ivird nicht blofs eine allgemeine oder einseitige, 
sondern eipe ausgeführte Aehnlichkeit der beiden Haupt- 
begriffe in allen, oder wenigstens in mehrem, Umstän- 
den und Ncbenstügen erfodert. 

S. Vostii Inttitut Orator, L. IV. c. 6. — Home's Grandsätze, 
Cap. XX. Abschn. 6. — Priestlcy's VorL XXII. XXIII. - 
Campbeirt Philoi, of Rhet. Vol. IL p. 199. — Dr, Blair^t 
Lect XVL — Eberhard*« Handb. d. Aesth. II. Br. 72 ff. -1 
Steiner's Abhandl. §. 10 ff. — Herder*8 Adrastea, IV. 
S, 241. 

§. 378. 

Bei andern Tropen liegt nicht sowohl die Aehnlich- 
keit als das Verhältnifs und die gegenseitige Bezie- 
hung und Verwandtschaft beider Vorstellungen zum 
Grunde, deren ^ine an die Stelle der andern gesetzt 
wird« Von der Art ist die Metonymie, welche die 
äufsern, uothwendigen oder zufälligen Verhältnisse 
zweier Begriffe betrifft, und Eins an die Stelle des An- 
dern setzt; z. B. Ursache und Wirkung, das Vorherge- 
bende und Nachfolgende, den Stoff und die Form, das 
VTerk^eug und das Werk, das Zeichen und das Be* 
zeichnete, den Ort und* das daselbst Befindliche, die Zeit 
und das darin Geschehencv -<* Die Synekdoche bin^ 
gegen hat die Verwandtscfaait der innern Verhältnisse 
zum Grunde, und beruht meistens auf dem gröfsern oder 
g^ringeilMJmiiing der Bedeutung des Worts* Sie setzt 



304 Theorie der Schreibart. 

den Tbeft für das Ganze, £e Gattang statt der Art, die 
Art slati des einzelnen Gegenstandes, und umgekehrt. 

. §• 379. 
Zu den Figuren für die Einbildungskraft gehört fer- 
ner die Apostropbei oder die an eine abwesende Per- 
son als gegenwärtig, und an einen leblosen Gegenstand 
als lebend gerichtete Anrede. Der Gebrauch dieser Fi- 
gur findet nur bei starker Erregung der Phantasie und 
leidenschaftlicher Gemüthsbewegung statt; auch darf sie 
nicht zu anhaltend fortgesetzt werden. Von noch stär- 
kerer Wirkung ist die Prosopopöie, Personifica- 
tion, oder Personendichtung,' wenn' man leblosen 
Gegenständen und blofsen Verstandeswesen Persönlich- 
keit, Leben, Vernunft, Selbstthätigkeit und Empfindung 
beilegt, und sie nun, Termittelst der Apostrophe, anrede^ 
oder sie selbst handelnd, hörend oder redend einführt. 
Die längere Fortsetzung dieser Figur ist nur dem Zu- 
stande einer sehr lebhaft bewegten Phantasie und einer 
heftig ei;3chötterten Empfindung angemessen. Sie hat ih- 
ren Grund in der dem Menschen natürlichen Gewohn- 

4 * 

h^it, Alles als persönlich und seibstthätig vorzustellen; 
und wir finden diese Grundidee in die ganze Sprach- 
bilduns verwebt. 

S. Honie's Grandsälze, Cap. XX. Abschn. 1. 2. — Priestlej, 
Vorl. XXIX; — Dr. Blair'» Vorl. XVII. — Cam'phelVz 
PhUoi. öf Rhet. B. HL Ch. L P. 2. — Eberhard's Handb. 
n. Br. 75. 76. <- Herder'« Zerstr. BläUer, lU. S. 111. 

§- 380.^ 
Unter den Figuren von der dritten Art, welche zur 
Erregung der Gerofithsbewegiingen und Leidenschaften, 
und zor Bewirkung eines gröfsern Interesse bestimmt 
sindy dienen einige dazu, durch das Fremde und Unge- 
wöhnliche, welches ihnen eigen ist, die Aufmerksamkeit 
zu erwecken. Von deri^rt ist die Anapher, oder -der 
öfter kun; nacheinander wiederholte Gebrauch eines Wor- 
tes oder längern Ausdruckes, dessen Sinn man besonders 

ein- 



Theorie der Schreibart 906 

dringlich za machen wünscht Von ähnlicher Wirkung 
ist die Inversion, welche die Rede von der gewöhn- 
lichen Wortfolge ablenkt, am eine Vorstellung durch 
die ungewöhnliche Stelle, die sie erhält, vorzüglich her« 
vorzuheben. So auch die Gradation oder Steige- 
rung (Klimax); eine Stufenfolge mehrerer Wörter nach 
dem zunehmenden ' Grade ihrer Stärke und Bedeutsam- 
keit, wodurch die Theilnahme des Lesers oder Hörers 
immer höher gesteigert wird. 

§. 381- 

Die Ironie, eine Figur des Spottes, hat ihren 
Grand darin, dafs nicht blos Aehnlichkeit, sondern auch 
Widerspiel, gemeinschaftliche Vorstellungen in der Seele 
erwecken. Die Ausdrücke werden also, ihrer Entgegen- 
setzung wegen, mit einander vertauscht. Diese Figur 
wird jedoch nicht in einzelnen Wörtern, sondern in einer 
Folge von Redensarten gebraucht. Ihre Misdeutung wird 
durch den Zusammenhang der Rede vermieden; noch 
mehr wird sie beim mQndlichen Vortrage durch Stimme 
und Gebehrde verständlich. — Auch gehört die Hyper- 
bel hieher, welche die Gegenstände ungewöhnlich ver- 
gröisert, und in dieser Absicht sowohl die Vorstellung 
selbst, als ihre Bezeichnung, über die eigentlichen Grän- 
zen hinaustreibt. Das Gegentheil hievon ist die Lito- 
tes, welche durch dien schwächeren Ausdruck den stär- 
keren Sinn andeutet. 

§. 382. 

Die rhetorischen Figuren und Tropen sind durch- 
aus nicht willkübrliche Erfindungen der Kunst, nicht ent- 
behrliche Ausschmückungen der Rede; sondern, wo sie 
am rechten Orte stehen, sind sie der einzig richtige und 
angemessene Ausdrack einer feinen Eigenthümlichkeit des 
Gedankens, sind allein fähig, den beabsichtigten beson- 
dem Eindruck hervorzubringen, und können durch kei- 
nen eigentlichem Ausdruck ersetzt werden. ,)Die red- 
nerische Figur behauptet nur da einen rechten, ihr ge- 

Eschenb. Th. 20 



Theorie der Schreibart 

bmurenden Platz, no sie wirklieh, «ei es darcb Span- 
BODg der Aufinerksamkeity oder durch' yersinnlichimg 
und Yergegenwfirtigang des Gedachten, oder durch leb- 
haften Ausdruck der Gefühle und Affecle, irgend eine 
Thfttigkeit in* dem innem Leben der Zuhörer hervor- 
bringt, die mit der bestimmten Absicht des Redners, mit- 
telbar oder unmittelbar, zusammenhängt, wo sie wiik« 
lieh dem innem Gemfithszustand des nadi einem bestvnm- 
ten Ziele hinstrebenden Redners natürlich ist, und in den 
Gang der Handlung eingreift/' 

Theremin, die Beredsamkeit eineTogend; Berl. 1814. 8. S. 196ff. 
Sehott, Theorie der Beredaamkeit, IIL 2. S. lOL 

§. 383. 

^ Die Eleganz der prosaisdien Schreibart entsteht 
Tomehmlich aus der gefWigen, harmonischen Einrich- 
tung ihrer äuCBem Form. Dabei kommt zunäphst die 
Stellung der Worte in Betracht. Und hier mufs iuan 
die natürliche Ordnung der Worte, die mit der Ge- 
dankenfolge übereinstimmt, von der grammatischen 
Wortfolge unterscheiden, die in allen Sprachen ihre eig- 
nen Regeln hat. In dieser Rücksicht sind diejenigen 
Sprachen im Vortheil, die nicht blos an Eine Wort- 
folge gebunden, sondern einer mannigfachen Stellung der 
Ausdrücke, je nach den feinsten Wendungen des Ge- 
dankens, fähig sind; einVortheil, welchen mit der grie- 
chischen und römischen Sprache unsre deutsche wenig« 
stens mehr als viele andere gemein hat. 

§. 384. 
Aber nicht Von der Stellung einzelner Wörter allein, 
sondern auch von der ganzen Form und dem Yeriiält- 
nisse der aus ihnen gebildeten S fitze hSngt die Schön- 
hdt der Schreibart ab. RedesStze sind entweder ein« 
fach, oder zusammengesetzt Die letztem nennt 
man Perioden, wenn die verknüpften Sätze voUkom« 
men abhängig von einander sind, und als unzertrenn-» 
liehe Glieder (memiraj gleichsam ein orgamsches 



Theorie der Schreibart ^07 

Ganze bilden. Bei ^en einfachen Sätzen kömmt e» nw 
aaf die Stellang der einzelnen Wörter an^ biei den Pe^ 
rioden auch auf die Anordnung der ' einzelnen Glieder, 
die nur in einer gewissen Yerbindang und Yolldtaiidig^ 
keit ein lebendiges Ganze bilden» Ein Unterscheidungs- 
merkmal der Periode ist also, dafs man vor ihrem völ- 
ligen Schlüsse nirgends abbrechen darf, wenq der Sinn 
vollständig sein soll. Eben wegen dieser^ Abgeschlos- 
senheit in sich heifst sie Periode, d. h. Kreislauf, ab- 
gerundete Rede. In Rücksicht auf dl^se beidea Hanpt- 
gattungen der Redesätze wird nun die Schreibart selbst 
entweder. zerschnitten, oder periodisch genannt«. 

Ueber die Lehre vom Periodenbaa b. Ar%$tot, Rheior. L HL 
c. 9. — Diony$. Halte am. de composit, verhör, — Demt' 
triui Phaler, Xlegl ig/MjviCaq^. 10. '^ Hermogenee Htgi cy- 
g^aewv, l IV. — Cie, Oratör. c, 64. — Quintilian L. Ilt. 
«. 4. -^ lo. Sturmii de periodU liber^ Jrgent&rati 1550^ Si 
— Graf Abhandlaag der Lehre von den Perioden; Aogsbmri; 
,1765. 8. — Gräffe Anweisung znm Pcriodfenban; Hannover 
1807. 8. — Herling Grundregeln des deatschen Stils, oder der 
Periodenban der deutschen Sprache; Frankf. a. M. 1823. 8. — 
CampheWe PhÜo$. ofRket, B. IIL Ch. JIL — Voitii In* 
Hit. Oraß. L. IV. e..3. — Dr. Blair* u LecU XL XIII. 
Uebers. Vorles. XII-XIV. ^ Adelung über den d. Styl, B. l 
S. 253, ff. — Schott Theorie der Beredsamk. lU, % S. 188 ff. 

§. 385. 
Die zerschnittene Schreibart (te style coupi) 
besteht entweder aus lauter einfachen, von einander un- 
abhängigen, oder auch aus langem Sätzen , die zwar 
mehrere, aber lauter für sieh bestehende Abschnitte ha« 
ben, deren jeder allein schon einen Sinn giebt« Man 
nennt sie auch wohl die aphoristische Manier. Sie ist 
die gewöhnliche Weise des Gesprächs, der stärkeren 
Gemüthsbewegung, und des kurzem erzählenden Vor- 
trags, und . giebt der Gedankenfolge sowohl als dem Aus* 
drucke einen raschern G^ng und gröfsere Lebhaftigkeit« 
In langem Aufsätzen aber kann diese Schreiba^t^ wenn 
sie nicht mit der periodischen abwechselt, gar leicht er« 

20* 



906 Theorie der^ Schreibart 

nfidend und sogar abgesdiinackt werden, zamal wenn 

das Bestreben binzakommt. diesen knrzen einzelnen Sät- 

zen durch gehäufte Antithesen noch mehr Beziehung und 

Ebenmaafs zu geben. 
Za Gunsten eines mifäigen Gebraochs der kfirxeren Sitse sagt 
Cicero: Hon umper uienium eti perpeiuitMief tt qua» cm- 
venioM verbarum; $ed Moepe carpenda numbru miMdioribn 
araUo «f. 

§. 386. 

Die periodische Schreibart bat mehr Fülle, in^ 
dem sie die gegenseitigen Beziehungen aller Theile einei 
erweiterten Hauptgedankens darstellt, und auch denN^ 
benvorstellungen eine gewisse Ausbildung ertheilt Dorch 
sie erhält die Rede Gewicht und Würde. Die Bestand- 
tbeile einer Periode dürfen nicht gehäuft, sondern müs- 
sen in lichter Ordnung und deutlicher Beziehung mit ein- 
ander verbunden sein. Auch müssen diese einzelnen GIi^ 
der an Länge und Form in einem gewissen Verhältnisse 
KU einander stehen. Eingeschobene Sätze oder Paren- 
thesen dürfen ^ur selten angewandt werden, und müs- 
sen kurz sein, um nicht die Periode dunkel und schwer 
KU machen. Der periodische Stil ist Tomehmlicb der ru- 
higen Besonnenheit, der Untersuchung, Beweisführung 
und der eigentlichen Rede eigen, da er hingegen im Ge- 
spräch, in Briefen und bei lebhafterejc Gemüthsbewegong 
weniger passend ist. 

§. 387. 

In der Periode geschieht ein Uebergang von dem 
Subject zu dem ihm beizulegenden oder abzusprechen- 
den Prädicat, oder von Einem Theile des Hauptgedan- 
kens zum andern, durch von einander abhängige Sätz^» 
worin entweder die Ursache, oder die Bedingung» oder 
die Zeitbestimmung, oder eine Vergleichung u. s. f* ^^^' 
halten ist. Die dadurch entstehenden beiden Hanpttheiie 
der Periode heifseaVordersatz CProiaria) und Nach- 
satz (Jpodosis); und jener Uebergang rrird durch g«' 
wigseVerbindungswörter oder Partikeln angedeutet* 




Theorie dfr Schreibart. 309 

Z. B. In Cansalsfltzen durch weil — so; io "bedingten SäKen 
durch wenn — «o; in consecutiren dorch als, da — ^"so; In 
concessiven darch zwar — jedoch, aber; obgleich — so 
doch; sowohl — .als auch; nicht nar — sondern auch; 
in'disjanctiven durch entweder — oder vu s* L 

§. 388. 
Wesentliche Erfordernisse eines schönen Perio- 
denbaües sind: Klarheit und Bestimmtheit der 
Begriffe nnjd Ausdrücke, irelche sowohl durch die Wahl, 
als durch die Anordnung und Stellung der letztem be- 
fördert ivird; Einheit der Periode, so dafs alle ihre 
Theile sich mit einander in einem natürlichen lichtvollen 
Zusammenhange befinden, nur einen einzigen Gesichts- 
punct geben, und ihre gehörige Vollständigkeit haben; 
Stärke und Nachdruck, damit die Rede ihre vor- 
theilhafteste Wirkung äufsern könne, in welcher Absicht 
alles Ueberflüssige' vermieden, der Hauptgegenstand oder 
das Hauptwort günstig gestellt, eine aufsteigende Stufen- 
folge der einzelnen Glieder beobachtet, und solchen Glie- 
dern, deren eins sich auf das andre bezieht, auch im 
Ausdrueke ein gewisses ungekünsteltes Ebenmaafs ertheilt 
werden mufs. 
Eine^weitre Ansfahrnng hieyon s. in Dr. Blair^s Vorlesungen, XI 
und XII. des Orig. und Vorl. XH nnd XIII. der Uebers. 

§. 389. 
Das Gesetz des Wohlklanges der Rede ist rich- 
tig also ausgesprochen worden:^ Der Redner wählt und 
ordnet die hörbaren Zeichen seiner Vorstellungen so, 
dafs der Eindruck, v welchen der äufsere Sinn der Zu- 
hörer empfängt, den Eindruck, der auf den inneren Sinn 
geschehen soll, nicht nur nicht hindert, sondern auch auf 
jede Art befördert und harmonisch mit ihm zusammen- 
stimmt. Dieser Wohlklang ist von zwiefacher Art, in- 
dem er sich entweder in einzelnen Tönen und Yerbin- 
dnngsarten, oder in ganzen Sätzen und Perioden findet. 
Jener heifst Euphonie oder Wohllaut, und entsteht 
dadurch, dafs viele Wörter, als Töne betrachtet, gleich- 



SlO Theorie 4er Schreüiiart 



•am ein Wiederhall der Gedanken sind , inadfern sie io 
ihrem Klange mit den Gegenständen and VorsteUoDgen 
selbst eine gewisse Aehnlichkeit haben. Diefs ist toc- 
nebmiich bei solchen Wörtern der Fall» durch welche 
hörbare GregenstSnde bezeichnet werden. Aber auch 
Zeitmaafs und Bewegung, ihrer Langsamkeit oder Ge* 
achwindigkeit nach, lassen sich durch den Gang der 
Rede, durch die Beschaffenheit der Wortfolge, und selbst 
durch die Silbenlänge der einzelnen Wötrter, nachbilden. 
Endlich sind auch Gröfse und Kleipheit, Schwere und 
Leichtigkeit, Anmuth und Ungefälligkeit der Gegei^stände, 
dieser Nachbildung fähig. Alle diese Aehnlichkeiten siod 
indefk doch ziemlich entfernt, und nicht sowohl eine Wir- 
kung der Kunst, als eine natürliche Folge belebter Empfio* 
düng des seiner Sprache völlig mächtigen Schriftstellern. 

TergL Schott Theorie der BeredwimL III. 2. S. 190. n. £ber« 
hsrd's Hanah. der Aesth. B Hl. Br. 56-dO. 

.§. 390. 

Um der Rede diese erste Art des Wohlklanges za 
ertheilen, müssen alle Härten vermieden werden, die 
sowohl in den einzelnen Lauten, als in ihrer ZusammeD- 
aetzung, in der Häufung einsilbiger Wörter u. dergl. ihren 
Grund haben können» Auch der Gl eich klang und die 
Eintönigkeit der Wörter tragen zur Härte der Schreib- 
art bei. Hiaher gehört auch der Zusdmmenstofs der Vo- 
cale, oder der Hiatus, der jedoch nicht immer fehler^ 
baft ist, , 

§. 391. 

Wichtiger noch ist die zweite Art des WohlWaD- 
ges, die aus dem verhältniismäfsigen Bau der Sätze und 
Perioden, aus der guten Vertheilung ihrer Einschnitte 
nnd Ruhepuncte, aus der Annehmlichkeit und Fülle ihres 
Schlufsfalls entsteht, und der oratorische Numerus 
genannt Vird. Wenn gleich die Prose kein so bestimiD' 
tes Silbenmaafs, keine so abgemessenen Einschnitte ihrer 
Bedesätze erfodert, ak die Poesie: so kann doch ose 



Theorie der Scbreibarlt #11 

geschickte Stellang der Wörter^ Glieder und Perioden, 
nach einem gewissen durch feines Gdiör geprüften Eben 
maaf^e, ihren ge&Uigen Eindruck ungemein erhöhen. Die« 
8er Wohlklang, den man auch, zum Unterschiede von 
dem Wohllaote» die Wohlbewegung der Bede ge- 
nannt hat, ist mehr von einem richtigen Gefühl, als von 
der Beobachtung vorgeschriebener Regeln abhängig; wie« 
wohl die von den Rhetoren beigebrachten Bemerkungen 
und Muster auch hier förderlich sein können. 

S. Cictro, in Oratort, cLVu, — Quintil IX. 4. — Vo9m» 

Inst Or. L. IV. c, 4. — Ramler'g Batteax, Th. IV. & 130. — 

Home'i Grands. Kap. XYIII. — CampbeWi Ph. of Rkei. 

B. III CK, I. Sect, IIL — Dr. Blair's YorL XUI. des Orig. 

und Yorl XIY. der Uebers. ^ Adelang, B. I S. 252 ff. 

§. 392. 
Wenn nun der Wohlklang der Rede erst bei dem 
lanten Yorlrage derselben ganz zur Erscheinung kommt, 
und selbst bei dem heimlichen Lesen blos durch unwill« ^ 
kührliche Erinnerung an den wirklichen Klang bemerk- 
bar wird: so werden einige Betrachtungen über die Re- 
citation und ihre Steigerung zur^^Declamation hier 
nicht an der unrechten Stelle sein. Das erste Erforder- 
nifs des guten Vortrages ist eine volktSndige, reine und 
geläufige Aussprache. Vollständig ist sie, wenn alle 
Buchstaben eines Wortes ihrem wahren Werthe nach 
gehört werden; rein, wenn jedes einzelne Wort so ge- 
sprochen wird, dafs der Sinn leipht und bestimmt den 
Zuhörer ergreife; geläufig, wenn alle Wörter ohne An- 
stofs und Schwierigkeit, in leichter Folge der ihnen an- 
gemessenen Betonung, an einander sich anschliefsen. Der 
Recitirende weifs durch gemäfsigte Veränderung des 
Tones den Gedanken und Gefühlen des Autors zu ent- 
sprechen, gleich entfernt von theilnahmloser Kälte und 
leidenschaftlicher Aufregung. Indem er an dem Gegen- 
stande regen Antheil nimmt, bleibt ihm dieser doch äu- 
ÜBerlich und genüber stehend. Bei allem Wechsel der 
Empfindung^ die dem jedesmaligen Inhalte gemäfs ist, be- 



sia 



Theorie der Schreibart. 



wahrt er doch die Gleichmäfsigkeit seines eigentbümli- 
eben Charakters. In der Declamation aber bildet 
sich der Vortragende ganz und gar zum Ausdrucke des 
Inhaltes um; seine Seele ist völlig dem Gegenstande hin* 
" g^cl>cDf ^^^ il^re Zustfinde und Erregungen erscheinen 
Termöge eines physiologischen Zusammenhanges nicht Dor 
in der Stimme, sondern in den ZQgeh des Gesichts und 
in den ausdrucksvollen Bewegungen des Körpers. Wei- 
ter noch, als die Declamation des Redners, der nur sejoe 
eigenen, wenn auch ungewöhnlich gesteigerten Seelenzo- 
atände und Erregungen ausdrückt, geht die theatralische 
Declamation, wo der Darstellende sein eignes Naturell 
Terleugnet, um sich ganz in eine fremde Lage und Stim- 
mung zu versetzen und ihr gemSfs jede leidenschaftliche 
Regung als wirklich gegenwartig auszudrücken. 

G0the*8 Werke, Bd. 44. S. 301. Vgl. J. W alhtr' % JSioM^ 
of Elocution; being a Subiiance af a Cour»e ofLeetumo» 
the Art of R«ading; Lond. 1781. 2 Voh. gr. 9. — Hi^pf 
improving in tke Art of Reading; hy the Same; Lond, 17S1 
8. — A Rhetorieal Qrammar; hy the Same; Land. 1787. 9* - 
TAo. Sheridan* $ Leetum on the Art of Readingi tu iv 
Parti; Lond. 1781. ^.8., besonders der erste Tbeil: Tln ^ 
Art of Reading I^ote. — Sheridan Aber die DedamatioD, 
fibers. T. L5bel; lieipz. 1792. 2 Bde. 8. — Frank Aber De- 
klamation; Gott 1789. 92. 2 Bde. 8. -- (Clndins) Grondrilk 
der körperl. Beredsaifiikeit; fiambarg 1792. 8. -^ £berhar(l*i 
Handbuch der Aestbetik, B. 111. Br. 157-160, ' 



Theorie des Brie&tils. 313 



II. 

Theorie des Briefstils. 

§. 393. 

Der Brief, als schriftliche Anrede an eine oder 
mehrere abwesende Personen, vertritt die Stelle der 
jntindlichen Unterhaltung. D^r Briefwechsel dient 
statt des wechselseitigen Gesprächs. Je treuer ^lso ein 
Brief die Sprache des mündlichen Umganges nachahmt, 
desto Tollkommener wird er seine Bestimmung erfüllen, 
Stellvertreter des wirklichen Gesprächs zu' sein. Leich* 
tigkeit und Schicklic&keit sind daher unter den Eigen- 
schaften der guten Schreibart dem Briefe am unentbehr- 
lichsten. Und die allgemeinste Regel des Briefstils ist: 
an jede Person also zu schreiben, wie man reden würde, 
wenn sie anwesend wäre« Diefs setzt eine lebhafte Yer- 
gegenwärtigung voraus, sowohl der Eigenthümlichkeiten 
jener Person, als unseres Yerhältaisses zu ihr, und der 
besonderen Umstände, unter welchen wir schreiben.. 

Der Brief pflegt, der uFBpr&oglicheir Bedeutong seines Namens 
(Breve) gem9ls, als kürzere Zuschrift von dem ansgefahrte- 
ren Sendschreiben nnd Schreiben nnterschieden zu wer- 
den (vgl. £berbard*s Sjnonjmik, VI. 68.). Aach möchte der 
Brief ein vertranlicheres, das Schreiben and Sendschreiben ein 
förmlicheres YerbttltnÜs der Schreibenden voranssetzen. Unter 
Epistel wird meut der poetische Brief verstanden. Vgl. fiber 
den Inhalt dieses Abschnittes: De $tudioy $tilo ei artificio epi^ 
stelico F4ibii Quintilianiy Era$mi BoferodanU, Ann, Senecae, 
Pliniif Demetrü Phalereiy Chregorti Naxianxeni et lAbanii^ bo* 
pientiaimorum tirorum Placita; Hamb» 1614. 8. Ramler's 
Battenz, Th. IV. S. 304. — Gellert*s Abbandiang vom gu- 
ten Geschmaclr in Briefen, vor seinen Briefen, Leipi. 
1751. gr. 8. nnd in s. sSmmtl. Sehr. — Stockhansen's 
GmndsStze wohleingerichteter Briefe; Heimst. 1763, 8. — Traiie 
du rtihf avee un DUeoun $ur le Stile Epiitolaire; Anut. 1751. 
8. — Dr. Bläir's Lecturee, XXXVH. Ed. in ito. Vol. IL 
jp. 297 S9. Uebers. Vorles. XXXIV. B. IlL S. 257. - Ho- 



ai4 Theorie des Brie&tils. 

rill*« Ankltmig tarn Briebclireiben; Berl. 1783. 8, — Gro- 
ber in Ench't IL Giiiber's Epejdopädie« 

§. 394. 
Indessen kann man die allgemeine Regel des Brief- 
BtileSy nämlich der Sprache der mündlichen Unterredang 
treu za bleiben, nicht ganz ohne Einschränkung gel- 
ten lussea Einerseits gestattet der schriftliche Ansdrack 
unserer Gedanken eine sorgfältigere Ueberlegung, als der 
mOndliche, andererseits kann ein Briefe dessen Schrift- 
. Züge nicht wie die gesprochenen Worte vergehen, mit 
ungetheilter Aufmerksamkeit wiederholt gelesen werden. 
Er mufs also von den kleinen Nachlässigkeiteni die wir 
dem Sprechenden verzeihen , sich frei halten, ja^ selbst, 
was Ton und Miene zum sichern Verständnifs beitragen, 
durch Bestimmtheit des Ausdruckes ersetzen. — Allein 
diefs ist nicht genug. Der Unterschied des schriftlichen 
und des gesprochenen Wortes ist noch tiefer begründet. 

• '§• 395- 
Wenngleich der Briefstil meistens einfach und schmuck- 
los ist| und mehr als sonst eine Art des 3tils zu der oben 
erläuterten niederen Gattung der Schreibart gehört: so 
liegt doch in dem innem Wesen des Briefes etwas, das 
ihn über die Alltäglichkeit des gemeinen Gesprächs merk- 
lich erhebt. Das Verhältnifs der Personen, die sich brief- 
lich unterhalten, ist durch ihre Trennung selbst ein idea«» 
leres geworden. Erinnerung und Phantasie treten an die 
Stelle der gegenwärtigen Anschauung. Der Schreibende 
wie der Empfänger des Briefes wenden Sinne und Ge- 
danken von der umgebenden Wirklichkeit ab, um sico 
ganz einer geistigen Beziehung zu dem Entfernter^ ^ 
zugeben. So erhebt sich der Brief auch in die Spbäre 
kunstmäfsiger Schönheit, und entfernt sich^ vom gemei- 
nen Gespräche ebensoweit, als der künstlerisch gebil- 
dete Dialog. Wie im Dialog herrscht im Briefe die 
stete Beziehung auf die Individualität des Andemi i^ 
doch ohne augenblickliches! materielles Eingreifen des- 



J 



Theorie des Bdiefetik S15 

selben in den Gedankengang. Auch der Brief ist das 
gemeinsame ErzeugpiCs zweier zosammenwirkender Na- 
turen, deren aber nur eine willkübrlich und im Einzel- 
nen, die. andere unwillkührlich und ihrem allgemeinen 
*Wesen nach thätig ist. — Mit dem Monolog, in weU 
cbem der Sprechende ganz bei sich selbst verweilt, hat 
der ^rief nichts gemein. Vielmehr ist es ein häuGger, 
sorgfältig zu meidender Fehler , den Brief zum Selbst- 
gespräche zu machen. 

Schon der Grieche ArteAiOD, den die älteste Torhiindene Theo- 
rie des Briefstils (Demetrins ntgl fg/npuCaq, Abschn. 231 ff.) 
anfuhrt, hebt die Verwandtschaft des Briefes mit der Kunstgat- 
tung des Dialogs henror. Seneca hingegen sieht das wirkliche 
Gespräch als Vorbild des Briefes an. Er sagt Epist. LXXV. 
Quali» Bermo meui eaeif ii una uderemuB aut ambularemui^ 
iüaboratui et facüu^ taU% e$i€ epittoloM mea$ volo, quae mMl 
kabeani\ aecerntum n§c fieium* 

§. 39& 

Es ist zu bemerken, dafs unter den Briefen ein we- 
sentlicher Unterschied Statt findet. Einerseits kann man 
in Briefen über Thatsachen berichten, oder wissekischaft- 
lieh belehren; andererseits kann man seine eigenen €re- 
fldile und Gesinnungen, oder Bestrebungen vortragen. 
In jenem erstem Falle werden nur die historische und 
die didaktische Schreibart durch die besondere Bezie- 
hung auf ein bestimmtes Individuum, an welches die Mit- 
theilung gerichtet ist, besonders modificirt. Die Brief- 
form dient hier als Einkleidung einem gegenständlichen 
Inhalte, der sich von der Person des Schreibenden tiren« 
neu läfst. Aber auch hier ertheilt die Individualität dem 
Briefe seinen eigenthümlichen Reiz. Historische That- 
sachen und wissenschaftliche Gegenstände erhalten da- 
durch, dafs der BrieCsteller ganz von ihnen durchdrun- 
gen ist, und sie mit steter Beziehung auf den Empfiln* 
ffiT des Briefes vorträgt, einen hohen Grad von Idben- 
diger Anschaulichkeit, Was fem und entlegen isl^ wird 



S16 Theorie des Bnefetils. 

durch die briefliche Behaodroog in den Kreis des ge- 
genTTärtigen persönlichen Interesses gezogen. . 

* VtUv den genaneren Classificatiooen der Briefe scheint folgende 
am sweckmS&igsteii: Jenachdem eineraeite entweder Begebenhei- 
ten 9 oder belehrende Gedanken, andereraeita entweder Geföhle 
und Geainunngen, oder Begehmngen den Hauptinhalt der Briefe 
aoamachen, laaaen sich dieselben in yier Claasen theilen: 1) .hi- 
storiache Briefe, Berichte; 2) wiaaenschafllicbe, gelehrte, mora- 
liacfae Briefe; 3) Tertranliche« frenndachaftUche Briefe, Glfick- 
wflnachnnga-, Dankaagnngaachreiben, Beileidabezeignngen n. dgi; 
4) Bitt- nnd Bewerbongaachreiben, Einladungabriefe, Emp&h- 
Innga-, Erinnemnga-, Entachuldigungaachreiben u. dgL Von die- 
sen vier Claaaen, welche nat&riich auch gemischt vorkommen, 
und es die beiden erstem, welche der historischen nnd der dt 
daktiachen Schreibart angehören; die beiden letztem aber pflegt 
man in der Theorie des Briefstils im engem Sinne za behandeliL 

§. 397. 
Aber das eigentliche Wesen des Briefes, der ganz 
sobjectiver Natur ist, erscheint erst ToUständig, wo man 
die Zustände und Bestrebungen des eigenen Innern eioein 
^Entfernten kund thut Jenachdem ntin eine' wahrhaft ia- 
nere Verbindung oder nur ein äufserliches YerhältniÜB 
zu einer abwesenden Person den Ausdruck unserer Ge- 
sinnungen und Bestrebungen TeranlaCst, jenachdem der 
Brief ein vertraulicher oder ein Jilofser Wohlstandsbrief 
ist: pflegt er mehr ein natürlicher, kunstloser Abdruck 
unseres Innern, oder ein künstliches Erzeugnifs der Ke« 
fterion zu sein. In jenen kunstlos entstandenen Briefen 
lassen sich jedoch die Gesetze der Kunst auffinden; zfi 
diesen künstlichen lassen sie sich zweckmäfsig anwen- 
den. Die Formen des Einganges und des Schlusses zum 
Beispiel 9 welche ursprünglich der Höflichkeit des Her- 
zens, der Achtung vor fremder Würde und dem Be- 
wufstsein der eigenen angehören, sind in dem Wohl- 
standsbriefe, je mehr er der blofsen Etikette dient, zu 
vorgeschriebenen Formeln geworden» aus denen die In- 
nigkeit des eigenen Denkens" und Füblens verschwan- 
den ist Diese Formeln können, so wie die tibrigen 



Theorie des Briefstils. 317 

Regeln der Courtoiisie, welche in der äa&ern Einrich- 
tung des Briefes zu beobachten sind, ans den zahlrei* 
eben Briefstellern und Brief formularen, die es seit dem 
Alterthume giebt, erlernt werden. \ 

Schon die Griechen hatten ihre Timot inifoUKol und iTttcoXutol 

i 

xagaxTfiqtqy wie wir unsere zahlreichen Briefsteller von Hey* 
natc, ÄoritZ) Heinsius, Kerndörfer, Rumpf o. A. 

§. 398. 
Alle weiteren Regeln, die man etwa für den Berief- 
Stil geben möchte p lassen sich auf iie stete Berücksich- 
tigung der Eigcnthümlichkeit, der Lage, ;a der Fassungs- 
kraft des Andern zurückführen. Der Römer dachte sich 
so vollkommen in die Lage des Empfängers seines Brie- 
fes, dafs er selbst, was er gegenwärtig schrieb, in der 
Form der Vergangenheit ausdrückte. Die natürli(;he Rück- 
sicht auf den Andern wird in den förmlicheren iSipj^di- 
ben, besonders solchen, welche ein Begehren ausspre- 
chen, zu sorgfältiger Berechnung des Eindruckes« Statt 
der nachlässigeren Folge der Gedanken, welche in ver- 
traulichen Briefen oft weniger durch logischen Zusam- 
menhang, als durch natürliche Vergesellschaftung der 
Vorstellungen bestimmt wird, ziemt dem förmlicheren 
Schreiben ein gemessenerer Stil und eine geregeltere 
Eintheilung, wodurch dem Empfänger der Ueberblick er- 
leichtert,^ und kein vertrauliches Eingehen in die beson- 
dere Denkweise, des Briefstellers zugemuthet wird. Ue- 
berhaupt tritt hier die Eigenthümlichkeit des Schreiben- 
den zurück, auf welcher sonst der vornehmste Reiz eines 
Briefes beruht. Denn nirgends prägt sich deutlicher der 
ganze Charakter des Menschen aus,. als in einem kunst- 
losen Briefe; nirgends ist es wahrer, was Buffon sagte, 
le 9tyle e^est Thamme, Der Gedankengang, die einzel- 
nen Wendungen, das kleinste Wort, ja die Handschrift 
selbst tragen das Gepräge des ganzen Menschen in einer 
besondern Lage und Stimmung. Daher pflegen Briefe 
aus entfernten Zeiten und fremden Verhältnissen unsere 



318 Theorie des Brie&tils. 

Aufmerksamkeit iü ähnlicher Weise aaf sieh za ziehen, 
als träten uns wirkUcfae Menschen entgegen« 

§. 399. 
Unter den vielen noch vorhandenen Briefen in grie- 
chischer Sprache, welche zum Theil von Rhetoren un- 
ter den Namen berühmter Männer der Vorzeit verfafst 
wurden, sind die nur theilweise ächten platonischen 
Briefe, ferner die des Isokrates, des Demosthenes, 
des Sophisten Libanius, und die dem Phalaris bei- 
gelegten besonders 'hervorzuheben. — Als Muster gelten 
die lateinischen Briefe des Cicero; auch die des 
jungem Plinius sind, bei etwas künstlicherer Schreib- 
art^ ungemein anziehend; und die rhetorisirenden Briefe 
des Senecä fesseln durch ihren lehrreichen Inhalt. 

Der llteste griechiBcbe Brief, den wir kennen, der des PrStof 
hei Home^ IL VI. 168 , war ein Uriasbrief, wie der des DaM 

2. Sfemoel. 11. 15. Vergl. Chamkteristik der ans fibrigen 

griechischen Briefe (von Schönbejder) in der N. Bl- 
bliotb. d. 8ch.W. B.y. S. 292. — Samminngen: EpUtolu 
divertor, philoiophot. orator. rhetor, XXVI. Venet ap. JlduiUt 
1499. 2 Thle. 4. — Epiitolae graecanicae mutuae etc. Aurd. 
JUobr. 1606. fol. — Epiiiolae vett, Oraecor. ( T. 1. et 2. per 
Eilh. Lubinum) ap. Commelin. 1609. 3 Tomi 8. — ^^ 
tratity Antiithenii^ tt Soeratieor. Episioiae, ex ed, ht9^ 
Allütii; Päf, 1637. 4. Colhctio epütolar, graecar,, gr- ^ 
iat. ed, J. C. Orelliui, Vol. 1. LipB. 1815. 8. — Libanü 
Epiitolae, e. n. J. Cph, Wolfii; Am»L 1738. fol — P^^' 
laridii Epittolae, c. comm» Jo, Dan. a Lennep, curaL.C, 
Valkenaer; Oraning. 1777. 2 Voll 4. C/. Rieh. Bentleji 
Diu. de Phalaridü aliwrumque epiüoiie; ibid. 1777. 4. -^ 
Vcm Alciphron'a und Aristaenetoa romantischen Brieft^A '' 
die Litteratnr der Romane. — — Cieeronii Epistolar. ^^ 
divergoi $. familiärem Libri XVL ex rec, Graevii; Amt. 1677- 
2 Voll 8. m. Epp. ad Atticum Libri XVL ex rec. Oratfü! 
Anut 1684. 2 Vo(l 8. m. Epp. ad Quintum fratrem Libri Ul 
(und die nntergeschehenen Epp. ad Brut um ^ L. /.) ^* ^^ 
variarum; Hagae Com. 1725. 8. Gesammtaoagabf seiner Briefe: 
M. T. Cieeronii Epiitolae ad Atticum, ad Q. Fr. et g««' 
vulgo ad Famüiarei dicuntur^ ^ temp. ord. diip. et rec. c i^ 
a C. O. Sehßtx; Halae I809--12. 6 Voil gr. 8. SBmmt- 



Theorie des Briefstflis. 



319 



liehe Briefe fibe». u. erl. Ten C. BL Wieland, &rtgei. Toft 
GrSter; Zarich 1809— 22. 7 Bde. gr. 8. — von ThoBpann o. 

Eckermann; PrenzL 1827 ff. 16. C. Plinii Seeundi 

Eputolar, lAbri X. ex ed. J. M. Oe$neri et A, W. Ernettii; 
Lip$. 1770. 8. ed. O. C. Gierigii; Lip$. 1800-2. 2 Voll gr. 8, 
kleinere Ausg. 1806. 2 Bde. 8. — fibers. von J. A. Schäfer; 

Erlangen 1801-2. 2 Bde. gr. 8. L. A. Senecae Eptttth- 

lae ad Lucilium CXXIV. in ej, Opp, ex ed. F. E. Buhkopf; 
Lip$. 1707-1811. 5 Voli. gr. 8.; einzek: e. L Schweighäu- 
Mer. Argent. 1808. // Voll. 8.; üb. mit AnmerL (r. OUhaa- 
Ben), Kiel 1811. 2 Bde. 8. — Wir erinnern hier noch an die 
bedcntcnde Menge neuerer lateinischer Briefe von /Gelehrten« 
. vorxftglich in den gröberen Sammlongen von P. Barmanm 
{Gudii et alior. Epietolaef UUraj. 1697. 4., nnd Syüoge Epu 
giolwrum^ Leid. 1127. ft Voll. 4.), nnd an die Eputolae eibecu- 
rorum virorum nnd Epiitolae clarorum virorum ad J. Beuch" 
linum {Hagenoae 1519. 4:). 

§. 400. 
Sebr zahlreich sind die Briefsammlungen der Ita- 
liener; aber nur wenige unter ihnen empfehlen sich 
durch natürliche und ungekünstelte Schreibart. In den 
meisten herrscht ein entbehrlicher Schmuck, gehäufter 
"Witz und müCsiger gelehrter Prunk. Die Briefe von 
Annibale Caro, von Bernardo Tasso, dem altem 
Grafen Gozzi, Metastasio, dem Grafen Algarotti 
verdienen jedoch rühmlichst hervorgehoben zu werden. 
Zu den besten erdichteten Briefen der italienischen Lit* 
teratur gehören 'die von Ugo Foscolo. 

S. eine kritische Anzeige der vomehnuten ital. Briefe bei Fon- 
tanini Dell* Eloquenxa Italiana, T. Lp» 150. — Sammlun- 
gen: Letter e volgari di diversi nobiliaimi uomini etc. (racc. 
da Paolo Manuxio) Venet. 1542-64. 3 VoU. 8. — Lettere 
di div. eccel. uomini (racc. d^ Ludov. Dolee) Ven. 1554. 8. — 
— racc. da Dion. Atanagi e Porcacchi, Libri XVJL 
Ven. 1584. 8. — — Delle Lettere familiari del Commend. 
Annibale Caro; Ven. 1735. 3 Voll. 8. — Lettere di Ber- 
nardo Taao; Padova 1733. 2 Voü. 8. — Lettere divene fa- 
cetCf erudite e tarie del Conte Gaeparo Goxxi; Venex. 1754. 
2 Voll. 8. and in «.Werken, Ven. 1759. 6 Bde. 8.; dentsch, 
Altenb. 1763. 8. — Lettere di Metasta$iOf nette Opere Po^ 
ituine, date aüa luee dalV Abbatt Conte d^Ayala; Vienna 1795. 



/ 



320 Theorie des Briefstils. 

3 VtXL, 8. — Leiiere 9arie iel Conie Algarotti; udle OpeUf 
Livorno 1764. T. V. VIL — Ueber Ugo Fotcolo 8. $. 118. 

§. 401. 
Unter der gleichfatls ansehnlichen Menge franzö- 
sischer Briefe sind diejenigen, die sich durch' Feinheit 
der Empfindung und des Ausdrucks am meisten auszeich- 
nen, die Briefe der Marquise von Sevigne an ihre 
Tochter. Nächst ihnen haben die unter dem Namen der 
Ninon del'EncIos herausgegebenen, so wie die über- 
aus naiven und zärtlichen Briefe der Babetgrofsen Bei- 
fall gefunden. Nicht unwichtig sind die Briefe der Mar- 
quise von Maintenon und die der Gräfin vouStaaL 
Sowohl ihres Inhalts als ihrer Schreibart wegen sind auch 
die Briefe von dem altem Racine, von Voltaire, 
Montesquieu und Rousseau empfehlenswertb. Za 
den interessantesten neueren Briefen gehören die von 
Napoleon, besonders sein Briefwechsel mit der Kai- 
serin Josephine. 

Lettres de Madame la Marguiee de Sevigne; Parit 1S18. 10 
Voh. 8. — Lettre» de Mademou. Ninon de VEnclot ait 
Marquii de Sevigne, Paris 1801. 3 Voh. 18.; zaerst 1750 er- 
sclnonen nnd von Damoors erdichtet, so wie ihre Briefe ao 
den Marquis de YilbrceaDZ, Paris 1789. 8.^ aas Segnr's Feder 
sind. — Lettre» de Bähet p avec. ceUe» de Bojinault; P^^- 
1738. 3 V0ILI2. — Lettret de Fr. d^Aubigne Marquiti 
de Maintenon, Amit. 1756. 9 Voh. 12.; Par. 1807. 6 VoU- 
12. — Reeueil de lettre» de Mme la Comtetu ße Staat; P^f 
an IX, 2 Voh. 12. — Lettre» et Memoire» de Jean Racine^ 
Par. 1742. 2 Voll. 12. nnd in den Oeuv. de L. Racine, T.//- 
— Corre»pondence de Voltaire, dan» le» Voll. L-LlOil'^ 
»e» Oeuvre», ed. de Beaumarehai». — Lettre» de Montet- 
fuieu, dan» $e» Oeuvre», T. VIL VIII. a Bäh 1799. 8^0«. 
8. — Lettre» de J. J. Rou»»eau, dan» le »eeond Suppl^tf»^ 
de »e$ Oeuvre»; h Deuxpont» 1782 »». 33 Voll. 12. - ^' 
tre» de Napoleon et de Vlmperatrice Jo»epkine; Lonif*^ 
1833. 2 Voll. gr. 8. 

§. 402. 
Unterrichtend durch ihrea Inhalt, und dabei von 
classischer Schreibart, sind die Briefe einiger der ot- 

rühm- 



Theorie des Briefstils. 321 

rfihmteBten englische Schriftsteller; besonders die 
Ton Swift, Pope, Gray, Hughes und ihren Freun- 
den. Dazu kommt ihr grofser Reichthum an erdichteten 
Briefen von musterhafter Schreibart^ so ^irie ihjce zahl- 
reichen Reiseberichte in Briefform. 

Dean Johann SwifVM Leiterg tö hh friendt^; Land. 1765. 6 
Voli. 8. ^— Letters of A. Pope, vnth iKoie' of Idg friends^ in 
hU Workiy Voll. FI-IX. -^ Gray'e Lttteri äHd Pö€m$ hy 
Maion; Lond. 1777. 4. — Letten by utseral eminent Perjton» 
deceoiedf inci^ing tke Correepondence of X Hughet, £»g. 
änd teteral of /ms fnendg; (by J. Duneömb&J Lmd. 1773. 2 
VeU, 8. — Epiitiee, Eiegänt, FamHiar and' htttructite, ulec- 
ted from the beut Writeft; (by Vicee. Khox) Lond. 1791. 
gr. 8. 

§. 403. • 

In 'Deutschland, yvo lange Zeit ein^ geschmack- 
lose Steifheit im Briefstile berrschte, . hat. 1119x1 seit der 
Mitte des vorigen Jahrhunderte Sammlungen wirklich ge- 
wechselter Briefe herausgegeben, welche ziim Theil für 
musterhaft gelten können'. Aber erst in der neuesten 
Zeit haben die Briefe ausgezeichneter Personen ,' welche 
fast mehr noch als die Mempiren der Franzosen einen 
Blick in das innere geistige Treiben der Edleren im 
Volke verstatten, eine fiberaus bedeutende Stelle in der 
deutschen Litteratur einzunehmen begonnen. In die 
Reihe der besten älteren und neueren Briefsteller gehö- 
ren; Geliert, Rabener, Lange, Gleim und J. G. 
Jacobi, Abbt, Winckelmann, die beiden von Ha- 
gedorn, Bodmer, Leasing, Zollikofer, Garve, 
Gefsner, J. v. Müller, Heinse, Wieland, For- 
ster, Zimmermann, F. H. Jacobi^ Baggesen, v. 
Bonstetten, Vofs, Jean Paul (Richter), v. Kne- 
bel, von Humboldt, Schiller, Goethe, Zelter 
und Andere. 

Geliert's Briefe, nebst einer pralctischen Abhaudlang vom gaten 

Gescbmacke in Briefen; Leipzig 1758. gr. 8. — Rabener's 

Briefe, beraosg. von Weisse; Leipz. 1772. 8. Aach io Beider 

•ImmtL Schriften. ^ Lange's frenndscbafÜicbe Briefe; 

Escbenb. Th. 21 



^23 Theorie der Schreibart. 

Berl« 1746. 8. :De8B, Sanunlan^. gelehrter und >j&eiiiidsduiftL 
Briefe; H«!le 1769. 2 BSnde 8. 7- Briefe Ton J. G. .Jacob i-, 
Beri. 1768. 8. — Briefe von Gleim and Jacob i; ebend. 1768. 
8. — Abbt's frenndscnafll. .Correspondenz, in Tb. 3, 5 und 6 
' seiner Schriften. — Winckelma'nn^s Briefe an seine Frennde, 
heraasgegeben von Dassdorf; Dresden 1777 — 86. 2 Bde.gr. 
8., pess. Briefe an -seine Freunde in der Schwelg; Zfiricb 
177-8. gr. 8. .De4s. Briefe a^ e\nf*n seiner Tertraotesteil Fremd« 
(den B#;^i^.v^on «Itlaxel- Stoschl; BH. 1781. 2Tiieile gr. 8. 
De SS. Briefe an einen Frenmd in Liefland (Heirrn v. Bergk); 
Kohiirg 1784. 8. Dess. Briefe an den KanmierraUi U. D. Be- 
rfDdis..^q| 4^m voo Göthe berunsgi^ebfnen Werke: Winckel- 
mann ^nd ^in JaKrbaiiderJt ; Tubingen 1805. gr. 8. Ge^ammt- 
^ ausgäbe: . Winck^lmann *b Briefe, berausgegeben tob Fr. För- 
ster; Berl 1824-25. 3 Bde. 8. — Fr. v. Hagedorn's Brief- 
Wechsel im 5ten Bande der neaen Ausg. seiner Werke; Bainb. 
1800. 8. — Briefe über die Kunst von nod an O. L. v. Ha- 
gedo'rn; Leipz. 1797. 8. — Briefe^ berfibmier und edler Deut- 
schen «in Bödme r,' hcransgeg. Von 6. F; Stäadlin; Statt^ 
. 1794.8. — Lessing's litterarische, antiquarische' und vertraute 
' Briefe, Bd« .4, 11, 12, ^$7— BO. seiner. sJbnmtlichen Schriften. - 
C. Qarve!s Briefe, an C. F. Weisse und einige andere Freunde; 
Breslau 1803. 2 Bde. 8. Dess. Briefwechsel mit G. J. Zolli- 
kofer, nebst einigen Briefen an Andere; Breslau 1804. 8. — 
Briefe der Schweizer, Bodnier, Sulzer, Gefsner; aas 
01eim*s litterar. Nachlasse l)erliusgeg. von W. Körte; Zürieh 
1804. 8. — Briefe von Gleim^ Ueiose und. J. von Müller, 
herausgeg.. von W. Körte; Züri<ji lS0i6«:2 Bde. 8. — (J. von 
M filier 's) Briefe eines jungen Gelehrten an seinen Freund (v. 
Bonstetten);. Tubingen 1802. 8. ~ C. Iff. Wie Und 's Briefe an 
Terschiedene Freunde; Zfirich 1&I4. 2 Bde. 8. Dess. AuswaU 
denkwfirdiger Briefe; beraiisgeg. von L. Wiela»d; Wien 1814. 
2 Bde. 8. — J. G. Fofster's Briefwechsel; Leip. 1829. 2 
Bände 8. — J. G. Zimmermann Briefe an Freund«^ in der 
Schweiz; Aaran 1830. 8. -- F. BL Jacobi's auserlesener Brief- 
wechsel, Bd. I. IL; Leipz. 1825 — 27. 8. -- Jens Baggeseo's 
Brie^vecbsel mit Reinhöld und Jacobi; Leipz. 1831. 2 Bde. 8. 
— K. V. ▼. Bonstetten Briefe an Mstthisson, Züridi 1827. 
.8.; an Friederike Brun, Frankfurt a. M. 1829. 2 Bde. 8. - l 
H. Vofs Briefe, 2 Bde., Halbeist. 1829. 30. 8.; H. Vofs Briefe, 
Bd. I. n.; Heidelb. 1833-34. 8. — Jean PauP^ Brief^ech: 
sei mit Christian Otto, Bd. MB.; Berl. ,1829. 8. — K. L. von 
Kneber» litterar. Nachbüs und Briefwechsel, , Bd. 1. 2.; Lpz. 



Bas Gespräch. 393 

1839. 8. — Briefe au Jl H. Merck ron Gbtbe, Herder» Wie- 
land XL A.; Da^rmstadt 1835. 8. — BrieFpvechsel zwischen Schil- 
ler und W. ▼. Humboldt; Stuttg. u. Tüb. 1JS30. 8. — Fr. ▼. 
Schill er 's aoserlesene Briefe in den Jahren 1781 — 1805., her- 
ausgegeben Ton Döring; Zeitz 1834. 8. -^ Briefwechsel zwi- 
schen SchiHer*und G^the, Th. 1-^6.; Statitg. o; Tüb» 1828- 
29. 8. — Göthe's Briefe an Lavater» a« d. Jahren 1774—83.; 
Leipz. 1833. 8. — Kurzer Briefwechsel zwischen .Klops tock 
und Göthe im Jahre 1776.; Leipz. 1833. 8. — Göthe*s Brief- 
Wechsel mit einem Kinde (Bettina ron Arnim, geb. Brentano); 
Berl. 1835. 2 BSnde 8. — Briefwechsel zwischen Göthe und 
Zeiter in den Jahren 1796 — 1832. Th. 1—6.; Berliil 1833-^ 
18W.8. 



m. 

Das Gespräch. 



> « 



§•404, 

Bas GcsprSch oder der Dialog, als eine Art der 
prosaischen Darstellung, hat "das wirkliche Gespräch zum 
Vorbilde, und ist eine liunstmäfsige Nachahmung dessel- 
ben. Die Eigenschaften der mündlichen Unterredung, 
welche gebildete Menseben über bedeutende Gegen- 
stände fjibren, vornehmlich Leichtigkeit und Kunstlosig- 
keit sowohl der einzelnen Ausdrücke als ihrer Verbin- 
dungen, Werden sich auch in dem schriftlichen Dialoge 
wiederfinden, welcher Alles mit dem mündlichen gemein 
hat, nui: nicht die verzeihlichen Mängel der augenblick- 
lichen unüberdachten Rede. 

S. die zn §. 269. angef. Schrillen, femer Garve*8 Recens. von 
Mendelssohns Phädon in der N. Bibl. der seh. Wiss. VI. 80 ff. 
Dr, Blair'i Lecture XXXVIL üehers. Vorl. XXXIV. — 
Adelung üher den deutschen Stil, Bd. ü. S. 330 ff. — Maafs 
Grandr. d. Rhetorik, §. 340 ff. 

§. 405. 
Ungeachtet* aber die Knnstlosigkeit für die erste Be- 

21» 



324 Das Gespräch. 

•diogoDg des Dialogs, auch als schriftstellerischer Gattnag, 
gelten darf, so 'werden doch einige Gesetze und Kunst- 
regeln auch ifx ihm sich bemerken Jassen; um so mehr, 
als selbst auf das natürliche Gespräch gewisse leitende 
Grundsätze^ deren man sich beyrufst geworden, vortheü- 
haft einwirken können. Wenn die natürliche Hartnäk- 
kigkeit des Streites leicht in ein' zielloses Hin- und Her- 
reden T^rfäUt, so bemerkt man leicht, dafs, um zu dem 
Ziele zu gelangen, man sich nicht minder geflissentlich 
bemühen müsse, auf den Gesichtsppnkt des Andern sich 
zu stellen, als jenen für die eigene Ansichtswefse zu g^ 
winnen. So auch gilt es mit Recht für eine der löblich- 
sten geselligen Eigenschaften, den Andern gescheut re- 
den zu machen, oder ihn auf Gegenstände zu leiten, 
über die er gern und einsichtig redet; eine Gewöhnung 
die ebensosehr einem natürlichen Wohlwollen als der 
Klugheit ziemt. Der Klugheit auch darum, weil wir nar 
so die möglichst gröfste Belehrung aus dem Gespräche 
schöpfen. Und was es heifse, durch mündliche Mitthei- 
lung' der Tüchtigsten auf ihrem Felde belehrt zu werden, 
4as zeigt das Beispiel grofser Männer, die ein solches 
dialogisches Ausforschen dem Lernen aus Büchern vor- 
zögen. . . 

§. 406. 1 

Das Eigenthümliche des Gespräches, wodurch es sich 
von dem gewöhnlichen ununterbrochenen Vortrage un- 
terscheidet, ist,'dafs hier nicht eine blos einfache £nt- 
wickelung von innen heraus stattfindet, sondern eine ge- 
doppelte, aus dem Innern zweier Individuen, welche auf 
eine verschiedene, oft entgegengesetzte Weise jeder in 
des andern Gedankengang entschieden eingreifen. Es 
ist aber nicht die Bestimmung deß Gespräches, Streit zu 
sein 9 sondern Verständigung. Wie die unterredenden 
von wesentlich verschiedener , aber gemeinsam menschli- 
cher Natur sindy so spricht sich das Ungleichartige ih- 
rer Gedanken nur aus, um zum Gleichartigen zu gelan- 



Das Gespräch i 325 

gen; d^r Widerspruch wird niir laut, um die UebereiiK 
stitntnung zu erzielen^ und dieser Wechsel von Contra- 
sten und Einklängen erzeugt im kunstmäfsigen Dialoge 
eine harmonische Totalwirkung, gleich dem Auseinander'* 
klingen und Zusammentönen verschiedengestimmter Sai- 
ten. — Das Gespräch ist das Mittel, die Kluft- zwischen 
den Menschen auszufüllen, der Weg des Einen um zn 
dem Andern zu gelangen. Und dieser Zweck der Ver- 
einigung wird erreicht, möge im Gespräche nur der Un- 
kundigere sich dem Wissenden hingeben und anschmie- 
gen, oder möge ein strenger Gegensatz den Widerstreit 
erzeugt haben, wo denn am Ende doch einem jeden ge- 
geben und mitgetheilt ist, was anfangs der Andere allein 
und vor ihm voraus hatte. 

§. 407. 

Damit überhaupt ein Gespräch entstehen könne, ist 
Verschiedenheit der auftretenden Charaktere nöthig. 
Denn wäre der zweite der Unterredenden dem ersten 
völlig gleich, so fände in der That keine zwiefache Ent- 
wickelung des Gedankens statt Da aber die Personenr 
nicht unseren Sinnen, sondern blos unserer Einbildungs- 
kraft vorgeführt werden, so können sie nur durch eine 
sehr scharfe und bestimmte Charakterzeichnung hinlä^ng- 
lich gesondert auseinandertreten. — • Aber auch in eine 
bestimmte Situation müssen die Charaktere gesetzt wer- 
den, und am besten in eine solche, die mit dem Gegen- 
stande des Gespräches Verwandtschaft hat. So jredet 
Sokrates bei Plato über die Unsterblichkeit der Seele, 
da er im Begriffe steht, den Giftbecher zu trinken; Lae- 
Uns bü Cicero über die Freundschaft, da ihm sein in- 
nigster Freund, Scipio Africanus, durch einen plötzlichen 
Tod entrissen worden» 

§. 408. 

Vermöge der Charakterzeichnung durch Reden, ver- 
möge des Mimischen, welches dem nachgeahmten Ge- 
spräche nothwendig isti hat dasselbe in jedem Falle et- 



) 



326 Das Gespräch« 

was gemein mit der dramatischen Poesie. Es gehOrt ihr 
aber Töllig an» sobald es blos Charaktere unterhalteod 
darstellen will, denn eine solche Darstellung kannmcbt 
anders als in einer fortschreitenden Handlang gescbeha 
Von diesem dramatischen Gespräche aber (welches 
oben §. 269 ff. behandelt worden) unterscheidet sich das 
didaktischie, in welchem nicht blos der Charakter dar- 
gestellt und ein unterhaltender Vorgang vergegenwärtigt, 
sondern ein bestimmter Gegenstand durchgesprochen wird. 
Die Behandlung dieses Gegenstandes ist der Zweck, und 
die Berührung der verschiedenartigen Charaktere nur das 
Mittel, den Gegenstand von verschiedenen Seiten za be- 
leuchten. Von wisse nschaftKchen Stoffen kOnnea aber 
wiederum nur die im weiteren Sinne philosophischen 
sich eignen, durch die mehrseitige Betrachtung und all- 
ihähUge Entwickelung aus bestimmten Individuen zar Klar- 
heit gebracht zu werden. Gegenstände aber, auf deren 
Ansicht die Charakterverschiedenheit keinem merklichen 
Einflnfs hat, z. B. Mathematik, sind nicht geschickt in 
dialogischer Weise vorgetragien zu werden. 

§. 409! 
Dem Alterthume war eine dialogische DarstelloBg 
natfirlicher als uns. Wie die lebendige Phantasie des 
Griechen alle Dinge in Personen nmzuschaffen bereit 
war, so personificirten sich ihr gern auch zwei oder ©«^ 
rere entgegengesetzte Denkweisen. Wenn diese Eig«^^ 
thümlichkeit des griechischen Genius der Kanstgattong 
des Dialogs zu statten kam , so fand das lehrende Ge- 
spräch auch in der Wirklichkeit leichter als bei ans ein 
Vorbild. Die Lehrvorträge jener alten Philosophen ^a- 
ren wirklich dialogisch. Bei uns aber, wo vom Kathe- 
der vor einer schweigenden Menge gelehrt wird, hält sieb 
auch das Lehrbuch mit seinen gemessenen Paragrapb^^ 
in gleicher Feme vom Lernenden; und wenn ein Schrin- 
steller heutzutage, wie damals Plato, den Anschein n^^^ 
von einem wirklich gehaltenen lehrenden Gespräche B^ 



J 






Das Gespräch. 327 

licht HU erstatten, so mdfs er ff^chten, unwahr luid mir 
natürlich zu erscheinen. Wenigstens pflegt jenes So- 
kratische Gespräch, welches die Gedanken in dem 
Beiragten naturgemäls entwickelt, und hierzu tieCe Eiiv- 
sieht in die menschliche Natur erheischt, bei uns nur als 
Katecbisatiön zum Unterrichte jüngerer Schüler an- 
gewendet zu werden. / 

§. 410. 
Ungeachtet der Vorzüge des Gesprächs, welche alle 
nur auf die Art sich beziehen, wie die Wahrheit subjec- 
tiv am leichtesten erfafst wird, läfst si^h doch behaup- 
ten, dafs, rücksichtlich, des Inhaltes selbst, die wahre Dar- 
stellung der Wissenschaft nicht die dialogische sein könne. 
Wo ein belletristischer Nebenzweck waltet, mag sie gel- 
ten; einem wissenschaftlichen Gegenstande die Aufmerk- 
samkeit zu gewinnen, kann sie geschickt Sein. Aber eine 
Philosophie, ^welche sich dialogisch darstellt, tritt somit 
aus ihrem eigenen Elemente in das der Poesie ein. Sie 
wird ihre Wahrheiten riell eicht gefälliger und einladen- 
der, aber geviifs nicht klarer und systematisch zusam- 
menhangender vortragen, als diejenige, welche dem Ge- 
danken verstattet, ohne Abhängigkeit von der einseiti- 
gen Denkweise unterschiedener Individuen, sich unge- 
stört aus sich selbst zu entwickeln und die eigenste 
Gestalt zu gewinnen. Der Dialog, in welchem nur Ei- 
ner den Andern widerlegt, verrichtet nur äufserlich das 
Geschäft der Dialektik, vermöge welcher der Gedanke 
sich selbst widerlegt, um eine höhere Entwickelungsstufe 
zu erreichen. I[nlcugbar bleibt in Plato's bewunderns- 
würdigen Dialogen oft die letzte bestimmte Wahrheit 
verschleiert, und es steht nur mit dieser Darstellung im 
Einklänge, wem) zuweilen eben der tiefste Sinn unter 
einem poetischen Mythos sich verbirgt. Aristoteles, nach 
mehrfachen Zeugnissen, bediente sich des Dialogs zum 
esoterischen Vortrage, der sich den Bedürfnissen der 
AnCnehmenden bequemte; der scblichticn Rede aber zur 



1 



A 



328 . « Das Gespräcbi. 

esoterisdbea Ldire^ weldfe die Wahrheit wie ne an ach 
ist, aossprecbed wollte^ 

§• 411. 
Die besten Beispiele dialogischer Schreibart ge- 
ben uns, aufser den oben (§.276) bei Gelegenheif des poe* 
tischen Gespräches genannten Schriftsteilem , uitter den 
Alten: Plato, Aeschines, Cebes und Cicero; anter 
den neuem: Gelli, Vernet, Hemsterhuis^ Shaf- 
tesburj, Berkeley, Harris, Hqrd, Lessing, Men- 
delssohn, Wieland, Engel, Herder, Jacobi, 
Schelling, Solger, Schleierpiacher. 
Platoni$ Opera, €X ed. Stephßni; Pur. 1578. 3 VeU,fol 
Bipont 1781-87. 11 VoU. 8. Daza als Band Xn.: Dialogo- 
rum Plato/Ui ^rgutnenta expotita et iUuttrata a Dietr. Tit- 
dem anno; ibid. 1786. 8. «— P/ai^o, ex reo, Imm, Bekkeri; 
Berol 1816—18. 8 Voll. 8. Daca dessen Comment. erü, Be- 
r0/..l823. 2 Voü. 8. Ein von 6. Bnrges geleiteter Ahitwk 
dieser Anigabe mit den Commentaren der meisten Herausgeber 
dnzelner Dialoge ist za London 1826. 11 Voll. 8. efscbienen. 
Andere Ansg. von Ast, Stallbaam, Scbneider; Ast*s Lexu 
con Platonieum. Dialogi ulecti, e. n. Heindorfii; Berd 
1802-10. (2te Aosg. 1827 ff.) 4 Voll gr. 8. Platon's Werke 
fib. ▼. F. Scbleiermacber; BerL 1804 ff. 2te Ausgabe 1817 
ff., 3 Tbeile in 6 Bdn. 8. — Je$chini$ Socratiei Diakg^ 
trei, cura Fiicheri; lAps, 1786. S.maJ. ed. Boeekh, bei 
Simonis Socratiei DialL ; Heidelb. 1810. 8. — Epicteti Ma- 
nuale et Cebetit Tabula^ c. I. Schweighünser; Ldps. 1708. 
8. ~ lieber die dialogiscbe Manier des Cicero in einigen sei* 
ner rbet9rischen und pbilosopfaiscben Werke, Tgl. die Abbandl* 
in der N. Bib). d. scb. W. XVL 216. -^ Dialoghi dd OelU; 
Fir. 1546. 4. — Dialogues Socratiquee, par Mr. Vernet; Pdf* 
1753. 8. — Sophyle, ou de la Philosophie; Par. 1778. & 
Aristie^ ou de la Diviniti (par Mr. Hemsterhuis); P^' 
1779. 8. S. Hemsterhais irenn. pbilos. Schrillen, fibere* 
Leip. 1782. 2 Theile 8. - The MoraUsts, a Dialogue, in Lor^ 
Shafteabury's Characteristicis ; Land. 1737. 3 Vols. 8. — 
TAree Dialogues between Hylas and Philonous, by Geo. Bef- 
heleyhLond. 1725. 8. Alciphron, or, the Minute Philoso- 
pher, in seven Dialogues, by tke Same; Dublin 1755. 8. -^ 
J. Harris* s Dialogues coneenUng Art and Happiness, in ««- 
nen Three Treatises etc. Land. 1744^ 8. — Burd's U^rali»^ 



Abhandelnde Schreibart. 329 

Poliiieai DMoguen; Lotut. 177|l 8 Voll 8. -^ Xe80in^'4 
Ernst ivid JFalk; Wolfenb. 1778. 8., in Bd. 2. 8. Sdiriften; BerL 
1825. JB. — Mendel SS ohii's philosophische GesprSche, in sei« 
Den Philos. Schriften, Th. L Dess. Phadon, oder über die 
Unsterblichkeit der Seele; 5te Aafl. von D. FriedlSnder; 
Berl 1814. 8. — Wieland's Tbeages, oder Unterredangen 
von Schönheit nnd Liebe. — Diolcks and Lncian — - Zwölf Ge- 
spräche unter vier Aagen; n. a. m. — Engel 's Versach einer 
Methode, die Yernanftlehre aus platonischen Dialogen tu ent- 
wickeln; Berl. 1780. 8. nnd Dialoge in seinem Philosophen 
für die Welt und Loreüz Stark. — Gott; einige Gesprä- 
che von Herder; Gotha 1787. 8. Mehrere. Dialogen von ihm 
in den Zerstr. BUttern nnd der Zeitschrift Adrastea. — 
F. fi. Jacobi's sämmtl. Werke; Leipz. 1812-22. 5 Bünde 8. -- 
Schelliug*s Bmno, od. üb. das gÖttl. n. natürl. Princip der 
Dinge, ein GesprScb; Berl. 18Ö2. 8. U. Au£L — Solger's Phi- 
losophische Gespräche. Erste Sammlang; BerL 1817. 8. Er- 
vrin« vier Gespräche über djCiB Schöne nnd die Kanst; Berlia 
1815. 2 ThL 8. — Schleiermacher*» Weifaittditsfeleri BerL 
1809. 12. 



.*«> 



IV. * 
Abhandelnde Schreibart, 

~ §. 412. 

AJihandelnd, lehrend, dogmatisch oder di« 
daktiscK können alle die prosaischen Schriften genannt 
Tverden, in welchen eine einzelne Wahrheit, oder meh- 
rere derselben im Zusammenbange vorgetragen, erklärt, 
erwiesen und angewandt werden, und die sich folglich 
mit Unterricht und Belehrung des Verstandes vorzflglich 
beschäftigen. Schriften dieser Art s;nd entweder Ab-« 
handlungen oder Lehrbücher. Jene haben gemein- 
lich nur einzelne Wahrheiten, diese hingegen mehrere, 
in wissenschaftlicher Verbindung und Vollständigkeit zum 
Gegenstande. 



380 Abhandelnde Schreibart 

Vergl. Dr. Blairs 37ste ffgrltoniig. — Adelang fib. den a.Stil, 
Bd. IL S. 81 ff. - aaafs Grandrifs der Rhetorik, §. 284 ff. 

§. 413. 
Der allgeineine Charakter dieser Söbreibart 
ist der d^s einfachen schlichten Stils, welcher in die- 
ser Gattung von Schriften eigentlich zu Hause ist. Denn 
da sie Belehrung zur Absiebt haben, so kann zur Errei- 
chung dieses Zweckes nichts zutnlglicher sein, als Deot- 
licbkeit und Bestimmtheit der Gedanken und des Aus- 
dnickes. Aller rednerische Schmuck ist einem unterrich- 
tenden Vortrage um so entbehrlicher, als es dem Schrift- 
steller hier nicht um Erregung der Phantasie und der 
Leidenschaften zu thun ist, ja Beides seiner Absicht, der 
ruhigen Belehrung, mehr nachtbeilig als vortbeilhaft sein 
würde. IndeCs können historische Erläuterungen, Cba- 
raktergem&lde und selbst ergreifende Schilderungen zuwei- 
len geschickt sein, den abhandelnden Stil zu unterbre- 
chen, und ihn vor Trockenheit und Einförmigkeit za be- 
wahren. 

§. 414. 
Unter einer Abhandlung versteht man einen zu- 
sammenhangenden prosaischen Aufsatz, worin eine be- 
stimmte theoretische oder praktische Materie, ein wich- 
tiger wissenschaftlicher Hauptsatz ausgeführt, erläutert, 
bewiesen, vertheidigt oder widerlegt wird. Der Inhalt 
einer solchen Abhandlung kann also von der mannigfal' 
tigsten Art sein. Auch wird die Behandluogsweise, nach 
Maafsgabe des Stoffs und ^ach der nähern Absidit des 
S^riftstellers, verschieden sein können, und entweder 
vorzügliche Strenge, Schärfe und Genauigkeit der Unter- 
suchung^ oder eine etwas lebhaftere und anschaulichere 
Darstellung fodern. 
Mumnt man das Wort Abhandlnng im ein^eschrfinkteni Sii^^ 
so versteht man danmter denjenigen Theil eines An&atzes oder 
einer Rede, welcher die eigeatliche Erörterung des Haaptg«g^°' 
Standes enthSlt, und zwischen Eingang nnd Beschlufa iu derlibt e 
steht 



Abhandelnde Schreibart SSI 

§.416. 

Man sieht leicht, dafs die Rhetorik eigentlich nur 
die Form der Abhandlung bilden lehrt, und dafs dieje- 
nigen Regeln, welche den Inhalt derselben betreffen, 
gröfstenthcils Regeln der Logik, und der Methode ins- 
besondre sind, die jeder Wissenschaft und jeder einzel- 
nen Wahrheit die angemessenste ist. Es würde daher 
über die Gränzen der Rhetorik hinausführen, wenn wir 
hier alles das, was die .Natur der Urtheile und Sätze^ 
die Verbindung derselben zu Schlüssen, Folgerungen und 
Beweisen, die zweckmUfsigste Untersuchungsart der Wahr- 
heiten u. 8. f. betrifft, umständlich vortragen wollten« Da 
indefs auch bier Inhalt und Form unzertrennlich, und 
▼on einander abhängig sind; so wollen wir von dem, 
was beide mit einander gemein haben, nur das Wesent- 
lichste berühren. 

§. 416. 

Alle Hauptsätze, welche einer Abhandlung zum 
Qrunde liegen können, lassen sich in allgemeine und 
besondre cintheilen; denn die Qualität der Sätze, nach 
welcher sie bejahend oder verneinend sind, hat auf 
ihre rhetorische Ausführung keinen wesentlichen Einflufs, 
sondern begründet nur die zufälligen Formen der ver- 
tbeidigepden oder widerlegenden Abhandlung. Bei den 
allgemeinen Sätzen sieht man auch hier vornehmlich 
auf die unbeschränkte Anwendbarkeit des Prädicats; und 
gewöhnlich sind philosophische, besonders metaphysische 
und mathematische Hauptsätze, von dieser Art. Beson- 
dre Sätze sind hingegen von eingeschränkterm Umfange 
des Prädicats, welches nur einigen Arten und Classen, 
oder einzelnen Personen, Zeiten und Oertcm beigelegt . 
wird. Von dieser letztern Art sind alle historischen Un- 
tersuchungen, alle durch einzelne Umstände und Fälle 
veranlaüsten Abhandlungen. 

§. 417. , 

Die Ausführung des Hauptsatzea einer Abband- 



S32 Abhandelnde Schreibart. 

lang geschieht zimSchst daiBh Erklärung, Entwicke- 
lung und Einthe|}ang der darin liegenden Begriffe, 
sowohl einzeln als nach ihrer Yetbindnog und Beziebuog 
betrachtet; dann durch Beweise, welche die Wahrheit 
des zu behaoptenden, oder die Fabchheit des zu wider- 
legenden Satzes darthun. Die stärksten Beweise sind 
diejenigen, welche unmittelbar aus der Natur und innern 
Beschaffenheit der Sache selbst herrorgeben. Aufser ib- 
nen kann man aber auch historische, analogiscbe und sol- 
che Beweise anwenden, welche den Leser persönlich be« 
rfihren und ihn durch die Erwartung wesentlicher Yor- 
theile für sich selbst fibeneugen« Diese letztem Beweke 
sind zugleich Bewegnngsgründe, und vomdimlichför 
praktische Sätze brauchbar. 

M«hrereB Ton den Beweisen s. onten in dem Abschnitte von dea 
Reden. 

§. 418. 
Die Quellen der Ausffihrung, und besonders 
der Beweise, in einer Abhandlung oder Rede, sind von 
mancherlei Art. Bei allgemeinen Hauptsätzen werden 
sie gewöhnlich aus der Erklärung, aus den Eigenschaften 
oder Beschaffenheiten jedes Hauptbegriffs, aus den vor- 
läufigen Umständen der Sache oder ihren Folgen, ans 
d§n Mitteln, wodurch sie zu bewii'ken ist, von ähnlichen 
Fällen und Beispielen, vom Gegentheil und dem Ansehen 
glaubwtirdiger Zeugen hergenomnSen. Bei besondern 
Sätzen sind Person, Zeit, Ort, Gelegenheit, Werkzeug 
u. dergL die gewöhnlichsten Beweisquellen« Diese 
letztem nannten die altern Rhetoriker Gemeinörter, 
und hatten darüber ein eignes Erfindungssystem in ihrer 
sogenannten Topik, deren Regeln nicht schlechthin m 
verwerfen, in manchen Fällen aber dem freien Nachden- 
ken mehr hinderlich als beförderlich sind. ^ 

S. ArUtoUlit Bhit. c. IL Vit IX. — Cieeront» Tafiea.- 
Quiutilian. F. 10. -- Vottii InUiit. mei. L e. % - ^^' 
nttti IniHa Rkei. p. I. Säet. I. — Priestley's VorieMO^* 



Abhandelnde Schreibart. 938 

' n-^IV. -- C. A. L. KSstneir Topilc oder Erfindiiiigswiwcn- 
scbaft aufs Neue erläatert; Lpz. 1816. 8. — Unterschied zwk 

^ sehen den loci$ commun^ua and propriis, in Hinsicht aaf die 
. dfei gener a cau$sarum: demönstrativum, deliberaHvum^ judi- 
dale, , ' 

§. 419. 

Eipe jede Abliandlung fodert einen Vorläufigen 
Plan oder Entwurf, worin die Theile derselben be- 
stimmt und geordnet werden. Dem Hauptinhalte schickt 
man in der J^gel einen Eingang voraus, Aer mit jenem 
verwandt ist und 'daher natürlich auf ihn leitet. Hier 
wird etwa die Wichtigkeit des Gegenstandes ins Licht 
gestellt, oder es werden vorläufige Begriffe rdargelegt, 
Dder die Ansichtsweisen Anderer berichtet, oder die be« 
sondere Veranlassung ausgesprochen. Dann folgt die Ab- 
handlung oder Ausführung des Satzes selbst, durch 
Erläuterungen y Beweise, Folgerungen, Beispiel^, ibeweg- 
gründe u. s. f.; endlich der Beschlufs, worin das 
'Vorgetragene kürzlich zusammengenommen und mit noch 
eröCserer Eindringlichkeit ausgesprochen wird. Sowohl 
idi^se, als die sonstigen Abtheilungen der Abhandlung 
müssen durch schickliche Uebergänge mit einander ver- 
bunden werden. 

§. 420. 

Wenn sieh der abhandelnde Vortrag nicht auf w^ 
zelne s Gegenattodo und Sätze beschränkt, sondern ein 
grö£ser.es Ganze wissenschaftticher Wahrheiten zum In- 
halte hat, so entstehen Lehrbücher oder Systeme, 
in welchen die sämmtlichen Theile oder Lehren einer 
^Wissenschaft oder Kunst in eine solche Ordnung gestellt 
-werden, .dafs sie einander gegenseitig unterstützen, und 
daÜB die letztern aus den erstem, die Folgerungen aus 
ihren Grundsätzen bervorgehen. Da diese Gnindsätze 
baaptsächlich von dreifacher Art sind: entweder allge- 
meine Principien; oder auf Wahrscheinlichkeit gegrün- 
dete Voraussetzungen ; oder auf Thatbachen gebaute Er- 



8S4 Abhandelnde Schreibart. 

fahraogssStze: so giöbt es auch eben so viele Arten' von 
Systemea oder Lehrb.egriffen. 

Vergl Tratte des Hif$teme$ (par Mr, de CondiliaeJn a ia 
Haye 1749. 12. P. /. Ch, L 

^- ^421. 
Ein Lehrbuch jeder Art hat die Absich t, irgend 
eine Wissenschaft oder Kunst nach ihren Grundsätzen 

« 

und Regeln so Torzulragen/ dafs der Leiser oder der dar- 
nach zu Unterrichtende dadurch in den Stand gesetzt 
werde, diese Wissensch.aff .'oder Kunst in ihrem völligen 
Umfange und nach allen' ihren Erfodernissen genau ken- 
nen zu lernen, richtig zu beurtheilen, und sie sich selbst 
eigen und geläufig zu machen. Zii dieser Absicht wird 
nun nicht sowohl eine ausgeführte Untersuchung .aller 
einzelnen Wahrheiten, Lehrsätze, Beweise und Folgeruor 
gen, als eine summarische, und doch dal)ei vollständige 
Angabe derselDen, und 'eine lichte Darstellung ihres gan- 
zen Zusammenhanges erfodert. 

§. 422. ■' "• ■'* 

Bei der grofsen Verschiedenheit der Wissenschaften 
und Künste lassen sich übef den schicljichsteii Plan und 
Vortrag eines Lehrbuchs überhaupt wenig aOgeipeine 
Regeln geben, da die Natur einer jeden Wissenschaft, 
der jedesmalige Zweck und das Bedürfuifs derer, für 
wekhe das Lehrbuch zunächst; 'bi^stintmt ist, manche Yer-. 
schiedenheiten der innem und äufsern Einrithtun^ noth- 
wendig machen^ Vollständigkeit, Ordnung, Fafs- 
lichkeit, Gründlichkeit und Kürze zählt man d\9 
die vornehmsten Eigenschaften eines guten Lehrbuches 
auf. Die Schreibart desselben wird durch alle die Ei- 
genschaften gewinnen, welche als Erfordernisse des po- 
pulären und lehrenden Stils überhaupt- schon oben an- 
geführt sind. 

§. 423. 

Die gewöhnliche Methode des Vortrags, so wie 
des Denkens, ist vornehmlich von zwiefacher Art, ana- 



1 

Abhandelnde Schreibart n 835 

i 

lyfisoh oder synthetieicb. Jene gebt vaii^ dem* Be^ 
sondern zum Allgemeinen fort^ steigt von Aem Beding- 
ten* zu der Sedingnng' auf; diese macht mit allgemeine-* 
ren' Sätzen den Anfang und leitet aus diesen Principien 
die besonderen Sätze her. Die analytische Methode 
dient txir Auffindung der allgemeinen Wahrheit,* indem 
das Gemeinsame, ivelcbes wir an einzelnen lallen be^ 
merken, zu- dem Allgemeinen; das ihnen züdl Grunde 
liegt,' hinleitet; sie ist die Methode' der Erfindung. Die 
synthelisi^e hingegen wird insgemein für «den Unterricht 
angeweiidet', da man es leichter und' kürzer- findet^ zu 
zeigen, wie Ein allgemeiner Grundsatz mehrere bestodre 
unter sieb begreift, als den allgemdnen Gronddaiz zvt emU 
decken, auf den sich allje einzelnen Fälle und SSt^e zu- 
rückführten lassen: Indessen ist mit diesem Gegensatz 
der analytischen und der synthetischen Methode, welche 
in dem Vortrage der Wissienschaften zweckmäfsig ange^ 
wendet werden, noch nicht das Wesen de6 eigentlich 
philosophischen Fortschreitens erschöpft. Aber diese ei- 
genste Methode des speculativen Gedankens gehört ' auch 
am wenigsten der Rhetorik an. Die griechischen Gram- 
matiker und Rhetoren hatten nicht Unrecht, wenn sie in 
dem alexandrinischen Kanon, als Yeczeichnifs der stili- 
stischen Muster aus der Litteratur, über wel^e, ihnen 
das Urtbeil zustand, wohl den Rednern und Geacbicht- 
Schreibern, aber keinem Philosophen eine Stelle er- 
theilten. 

Vergl. Prieslley's VüfL VI-X. — Garve's Abkandlungüber 
die Kunst ztt denken, in s. Versachen über Terschiedne Ge- 
genstände »as der Moral, der Litteratur und dem gescllschaAii- 
eben Leben, Tb. II. S. 330. 

§. 424. 
Da die Schriftsteller, welche sich des lehrenden Vor- 
trags in den verschiedenen Wissenschaften bedienten, 
überaus zahlreich, ja unzählig süid, so können wir. nur 
einige unter ihnen, mehr /als Beispiele denn als aussehHefs- 



SS6 Abhandelnde Schreibart. 

Ikhe Miisler hervorheben. iWir n«iieii all einige der 
Mbrner, deren Werke bei nicht geringer niasenscbaftli- 
eher Bedeutiing zugleich durch stilistisdie Eigebschaftea 
merkwürdig sind, unter den Griechen: Xenop^on, Ari* 
etotcles, Pintarchy Longinus, Marcus Aare- 
lios; nnt^r den R(^mem: Cicero, Quiniiliarn, S^- 
neca; unter den Italienern: Maccbiavell, Gravina, 
Algarotti» Bettinelii;. unter den Franzosen; Mon« 
tague, Fenelon, Saint Evrenfiond, Fontejdelle^ 
Montesquieu, Remoiid de St Mard, Helvetius, 
Rousseau, Voltaire, Diderot, d'AlemJbert, Mar- 
montel, Buffon; unter den Engländern; Steele, Ad- 
dison, Locke, Lord Bolingbroke, Sha^tesburj^ 
Temple, Hume, Hutcheson, Lord Kainties, Har- 
ris, Ferguson, Payley, Smith, Dr. Johnson; un^ 
ter den Deutschen: Lessing, Mendelssohn, Mdser^ 
Jacobi, Lichtenbergs Plattner, Engel, Garve, 
Herder, Schijler, Goethe, A W. und F. Schie- 
gel, Schelling, Wilhelm u. Alexander ▼. Hum- 
boldt. 

Griechea: S^enopkon, Von ihm gehören hieher aolscr den 
Denkwürdigkeiten des Sokrates, soweit diese nicht der diajogi- 
Bchen nnd erzählenden Schreibart angehören, die Abhandlangen 
fiber die StaatsTerfassongen der Lacedämonier und der Athener, 
Ober die attischen Staatseinkfinfle, von den Pflichten eines An- 
iObrers der Reiterei, von der Reitkunst, Ton der Jagd. Xeno- 
phontii Scripta minora ei, L, Dindorf^ Ldpi, 1824. 8.,* 
in den Ansg. der Werke Xenophon*s Ton Weiske, Leipz* 
1796—1804. 6 Voll. 8.; von J. 6. Schneider; Leipz. 1815. 
TIYoll. 8. n.A. — Aristoteles bedient sich einer mehr darcfa 
ZweckmSfsigkeit als Schönheit aasgezeichneten Schreibart in sei- 
nen zahlreichen Werken, welche theils der theoretischen und 
der praktischen Philosophie, theils einzelnen Wissenschaften an- 
gehören; Logik, Metaphysik, Psychologie, Ethik, Politik, Rheto- 
rik nnd Poetik, Physik und Naturgeschichte. Beste Gesammt- 
aosgabe von Imm. Bekker; Berlin 1831. 4. 2 Bde. Text, ein 
Band lat. Uebers., woran sich noch ein Band mit Auszügen ans 
- de|n griechischen Commentatoren anscUielsen wird. — Von Plu- 
tarch gehören Ueker die meisten der sahheichen Abhandhmg^n, 

wcl- 






Abhandelade Schreibart 8S7 

weldie* tium miter dem Namen Moralia vHammentatst Flu- 
tardhi M&falia ed. Wyttenbach, Oaf, 1795 — 1800. 5 TUe. 
ia 6Bdii. 4. oder 12 Bde. S,; Animadv. T. J. 2. t6. 1810—21. 
4 p. 8. Jitifex »6. 1830. 2 Thle. 8.; auch in den Gesammtansg. 
der Werbe d.es PlaUrcli von Beiske, Leipz. 1774. 12 Voll. 
8.; Yon J. G. Hütten; Tüb. 1791—1805. 14 VoU. 8. — Lon- 
' ginut^de Sti^imkatef 8.' f. 3öl. — Des M. Aureliui Anto» 
tiinui 12 Bficber «inoralif eher ISaximeQ, td dq.ittvzov; ed» Mo" 
^'ru$,,lLipi, l?75. 8. ed. X M. Schul s^ S/m. 1802. Ister Bd. 
8«; jßd,, Corayy Par. 1810. ^.; ^fibers. von j. JH. Schulz, 
Schlesw. 1799.- 8. — Rdiser: .Cicero. Von ihm gehiSren hie- 
her die rhMöriichen und philosophischen Schriften, so weit sie 
nicht dialogisch verfahrt sind. Ueber die jRAefoncii S. ob. $. 352. 
Atlsg. -det Philoiopkica Tön J. Davis, mit dessen Commenta- 
ireH» Cambr. 1718—45. 6 Voll« 8.; danach von R: G. Rath, 
Halle 1804—11. & Voll. 8.; yon 3. A. Görenz, teipz. 1809- 
13. 3 Voll. 8.y unvollendet Ein Beispiel des streng correcten, 
gebuchten, ja trocknen Stils geben die* 3 Bücher von den Pflich- 
ten. Ausg. von J. F. Hensinger; BraunscW. J78d. 8. v. A. 
G. Gernhard; Leipz. 1811. 8., von. C Bei er, Leipz. 1820. 2 
Voll. 8.; übers, mit Abhandl. von Gh. Garve, Bresl 1801. 

. 4 Voll. ,8.; von J. J. Hottiager;^uric!^ 1800. 2 Bde. 8. — 
Quihtiliani ImtituU. Oratop, s. oLen. $. 352. — Sfene^ea de 
beneficiuy de tra^ de'brevitaie vitaej de dementia ^ etc.' in Opp. 
ed. Ruhkopf; Lips. 1797-1811. b VolL 8. — — Italiener: 
MacchiavelHTHtcorn toprä T-ldtio, ü Principe^ inOpere; 
Jtal. (Fir.) 1813. 8 Vau. S. - Gravinu della Ragion Poe- 
ticä; Venes. 1731. 4. — Opere dei Conte Algarotiif Venex. 
1791-94; 17 VolL 8. — Opere di Bettinelli; Vene». 1802. 
%4 Velij 8. — *- Franzosen: Lee Eeeade de Monjtavgne; Par. 
1818. 5 VoU. 8. fibers. (von Bode) Berl. .1793—99. 7 Bde. 
8. «— Oeuvres phHoiophiquet de Fe ne Ion; Amst. 1731. 2 VolL 
8. — Oeuvreede St. Evremond; Par: 1740. 10 VoU. 12.-«- 
Oeuvret de Fontenelle; a la Haye 1727. 6 Voll VI,— Oeu- 
vres de Montesquieu; Amst. 1]^. -6 VoU. 12. -^ Qeuvres 
de Remond de St. Mard; Par. 1750. 5 VoU. 12. — Hel^ 
vetius de VEsprit; Par. 1759. 2 Volh 12. — Oeuvres de J. J. 
Rousieau\ Par. 1793. 37 Voll. 12. — Oeuvres de Voltaire^ 

. ed. de BeaumArchais ; KM 17S2 ss. 10 Voll. 8. — Oeuvres de 
Mr. Diderot; Par. 1799. 15 Voll. 8. — Melanges de Utera- 
ture, d'Histoire^ et de Philosophie, par M^**d* Alembert; Par. 
1752. 5 VoU. 12. -* Oeuvres Posthumes du mime; Par. 1799. 
% VoU.. 8. — Omifres de Marmontel; Par. 1794. 16 Voll. 
EKhenh. Th. 22 



388 Abhandelnde Schreibart. ^ 

S. — Oeuvret complHeB de Buffon; Pmr.- I§t0. 34 V^IL 8. 
•-1 — EoRlknder: 8teeV$ ßud Addiion'$ Täüer^ ßpectator, 
ajid Ouardian.-- J. Lockens Work»; tond. 1779. 3 VoU. foL 
— BolinghroheU PhüoiOpJUpal and PoHtical Wo^kif Land. 
1769. 11 Voli. 8. — Shitftegburff*» Charaüieritiiktr Idtnd. 
17ä7. 3 Vol$, 8. — SirW. TempU'i Worki; Edinb, 1754. 
4 VoU, 8.*— Hume*t Enayi ändtreoH^ßi Lond. 1193. 4 
Voli. 8. ^ HHicheton'M 8y$tim of Moral Phüo9ophy ;^ Land. 
1766. 2 VoU, 4. — Lord Kuim€M*9 EUm&ntp of CHHeimn; 
Lond. 1770. 2 Voh. 8. ' Eiia^ m the Prineiple» of Morai^ 
mnd natural Religion,' Eä«ä. 'itsi. 8. Shetchei on: the Hi- 
ffory of Man; Edinh. 1774-. 2 VoU. 4. -^ Harri»' % Worho; 
Lond. 1765. 2 Foü.-8. — Ferguson*» In$H$utt9 tf Moral 
PkUomphff; Lond, 1769. 8" ^ Payloy't Prineiplm ofmoral 
and' politieal Phüoiophy; Land. 1786. 4. — Ad. Smitk'» 
Thiory of MoraU Sentimenta ; Lond. 1767. 8. Jnquiry into tke 
' Nature and Cauiei of ttie Wealth of Saliona; Lond. 1794. 3 
Voü. '8. ^ Dr. Sum. John»on'$ Work»; Lond: 1792. 12 
VoU. gr. ^. -r -r Dcotjsehe': Lessing. Dessen sSinmtliche 
Schrifteof Berl. 1796—1808. 30 Bde. 8. — Motfes. Mendels- 
sohn's pliilosophiscbe ^cfaiülen; Berr 1777. 2 Bde. 8. Jera- 
salem; oder fibe( religiöse Macbt and Judentinmr; Berl. 1783. 
8. norgenstnnden!; oder ^orlesniigen fibi*r das Dasein GoUesr; 
Berl. 1785. 8. Werke; Pesth n. Wien 1820. ^t Bde. U. 8. - 
* Möser's pstriodsebe Phantasien ; ^erl. 1804. 4 Bde. 8. Des«. 
Yemiiscbte SchfifUn; BerL 1797 ---98. 2 Bde. 8. — S. H. Ja- 
cobi's Werk?; Leipz. 1813-20. 2 Bde. 8. — Licbtenberg's 
Yermiscbte Scbriften; GStting. 1800-1805. ^ Bde. 8. ^ Plat- 
ner*s Nene Antbrnpologie fftr Acrzte und Weltwetse; Leipzig 
1790. 2 Bds. 8. Pbilosophiscbe Aphensuien, e. d. 1793-1800. 
2 Bde. 8. — Engel's Scbriften; Berl. 1801-1806. 12 Bde. 
S, .... GarTe*s Yersncbe fiber verschiedene Gegenstände ans 
der. Moral, der Litteratnr und dem gesellschaftlicben Leben; 
^BresL 1792 — )802. 5 Bde. 8. Yermiscbte Aufsätze, ans Zeit- 
schriften; e. d. 1796—1800. 2 Bde. 8. Abhandhingen aas der 
N. BibKolb. d. seh. W.; Leipz. 1802: 2 Bde. 8. — Herder's 
•immtl. Werke; Tttbingen 1806—20. 45 Bde. 8. — ^cbil- 
ler's kleinere prosaische Scfariflen; Leipz. 1792 — 1802. 4 Bde. 
8. a.'in s. Weri^en. — Githe zar Farbenlehre; Tab. 1810; 2 
Bde. 8. Seine einzelnen Abhandlangen, Tomehmlich zar Kwist 
nnd Natarwissensobaft, in den letzteren Bänden sefner nircbge- 
lassenen Werke. — A. W. y.Schlegers Kritische Schriften; 
Berl. 1828. 2 9de. 8. Andere in d'er DiiisteHnng metster- 
bafte Abhandlangen Von ihm in periodischen Seluriften, z. B. 



Hi^torischef Darstellung. 939 

m 

yfVeber äeii-^lepliaiiteii*^ in der Indiscbei» B9>liothel:, BcL L— 
Fr. voa'Schlegers' Werke; Wien 1822 ff. 10 Bde. 8. — 
Sohelling;'8 Philosophische Schriften^ Bd. 1.; Land^L 1809. 8. 
und* seine gröfseiren Werke, durch geniale Schreibart herrorra-' 
gend. — W. V. Hnniböldt's Aesthetische Versuche, Braan- 
schweig 1799. 1. Bd. 8.; seine und seines Broders zahlreiche 
Abhandlungen, zum Theil in den Schriften der Berliner Akade- 
mie^ «ind Ma8t<»r im wisstenfichaftlic^ien Vertrage. Ueberbanpt 
gewähren «die Denkschriftea der Akadendeen jn den Verschiede* 
ntfn Sprajßhen di^ mamiigfähigslen . Beispiele der at^handelndeo 
Sehreibart 



Historische Darstellung. 

§.' 425. 

Daa Geschäft des Geschichtschreibers besteht eines- 
theils in dem Erforsche^ upd Auffassen der historischen 
Wahrheit, anderntheils in dem Wiedergestalten' und Dar- 
stellen derselben. Die ästhetische Theorie betrachtet nur 
den letztern Thei) dieses Geschäftes, oder das Wieder- 
gestalten und Darstellen, welches man unter dem Namen 
der historischeu Kunst begreift. In der That ist 
die vollkomiuene Geschichtschreibung nicht ohne Kunst, 
wenngleich sie in keinem Falle durchaus Kunst ist. So 
weit der- Historiker deu^ Torgefundenen Stoff geistig zu 
durchdringen und zu verstehen, ihn seiner innigsten Na- 
tur anzueignen im Stande ist, so weit Vermag er auch dasGe* 
Schichtswerk, als ein freies Werk der Kunst gestaltet, aus 
seinem Innern wieder hervortreten zu lassen. Aber, wie 
wir selbst in der endlichen Welt, die wir durchschauen 
möchten, befangen sind, bleibt Vieles an den wirklichen 
Ereignissen für menschliche Einsicht Zufall und Will- 
kfihr, das gleichwohl Tom Historiker nicht, wie vom Didh- 

22* 



340 Historische Darstellopg. 

ter, fibergangen, viel weniger durch eigene Gebilde er- 
setkt werden darf. Und dieses bt an der Historie daa 
ÜnkOnstlerische, wo die form dein Stoffe dle^t, uni 
nicht dazu gelangt, init demselben Eins im Kunstwerke 
za* werden. . 

Vergl. über die bittorisdiB Kmist: Lucian Ilaq StX larogia^ ovf- 

y^nifHf, in Opp: T. /F. p, 159 «r. ed. Biponi. .— O^ J. Töi- 

$ii Jr$ hisioriea ». de hittoriae ei hUtoricee natura Mttariae- 

que §era>endae praectptU commenioHo} Lugd, Bat 165& 4. - 

' Saggio eopraVArte Storica (da Oiov, Franc, OaUani Jia- 

pione);^ Torino 177a 8. — d*Alembert, Reflexion» $ur VHi- 

atoire^ et nur le$ afferente» maniere» de Vecrire, dans »et Me- 

f hinge» de Lit T. V, — Lord Bolingbroke'»^ Letter» on the 

Study and Ute ofHi»tory; Lond. 1761. 2 Fol». 8. Ba»il' 1786- 

gr. 8. — J. M. Chlad^nii Allgemeine GescbichUwiMcnschaft; 

Leipz. 1752. 8. — He te Maniere decrire lHi»toirei par i'Aüe 

Mäbly; Par. 17te. 12.; übers. StrafeboFg 1784. 8. - A. l 

Penxelii de artf U»torica libeU.; Lip». 1784. 8. — Duncker 

de hi»toria ejusque tractandae varia ratione ; BeroL 1834. 4. - 

F. Rfibs Entwarf einer PropSdentik d^s faistoriscben Stedioo», 

Bell 1811. 8. 6tcr Abschnitt S. 248 ff. — W. Wuch^malli 

Entwmf einer Theorie der Geschichte; Halle 1820. 8. §• H ^ 

12. S. 119 Ä — W. V. flnmboldt üeber die Aufgabe desGe- 

•cUrchUcbreibers (akadem. Abband); BerL 1822. 4. — Treff- 

li^e Bemerkungen fiber diesen Gegenstand stehen auch In iok 

▼6» Müller's Briefen an Bonstetten; in Schiller's Abhandl. 

f^M ist, mid SU welchem Zwecke studirl man Uniwsalge- 

■chidrte'*; in Job. Georg Müller's Briefen .über das Stodiom 

der Wissenschaften, besonders d€r Gescbichte; 2te Aufl. Zfiricb 

1817. 8*.; in Creuser's historische Kunst der Gnechen u.».^ 

§. 426. 
Um das Wesen der historischen DarstcHung deolli- 
cber ins Licht zu setzen, heben wir noch einig® ^^'''^' 
male hervor, durdi welche sich die Geschichte von der 
Kunst unterscheidet, . Der Künstler schafft, was vor ihm 
nicht war, abe^ durch ihn fortan ewig gegenwärtig ißt« 
der Historiker giebt dem, was vor ihm schon gewesen, 
als Vergangenem ewige Danen (Er duldet nicht, ^i^ 
der jüngere Plinins sagt, dafs etwas > dem die E^^S' 
keit gebührt, untergehe; sein Werk dankt aber somt 



' • 



I I 

Historische Dairstellüng. 341 

auch>*dcm Werthe der Ereignisse die 'eigeiiQ Ewigkeit.) 
Das •Geschichtswerk' ist also weder in dem Sinne neb, 
noch selbständige wie das Werk des Ktinstlers. Nicht 
npu, denn nur was zuvor schon in die Wirklichkeit ge- 
treten/ komint hier» wena auch nicht mehr als Gegen- 
wart, sondern als Yergegenwärtigung des Ver- 
gangenen, noch dntnal.zur ErseheinuBg. Nicht selb- 
8 tändig 9 dehn es ist von der wirklichen Begebenheil 
nur ^n Spiegelbild, das also seine^Yatirheit ^ufser sich 
hat Auch kann ein historischer Gegenstand nie in dem 
Grade abgeschlossen sein, dafs er nicht als losgetreimtery 
UQselb^Sndiger Theii ^ines gröbern Ganzen erschiene; 
und diefs gilt selbst von der Weltgeschichte, wekhe 
durch die zufällige Lebenszeit des Verfassers begrenzt 
wird.. Wefin' also das' Kunstwerk die erste, und einzige 
Erscheinung einer Idee ist: so ist in. der Geschichte bd- 
reits. die Idee Ereignifs geworden, somit in die VergaiQ* 
genheit zurückgetreten, und. -gewinnt nun, als scEcm er- 
lülU |ind gleichsam befriedigt, eine zweite, nihigere Er- 
scheinung in dem Ge'schichtswerke. 

s • . . §. '427. • 

Da also ' das Gesehichtswerk nicht Gegenwärtiges, 
sondern Vergangenes (gleichsam in das Reich der Ideen 
Zcu^ckgegaUgenes) darstellt, «o bedarf auch die Anfode- 
rung, dafs es den Eindruck des Gegenwärtigen 
hervorbfingen solle,* einiger Einschränkung. Allerdings 
verlangen wir nach einer lebendigen Anschauung, und 
begehren nicht Mofse Resultate, sondern besondere cha- 
rakteristische Züge zu erhalten, mit denen uns das All- 
gemeine zuglmh gegeben ist. Aber wir wollen auch 
Didit. in den unübersehbaren Wirrwarr der Gegenwart 
gestellt wjerden, sonder|i vielmehr unsem Vcuthdl nutzen, 
die Späteren zu sein, die das Geschehene überschauen, 
daran nicht blos das Einzelne, Vergängliche, sondern auch 
daT Allgemeine, Dauernde ' erfassen können. In Wirk- 
lichkeit audi streift sich das Nichtige der Erscheinungen 



■.t 



« 

343 Historische - Darstellung« 

hhf nad das Wichtige bleibt, I>cr Inhalt der Geschiebte 
ist die frühere GealakuDg und EDttvickeluag.defisci]^ wafi 
jetzt noch* ist; und :wir vervollstäadigeii. mir Einser eige- 
nes 'Qe^ufstteitf, wenn wir die Stufen und Uebergäo^e 
kennen lernen,, durch welche die MeuMhheit zu ihren 
jetzigen Zustande gelangt ist.'— r ^Och ist bei dieser ^9* 
legenheil zu gedenken, dafs der Wunsch.» allettVhalbeu 
das Einzelnste auszumalen, den Historiker leicht verführt, 
die unzureichenden Nachrichten durch Phantasie zu er- 
gSnzen und zu verfalschen« 

* .§. 4?8.: 

Haben wir nun gesehen, wasr die Ccschjchte» Unter« 

« 

sttbeidendes', aber auch in ihrer- voIlKommenen Gestalt 
y Gemeiusames mit der Kunst an dich hat: so bleibt fer- 
ner zu betrachten, auf welche Welse die ' iniVglichst köost« 
leriscbe • Darstellung des Geschehenen geleistet werden 
könne. Zuvörderst ist es klar, dafs das Ge^beheoe offl 
seiner selbst willen vorgetragen yverdeu, nicht aber einem 
fremden, etwa moralischen, politischen, oder äon^tigen 
didaktischen Zwecke dieneu müssi^- Seihst das. Beispiel 
grodBcr Flistoriker des Alterthuros, welche politische Be- 
lehrung beabsichllgteiu darf uns hier, nicht kre leiten. 
Nicht allein wird so * die Geschichte zur . Dienerin- diier 
andern Wissenschaft herabgewürdigt, sondern die. gute 
Absicht wird auch scJbst verfehlt, dafs die Geschichte 
der Ereignisse daza dieoea solle ^ sich dereimt in ähnli- 
chen Lagen einen bestimmteii Rath bei ihr zu holen. 

. §• 429. 
Schon . das gemeine AuCEassen und .Wiedererzöhlen 
gewöhnlicher Vorfälle besteht darin, dafs «nan ^nbewulst 
aus den verworreuen Einzelnheiteu me Summe zieht, 
die Bedeutung des Ganzen auffafst-, und nur in Bezie- 
hung auf «diese Bedeutung dem Einzelnea in der Erzäh- 
lung wieder eine Stelle gönnt. . Was hier .unabächtlicb 
im Kleinen geschieht, das vollbringt mit Absicht der Ge- 
achichfsehreiber im Groiken. Wie von der Erde be- 



Histo)riscbe Darstellung» 843 

trachtet der Lauf dar. Planeten, yc^rworrea und regellos, 
bald rüek^ bald vorgängig erscheint» sobald aber die Yerr 
nünft den Standpunkt von *d^ Soiine. niutiiit, jene scheiiiT 
b^ire Verworrenheit sich aufklärt und ak Gesetz begrifft! 
ifvird^): so auch hat der Gescbichtschreiber in ^er bun- 
tel% Masse der. ErscheiDunigen ihren Mittelpunkt, die be- 
wegende »Idee zuerkennen) um jedqs Einzelne seinem 
wahren Werthe nach verstehen und richtig zeichnen zu 
künnen. Jetzt erst gewinnen vor seiner Seele die bi^*- 
sonderen Yorfälle ihre rechte Stelle als wesentliche Theile 
und gleichsam thätige Glieder bedeutender Ereignisse, die 
eiqe grofse Begebenheit ausmachen. Auf ähnticbje Weise 
erkennt der bildende Ktius^ler in der menschlichen Ge;^ 
atalt das inqere^ Gesetz des, Organismus, und nur durch 
diese tiefere Einsicht wird .er fähig, die ^ufseren Formen^ 
die der Unkundige. verzerrt und unwahr nachbildet, rich- 
tig z^ vers.tehen und darzustellen. 

.. Bei diesem Verstehen des Geschichtlichen nach sei- 
nem innern Zusammenhange, finden verschiedene Stufen 
Statt.. Zuvörderst stehen die Ereignisse als eine Kette 
von Uri^achen und Wirkungen in einem meqhanischen 
Zusammenhange, der am leichtesten sich kund giebt, aber 
auch am ungenügendsten ist zur völligen Erkenntnifs der 
geschichtlichen Wahrheit. Ferner läfst sich ein physio- 
logisches Gesetz in dem Keimen^ Wachsen, Blühen und 
Verwelken jeder lebendigen Gestaltung in der Geschichte 
der Nationen, der Künste u. s. w. nicht verkennen. Wenn 
sich hienach die menschliche Freiheit in der Naturmacht 
befßngen zeigt, so machen sich dagegen auch die psy- 
chologischen Kräfte geltend, und die Gesinnungen, 
Bestrebungen und Leidenschaften derIVIenschen erschei- 
nen als die Triebfedern ihrer Handlungen, als die näch- 
sten Vei;anlassungen der geschichtlichen Ereignisse. . Aber 



>) Kab^ Kl. Sehr., «d. Starke, IpY. 1893. II. S. 186, 



844 Historische Darstellang^. 

diese dreifache Ansicbtsweise lafst. noch viele geschicht- 
lidie Erscheinungen unerklärt, ja unerkannt, und man 
oniCb zuletzt auf die Ideen znrfickgehen, die, als. gei- 
stige Richtung und als Krafterzeugung sich manifesfi* 
rend, das eigentliche Wesen der geschichtlichen Vor« 
gSnge ausmachen« — Die Aulgabe des Geschichtschrei- 
bers, Darstellung des Geschehenen, T?ird hiemit* tiefer er- 
faÜBt als Darstellung des Strebens von Ideen, Dasein in 
der « Wirklichkeit zu gewinnen.. 
8. T. Hnmboldt's ang^t Abhandl. 

§. 43L 
Die vornehmsten Eigenschaften des Hiatori* 
kers sind, abgesehen von den gründlichen und ausge- 
^breiteten Kenntnissen, auf welchen sein Werk beruht; 
tmA der Herrschaft fiber die Sprache, welche jedem Schrifk- 
steiler unentbehrlich ist, ein eigenthümlicher.Sinn fQr die 
Wirklichkeit, . die strengste Wahrheitsliebe, Unpartheilich- 
kdt, Gerechtigkeitssinn. Er mufs mit der Freiheit des 
Geistes, welche im Gedränge der Ereignisse ihm den an« 
befangenen Ueberblick erhalt, die Zartheit verbinden, wel- 
che das eigenthtimliche Gepräge auch des geringsten Um- 
standes zu veVwischen'sich scheut. Wie er mit emsigem 
Fleifs auch das Kleinste beachtet, um selbst zu einer le- 
bendigen Anschauung des Geschehenen zu gelangen, so 
maü er* die Selbstverleugnung besitzen, nur so viel in 
das Werk aufzunehmen, als eben zur Vollendung öod 
Abrundung desselben genOgt. — Um das Edle in der 
Geschichte zu erfassen, ist ein eigener edler Charakter 
erforderlich. Um die Tiefe der Begebenheiten zu ver- 
stehen, bedarf es eines eignen tiefen Gemüthes* Denn 
der Geist erfafst seinen Gegenstand nur so weit als er 
sich selbst in ihm triederfindet. Wenn es die Sache des 
vollkommenen Geschichtschreibers ist, aus innerem Drange 
die Ereignisse um ihrer' selbst willen zu erforschen, nn^ 
frei von äulseren Rücksichten und Zwecken, ihrer eige- 
nep Natur nach darzustellen^ wenn hiezu ein klarer Geist 



Historiscbe Darstellung: 345 

und ein inniges Gemüth in» ihm sich yereinigen mfissen, 
80 liegt sein ganzer Beruf äu^esproehen in dem Wahl- 
spruehe eines grofsen Histdrikeps: Wahrhaftig sein mit 
Liebe. ... 

. §, 432, . •, 

Nächst det* dnbedin|!en Wahrheit, welche als das 
Wesen der Geschichte vorausgesetzt wird, und ohne wel- 
che, sie, wie Pölybius. iBich ausdrückt, Seih würde wie 
ein Lebendiges ohne Augen, gehört zu den wesentlicliea 
Eigensbhaften des Ge^chichtswerke^ zuvörderst 
eine planmäfsige Anordnung, mit welcher also auch 
der Historiker sein Geschäft der Darstellung beginnt. 
Unstreitig wird die chronologische Folge und die locaU 
Nachbarschaft, Äutiii welche die Ereignisse in Wirklich- 
keit sich nahe standen,' bei der Darstellung derselben 
in jedenl streitigen Falle dem Principe /ihres^innei'n Zu- 
sammenhanges weichen müssen. Auch werden die Ereig^ ' 
nissc io einer solchen Weise zti ordnen und vorzutragen 
sein, dafs. das Wichtige grofs, das Unbededtende gering 
erscheint, wenn auch beider Erscheinung in der Wirk- 
lichkeit oft in- umgekehrtem Verhältnisse stand. Für ein- 
zelne Theile der Geschichte wird der Plan völlig ver- 
schieden sein müssen. Wenn in der alten Zeit gleich- 
sam der«Mittelpunkt der Geschichte sich von einem freit- 
historischen Volke zum andern fortbewegt, und« der Ge^- 
scbiehtschr^iber diesem vorgezeichneteii Plane folgen mufs, 
so wird er in den Perioden des Mittelalters' sein Werk 
nadi den geistigen Richtungen gliedern können, in wel- 
eben sieh die Völker vereinigten und einander durch-- 
drangen, dahingegen die neuere Gesc|iichte einen* fast 
gleichzeitigen Hinblick auf die verschiedeneh Theile des 
grofsep Staatensjstemes verlangt, in welchem die Völker 
sich gegenseitig bedingen. 

lieber den historischen Plan s. Gatter er in a. historiidiett BiUuK 
Ihek« Bd. L 8. 15. 



9M. Historische .Dttrstdlung; 

§•4*3. 
IfVeitace £i§enBob«ftei| deß histori^cben Weites sind: 
Klarheit und biDlängliche JDeiUlicbkeit ftir emen .gi^fseni 
Kreis verschiedebartiger Leser, -^ denn vfie alles MeiMch- 
liche fOr deu Geschicbtscbreiber. geschieht, sa sehreibt er 
auch fOr Alle; — ferner Vollständigkeit bei strenger Aus- 
wahl der w^btigereu Gegenstände tmd.gemessener.Kürze 
dea Ausdiinckes; Würde; Le|;}hafügkeit, welche r sich zo: 
weilen zu malerischer Sphilderung erbebt^. und 3tets von 
bunten JFloskeln so fern bleibt als von dürrer Trocken- 
heit; wie denn überhaupt d^ histori^obe Stil durchaus 
der oben erläuterten mittleren Gattung der Scbreii^art 
apgehörl. 

Cicero: Nihil eU in hiUeria pttra et ülu$tri hrfwitatB dukiui^ 
• Vgl. Plijk' I4p. V. Epiit rilL \ ^ ' 

§. 434. • . * 

Die. Reden, welche <die alfea Qeso}iichtspbreil)er, 
durch >de9 wirklicheii Gebrauch r«doeri;seber VörJliaiMlluDg 
der politischep Angeleg^abeiten yer^nMst, im 3iB0^ ^^ 
deutender. Personen erdichteten, und, als eine, der schön- 
stem Zierden, .ihren Werken ^einverleibten, sind jedsofalls 
zu unserer Zeit, wo die SfiaatsangelegenbeUen inei9t schrift- 
lieh > betrieben werden, nicht mehr ein zweckuiäf^ig^r ^^ 
atl^ndtheil ^les Geschichtsw^rkes. Ja; sie., vertragen ^^^ 
Qberba^upt nicht mit der . sirengsten historischen Wahr- 
heit. Für den^riechischen Geist, dem die Begriffe schön 
und wahr sich noch nicht streng gesondert h&tteo,:koqn* 
ten die Reden im Tbocydijjes, welphe ^um Thal ^^^ 
ihm jBelbst angehört, und b^ der Unmöglichkeit «e genau 
im Gedächtnisse zu behalten, kjoBstvoll waren wiederge- 
slaltet worden *), de« unbedingten Glaubhaftigkeii seines 



•) Thucyd, L 22. Kai oaa /ikp Uyta tlnov fxaöro» n fU^^'^^ 

&iff no&tv ifipl Mayyülovtfw' tf« d* S» Uwmtf if$ol tnafffo* ^^ 

1 • 



I 




Historische ]>^rstelliing;^ 94t- 

Werkes: ^^«cn.AbbrucJjr ibjin. . Ai^^f tbpl^^i^jsn tt^y^ür-: 
dijgeu Nackfolgera- kam.es allinäbrig. daUii, da;Ca»die,wah]:a 
ErzidiluDg <a^8 diin Geschii^8weFk«ii durch. völlig erdkhr 
tele Reden {ast gäju:^Kch yjer^i^ßff, wuifde *;). . ,;^ 

Vei^l. Ver'tot Ab VViuge dA harangüek^ln AtuJUtdm* nU l'JcailU. 
. iei Imcr. T. UL ond-PaaseU lieb^ .4ie, fieden ^rD^ser RO-f 
iser in den Werken ihrer Gescb^chtsc^rei^er (KJ[ein» Schnft^nf 
1795. 8.). •^'' " ■■'•■■ .-; > 

. Als ein lästiger Balfa^st sind die Bewjeisst|ellen ii| 
Geschichtswerkeu von Manchea getadelt unä verworfen 
ivorden. Jedoch, eii^e s«]che Beglaubigung der aus alte-. 
ren Quellen geischöpften Erzählung^ ist nicht nur an sich 
schätzensvirerth', und die Beweisstellen qnt^r dem Texte 
sind gleichsam die Basis, auf welcher dieser ruht: sondern 
dergleichen Aussagen gleichzeitiger Schriftsteller tragen ^ 
ofty aU Ausdruck des Zeitgeister, aus dem sie hervorge- 
gang^,. zugleich .zur lebendigen Yeranscliaulichung der 
Ereignisse bei. Dagegen ist i)icbts sorgfältiger zu i^ei- 
den, als dafs der Geschichtschreiber selbst den Stil jsei- 
ncr jedesmaligen Quelle aqnehme. Oft geschieht diefs 
geflissentlich, aus ein^r, irrigen, ästhetischen Ansicht, oft 
auch halb unbewufst, aus mis verstand eaer Treuev die das 
Ueberlieferte nfcht in Eigenes zu verwandeln wagt Aber 
das, worauf es bei der Ge9chicht«chreibung ankommt, ist 
eben die Vermittlung der Quellen mit dem jetzigen Ver? 
Ständnisse. . 

Einige Theoretiker haben es^ dem Geschichtschreiber 
zur Pflicht gemacht, Urtheile in seine ErzähluDg einzu- 
streuen, und, den Bericht der Ereignisse durch. Digre^- 



) ■ 



%wv Uli naqovruiv tcc Siovra fitxXun 'ilniiv^ ix^fidvi^ ovi iyyvreera t^^ 

•) Üiodor, StcuL XX. L (Vol JX. p. M. ed. Bipont.) 



«K 



J 



ä4S Historische Da<*stellang. 

sioneti za. unteri)recKeii« * Alsr Aeufserong üOseiäg pet- 
BÖnlicIiei^ Ansichten Idnnen Urfheile die nnpartheihcbe 
Aaffaflsong der Thatsacben TerdSchtigen: aber anderer- 
seits tragen sie^ls Zeugnisse tob Scharfsinn and lel^n- 
Agem nCtlicben Gefühle dazu bei, dein Gesschichtschrei- 
ber unsere Achtung und unser Zutrauen zu gewinnen. 
Sih dürfen diso nur in soweit eine Stelle im G^scbicbts- 
werke finden, tils sie nicht in den Bericht der Tbatsa- 
eben sich .einiobischen. Aber sie dind ebensowenig aus 
der Geschichte* gSn^lich zu verbannen, als aus der Phi- 
losophie historische Beispiele. '— Digressionen sollen die 
£inR)rmigkeit des erzähleddch l*önes gefällig 'unterbre- 
chen. Auf etwas der Geschichte l^remdartigics dürfen sie 
die Aufmerksamkeit nicht lenken. Aber der historiscbe 
Inhalt ^ selbst pflegt zu mannigfachen Abänderungen des 
•Yörlrages Anlafs zu gebeif, da bald die Beschreibang ei- 
ner Localität, bald diß Schilderung einer Persönllcbkeit 
u. dergl. sich zwischen dip schlichte Erzählung ndtflrlicb 
• einfügt. 

Y'ossias ist der Meinong, dafs die Geschichte aas EnSUoog, Ur- 
theileo, Reden und Digressionen h'esteb'en mfisse. Bett ex gut- 
bmt cwfiatur hUtoria^ meo- Judiciö' Mti incam^iMie ad fuatuer 
cmjpta revocaninr: *mrratiq*em, Judieium dt r^u$t cat- 
eionewi et digreSBtontf^. (Är9 hüt, p^ 6L) 

; §. 437. 

Noch bildet- zuweilen die Einleitung einen B^ 
atandtheil des historischen Werkes, so wenig sie andi 
demsäben wesentlich ist. Von den drei Elementen der 

» 

oratorisdien Einleitung bedarf der Historiker nur zwei- 
Et sucht nicht, wife derBedner, WoUwollto füt sichzo 
erwecken, denn er wirkt nur für dfj^ Leser, Diesen aber 
8Ui5ht>er aufm^rktfam zu machen und gelehrig. AuhnerK- 
sam, indem er zeigt, daCs der Gegenstand, seines Vortra- 
ges höchst wichtig, oder^vaterländisch, oder nützlich s^* 
Gelehrig mid zum Auffassen gesdiiekt,' indem er ihm ^^ 



J 



Historische DarsteUung. üff 

tother&teaäea JJwsVkpie darfegt , und einen georjjneten 
«ummarjschen Ueberblick des Gegens^ndes evthcttlt 

Lud an Quomodo hiatoria $*t conteribenäa y 52 — 55. (Kd. Bp- 

pmt Vol. 'IV. V. 211 ttO ^ 

♦ ,. • • - ..- .. 

Unter . den rersduedeven Affen, in welchen die 6e- 
schichte behandelt wcH'den, lassen sich vornehmlich sechs 
unterscheidcfEU . I^ie or^prilogUdie und einf^ste .Weise 
ist die der Chronikei:^, welche alles Auffallende^, das sic^ 
zugetragen, ohne weitere Reflexion, ohne Unterscheidung 
des Erfolgreichen vom Bedeutungslosen, nur dcir W^hrr^ 
heit getreu aubeichnen, Ihr Inhalt sind Himinelserscheinun* 
gen, Kriege, Theurung, Senchen u. s. w. Eine zweite Art vpn 
Geschicht^chreibung bestrebt sich die wichtigen Begeben- 
heiten durch Einsicht in ihre nächsten Ursachen vollstän- 
diger zu erkennen; sie siebt in ihnen die Wirkung mensch- 
licher Klugl^eit, Gerechtigkeit, Leidenschaft u. s. w^, und 
will als ein Schatz lehrreicher Beispiele befrachtet seiny 
Sie gefällt sich^ aus geringen Ursachen grofse Ereignisse 
herzuleiten. Aber hier liegt die Unzulänglichkeit dieser 
Ansichtsweise am Tage, und es leuchtet ein, dafs eben 
deswegen^ ^eil ^ie Wirkung nicht gröfser sein kann, . al^ 
die Ursache^ in der sie gan^ enthalten, war, übc^r die näch- 
sten Anlässe hinaus, noch ein tiefer liegender Keim der 
Segebenheiten aufzusuchen sei. Dieses leistet nun drit- 
tens (die pragmi^tische Geschichtschreibi^ng, wel- 
che au^ einer gröf Sern Reihe von Ereignissen das Endziel 
berauserkennt,, auf welches sie gemeinsam hinwirken, und 
in dem das Kriterium ihrer JBedeutung liegt. Oboe durch 
Aaisonnement die Mitwirkung aller einzelnen Vorfälle 
au di.esem Ziele aufzuweisen, soll sie vielmehr die That- 
Sachen in einer solchen Auswahl, Anordnung und plan- 
fiiäfsigen Beleuchtung aufstellen, dafs aus ihnen selbst der 
innere Pragmatismus l^ervorleuchtet. , 

Bei Polybios beseiehnet zwar das Wort pragmatisch nar die 
politische Gesuchte Im Gegensätze zur mjrthisclieii (s. Schweig' 



35^ Bfetorische D«'frstenting. 

näfUiüi^ai 'Ptihfb, /tl. /.. 'ci fl*' 2W. r 129JV «^ *1^ ^ ^^di 
das ült«st« MnMA dcKf ihi ndiyera •Sinne des Worifes,'pragmati* 
sehen Geschicblschreibang, wenn gleich seine Welse, durch ans- 
iährlicbe Demonstrationen den Gang dcrErzShUing zu unterbre* 
, chen, nicht gaax der oben dai:gelcgten -Meinung über* den voll' 
koniinensten Pragmalismim enfspricht. Vergl. Beck de hiitona 



§. 439. 
Ddi aD|efiBfarten drei-Art^n der GcschtebfischreHiuug, 
fcei welchen die Aufmerksamkeit lediglich a&F dfe Tha(- 
sacbeik gerlditfet, 'und ein Zusammenhang, ab vv%it er auf- 
gezeigt werden 8oH,iiur aus ihnen selbst hergeleitet wircl, 
Bfeheu drei andere Arten gegentiber, naeh "welchen der 
Historiker serüe^seits zu den Thatsaclien eine freie Idee 
ntiti^riftgt. ' Zuvörderst findet eine po^tiädid Atrfras^img 
der Geschichte Statt, rerindge welcher' die Erelgni^^ mit 
ItbKafter Phantasie vergegenwärtigt, und, wit Ausschei- 
idung oder Umbildnng der' störenden Elemente^ rn'df&iDa- 
tiscfaer Weise ztf einem kthistlerisehen Ganzen abgeron* 
det werden. Es l.«t aber schon oben §. 425. aufgezeigt 
wordetf, däfs die* geschichtliche Wirklichkeit dein PWn- 
cipe der Kunst nie völlig adäquat sein fcönne. Zweitens 
wird in ^^öllen^ wo die unmittelbaren Unsachen der Er- 
eignisse steh nicht erkennen lassen, die EinWiY^knng Got- 
tes als Weftregiereirs in Betracht gezogen, und somit al- 
lerdings die Wahrheit nicht beeinträchtigt, aber auch nicht 
näher erfafst, sondern vielmehr nur der Sphäre dW Er- 
kenntuifr entrückt. ^ Die dritte Weise nun ist diese, wel- 
che im Vertrauen, dafs der Mensch an derselben Vernunft 
Tfaeil hat, die auch in der Geschichte sichjnanifestirt, die 
Idee und ihre Entwicklungen in der historischen Wirk- 
lichkeit wieder zu erkennen strebt. Allein, selbst in der 
Endlichkeit beTangen , kanii *8er Mensch die unbedingte 
Durchdrifi^tog der Idee und der einzelnen Wirklichkeit 
nur erstreben, nicht erreichen; und immerdar wird die 
Philosophie der Weltjgeschichte, welche das AU- 
^ gemeine der Geschichte begreift, der wahrhaft pragfliatir 



Hi^orischel Darstelhing. töl 

sehen ■ Historie, iNroIche voi> dein EiiRKelneD aasgebenjl 
dem tieferen Zusammenhange nachforscht, getrennt gegen- 
über stehen bl€fii)en. 

Narh dem Umfange und der Beschaffenheit ihres Ge- 
genstandes ist <lie Geschichte ^verschiedener Art, Als Bio- 
graphie hat sie das Leben einee einz^elhen Menschen, 
als Universalhistorie iien Ent^ickelungsgadg der 
ganzen Menschheit zmxn lot^Ue. Zwischen .diesen bei- 
den .Gr.enzj[>uocten liegt die Greschicbte der kleineren 
oder gcüfs^ren^ Qemeinschaften, de^* FaifiÜipn,^er YöU 
ker* ÄciCser diesen^ Untersehiede nach dem Umfange fin- 
det, aber, ein j^weiter n^ch der Beschaffen lieit des Gegen- 
standes Statt. Denn die theoretische und die prakti- 
sche Bethätigung ^es Geistes, welche, von der Universal- 
geschichte so wie von. der Biographie, ungesoudert, in ih- 
rer natürlichen Einheit^ behandelt werden, ki)npc;n auch' 
geireimt und einzdin Gegenstand der historischen Darstel- 
lung sein« Zu der theoretischen Seite gehört die ^Ge- 
schichte der Philosophie und der besonderen Disciplincn, 
ferner die. Geschichte dejr Religion, welche die Dogmenr 
und Kirchengeschichte* begreift, endlich die Geschichte 
d^r Kunst. Hingegen ^ie praktische Bethätigung des Ri- 
stes im Staate ist Gegenstand der politischen oder Staats- 
geschichtp, aus welche«' sich wieder einerseits die Ge- 
schichte des Rechts, audererseits die Geschichte des Han- 
dels» der Kriege, und überhaupt der äufseren Beziehun- 
gen aussondert. Wenn nun für )ede spedelle Art der 
Geschichte die allgemeinen Regeln der historischen Dar- 
stellung sich modificiren, z. B« die Geschichte der Wis- 
senschaften etwas von der abhandelnden Schreibart an- 
nimmt: so unterscheidet sich doch am auffallendsten von 
der Univei^alhistorie die Biographie. Ehe wir also zu 
^er Aufzählung der bedeutendsten Geschichtswerke über- 
sehen, woUen wir noch über die Lebensbeschreibung und 



3S8 Historisehe Darstellung; 

über ^en fiestaaddieil derselben, die CbafaktersebiUe* 
ruDg» einige Worte yorauafichicken. 

§. 441. 
Der Charakter einet Menschen ist einerseits das 
Besondere, Eigenthümliche, wodurch er «ich von den 
Üebrügea nnterschefdet, andererseits das Allgemeine^ das 
in allen wechselnden Zuständen Seines Lebens bel^arrlicli 
ist Nacfi diesen ^wei Seiten wird also die Charakter- 
sdiilderung bemüht sein, scharfsinnig und witzig zugleich. 
dur^h'g^ue Zeichnung; fnaleFisebeAusffihrung und Con- 
trastirung mit anderen, 8en Charakter, den -^ schildert, 
untferscfaeidend hervorzuheben, nnd wiederum das GemeiD- 
same aller Thätigkeiten des Menschen in'^einen Ponct zu- 
sammenfassend, durch wenige ausdrucksvoUe'^fige leben- 
dig darzustellen. Diefs laCst sich oft am glfieUicbsten 
dadurch leisten, dafs einzelne VorftUe aus dem Leben 
eines Menschen, in denen sein Charakter vorzüglich Utf 
und anschaulich ausgeprägt ist,, als Repi^sentanteo sei- 
nes sonstigen Verhaltens herausgegriffen und bericbtet 
werden. Wenn man die unerschöpfliche Mannigfaltig- 
keit der Natur in der Charakterbiidung dadurch begreif- 
licher zu machen sucht, dafs man eihe gewisäe AozabI 
von Grundzügen des Charakters in allen nur möglieben 
Mbchungen sieh denkt, wo dann 6 Charakterzfige 120 
Mischungen geben (s. MaaCs p. 265.X 90 heifst dieüs den 
individuellen Geist unter der Kategorie der todten Ma- 
terie betrachten. 

Vcrgl. Ariitot Rhetor. L, IL c. 12-17. — R^flexfons tvr^ 
differen$ ehmraetirei de» komme», par Esprit FUekier; Mt- 
»tricia 1714. 8. — Ockerse's Entwurf einer allgeiiieiiieB Cba- 

. rakterkaade, aus dem HoUandisclien übers, von Scholl; GoId> 
1790. 8. — Maafs Grandrifs der Rhetorik, §. 308. - E. >• 
Arndt's Einleitang ku historischen Charakter - SchildJernngeo; 
Berl. 1810. gr. 8. 

§. 442, 
Die Charakter-Schilderung ist ein Bestandtheil i^^ 



a 



Charakteristik. ' 3ß8 

m 
Geschiclrtet überhaupt und insbesondere der Biogra' 
phie *), sie ist aber auch für sich bearbeitet worden, 
und zwar entweder als Charakteristik einzelner Menschen, 
oder als Darstellung allgemeiner Charaktere. In der letz^ 
leren Art sind die moralischen Charaktere des Theo- 
phrast unter den Alten, des la Brujere. unter den 
Neoern, vorzüglich berühmt. 

. besondere CbaraUeristiken sind zum Tfaml die pMie €haräcter$ 
der Engländer; bei den Friinzosen sind der^n in den Eloge» von 
d'Alembert, Cavier u. A. enthalten. Beispiele von dent- 
sclien Charalteristiken sind Job. von Muller' s Friedrich IL. 
Bredow's Karl der GroDse. — Theopkratti Charactere» 8. 
Notafione» Morum, ex ed. Fitcheri; Coburgi 1763. 8. ed. 
Schneider; Jen. 1799. 8. ed. Bloch; Altöna 1814. 8. ed. 
A»t; Lip$. 1816. 8. (vergl. Thiench in Act. pJälol. Mona» 
eent.y T. III. faec. 3.) übers, mit Anmerkangen von Hotjtin^ 
ger; Manchen 1810 o. 1821. 8. — Le% Charactereu de TKeo- 
phratie, traduits du Grec^ avec les Characteres ou le$ IS/Ioeure 
de ce Siecle, par Mr. de la Bruyere; Amst 1720. 3 Voll. 
12. — Von äbniicber Art sind: Le* Characteres. par Madame de 
Puisieux; Lond. 1750. 2 Voll. 12. — Portraits (von J. 6. 
Westpbal) ; Leipz. 1779. 81. 2 Bde. 8.— In Platner's Pbi- 
losophiscben Aphorismen, Bd. IL findet man treffende Cbarak* 
tei^emälde. 

Die Biographie erzählt das Leben, das heifst die 
von aufsen bedingte geistige Entwickelung, eines Einzel- 
nen. Wenn es in der Geschichte auf die Begebenheiten 
.ankommt, in welche die einzelnen Menschen nur eingrei- 
fen, so handelt es sich hier lediglich um den' Menschen, 
um dessenwillen die Begebenheiten erzählt werden. Aeu- 
fsere Umstände und Begegnisse, die für sich allenfalls 
hinreichen, ein Curricvlum vitae zu bilden, sind nur so- 
fern in der Biographie von Wichtigkeit, als sie auf den 
inneren Menschen einwirkten; und wiederum aus dem 



•) Plutarchi tviv lavogixoip xQartaxoq 6 %ijy^^fix*l0v» loantq 
'/{^a(pi\» na&ioi xa» nQoa»noi>i tiöwlonoitioaq. 

Esckenb. Tb. > 23 



S54 Historische Darstellung. 

f 

inneren Enfwickelungsgange werden die Salseren Schick 
sale und die Handlangen, in ^enen der M^sch sich 
spiegelt^ begriffen. Indessen kann der biographische 
Schriftsteller diese geistige Durchdringung seines Gegen- 
standes nicht unbedingt, und so dafs gar nichts Zufälli- 
ges znrttckbliebe, erreichen. Vielmehr scheint es, dab 
gleichwie die Geschichte überhaupt zur Poesie, ebenso 
die Biographie insbesondere sich zum Romane Terhake, 
der als ein durchsichtiges Kunstwerk die Entwiökelaog 
eines Charakters aus seiner Anlage darstellt. , Jemebr die 
Lebensbeschreibung, um sich dem reinen Kunstwerke zo 
nähern, .das Bedeutungslose übergeht, und hingegen die 
aus der Anschauung des Ganzen gewonnene Idee auf die 
Wiedergestaltung und Darstellung der Ereignisse emmr- 
ken, die innere Wahrheit ungetrübt darin erscheinen läfst, 
desto mehr nimmt die Biographie den Charakter von 
Dichtung und Wahrheit*) an, in welcher Weise 
Gölhe sein Leben als Dichter überschaut und yerfafst bat. 

S. (J. Wiggers) Ueber die Biographie; llietaa 1777. 8. - 
Lehrreiche Winke flQr den Biographen s. in Herder'a Ueber 
Tho. Abht's Schriften; 1768. 4. - D. Jenisch Theorie der 
Lebensbeschreibnng; Berl. 1802. 8. — Woltmann's Vo^l^ 
song: Biographie, als Bedfirfnifs der Gegenwart, in s. KL histo* 
rischen Schriften; (Jena 1797. 2 Bde. 8.) Th. I. S. 10i>. 

§. 444. 
Die biographische Schreibart fodert alle die 
Würde, Deutlichkeit, Ordnung, Lebhaftigkeit und Unge- 
zwungenheit, welche jedem guten historischen $(ile noA- 
wendig ist. Sie darf nur sparsam geschmöcl^t, ivievvobl 
durchaus unterhaltend und blühend sein. Ein häufiger 
Fehler ist das Lobrednerische. Am meisten hat der Ver- 
fasser einer Lebensgeschichte auf eine natürliche, weder 



*) Der oben aaigespföcbene Sinn dieses Titels mofs eber anch >"- 
gleich so gefafst vrerden, dafs eben in dem Di cht erleben innere Foeiie os 
nmgebend« Ifirfclichkeit sich bertüiren, der Dichter an der Welt sieb est- 
tricfcell. 



Biographie« 965 

gcnoeiue noch gekünstelte Etokleidutig der kleineru und 
{gewöhnlichem persönlichen Umstände za sehen, dieser 
mehr andeutet als ausführt. 

Es giebt Selbstbiograph ieen, die, mit nnpartheiischem Beobacb* 
tung£g«i8te abgefafsty cinen^^ vorzüglichen Grad des Lebrreicfaen 
und Interessanten haben. Von der Art sind z. B. Hier, Car» 
dani de vita proprio Über; Par, 1643. 12. — P. D. Buetii 
Commentarius de rebus ad eum ^ertinentibut; Anat 1718. 8. — 
Vita dt Bentfenuto Cellini; (Napoli 1708.; 4. übers, darcb 
V. G5tbe, Tübingen 1803. 2 Bde. 8.;. in den Werken Bd. 34. 
35. — Vita di Vitt. Alfieri »critta da te medesimo; Londra 
(Firenze) 1804. 2 VolL S.; deatsch von L. Hain, Amsterdam 
1812. 2 Bde. 8. — Gibbon' $ Memoir$ of Mi Life and WH- 
tingSy compoud by Himself, with Ms Miscellaneous Works; 
Lond. 1795. 2 VoH. 4. — Confessions de J. J. Rousseau; 
Gen, 1782. 3 Vols. 8. — Memoires de Marmontel ; Paris 
1803. 4 Voll gr. 8. dentscb (y. Becker); Leipz. 1805. 4 Bde. 
8. — Ueberhaupt gehört hieher ein Theil der zahlreichen Me- 
moiren der Franzosen, wiewohl die meisten^ mehr für die Ge- 
schichte der Zeit a!s des Verfassers wichtig sind. Sammlang 
der altern von Petitot, der neuem von Berville und Bar* 
ri^re. — ' F. X. Bronner's> Leben, von ihm selbst beschrie- 
ben; Zürich 1795. '3 Bde. 8. — Jernsalem's Entwarf seiner 
Lebensgeschichte, in seinen Nachgelassenen Schriften, Bd. II. S. 
1. — Spalding's eigne Lebensbeschreibang; Berl. 1805. 8. — 
C. F. Weif se's Selbstbiographie; Leipz. 1807. 8. — J. G. Sal- 
ze r*8 Lcbensbeschreiburig y von ihm selbst aufgesetzt; Berlin 
1809. gr. 8. — von Golhe aus meine^n Leben, Dichtung und 
Wahrh^il, Tüb. 1811-22. L 1-3. IL 1. 2. 5. 12.; in d. Werken 
Bd. 24-26. und Bd. 48., woran sich Bd. 27 — 32. der Werke 
als Vervollständigung anschliefsen.- — S. auch J. G. Müll er 's 
Bekenntnisse merkwürdiger Männer von sich selbst ;/Winterthnr 
1791—95. 3 Bde. 8. — Vergl. Herder's Briefe zur Beförde- 
rnog der Humanität; (Riga 1793 ff. 8.) SammL I undV. 

§. 445. 
Die Tornehmsten biographischen Schriftsteller sind 
unter den Alten: Plutarch, Diogenes Laertius, 
Cornelius Nepos, Tacitus und Suetonius; sie 
geben zum Theil mehr Charakterschilderungen als ei- 
gentliche Biograpfaieen. Unter den Neuern gehören hie- 
her: Flechier, Fontenelle, Maizeaux, L. Racine^ 

23» 



356 Historische Darstellung. 

Burignj/ de Sades, Voltaire, Boifisj d'Anglas, 
Villemain; — Warburton, Middleton, Maltet, 
JoTtin, Johnson, Murphy, Roscoe, Hajley, 
Robertson, Cayley, Monk, Th. Moore, Mars- 
hallf-St^uthey, Washington Irving;, — Jerusa- 
lem» Schröckb,. Nicolai, Herder, Sturz, Hirzel, 
Klein, Garve, Meifsner, Nieraeyer, Heeren, 
Dippold, Luden, Woltmann, Stolberg und der 
mit dem eigentbümlicbsten Talente für die Biographie 
begabte Yarnhagen T.on Enfie. 

Pluiarchi Vitde paralMae cum nngttli9> aliquot, ex ree. Aug. 
Bryan; Lond. 1729. 6 Voll. 4. ed, Coray; Par. 180»- 15. 
6 Voü. 8. cur. Q, H. Schaefer; Vol^l^b, Lips. 1826-30. 
8. übers, von Kaltwasser; Magd«b. 1790 — 1806. 10 Bde. 8. 
Diogenii Laertii dt vita et apophthegmatibu» ciaror, phi- 
loMophor, Lihri X, ex ed, Meihomii; Amst. 1692. 2 Fofl. 4. 
ed. H. Q. Huebner; Lip$, 1828—33. 4 VolL 8.; deatacfa, 
Leipz. 1806. 8.; von Borfaeck, Wien 1807. 2 Bde. 8.; Amt^ 
▼on Snell, GieJsen 1806. 8. — Com, Nepoti$ Vitae esed- 
lentium imperatorum, ex ed. Aug. van Staveren; L. B. 
1734. 8. ed. J. F. Fischer; Lips. 1806. 8. c. J. G. Bremi; 
Zürich 1812. 8.; denUch von Eicbhoff, Frank£ 1815. S.-C. 
C. Taciti Vita Jul Agricolae, Urschrift und Ueberseliong 
mit fcommenlar von G. L. Walcb; Bcrl. 1828. 8. — C.'Sue- 
tonii Tranquilli Vitae XII Caesar um ex ed. F. Oudeniorf. 
L. B. 1751- 2 Voll. 8. — c. Ernesti; Lips. 1775. 8. c. F. 
A. Wolf; Lips. 1802. IV Foll. 8.; deuUch von Ostcrtag, 
Frailkf. 1788. 2 Bde. 8. Ueber Biographieen in italieni- 
scher Sprache s. Fontanini, Vol. II. p. 253. Von Samm- 
langen ist anfser der reich verpiehrten italienischen UebersetzODg 
der französischen Biographie universelle, welche sa Mailand er- 
schien, auch die unter £. deTipaldo^s Redaction zu Veneaig 
1833 begonnene Biografia degV ttaliani ülustri nelle scien»^ 
nelle lettere e neue arti del secoUt 18 eön appendice che com- 
prende i viventi, bemerkenswerth , an welcher Ambrosoliy 
Casrer, Gamba, Muzzarelli, Tommaseo u. A. miUrbei- 
ten. — Histoire du Cardinal Ximenes, par Esprit FU' 
chier; Par. 1693. 8. — Eloges des Acad^nUciens de VAcadi' 
mie Boyale des Sciences, par Fontenhlle; a laHnye 1731." 
VoU. 8. — La Vie de Bofleau Despr4aux, par desU»^ 
xtaux: Amsi. 1712. 12. Vie de Bayle, park mime; s ^ 



J 



Biographie. ^ 357 

• 

Haye; 1732. 2 Voll, 12. — Mimoirei de Jea,n Racine ^ par 
L. Hacine, tonßi; Par. 1742. 2 VoU. 12. — Vied'Eratme 
par de Burigny; Par, 1757. 12. Deutsch mit Zusätzen und 
Berichiif^ngen vom Abt Henke; Halle 1782. 2 Bde. 8. Kie de 
Or6tiu$y avec VHUtoire de $es Ouvrage$, par le mime; Par, 
1752. 2 VoU, 12.' — Memoire» tur la vie de Fr, Petrarque 
ipar le Ckev. d9 Sade$); Amst 1764—67. 3 VoU, 4. ^ Hi- 
Mioire de Charte» XIL Roi de Suede, par Voltaire; kBade 
1755. 2 Voll. 12. Histoire de l'Empire de üutsie »ou» Pierre 
le Grand 9 par Je meme; Am$t. 1161. 63. 2 VolL 8. — Boissy 
d*Anglai Essai sur la vie, le$ eerits et le» opiniom de M. de 
Maleskerbes; Pai*. 1819. 2 Fo/«. 8. — Villemain HiUoire de 
CromweU; Par. 1819. 2 Vols, 8. Desselben gekrönte Preis- 
scbrift: Eloge de MotUatgne; Par, 1812; 4. -- Stininilaogen: ^tV 
graphie univefseUe, ^ancienne et moderne, redigee Par une so- 
ciete de gen» de lettre^ Pari», Michaud 1811—28. 52 VoU. 8. 
nnd Supplem. T. 53—61, 1835* BiogfapMe nouvelle de» Con^ 
temporain»; Par. 1820 »». 20 Vol». 8. Biographie knivertelle 
et portative de» Contemporain»; JRarjr. 1826.. 1 Vol, 8. Biogra- 
phie univer»elle ela8»ique; Par. 1829, 3.. V^h. 8 max. -^ Po^ 
pe*» Idfe by W. WarhurtoUx 3. Pope'» Work». — The 
Life of Cicero^ by Conyer Middleton; Lond. 1761. S Vol». 
ü. — Tlie Life of Francis Bacon^ by Mr. Mallet;. Lond. 
1740. 8. — Jortin'» Life of..F*ra»mu»; Lond. 1758; 4. — 
Dr. John»on*» Account of ihe Life ofjßi^h. S avage; Lond. 
1748. 8. — Live» of tJte mo»t. eminent EngHsh Poet»; Lond. 
llSl. 4 Vol». 8. — Murphy* »E»»ay on tJte Life and Oeniu» 
of Sam. John»on; Lond. 1792. 8, — :Jf. Bo»w'ell'» Life of 
ßam. John»on\ Lond. 1835. 10 Vol», 8.. — Bayley'» Life 
ofMilton; Lond. 1797. 8. — Life of W. Cooper; Lond. 
1803. 2 Voll. 4. — W. Ro»coe*» Life of Lorenz o de' Me- 
dici; Lond, 1797. 2 V. 4. Life,of tlte Pope Leo X.; Liverp. 
1805. 4 Vol. 4. — W. Bohertton'» HiUory of the reign of 
the emperor Charte» V.; Lond. 1769. 3 Voll 4. — Arth. Gay- 
ley Memoir» of Sir Thoma» More; Lond. 1808. 2 VoU, 4. — 
J. H. Monk Life of Rieh. Bentley ;. Lond. 1830. 4. — Th. 
Moore Letter» and Journal» of Lord Byron, wifh notice» of 
hi» life; Lond. 1830. 2 VoU. 4. — Dedüelhen Life and death 
of Lord Edw. Fitxgerald; Lond. 1831. 2 Voll. 8. -- John 
Mar»halV» Ufe of George Wa»hington; PhHadfilph.\m^'l. 
5 Voll 8. with map» 4. — Bob. Southey'» Live» of the 
BrÜieh Admirah; Vol. 1—3. Lond. 1834. 8. — Wa»hing' 
ton Irving The life und voyage» of Columbu»; Lond. J82a 



358 Historische Darstellung. 

4 VoU, 8. •— > SamroloDg: Tke gener al biographical dietknarif, 
a new eikim hy Alex. Chalmert; Lond, iai2f~17. 32 Voll 
8. — — Jerosalem*« Leben des PrinzeA Alb recht üein- 
richs Ton BraoDSchweig-Lfinebarg; Braanschw. 1761. 4. Dess. 
Charakter des Printen Wilhelm Adolph von Brannschweig; 
BcrL 1771. 4. — Schröckh's allgero. Biographie; 8 Bde. Ber- 
Itn 1767. 8. Dess. Abbildungen nnd LebiAisbeschreibaR^en* 6e- 
r&hmter Gelehrten; 2 Bde. Leipz. 1764. 8. — Fr. Nicolai's 
EhrengedSchtnifs Hm. £w. Chr. ▼. Kleist, Berl. 1760. 4. — 
'Dess. fihrengedachtnifs Tho. Abbts; Berl. 1767. 4. Dess. 
Leben Jastos NAser*s; Berl. 1797. 8. Dess. EhrengedScfat- 
nifs Ramler*s, in der Sammlang deutscher Abhandlangen' der 
Berlin. Akademie der Wissensch.; Berl. 1803. 4. Dess. Ge- 
dSehlnifsschrift aof J. J. Engel; Berl. 1806. gr.^ Dess. Ge- 
dSchtnifsschrift auf Dr. W, A. Teller; Berl. 1807. gr. 8. D^ss. 
'GedtchtniTsschrirt anf J. A. Eberhard; ebend. 1810. gr. 8. — 
Ueber Tho. Abbt's Schriften; ein Torso Ton einem Denkmal, 
▼on Herder; 1768. 4. Ders. Über G. E. Lessing im T. 
Merkar ▼. J. 1781. und TorLessing's Analekten der Liltera- 
tar. — Stars Ennnernngen ans dem Leben des Grafen tou 
Bernstorf; Leipz.. 1786. 8. — {lirzel an Gleim filier SaU 
xer den Wellwesen; ZOrich u. Winterlhur 1779. 2 Bde. 8. — 
(E. F. Kleines) 'Denkmal Herzogs Haz. Jul. Leopold von 
Braonschweig; Berl. 1787. gr. 4. — Garve Ober Aen Charak- 
ter Zollikofer*0 Leipz. 1788. 8. Einige ZOge aus dem Leben 
tt. Charakter des Hm. Ton Paczensky; Breslau 1793. 8. — 
A. G. Meifsner's ^'«ben des C. Jnliu^ CSsar; Berl. 1799. 
2 Bde. 8. Epamtnondas Biographie; Prag 1801. 2 Bde. 8. 
Dess. Bmchstficke aus Naamann*s Leben; Prag 1803. 4. 2 
Bde. 8. — A. U. Niemeyer Leben, Charakter und Verdienste 
J. A. N5iselt*s; Halle 1809. gr. 8. -p Christ. Gottl. Heyne 
biographisch dargestellt Toii A. H. L. Heeren; Göttingen 1813. 
8. — Dippold Leben Kaiser Carls des Grofsen; TOb. 1810. 
8. — H. Luden Hugo Grotius iisch seinen Schicksalen und 
Schriften dargestellt; Berl. 1805. 8. — Job. von M&ller Ton K. 
L. T. Woltmann; Berl. 1810. 8. — Fr. Leop. Graf von 
Stolberg Leben Alfreds desGr<>fsen, Münster 1815. 8.; Leben 
des heilig. Vincentius von Paulus; Mfinster 1818. 8. — K. A. 
Varnhagen von Ense Biographische DcAkmale; Th. 1--5. 
BerL 1824—30. 8. *^ Unter den zahlreichen flbrigen Biogra* 
pbieen ans neuerer Zeit nennen ^ir nur noch K. Langes Ritter 
G5tz Ton Beriichingen; Heilbronn n. Rothenb. 18^. 8.. u. dess. 
Ritter Frani Toa Sickingen, ebend. 1825. 8.^ £. Mfinch Frans 



Historische Darstellung. 359 

von Sickingen't Thaten n. 8. w.j Stattg. o. Tfib. 1S27~29. 3 
Bde, 8.; J. M. H. Döring's Leben Bfirger's, Schiller, Her- 
der'sy Götbe's, Klopstock's, Ko^tzebae*6, Jean PauFs, Job. von 
MuUer*8. Sa mm langen: Der Nekrolog der Deutsdben, an- 
fangs beransgegeb. von Fr. Schlicbtegrollza Gotha 1 790 ff. ; 
jetzt von Schmidt za Umenaa n. Weimar (Hir jedes Jahr zwei 
Bände 8.) — Der Biograph; DarsteUangen merkwürdiger Men- 
schen der drei letzten Jahrhunderte; Halle 1802 — iO. 8 Bde. 
gr. 8. — Jos. V. Ilbrmayr's Oesterrejichischer Platarch oder 
• Leben und Bildnisse aller Regenten o. s. w.; Wien 1807 — 14. 
20.Bdcben. 8. — Zeitgenossen ;*Biograpbieen und Charakteristi- 
ken; erste Reihe Bd. 1—6., zweite Reibe Bd. l-*6., dritte 
Reihe Bd. 1-4.; Leipz. 1816-33. 8. 

§. 446. 
Wir gehen über zur Litteratur eigentlicher Geschicfats- 
werke, die bei- wissenschaftlichem Werthe zugleich stili- 
stische Vorzüge besitzen. Dahin gehören, aufser einigen 
biblischen Büchern historischen Inhaltes, die grie- 
chischen Geschichtswerke des Herodot, Thucydi- 
de&, Xenophon, Polybiu's, Di^onysius vonHali- 
karnafs, Diodor aus Sicilien, Dio Cassius und 
Herodian. 

Vergl. im Allgemeinen Wachler*8 Geschichte der historiseben 
Forschang und Kunst. — Ueber den Charakter der heili- 
gen Geschichte s. S. F, N. Mori Defensio Narrationum 
N, T. quoad modum narrandi; Lips. 1766. 4., und die in den 
Einleitungen zum A. n. N. Teslam. von Eichhorn, Jahn, de 

Wette, Hug u. A. milgetheilten Bemerk. Zur Litteratar 

griechischer Gcscbichtschreiber s. O. J. Vos$ii de hi- 
%toric%$ Grdecis libri IV.\ Lugd. Bai, 1651. 4. Zu ihrer. Cha- 
rakteristik: G. F. Creuzer*s historische Kunst der Griechen in 
ihrer Entstehung und Fortbildung; Leipz. 1803. 8. Schelle 
Welche alte classische Autoren soll man auf Schulen lesend 
Leipz. 1804. 8. Bd. I. S. 179 ff. -^ H. Ulrici Charakteristik 
der antiken Historiographie; Berl. 1833. 8. — — Herodoti 
HiBtoriar, libri IX, ed. Pet. We$$eling; Jm9t, 1763. Toi. — 
ed.' J, Schweighaeuier; Strasb. 1816. QVoll. S., daza Lexi- 
cott Herodoteum, ib. 1824. 2 Voll. 8. — ed, Th. Gaiaford; 
Oxf. 1824. 4 Voll 8. Ausg. von BShr; T. 1 — 4. Leipz. 1830- 
1835. 8. — Franxös. mit wertlivollem Commentar von Lar- 
eher; Paris 1802. 9 Bde. 8. deutsch von JSLiz. Jacobi; 



SOO Historische Dantellang. 

DfiaseMorf 1799-^1801. 3 JBde. 8. ▼. Fr. Lange; BeiL 1811 
— 12. (xw. Aafl. Bretba 1824) 2 Bde. 8. vergL Dahlmann 
FoKcboBgeQy II. 1. — Tkueydidi§ Btsioria belli Peloponne' 
Moeif ti. C. Ä, Duk§r, Amtt. 1731. 2 Voll, fol.; edd. Gott- 
leher, Bauer et Beck, Lip$. 1790^1804. 2 VoU. 4.; ed, 
Jmm. Bekker, Oxon. 1821. 4 Voll, 8.; ed. E. F. Poppo^ 
Hp9. 1821 «i. 8.y noch oüvoOendet. fibera. von J. D. Heil- 
mairn; Lemgo 1760. 8. N. A. mitAnm. von G. G. BreJow; 
Lemgo 1808. 8. — ▼. Ms. Jacobi; Hamb. 1804—8. 3 B4e. 8. 
-^ Vergl. G. F. Crenxer Herodot und Thacydidea; Veraach 
einer Wftrdlgong ihr^r biAor. Grandaütze; Leipz. 1798. 8. — 
Roth Ueber Thacydidea and Tecitus; Manchen 1812. 4. -~ Xe- 
nopkontii Hietoriae Graecae libri VI IL ed. Morue; lAp: 
1778. 8. Cyropaedia^ ed. Zeune, Lip9. 1780. 8./ ed. Poppo^ 
IAp9. 1821.8. Kxpediiio Cyri ed. Zeune, lAp%. 1785.8./ ed. 
Krüger, Hai 1826. 8.; ed. Poppo; Lipi. 1827. 8. Opp, 
ed. Weieke, Lip$. 1798—1804. 6 Voll. 8.; ed. Sclmeider, 
ldp9.,lSlb. VI Voll S.f deatsch von Borhek/ Lemgo 1778 
bia 1808. 6 Bde. a — Polyhii Hintoriae, ed. I. A. Erneeti; 
IAp9. 1763—64. 3 Voll 8. — ed. SchweigUaeuier, lApi. 
1789 — 95. 8 Tble. in 9 Bdn. 8.; dentsch von Benicken, 
^ Weim. 1820.8. — Dionyiii Halicarna$$enMii Opermcm- 
nia, c. n. var. ed. Reitke; Lipt. 1774 -»77. 6 Voll. 8.; seine 
rödiischen Altertbömer, deatsch von Benzler; Lemgo 1771- 
72. 2 Bde. 8. — Diodori Siculi Bibliotheca hUtorica; e 
reo. P. Weaelingii; Am»t. 1746. (auch 1745.) II Voll foL 
danach Bipont. 1793 — 1807. 11 Bände 8.; die voIlatSndigate 
Anag. hat L. Dindorf zn Leipzig 1828. 8. begonnen; deotach 
▼on Stroth pnd Kaltwasser; Frankf. a. M. 1782 — 87. 6 Bde. 
8. — Cfaiaii Dionii Cocceiani. Hiit. Rom. ed. U. S. jRetV 
marui, Hamk. 1750^5^. 2 Voll fol; ed. Sturz, Lip$. 1824- 
25. 8 Voll 8.; deatßcb vqn Penzel, Leipz. 1786 — 1818. 3 
Bde. 8.; nnd von Lorenz, Jena 1826, 4 Bde. 8. — 'Hero- 
diani Hiit. c. TL G. Irmiich, Up9- 1789 — 1805. 5 VoU. 
8.; ed. F. A. Wolf, Hai 1792, 8.; ed. Bekker, gerL 1826. 
8.; dcalach von C an radi^ Frankf. a. H. 1784. 8. 

§. 447. 

Die in gleicher Hinsicht vorzüglichsten römischen 

Geschichtschreibcr sind: Julius Cäsar, Sallustius. 

Livius und Tacitus, denen Vcllejus Paterculus, 

Suetonius und Curtius bei weitem nachstehen. 

S. Q. J. Vossii de HiüoricU LaUnu NM III. Lugd. ßai. Iföl. 



Historische Darstdlung. 861 

4. Mart, Hankii de Bomanarum rervm icripioribuM Uher; 

Up$^ 1688. 4. C. JuL Cae$ar%s Commentarii de hello 

gattico et civili, ed, Oudendorp, L. B. 1737. 4.; MoruB, 
Lipt. 1780. 8. denuo e^ravit L L Oberlin, Lip$. 1^05. (1819.) 
S,f deatflch von Wagner, Baireath 1808. 8. — ,C Saltu- 
Btii Criipi Bellum Catilinarium aique Jugurihinum, ed.Ha- 
tereamp, Anut. 1742. 2 Voll. 4.t ed. Gerlach, Ba$» 1822 
M. 3 Voll. 4.; ed. Frot$cher, Lip$, 1825. 2 Voll, 8.; dentrch 
▼on Nenffer, Leipz. 1819. 8. — T. Livii Hutoiiarum Libriy 
ed, Drakenbörch, L, B. 1735--46. 7 Voll, 4.; ed. A. W. 
Erneeti et. 6f. H. Schaefer, Lip$. 1801 ««. 5 Voll. B.; ed. 
' Stroth et Doering, Gothae 1805 $s. 6 Voll. 8.; ed. G. A. 
Buperti^ Goetting. 1807 «f. 7 Voll. S.; dentscb ydn C. 
Heusinger, Brannschw. 1821. 5 Bde. 8. -^ C. C. Taciti 
Opera, ed, Oberlin, Lip$. 1801. 4 Voll. 8.; ed. Imm. Bek- 
her, Walther, Bach; deatsch von ▼. Woltmann, Ber- 
lin 1811 — 17. 6 Bande 8.; ▼. Strombeck, BrauMschw. 1816. 
3 Bande 8.; von Ricklefs, 1825; Bötticher^ 183L Vergl. 
Sttvern Ueber den K^nstcharakter des Tacitas; in den Abhandl. 
der Berl. Akad. 1822. — Suetonii Vitae XII Caeearum, ed. 
F. A. Wolf, L4p$. 1802. 4 VoÜ. 8.; dentsch von Oater- 
tag, Franke -1788. 2 Bde. 8^ — C. Velleii Paterouli Hist. 
Born. ed. D. Buhnken, L, B. 1779. 2 VoU. 8./ ed. Krause, 
Lipe. 1800. 8./ deatsch von F. Jacobs, Leips. 1793. 8. — 
Q. Curtiue Bu/ue de reb. gest. Alexandri M. c: eomment. 
Freinshemii, Atgent. 164^ 2 Voll. '8./ rec.C: T.^ Zumpt^ 
Berol. 1826. 8.; deatsch von Ostertag, Frankfort 1799. 2 
Bde. 8. 

« 

§, 448. 
Die Geschichtscbreiber des Mittelalters., fast 

• • • 

sämmtlich Klostergeistliche, sind zwar nicht obn^ eigen- 
tlümlicbe Vorzüge^ oft wissen sie in der naivsten Er- 
zählung höchst charakteristische Zfige mitzutheilen, allein 
ibrs Werke können durcbaus. oicht als sttlistischf. Mu- 
ster empfohlen werden. Yoa Men neaern Geschieht- 
Schreibern in lateinischer. Sprache sind de Thou und 
SleidaU'US die merkwQrdigsten. Die l^deutendsten Hi- 
storiker Spaniens sind Mariana und Antonio de So- 
lls; unter den Italienern sind Guicciardini, Adriani^ 
BentivogliO) Davila, Macchiavelli, Angelo di 



' I 



382 Historische Darstellung. 

Costanzo, ]Nani, Denina,Botta, und der treffliche 
Geschichtschreiber der italienischen Litteratur, Tirabo- 
8chi, hervorzuheben, 

Hit Uebergehiing der orientalisohcn Historiker des Mittelalters, 
deren eigeBthOmlichcr Slil för ons kein Moster sein kann, and 
der durch ihren Inhalt bedeutenden byzantinischen Geschichi- 
■chreiber, onter denen sieb dar^h anninthige Darstellung nament- 
lich Anna Comncna hervorth'nt (ihre DenkvvOrdigkeiten sind 
übersetat Im ersten Bande von Sehiller-^s Miemoirensaromlnng), 
nennen wir als einige der vonfiglicheren lateinischen Histo- 
riker des Mittelalters Otto von Freysingen (Geschichte von 
Friedrich Barbarossa), Rhegino, Lambert von As-chaffen- 
borg, Wilhelm Erzbisch, v. Tjrns, Conr. v. Lichtenaa (^bt 

von Ursperg). • Jac, Aug, Thuani Htitoria iui tempo- 

rü; Laud. 1733. 7 Voll fol. — Jo. Sleidani {Philippgoh») 
Cammeniarü de itatu rdigionu efreipublicae Carola V. Im^ 
peraiire; Franeof, 1785. 86. 4 Voll 8. — UrsprOnglich latei- 
nisch, aber von dem Verf. selbst übersetzt ist die Hütarkt ge- 
neral de Eipaha por Juan d^e Mariana, Valencia 1783-96. 

9 Voll kt. fol; illusirada por J. Saban y Blaneo, T. 1^20. 
Madrid 1817 — 22. 4. — HiUoria de la conquieta de Mexico 
por Antonio de Solit; Madr, 1684. foi. Bru9: 1704. foL 
-~ — htoriu d'Iialia di Franc. Quieciardini; Pioa 1819. 

10 Voll. 8, — — litoria de"* suoitempi di Q. B, Adrian* ; Fe- 
nex. 1527. 3 VoU/i. — Della Guerra di Fiandra, de§criUa dal 
Cardinale Bentivaglio, Parti tre; Colonia 1639. 4. — leto- 
ria delle guerre civili di Francia di E, C, Dßvila; 1733. 2 
Voll. fol. -^ HiBtorie Fioren^ine ^i Kic, Macchiavelli^ ntUe 
Opere (Haya 111% 4 Voll, 8.) T. /. //. — Angela di Co- 
ttansof Storia di Najioli;, Nap. 1710. 4. — G. B. Nani 
/Storia della Bepuhlicß.di Venexia dal 1613 al }671./ Venez, 
1762. 79. 2 Voll. 4. — Denina Rivoluzioni d'Iialia; Torino 
1769. 3 Voll 4. — C Botta Storia d'Iiatia dal 1;78S(, al 
1814. IIa ed, T 1-10. Ralia 1825. 12. — TiräLtchi Sto- 
ria dflla htteratura ftaliana antiea e modtrna; Modena T7S7- 
94. 9 Thle. in 16 Bdn. gr. 4. 

§. 449: 
Aus der fast unzähligen Menge von Geschichtschrei- 
bern in französischer Sprache, empfehlen sich durch 
ihre Darstellungsweise: Comines, Rolliü, Crevier, 
Bossuet, Yertot; Gaillard, Millot, Voltaire, 



« 

\ 



Historische Darstellung. 363' 

der Abbe Ray nal, König Friedrich IL von Prcu- 
fsen, Bartbelemy, Daru, Guizot, Barante, 
Thicrry, Capcfigue, Mignet, Tbiers, Sismondi, 
Micbaud. 

Memoiret de Meisire Philippe de Comine$; Par. 1747. 4 
Voll. 4. — HiMtoire ancienney par Roll in; Amif, 1754. 13 
Voll, 12. Halae 1658. 5 Voll 8. H%$toire Romaine, par It 
mime; AfMt 1742. 16 Voll 12. Halae 1753. 6 Voll 8. — 

- Histoire des Empereurs Romains depuis Auguste jusqu* a Con- 
stantin, par Crevier; Amst, If^O. 12 Voll 12. — Discours 
sur Vhistöire universelle, par possuet; AmsterB,' 1755. 12. 
(Deutsch^ und fortgesetzt von. I. A. Cramer; Leipz. 17571? 

6 Bde. 8.) — Histoire des Ritolutions arrivees dans la re'pu' 
blique Romaine, paV VAbh& V er tot; Par, 1753. 3 Voll 12. — 
Histoire de Fran^ois /., par GaUlarf; Par, l766. 7 Voll 8. 
— Elemens de VHistoire generale, par VAhhe Millot; Par, 
1772. 73: 9 Voll 12. — de Voltaire, Histoire Universelle; 
Geneve 1760. 7 Voll 8. Siede de Louis XIV, ü^oieeit 1755. 
4 Voll 12. >— Histoire philosopliique, et politique des etablisse' 
mens et du commerce des Europeens dans les deux Indes , par 
VAhhe Raynal; Par, 1781. 10 Voll 8. -^ l^emoires de Bran- 
debourg; Histoire* de nwn tems etc.; in den Oeuvres posthumes 
de Frederic le Grand; Berl 1788. 15 VoU. gr. 8. — Bar- 
thelemy'y Voyage du jeune Aaacharsis en Grece; Par, 1790. 

7 Voll, 8. — Daru Histoire' de la republique de Venise, Akme 
edit; Par. 1829. 8 Voll 8. — Guizot Histoire de Its revo- 
lution de VAngleterre. P. I. T, 1. 2.; Par. 1826 — 27. 8. Es- 
sai sur Vhistoire de France; Par. J824. 8." " Cours d'/iistoir^ 
moderne: Histoire generale de la civilisation en Europe, Par, 
1828. 8. und Histoire de la civilisation en France, Par, 1830. 
4 Voll 8. *- Bar ante Histoire des Bucs^de Bourgogne de la 
maison de Valois; Par, 1824. 13 Voll 8. t- August in 
Thierry Histoire de la conquite de VAngleterre par les Nor- 
mans, 4e edit,; Par, 1832. 4 Voll 8. — Capefigue Essai 
sur les invasions des Normans dans les 'Gaules; Par. 1823. 8. 
Histoire de Philippe Auguste; Par, 1829. 4 VoU, 8. Histoire 
constitutionnelle et administrative de la France depuis la mort 
de Philippe Auguste; Par, 1831 ss. 8. Histoire -de la resiau- 
ration (anonym); Par, 1831 ss. 10 Voll 8. — Mignet Hist. 
de la revolution frangaise, 5e ^d, Par, 1833. 8. — Thiers 
Histoire de la revolution frangaise; Par, 1823 — 27. 10 Voll 
8. — Simon de Sismondi Hist, des repubUques Italiennes du 






Darstellung» 

flMyem 4fr, mmn. ü. Par. 1825—26.. 16 Voüi 8. HiUaireda 
Frm^aUi Par. 1821 m., bb jetst 20 VoU. 8. -- Michaud 
HUtoire dei Croi$aiei, ie id. Par. 1825—30. 6 Voll. 8., woran 
■idi seine Bibliotheque det Croisadei echlieDit 

§. 4»). 

Die England er sind, vorzQglich seit der Mitte des 

achtzehnten Jahrhunderts, als Muster in der historischen 

Kunst zu betrachten. Unter ihren zahlreichen Geschieht- 

Schreibern rajgen herror: Hume, Robertson, Goid- 

smith, Ferguson, G^ibbon, Gillies,- Mitford, 

Lingard. 

Hume'i Hütory of England; Lond. 1773. 8 VoU. 8. — JRo- 
bertiou*4 Hiitory of Scotland*; Loiid! 1169. 2 Voh.8. EJub- 
dem BUtory of America; Land. im. 2 Voh. 4. — Goid- 
gmith'M. HUtory of England; Lond. 1772. 4 Vols. 8. Eonrnn 
HUtory; Lond. 1775. 2 VoU. 8. — Oreeian HUtory; Land. 
1775. 2 VoU. 8. — ^<f. Ferguson* i History ofthe Progreu 
and Termination of ihe Roman Republic;\Basa 1791. 6 VM. 
8. — GibbonU Hutory of ihe decline and fall, of tie Romam 
Empire; Lond 1777 -,-81 6 VoU. 4. ßa$il 1787. 14 Fo/t . 8. 

— Oillies*9 Hiitory of ancient Greeee; Lond. 1786. 2 VoU. 
4. — Mitford*$ HUtory of Greeee;^ Lond. 1797, 6 VoU. 8. 

— Lingard'i Hiit. of England; Lond. 1825-31. 14 VolL 8. 

•§. 451. 

Deutschland, welches lange Zeit mehr den Rahm 
grfindlicber Geschichtsforschung als ausgebildeter histori- 
sdier Kunst besaCs, zählt unter seine bedeutendsten Hi- 
storiker: Moser, Schröckh, Schlözer, Schmidt, 
Hegewisch, v. Müller, Spittler, Meiners, Spren- 
gel, von Arcbenholz, von Schiller, Eichhorn, 
Henke, Heeren, Sartorius, v. Woltmann, Pos- 
selt, Manso, Schlosser, Niebuhr, Luden^ von 
Hammer, Wilken, von Raumer, Leo, Ranke. 

Böseres Osnabrfickische Geschichte, mit Urkanden, 2 Bde. Beti 
1780. 8. — Schröckh's christliche Kircbengeschichte; Leipzig 
1768— 1803. 35 Bd<^. 8. Christi. KirchengescL seit der Re- 
formation; Leipz. 1804^11. 10 Bde. 8. Lehrb. der allgemeinen 
WeltgeMsbichte; Beri. 1795. 8.— Schlözer 's Probe rassischer 



Historische Darstelldng. 985 

Annalen; Bremnii und GCtting. 1768. 8. Allgemehie Jfordische 
Geschichte; Halle 1772. 4. Yorstellang seiner UniTersaUitstorie; 
Götting. 1775. 2 Bde.^ 8. Weltgeschichte nach ibven Hanptthei- 
len; Göttingen 1785. 8.'^^ M. J. Schmidt's Geschichte der 
Deatscheo, mit Fortsetz, von Miibiller; Ulm 1778--1808. 22 
Bde. 8. — ^Hegevvisch's Geschichte der Regtenmg Karls des 
Grofsen; Hambarg 1791. 8. Geschichte der fränkischen Monar- 
chie; Hamb 1779. 8. Geschichte der Deutschen von Konrad L 
bis sam Tode Heinrich's II.; Hamh. 1781. gl*. 8. Geschichte 
der Regierang Eoiiser Mazimilian*a L Th. L; Hamb. nnd Kiel 
1782. 8. Charaktere und Sittengemälde ans der deutschen Ge- 
schichte des Mittelalters; Leipzig 1786. 8. U<9ber die för die. 
Menschheit glQckÜchste Epoche in d. röm. Gesch.; Hamb. 1800. 
8. n. a. m. — Job. von Mfiiler's Geschichte schweizerischer 
Eidgenpssensehaft, nebst Fortsetz.; Leipz. 1786. 1829. 7 Bde. 
8. Dessen sllmmtl. Werke; Tübingen 1810 — 1819. 27 Bde. 
8., worin Bd. 1 — 3. seine Allgemeine Geschichte enthal- 
ten. -— Spittler's Grundcifs der Gesch. der christl. Kirche; 
Gott 1782. 8. Geschichte Wfirtembcrg*s; Gott. 17a% a Ge- 
schichte des Fürstenthams Hannover; Gott 1786. ß Bde. gr. 8. 
^ *— ^Meiners's Geschichte des Ursprungs, Fortgangs und- Vej^- 
falls der Wissenschaften in Griechenland nnd Rom; Lemgo 1781. 
% Bde. gr. 8. Geschichte des Verfallt der Sitten der Römer; 
Leipz. 1782. 8. a. a. m. — SprengePs Gesch. von Gro&bri- 
tannien und Irland; Halle 1783 ff. gr. 4. Uebersicht der Ge- 
schichte dee achtzehnten lahrhunderts; Halle 1797. 8. — von 
Arcbenholz Geschichte des siebenjährigen Krieges; Berl. nnd 
Mannb. 1789. 12. nnd 8. Annalen der brittischen Gesch. vom 
Jahre 1788 — 97. 20 Bde. 8. Gesch. des siebenjährigen Krie- 
ges; Berl. 1792. 8. Geschichte GustaVs Wasa; Tübingen 1801. 
2 Thie. 8. — Fr. v. Scfailler's Geschichte des Abfalls der 
vereinigten Pliederlande von der spanischen Regiernog; N. A. 
Leipz. 1801. 2 Bde. 8. Geschichte des dreifsigjährigen Krieges; 
Leipz. 1793. 3 Bde. 8. — J. G. Eichhorn, die französ. Re- 
volution in e. histor. Uebersicht; Gott. 1797 ff. 3 Bde. 8. Allg, 
Gesch. der Kultur und Litteratur des neuem Europa; e. d. 1796. 
99. 2 Bde. 8. Geschichte der drei letzten Jahrhunderte; e. d. 
1802—4. 6 Bde. 8. — H. Ph K. Henke's Allg. Gesch. der 
christl. Kirche^ fortges. von Vater; neue Aufl., Braunschweig 
1804 — 25. 9 Tfale. 8. — A. H. L. Heeren's historische Werke, 
Th. 1 — 15.; Gott. 1821 — 30. 8. — G. Sartorius Versuch e. 
Geschichte des deutschen Bauernkrieges; Berl. 1795. 8. Gesch. 
des Hanseatischen Bundes; Glitt 1802. 3 Bde. 8. (bearb. von 



Hiiitorische Darstellung. 

Lappe nberg, 2 Bde. 4.) — K» L. ▼. Woltroann's Gesch. 
der DeaUchen in der sSchsl Periode; Gott 1793. 8. Gnuarils 
der neBcm Hciischengeacbichte; Jena 1796. 1800. 2 Bde. 8. - 
Bistorisdie Darstellangen; Altena 1800. 1801. 2 Bde. 8. - E. 
L. Pos6elt*8 Gesell. Gostav^e des Dritten; Carlsrahe 1793.8. 
Earopäische Annalen; Tfib. 1705l— 1804. & n. a. m. - Manso 
SparU; Leipi. 1800 — 1805. 3 Jhle. 8. Gesck des ostgotbi. 
•dien Reiches in Italien; Bfesl. 1824. 8. Gesch. des prenfs. 
Staatr Tom F/ieden zu Huber\sborg^ 2te Ansg,; Frankt 18%. 3 
Bde. 8. -^ Schlosser Gesch. der bilderst&rmendeii Kaiser; 
Franict 1812. 8. Gesch. des achttehnten Jabrhondeirls; Beidelb. 

1823. 2 Bde. 8. Universalbistorische Ucbersicht der Gescb. der 
alten Welt, 3 Bde^ in 8 AbthciL; Franlcf. 1826-32. 8. Well- 
gesehichte, 3 Bde. in 5 Theilen; Franlcf. 1815—24. 8.- Nie- 
bahr Römische Geschichte; Bd. I. 3te Aufl.. 1828. Bd. II. 2te 
Aufl. 1830. Bd. lU. 1831. Berl, 8. — Luden Allgem. Gescb. 
3 Thie; Jena 1824. 8. Geschichte des den Ischetf Volkes; Gotlu 
1825 fr. bis jetst 10 Bde.^ 8.^ — Jos. y. Hammer Gescb. des 
osmanischen Reichs; Pesth 1827 -r 35. 10 Bde. 8. — Fr. VVii- 
ken*s Geschichte der Krenzzfige, Th. 1—7. Abth. 1. 2.; ^ 
1807 — 32. 8. — Fr. V. Raumer Geschichte der HohcnsUnTeB 
und ihrer Zeit; Leipz. 1823-24. 6 Bde. 8. Geschichte loro- 

.pa*s seit dem Ende des 16ten Jahrhunderts. Bd. 1 — 5.; Leipz. 
1832—35. 8. — H. Leo Lehrbuch ' der Gesch. des MUteblters; 
Halle 1830. 2 Bde. 8. Geschichte der italienischen Saaten, 5 
Bde. 8. Geschichte der Niederlande, allgem. Gesch. a. a« dd. -^ 
L. Ranke Fflraten nnd Völker von Sad- Europa im 16ten ood 
17ten Jahrhundert Bd. L ; Hamb. 1827. 8. Geschichte der ta^ 
manischen u. germanischen Völker Von 494 — 535. Bd. I.; ^^ 

1824. 8. Die serbische Revoluüon; über die VerschWöroDg ge- 
gen Venedig im Jahre 1618. u. a. m. 



Rednarische Schreibart 367 

■ ■ - .• f • 

VI. 

Rednerische Schreibart. 

§. -452. 

Eine Rede im engem Sinne ist ein kunstgemS- 
fser mündlicher Vortrag , worin ein bestimmter Gegen- 
sVand ausgeführt, erläutert oder bewiesen wird, und wel- 
cher die Ueberredung^und Ueberzeugung der Zuhörer 
zur Absicht hat. Jene wird durch Einwirkung auf Pban« 
tasie und Gefühl, diese auf Yerstand und Vernunft des 
Zuhörers bewirkt. Die Fertigkeit <;ine Rede zu entwer- 
fen, verbunden mit der Fähigkeit sie auf die zweckmä- 
fsigste Art mündlich vorzutragen, Jieifst im engern Sinne 
Be^redsamkeit, und derjenige, dem diese Fähigkeit ei- 
gen ist, ein Redner. 

S. vorzüglich die Rhetorik des Aristoteles, die rhetorischen 
Schrillen des Cicero und die Institutionell Quintilian's. 
Ferner Ernati Init, RheL P. I. Seci, 11 L c, 2.« so. wi<f des- 
sen Lexicon technologiae Graecorum rhetoricae, xmäLex, tech" 
noL Latinor, rhet, — Principe» pour la Lecture de$ Orateun^ 
L. L ir. - br: Blair* i fyct. XXV-XXXIF. — Maafs 
Gründrifs d^r Rhe^torik, §. 348. Boaterwek's Aesthetik, Th. 
II. S. 283. Schott Theorie der Beredsamkeit, vorzGglich Bd. 
I. S. 92 ff. ^ Di^ Alten heben es stets als die Beslimmang 
der Rede herror, einen Andern iiir unsere JHeinung za gewin- 
nen, 7tit&-iiv^ pertuadere, ein Aasdmck, dem weder nnäer „über- 
reden*' noch f.überzeugen*' ganz entspricht. Sclion Plat.o im 
Gorgias nennt die Beredsamkeit eine Künstlerin der Ueberre- 
dong, ofifiwvQyaq nn&ovq^ lind Aristoteles sagt, „die Bered* 
samkeit soll die Kunst sein, bei jedem Gegenstände das zn ent- 
decken, was in ihm dazn geeignet ist,. Andere iur ihn zn gewin- 
nen.*' Cicero nennt die Redekunst eine fdculiai dicendo per- 
Muadendi. 

§. 453. 
Die Beredsamkeit der Alten war nur Staatsbe- 
redsamkeit, und umfafste drei Arten: erstlich die ge- 
richtlichen Reden, deren Gegenstand Anklage oder 



f 



368 Rednerisehe Sehreibart. 

Verthei^igung war (yivo^ SixavucoVy genua judiciak\ 
zweitena die berathschlagenden Reden, in welcjieii 
über politische Angelegeoheiten, Krieg und Frieden, Ge- 
setze und EiDrichtußgen verhandelt ^iirde {yivog cvfL- 
ßovXsvTMoVf genus deliberathmm\ drittens die Xiobre- 
den, welche die Verdienste eines Lebenden oder Ver- 
storbenen verhcrrticbten {yivog in^eixrucop, genus de- 
mon9ir€iikmm^ laudatorium). 

§. 454. 

Zu dieser Staatsberedsamkeit kommt aber bei uns 
noch ala zweite Hauptgattnng die geistliche Bered- 
samkeit, welche dem classischen Alterthume gänzlich 
fremd war. Sie will nicht 'sowohl zu einem aogenblick- 
liehen Entschlüsse bewegen, als eine dauernde Vervoll- 
kommnung der gesammten Denk- und Handlungsart be- 
wirken. Sie tritt nicht mit der Ungewifsheit auf, Aecht 
oder Unrecht zd .behalten , sondern hat die anerkannte 
Wahrheit zum Inhafte, welche sie nur mehr oder minder 
vpUkommen ausspricht. In ihr hat das Wort die höch- 
ste Bedeutung gewonneo, als Wort Gottes, das verkün- 
digt wird. 

§. 455. 

Auf beide Qauptgatlungen findet, die JEintheiluqg in 
lehrende, erweckende' und Jsewegende Reden An- 
wendung. Aber wcjan eine dieser drei Eigenschaften der 
Rede vorherrscht, so schliefst sie doch die beiden ande- 
ren nicht aus. Vielmehr sind in jeder Rede die drei rhe- 
torischen Zwecke: Unterricht, Ueb erzeugungund 
Rührung des Zuhörers, so genau vereint, dafs gegen- 
seitig die Erreichung des einen das Beförderungsmittel 
des andern wird. Dadurch, dafs der Redner den Ver- 
stand deutlich und vollständig von den Gegenständen, 
die er vorträgt, unterrichtet, überführt er denselben von 
ihrer einleuchtenden "VV^l^rbeit; und eben diese lebhafte 
Ueberzeugung wird dann eine Aufforderung für den Wil- 
len, seine Entschlüsse der erkannten Wahrheit gcmäfs zu 

len- 



Rednerische Schreibart. 309 

lenken y und eine Anregung für das Herz, innig davon 
ihpr^hdrungen zu werden« 

§. 456. 
Die einzelnen Theile einer Rede, welche der 
Redner vor der Ausarbeitung entwirft und fiberdenkt, 
sind so yiele Beförderui(g8mittel dieses dreifachen Z^ek- 
kes. Durch den Eingang, der auf den Endzweck der 
Rede nur vorbereitend hinwirkt, werden die Gemüther 
empfänglich, aufmerksam und dem Redner geneigt ge- 
macht. Dieser Theil der Rede, welcher die Zuhörer 
meist noch theilnahmlos findet, mufs sich durch beson- 
ders sorgfältige Ausarbeitung, durch leichte Verständlich- 
kejt und durch würdige Bescheidenheit empfehlen. Hier- 
^auf folgt die Exposition oder Darlegung und Glie- 
derung des Hauptgegenstandes, sei diefs nun eine be- 
sondere Thatsache, die erzählend vorgdtragen wird, 
oder eine allgemeine Wahrheit, die der Redner didak- 
tisch ausspricht; sodann die Argumentation oder nä- 
here Erörterung und Ausführui|g durch Beweise und 
Gründe, womit Widerlegung der Gegengründe und Yer- 
tbeidigung der behaupteten Wahrheit verbunden werden; 
und endlieh der Beschlufs, worin die erwiesenen Sätze 
kurz und eindringlich zusammengefafst, auch von der prak- 
tischen Seite dargestellt, und die Gen^üther der Zuhörer 
zu Gesinnungen und Entschlüssen ermuntert werden. 

S. Arittot. Rhet. L. III. e. XIIL — Cic. OnUor. §, 124. ^ 
Principe» pour la ieciure de$ Orafetcnr, L. JV, — Dr. Blair* $ 
Leci. XXXL XXXII. 

§. 457. 
Unterricht und Ueberzeugung - werden in der Rede 
hauptsächlich durch Erklärung und Beweise bewirkt. 
Jene besteht in der Erörtei^ung des abzuhandelnden Saz- 
zes und in der Entwickelung der darin liegenden Begriffe. 
Ist sie zur völligen Ueberzeugung schon hinlänglich, so 
bedarf es keiner weitem Beweise, die nur eine mittel- 
bare Ueberzeugung dadurch bewirken, daCs man die Haupt- 

Eschenb. Th. 24 



370 Rednerische Schreibart 

begriffe mit verwandten Yorstellnngen rergleicht, önd 
)ene doi^ch diese erläutert und unterstützt. Unmittelbir 
einleuchtende Evidenz entspringt in der Rede 'entweder 
aus Axiomen, die schon für sich klar sind, oder aus dem 
innem Bewufstsein und Selbstgefühl, oder aus der Za- 
Stimmung des gesunden Menschenverstandes. Die erste 
Art hat man die metaphysische, die zweite die physische, 
imd die dritte die moralische Evidenz genannt. 

S. Cümpbell'B PkUoMopky of Ehetaric, B. L Ch. F. Stet. L 

§. 458. 

Mittelbare Ueberzeugung, welche durch Gründe 
und Beweise bewirkt wird, läfst sich auf zwei Haupt- 
quellen zurückführen. Sie entsteht entweder aus den 
unwandelbaren Eigenschaften und Verhältnissen allgemei- 
ner Begriffe, oder aus dem wirklichen, wenn gleich wan- 
delbaren Zusaromenhiinge der Dinge. Jene sind der Grund 
der demonstrativen, dieser ist die Quelle der moralischen 
Gewifsheit. Hierauf gründet sich die zwiefache Einthei- 
lung der Beweise in solche, die aus den Begriffen (a 
priori) und in solche, die aus der Erfahrung {aposie^ 
riori) geführt werden. Für den Redner, der nicht blos 
an den Verstand und die Vernunft, sondern auch an das 
Gefbhrund die Einbildungskraft sich wendet, ist die letz- 
tere Art von Beweisen bräuchbarer als die erstere, die 
sich mehr für die strenge Methode des Philosophen 
eignet. 

S. Campbell' i Pkiloiophy of Rhetme, B. L Ch, V, — Eiae 
voUstlndige Theorie der Beweise s. in Mellin*« Ency- 
Uopid. WörlMrbacha der kritischen Philosophie, B. I. Abth. 2. 
S. 654 

§. 459. 

Erfahrungsbeweise haben eine zwiefache Quelle: 
Anschauung oder sinnliche Wahrnehmung, sowohl innere 
als ttubere, und Gedächtnifs. Die Erfahrung schränkt sich 
nicht auf einzelne aus diesen Quellen geschöpfte Kennt- 
nisse ein, sondern gründet sich auf die Vergleichung, Ver- 



/ 



Rednerische Schreibart. 371 

knüpfung und oftmalige Anwendung derselben. Man be- 
.ruft sie]) daher in solchen Beweisen nicht blos auf einen, 
sonderh auf mehrere einander ähnliche Fälle, woraus man 
den vorliegenden Fall beurtheilt und erklärt Eine sich 
immer gleich gebliebene* Erfahrung ist der Grund mora- 
lischer Gewifsheit; da uns hingegen veränderliche Erfah- 
rung, die aber doch in den meisten Fällen zutraf, nur 
zur problematischen Gewifsheit, zu.Yermuthungen und 
wahrscheinlichen Folgerungen berechtigt 

§. 460. , 

Yon ähnlicher Art, aber von geringerer Bündigkeif, 
sind die analogiscbcn Be\f eise^, welche die Beschaf- 
fenheit einer Sache aus ihrer Zusammenstimmubg und 
Aehnlichkeit mit andern Gegenständen darthun, in denen 
man gleiche oder ähnliche Beschaffenheiten wahrnimmt. 
Je gröfser und mannigfaltiger diese Aehnlichkeit ist, de- 
sto mehr gewinnt die Kraft dieser Beweise, die zwar 
keine völlige Gewifsheit, aber doch mit andern verbun- 
den, einen höhern Grad von Wahrscheinlichkeit bewir- 
ken können. .Noch mehr aber dienen sie zur Beantwor- 
tung gemachter Einwürfe. Beispiele, die jedoch nur 
Erläuterungen, nicht eigentliche Beweise sind^^gehören 
gleichfalls hieher, und können wenigstens zur Bestätigung 
und gröfsern Anschaulichkeit der erwiesenen Wahrheiten 
dienen. 

§. 461. 

Historische Beweise beruhen- auf Zeugnifs 
oder auf Aussa'gen Anderer von ihren Wahrnehmungen. 
Selbst ein grofser Theil unserer Erfahrungsbeweise ge- 
hört eigentlich in diese Classe, indem wir uns dabei öf- 
ter auf fremde als auf eigene Erfahrungen berufen. Die 
Gültigkeit dieser Beweise aber hängt von der gröfsern 
oder geringern Glaubwürdigkeit der Zeugnisse ab,. wobei 
sowohl die Natur der Sache selbst, als die Person des 
Zeugen, der Anlals seiner Aussage, seine dabei gehabte 
Absicht u. 8. f. in Betrachtung kommen. Der Redner 

2i* 



\. 



S72 Rednerische Schreibart 

setzt indeffl diese Glaubwürdigkeit mebr voraos, als dafs 
er sich mit umständlicher Untersuchung derselben beschäl- 
/ tigen sollte. 

§. 462. 

Nicht blos die Güte und die Bündigkeit der Beweise, 
sondern auch ihre schickliche Stellung und Folge ist 
dem Redner zur Erreichung seiner Absichten beförder- 
lich. Gemeinlich ist es rathsam, die'leichtesten und fals^ 
liebsten Beweise vorauszuschicken , dann die schwereren 
nicht nur vorzutragen, sondern mit möglidister Genauig- 
keit zu entwickeln, und diejenigen bis' gegen den Schlufs 
der Rede zu versparen, die ^owohl durch ihre innere 
Sttfrk^, als ^urch ihre praktische Anwendbarkeit, die 
Ueberzeugung des Zubörars am sichersten vollenden. 
U^brigens fodem die Beweise, wie überhaupt alle ein- 
zelnen Theile einer Rede, den natürlichsten Zusammen- 
bang des Vortrages, und leichte ungezwungene Ueber- 
gange. 

§. 463. 

Der Redner sucht, wie schon bemerkt worden, nicht 
blos auf Verstand und Vernunft, sondern vorzüglich auch 
auf Einbildungskraft und Gefühl zu wirken. Er wird die 
Einbildungskraft seiner Zuhörer lebhaft erregen, und 
dadurch ihre Aufmerksamkeit iesselii, wenn er Neuheit, 
Lebhaftigkeit und Würde der Gedanken und des Aus- 
druckes vereiüt. Selbst die Ueberzeugung des. Zuhörers 
wird durch lebhaftere Vorstellungen stärker und leben- 
diger werden. Eben dadurch wirkt er auch auf das Ge- 
dächtniCs; in^em man nicht nur den Hauptinhalt seiner 
Rede, sondern auch den Zusammenhang ihrer Ausführung 
desto leichter fassen und behalten wird, je lebhafter sein 
Vortrag ist. Auch durch eine lichte Ordnung und na- 
türliche Folge aller Theile dieses Vortrages kann er dem 
Gedächtnisse zu Hülfe kommen. 

§. 464. 

Vornehmlich aber ist die Erregung des Gefühls 



Rednerische Schreibart. 373 

und der Leidenschaften ein Geschäft des Redners, und 
ein wirksames Befördrungsmittel der Ueberzeugung. Durch 
Anregung des Gefühls werden zugleich alle unsre Gedan- 
ken und Vorstellungen belebt; und die Zuhörer werden 
dann nicht blos zum Beifall, sondern zu Entschlüssen 
und zur ausübenden Thätigkeit überredet, wenn die Errei- 
chung der ihnen als wünschenswerth dargestellten Zwecke 
ihren Neigungen und Wünschen wirklich gemäfs ist. Die 
Pflicht des Redners besteht also nicht blos in der Er- 
regung dieser Neigungen, sondern auch in der üeber- 
ffihrung des Zuhörers, dafs die Ausübung dessen, was man 
▼on ihm fodert, denselben zustimmen und sie befriedigen 
' werde. Und so wird allemal auf Verstand und Herz ge- 
meinschaftlich gewirkt; so zeigt der Redner zugleich die 
Wohlthätigkeit des Zweckes, indem er die Schicklichkeit 
der Mittel darthut. Gründe dieser Art, die nicht blos 
deh Verstand belehren, sondern den Willen zur Thätig- 
keit bestimmen und erwecken, heifsen daher Bewegungs- 
gründe. 

§. 465. 
Das allgemeinste Mittel zur Erregung der Leiden- 
schaften, dessen sich der Redner bedient, ist die Erwek- 
kung lebhafter Vorstellungen von dem Gegenstande sei- 
ner Rede, insofern überhaupt sinnliches Gefühl der stärk- 
ste Antrieb der Leidenschaften ist, welcher zwar minder 
lebhaft, aber immer noch stark genug, auch durch Ge- 
dfichtnifs und Einbildungskraft wirkt. Je glaubwürdiger 
und wahrscheinlicher daher der Redner seine Gegenstände 
macht, je wichtiger er sie darstellt, je mehr er die Be- 
ziehungen der Wahrheiten auf ihn selbst und seine 
Zuhörer in Ansehung der Zeit, des Orts, der Personeu, 
Ton denen die Rede ist, der Folgen u. s. f. beachtet, 
und davon in seiner Rede Gebrauch macht, desto mehr 
Eindfnck und leidenschaftliche Theilnahme darf er erwar- 
ten. Auch können oft andre Leidenschaften und.mora^ 
lische Gefühle, z. B. der Ehre, der Billigkeiti der Vater- 



/ 



374 Rednerische Schreibart. 

landsliebe d. 8. f., dip za erregende Hauptleideaschaft be* 
fördern and unterhalten. 
8. CampbtUy L e. B. L Ch. VIL 8ecL V. 

§. 466. 

Indem vnr fibrigeils diese herkömmlicben, von Aristo- 
teles , Cicero, Quintilian u. A. ausgeführten Sätze über 
die rednerische Erregung der Gemiltbsbewegungen und 
Leidenschaften (na&ri^ adfectus) VFiederholen, haben fvir 
uns gegen das nahe liegende Misverständnifs zu ven^ah- 
ren, als wollten wir die Leidenschaft, welche eine ver- 
nunftwidrige Tbätigkeit des Begehrungsvermögens ist, oder 
auch den rein sinnlichen und pathologischen Affect zu ei- 
nem Wirkungsmittcl der Sehten Beredsamkeit erheben. 
Der wahre oratoris^he Affect, der im Redner wirkt und 
im Zuhörer geweckt wird, ist die Begeisterung, ver- 
möge welcher der Mensch in den Einen Gegenstand, der 
ihn eben beschäftigt, mit ganzer Seele sich versenkt und 
darin aufgeht. In diesem Sinne ist die affectvolle Rede, 
die einen gleichen Affect im Zuhörer anregt, auch von 
der christlichen Beredsamkeit nicht ausgeschlossen, viel- 
mehr enthalten die Reden der Apostel und Christi selbst 
Beispiele vqu heiligem Affect, vou edlem Unwillen, von 
entzückter Begeisterung. 

Ari$ioL Rhetor. 11, 1. Cicero de orat. IL 43 «f. Quinti' 
lian, VL 2. Ueber den Unterschied, welchen der Sprachge- 
brauch zwischen dem einheimischen nnd dem fremden Worte, 
Leidenschaft nnd AfTect macht, und wonach der Beredsamkeit 
wohl Affect, aber nicht Leidenschaft zukSme, 8. The rem in, die 
Beredsamkeit eine Tugend, S. 102 ff. und Schott, Theorie d. 

* Beredsamk. U. S. 380 ff. 

§. 467. 
In manchen Fällen ist die Absicht des Redners nicht 
Erregung, sondern Dämpfung der Leidenschaften, 
nämlich solcher, die seinem Zwecke entgegen wifken. 
Hier bemüht er sich, theils die Triebfedern solcher Lei^ 
denschaften zu vernichten oder doch zu schwächen, theils 



Rednerische S<Jhreibart ^ S75 

sie durch andre ihm günstigere Affecte zu verdrängen. 
lo der erstem Absicht dient ihm oft gegen ernsthafte aber 
falsche Gegengründe die Waffe der Ironie, des Spottes, 
überhaupt des Lächerlichen. Je mehr er den scheinbar 
ren Werth der Gegenstände, oder die vermeinte Glaub- 
würdigkeit der Meinungen, von welchen die Gemüther 
seiner Zuhörer eingenommen sind, zu zerstören weiCs, 
desto leichter wird er den würdigeren Gegenständen 
Eindruck, und den richtigeren Grundsätzen Eingang ver- 
schaffen. 

§. 468. 

Um in dieser Lenkung der Affecte und Leidenschaf- . 
ten, so weit sie mit bewufster Kunst sich erreichen läfst, 
glücklich zu sein, bedarf der Redner einer vertrauten 
Kenntnifs des menschlichen Herzens, jeder eiur 
zelnen Leidenschaft, ihrer geheimen Triebfedern, ihrer b^ 
sondern Wirkungsart, ihrer mannigfaltigen Erweisungen 
und Eicdlüsse. Aber er mufs auch selbst von den Ge- 
müthsbewegungen, die er erwecken und unterhalten will, 
innig ergriffen, und von der Wahrheit, die. er Andern ein- 
leuchtend zu .machen wünscht, lebendig überzeugt sein. 
Eine stete Bücksicht hat er auf die Beschaffenheit sei** 
ner Zuhörer zu nehmen, um Vortrag und Beweise ihrer 
Fassungskraft und Sinnesart gemäfs einzurichten. Ein ge- 
wisser Grad von Popularität ist fast jeder Rede un<^it<^ 
behrlich. Sein eignes persönliches VerbältniCs gegen die, 
zu denen er redet, darf der Redner nicht aus der Acht 
lassen, insofern sein Ansehen bei ihnen nicht wenig zur 
Eindringlichkeit seines . Vortrages mitwirkt; da hingegen 
ihr Vorurtheil wider seine Einsichten oder seinen mora- 
Uschen Charakter leicht die Wirkung der vollkommen- 
sten Beredsamkeit schwächen oder zerstören kann. Doch 
ziemt das Bestreben, den Zuhörer persönlich zu gewin- 
neu, mehr dem politischen als dem geistlichen Redner. 

§. 469. 

Der Stil einer Rede ist, je nach dem verschiedenen 



ft76 



Rednerische Schreibart 



oncl wecbselnden Inhalte, noannigfaltig. Der Redner be- 
dient sich aller drei Haaptgattangen der Schreibart: der 
leichten und fafs liehen zur Belehrung, und Ueberzen- 
gang in der Exposition, Entwickelung und Bestätigung 
seines Satzes; der mittlem zur Belebung des erklären- 
den und beweisfßhrendcn Vortrags, zu Schilderungen, Be- 
sehreibungen und Nebenbetracbtungen; und der erhabe- 
nen Schreibart in affectvollen Steilen, wo er die Einbil- 
dungskraft anregt, und das Gemüth ersehflttert^ Der ora- 
torische Wohlklang ist in keiner Gattung so we- 
sentlich ab in diesen 

§• *70. 

Da die Reden zum mündlichen Vortrage be- 
stimmt sind, und ein Theil ihres Eindruckes von der Be- 
schaffenheit 'desselben abhängt: so mufs der Redner eipe 
richtige und gefallige Declamation besitzen. Diese fo- 
dert: Deutlichkeit und Vernehmlichkeit der Stimme, Wohl- 
klang derselben in Ansehung ihrer Hebung und Senkung, 
ihrer verhältnifsmäfsigen Eile und Langsamkeit, und völ- 
lige Uebereinstimmung des Tones mit dem Inhalte der 
Rede. Unf sich diese Vollkommenheiten zu erwerben, 
wird natürliche Reinheit, Stärke und Umfang der Stimme, 
Biegsamkeit und frühe Ausbildung der Sprachwerkzenge, 
häufige Uebung, aufmerksame Beobachtung der Natur, 
und bei dem Vorfrage selbst wirkliche innigste Theil- 
nähme an dem Inhalte desselben erfodert. 

TcrgL §. 3Ö2.; 8. aarserdem Cic de Orai. IIL 60. Orator. e. 17 
$q. Auetor ad Herennium, IIL 11—16. QuintiL XL 3. — 
Prineipes pourlm leeiure dei ormieurs, L. VI. — Dr, Biair'i 
Leci. XXXIIL üebers. Vorics. XXX. - Cladiu» Abrilli 
der Vortragskantt; Hildetbeim 1810. 8. — F. Rambach*« 
Fragmente fib. Declamation; Berl. 1800. 8. — Kerndörfer An- 
leitang zur gründlicben Bildang des guten dedamatoriscben Yor- 
traga; Leips. 1823. 8. Viele andere Werke fiber diesen Gegen- 
stand Bind angeföbrt bei Schott, Theorie der Beredsamk. Bd. 
m. Abth. 0. S. 254 £ 



V Rednerische Schreibart. 377 

§. 471. 

So ist auchilie Gebehrdensprache oder Action 
ein wichtiges Beförderungsmittel des rednerischen Zwek- 
kes. Stellung und Anstand des Redners, Ausdruck und 
Veränderung der Gesichtszüge, Bewegung der Hände, der 
Arme, ja des ganzen Körpers, stehen ebenso wie die 
Stimme in einem physiologischen Zusammenhange mit der 
Seele des Redenden und sind ein*sjmboIischer Ausdruck 
seines Innern. Aber auch hierin ist der Unterricht, den 
Natp, Beobachtung und eignes Gefühl ertheilen, lehrrei« 
eher als alle Theorie. Wenigstens ist nicht viel gewon- 
nen durch dergleichen Regeln: Man müsse durch seine 
Gebehrden nicht einzelne Worte malen, sondern ganze 
Gedanken und Empfindungen ausdrücken, sie nie bis zur 
Verzerrung und gewaltsamen Anstrengung übertreiben, und 
in Ansehung ihrer gröfsern oder geringem Lebhaftigkeit 
den Inhalt, Ort und Anlafs einer jeden Rede in Erwä- 
gung ziehen. * 

S. Cicero n. Quintilian a. a. O. — Plin. Epist IL 19. — 
J. J. Engel's Ideen za einer fflimik; Berl. 1785—86. 2 Bde. 
8. — Gilbert JuMtin Chirönomiai Land. 1966. 4. ; deniseh, 
anonym, bearbeitet yon.Uichaelis: die Kiinat der rednerischen 
and theatralischen Declamation, mit 152 Figaren; Leipz. o. J. 8. 
Vortrefflich behandelt Maafs, Rhetorik §. 203 ff., die Gebehr- 
den als symbolischen Ausdruck des Innern. Eine naturphiloso- 
pbische Constmction der Mimik giebt der Graf Ton Buquoy 
in seinen philosophischen- Anregungen« 

§• 472. 
Auä diesem Allen ergeben sich die^mannigfaltigea 
Fähigkeiten und Eigenschaften, die zu einem vollkomm- 
Den Redner erfodert werden, wenn er der ganzen 
Bestimmung und möglichen Wirksamkeit seiner Kunst 
Genüge thun will. Theils gehören dazu natürliche 
Talente: Beobachtungsgeist , Scharfsinn , Geschmack, 
St&rke des Geistes, Witz, Phantasie, Gedächtnifs, Innig- 
keit des Gefühles, auch Vollkommenheit und Fertig- 
keit der Sprachwerkzeuge; theils erworbene Fähig- 



S78 Bedoerische Schrabart 

keifen: KeDDtiiiü der meiMcfalidien Nator, gesmide Phi- 
losophie, Stadiam der Geschichte, Bekaniitfidiaft nk da 
rhetorischeo Rei;e]o nod öftere yorlSofige Uebong ia 
schriftlichen Aufsätzen sowohl als im möndlidien Yor- 
Irage. 

S. Cieeronii Oratorj wo Jas Ueal eines Redaen cntworfie« 
wird; de OratM L. L c. IX. XXVUL u. s. £ — Quintil 
L.Xi.e.^ 

§. 473. 

Die bisher vorgetragenen Bemerkungen betrafen die 
Reden Oberhaupt, und lassen sich auf jede Gattung der- 
selben anwenden. Aber es giebt bei einer jeden dieser 
Gattungen nocht einige besondre Erfordernisse. — Die 
politische Beredsamkeit setzt zuvörderst bei dem Red- 
ner gewisse Eigenschaften voraus, die aufserhalb der rhe- 
torischen Kunst liegen, nämlich genaue Kenntnis der 
Rechte und der Verfassung seines Staates, gründliches 
Urtheil über die Mittel, das Beste desselben! zu beför- 
dern, Moth und Entschlossenheit, allen Hindernissen kräf- 
tig entgegen zu treten, völlige Freiheit vpn Eigennutz 
and blinder Leidenschaftlichkeit. Aber zugleich bietet 
auch die rhetorische Kunst des Staatsredners alle Mittel 
auf, um die Gemüther zu Beherrschen, und sowohl zu 
kraftvollen Entschlüssen und Thaten anzuspornen, als von 
Uebereilungcn zurückzuhalten. -^ Mit dieser politischen 
Beredsamkeit, welche die Zuhörer für das Beste des Staa- 
tes gewinnt, ist die panegyrische Redekunst verwandt, 
wenn sie Verdienste Einzelner um den Staat erhebt und 
als Muster der Nacheiferung aufstellt. Die Lobreden auf 
Gelehrte schliefsen sich an die akademische Redekunst 
an (s. §. 475.). ' ' ^ 

Vergl. Principei pour la lecture de$ Orateun, L, 1. Ch. 3, Sect. 
J. De Veloqufince polittque» — Hssay sur Veloquence poliiique 
par M. Jay, bei der Aasg. der Diseoun du gener al Foy; 
Parti 1826. 2 Voll 8. — Ena* $ur U$ Moge$ par Tkoma$,' 
Par. 177a 8. 



N 



Rednerische Schreibart 879 

§. 474. 

Bei der gerichtlichen Beredsamkeit wird im 
Allgemeinen eine gründliche Bechtskunde, fm Besondem 
aber eine genaue und vollständige JECenntnifs des vorlie^ 
genden Bechtsfalles, und wo möglich Bekanntschaft mit 
dem Charakter und Lebenswandel des Anzuklagenden 
oder Scbutzbedörftigen vorausgesetzt. Vermöge der rhe- 
torischen Kunst aber weifs der gerichtliche Jledper die 
verständige Ueberzeugung des Richters nicht allein durch 
klaren und zweckmäfsigen Vortrag zu erreichen, sondern 
auch durch Einwirkung auf sein Geroiith mächtig zu un- 
terstützen. In der Exposition selbst, welche bei gericht- 
lichen Reden meist in Erzählupg ^^r Thatsachen besteht, 
weiCs er diejenigen Umstände, welche ^seiner Absicht gün« 
stig sind, schicklich hervorzuheben, die ungünstigen hin- 
gegen in Schatten zu stellen, und somit der folgenden 
Beweisführung glücklich vorzuarbeiten. 

S. Cie. Orat. c. 34. 35. — Principe$ pour la lecture de$ Ora* 
teurtj L. I, Ch, 3. Sect, 3. De Veloquence du Barreau, -r» 
Zachariae Anleitang zar gerichtlicheii Beredsamkeit; Heidelb. 
ISIO. 8. — £. Boinvilliers Prineipes et moraaux ehoi§i$ 
d*äoquence judiciaire; Par, 1826. 8. 

§. 475. 

Die hohe Bedeutung der geistlichen Bere^am- 
keit ist schon oben §. 454. ausgesprochen worden. Im 
Gegensätze zur bürgerlichen Redekunst, welche eine au- 
genblicklich zweckmäfsige Entscheidung zu beabsichtigen 
pflegt, ist die geistliche Rede bestimmt, als das Werk ei- 
ner christlichen Gesinnung un^ Erleuchtung jene das Ge- 
müth erfüllende und im I^ebenswandel sich bewährende 
Richtung des Geistes auf das Ewige hervorzubringen, wel- 
che man christliche Erbauung nennt. Uebcr die beson* 
deren Erfordernisse der geistlichen Rede und ihrer ein- 
zelnen Theile (Gebet, Eingang, Uebergang, Thema, Eih- 
theilung, Ausführung /Beschlufs) giebt die Homiletik 
nähere Regeln an die Hand. — Noch erwähnen wir bei- 



ttO Aedoerische Schreibart 

ISofig die akademischen und Schulreden, welche 
gewöhnlich dnen wissenschaftlichen Gegenstand behan- 
deln. Die neuere Beredsamkeit besitzt einige Master 
dieser Art. 

S. iVsaetpes pow la Leeture de$ Oraieur$, L. L Ch. III. Sect. 
4. De VElQ^uence de la Chaire, --> Maurif £«sat iur l'äo- 
quence de Im Chaire^ nouo. id. Par. 1810. 2 Voll 8.^ — Jl 
Ckeneviere Obeervationa sur Veloquence de la Chaire; Ge- 

s nhe 1824. 8. — Dr. Blair* $ Lect. XXIX.; Uebets. Vor- 
lea. XX Vn. — Theodor, oder die Kaott za predigen; eine 
Unterredoog» ans dem Engl, des Fordyce; Leipz. 1780. 8. -^ 
.Yier'Abbaodlongen ttber einige wichtige nnd gemeinnfitzige Wahr- 
heiten der Homiletiic, Ton Spalding, Salzmann nnd Rese- 
witz; Bert. 1783. 8. — A. H. Niemeyer*s Handbach för 
christliche Religionslehrer; 5te Aufl. Halle 1805—7. 2 Bde. 8. 
— C. F. Ammon's Handbuch der Anleitung zur Eanzelbered« 
■amkeit; dte AnfL Nfimbcig 1826. 18. — J. A. H. Tittmann 
Lehrbuch der HQmiletik; Leipz. 1824. 8. ^ F. Y. Reinhard 
Gestindnifs, seine Predigten u. s. Bildung zum Prediger betref- 
fend; 2te Ausgabe, Sulzbach 1811. 8. -^ Maafs Gmndrils der 
Rhetorik, §. 358. — ' Schott's Sfter angeföhrte Theorie. 

^ §. 476. 
Die griechische Beredsamkeit war kein Gemein- 
gut des hellenischen Volkes, sondern bildete sich aas- 
schliefslich in Athen zur höchsten Vollkommenheit aus. 
Die übrigen Staaten Griechenlands brachten nicht Einen 
berühmten Redner hervor. - la Sicilien aber entstand, 
sehr frühzeitig schon, dijs Theorie der Bedekunst, wel- 
che, Ton den Athenern in Bedoerschulen weiter gebildet, 
die Beredsamkeit zu. einem Grade von Verfeinerung stei- 
gerte, der nach dem Verluste der athenischen Freiheit 
allmählig in rhetorische Künstelei ausarten mufste. UD' 
ter den zehn attischen Rednern, die der alexandrinische 
Kanon füf classisch erkennt, möchten Demosthenes, 
Aeschines, Lysias und Isokrates die grö&ten 
sein. 

lieber die Redner des AUerthnms s. Platarch's Lebensbeschrei- 
bungen der zehn attischen Redner; Ciceronii Brutue^ s. de da- 
ri$ oratoribut. — Viee de$ anciene Orateun Greci,' avee dei 



Rednerische Schreibart 381 

R^xioMM wr teur Ehquence ; Par. 1752, 2 Fotf. 12. — J>ap. 
Ruhnkenii HUtoria Critica Orator. Oraecor. in der Reis- 
kischea Samml. Bd. VIII. S. 122. — A. Westermano Ge- 
schichte der Beredsamkeit in Griechenland nnd Rom; Leipzig 
1833—35. 2 Bde. 8. — Manso Ueber die Biidang der Rheto- 
rik anter den Griechen, in dessen Vermischten Abhandhingen; 
Bresl. 1821. 8. — Douxe Diuertations $ur Vorigine et le$ prth' 
grh de la Rhetorique et de VEloquence chez les anciene GrecM^ 
in den Mem. de VAcad. des Itucr. 7. XIII-XXXVL — Ora- 
torum Graecorum Monumental ed, J. J. Rei$ke; Lip$, 1770* 
1775. 12 Voll. 8. — Oratores Attici ex rec. Imm, Rekkeri; 
O:roit. 1822-23. (ond Berlin 1823—24.) 5 VolL 8. Einen 
neuen Abdruck der Redoer besorgte Dobson. — Demo$the^ 
nis Orationes, ed. Hier, WolfiuM; Ras. 1572. /o/., c. J. Tay 
lor^ Vol. IL in.; Cantabr. 1748 e# 1757. 4., hei Reis ke Vol. 
I. IL IX' XI.^ danach ed. correctiory cur. Schaefer; Lond. 
1822—24. 4 Voll. 8. und Apparatus, Lond. 1824—27. 5 Voll. 
8. — Demostk. et Aeschinis, quae supenunt^ omnia^ c. Äthan. 
Auger; Par. 1790. 4 Tom. I. Einzelne Reden : de Pace, cur» 
CK. D. Reck; Lips. 1799. 8. adver sus Leptinem, c. F. A. 
Wolf; Hai. 1789. 8. ed. IL cur. Rremius; Tur. 1831. 8. 
de Corona c. Th. Cph. Hartes; Lips. 1814. 8. Philippicae 
ed. Voemel; Lips. 1829. 2 Fo//. .8. Midiana ed. Ph. Rutt- 
mann; ed. IL Rerol. 1833. 8. Demoslhenes Staatsreden, übers, 
▼on F. Jacobs; Leipz. 1805. 8, Phiiippische Reden, übers. 
Ton A. G. Becker; neue Bearb. Tb. I. II. Halle 1824-26. 8. 
Yergl. Demosthenes als Staatsbürger^ Redner und Schrirtsteller 
Ton A. G. Becker; Abth. 1. 2. Qaedlinb. und Leipz. 1830 — 
34. 8. — Aeschinis Orationes tres^ c. n. Taylori et va^ 
rior. in Reiskii Or.Gr. Vol. II L IV. Aeschinis oratoris 
opera ed. Rremi; Turici 1823. 2 Voll. 8. — Lysiae Oratt. 
c. Taylor ; Lond. 1739. 4. ap. Reisk. V. VI. c. Auger; Par. 
1783. 2 V. 8. c. F. C. Alter; Vindob. 1785. 8. ed. C. Foertsch; 
Lips. 1829. 8.; ed. J. Franx; Stuttg. 1831. 8. — Isoer a- 
tis Orationes XXL ed. H. Wolfii; Ras. IblO. fol. c. Ouil. 
Rattie; Cantabr. 1749. 2 Voll. 8. e. Ath. Auger; Par. 
1782. 3 Voll. 4. c. W. Lange; Hai. 1803. 8: ed. Coray; 
Par. 1807. 2 Voll. 8. Einzeln Iso'cratis Panegyricus c. Mori 
suisq. annott. ed. Guil. Dindorf; Lips. 1826. 8./ ed. Spohn^ 
td. IL cur. J. G. Raiterus; Lips. 1831.8. de Pace nnd Eua- 
gorasj herausg. Ton Lelonp, Mainz 1826. 1828. 8. 

§• 477. 
Eine besonders hohe Bedeutung bat die Beredsam- 



S88 Rednerische 

keit der Römer, als die eigenthOInlichste Blüthe ihrer 
Nationallitteratur. Nicht ursprünglich auf NachahmuDg 
der Griechen gegründet, sondern aas dem charakteristisch 
römischen Sinne für Recht und Politik hervorgegangen, 
und während der lebendigen Enfwickelung des Staatsle- 
bens durch eine Reihe grofisef Männer ausgebildet, ge- 
wann sie die höchste Vollendung in Cicero, der mit 
den glücklichsten Naturgaben, Rechtskenntnifs und poli- 
tische Erfahrung, aber auch das sorgfältigste Studium der 
Kunstregeln und griechischen Vorbilder verband. Wir 
haben von ihm 56 gerichtliche und Staatsreden. Weit 
unter diesen Mustern steht die gekünstelte Lobrede des 
jungem Plini US auf den Kaiser Trajan. Die unter dem 
Namen Quintilian's erhaltenen Declamationen sind nur 
rhetorische Uebungsstücke. 

We8termano*s ang^C Werk. *- ßurigny ntr Viloquenee cht 
Ire Jlomatiit, in deo Mem. de VÄcad, des trucr, T. 36. -^ Ci- 
eeronii OraHoneu ex rec. Graevii; Amst, 1699. 6 Voü. 8. 
€. Ck. D. Beck; Lip$. 1795 — 1807. 4 Voll 8. und In den 
Gesammtansgaben der Ciceroniscben Werlce Ton Ernesti, 6a- 
ratoni, Schutz, Grell i. Cicero's anserles. Reden fibers. Ton 
F. C. Wolff; Bd. 1—3. Altena 1805 — 17. 8. P. Manutii 
Commeni. in dcer. Oratt. c. Ch. Gl Richter; Lips. 1763. 
8. — C. Plinii Secundi PanegyricUu %n Trajanum Imp. ed. 
C. Q. Schwarz; NorimbAUe, 4., ed^Gl C. Gierig; Lif* 
1796. 8., abers. Ton ScbSfer; Ansb. 1784. 8., v. Wigand; 
Leipz. 1796. 8. — Panegyrici Veterei, ed, W. Jaeger; No- 
rimb. 1779. 2 Vott. 8. ed, H. J, Arntxen; ^Traj\ ad Rh, 
1790 — 92. 2 Voll 4. Ueber diese Pmnkreden Gallischer Rbe- 
toren s. Heyne Opuse. VI. 5. 6. — Quintiliani DeekoM- 
iione$ CLXIV. ed. Pet Burmann; Am$t. 1720. 4. 

§. 478. 
unter den Rednern der Italiener hat sich keiner 
einen classischen Namen erworben. Weit bedeutender 
eind die französischen Redner, vornehmlich die Geist- 
lichen Bourdaloue, Massillon, Bossuet, FI^' 
chier, Saurin; femer die gerichtlichen Redner Patro, 
Daguesseaa» an welche sich seit der Revolution, ^^^ 




idnerische Schreibart. 389 

""^^e höchste Aasbildang gewamiy 

Mirabeaa, B. Coostaut, 

j, und der ausgezeichnete ge« 

L der A eitere anschlössen. Als 

^ i' zeichneten sich Thoinas, Fon^ 

er aus. 

:jcheii Reciner s. Fontanini deW Eloqu^ 

.23. Sammlangen: z. B.^ Oraxioni volgarmente 

i uomtni illmtrif raccolU da Franc. Samo- 

. 1569. 4. Prose Fiorentine, raccolte dallo Smar» 

uico della Crmea (Carlo Dati); Fir. 1661-1722. 

— — Sermons du Pere Bourdalou^e; a Lyoü 

\ r^ .n"" , Voll 12. — Sermons de Massillon; Par. 1763. 13 

'\ ^^ a2. — Recueil des Oraisons funebres par Bossuet; Par. 

^ ..12. — Recueil des Oraisons funebres- par Flechier; 

^^ .r. 1744. 12. — Sermons sur divers textes de VEcriture Sainte, 

«« iur Jaques Saurin; a la Haye 1749. 10 Voll, 8. — Recueil 

t de diverses Oraisons funebres, HarangueSy Discours et autres 

'^ Pieces d*Eloquence des plus celebres Aut^urs i{tf tems; Parit 

1712. 6 Voll. 12. Les oratfiurs, chretiens ou choix des meilleurs 

discours elc; Par. 1820. 20 Voll. 8. — Oeuvres diverses de Pa- 

tru; Par. 1732. 2 Voll. 4. — Oeuvres du Cliancellier Da- 

guesseau; Par. 1764 — 74. 8 Voll. 4. — Collection complete 

des travaux de Mr. Mir ab e au Vaini a Vassemblee nationale; 

'Par. 1791. 5 Voll. 8. Oeuvres oratoires de Mirabeau; Par. 

I 1819. 2 Voll 8. Oeuvres choisies; Par. 1820-21. 8 Voll. 8. 

— - Benjamin Constant Discours a la chambre des Depu^ 

tes; Par. 1827. 2 Voll. 8. — Discours du gener al Foy;Par. 

1826. 2 Voll. 8. — CJtoix de Rapports, Opinions et Discours 

prononces a la tribune nationale depuis 1789 jusqua ee jour% 

Par. 1818 — 22. 20 Voll. 8. Collection des principaux discours 

etc. a la Chambre des Pairs et a la Chambre des Deputes, de» 

puis la Session de 1815, publ, par Cadiot, Par. 25 Voll. 8. — 

Dupin Vaine Memoires et Plaidoyers, 1806 — 28. 18 Voll. 4. 

— Le barreau frangais, par Clair et Ciapier; Par, 1822- 

23. 16 Voll. 8. — Oeuvres de Thomas; Par. 1773. 4 Voll. 

S.^^^Fontenelle Eloges des aeademidens f. %. 445. Cuvier 

Recueil des Eloges historiques des membres de VAcad4mie Roy. 

des Sciences; Strasb. et Paris 1819—27. 3 Voll. 8. s. oben §. 

445. Recueil des püces d*dloquence presenties a VAeademie 

Frangoise depuis 1671 Jusqu'en 1748.; Par. 1750. 2 Voll 12. 



S84 Rednerische Schreibart 

%. 479. 
Bei den Engländern bat die politische and g< 
richtliche Beredsamkeit eine hohe Ausbildung erreich 
Zu den gröfsten ihrer Staatsredner gehören: Pitt 
Barke, Fox, Sheridan, Erskine, Huskisson 
Canning. Auch fehlt es ihnen nicht an trefflichen Kan 
zeLrednern, me T i II o 1 8 o n , Sherlock, Sec^ker, Jor 
tin, Sterne, White, Blair. — In Deutschland 
hat zwar neuerdings auch die politische Redekunst, durcli 
die Verfassung 'mehrerer Staaten begünstigt, aufzublühen 
begonnen, allein bis dahin beschränkte sich der Ruhm 
der deutschen Beredsamkeit fast ausschlieCslich auf die 
geistlichen Redner, unter denen urir nur folgende bei- 
spielsweise nennen: Mosheim, Jerusalem, Spaldin^ 
Teller, Zollikofer, Reinhard, Marezoll, Drä- 
seke, Tzschlrner, Hanstein, Ejlert, Schleier- 
macher, T. Ammon. 

8. Hegewiseh^s Geschichte der englischen Pariamen tsbere^sam- 
keit; Altooa 1804. 8. — HamariThe parliameniary HUtory 
ofEnglflnd, Vol. 1-36., an 1066—1803./ Lond. 1806-20. 
8. Hansard The parliameniary Debates^ VoL 1 — 41. 1803- 
1820. New Seriei Fol 1-25. 1821—29. Third Serie» Vol, 

l*-20. 1830-33. Lond, 8. und andere Samminngen. Aaec- 

dote» of the Life of W. Pitt Earl of Chatham, with hit 
Speeches in Parliament; Lond. 1792. 2 Vols, 4. — Edm. Bur- 
ke's Speeches; Lond, 1816. 4 Vols. 8. — Speeches of Ch. Fox; 
Lond, 1815. 6 Voll. 8. — Parlamentoreden Ton Sheridan siai 
zn Jiondon 1816. 5 Voll. 8. gedruckt — Speeches of Thom. 
Erskine; Lond, 1810. 5 Voll 8. *- The SpeecJies of Will- 
Huskisson; Vol. 1 — 3. Lond, 1831. 8. — The Speeches of 
Oeorge Canningy ed. ky Therry, See. ed. Vol. 1^6.; Lond. 
1830.^8. — Sermons by Archbishop Tillotson; Lonif. 1757. 
13 Vols. 8. — Sermons by Bp. Sherlock; Lond. 1759. 4 Vols. 
8. — iy Archbp. Secker; Lond. 1758. 8. Works; Lond. 
1770. 12 Vpls. 8. — by J ort in; Lond. 1771. 7 Vols. 8. - 
Laur. Sterne's Sermons; Lond. 1760 ss. 4 Vols. 8. — Ser* 
mons by Joseph White; preaehed before the üniversHy of 
Oxford; Lond. 1784. gr. 8. — 6y Hugh Blair ^ a nev edi- 
tion, Lond. 1815. 5 VoU. 8.; deutsch Ton Sack nnd Schiei>)r- 
macher; Leips. 1781 — 1802. 5 Bde. 8. ^ Uoshexm'ff A«<^ 



Rednerische Schreibart 385 

Reden; Hamb. 1757. 3 Bde. 8. — Jerusalem's Sammlimg ä- 
niger Predigten; Brannschweig 1752. 2 Bde 8. Nene Auflage 
Brannschw. 1788. 8! — Spalding's Predigten; Berl. 1768. 8. 
Nene Predigten; Berl. 1770. 8. 1777. 84. 2 Bde. 8. — W. A. 
Teller*s Predigten, in zwei Sammlangen; Berl 1772. 74. 8. 
Sonn- and Festtagspredigten .durchs -gan^e Jahr; Berl. 1785. 2 
Bde. gr. 8.— Zollikofer's säramtliche Predigten; Lpz. 1798- 
1804. 15 Bde. 8. Samml. noch ungedrackter Predigten; Leipz. 
1811.8.— F. y. Reinhardts Predigten; Wittenb. ond Zerbst 
1792 — 93. 2 Bde. 8. und 35 Bände Predigten ans d. J. 1795- 
1812, welche zu Sulzbach 1796— 1813. 8. herausgekommen 
sind. — J. Q: MdrezoirstPri^igt^in; .Göttingen 1790. 92r 2 Bde. 
8. u* a.'m. — J. H. B. Drd'»eke Dentschland's Wiedergeburt 
(eyang. Reden); Nene Aufl. Lübeck 1817. 2 Bde. 8. Predigten 
för denkentie Verehrer Jesu ; 4te Aufl. Lfineb. 1826. 5 Bde. 8. 
und riele andere. :-^ A. .Tzscbirner Priidigten; Leipz. 1812 
und 1816. 2 Bde. ^. .Predigten ^1817-^1828); 2te Aufl.r Lpz. 
1829. 4 Bde.' 8. ^— G. A.C Haustein ErTunerungen' an ^esns 
Christas, 30 Predigten; Berl. 2te. Auflage 1S15. 8. mit 4 .Fort- 
setzungen bis 1820., und kahlreiche einzelne Predigten. — ^^ E j- 
lert Homilien über die Parabeln, 2te Ausgebe Halle 1819.--8.; 
zahlreiche Gelegenheitsreden. -^ Fr. Sohle iermti^heV Ueber 
die Religion, Reden an die Gebildeten unter jbren Verächtern; 
Berl. 1799. 8. Predigten, 6 Sammlungen; Berl. J 801 U 1831. 
8. Sämmti. Werke, Abth. IL Predigten! Berl. 1834 ff. 8., bis 
jetzt 4 Bdfs., und litterari^her Na^hlafs, Predigten^ B^r],;1835. 
8., bis jetiil 2 Bde* -^' Ghph. Fried. ▼. Ammi>n^<CBristL Re« 
ligionsyortrSge, 6 Tbeil«, Erlangen 1793*- 96. 9.' ReligionsTor* 
träge im Geiste Jesu; 3 Bde. Gott. 1803 — 9. 8. — Von meh- 
rem Predigten s. Er seh' s Handbuch, Band I. Neue Auflage. — 
Als panegyrische Reden zeichnen sich aus: Engel 's Lobrede 
auf den König; Rerl. 1781. 8. Rede, am Geburtstage des Kö- 
nigs gehalten, Berl. 1786. 8.; als akademische Reden: S ch el- 
lin g Ueber das VerhältniTs der bildenden Künste zu der Na- 
tur; Schiller Was beiTst und zu welchem Ende studirt man 
Uniyersalgeschichte. Auch sind Herder*« Schulreden muster- 
haft. 



Gedruckt bei A. W. Schade. 



I 



t 



Drjickfehlen 



Sdite 8. Zdle 11 r. ü. lies Stlckliog B^tt SlSrVlioe. 
«-^23.-12 ▼. o. — fi;eittig8tün «t geialreichsteii^ 



8 ▼. Q. — 1 86. 8t §. 35. 
a — Laaei 
54. — 6 V. 0. — Jörocas 8t JSrden'a. 



45. — 15 T. a — Laaevages st Langaage.- 



— 100. — 16 T. o. — C hin 018, st Chinois., 

— 155. «-> 7 T. o. -^ Jacobs st JacobV 

«-'264. — 2 ▼. a. — Com^dieH8Ji.de$sLCaHe^dtenän.ie. 

— 270. — 17 T. o. — In welchen st ia welchem. 

— 272« — 8 ▼. o. — Area de 8t Arrade. 

— 284. — • 14 ▼. o. — Nebenbuhler st Nachahmer. 
•- 286. — 2 T. o. — tvqiaiti'p st ivgiatwf, 

— 321. «- 6 T. o. — Jonathan st. Johann. 
•» 332. — 3 T. u. — Rhet lib. L st Bhet. 

— 336. — 8 t. o. — Montaigne st Montagae. 

— 363. «- 1 ▼. o. — Simonie de st' Simon de: 

I^ $. 135; ist "za den italienischen Hymnendichtem ]IIatt«ODi 
HmnEnfilgc». wegen der Tier trefflichen Hymnen: Die Aitferstehoog, 
der Name Xsris, die uebort, die Passioit